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Yager
Yetisports Deluxe
Yager  


Info
Autor 2+
 3
 1.5
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Gesamt (41 votes) 2+
 2.1
 1.5
 2
Name:Yager
Genre: Action Sim
Produkt: Vollversion
Release: 2003/10
Publisher: THQ
Entwickler: Yager Development
Hardware: 1Ghz, 256MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 3500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
Multiplay: Lan/ Internet
FFeedback: nein
Sprache: Multilingual
Patch: 5.24
Bemerkung: nur auf DVD Rom, auch für Xbox, Multiplay erst nach Patch 5.24
USK: 12
Yager (review von yak)

In der Zukunft regieren nicht mehr einzelne Staaten das Geschick der Menschheit, sondern Großkonzerne, die die Welt in unterschiedliche Handelszonen unterteilt haben, in denen ein Konzern jeweils die höchste Autorität besitzt und seine Interessen notfalls auch mit Gewalt durchsetzt - eigentlich gar nicht so weit weg von der jetzigen Situation, wenn man genauer nachdenkt :).

In der Welt von Yager übernimmt die Rolle der westlichen (zivilisierten?) Welt die Firma Proteus und die DST stellt das militaristische Gegenstück dazu, natürlich mit all seinen schillernden diktatorisch geprägten Führern, deren Namen eindeutig deutschen Ursprung haben - lange Ledermänteln inklusive. An den beiden Grenzgebieten, der Pufferzone sozusagen zwischen West und Ost, liegt die Freihandleszone, ein Niemandsland und ein bisher relativ friedliches Gebiet, in dem sich einige Individualisten angesiedelt haben, denen Freiheit mehr bedeutet, als sich irgendeinem Konsortium unterzuordnen. In dieser Region wurde auch Magnus Tide, Held unserer Geschichte geboren. Nach einer unehrenhaften Entlassung als Pilot bei Proteus, verdient sich Magnus nun als Freelancer seinen Lebensunterhalt und übernahm Jobs, die anderen zu gefährlich schienen - auch für seinen Ex Arbeitgeber.

Deutsche Softwareentwickler haben es sicher nicht leicht, gegen die Konkurrenz aus den Staaten und neuerdings auch aus dem Osten zu bestehen. Sind doch in den Staaten die Entwicklungsbudgets um vielfach "großzügiger", als in "Good Ol' Germany". Entwicklungsstudios hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang haben dagegen den Vorteil, dass die Personalkosten dort wesentlich niedriger liegen und mit viel mehr "Man-Power" entwickelt werden kann. Zudem denkt man bei Entwickler aus Deutschen Landen eher an etwas Wuseliges im Bereich "Die Siedler", "Fußballmanager" oder "Anno 1602" zu veröffentlichen. Spiele mit aufwendiger 3D Graphik waren eher die Ausnahme und ein wirkliches konkurrenzfähiges Produkt gab's dann auch erst mit "Schleichfahrt". Aber Deutschland macht sich und es wurden aufwendige 3D Engines für den Schleichfahrt Nachfolger "Aquanox" und "Aquanox 2" oder "X Beyond the Frontier" entwickelt und im Bereich Rollenspiel zeigte uns Piranha Bytes, wie man sich die Welt von "Gothic" vorzustellen hatte, auch, als man einen höchst gelungenen Nachfolger samt AddOn hinterherschob und damit noch "eins draufsetzen". Dass Erfolg eines Produktes aber nicht gleichbedeutend mit der vorhandenen hohen Produktqualität ist, mussten einige der Entwickler sicher auch schmerzhaft feststellen. Wenn z. B. der Publisher nicht die nötigen internationalen (oder geeigneten) Vertriebswege besitzt und ein Spiel erst mit einem Jahr Verspätung in USA veröffentlicht oder kaum Werbung dafür gemacht wird. Auch, wenn dem Publisher die liquiden Mittel oder die Courage fehlen, einem Produkt noch den letzten Feinschliff zu finanzieren und vor einem unfertigen Release zu bewahren, wie das Beispiel "Project Nomads" eindeutig zeigte. Ob Yager Development diesen Tücken der Deutschen Softwareindustrie mit ihrem Spiel "Yager" erfolgreich davonfliegen konnte, soll unser Review zeigen.

Technik:

Die eigens entwickelte Engine, die schon auf der Xbox zeigte, was sie drauf hat ist schlicht und ergreifend großartig. Sie zaubert eindrucksvoll riesige Gebiete hochdetailliert auf den Screen und das bei all der Pracht noch bei recht moderaten Hardwareanforderungen. Andere Spieleengines würden bei einem ähnlichen Graphikspektakel gnadenlos in die Knie gehen- nicht so die Yager Engine. Selbst bei massivem Gegneraufkommen und grossen Explosionen waren bei meiner Testkonfiguration keine merkbaren Frameeinbrüche festzustellen (maximale Details und alle Parameter auf "High") und ließen mich sogar in 1024er Auflösung 4 & 8fach Antialiasing aktivieren, was ich sonst selten bei Highend-Engines kann. Dies veranlasste mich sogar das Spiel einmal in 1600 Auflösung anzutesten und ich war erstaunt, was sie dabei dennoch leistete. Soviel zur Performance, kommen wir nun zur graphischen Qualität. Eigentlich sprechen die Screenshots ja für sich. Der Metalllook der Flugzeuge sieht großartig aus, seien es die modernen, auf hochglanz polierten Maschinen oder auch alte, ausrangierte Fahrzeuge, wie beispielsweise der alte rostige Zug in Bitterfeld. Dazu haben alle Objekte so viele kleine Details, dass es fast photorealistisch wirkt. An Magnus Tides Flugzeug kann man jedes Objekt erkennen, seien es die Kanonen oder Verzierungen im Cockpit, ja selbst Piloten sind noch gut und detailreich dargestellt. Eine Kanone ist nicht nur ein aus 2 Polygonen gefertigtes Objekt, sondern besteht aus vielen kleinen Einzelelementen. Dies beschränkt sich jedoch nicht nur auf das eigene Gefährt, auch die anderen Objekte weisen diese Detailtreue auf. Riesige Kampfschiffe mit ihren Aufbauten oder die eigenen Flugzeugträger, die mehrere Landeplattformen auf verschiedenen Ebenen haben, die man auch durchfliegen kann. Das alte ramponierte Schiff der Russen hat beispielsweise einen auf dem Dach montierten drehenden Suchscheinwerfer, dessen Lichtkegel sich durch die diesige, dunkle Regennacht in Bitterfeld schneidet. Rauch strömt aus beschädigten Schiffsteilen und man hat z. B., wenn man dicht vor der Kneipe in der Freihandleszone fliegt, fast den Eindruck, als könne man sehen, was dort heute auf der Mittagskarte steht :-). Dazu sind die Landschaften auch mit vielen Details, u. a. auch jede Menge Bäume, ausgeschmückt. Die Designer haben wirklich viel Feinarbeit geleistet. Ein weiteres gutes Beispiel ist die Reparaturplattform. Einmal dort gelandet, bewegen sich filigrane Roboterarme auf unsern Gleiter zu, um ihn mit flinken und präzisen "Handgriffen" wieder in Stand zu setzten, da wird geschraubt, geschweißt und gebohrt, was das Zeug hält. Dies verschafft Yager eine mehr als gelungen Atmosphäre, vor allem auch durch die Größe und damit entstehende Glaubwürdigkeit des Szenarios, was auch durch die außerordentlichen Spezialeffekte verstärkt wird. In Yager findet man keine gezwungenen "Guck mal was wir können- Effekte", wie man sie teilweise in anderen Spielen sieht. Yager geht hier den realistischeren Weg, was gleichzeitig auch der Glaubwürdigkeit dient. So sieht das Wasser und der Himmel spektakulär aus, ebenso wie die Rauch- und Explosionseffekte in Kombination mit Wettereffekten wie Nebel und Regen beeindruckend wirken. Zwischensequenzen werden mittels der Gameengine erzählt, die in Echtzeit gerendert werden, aber in vielen Sequenzen auch als Filmkonserve abgespielt werden, die jedoch etwas zu schlecht aufgelöst erscheinen und viele Kompressionsartefakte enthalten. Warum man hier nicht die Engine selbst genutzt hat, ist wohl ein Eingeständnis an die Performance und mit Berücksichtigung darauf, dass auch Spieler ohne High-End Rechner die Sequenzen trotzdem in vollen Details ansehen können. Jedenfalls bekommt man in den Filmen nichts besseres zu sehen, als mittels der Engine in Echtzeit hätte dargestellt werden können. Zumindest hätte man eine bessere Videoqualität nutzen können, da das Spiel ohnehin ausschließlich auf dem DVD Medium veröffentlich wurde. Graphisch ist Yager "State of the Art" und hat für mich selbst gegen den Quasikonkurrenten Aquanox 2 die Nase vorne, vor allem aber auch, was die Performance betrifft. Die Sicht kann nach eigenen Wünschen während des Spiels geändert werden. So darf man in 3rd Person, durch das Cockpit oder aber auch "freie" Sicht wählen. Wünschenswert wäre dennoch eine Option zu Erhöhung der Sichtweite gewesen, um auch High End Rechner richtig auszureizen ;). Jedoch empfand ich die Sichtweite niemals als zu gering.

Sound:

Die Geräuschkulisse steht dem graphischen Spektakel in Nichts nach. So knallt und scheppert es aus allen Rohren, Raketen surren dem Spieler, bei ausgezeichneter Ortung, um die Ohren. Ebenso die Sprachausgabe. Profisprecher verleihen den Charakteren wirklichen Charakter. Nichts wirkt aufgesetzt oder gekünzelt. Es gibt jede Menge Funkkontakt, der über den Verlauf, im schlimmsten Falle auch über den Nicht-Verlauf der Mission berichtet. So muss man sich vom Gegner verspotten lassen, erhält Tipps von der Kommandozentrale oder wird gerügt, sollte man sich zu weit vom Kampfschauplatz entfernen. Besonders die Sprüche und das Charakterdesign der zwei alten Russen in Bitterfeld war großartig. Ihr Akzent und ihr Aussehen hatten einen einmaligen Charme und passten perfekt. So hatte einer von ihnen, wie praktisch, als Handprothese einen alten Löffel montiert ;). Vielleicht passt nicht jedem der Stil und die etwas zu obercoolen Sprüche des Protagonisten Magnus Tide, die eher in eine US Fernsehserie der 80ziger passen würde, insgesamt ist die Sprachausgabe aber hervorragend gelungen und glaubwürdig, auch wenn hin und wieder ein Spruch nicht ganz zur aktuellen On-Screen-Aktion passt, bzw. zu spät einsetzt. (Optional kann man in Spiel auch die engl. Sprache anwählen)

Musik:

Die Musik in Yager variiert von "stillen" Ambientestücken bis hin zu einer Musik, die fast an einen Hitchcock-Thriller aus der Feder von Bernhard Herrmann erinnert, wie in einigen Stealth Missionen zu hören ist. Ebenso gibt es aber auch brachiale Kampfmusik, die uns während atemberaubender Luftkämpfe mit Adrenalin versorgt. Durchweg gelungene Kompositionen. Dabei wird man jedoch nicht grundsätzlich mit Musik "zugeballert", sondern sie wird sinnvoll eingesetzt. So gibt es auch Missionen, die zu Beginn völlig ohne Musik auskommen und durch das Setting (eine dunkle verregnete Nacht) allein durch die Geräuschkulisse ausreichend vertont sind. Weniger ist manchmal mehr. Was wirklich enttäuschend ist, ist die Qualität der Samples für die Instrumente. Der Soundtrack ist in vielen Teilen großorchestral angelegt. Leider wirken die Samples teilweise so dünn, blechern und synthetisch, wie in den Anfängen der "Orchestersimulation", gar kein Vergleich zu den großartigen Sampels, die z. B. Christopher Stone (siehe Interview) in Dragon's Lair 3D oder Ian Livingstone in Mace Griffin Bounty Hunter zur "Orchestersimulation" verwendeten. Hier hätte man ein wenig mehr "investieren" müssen- die Komposition ist gut, die Realisation in einigen Stücken jedoch weniger.

Steuerung:

Actionflugsimulatoren sind was für Joysticks und da lasse ich mich auch nicht auf anderslautende Diskussionen ein :). Wer will , kann aber gerne sein Glück mit Tastatur und Maus versuchen, wobei ich davon nur abraten kann und selbst auch wenig Erfolg bei Yager hatte. So spielt sich Yager mit einem Joystick mit 2 analogen Sticks und jeder Menge Knöpfe ausgezeichnet und präzise. Nur die Konfiguration erwies sich als etwas nervig und zeitraubend, da man nur außerhalb des "Flugmodells" seine ideale Konfiguration finden konnte. Eine Bibliothek an geeigneten vordefinierten Standards für die gängigsten Pads wäre hier hilfreich gewesen. Schmerzlich vermisst habe ich auch Force Feedback oder Rumblefunktionen. Ansonsten gab es nach einmal erfolgreicher Konfiguration keinerlei Probleme und das Schiff gehorchte vollkommen meinen Befehlen, Eine sehr gut umgesetzte Steuerung. (nach dem aktuellsten Patch)

Gameplay:

Yager ist eine reinrassige Actionsimulation mit höchst abwechslungsreichen Missionszielen, die man in der Haut des Helden Magnus Tide zu bestehen hat. So ein richtiges draufgängerisches Aussehen hat er jedenfalls nicht, erinnert er doch eher an ein Mitglied einer aktuellen Boygroup, dessen Friseur auch Sonic the Hedghog zu seinem windschnittigen Look verhilft. Dass die Welt von Yager aber ein gefährliches Pflaster ist, erlebt man recht schnell. Nachdem man mehr oder weniger unfreiwillig wieder Jobs für Proteus übernimmt, darf man erst einmal in einem kleinen Tutorial seine Flugkünste unter Beweis stellen und sich in einem Simulator mit der Steuerung vertraut machen. Schnell lernt man die beiden zur Verfügung stehenden Flugmodi. Der Hovermode ist für zaghafte und präzise Manöver ideal, in denen es gilt, sich z. B. vorsichtig und unentdeckt durch das Gelände zu pirschen, Gegner zu snipern, stationäre Geschütze auszuschalten oder auch für Landemanöver- jedoch ist seine Flughöhe eingeschränkt und auch für schnelle Aktionen, zu denen auch die Flucht gehört ;), nicht geeignet. Doch der Wechsel in den Jetmodus funktioniert übergangslos und damit auch die Beschleunigung von Null auf Hundert. Der Jetmodus ermöglicht es, an erbarmungslosen Luftgefechten teilzunehmen, den Gegner zu verfolgen oder aber auch schnell ins Feindesgebiet einzufallen und es nach vollendeter Aufgabe auch genauso schnell wieder zu verlassen. Anfänglich noch ohne viel Schnickschnack ausgerüstet, erhält der Spieler im Verlauf des Spieles Zugriff auf andere Waffenarten, die er z. B. nach Beendigung bestimmter Missionen als Belohnung erhält. Bestimme Pick-Ups, die man im Gelände dank Greifhaken aufnehmen kann, sorgen für Nachschub der Extrawaffen oder auch schon mal für einen Booster, der es kurzzeitig ermöglicht, mit wesentlich erhöhter Geschwindigkeit zu fliegen. Waffen wie Raketen oder aber auch ein Sniper mit Zoomfunktion kommen da für einige Spezialaufträge mehr als gelegen, denn manchmal agiert man besser, besonders bei stärkeren Gegnern, unentdeckt aus sicherer Entfernung. Da sucht man mittels der Zoomfunktion das Gebiet vorsichtig nach stationären Geschütztürmen ab und eliminiert sie, bevor man das Gebiet und damit auch ihre automatische Feuerfunktion erreicht. Gegen Ende erhält man auch, was wohl mittlerweile auf der "Must Have Liste" aller Entwickler steht, noch eine Art "Bullet Time", die das Spielgeschehen kurzzeitig in Zeitlupe versetzt und somit ein recht präzises Angreifen selbst im Jetmode möglich ist.

Die Missionen sind vielfältig und abwechslungsreich, wie ich es selten in einem Spiel dieses Genres erlebt habe. Hier hat man sich eindeutig viel Mühe gemacht und überlegt, was und wie man in diesem Spieltyp neue Akzente setzen kann, sehr vergleichbar mit Crimson Skies, wobei mir Yager hier noch ein wenig besser gefällt. Besonders schön ist auch die Möglichkeit, während des Missionsablauf Bonusziele absolvieren zu können, die zum einen aus zusätzlichen Aufgaben bestehen, die nichts mit der eigentlichen Hauptmission zu tun haben (z. B. einen vermissten Jungen zu finden), zum anderen aber auch davon abhängig ist, wie man die Hauptmission erledigt. Waghalsige Piloten können so ein feindliches U-Boot, das ausgeschaltet werden musste, in einem kleinen Himmelfahrtskommando versenken. So öffnete das U-Boot in bestimmten Zeitabständen die Tore zum inneren Landedock. Flog man dort hinein, konnte man das U-Boot mit ein paar gezielten Treffern von innen nach außen krempeln :-). Jede Hauptmission bot solche Belohnungen für besonders mutige Piloten. Hat man dann in mehreren Disziplinen (Snipern, genommener Schaden, Bonusziele, aufgenommene Pick-Ups etc.) das Soll erfüllt, war ein Orden fällig und damit die Freischaltung von zusätzlichen Datenbankinfos, in denen man dann Details zu den Schiffsklassen nachschlagen konnte. Wie abwechslungsreich die Missionen sind, soll anhand von ein paar Beispielen erklärt werden. Im Bitterfeld der Zukunft, dass eher aussieht wie eine atomverseuchte riesige Mülldeponie, muss man versuchen, durch eine Art Canyon zu gelangen. Problem ist aber, dass dieses Gebiet von einer unüberwindbaren Anzahl von automatischen Geschützen bewacht wird und ein Durchkommen unmöglich ist. Wie gesagt nur fast, denn schließt man mit den Exilrussen dort Freundschaft, wird man gemeinsam schon einen Weg finden, diese Sperre zu umgehen. Leichter gesagt als getan, denn Freundschaft schließt man nicht so schnell und so müssen wir sie erst von unserem guten Willen überzeugen, indem wir ihnen dabei helfen, die Angreifer abzuwehren oder ein Geschenk für sie zu suchen. Nach einem brüderlichen Umtrunk kann es dann auch schon fast losgehen, aber erst muss man noch selbst hinter die stationäre Kanone und ein paar Ganoven vom Himmel holen. Durch die neu gewonnenen Freunde erfährt man von einer alten riesigen Lokomotive, die früher immer durch den Canyon gefahren ist. Das nächste Ziel stand fest und man macht sich in Begleitung der neuen Freunde auf den Weg, die Lok wieder in den Fahrplan aufzunehmen, was aber nicht einfach ist, denn der Weg dorthin ist lang und beschwerlich und es warten ein paar harte Gegner auf uns. Doch für einen gut trainierten Freelancer kein Problem und wir begleiten die Lok, natürlich unter Geleitschutz, damit sie auch das Ziel möglichst unbeschadet erreicht, zum neuen "Bestimmungsbahnhof", der zugleich auch die Lösung für unser "Canyonproblem" ist. Die Lok startet die Fahrt durch den Canyon und gibt uns, durch ihre Masse, Schutz vor den Geschütztürmen. So fliegen wir durch den Canyon, müssen jedoch oft auch noch die Seite wechseln, da die Geschütztürme auf beiden Seiten der Strecke verteilt sind, bis wir schließlich das Ziel erreichen. Großartig und vor allem auch perfekt in Szene gesetzt, wie viele andere Missionen in Yager auch. Sich mit einem gestohlenen Bomber aus dem Gefängnis schleichen? Kein Problem. Problematisch wird es nur, wenn man dann einen Bomber hat, der durch ein Missgeschick ein großes erkennbares Makel trägt. Durch einen Zwischenfall ist der rechte Geschützturm komplett zerstört und dadurch fallen wir auf, wie ein bunter Hund. Was also tun? Man sucht sich einen abgestürzten Bomber und verändert sein Äußeres so, dass er unserem entspricht und die Verfolger ihn als unseren "aktzeptieren". Oder man schleicht sich mit dem Bomber in das feindliche Gebiet ein, um dort eine Sabotage durchzuführen, man fängt eine Rakete ab, die auf dem Weg ist, das Hauptquartier zu zerstören, oder man schleicht sich vorsichtig, ungesehen, in Nebelwolken, an übermächtigen Gegnern vorbei, um sich so bis zur Energieversorgung durchzuschlagen und diese auszuschalten.

Yager ist zwar vollkommen linear, wenn man von den optionalen Missionen absieht, es stört aber keinesfalls, denn alles wurde perfekt, spannend und atmosphärisch inszeniert und besonders die Zwischenbosse und Endgegner in einigen Leveln tragen viel dazu bei. Diese sind auch zu meist nicht durch einfaches Draufballern zu besiegen. Hier muss man Schwachpunkte finden. Ein großes Kampfschiff hat z. B. seine Achillesverse am rückseitig befindlichen Treibstofftank. Also ablenken, von hinten anschleichen und auf den "Kanister" snipern, bis es kracht. Aber auch riesige Schlachtschiffe gilt es ganz Star-Wars-like zu besiegen. Hier muss man zuerst die Geschütztürme angreifen, damit man sich am "Rest" gütig tun kann und dann den Brocken samt Energiekern und Brücke auseinandernehmen. Hier hat man fast das Gefühl, wieder im guten alten X-Wing einen Sternenzerstörer auf's Korn zu nehmen. Kurzum, Yager bietet mit seinen Missionen wirklich für jeden etwas in einer gut dosierten Mischung aus Action, aber auch geplantes, vorsichtiges Vorgehen ist gefragt. Die Gegner KI ist ausgesprochen gelungen. Sie fliegen geschickt und weichen den Attacken aus, wohingegen aber träge Bomber diese Eigenschaften zwar nicht auf ihrem Dienstplan haben, es aber locker mit kompensierter Feuerkraft ausgleichen.

Gespeichert werden kann nur nach jeder absolvierten Mission. Automatische Checkpoints innerhalb der Levels lassen den Spieler beim Ableben jedoch dort wieder starten. Im Gegensatz zur Xbox Version kann man nun ohne Limitierung/Continues beliebig oft an einen Checkpoint starten. Beendet man die Mission aber vorzeitig, ist der Level jedoch komplett neu zu spielen.

Kritik:

Eigentlich ist das Spiel in technischer Hinsicht, wie auch vom Gameplay her, perfekt inszeniert. Dennoch gibt es einige Kritikpunkte, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Der Schwierigkeitsgrad, der jetzt im Gegensatz zur Xbox Version drei Varianten zur Auswahl hat, ist immer noch knüppelhart, so dass Anfänger ohne falsche Scham auf "Leicht" spielen sollten. Zum Glück kann man aber jederzeit den Schwierigkeitsgrad auch bei begonnener Kampagne reduzieren (Was ich bei einer Mission, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, getan habe ;)). Weiterhin geht das Missionsbriefing im ganzen Funkverkehr und der Action oft unter, so dass man bisweilen gar nicht weiß, was es eigentlich zu tun gibt. So muss man erst oft mehrfach herumprobieren und experimentieren, wie eine Mission überhaupt zu schaffen ist. Besonders bei zeitabhängigen Missionen ist dies ärgerlich. So hab ich in der vorletzten Mission sicher 30 Anläufe gebraucht, um das gigantische Feindschiff in Einzelteile zu zerlegen. Hier war u. a. auch die Zeitspanne zu klein und für Anfänger kaum schaffbar, wenn man nur eine Reparaturstation aufsuchte, um sich wieder zu regenerieren . Nutzt man diese Station, ist es zeittechnisch kaum schaffbar, besonders, wenn man von Munitionsarmut heimgesucht wurde und die Standardwaffe am gigantischen Schiff einfach zu wenig Schaden anrichtet. Da die Pick-Up Suche ebensoviel Zeit in Anspruch nimmt, hat man das gleiche Problem wie mit der Reparaturstation. Hier hätte man besser die Reparaturstationen für den leichten Schwierigkeitsgrad ähnlich wie im Multiplayerspiel arrangieren sollen (als automatische aufnehmbare Reparatureinheit, die während des Fluges repariert) und vielleicht auch währenddessen ein wenig Munition für die anderen Geschütze spendieren können. Ich habe auch in den schwierigeren Leveln fast darauf verzichtet, da man die Pick Ups oft nur durch waghalsige Flugmanöver im Jetmode aufnehmen konnte. In langsamen Hovermode war man einfach zu sehr Zielscheibe der Feinde. So haben es Spieleneulinge doppelt schwer, da in schweren Missionen Munitionsnachschub ebenso schwerer wird - hier wäre ein etwas besseres Ballancing wünschenswert gewesen. Oft scheiterte die Mission auch, obwohl man eigentlich nicht so ganz wusste, was man falsch gemacht hat, bzw. eine zeitkritische Beschützermission ihr Limit überschritten hatte. Ein wenig mehr Zeit-Großzügigkeit wäre dem allgemeinen Gameplay zu Gute gekommen. Geärgert hat mich in einer Mission, dass ich, nachdem ich eigentlich verdeckt vorbeischleichen sollte, jedoch alle Feinde ausschalten konnte, das Übertreten eines bestimmten Bereiches eine Skriptsequenz auslöste, in der ich ohne weitere Handlungsmöglichkeiten von Jägern abgeschossen wurde. Ärgerlich besonders, da viele Missionen ja auch in alternativen Lösungen möglich waren- nur in diesem Fall nicht. Das schränkte die ansonsten recht offene Handlungsfreiheit doch sehr ein. Zu schwer finde ich auch das Erreichen der Orden für erfüllte Bonusaufgaben -ehrlich gesagt habe ich keinen einzigen bekommen, immer fehlte es irgendwo, entweder 2 % beim Scharfschützenmodus oder ein übersehenes Pick-Up. Generell sind die Anforderungen, hier in allen nötigen Kategorien Höchstleistungen zu vollbringen, in meinen Augen zu hoch und daher auch eher demotivierend, nicht jeder will im Scharfschützenmodus durch die Level oder kann eine so hohe Trefferquote realisieren. Ein paar technische Probleme gab es aber dennoch. So erfassten die Checkpoints nicht das vorherige Spielgeschehen, wie man es verlassen hat. In der Mission "Schatten & Nebel" hatte ich alle Gegner bereits ausgeschaltet, wurde nur von einem Geschützturm "erwischt". Die Folge war, dass nach dem Wiedereintritt ins Spiel fast alle Gegner wieder da waren und auch die Energieversorgung, die ich bereits vor Erreichen des Checkpoints sabotiert hatte, waren wieder funktionstüchtig. Bei den Missionen, in denen man den feindlichen Bomber fliegen durfte, blieb ich oft, näherte ich mich Gegenständen oder dem Boden, dort hängen und konnte mich nur schwer befreien. Vermisst habe ich auch, wie unter "Steuerung" bereits erwähnt, Force Feedback Effekte.

Gewünscht hätte ich mir ein selbst modifizierbares Upgradesystem. Wozu bin ich Freelancer, wenn ich mein schwer verdientes Geld nicht für Equipment ausgeben darf? So hätte ich auch das Problem mit der Munitionsarmut besser in den Griff bekommen. In Yager bekommt man nur das, was man vorgesetzt bekommt. Ein kleiner Shop in der Freihandelszone oder ein Munitionsupgrade an den Reparaturstationen wäre hier sicher nicht verkehrt. Klasse wäre es gewesen, wenn man auch wie bei Mace Griffin Bounty Hunter, einige Missionen in der Egoshooterperspektive hätte spielen können. Die Flucht aus dem Gefängnis hätte sich sicher dazu angeboten, die Engine scheint dazu jedenfalls allemal in der Lage :-). Hoffen wir mal, dass diese Features in Teil 2 verwirklicht werden.

Multiplay:

Mit dem aktuellesten Patch liefern die Entwickler auch den angekündigten Multiplayerpart nach, der es 8 Spielern auf 10 Karten ermöglicht, Deathmatch oder Teamdeathmatch Duelle auszutragen. Leider wird die Multiplayervariante wohl eher nur für LAN-Parties ein Thema, denn es gibt keinen Server-Browser oder eine Unterstützung via Gamespy. So kann man sich nur auf einer IP "verabreden" und selbst ein Spiel eröffnen, was aber in der Praxis eher düster aussieht und damit wohl eher dem Untergang geweiht ist. Schade, denn die Karten sind interessant und das Spiel ist schnell und actionreich genug, um eine gelungene Alternative für Onlinematches bieten zu können. Besonders schön gelungen ist die Variante des mobilen Reparaturkits, das sich wie eine Borg-Drohne um das Schiff spannt und in der Luft Reparaturen durchführt. Wirklich schade, dass Publisher THQ für solch ein Vorzeigeprodukt keine gängige Internetoption angeboten hat. Hier hätte ich lieber auf einen Gamespy Support bei Warhammer 40.000: Fire Warrior vom gleichen Publisher verzichtet und dafür Yager online gespielt. Die Karten basieren auf bekannten Graphiksets und Schauplätzen der Singlerplayerkampagne.

Die Fans des Spieles haben jedoch Selbsthilfe gross geschrieben und die Yager Community hat zwei Möglichkeiten geschaffen, das Spiel auch online geniessen zu können. Eine Server-Registry (yager.servebeer.com, yager.homelinux.com) ermöglicht es, mit einem Klick seinen eigenen Rechner als Server einzutragen und es gibt auch einen Quakenet-IRC-Channel #yager-game.

Das Yager Buch:

Parallel, wie THQ es damals auch zu dem AddOn X-Tension von X Beyond the Frontier praktiziert hat, ist zu Yager auch ein Roman aus der Feder von Helge Kautz (Nominierung zum Kurd Laßwitz Preis für den X-BTF Roman "Farnhams Legende") erschienen, der in 240 Seiten die Vorgeschichte zum Spiel unter dem Titel "Die Sagittarius-Verschwörung" erzählt. (ISBN: 3980669823) (Leseprobe)

Fazit:

Yager ist ein durchweg gutes und empfehlenswertes Actionspiel. Für mich in einem Atemzug zu nennen mit Schleichfahrt, auch wenn es nicht unter Wasser spielt ;). Jedenfalls spielt es sich um Längen besser und spannender, als Aquanox 1 & 2 . Abwechslungsreiche Missionen, wie man sie selten findet, perfekte technische Präsentation und eine durchweg gelungene Story sorgen für 15-20 Stunden Spielzeit, wobei hier jedoch der hohe Schwierigkeitsgrad ein Wörtchen mitzureden hat. Die kleineren Mängel mindern den Spielspass nur selten und so kommen Freunde von Star Lancer, Wing Commander, Freespace, Crimson Skies oder der Schleichfahrt Serie samt Nachfolger hier definitiv auf ihre Kosten, wenn sie durch die Ruinen des zukünftigen Bitterfeld im Schleichmodus an den Geschütztürmen vorbeischleichen, dem DST Kommandant Gunther von Berg ein Schnippchen schlagen, sich getarnt im feindlichen Bomber in die Höhle des Löwen wagen, ihr eigenes Schiff zurückerobern und der Detonation im sabotierten Hangars noch gerade so durch ein waghalsiges Flugmanöver entkommen können, bevor die Sicherheitstore sich schließen.


Geschrieben am 30.12.2003, Testkonfiguration: AMD2100+, Radeon 9500 Pro, 512MB Ram, SB Audigy
 



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