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X Beyond the Frontier
X Com
X Tension
X-Com Enforcer
X-Com TftD
XIII
X-Com Enforcer  


Info
Autor 3+
 3
 0.5
 1
Gesamt (11 votes) 3+
 1.6
 0.4
 1.3
Name:X-Com Enforcer
Genre: Arcade Action
Produkt: Vollversion
Release: 2001/05
Publisher: Infogrames
Links: X-Com Tactical Command
Hardware: 233Mhz, 32MB RAM, 4MB 3D-Karte D3D, HD 500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 95/98/ME, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Gamepad
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Englisch
zensiert: nein
Serie: ja
USK: 12
X-Com Enforcer (review von yak)

Die X-Com Reihe von Microprose hat immer noch eine grosse Kultgemeinde und den Anspruch zeitgleich mit All-Time-Classics wie z. B. Fallout genannt zu werden. Konnte man früher in den drei Teilen rundenbasierte Strategiejagd auf Aliens zu Wasser und in der Luft machen, dabei ausserirdische Artefakte erforschen, neue Technologien entwickeln, um der Alieninvasion Herr zu werden, sieht die Sache bei X Com Enforcer gänzlich anders aus.

Das Schlechte vorweg. Wer denkt, hier handelt es sich um eine Weiterentwicklung im alten Stil der X Com Serie (X Com, X Com Terror from the Deep, X Com Apokalypse), wird enttäuscht. Auch hat es nichts mit dem Weltraumshooter X Com Interceptor gemein. Man findet wenig Element aus der alten Reihe in dem Spiel wieder, bis auf den Titel und einiger Bezüge wie das Erforschen von Alienartefakten. So sollte es eher als ein abgedrehtes Action-Spin-off aus dem X Com Universum gesehen werden.

Und das so ein "Schöpfung" gut sein kann, sieht man ja auch in anderen Bereichen (wer glaubt, Star Trek Voyager hat noch was mit dem Ur-Star Trek zu tun, wird mir da recht geben ;)).

Kurz zur Vorgeschichte: Die Welt wird von Alieninvasoren bedroht und scheint nicht mehr zu retten, bis ein Wissenschaftler aus den X-Com Labs eine bahnbrechende neue Erfindung konstruiert, um die Alienattacken erfolgreich abwehren zu können. Den X-COM Enforcer. Einen Kampfroboter, der mit High Tech Equipment ausgerüstet ist und die einzige Rettung der guten Mutter Erde zu sein scheint. Wir übernehmen nun im Spiel den Enforcer, um in den unterschiedlichen Leveln die Alienbrut auszurotten.

Das Spiel wurde mittels der Unreal Tournament Engine entwickelt, die immer ist noch in der Lage ist, die Spiele zeitgemäss und mit opulenter Optik auf den Screen zu zaubern. Die Lichteffekte sind überzeugend, besonders beim Abfeuern der unterschiedlichsten Waffen. Die Hauptfigur ist schön animiert, wie auch die gesamte Alienbrut, die einfallsreich von bekannten Area 51 Standardaliens bis hin zu mechanischen Riesenspinnen reicht. Für genügend Abwechslung in Form von Kanonenfutter ist also gesorgt. Auch der Sound weiss zu überzeugen und zeigt sich ohne Tadel. Die Waffen surren, der Flammenwerfer brutzelt, die Aliens quieken. In einigen Leveln wirken die Texturen jedoch etwas aufgesetzt. Auf dem Campingplatz sind z. B. der Zaun und der dahinterliegende Wald auf einer Ebene, was eher den Eindruck einer Tapete hat. Da aber das Spiel vom Design und auch von den Locations einen 50ziger Jahre Stil hat (die UFOs sehen aus wie aus dem Filmklassiker, "Der Tag, an dem die Erde still stand" oder "Kampf der Welten"), kann das so von den Designern gewollt sein, jedoch wirkt dann die gewählte Hintergrundmusik im Stile von Techno-Rock etwas fehl am Platze. Hier gibt es einen kleinen Bruch im Design, der aber im Spiel nicht auffällt, da man eh keine Zeit hat, im Adrenalinpumper des Jahres 2001, der selbst Serious Sam Konkurrenz macht, auf die Musik zu hören. Man erfreut sich einfach seines Lebens. Die Engine unterstützt Auflösungen von 512x 384 bis 1280 x 960 in 32 Bit. Gespielt werden kann über Joystick, empfehlenswert ist jedoch die Kombination aus Tastatur und Maus. Die englische Sprachausgabe ist gelungen, besonders die Stimme des Professors, mit seinen witzigen Kommentaren und seiner speichellastigen Aussprache, hat mich begeistert. So muss sich ein verdrehter Professor anhören.

Wer nun denkt, Unreal Technologie= Ego Shooter wird enttäuscht. X-Com Enforcer ist eher vergleichbar mit einem Spielhallentitel, was Action und Spielprinzip angeht. Gespielt wird in der 3rd Person Perspektive, was bedeutet, dass die virtuelle Kamera immer hinter dem Rücken unseres Protagonisten geführt wird und evtl. in bestimmten Spielabschnitten in die Vogelperspektive wechselt, um immer eine optimale Übersicht darzustellen. Ein Rauf/ Runtersehen ist nicht möglich, was mich anfangs sehr gestört hat, aber nach einiger Spielzeit von mir als eine optimale Designentscheidung empfunden wurde, denn es handelt sich hierbei um einen Action-Arcade-Shooter, vergleichbar mit Expandable von Rage oder dem guten, alten Gauntlet aus der Spielhalle von Williams, nur, dass das Umfeld nun in echtem 3D gestaltet ist und auch entsprechend begehbar ist, dies jedoch mit einer fixierten Kamera.

Nach kurzem Tutorial, in dem der Professor uns mit den X-Com Enforcer Technologien vertraut macht, kann die Action beginnen. Wir erfahren, dass unser Enforcer nur eine spezielle Waffe tragen kann (zusätzlich zur Standardwaffe), was sich später im Spiel als eine wichtige, strategische Komponente herausstellen wird. Das Spielprinzip ist recht einfach gestrickt. Ballern was das Zeug hält und die Wumme an Munition ausspucken kann, bis der Mausbutton qualmt. Dabei gibt es unterschiedliche Missionsziele, die dem Ballervergnügen genügend Abwechslung bescheren, z. B. ist ein wichtiges Hauptziel, alle Alientransporter, aus denen immer wieder neue Ausserirdische auf die Erde gebeamt werden, zu zerstören oder Menschen befreien, retten oder bewachen. Auch Endfuzzis in die ewigen Jagdgründe befördern, eine Überfahrt mit einem Hovercraft überleben und den Alienansturm Einhalt gebieten. Sollte man einmal festhängen, hilft einem der Professor mit einem Richtungspfeil zum nächsten Missionsziel gerne aus. Alles findet in so vielen unterschiedlichen Szenerien statt, dass man hier nur den Hut vor den Leveldesignern ziehen kann. So darf man sich u. a. in einem Canyon, einem Campingplatz, auf den Dächern einer Grossmetropole,einem Parkhaus, einen Einkaufscenter, einer U-Bahn Station, einem Kornfeld samt Bauernhof, einem Friedhof, dem Abwasserkanal, einem Flugzeug, der Arktis und letztlich bis zu einem Alienmutterschiff durchkämpfen. Alles mit viel Liebe zum Detail und massig versteckten Secrets, die für den weiteren Spielverlauf wichtig sind. Ein Relikt, das aus der alten X-Com Reihe in X-Com Enforcer verwendet wurde, ist das Auffinden von Alienartefakten. Diese sind häufig in Secrets versteckt. Jedoch einmal entdeckt, kann sie der Professor, der immer mit uns in Sprachkontakt steht, im Labor für uns erforschen und daraus Upgrades für unsere Waffen erbauen.

Wie kommt man jedoch an neue Waffen? Jedes erlegte Alien bringt sogenannte Datapoints, die nach dem Beenden des entsprechenden Spielabschnittes im Labor des Professors gegen Upgrades getauscht werden können. Hier kann man dann, sollte man vorher ein entsprechendes Alienartefakt gefunden haben, seine schwerverdienten Datapoints in drei Rubriken verprassen. Waffen (insgesamt 12) Upgrades (erscheinen temporär im Spiel und können dann kurzzeitig genutzt werden) und Charakterupgrades. Dies bedeutet, man kann sich im Spiel neue Waffen freischalten kann, die dann im jeweiligen Level an Waffenportalen erscheinen und nutzbar sind, solange die jeweilige Munition dafür ausreicht. Für Abwechslung im Waffendesign wurde ausgiebig gesorgt. So findet man von der Shotgun bis zum Nuker auch einfallsreichere Waffen, die an einen Rasenmäher erinnern, im Nahkampf aber das Mass der Dinge sind. Jede Waffe lässt sich auch noch in vier Entwicklungsstufen tunen und erreicht damit mehr Effektivität, Streuung und Durchschlagskraft. So wirkt ein hochgezüchteter Nuker eher wie eine mittlere Atomkatastrophe. Auch die temporären Upgrades (bis auf das Healthspack), die oft nach dem Erledigen von Gegnern erscheinen, haben jeweils 4 Entwicklungsstufen. So hat man z. B. einen Bombenangriff, eine Verteidigungsdrohne, Unsichtbarkeit und vieles mehr (12 Varianten).

Weiterhin kann man auch seinen Charakter verstärken. So kann man seine Sprungkraft, Rüstung, Selbstheilung, Geschwindigkeit und Munitionskapazität permanent steigern. Dadurch hat man die Möglichkeit, sein Alter Ego entsprechend zu skillen und seine Fähigkeiten zu verfeinern. Man sollte jedoch möglichst seinen Charakter als Allrounder ausbilden, da man im Kampfgefecht oft nicht umhin kann, eine Waffe aufzunehmen, die man nicht unbedingt besonders getuned hat. So kann man dann, umkreist von 40 Aliens, mit einer Waffe, die nicht viel mehr bringt, als ein Schweizer Taschenmesser, wenig ausrichten. Daher sollte man hier recht überlegt vorgehen und sich nicht zu sehr auf eine Waffengattung fixieren, so verlockend das auch erscheinen mag. Wie kommt man nun an genügend Datapoints, um seinem Kaufrausch im Labor auch ausreichend nachgehen zu können. Nun, man kann die Transporter lange genug stehen lassen und sein "Kopfgeld" mit den Aliens verdienen, da sie ständig "respawnen", solange der Transporter aktiv ist. Dies funktioniert aber nicht in allen Leveln, da auch zeitabhängige Missionen vorhanden sind.

Die Designer haben zudem eine alte lang vergessene Variante aus Spielhallengames übernommen. Ganz in Zeiten von Mr. Do! muss kann man in jedem Level alle fünf Buchstaben des Wortes BONUS finden, die meist im Verborgenen liegen. Sind diese im jeweiligen Level gefunden, erreicht man einen von fünf liebevoll gestalteten Bonusleveln, die von ihrer Machart auch eine Hommage an die alten Arcadezeiten sind, mittels Varianten von Pacman und Frogger. Hier muss euer Enforcer Datapoints in einem Labyrinth "fressen" oder eine viel befahrene Hauptstrasse überqueren.

Der Vorteil der Bonusstages ist: Hier gibt es Datapoints en masse. Also fasst euch ein Forscherherz und sucht die Stages nach den Buchstaben ab, es lohnt sich und macht tierischen Spass. Was ist nun das Besondere an dem Game und lässt mich dafür eine so hohe Wertung vergeben? Klar, das Game hat nicht die Spieltiefe von Deus Ex, aber das will es auch gar nicht. Es ist einfach "FUN PUR" in Perfektion. Noch nie habe ich auf meinen PC einen solchen Massenauflauf und Mengen an bewegten Objekten auf dem Bildschirm gehabt wie in X-Com Enforcer. Wie man es mit der doch eher für "5 Gegner On Screen Unreal Engine" geschafft hat, einen solchen psychedelischen Massenrun der Aliens auf den Screen zu zaubern, ist mir echt ein Rätsel. Teilweise (wenn ich die Zeit gehabt hätte zu zählen) sind locker 40-50 Aliens hinter mir her, zusätzlich zu den Schüssen und Objekten, den Datapoints und Granathülsen, Raketen und Energieblitzen, die meine Waffen erzeugen. Das ist wirklich kaum zu glauben. Noch nie hat die Alienjagd mehr Spass gemacht und mehr Adrenalin durch meine Venen (und mein nun schwaches Herz) gepumpt, als in X-Com Enforcer. Von der Menge der Objekte auf dem Screen hat da selbst der Platzhirsch Serious Sam das Nachsehen. Hier zeigt sich, was gute Programmierarbeit selbst bei einer in die Tage gekommenen Engine noch bewirken kann, ohne den Rechner in die Knie zu zwingen. Dazu kommt noch, dass X-Com auch die Möglichkeit bietet, die Aliens im Coop Spiel von der Erde zu pusten. Da macht das Ganze noch mal soviel Spass und selbst bei der Menge der dargestellten Objekte ist ein Spiel über Internet unproblematisch. Einziger Wermutstropfen ist, dass man einen Multiplayerspielstand nicht speichern kann. Das ist auch schon ziemlich der einzige Kritikpunkt an dem Spiel, den ich habe und der hoffentlich durch ein Update behoben wird. Speichern kann man das Spiel nur nach Beenden eines Levelabschnittes und das ist auch genau richtig so, ganz im Sinne der Arcadegames, sonst hätte das Spiel nur den halben Fun-Faktor. Im Coopmode jedoch ist ein Wiedereintritt jederzeit möglich. Zusätzlich gibt es noch 16 Deathmatchkarten, die einen Enforcer gegen Enforcer Kampf ermöglichen (jedoch keine Bots). Der Coop-Mode stellt sicher die spassigste Variante dar.

Das Spiel hat drei anwählbare Schwierigkeitsgrade (ein vierter wird nach Beenden des "Hard" Modi freigeschaltet). Solltet ihr euch für "easy" entscheiden, bleibt euch jedoch das Grand Finale vorenthalten, das muss man sich erst verdienen. Also mindestens im Schwierigkeitsgrad "normal" durchspielen. Nett ist auch das Gimmick, dass man nach dem Durchspielen eines Schwierigkeitsgrades neue Enforcer Skins freigeschaltet bekommt. Ich kann jedem, der unkomplizierte Tour de Force-Fun-Action mit Suchtfaktor sucht, das Spiel empfehlen.

Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines Reviews, der bereits auf der Seite GUN veröffentlicht wurde.



Geschrieben am 31.05.2001, Testkonfiguration: AMD1200, Geforce-3, 512MB Ram, SB Audigy
 



11 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Gut (4.2 von 5 Punkten)
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