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Witcher, The  

Rückseite ]

Info
Autor 2+
 1.5
 1.5
 2.5
Gesamt (181 votes) 1
 1.7
 1.7
 2.6
Name:Witcher, The
Genre: Action Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2007/10
Publisher: Atari
Entwickler: CD Projekt
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 2.4Ghz, 1GB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 8500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Multilingual
zensiert: nein
Serie: ja
Patch: 1.5
USK: 18
Witcher, The (review von ronin)

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge denke ich an meine erste Begegnung mit den polnischen Entwicklern von The Witcher zurück. Damals lief unsere kleine yiya-Truppe - Exoten unter den ganzen hippen Online-Redakteuren und den Möchtegern-Großen der "Szene" - durch den Business-Bereich der Leipziger Spielemesse. Ähnlich einem orientalischen Marktschreier sprach uns in gebrochenem Englisch ein junger vor Energie sprühender Mann an, von dem wir nachträglich erfuhren, dass er CD Projekt angehörte. Er bezeichnete uns schmeichelhaft als "smart guys", überreichte uns seine Karte und lud uns zu einer "ganz besonderen" Spielepräsentation ein. Eher amüsiert als interessiert wimmelten wir den Herrn ab - zu Unrecht muss man nachträglich eingestehen. Bei der Präsentation handelte es sich um nichts weniger als The Witcher, welches Ende 2007 endlich auf den Markt kam und eine ähnliche Überraschung wie seiner Zeit Gothic 1 darstellte. Nach umfangreichem Test und langem Warten auf Patch 1.2 soll nun endlich das Review zeigen, wie den "smart guys" das ungewöhnliche Rollenspiel schlussendlich gefallen hat. Vorab wieder ein paar Worte zur technischen Präsentation.

Klone aus Polen?!

Auf den ersten Blick ist die Optik von The Witcher über jeden Zweifel erhaben. Selten erlebt man solch stimmige und Atmosphäre fördernde Lichtspiele. Der Tag- und Nachtrhythmus ist eine Klasse für sich und die schaurig schöne Beleuchtung in den düsteren Katakomben oder Kloaken vermittelt Gänsehautfeeling. Auch die Umgebungsdetails in den frühneuzeitlichen Städten im Fachwerkstil, dem Sumpf oder den Dörfern sind erstklassig umgesetzt. Oft passierte es mir, dass ich während der beginnenden Dämmerung andächtig die Szenerie bewunderte. Der Sonnenuntergang an den Gestaden der Herrin vom See sucht seines gleichen. Erstaunlich, was die nicht mehr ganz frische Aurora-Engine, welche schon bei Neverwinter Nights zum Einsatz kam, zu leisten vermag. Aber es gibt auch einiges zu bemängeln. Besonders störend sind die immer gleichen Modelle der NPCs. Manche Quest relevanten Charaktere erkennt man nur am grünen Markierungstext. Besonders spaßig war das richtige Herausfiltern eines Ansprechpartners aus einer Gruppe von acht Druiden. Erstens sahen alle gleich aus und zweitens hießen sie entweder lapidar Druide oder eben älterer Druide. Ich tippe auf Zeit- und Geldmangel was die Modelle betrifft, anders lässt sich dieses schon als gravierend zu bezeichnende Inzuchtproblem innerhalb der Witcher-Welt nicht erklären. Ein Problem an dem übrigens auch Gothic 3 litt. Ein zweites gravierendes Manko ist die Schauplatzarmut. Man bewegt sich von Akt 1 - 3 ausschließlich in einer überschaubaren Stadt, einem Dörfchen nebst Umland und einem Sumpf. Zwar ändern sich Quests und NPC-Standpunkte mit den laufenden Akten, aber etwas mehr Abwechslung hätte dem Spiel hier gut getan. Ab Akt 4 ändert sich das und der Spieler erlebt noch viele schöne Stunden in abwechslungsreichen Gefilden. Eine bessere Umverteilung zwischen den Spielabschnitten hätte hier gut getan, zumal die Spielumgebung recht linear ist, da es fast überall Levelgrenzen gibt, die das Areal bedeutend einschränken. Aber dazu später mehr. Auch fallen die Grüfte und Innenbereich von Häusern sehr eintönig aus und wiederholen sich im Aufbau doch stark. Hier fällt einem spontan das Wort editorlastig ein. Sehr positiv hervorzuheben sind die Animationen Geralts. Der charakterstarke weiße Wolf schnetzelt sich mit immer ausgefalleneren Kampfchoreografien durch Gegnerscharen, dass es eine wahre Freude ist, zuzuschauen. Dabei bleibt anzumerken, dass besonders "Finishing Moves" effektreich und brutal ausgefallen sind. Aber The Witcher ist schließlich ein 18er Titel.

"Professionelle Ungeheuertöter?!"

Die Ambiente-Sounds sowie die orchestrale musikalische Untermalung sind hervorragend gelungen. Dabei wird vor allem die Musik nicht überstrapaziert. Die Themen sind sehr situationsbetont und fördern damit die an sich schon großartige Atmosphäre. Die unbeschwerten Melodien im Gasthaus oder beim Würfelspielen stellen einen angenehmen Kontrast zu den aufpeitschenden Klängen während der actionreichen Kämpfe dar. Auch die beklemmende Atmosphäre, wenn man durch düstere Katakomben wandert, wird musikalisch sehr gut unterstützt. Durchwachsen fällt die Sprachausgabe aus. Von deutschen Stilblüten wie dem Ausdruck "Geralt ist ein professioneller Ungeheurtöter!" einmal abgesehen, schwankt die Qualität von sehr gut bis unmotiviert. Es passiert leider häufig, dass der oder die Sprecher den völlig falschen Ton für die jeweilige Situation anschlagen. Aber alles in allem kann man die Sprachausgabe als gut bewerten.

Ein Fall für Den Haag

Die wohl schlimmste Schlappe fährt The Witcher in diesem Bereich ein. Was sich CD Projekt hier bei der Inventarfunktion geleistet hat, grenzt schon an Verletzung der Menschenwürde. Aber immer schön der Reihe nach. Die Steuerung von Geralt hängt von der gewählten Kameraperspektive ab. Man kann einmal ähnlich wie in Neverwinter Nights 2 aus einer Art Vogelperspektive wählen, bei der man Geralt ähnlich einem Echtzeitstrategiespiel durch die Gegend klickt. In Kämpfen ist hier die Übersicht recht gut, aber alles in allem konnte ich mich mit dem seltsamen Mix aus Maus und Tastatur nicht anfreunden. Die zweite Ansicht ähnelt der ersten, nur, dass man näher an der Spielfigur dran ist. Die dritte und mir sympathischste ist die klassische Third-Person-Ansicht. Man schaut über Geralts Schulter und fühlt sich einfach mehr mitten drin als nur dabei. Aber auch hier leidet vor allem in Kämpfen die Übersicht. Schlussendlich ist keine der drei Perspektiven wirklich optimal ausgefallen. Hier hätte man sich auf eine beschränken und diese konsequenter umsetzen sollen. Die Steuerung im Kampf fällt ungewöhnlich und zugleich erfrischend anders aus.

Denkt man zu Beginn noch, dass das exakt zu timende Geklicke auf Dauer nicht ausreichend fordert, wird man im weiteren Spielverlauf eines besseren belehrt. Der Spieler klickt nicht aktiv einzelne Schwertbewegungen, sondern muss richtig getimt die Taste für Angriff betätigen. Dies wird durch Sound und Grafik angezeigt. Den Rest macht Geralt von selbst. Das mag einfach klingen, lässt aber durch verschiedene Angriffstypen und Schwertarten ausreichend Platz für Taktik und Abwechslung. Dabei läßt sich der Kampf jederzeit pausieren, um in den doch recht hektischen Scharmützeln nicht den Überblick zu verlieren, denn obwohl die vielen Kämpfe actionreich choreographiert wurden, führt, vor allem in der ersten Hälfte des Spiels, die richtige Wahl des Schwertstils und der Tränke zum Sieg. Gefallene Gegner hinterlassen in ihren "Überresten" (kleine Haufen aus Knochen, die etwas an die unfreiwillig komischen Zensurmaßnahmen aus der Commandos-Reihe erinnern) vornehmlich Geld und Alchemiezutaten. Durch Drücken von ALT lässt sich dabei jedes benutzbare Objekt hervorheben. Apropos Alchemie. Das Brauen von Tränken stellt im Witcher-Universum eine wichtige Größe dar, die man, im Gegensatz zu anderen Rollenspielen, nutzen sollte. Umso ärgerlicher ist die Bedienung dieses Features. Es passiert häufig, dass Questgegenstände "verbraut" werden und man im nicht sortierbaren Inventar, welches vor kaum unterscheidbaren Alchemiezutaten überquillt, völlig den Überblick verliert. Eine eigene Kräutertasche mit klarer Ordnung nach Bestandteilen wäre hier sinnvoll gewesen, zumal The Witcher kein Spiel der großen Zahlen ist. Die Anzahl der verschiedenen Waffen und Rüstungen übersteigt gerade mal den einstelligen Bereich. So passiert es viel zu häufig, dass der Spieler aus der tollen Atmosphäre des Spiels gerissen wird, weil er sich umständlich durch das Inventar quälen muss.

Und wieder mal ist einer auf den Kopf gefallen…

Die Idee ist nicht neu, nicht sehr kreativ, aber ausgesprochen praktisch, zumal der Hexer auf einer Romanvorlage des polnischen Fantasyautors Andrzej Sapkowski beruht und dadurch für Spieleentwickler immer diverse Probleme auftauchen (Storyentwicklung, Vorkenntnisse des Spielers etc.) Aus diesem Grund sei der Gedächtnisverlust verziehen. Zur Geschichte von The Witcher soll nicht viel gesagt werden. Geralt, der weiße Wolf, ist ein Mitglied der Hexer - mutierte, unfruchtbare "Ungeheuertöter" mit besonderen Kräften. Dabei sind sie weniger Magier, sondern vielmehr Kampfzauberer mit großem alchemistischem Verständnis. Der Hauptprotagonist des Spiels ist dabei ein besonders starkes Exemplar und im Land sehr bekannt - nur leider weiß er davon nichts. Anzumerken sei, dass Hexer vornehmlich für Geld arbeiten. Schon hier merkt der aufmerksame Spieler das Fehlen von rechtschaffenden guten Helden in blitzenden Rüstungen. Von den saftig grünen Hügeln des Auenlandes, den zarten, esoterischen Elfen und den Pathos beladenen Geschichten eines Herr der Ringe sollte sich der Spieler schnell verabschieden. Das Königreich Temerian ist erschreckend rau, unmoralisch und damit durchaus aktuell und realistisch. Es geht um Rassismus, Drogen- und Kinderhandel, Prostitution und politische Intrigen. Es ist einfach ein erfrischend anderes Szenario und zieht den gewillten Spieler unweigerlich in seinen Bann. Das Spiel unterscheidet sich so maßgeblich von den sauberen, moralisch durchgespülten Fantasywelten eines Tolkien und seiner Spieleableger. Selbst der namenlose Held aus Gothic wirkt neben Geralt wie ein Moralapostel. Der Hexer passt als Figur hervorragend in diese raue Welt. Er ist ein Schürzenjäger sondergleichen, nimmt wirklich jede mit, die ihm vor den "kleinen Hexer" läuft, egal ob Mensch, Elf oder Dryade. Dabei nehmen Frauen keine Opferrolle ein. Mit einem unangenehmen Gefühl denke ich an meine Liaison mit der Herrin des Sees zurück. Sie klagt darüber, dass ihre treuen Ritter, die mittlerweile alle durch ihre Suche nach dem heiligen Gral verschollen sind (Na, wer kennt die Story nicht ;-) ?), immer nur Ehrerbietung für sie übrig hatten. Mit eindeutigen Anspielungen macht sie Geralt klar, dass sie sich nach mehr sehnt. Geralt startet nun eine ähnlich erfolglose Triade aus Komplimenten, mit dem Resultat, dass die Herrin meint, er solle doch frei heraus sprechen. Geralt: "Herrin, ihr habt den schönsten Arsch der Gegend!" Zack, Geralt kommt zum Beischlaf mit einer Wassernixe. Besonders toll war das Gespräch danach, in dem der erfolgsverwöhnte Frauenheld mit dem lapidaren Kommentar in seine Schranken gewiesen wird: "Grämt euch nicht, so schlimm war es auch wieder nicht." Herrlich! Ich gebe zu ich schweife ab, aber es fällt schwer dem Zauber dieses Spiels zu beschreiben. Die ganze Art der Erzählung, das raue und doch so vertraute Ambiente, all das wirkt wie eine willkommene Abwechslung zu den Standartstorys der großen Rollenspielmeilensteine wie Oblivion, Gothic, oder Neverwinter Nights. Der Spieler wird ständig auf seine Aussenseiterrolle hingewiesen. Wenn Geralt durch die Straßen des Elendsviertels läuft erntet er regelmäßig Spott und Ablehnung "Was war denn das für einer, so eine Missgeburt hab ich ja noch nie gesehen *fiesesLachen*." Beim Eintritt in eine Schenke fällt häufig ein Kommentar über Geralts angebliche Mutter, die irgendwas mit den Geschlechtsteilen von Zwergen macht. Die Welt wird dadurch sehr glaubwürdig und vermittelt gut das Klima eines ständig schwelenden Konfliktes.

Dabei ist Geralt kein wirklicher Bösewicht im klassischen Stil. Er lebt und wirkt einfach in einer Welt in der es kein Schwarz und Weiss gibt. Jede seiner Entscheidungen hat bis zum Ende des Spiels gravierende Auswirkungen auf ihn und seine Umwelt. Beispiele gibt es genug, eines der ersten stellt die Entscheidung dar, ob man den Elfen eine Waffenladung überlässt, oder sie daran hindert. Ich half ihnen und das Ergebnis war ein Massaker an unschuldigen Dorfbewohnern. Die Elfen sind nicht besser und nicht schlechter als ihre Gegenparts vom Orden der roten Flammenrose. Jede Fraktion hat einfach ihre eigenen Ziele, Probleme und Sorgen. Geralt steht immer wieder vor solchen schwierigen Situationen, es ist unmöglich (ich habe es ehrlich versucht!) neutral zu bleiben. Das typische Rollenspielverhalten - so viele Quests für möglichst alle Parteien erfüllen und Erfahrung einheimsen - funktioniert hier nicht. Diese richtungsweisenden Storyentscheidungen finden dabei nicht nur innerhalb der Hauptquests statt, auch viele Nebenquests wirken dabei mit. Die Questqualität ist allerdings schwankend. Während die Hauptaufgaben durchweg spannend und abwechslungsreich ausfallen, hätten die Entwickler mehr Sorgfalt bei den Nebenquests walten lassen können. Oftmals nimmt man Kopfgeldaufträge an, in denen eine bestimmte Menge Zutaten von Ungeheuern gesammelt, bzw. ein bestimmtes Bossmonster getötet werden muss. Diese Aufgaben erledigen sich zwar größtenteils nebenbei, aber wirklich einfallsreich sind sie nicht. Außerdem verschlimmern diese Kopfgeldverträge das Chaos im Inventar um ein gehöriges Maß. Jeder Auftrag wird aufgelesen und im Inventar einzeln" aufbewahrt. Nichtsdestotrotz ist man mit The Witcher locker zwischen 60 - 80 Stunden, je nachdem wie sorgfältig man die Nebenaufträge erfüllen mag, beschäftigt.

Einen gehörigen Atmosphäredämpfer bringt allerdings die häufige Nachladerei mit sich. Eine in sich geschlossene Welt ohne Nachladezeit wie etwa in Gothic gibt es bei The Witcher nicht. Für jede noch so kleine Hundehütte wird nachgeladen. Die ersten drei Akte spielte ich noch mit Patch 1.1a und habe dann einfach aufgehört, da mir das viele Rein- und Rausladen gehörig auf den Geist ging, und dabei ist mein PC durchaus als Highend zu bezeichnen. Seit Patch 1.2 wurde hier aber gehörig nachgebessert. Das Nachladen dauert nicht mehr annähernd so lang und auch das Speichern geht zügig von der Hand. Apropos speichern. The Witcher legt für jeden! Speichervorgang ein neues Savegame an. Bei einer Spielstandgröße von über 5 MB kann sich jeder vorstellen wohin das mit der Zeit führt. Zusätzlich wird häufig automatisch gespeichert, was das Problem noch verschärft. Mein Savegameordner war nach der halben Spielzeit auf fast 2 GB angewachsen.

Klasse statt Masse - auf Gedeih und Verderb?

Essenziell für ein gutes Rollenspiel sind die Charakterentwicklung sowie die Ausrüstung. Letztere ist bei The Witcher sehr beschaulich ausgefallen. Gerade einmal drei verschiedene Rüstungen sind im gesamten Spiel erhältlich. Ringe haben hauptsächlich Schmuckcharakter und auch Waffen sind rar gesät. Geralt setzt mehr auf Klasse statt Masse. Es gibt prinzipiell zwei Waffentypen. Stahl- und Silberschwerter. Ersteres eignet sich vornehmlich für menschliche Gegner, letzteres für alle Arten von Ungeheuern und unnatürlichen Erscheinungen. Zusätzlich existieren noch Zweitwaffen wie Beile, Hämmer und Dolche. Allerdings war mir deren Funktion schleierhaft, da mit diesen Waffen die ausgebauten Hexerkampfstile nicht funktionierten und diese damit keine Alternative darstellten. Schade, hier wäre mehr Sorgfalt nötig gewesen. Durch Runen und Meteoritenerz können allerdings neue, bessere Hexerwaffen beim Schmied hergestellt werden. Auch findet man so manches scharfe Schmuckstück in stinkenden Kloaken. Sammelwütige Spieler werden bei The Witcher allerdings enttäuscht. Das schon angesprochene Kampfsystem bezieht seinen Reiz aus der gewählten Waffe und dem Kampfstil. Bei vielen Gegnern eignet sich der Gruppenkampfstil, einzelne schnelle Angreifer benötigen eine schnelle Angriffsart und Bossen sowie schwer gepanzerten Gegnern sollte man mit dem starken Kampfstil entgegentreten. Zusätzlich nutzt man noch Geralts Magiefähigkeiten. Relativ schnell stehen die fünf Zauberrunen zur Verfügung. Feuerattacken, Furcht verbreiten oder Gegner wegschleudern sind durchaus mächtige Angriffsformen. Allerdings muss einem klar sein, dass der Schwerpunkt auf dem Kampf liegt. Die sehr beschränkte Zauberauswahl passt meiner Meinung nach sehr gut zum Charakter von Geralt. Er ist halt kein Stab- sondern ein Schwertschwinger - zumindest in Kampfsituationen. Allerdings hätten die Runen doch etwas essenzieller ausfallen können. Bis auf den einen oder anderen Feuerball und die Bodenwelle, fand ich die verbleibenden drei Runen zu schwach, um wertvolle Punkte zu investieren. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache. Apropos Skillsystem. Das zu Beginn sehr umfangreich erscheinende Skillsystem ist meiner Meinung nach eine kleine Enttäuschung. Anfänglich erhält man lediglich Bronzetalente pro Levelaufstieg, später kommen Silber- und Goldtalente dazu. Im Endeffekt bleibt nur die Entscheidung, ob man eher kampf- oder zauberlastig spielen mag. Die beiden Wege lassen hiernach wenig Spielraum zu. Man steigert einerseits erst alle Bronzetalente in den Kategorien wie Stärke, Ausdauer oder Intelligenz (was die passiven Fähigkeiten betrifft) und anderseits die Kampfstile (Gruppe, stark, schnell) in den beiden Schwertkategorien. Danach ist Silber dran und schlussendlich Gold. Mich persönlich störte diese Einschränkung weniger, aber experimentierfreudige Naturen kommen hier nicht auf ihre Kosten.

Wein, Weib und Gesang

Noch ein paar Worte zu den im Spiel enthaltenen Minispielen. Man kann Würfel spielen und in Schänken boxen, was sich auch als konstanter Questplot durch die Geschichte zieht. Leider ist vor allem das Boxen ziemlich anspruchslos ausgefallen. Selbst der letzte Boxchampion war so einfach und schnell besiegt, dass mir das ganze Prozedere lediglich als leichte Erfahrungssammelei vorkam und weniger als ein forderndes Zwischenspiel. Das Würfeln ist ähnlich simpel ausgefallen, aber es macht mehr Spaß, zumal so die prinzipiell knappe Geldbörse etwas aufgefrischt werden konnte. Auch der Schwierigkeitsgrad stellt ein etwas delikates Problem dar. Wird man anfangs noch gemächlich mit Steuerung und Umfeld vertraut gemacht, zieht der Schwierigkeitsgrad im zweiten Akt, wenn der Spieler erstmals den Sumpf betritt merklich an. Zum ersten Mal rannte ich weg! Spätestens mit der besseren Rüstung, die man sich für 5000 Orens kaufen kann (eine beträchtliche Summe Geld), fällt der Schwierigkeitsgrad rapide ab. Ab der Mitte von Akt 3 empfand ich kaum noch Herausforderung bei den Kämpfen. Selbst die Bosse waren erstaunlich schnell besiegt und dabei nutze ich kaum die Möglichkeit im Kampf auszuweichen oder exzessiv Tränke zu nutzen. Der Schwierigkeitsgrad ist übrigens in drei Stufen einstellbar (ich spielte auf normal).

Um das Thema Sex und Gewalt kommt man in The Witcher nicht herum, deshalb hierzu noch ein paar Worte. Zur rauen Welt von The Witcher gehören diese Themen einfach dazu. Das Kampfgeschehen fällt deshalb sehr blutig aus. Abgetrennte Köpfe und harte "Finisher" gehören zu Geralts Tagesgeschäft. Auch die Darstellung nackter Damen (ich meine wirklich nackt - mit einem wolligen Schauer denke ich an die schöne Dryade aus dem Druidenhain zurück ;-) ) stellt für die polnischen Entwickler kein Problem dar. Die einschlägigen Szenen werden allerdings verschwommen dargestellt und man erhält lediglich eine Art Trophäenkarte zum nachträglichen Anschauen. Für mich machten diese, in Spielen heutzutage problematischen Elemente, einen wichtigen Bestandteil des Spielerlebnisses aus. Da der Titel sowieso nichts in Kinderhänden zu suchen hat, sehe ich deshalb an dieser Stelle kein großes Problem. Letztendlich muss jeder Spieler selbst entscheiden, ob ihm dies zusagt oder nicht.

Weniger Ungeziefer als befürchtet

Auch The Witcher erschien mit einem Releasepatch und hatte, neben den langen Ladezeiten, mit so manchem Problem zu kämpfen. Erstaunlicherweise lief das Spiel bei mir größten Teils unproblematisch. Plotstopper oder ähnliche Spielspaßkiller traten überhaupt nicht auf. Lediglich mit Patch 1.2 kam es zu sporadischen Abstürzen, was nur durch das Abschalten der Feldschärfe in den Grafikoptionen behoben werden konnte. In Foren wird über ähnliche Abstürze geklagt. Ein zukünftiger Patch hilft hier hoffentlich.

Fazit

CD Projekt hat mit diesem Kleinod das für mich beste Rollenspiel der letzten vier Jahre auf den Markt gebracht. Fernab von Itemsammelwut, Tolkien-Pathos und verquerer amerikanischer Moralvorstellungen haben es die polnischen Entwickler geschafft, ihr "Baby" ihrer Vorstellung entsprechend zu verwirklichen. Die erschreckend dem Zeitgeist entsprechende aber auch enorm reizvolle Geschichte zieht den Spieler unweigerlich in seinen Bann und verlangt von ihm mehr als bloßes Schwarz-Weiss-Denken. Der interessante, vielschichtige Charakter lässt den Spieler mitfiebern und sich mit ihm auf eine Weise identifizieren, die kein Rollenspiel bisher erreicht hat. Natürlich offenbart auch The Witcher unnötige Schwächen. Das Inventar- und Alchemiesystem ist eine mittlere Katastrophe, die Itemarmut wird so manchen Rollenspieler schockieren, die Ladezeiten reißen viel zu oft aus der stimmigen Fantasywelt und die Balancingprobleme beim Schwierigkeitsgrad hätten vermieden werden können. Aufgrund genannter Mängel schaffte es leider auch The Witcher nicht, die Bestnote zu kassieren. Allerdings vergebe ich ruhigen Gewissens eine gute yiya´sche 2+. Kein Rollenspieler und auch Genrefremde, die auf große Charaktere und tolle Geschichten stehen, sollten an diesem Spiel vorbeigehen. Gratulation CD Projekt, ihr habt es der westlichen Konkurrenz erfrischend gezeigt, ich freue mich auf ein baldiges Addon und Teil 2.


Geschrieben am 19.01.2008, Testkonfiguration: Intel Dual Core E6750, 4GB, GeForce 8800GTS
 



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