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Undercover Op. Winters.  

Rückseite ]

Info
Autor 3+
 0.5
 1.5
 2
Gesamt (6 votes) 2
 0.9
 1.6
 1.8
Name:Undercover - Operation Wintersonne
Genre: Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2006/09
Publisher: Anaconda
Entwickler: Sproing
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 1Ghz, 256MB RAM, 64 MB D3D T&L&PixSha., HD 1800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Patch: 1.1
USK: 12
Undercover - Operation Wintersonne (review von nali_warcow)

Der Zweite Weltkrieg. Wie oft haben PC und Konsolenspieler diesen nicht schon als "Spiel" erlebt? Wie viele Shooter oder Strategiespiele gibt es zu diesem Thema? Ist das Thema nicht eigentlich mehr als ausgereizt? Der österreichische Entwickler Sproing hatte sich mit "Undercover: Operation Wintersonne" etwas anderes vorgenommen und präsentiert den Spielern ein Adventure in diesem Setting. Ganz ohne Waffen und ohne Actionsequenzen gilt es, eine Massenvernichtungswaffe in Deutschland zu finden und - wenn sie existiert - unschädlich zu machen. Der englische Geheimdienst setzt dabei jedoch nicht auf James Bond, sondern auf den Physiker John Russel, der Welt retten soll. Wie gut das Vorhaben umgesetzt wurde und wie sich das Spiel gegen aktuelle Konkurrenten schlägt, soll das folgende Review zeigen.

Ausgeliefert wird Undercover in einer kleinen Eurobox mit Klappcover, die ist eine ganze normale DVD Hülle enthät. Auf der mitgelieferten DVD befindet sich die deutsche Version des Adventures. Auf zusätzliche Sprachversionen wurde jedoch verzichtet, obwohl es einen entsprechenden Schieberegler gibt, der jedoch keine weiterer Option anbietet. Das 15 Seiten Schwarzweiss-Handbucheiten führt den Spieler in die Handlung ein, erklärt die simple Bedienung und gibt einige Tipps für den Anfang des Adventures. Abstürze, Bugs oder Sackgassen traten im Testverlauf nicht auf und auch der Kopierschutz arbeitetet unauffällig im Hintergrund.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Die Geschichte des Spiels versetzt den Spieler ins Jahr 1943. In einer Mischung aus Fakten und Fiktion steuert man den englischen Physiker John Russel durch Deutschland. Eigentlich wollte John gar nicht nach Deutschland, doch nachdem der MI6 Hinweise auf den Bau einer deutschen (Uran-)Geheimwaffe in die Hände bekommen und den Physiker um Rat gefragt hat, gibt es keinen Weg zurück. Das Reiseziel lautet Berlin. Hier gilt es die Plane der Deutschen auszukundschaften und die mögliche Bedrohung genau einzuschätzen. Wie bei allen Operationen verläuft auch bei Russels Einsatz nicht alles nach Plan und die Bedrohung ist weitaus größer und ernster, als dies vom englischen Geheimdienst angenommen wurde. Nach einem stimmungsvollen Renderintro beginnt schließlich das Abenteuer für den Spieler direkt im Hinterhof des MI6. Von einigen wenigen, sehr kurzen Ausnahmen abgesehen, wird die Handlung über Ingamedialoge in Spielgrafik präsentiert. Neu gewonnene Erkenntnisse führen zu neuen Orten und die eine oder andere Wendung wartet.

Auf der Flucht

Es kam, was kommen musste: Russel wurde gefangen genommen und zum Verhör gebracht. Doch ein Quäntchen Glück sorgt dafür, dass plötzlich auf mysteriöse Weise der Strom ausfällt. Ab durch das Fenster und auf einen darunter stehenden Lastwagen. Jetzt gilt es schnell einen Fluchtweg zu finden und zum nächsten Ziel zu kommen: Haigerloch. Allerdings wird das kein leichtes Unterfangen. Um den Bahnhof zu erreichen, muss der Held die nächste Querstraße passieren, gesichert durch einen deutschen Wachposten. Dieser würde den Spieler augenblicklich bemerken und wieder festnehmen. Ein Ablenkungskommando muss her, doch sonderlich viele Möglichkeiten gibt es nicht. Eine genauere Untersuchung der Gegend fördert lediglich eine alte Decke, eine Ölpfütze, einen Wassereimer und einen kleinen, verschlossenen Kasten an einer Wand ans Licht. Vielleicht kann ja auch die angetrunkene Person weiterhelfen, die den Laternenpfahl vor dem Umfallen bewahrt. Wie sich im folgenden Gespräch herausstellt, ist der Herr für die Sirene zuständig. So ein kleiner Luftangriffsalarm wäre schon hilfreich, nur leider will sich der Sirenenwart nicht von seinem Schlüssel trennen. Doch es gibt ja noch immer einen anderen Weg. Eine Hand wäscht auch in Deutschland die andere. Für einen kleinen alkoholischen Schluck könnte man ja über alles reden. Nur woher nehmen, wenn kein Laden in der Nähe ist und um diese Zeit sowieso alles geschlossen hat? Glücklicherweise hat Russel jedoch ein wenig Spiritus bei sich. Mit dem Wasser aus dem Eimer sollte sich da doch was mischen lassen. Denkste, der Sirenenwart nimmt nicht jeden Fusel, etwas Edles - "Walröder Obstbrand" - soll es sein. Um diesen Spezialwunsch zu erfüllen, gilt es ein Etikett zu fälschen. Zuerst wird ein Stück Papier benötigt. Das Plakat an der Wand scheint hierzu wunderbar eignet. Schnell mit dem Messer ein Stück abgeschnitten und die Rückseite mit dem Stift verschönert. Das selbstgemalte Etikett wird noch kurz im Wasser angefeuchtet und dann auf die Flasche gepappt. Nach kurzer Überredung wird die "Jubiläums-Edition" des Obstbrandes schließlich vom Sirenenwart akzeptiert und im Gegenzug der Schlüssel ausgehändigt. Nun kann die Flucht beginnen. Der kleine Kasten wird aufgeschlossen, der Alarm ausgelöst und als die Soldaten in die Luft schauen, huscht Russel über die Straße. Der Weg zum Flughafen ist fast frei, lediglich der Stacheldrahtzaun ist ein Problem, doch in Kombination mit der Decke und den herumstehenden Kisten geht es wenig später in Richtung Haigerloch.

1943 - Auf der Suche nach einer Uranbombe

Wie schon erwähnt beginnt das Abenteuer des Physikers im Hinterhof des MI6. Hier kann sich der Spieler mit den Aktionsmöglichkeiten vertraut machen und lernt den Umgang mit den zahlreichen Objekten. Im Gegensatz zu vielen anderen Adventuregames wird bei Undercover nicht gekleckert, sondern geklotzt. In jedem Bild sind zahlreiche Interaktionspunkte und Objekte zu finden. Auch in Sachen Gegenständen läuft der Spieler mit prall gefüllten Taschen herum. Wenig später, beim ersten Reiseziel Berlin, findet der Held in einer Schachtel zahlreiche nützliche Objekte: Schmierseife, Spiritus, Steinsalz, Zitronenextrakt, Fleckenwasser, Eisenvitriol, eine leere Flasche und ein Bleistift wandern ins Inventar. Neben Gesprächen sind somit kleine Puzzle und Kombinationsaufgaben der Hauptbestandteil des Spiels. In Undercover wird recht viel geknobelt und Objekte müssen sinnvoll angewendet werden. Allerdings setzt das Spiel in keiner Weise auf elendig lange Laufwege. Egal ob der Spieler im Heereswaffenamt nach Infos schaut oder in der Eiseskälte von Stalingrad zu überleben versucht, die Schauplätze sind recht kompakt gehalten. Die Rätsel geben sich dabei überwiegend natürlich. So müssen zahlreiche Schlösser geknackt oder Wachen abgelenkt werden. In einem Fall wird ein Soldat durch eine selbstgebaute Steinschleuder vom Posten weggelockt, in einem anderen eine Türklinke unter Strom gesetzt oder die Wachen, wie im Beispiel oben beschrieben, mit einer Sirene abgelenkt. So manche Aufgaben dürften Spielern zumindest vom Ansatz her bekannt vorkommen. Selbstverständlich gilt es auch eine Tür zu öffnen, in der der Schlüssel auf der Rückseite steckt. Doch der Erfolg stellt sich dann doch nicht ein, da der Schlüssel nicht unter der Tür durch passt. Es gilt einen anderen Weg zu finden und man muss sich eine Säure mischen, mit der das Schloss weggeätzt werden kann. In den meisten Fällen hat der Spieler sehr gute Vorstellungen darüber, was erwartet wird. Die Probleme sind meist klar zu erkennen, im Dialog mit anderen Charakteren wird das weitere Vorgehen besprochen und der Held gibt hilfreiche Kommentare von sich. Neben schlichten Kombinationsaufgaben gibt es auch einige weitere Rätsel, die den Spieler bei Laune halten. So darf ein zerrissener Papierfetzen genauso wenig fehlen wie das Knacken eines Tresors oder das richtige Anordnen von Zahnrädern, um einen Mechanismus zu aktivieren. Eine Aufgabe muss unter Zeitdruck gelöst werden, wobei dies mehr als großzügig bemessen ist. Actionelemente und Schleichpassagen haben die Entwickler nicht direkt ins Spiel eingebaut. Lediglich an einer Stelle muss man eine zweite Spielfigur durch die Regalreihen lotsen und das Licht ausschalten, damit der Charakter nicht von den Soldaten gesehen wird. Wie auch beim Entschärfen einer Bombe gibt es einen entsprechenden automatischen Checkpoint, so dass der Spieler die Aufgabe einfach erneut beginnen kann und dabei nicht einmal einen Ladeschirm zu sehen bekommt.

Der Schwierigkeitsgrad richtet sich insgesamt eher an die fortgeschritteneren Adventure-Spieler, die sich nicht gleich durch viele Gegenstände und zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten vergraulen lassen. Ist der Anfang des Spiels in Berlin erst einmal überwunden, hat man die kniffligsten Stellen auch schon geschafft. Leider ist Undercover von der Spielzeit nicht sehr und wird zudem zum Ende hin leichter, so dass der Abspann bereits nach etwa zehn Stunden über den Schirm rollt.

Präsentation

Undercover lässt sich komplett mit der Maus steuern und orientiert sich an einer ganz normalen Point & Klick-Steuerung, wie Adventurespieler es aus anderen Games gewohnt sind. Der interaktive Mauszeiger ändert, je nach Objekt, seine Form und zeigt dadurch an, welche Aktionsmöglichkeiten ausgeführt werden können. Mit einem Links- und Rechtsklick können dann entsprechende Kommandos geben werden. Mit einem Doppelklick legt Russel einen kleinen Sprint ein bzw. ein Bildschirmausschnitt wird sofort verlassen. Wie es zuletzt bei Geheimakte Tunguska eingeführt wurde, gibt es auch in Undercover eine Hotspot-Hilfe. Drückt der Spieler die Backspace-Taste, werden sämtliche Objekte mit Namen auf dem Schirm angezeigt. Dadurch wird schnell erkannt, ob irgendwo im Bild ein kleiner Gegenstand übersehen wurde. Wer die Funktion nicht nutzen möchte, kann sie auch im Optionsmenü deaktivieren und darf dann nicht mehr "spicken". Bei der Grafik setzt Undercover auf eine 2D/3D Mischung.. Die vorgerenderten Hintergründe sind sehr detailliert ausgefallen und wissen mit zahlreichen Details zu gefallen. Die Interaktion der Spielfigur mit der Umwelt ist ebenfalls sehr gut gelungen. Je nach Handlung agiert der Charakter ein wenig anders. Beim Abkratzen des Fensterkitts streckt sich Russel ein wenig, beim Öffnen der Tür bückt er sich nur ein wenig und die Animationen in den Zwischensequenzen stehen dem in nichts nach. Da zuckt der Held mit den Schultern oder putzt sich im Gespräch nervös die Brille. Für Gespräche und Zwischensequenzen verwendet das Spiel außerdem eine spezielle Nahaufnahme und sorgt dadurch für Filmflair. In solchen Sequenzen fällt dann zwar auf, dass die Charaktere 3D Modelle sind und die Texturen nicht ganz so hochauflösend sind, um mit den Hintergründen mithalten zu können, doch dank ansehnlicher Lichteffekte und Kantenglättung wird ein stimmungsvolles Gesamtbild aus 2D und 3D Technik geboten. Als Auflösung stehen 1024x768 und 1280x1024 zur Auswahl. Wer will, kann auch einen speziellen Sepia-Filter im Optionsmenü aktivieren und bekommt eine Art "vergilbte, alten Postkarten"-Ansicht geboten. Sehr unschön wirken dagegen die doch merklichen Ladezeiten zwischen den einzelnen Bildern, die durchaus einige Sekunden dauern. Als akustische Untermalung gibt es eine stimmige Hintergrundmusik, die sich jedoch beim Puzzeln angenehm dezent im Hintergrund hält. Bei den Sprechern hat Anaconda wieder einmal eine recht gute Wahl getroffen. Lediglich an einigen Stellen wäre ein wenig mehr Tempo nicht schlecht gewesen, allerdings betrifft dies dann meist auch die Aktion der Figur. Gröbster Schnitzer bei der Sprachausgabe sind Mängel im Bereich Lippensynchronisation, die gerade in der Nahaufnahme unschön anzusehen sind.

Meinung

Auch wenn das Setting durch die anderen Spielgenres schon mehr als überreizt wurde, haben es die Entwickler dennoch gut geschafft, dies in Form eines Adventures umzusetzen. Die hohe Rätseldichte und die durchweg sehr guten Rätsel wissen vor dem Schirm zu fesseln. Aber auch die vielen Gegenstände, die kaum vorhandenen Laufwege und die atmosphärisch vorgetragene Handlung wissen zu unterhalten. Die Aufgaben sind durchweg fair und zudem abwechslungsreich. Zwar muss man öfters einen Soldaten ablenken, dann doch auf jeweils sehr unterschiedlich Art und Weise. Bei der Grafik leistet sich Undercover kaum Schnitzer. Das Spiel ist ansehnlich, die Charaktere gut animiert und die Sprachausgabe stimmig. Vor dem Kauf lohnt es sich auf jeden Fall einen Blick in die Demo zu werfen, der Spieler kann nicht nur das Rätseldesign antesten, sondern auch schauen, ob ihm die Atmosphäre zusagt. Verständlicherweise wird hier kein sonderlich „lustiges Spiel“ geboten. Sich mit dem Charakter anzufreunden, gelingt sicher nicht jedem Spieler gelingen. Der Professor schwankt ein wenig zwischen ernsthaft und schusselig. An einigen Stellen ziehen sich Animationen, Aktionen und Texte auch ein wenig in die Länge und drücken etwas die Atmosphäre. Fortgeschrittene Spieler bekommen etwa zehn Stunden gute Unterhaltung mit sehr guter optionaler Hotspot-Hilfe. Wer sich mit dem Setting anfreunden kann erhält ein gelungenes Adventure, WW2-Muffel greifen lieber zu Geheimakte Tunguska.


Geschrieben am 19.10.2006, Testkonfiguration: AMD64-3500+, 1GB, GeForce 6800GT, SB Audigy2ZS
 



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