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Trackmania 2:Canyon  


Info
Autor 2+
 2
 2.5
 2
Gesamt 2+
 2
 2.5
 2
Name:Trackmania 2: Canyon
Genre: Racing
Produkt: Vollversion
Release: 2011/09
Publisher: Ubisoft
Entwickler: Nadeo
Offiz. Sites: Game
Hardware: 1.5Ghz, 256 MB PixelShader3, HD 1500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista/Windows7, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Gamepad
Multiplay: Internet
Sprache: Deutsch
zensiert: nein
Serie: ja
Trackmania 2: Canyon (review von geuer)

Wie will man ein Spiel verbessern, das eigentlich schon alles hat? Diese Frage müssen sich die Entwickler von Trackmania United gestellt haben. Und wie schafft man es, einerseits ein anspruchsvolles Spielerlebnis zu schaffen, das sich maßgeblich von den realitätsnahen Simulationen eines Forza Motorsport 4 oder Gran Turismo 5 absetzt, andererseits aber den neuen und mittlerweile schon beinahe als trashig zu bezeichnenden NfS-Ablegern, die derzeit in Form des neuen Arcarde-Racers Need for Speed: The Run pünktlich zum Jahresende noch einmal vertreten sind, nicht zu nahe zu treten?

Nadeo hat es mit der Trackmania-Reihe schon immer verstanden, die Elemente der beiden genannten Genres zu vereinen: So ist man zwar weit von einer Simulation entfernt, doch muss man den Arcade-Wagen exakt und mit für das Genre ungewohnt viel Skill steuern. Jeder Fehler wird sofort bestraft. Weiterhin geht Trackmania über den NfS-Arcade-Standard hinaus und liefert Strecken, von denen man mit ihren Loopings und wilden Sprüngen bisher nur träumen konnte. Mittlerweile steckt hinter dem Ableger Trackmania United, vor allem bedingt durch die gesamten Zusätze und das Forever-Upgrade, nicht nur eine riesige Community, sondern zudem sieben verschiedene Umgebungen, die letztlich durch die Zusammenführung der sämtlich bisher erschienenen Spiele in einem Spiel untergebracht wurden. Doch Nadeo hat es sich nicht nehmen lassen und startet mit Trackmania 2: Canyon einen zweiten Versuch in Richtung Arcade-Racer, der sich ganz an den Vorbildern orientiert, zugleich aber mit diversen Änderungen einhergeht. Gerade die Stadium-Umgebung konnte sich bei dem Vorgänger als meistgespielte Variante etablieren. So stieg dieser nicht nur in den Ligen des E-Sports auf, sondern wurde zudem als Trackmania Nations Forever als Gratisableger veröffentlicht und kann noch immer unter bestimmten Restriktionen kostenlos gespielt werden. Trackmania 2: Canyon muss demzufolge einiges bieten, um dem Vorgänger gerecht werden zu können. Erfüllt Nadeo die Erwartungen seiner Fans oder schießt der Entwickler über das Ziel hinaus?

Willkommen im Canyon

Sicherlich ist es schwierig, ein Spiel wie Trackmania sinnvoll weiterzuführen. Gerade dieses Rennspiel wurde ab einem bestimmten Punkt ja quasi eigenständig und kann sich mit mittlerweile zehn Millionen Mitgliedern rühmen. Die Frage ist nun, welche Anforderungen an Nadeo gestellt werden, wenn ein Spiel, das bedingt durch die von den Usern erstellten Strecken so sehr von der Community getragen wird, ein Sequel erhalten soll. Die Aufgabe des Entwicklers sollte zunächst darin bestehen, das Gameplay und das Setting so zu verändern, dass daraus auch etwas Neues entstehen kann. Man möchte kein Auto fahren, das sich genau wie eines aus dem Vorgänger anfühlt. Zeitgleich aber muss Nadeo auch darauf achten, der Community auf einer Art und Weise gerecht zu werden, aus der heraus sie wieder das Spiel tragen und zu dem machen kann, was das Prequel geworden ist. Während Nadeo in Bezug auf die Fahrphysik und das Setting sinnvolle Änderungen eingestreut hat, wurden die Community-Features rudimentär von dem Vorgänger übernommen - und das trotz der Tatsache, dass man nun umso mehr auf einen Online-Wettbewerb setzt. Doch was hat das Spiel zu bieten und mit welchen Neuerungen möchte Nadeo seine Fangemeinde locken? Ganz einfach: Realismus.

Bereits die ersten Fahrten mit dem neuen Canyon-Wagen machen deutlich, dass sich Nadeo einen Schritt von den stets als Spielzeugautos anmutenden Fahrzeugen entfernt hat. So steuert sich der Wagen nicht nur deutlich präziser, sondern ist zudem mit einem bestimmten Trägheitsmoment versehen, das die gesamte Szenerie glaubhafter macht. So röhrt es zu Beginn einer Strecke verführerisch kräftig aus dem Motor, in den Kurven spürt man die Fliehkraft und auch in den Loopings lässt einen der Wagen spüren, dass man gerade kopfüber fährt. Kurzum: Es ist großartig. Noch bevor ich mir Trackmania 2: Canyon gekauft habe, war ich ein wenig skeptisch und konnte jenen Unmut auch während meiner ersten Übungsstunden im Rahmen der Singleplayer-Strecken nicht sofort verlieren. Doch nach und nach wurde mir bewusst, welch gute Arbeit die Entwickler hier geleistet haben. Es ist ihnen nämlich gelungen, etwas Neues zu schaffen und zugleich an Altbewährtem festzuhalten.

Jede Millisekunde zählt

Neu ist neben dem Canyon-Setting dabei vor allem die Steuerung des Wagens. Dieser lässt sich wohl am ehesten als eine Mischung aus der Island- und der Coast-Umgebung aus Trackmania United Forever beschreiben. Die Autos sind nicht so überschnell und schwammig wie in Island und nicht so langsam und träge wie bei Coast. Die Geschwindigkeit des Wagens ist zudem weitaus schneller als bei Stadium und fühlt sich einfach genau richtig an. Zugleich lassen sich die Wagen so exakt steuern, wie man es aus der Stadium-Umgebung gewohnt ist. Doch das ist innerhalb der ersten zwei Stunden des Probefahrens noch nicht unbedingt ersichtlich. Zu Beginn wird man sich nämlich erst einmal eine Zeit lang an die Steuerung gewöhnen müssen. Ich habe schon User kennen gelernt, die ich auf Stadium-Servern getroffen habe und die nichts von Trackmania 2 halten, da es ihrer Meinung nach zu unexakt ist. Doch gerade innerhalb der Canyon-Umgebung kommt es mehr auf das Können des Fahrers an, als bei so mancher Simulation der Konkurrenz. Zum einen liegt das daran, dass der imaginäre Fahrer des Wagens das Lenkrad stets in einem bestimmten Radius dreht. Das bedeutet, dass die Räder nicht auf Knopfdruck den Anschlag erreichen, sondern zunächst eingedreht werden müssen. Diese Tatsache hat sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil: Letzter besteht darin, dass sich das Spiel mit den Pfeiltasten nur annähernd exakt spielen lässt. Nahezu perfekt kann man im Gegenzug mit einem Gamepad fahren. Mit Hilfe eines Analogsticks sind einem dementsprechend sehr genaue Steuerungsmöglichkeiten gegeben. Während man bei einer sanften Linkskurve unstätig auf der Tastatur drippeln müsste, um nicht vollends einzuschlagen, kann man mit einem Analogstick einfach eine sanfte Linksbewegung vollführen, den Wagen wunderbar exakt steuern und ein Gefühl dafür entwickeln. Und genau das ist auch notwendig, denn bei Trackmania 2: Canyon geht es um den Bruchteil jeder einzelnen Sekunde. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit heizt man um enge Kurven, erklimmt Loopings und übersteht waghalsige Sprünge. Gerade die Loopings wirken am Anfang auf eine derart ungewohnte Art und Weise fahrbar, dass man das Spiel schnell in Misskredit bringt, doch braucht man auch hier nur Übung, um den Wagen sehr exakt hinein und hinaus fahren zu können. Bei besonders scharfen Kurven stellt sich zudem die Frage, ob man diese mit vollem Einschlag fahren kann oder ob es notwendig ist, zu driften. Gerade das Gameplay-Element des Driftens hebt Trackmania 2: Canyon gravierend über die Vorgänger hinaus.

Need for Speed: Underground lässt grüßen

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen die Need for Speed-Reihe noch Klasse besaß und den Spieler vor Herausforderungen stellte, anstatt ihn mit Hilfe einer kläglichen Gummiband-KI an der Hand zu führen. Need for Speed: Underground setzte im Jahre 2003 ein Zeichen und konnte sich neben den normalen Rennen vor allem mit spannenden Drag- und vor allem Drift-Komponenten rühmen. Zwar kann ich keinen direkten Vergleich mehr ziehen, da Underground in meinem Geiste doch schon ein wenig verblasst ist, doch blieben mir in diesem Bezug die Attribute spannend und fordernd in Erinnerung. Und genauso verhält es sich auch mit dem Driften bei Trackmania 2: Canyon. Natürlich muss man sich erst an den Wagen gewöhnen, um das Fahrverhalten einschätzen zu können, doch lassen sich Kurven wunderbar exakt und authentisch driften. Gerade wenn man eine Strecke perfekt absolviert hat und in einem Affenzahn gefühlte Millimeter vor einer Leitplanke entlang gedriftet ist, stellt sich ein wahrhaftes Hochgefühl ein. Ist man dabei einmal nicht auf asphaltierten Straßen unterwegs, dann verschlägt es einen auf die staubige Prärie des Canyons. Hier sieht die Sache auch gleich ganz anders aus, denn das Fahrverhalten ändert sich dramatisch. So schlägt der Wagen bei kleinen Bewegungen sofort aus. Gerade mit einem Gamepad kann man bedingt durch das sanfte Bewegen des Analogsticks auch hier seinen Wagen ziemlich exakt durch den Wüstengrund steuern. Nadeo hat es letztendlich geschafft, eine neue Wagenklasse zu generieren, die von der Steuerung her gesehen meiner Meinung nach allen anderen Autos der Reihe überlegen ist.

Der sanfte Schubser in Richtung Realismus tut dem Rennspiel ungemein gut. Dadurch wird es nämlich fordernder, löst sich zugleich aber eben nicht von seinen Arcarde-Wurzeln - denn gerade als Trackmania-Fan will man ja auf Sprünge, Loopings und ein allgemein verrücktes Setting nicht verzichten. Viele User werden sicherlich bemängeln, dass Nadeo mit Trackmania 2: Canyon nur eine Wagenklasse und eine Umgebung bietet. War ich diesbezüglich zu Beginn noch etwas mürrisch, hat sich das schnell geändert. Wozu die Auswahl zwischen sieben verschiedenen Untersätzen, wenn Nadeo doch einen Wagen entwickelt hat, der eine perfekte Mischung aus allen bereits bekannten Autos bietet?

Die Online-Community

Abseits von der gelungenen Fahrphysik ist es sicherlich nicht zu viel verlangt, wenn man vom Entwickler Neuerungen im Community-System erwartet. Eine erste Veränderung besteht sicherlich darin, dass Trackmania 2: Canyon nun komplett online stattfindet und auch nur online als Download erworben werden kann. Nach dem Kauf und der Aktivierung des Rennspiels erstellt man sich daher einen Account bei der maniaplanet-Community, das als eine Art Plattform auch zukünftige Spiele der Entwickler vereinen soll (beispielsweise das geplante Shoot- und Questmania). Das Spielmenü erinnert sehr stark an das des Vorgängers, ist zusätzlich aber über den manialink mit dem Forum zum Spiel verbunden. Über den Singleplayer-Modus kann man einige Strecken von Nadeo fahren und Medaillen erspielen (nur online möglich). Das ist sehr nützlich, um den Wagen in Ruhe kennenzulernen. Andere Spielmodi wie Plattform, Stunt oder Puzzle wurden ausnahmslos gestrichen. Das mag einige Spieler sicherlich ärgern. Mir jedenfalls ist es schlichtweg egal, da ich auch in den Vorgängern nur normale Rennen gefahren bin. Diese lassen sich wie gewohnt über den Multiplayer-Modus starten, in dem man die Auswahl zwischen zahlreichen Servern hat. Die Community befindet sich derzeit noch im Wachstum. Doch gibt es bereits viele Server zum Besuchen und Mitspieler, gegen die man fahren kann. Nadeo richtet das Hauptaugenmerk nun ganz klar auf die Online-Community. So kann man wie gewohnt sehen, wann Freunde online sind, auf ihren Server gehen oder ihnen eine Nachricht schreiben.

Neben der etwas lasch wirkenden Integration eines Forums war es das bereits mit Neuerungen in Bezug auf das Community-System. Im Endeffekt wurde die Oberfläche des Menüs und deren Auswahlmöglichkeiten mehr oder weniger nach dem Copy & Paste-Prinzip vom Vorgänger übernommen. Sämtliche User, die ich auf verschiedenen Servern kennen gelernt habe, waren stets freundlich und zuvorkommend. Die Community ist Neuanfängern also nicht abgeneigt und heißt jeden willkommen. Gerade auf kleineren Clan-Servern, wo meist nur fünf bis zehn Leute fahren, kommt sogar so etwas wie eine familiäre Stimmung auf. Man weiß das Können der anderen Fahrer zu schätzen und erfährt im Gegenzug Unterstützung, wenn man mal wieder nicht bis ins Ziel gekommen ist - ganz anders beispielsweise bei League of Legends, das zwar ein vollkommen anderes Genre ist, sich aber durch eine eher harte und einsteigerunfreundliche Community auszeichnet. Doch auch bei den Servern, auf denen sich öfter um die 50 Spieler tummeln, hat man seine Freude. Dort gibt es auch die meisten Punkte zu ergattern. Je nach der eigenen Platzierung und der Anzahl der teilnehmenden Fahrer erhält man eine bestimmte Anzahl an Ladder-Points, die einen im Rang aufsteigen lassen. Genau dieses kompetitive Element macht das Spiel so wundervoll. Man ist nicht nur stets mit der eigenen lokalen Platzierung auf dem Server konfrontiert, die sich auch in der letzten Sekunde noch von Platz 1 auf Platz 3 ändern kann, sondern sieht sich zudem mit dem gesamten Globus konfrontiert. Dabei wird einem neben der Platzierung im eigenen Land auch der Stand im Bundesland und der eigenen Stadt vor Augen geführt

Ein forderndes Arcarde-Erlebnis

Ein einzelnes Rennen hat wie gewohnt eine Länge von durchschnittlich 30 bis 60 Sekunden. Innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens, meist vier bist sechs Minuten, kann die Strecke beliebig oft gefahren werden. Wer am Ende die Bestzeit inne hat, hat gewonnen. So einfach wie sich das anhört, so spannend fährt es sich. Immerhin sind die Rennen nicht gerade einfach, sondern bedingt durch die ans Herz gewachsenen Sprünge, Loopings und neuen Drift-Momente eine wirkliche Herausforderung. Fast immer gibt es in einer Kurve noch ein wenig Zeit herauszuholen. Mit Gegnern kann man wie gewohnt nicht kollidieren und diese daher auch wahlweise ein- oder ausblenden. Wer meint, dass ein Modus mit Zusammenstößen fehlt, äußert meiner Meinung nach einen ziemlich unüberlegten Wunsch. Kollisionen und Trackmania passen so zusammen, wie ein Eiswürfel und eine Heizung: Es ist einfach nur unsinnig. So wie das Spiel konzipiert ist, würde es unzählige Zusammenstöße geben, die für so viel Frust sorgen würden, dass es am Ende nicht mehr auf den Skill der Spieler, sondern auf reines Glück ankommen würde. Ich glaube, dass ich Trackmania als Franchise so sehr zu schätzen weiß, weil es einen so unglaublich fordernden Spaß bietet. Bei herkömmlichen Arcarde-Racern, repräsentiert vor allem durch neueste Ableger der Need for Speed-Reihe, wird man von einem steten Gummiband geplagt. Das Können des Spielers ist für einen Sieg mehr oder minder irrelevant. Trackmania zeigt aber, wie man ein wunderbar surreales Arcarde-Erlebnis generiert und zeitgleich Skill vom Spieler fordert - und ohne in das für mich persönlich eher dröge Genre der Rennspiel-Simulationen abzudriften. Einzig Blur als Arcarde-Racer verlangte Anno dazumal ebenso viel von seinen Spielern, da man sich entschloss, auf das von mir verhasste Gummiband zu verzichten und durch sammelbare Items ein wirklich forderndes Mario Kart-Feeling erzeugte - nur nicht so kindlich und albern, sondern eben erwachsener und schwerer.

Die grafische Präsentation

Die Arbeit der Entwickler ist damit eigentlich getan. Sie haben Trackmania 2: Canyon in einem neuen grafischen Gewand erblühen lassen und präsentieren neben einer neuen Fahrphysik ein frisches Setting mitsamt notwendigem Editor. Der Rest wird in die Hände der Community gelegt. Die Grafik ist übrigens sehr gut gelungen und vermittelt, wie auch das Fahrverhalten, ein authentisches und realistisch anmutendes Bild. Die Texturen sind sauber, die Autos poliert, hübsch anzusehen und wissen durch detailreiche Reflexionen zu überzeugen. Zu meckern gibt es auf grafischer Ebene nicht viel, da alles einfach sehr stimmig ist. Fährt man allerdings über die vorgefertigte Strecke in den Canyon hinaus und bleibt einmal stehen, sieht man, wie niedrig aufgelöst der Boden ist. Aber wen stört das schon? Es ist durchaus verständlich, dass die Entwickler an dieser Stelle Ressourcen sparen. Folgt man dem normalen Streckenverlauf, bekommt man den pixeligen Canyonboden ohnehin nie zu sehen. Die relevanten Objekte sind ihrem Zweck entsprechend ansehnlich programmiert worden. Die Straße ist hochauflösend und auch die wenigen pixelig anmutenden Objekte fallen nicht einmal auf, da man das bei der Geschwindigkeit, mit der man unterwegs ist, ohnehin nicht sehen kann. Auch das Wasser weiß zu überzeugen. Der Wagen verfügt weiterhin über ein Schadensmodell. So entstehen bei falscher Fahrweise vermehrt Beulen am Auto, die Frontscheibe löst sich ab oder die Motorhaube verabschiedet sich Das ist alles sehr schön anzusehen und bietet einen gelungenen grafischen Zusatz. Auswirkungen auf das Fahrverhalten hat aber auch die schlimmste Beule nicht. Das entspricht durchaus dem Spielprinzip und sollte nicht als Kritikpunkt verstanden werden. Der eigene Wagen kann weiterhin nach Belieben in einem umfangreichen Editor lackiert werden. Das ist eine schöne Sache, immerhin kann man seinem Auto damit einen individuellen Touch verleihen. Ansonsten gibt es grafisch nur Kleinigkeiten zu bemängeln. So ist mir nach einiger Zeit aufgefallen, dass die Bäume (und ich glaube auch die Wolken) aus Sprites bestehen - also lediglich 2D-Objekte darstellen, die sich beim Perspektivenwechsel mitdrehen. Doch auch das stört das Gesamterlebnis nicht. Im Großen und Ganzen sollte man über derartige Fehler einfach hinwegsehen, da Trackmania 2: Canyon wie auch die Vorgänger durch die verrückten Strecken geprägt ist, die sich eben dadurch auszeichnen, dass sie aus unzählig vielen Blöcken individuell zusammengestellt werden können. Dadurch gibt es quasi unendlich viele Möglichkeiten, eine Strecke zu generieren. Da an dieser Stelle aber alles stets flüssig laufen muss, sind kleine grafische Tricks wohl unabdingbar. Während man fährt, merkt man das wie gesagt ohnehin nicht. Das Ergebnis lässt sich letztlich mehr als nur sehen.

Das Baukastenprinzip

Wer gerne tüftelt und seine Kreativität unter Beweis stellen will, ist bei Trackmania 2: Canyon ebenso gut aufgehoben, wie der anspruchsvolle Arcarde Racer-Spieler. Der Editor ist im wählbaren Profimodus ebenso umfassend wie man es bereits aus den Vorgängern gewohnt ist - wenn nicht noch ein wenig umfangreicher. Neben Veränderungen im Terrain können Sprünge, Geschwindigkeitspfeile, breite Straßen, enge Straßen, schräge Straßen, Loopings und viel mehr gebaut werden. An dieser Stelle kommt auch das Terrain zur Geltung. Es sieht natürlich super aus, wenn man in engen Schluchten durch ebenso enge Straßen heizt, in eine harte Rechtskurve hineinschlittert und im Anschluss (hoffentlich) fehlerfrei einen gewagten Sprung antritt. Aus diesem Grund hat Nadeo wohl auch einen umfangreicheren Video-Editor ins Spiel integriert, der einen bereits gefahrene Strecken als Video zusammenschneiden lässt. Sicherlich werden einige Spieler bemängeln, dass einem als Setting eben nur der Canyon zur Verfügung steht. Immer nur tiefe Schluchten, die weite Prärie oder Felsen über Felsen zu sehen, ist sicherlich nicht Jedermanns Sache. Doch wie ich es auch beim Stadium-Modus nie als störend empfunden habe, eben nur in einem Stadion zu fahren, ödet mich auch bei Trackmania 2: Canyon das gewählte Setting nicht an. Ich finde es sogar noch immer sehr ansehnlich und freue mich über waghalsige Sprünge und Loopings. Die Sache ist hierbei nämlich die: Auf das Setting kommt es bei Trackmania eigentlich gar nicht an. Der Spielspaß hängt maßgeblich von der Fahrbarkeit und Schwierigkeit der Strecken ab, die von der Community gebaut werden. Man muss nicht nur lernen, wie man mit dem Wagen umzugehen hat, sondern auch eine Strecke richtig einschätzen. Trackmania ist oft von Trial & Error geprägt. Dies mag bei anderen Spielen stören, doch gehört es hier einfach dazu. Frusthemmend ist diese Tatsache aber nicht, gerade da es sich um ein sehr anspruchsvolles Spiel handelt und man häufig Fehler macht. Man muss die jeweilige Strecke immer erst einmal kennen lernen und mehrmals fahren. Hat man das Ziel einmal erreicht, möchte man beim nächsten Versuch aber jeden Sekundenbruchteil herauskitzeln. Denn man weiß: Es gibt immer eine Ideallinie, die ein guter Streckenbauer erdacht hat. Diese zu finden und fehlerfrei zu fahren, macht das Spiel zu einer Herausforderung.

Fazit

Nadeo hat mit Trackmania 2: Canyon einen würdigen Nachfolger von Trackmania United abgeliefert. Mit einem neuen Setting, das sich im namensgebenden Canyon ansiedelt, liefert der Entwickler ein frisches Fahrerlebnis, das auf mehreren Ebenen zu überzeugen weiß. So ist man einen seichten Schritt in Richtung Realismus gegangen, wodurch gerade der neue Autotyp authentischer wirkt. Das Fahrverhalten der Wagen zeichnet sich durch eine perfekte Mischung der Autos aus den Vorgängern aus: Nicht zu schnell, nicht zu langsam; nicht zu träge nicht zu sprunghaft. Gerade die Möglichkeit des Driftens und die exakte Steuerung, die sich am besten mit einem Gamepad realisieren lässt, macht die Fahrten zu einer Wucht. Die Grafik ist sehr ansehnlich umgesetzt worden und überzeugt durch an den relevanten Stellen hochauflösende Texturen und schöne Reflexionen an den Autos. Der Editor ist gewohnt komplex und bietet allen kreativen Köpfen einen umfangreichen Spielplatz, in dem sie ihre verrücktesten Ideen realisieren können. Damit hat Nadeo seinen Job auch schon getan und das Handwerkszeug geliefert, denn der Rest liegt aufgrund der starken Online-Fixierung nun noch mehr in den Händen der Community. Diese ist zwar noch im Wachstum begriffen, doch beginnt sie sich nach und nach zu etablieren und kann bereits eine breite Auswahl an Servern vorweisen. Gerade auf kleineren Servern wird man auch als Neuling sehr freundlich empfangen und kann sich auf spannende Rennen freuen. Nadeo hätte insgesamt aber mehr Arbeit in das Menü und dessen Ausführung stecken können, denn es wirkt arg vom Vorgänger kopiert. Zudem fühlt man sich zu Beginn seiner Rennkarriere mitunter vom Entwickler allein gelassen, da nichts erklärt wird und man sich vieles von Mitfahren erläutern lassen muss. Sicherlich mag sich der ein oder andere auch darüber ärgern, dass die Spielmodi Puzzle, Stunt und Plattform nun komplett gestrichen wurden und das Spiel im Endeffekt als reiner Online-Racer zu verstehen ist. Doch die wenigen Defizite verschwinden schnell, wenn man sich wieder auf einer der in schier unendlicher Zahl vorhandenen Strecken befindet, jede Kurve so eng wie möglich zu schneiden versucht und sich den gefährlichsten Sprüngen und Loopings stellt. In diesen Momenten wird auch Trackmania 2: Canyon wieder das, was die Vorgänger ausgezeichnet hat: Ein wirklich anspruchsvoller Arcarde-Racer; ein Rennen um den Bruchteil jeder einzelnen Sekunde und ein ständiges Wiederholen des einen Satzes: "Nur noch eine Strecke, dann mache ich auch wirklich Schluss" - und das nur, um sich dann doch nicht losreißen und dann gaaaaaaaanz sicher nur noch eine einzige Karte fahren zu können.


Geschrieben am 03.12.2011, Testkonfiguration: Intel Quad Core 3,0Ghz, 4GB RAM, GTX260
 



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