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Info
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Gesamt (22 votes) 2
 0.3
 1.9
 1.7
Team (2 votes, siehe hier)2+
Name:Tony Tough - and the Night of the Roasted Moths
Genre: Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2003/11
Publisher: dtp
Entwickler: Prograph Research
Offiz. Sites: Game
Links: Toneworx
Hardware: 350Mhz, 128MB RAM, keine 3D-Karte nötig, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Maus
Sprache: Deutsch
USK: 16
Tony Tough - and the Night of the Roasted Moths (review von look)

Das Leben kann ja so hart zu einem sein, unverstanden von dem Pöbel und als Sonderling gebrandmarkt, fristet man sein Dasein in der Gewißheit, dass der überragende Intellekt, mit dem man bedacht wurde, sich irgendwann mal auszahlen würde... ganz klar, einem so überlegenden Subjekt muß die Aufmerksamkeit zuteil werden, die es verdient.

Rückblende: Schon in seiner Jugend war der kleine Bambino Anthony C. Tough ein verkanntes Genie ;-), gepiesackt von Nachbarsjungen war das Grauen zurückgekehrt- wie jedes Jahr. Stumpfsinn befiehl die Massen, Halloween brach übers Land, Umweltverschmutzung und Vandalismus aller Orten in Form von Kürbissen und Luftschlangen, brrr - und die Meute zog von dannen, um raubend und brandschatzend ihren Wegezoll in Form von Süßigkeiten entgegen zu nehmen, doch sollte der Zufall sich dieses mal am Nachbarsjungen bitterlich rächen...

Heute der 31. Oktober, Halloween: Anthony C. Tough, aka Tony Tough - ein kleiner, im "modischen" Trenchcoat steckender, Mitropaaschenbecher als Brille tragender, dank seiner Körpermerkmale mit Komplexen behafteter und dies durch neunmalkluge, besserwisserische Kommentare kompensierende Sonderling (auch Klugscheißer genannt) - arbeitet nun schon seit 10 Jahren in der Privatdetektei Wallen&Wallen, einem respektablen Unternehmen, mehr oder weniger erfolgreich, an seinen eher abstrusen und paranoiden Fällen. Doch dieses Jahr, da war er sich sicher, wird er den Fall knacken, ja er wird beweisen, dass die seit Jahren anhaltende Raubserie, bei der den Kindern in der Halloween-Nacht die Süßigkeiten entwendet werden, ein viel größeres Ausmaß hat - feindliche Aliens bedrohen die Erde und benötigen die ungeheuren Glukosemengen um ihre Invasion vorzubereiten, ähm, oder so ähnlich. Jahre hat er damit verbracht die Indizien zusammen zu tragen, aber dieses Jahr bestand kein Zweifel, er würde erfolgreich sein und das Geheimnis lüften.

Sein treuer Begleiter in allen Lebenslagen Pantagruel, ein violetter, ähm, Hund, würde ihm hilfreich zur Seite stehen, also auf geht's. Die vielen Jahre des Studiums unzähliger SciFi-Serien, pseudowissenschaftlicher Manuskripte und detektivischer Literatur werden hilfreich sein, ganz bestimmt, schließlich weiß man nun um den unverzichtbaren Gebrauch von Perücken. Doch wie soll es anders sein, wenn ein Charakter nur wenig Text hat, klar, irgend etwas Unvorhergesehenes muss mit ihm geschehen, besonders wenn man ihn allein ins obere Stockwerk schickt - pff, als ob das nicht klar war, das Prinzip läßt sich bis in die 60iger zurück verfolgen, damals als die Menschen in die ungeahnten Weiten des Weltraums vordrangen ;-). Was ist passiert? Nach gründlicher Untersuchung des Tatortes wurde klar, Pantagruel wurde entführt - steht ja auch unmißverständlich in dem Bekennerschreiben. Dieses legte Tony "schonend" nahe, doch in den Halloween-Park zu kommen, wenn er seinen Pantagruel lebend wiedersehen wolle, also auf geht's, Rettung naht...

Ja, das ist die epochale, fast episch wirkende Geschichte mit viel Pathos, um die es in diesem klassischen Point&Click Adventure geht, dutzendfach kopiert und nie so gut umgesetzt wie hier, mhh, mag vielleicht daran liegen, daß das Entführungsopfer keine Silikonprinzessin ist (oder ist dies ein Nachteil?), sondern ein südamerikanisches Knuddeltapir und der Held, eher, na ja, sagen wir es so, wenn Woody Allen mal ein Rambofilm dreht, war Tony das Vorbild :-), klar ein Geistesblitz in wohlklingende Worte verpackt, ist tödlicher als jede Waffe - jedenfalls für das Zwerchfell. Für wahr, der Plot wird niemals einen Preis für das beste Drehbuch erhalten (aber für den besten Hauptdarsteller), dafür bietet das Spiel andere Spezialitäten an, die einem so lange nicht mehr geboten wurden.

Tony Tough ist ein Point&Click Adventure der alten Schule und das in allen Belangen, am ehesten dürfte es wohl mit so unvergesslichen Klassikern wie Monkey Island vergleichbar sein, was jedoch nicht bedeutet, es wäre altbacken und auf DOS angewiesen *g*, sondern dass es den gleichen Charme versprüht und mit den gleichen liebevollen Attributen ausgestattet ist. Wie schon bei Runaway (siehe Review) kam auch dieses Kleinod erst mit einer mehrjährigen Verspätung auf den deutschen Markt, dank dem uneigennützigen Fingerzeig einer hier nicht genannten Person ;-).

Worauf ich anspiele, ist die Atmosphäre des Spieles, insbesondere der Humor, der wohl das markanteste Merkmal ist. Ein so überaus intelligenter Protagonist hat natürlich für jede Gelegenheit auch den passenden und äußerst eloquenten Ausspruch parat. So wird einem das Betrachten eines Kuhrektums mit dem Ausspruch "Das ist eine Art Krawatte für das Hinterteil" versüßt, das Untersuchen einer Rüstung führt zu der Erkenntnis, das diese eine frühe Form des Dosenfleisches war und der Versuch des "Nehmens" einer Tür wird nicht rüde mit "das geht nicht", oder "So funktioniert das nicht" abgewürgt, statt dessen bekommt man eher so etwas wie "Die Menge der Intelligenz auf der Erde bleibt konstant, während die Bevölkerung ständig zunimmt" zu hören. Das große Plus ist wohl, dass es keine Standardfloskeln gibt, mit denen man bedient wird, sondern das jeder mögliche oder unmögliche Versuch der Interaktion auch einen entsprechenden Kommentar bereit hält, denn wer wollte nicht schon mal mit einem Brunnen über die mathematische Grundprobleme einer Funktion mit Variabelenverschränkung disputieren oder sich mit einem Clown über Dopplereffekte unterhalten. Dabei ist eines ganz deutlich spürbar, je verzwickter die Lage wird, um so sarkastischer werden die Kommentare, besonders in bezug auf das Unvermögen des Spielers. Man beginnt so langsam zu verstehen, warum solcherlei Klugscheißer mit geltungsbewußt-partizipierter Verbaldiarrhö eine so hohe Sterblichkeitsrate in der realen Welt haben. Mit anderen Worten, man gewinnt ihn langsam richtig lieb, schließt ihn in sein Herz ;-) und erwischt sich dann immer wieder dabei, unmögliche Aktionen zu verlangen, nur um einen weiteren Kommentar zu hören. Aber diese angeborene Gabe des "Sich-beliebt-Machens", ist natürlich nicht nur auf die Handlungskommentare beschränkt. Insbesondere hervorzuheben sind die Interaktionen mit den NPCs im Spiel. Diese werden im Multiple Choice Stil abgehalten und sind integraler Bestandteil zur Lösung der Rätsel, bzw. überhaupt nötig, um weiter zu kommen. Dabei kommen dann so unglaublich sinnentleerte Gesprächsfetzen zustande, wie der Versuch, sich über seine Hammersammlung mit dem Hau-den-Lukas-Budenbesitzer zu unterhalten oder Einwände der Art, ob das Lesen von Druckerzeugnissen wie "Fredericks of Hollywood" mit all den tollen Miezen nicht zu schweren sexuellen Identitätskrisen führe, man hätte auch 500 Gründe erfahren können, warum eine Perücke besser ist als eine Frau. Dass die Sprüche nicht immer jugendfrei sind, läßt sich auch daran fest machen, daß das Spiel mit einer USK 16 in den Handel kam und das ohne irgendwelche Blutorgien oder Myriaden von Frags. Einige der Andeutungen gehen eindeutig, ähm, unter die Gürtellinie. Wer "Simon the Sorcerer" kennt, dürfte den Humor erkennen, nicht alles kommt feinsinnig daher, die Holzhammermethode um eine Pointe zu setzen, ist dem Spiel nicht fremd - daher die Warnung, wer einen besonders speziellen Humor hat und über Monthy Python nicht lachen konnte, sollte nicht all zu viel verlangen.

Ein Grossteil der Atmosphäre wird über die Charaktere und ihre Ausarbeitung erzielt, klar unser Tony ist natürlich die Hauptfigur, aber ohne passende Gegenparts ist ein Held ja nichts, wie man aus dem Kino weiß, weshalb die "Nebenrollen" in Starbesetzung daher kommen. Besonders gefallen haben mir in dem Zusammenhang der Clown, dessen Zauberstücke nicht sonderlich ankamen und deren cholerische Neurose durch einen geeigneten Zuschauer geheilt werden konnte. Welch überaus anspruchsvolle Kunst er doch beherrschte, minutenlang konnte man sich neben ihn stellen, um zu sehen, was er als nächstes aus seinem Ballon fertigte, darunter waren so illustre Sachen wie eine Zigarette, Salami, oder eine Säule, mhh, wenn ich mir das jetzt Recht überlege, sahen die alle irgendwie gleich aus ;-). Und was wäre ein Vergnügungspark ohne nach Fisch stinkenden Piraten mit seinem Schiff "der schlappe Wal", natürlich nur echt mit dem obligatorischen "Harrrr" und den abenteuerlichsten Geschichten, wie man das Bein verlor. Arme Kreaturen diese Piraten, gestrandet und verkauft, zum Tränen erweichend, kein Wunder, dass die deprimierte Mannschaft emotionale Probleme hat. Ca. 40 mehr oder weniger handlungsintensive Nebencharaktere bietet dieses Spiel, die allesamt sehr liebevoll und detailreich animiert und synchronisiert wurden, von der bärtigen Dame, über den Wachmann mit seinem beißwütigen Chinchilla, oder dem Wahrsager, bis hin zu der exotischen Tänzerin in der Torte- alle haben sie den typischen B-Rummelplatzcharme.

Grafisch ist das Spiel in der heutigen Zeit ein Sonderfall, was wohl auch der Verspätung des Releases in Deutschland zuzuschreiben ist. Wurden bei Runaway nur die Hintergründe in zeichnerischer Filigranarbeit erstellt und die Charaktere im Comiclook 3D animiert, ist dies bei Tony Tough ein anderer Fall. Dieses Spiel ist zu 100% 2D Handarbeit, ähnlich dem älteren Jack Orlando (siehe Review) und ebenfalls im Comiclook gehalten. Leider bietet die feste Auflösung von 640x480 nicht viel Spielraum, weshalb man sich für die deutsche Version nochmals ransetzte und den Hintergründe einer Generalüberholung zukommen lies. Wirkliche Verbesserungen sieht man freilich nicht, weshalb es eher als Schönheitskur anzusehen ist, um gewisse Treppenartefakte abzumildern. In diesen Teilbereich fällt auch der zuschaltbare Anti Aliasing Filter, der aber keine merkliche Besserung bringt. Ein Novum dürfte der Graustufenfilter sein, der das Spiel in eine Schwarz/Weiß Szenerie taucht, so wie ihn verblichene alte Filme haben. Damit ist stilechte Unterhaltung im 50iger Jahre Look garantiert und erinnert in der Machart an "I was a Atomic Mutant" (siehe Review). Trotz der antiquiert anmutenden Technik in der heutigen Zeit ist das Ergebnis mehr als ansehnlich, für Puristen und Liebhaber der 2D Adventure im Grunde das beste, was einem passieren kann, sind diese Spiele doch noch seltener wie ein Actiongame ohne Releasepatch. Daß das Alter seine Spuren hinterläßt, dürfte klar sein, an Runaway kommt es nicht ran, trotzdem, die Animationen der Charaktere und die detailverliebten Entwürfe der eher puristischen Locations wie z. B. die Alienausstellung oder der Voodooladen (deren Falltür ich nie aufbekam) sind es, die überzeugen können - nennt es Verklärtheit, aber mir hat die Grafik bei weitem besser gefallen, als so manche Technikdemo einiger Shooter heutzutage.

Zur Soundkulisse ist nicht viel zu sagen, sie ist passend für das Genre und für jede einzelne Szenerie variiert worden, sehr unaufdringlich und meist kaum bemerkbar. Hintergrundgeräusche sind zwar vorhanden, wie z. B. plätscherndes Wasser oder knarrende Bohlen, aber Fahrgeschäftslärm und der typische Trubel eines Rummelplatzes wurden außen vor gelassen, wofür ich doch dankbar bin. Das Hauptaugenmerk liegt dementsprechend auch auf der Sprachausgabe, bzw. der Synchronisation der vielen Charaktere. Hierbei wurde nicht der Fehler einiger eher mittelprächtiger Spiele gemacht und die Atmosphäre durch unmotivierte Sprecher zerstört, der Publisher DTP hat sich nicht lumpen lassen und Toneworx an diesen Part gelassen. So wurden die Texte ordentlich übersetzt und die vielen Wortspielereien und witzigen Kommentare an den deutschen Sprachgebrauch angepaßt, wodurch vielleicht einige originale Statements nicht mehr vorhanden sind, aber besser so, als dass daraus unverständliche Worthülsen werden, weil die Übersetzung den Wortwitz eliminierte. Zusätzlich ging man aufs Ganze und besorgte sich eine Sprecherriege, die vom Fach zu seien scheinen - Marco Rima und Monty Arnold seien als Vertreter genannt. Es gibt keinen Ausreißer in der Synchronisation und die Stimmen wurden den Spielcharakteren scheinbar auf den Leib geschneidert (oder andersrum), allein dafür lohnt es sich eigentlich. Zusätzlich gibt es auch noch ein paar Neuerungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte und die selbst im Original nicht vertont wurden - ich rede hierbei vom Monolog im Festsaal der bärtigen Frau und der Gesangseinlage Tonys, beim Anblick eines wuscheligen Schafes.

Einen Fauxpas gibt es aber in der technischen Umsetzung, zum einen stotterte der Hintergrundsound bei einigen Spielern, was aber mit einer Einstellung in Windows schnell abgestellt werden konnte (Start/Ausführen/dxdiag/Sound Hardwarebeschleunigung auf Minimum). Viel wichtiger, weil nervtötend bis zum Ende und die Atmosphäre zerstörend ist die Tatsache, dass selbst bei der normalen Installation die Sounddaten auf der CD verbleiben, was folgt kann man sich vorstellen, bei jeden Gespräch, oder Locationwechsel, sprang das vermaledeite CD-Laufwerk an. Wer das Glück hat, es mit CD-Bremse leise stellen zu können, wird davon gar nichts mitbekommen, aber wehe denen, die ständig einen Düsenjet anlaufen hören, bei einem Spiel was eh etwas ruhiger ist und gewisse Momente des Nachdenkens erfordert, ist diese Lösung die wohl schlechteste Möglichkeit der Speicherplatzreduktion.

Die Steuerung ist genretypisch nur auf die Maus beschränkt, die alle Interaktionen ermöglicht. Hierbei ist jedoch eine in der heutigen Zeit kaum noch verbreitete Art der Aktionswahl integriert worden. Anders als bei den neueren Vertretern wie Syberia oder Salambo, wo sich der Cursor der möglichen Aktion grafisch anpaßt und man nur noch klicken muss, wurde bei Tony Tough noch ein Münzinterface, auch Coin-Steuerung genannt, benutzt. Die möglichen Ansprechpartner, aufnehmbaren Gerätschaften etc. werden einem bei der Anvisierung mit dem Cursor angezeigt, sprich eine Beschreibung des Gegenstandes oder der Name des NPCs erscheint, nicht jedoch die Aktionsmöglichkeit. Diese ist mit einem Rechtsklick aufrufbar, es erscheint ein Aktionsmenü, wo Tony und Pantagruel abgebildet sind. Klickt man dort nun z. B. auf die Brille Tonys, ist dies gleichbedeutend mit untersuchen. Die Waffe ist für eine Handlung gedacht, die Hände Pantagruels für das Nehmen und der Kopf unseres Freundes für das Reden. Eine wie ich finde, mißverstandene und als antik abgewertete Interaktionsmöglichkeit, da man hier nicht alles auf dem Silbertablett präsentiert bekommt und auch ungeahnte Aktionen ruhig mal ausprobieren kann (nur um sich den dummen Spruch anzuhören, der darauf folgt). Das Inventar kann im Hauptmenü eingestellt werden, entweder es ist immer sichtbar oder wird nur eingeblendet, wenn man den Cursor nach unten bewegt. Dieses ist nicht aufnahmebeschränkt und die Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Gegenständen funktioniert ähnlich dem des Münzinterfaces. Um sich die zu gehenden Wege etwas zu verkürzen, wurde eine Karte ins Spiel integriert, mit derer man sich einiger Abkürzungen bedienen kann, angezeigt wird diese über das Notizbuch im Inventar.

Gespielt wird aus einer Art 3rd Person Sicht, mit starren Kameras, die die ganzen Szenerien von vorne zeigt. Das Speichern ist jederzeit möglich und man dürfte genug Speicherslots zur Verfügung haben, um das Spiel auch dreimal durchzuspielen. Die Einstellungsmöglichkeiten im Hauptmenü beschränken sich nicht wie üblich nur auf die Grafik oder Soundoptionen, sondern haben noch andere Möglichkeiten der Anpassung parat, so kann man die Laufgeschwindigkeit von Tony anpassen, ebenso die Untertiteleinblendung einstellen oder wie lange diese angezeigt werden sollen. Leider fehlt die Beschreibung im Spiel zu den einzelnen Optionen, aber diese werden im ausführlichen Handbuch erklärt (vielleicht eine Masche damit man dieses auch mal benutzt?). Zudem kommt das Spiel mit zwei Schwierigkeitsstufen daher - Babymodus für Anfänger (gezeigt wird Tony als Baby) oder der Normalmodus. Im Anfängermodus sind einige Rätsel schon gelöst oder Objekte einfacher auffindbar, all zu viele Hilfestellungen bietet dieser Modus nicht, mehr als eine Handvoll Erleichterungen darf man da nicht erwarten.

Endlich, wurde ja auch Zeit, nun den, was bietet denn der Rätselteil des Spieles, schließlich ist dies ein Adventure? Der Rätselpart ist mit wenigen (um genauer zu sein mit einem) Minispielchen versetzt worden und hat eine gute Handvoll von Situationen, wo man mal zeitlich beschränkt wird. Ansonsten kann man sich soviel Zeit lassen wie man möchte. Die Rätselkost kann man ruhigen Gewissens als schwer bezeichnen, na ja schwer ist übertrieben, eher unlogisch in einigen Fällen. Ist das als Tutorial anmutende Anfangsrätsel, um in den Park zu kommen, noch verhältnismäßig einfach, kann man dabei auch sogleich feststellen, dass die Rätsel getriggert sind, sprich: hat man eine Vorbedingung nicht erfüllt, weiß aber, was zu tun ist, kann man diese Aktion solange nicht ausführen, bis die Vorbedingung freigeschaltet wird. Am Anfang wäre dies z. B. das Aufnehmen des Zettels im Vorraum der Treppe und das Aneinanderfügen der Zettelhälften im Besenschrank, um das Kostüm, welches man benötigt, zusammen zu stellen. Bei der Kombination gewisser Gegenstände ist auch die Vorgehensweise wichtig - leider, die Reihenfolge macht die Musik, was ein wenig schade ist, denn die Lösung ist ja die selbe. Diese am Anfang noch verhältnismäßig logischen Rätselteile verschwinden mit der Zeit aber völlig aus dem Spielprinzip. Der größte Teil sind Objekt- und Inventar-Kombinationsrätsel a la "Benutze Zwiebel an Schwertfisch". Ein geringerer, wenn auch nicht unwichtiger Teil der Rätselkost fällt auf die richtigen Gesprächsführungen, um so an Details zu kommen, die eine Rätsellösung ermöglichen. Dabei sind diese schon schräg genug, z. B. wenn ich mich als Parapsychologe ausgebe und ein Experiment mit der Haushälterin mache, nur um an ihr Putzzeug zu kommen. Getoppt werden diese skurrilen Lösungen nur durch die noch schrägeren Rätsel, die das Prädikat "Häh des Jahres" verdienen. Wer auf die Idee kommt, ein Geschöpf Gottes der cryogenen Schockfrostung zuzuführen, nur um an einen Schlüssel zu kommen, dürfte schon ziemlich um die Ecke denken können, aber auch hier wird irgendwann der Wahnsinn vor der Tür stehen und anklopfen, spätestens wenn man versucht einen Gesichtsabdruck auf dem Boden mit einer Füllmasse zu versehen und sich diese als Auswurf eines zuvor erst mal mit einer Erkältung bedachten Individuums heraus stellt, oder die Austauschbarkeit von Kaffee mit einer eher unappetitlichen Flüssigkeit des Pudels Kern ist, wird all die sonst übliche Kontemplation bei der Lösung von Adventurern über Bord geworfen und zum schon in Vergessenheit geratenen Wahnsinn in Monkey-Island-Art zurück gekehrt. Trotz allem machen die Rätsel Spaß und sind auch lösbar, die Frage ist nur wann die Schmerzgrenze erreicht ist und man sich die Haare ausreißt. Das dümmliche Grienen auf dem Gesicht und das Glücksgefühl bei der erfolgreichen Lösung eines Rätsels, ist aber Ansporn genug, schließlich will man ja das Unmögliche auch möglich machen. Die Anzahl der Rätsel dürfte ausreichend sein, um einen gestandenen Abenteurer mit genug unkonventionellem Einfühlungsvermögen für ca. 20 Stunden zu fesseln, für jene mit weniger Erfahrung dürfte sich die benötigte Spielzeit etwa auf 30 Stunden einpendeln.

Als Resümee kann man dem Spiel eines attestieren, wäre es früher heraus gekommen, hätte es wohl schon den Status eines unvergesslichen Klassikers aufgedrückt bekommen, jedenfalls was die Kopfnüsse anbelangt. Auch wenn die Grafik etwas älter ist, brauch sie sich mit der hervorragenden Synchronisation nicht hinter neueren Spielen verstecken. Die Vielzahl der Dialoge, die Umsetzung derselben und die Integration der liebevollen Charaktere sind auf alle Fälle spielenswert. Der Humor ist dabei die Triebfeder, die das Spiel voran treibt und in dem Konglomerat an sinnigen, sinnentleerten und völlig schrägen Kommentaren findet sich so manche Perle, die in die Zitatensammlung jedes "Nerds" gehört. Einziger Wermutstropfen ist die unschöne Begleiterscheinung der Installation und dem daraus resultierenden Ruhestörung. Probleme mit dem Kopierschutz konnte ich nicht ausmachen, ebenso waren bis auf den kleinen Soundbug auch keine Käfer mehr vorhanden, schon gar keine Stabilitätsprobleme. Weniger gefallen hat mir die Umverpackung, es war von DTP nach Runaway eigentlich nicht anders zu erwarten, als dass sie das Spiel wieder in einer Euroverpackung mit enthaltener DVD-Box ausliefern, nur warum mußte man das Cover so dermaßen mit halbseidenen Werbesprüchen verunstalten, es ist kein Vergleich zu den schönen Runawayverpackung und erhält damit auch keinen Sonderplatz in der Sammlung des schönsten Covers. Zu empfehlen ist dieses Adventure-Kleinod eigentlich jedem, der sich für das Genre interessiert und gerne Rätsel löst und dies mit Humor garniert serviert bekommt. Ein wenig Flexibilität beim Querdenken vorrausgesetzt ist es auch für Einsteiger empfehlenswert, lässt sich doch in der Neuzeit mal ein Blick auf das werfen, was gestandene Abenteurer als Klassiker bezeichnen, mir hat es jedenfalls mehr "intellektuelle" Befriedigung verschafft, als so manches Äquivalent der letzten Jahre.


Geschrieben am 13.02.2004, Testkonfiguration: AMD1100, GeForce4 4200, 512MB Ram, SB Live 5.1
 



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