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Info
Autor 2
 1.5
 2
 2
Gesamt (31 votes) 1
 1.9
 1.8
 2.3
Team (2 votes, siehe hier)2+
Name:Shadow of the Colossus
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2006/03
Publisher: Sony
Hardware: Playstation2
System: Playstation2
Sprache: Multilingual
USK: 12
Shadow of the Colossus (review von yak)

Ein einsamer Reiter. Die Landschaft zeigt sich trostlos und verlassen. Nur der Wind zeugt von dem Spiel der Naturgewalten in einer sonst fast leblosen Welt, dessen spärliche Vegetation auch kaum anderes Leben zulässt. Ein paar vereinzelte Vögel, die den Reiter aus scheinbarer Neugier wie einen Fremdkörper in ihrer Welt im Vorbeifliegen betrachten oder ein paar Geckos, die sich scheu hinter den nächsten sicheren Felsen flüchten, sind die einzigen Zeichen von Leben in dieser Welt. Der Reiter setzt seinen Weg auf seinem getreuen Ross Agro fort. Die leblose Welt scheint fast der richtige Ort für sein Anliegen zu sein, denn mit ihm auf seinem Pferd trägt er den leblosen Körper eines jungen Mädchens. Schenkt man den Sagen um diesen Ort, den er nach einer mühseligen Reise erreicht hatte, glauben, soll es hier möglich sein, den Tod gegen Leben zu tauschen. Wanda, der einsame Reiter, überquert eine monumentale Brücke, die an einem riesigen Turm endet. Vorsichtig führt er sein treues Pferd Agro die spiralförmigen Treppen im Innern nach unten und erreicht einen von mächtigen Statuen gesäumten Tempel, auf dessen Altar er den leblosen Körper des Mädchens behutsam ablegt. Von hier kann er einen ersten Blick auf das Hinterland werfen, während die Sonnenstrahlen, die an den Säulen des Eingangs schemenhaft ihren Weg ins Tempelinnere finden, fast friedlich und beruhigend wirken. Ein Ort, an dem Zeit scheinbar keine Rolle zu spielen vermag. Zeit, die Wanda nicht hat, denn wie lange mag es noch möglich sein, den toten Körper wieder zum Leben zu erwecken? Kaum ein Geräusch ist zu hören, lediglich Agro, dessen Hufe auf dem Steinboden des Tempels erschallen, scheinen die Ruhe dieses Ortes zu durchbrechen, aber sie wirken auf Wanda auf merkwürdige Weise beruhigend und vertraut und geben ihm das Gefühl, nicht völlig allein in dieser trostlosen Welt zu sein. Wichtig scheint nur eines und zwar die Wiederbelebung des jungen Mädchens, auch wenn man nicht weiß, um wen es sich dabei handelt, ist es seine verstorbene Geliebte, seine Schwerter... ? Doch plötzlich ertönt eine Stimme im Tempel, die die Sagen um diesen Ort bestätigen und es scheint möglich, dass hier die Toten den Weg zurück zum Reich der Lebenden erlangen können, doch der Weg ist gefahrvoll und beschwerlich. Um dies zu erreichen, muss Wanda die Kolosse in dieser Welt zerstören, 16 an der Zahl, gigantische machtvolle Kreaturen, die verstreut in der weitläufigen Landschaft zu finden sind. Wandas Abenteuer nimmt seinen Lauf...

Das zweite Spiel der Ico-Entwickler geht einen ebenso unkonventionellen Weg. Spieler, die von Endgegnern und Levelbossen nicht genug bekommen können, sollten sich bei Shadow of the Colossus eindeutig zur Zielgruppe zählen. Ob das Konzept aufgeht, in einem Game "nur" 16 Gegner zu präsentieren, soll unser folgendes Review klären.

Technik

Die technische Realisierung in Shadow of the Colossus ist zwiespältig. Eine große, weitläufige Landschaft, die ohne merkbares Nachladen eine völlig konsistente Spielwelt zu vermitteln vermag, steht im Kontrast zu einigen wirklichen Defiziten. Das Umfeld ist dabei höchst glaubwürdig und auch ansehnlich umgesetzt. Der Held kann mit seinem wirklich phantastisch animierten Pferd Agro die Steppen, Wüsten und vereinzelt auch dunkle Waldabschnitte durchreisen, passiert eindrucksvoll donnernde Wasserfälle, blickt in unendlich tiefe Schluchten, galoppiert am Meeresstrand entlang oder tastet sich behutsam durch schmale Bergpässe oder dunkle Höhlen und Tempelanlagen. Die Welt in Shadow of Colossus ist glaubwürdig inszeniert und stimmig umgesetzt, auch wenn sie, was jedoch vom Gameplay so vorgesehen ist, äußert leblos daherkommt und den Spieler wirklich sofort das Gefühl vermittelt, allein und auf sich gestellt den Abenteuern trotzen zu müssen. Eine Augenweide sind da natürlich die riesigen Giganten, denen sich der Held entgegenstellen muss. Haushohe Riesen, die durch die Gegend stapfen und unter dessen Beinen kaum noch ein Grashalm wachsen wird. Richtig klein und verloren kommt man sich vor, wenn man diesen imposanten Figuren, die zum Teil wie eine Mischung aus Tier und Maschine erscheinen, entgegentreten muss. Besonders gelungen wurde hier auch die Oberfläche der Riesen mit Fell und Haaren gestaltet, die zudem eine elementare Rolle beim Gameplay spielen, denn nur an behaarten Regionen der Giganten, kann sich der Held klammern und emporklettern. Gelungene Spezialeffekte runden das graphische Bild ab, wenn z. B. einer der Titanen wutentbrannt mit einem Fuß aufstampft und das Umfeld so durch den aufwirbelnden Staub kaum noch ermöglicht, die Hand vor Augen zu sehen. An manchen Stellen hat man es hier sogar ein wenig übertrieben und die Figur ist kaum noch zu erkennen, so dass ein geplantes Vorgehen kaum noch möglich erscheint. Insgesamt ist es aber erstaunlich, was aus der guten alten PS2 hier noch herauszuholen ist, bedenkt man die Größe der Figuren und die mögliche Weitsicht, die fast nur durch den Horizont beschränkt wird, auch wenn ein gelegentliches "Detailaufpoppen" nicht vermeidbar war. Ärgerlich ist es aber, dass man an einigen Stellen wirkliche graphische Defizite vorfindet. Der Held ist viel zu polygonarm gestaltet und die Texturen sehen fast so aus, als ob sie aus einem Playstation 1 Spiel stammen, grob und ungefiltert wirken sie viel zu aufgesetzt und einige der Detailtexturen von Landschaft und Gebäuden ebenso. Hier stehen wirklich schlechte Texturen in Kontrast zu guten. Auch kommt es bei der Darstellung der Landschaft, besonders auffällig an den helleren Untergründen, zu Texturflimmern und der Boden verpixelt sehr stark. Die Frameratenperfomance ist zudem recht unterschiedlich und es kommt öfters zu Rucklern, die sich zum Glück aber nicht spielrelevant auswirken. Jedoch sollte man das Spiel unbedingt im schnelleren 60 Hertz Modus betreiben, denn im 50 Hertz Modus ist die Performance merklich schlechter.

Der Sound ist höchst gelungen umgesetzt, Geräusche werden zwar spärlich, dafür aber effektiv eingesetzt und vermitteln wie schon im Bereich Graphik das Gefühl, sich Menschenseelen allein in einer fremden Welt zu bewegen. Da erfreut es schon, wenn man nach seinem getreuen Pferd pfeift oder ruft und dann das vertraute Hupfgeräusch das Nähern des Freundes ankündigt. Zur Sache geht es dann aber im Kampf mit den Riesen, deren Schnauben und Stampfen die Stille durchreißt und die Musik das Kampfgeschehen begleitet. Die Musik setzt hier eher auf Hollywoodkost und so klingen die Musikstücke während der imposant in Szene gesetzten Kämpfe ein wenig nach Hans Zimmer's Media Ventures Standards. Doch es gibt auch stillere Passagen, die sehr schön, zum Teil mit Chor und Solostimme, ruhiger das Geschehen begleiten. Gesprochen wird in einer Phantasiesprache, die daher Untertitelzwang nötig macht, jedoch unterstützt diese Sprache wiederum das Gefühl, sich in einer völlig fremden Umwelt zu befinden (und spart den Entwicklern zudem Synchronkosten ;) ).

Die Steuerung geht in großen Teilen in Ordnung, doch es gibt ein paar erhebliche Umsetzungs-/ Kameraprobleme, die näher im Bereich Gameplay beschrieben werden.

Gespeichert wird automatisch nach jedem besiegten Colossus oder wahlweise an den gut verteilten Altären. Im ersten Durchlauf steht nur ein Schwierigkeitsgrad zur Verfügung. Wird das Spiel auf diesem beendet, steht ein schwierigerer zu Auswahl.

Gameplay

Wer von Shadow of the Colossus durchgängige Action erwartet, hat sich das falsche Spiel ausgesucht. Wie schon erwähnt beschränken sich die Actionparts auf insgesamt 16 Giganten, die es zu finden und erledigen gilt, von ein paar Geckos in der Wüste einmal abgesehen, die sich jedoch dazu eignen, den Lebensenergiebalken ein wenig zu erweitern. Das Spiel startet auch deswegen eher gemächlich und baut eine für Games sehr unübliche Atmosphäre auf. Wenn man den Tempel verlässt, sieht man am Horizont ein paar Bergketten, weitläufige Wüstenlandschaften und hinter Klippen einige grüne Auen, die man nur über eine Felsbrücke erreichen kann. Man fühlt sich einsam und verloren in dieser Welt. Die Entfernungen zu den am Horizont liegenden Bereichen scheinen für Fußmärsche jenseits aller körperlichen Möglichkeiten selbst eines noch so willensstarken Heldens zu liegen. Zum Glück hat Wanda ja sein treues Pferd Agro dabei. Ein Ruf oder Pfiff sorgt dafür, dass er sich seinem Besitzer nähert. Wanda schwingt sich auf den Rücken seines Pferdes und folgt den Anweisungen der geisterhaften Stimme aus dem Tempel. Er erhebt sein Schwert und fängt mit der blitzenden Klinge das Sonnenlicht ein, dessen Reflektion ihm in einem gebündelten Lichtstrahl den Weg zu seinem Ziel zeigt. Dort, wo sich der Lichtstrahl bündelt, ist der nächste Gigant zu finden. Wanda gibt Agro die Sporen und reitet geschwind wie der Wind in die Richtung des Felsmassives. Dort angelangt erreicht er eine in das Gestein geschlagene Treppe. Hier geht es nur zu Fuß weiter. Der Gigant muss hier irgendwo warten. Wanda klettert an den Pflanzenranken empor, die ihm genügend Halt bieten, die Felswand zu erklimmen, jedoch sollte er immer im Auge behalten, wie lange seine Kraft reicht, sich festzuhalten, denn diese ist begrenzt und schränkt ihn entsprechend ein, was er im Kampf gegen die Kreaturen noch schmerzlich erfahren wird. Doch zum Aufstieg auf die nächste Plattform scheint es zu reichen. Geschickt springt er auf die Plattform und bahnt sich seinen Weg nach oben, ein paar gezielte Sprünge, an Vorsprüngen entlang hangeln und per Rückwärtssprung auf die nächste Ebene, noch eine Rolle unter einer niedrigen Stelle und er erreicht letztendlich ein Tal, das scheinbar der Eingang einer alten Ruine zu sein scheint. Die sonst vorherrschende Stille wird aber sogleich durchbrochen, als ein riesiges haushohes Geschöpf an Wanda vorbeizieht. Das muss der erste Gigant sein. Die Erde bebt, Vögel umschwirren den Kopf des Giganten, was seine Größe noch einschüchternder wirken lässt und nicht von ungefähr an Melville's Moby Dick erinnert. Furchteinflössend und auch majestätisch wirkt der Riese, der scheinbar noch keine bösen Absichten verfolgt oder den kleinen Wanda bisher nicht als Gefahr ansieht, aber diesen Fehler hat auch schon Goliath begangen. Das Licht soll die Schwachstellen des Riesen erkennbar machen. Also erhebt Wanda wieder sein Schwert und tastet mit dem reflektierten Lichtstrahl den Körper des Giganten ab. Dort am unteren Fuß erscheint das Zeichen, das auf die verletzbaren Stellen hinweist. Mutig rennt Wanda jetzt gegen den Feind, der nun auch seine Aufmerksamkeit erregt hat. Winzig erscheint der Held, als er versucht, den mit Hufen besetzten Füßen des Giganten auszuweichen, die ihm schon fast bis zum Kopfe reichen. Wanda muss einen Ansatzpunkt finden, um die Stelle am hinteren Bein erreichen zu können, die glatten oder mit Panzerung versehenen Bereiche bieten keinen Halt. Mutig springt er an das Bein, in der Hoffnung, sich am Fell des Ungetüms festhalten zu können. Geschafft, doch die Zeit ist knapp und Wanda kann sich nicht ewig ans Bein der Bestie klammern. Er klettert am Fell weiter am Bein empor, um die empfindliche Stelle zu erreichen. Er holt mit seinen Schwert aus, wartet, bis die Kraft des Stoßes ihr volles Ausmaß erreicht und sticht zu. Unter Schmerzen bricht die Kreatur zusammen und sinkt auf die Knie, womit sich für Wanda die Möglichkeit bietet, weiter nach oben zu steigen. Er springt auf den Rücken, klammert sich wieder am Fell fest und klettert weiter. Doch die Bestie bleibt nicht lange am Boden und steht wieder auf. Zum Glück hängt Wanda fest am Fell und kann sich den Weg weiter nach oben bahnen, doch die Zeit wird knapp, bevor ihn die Kräfte verlassen und er sich nicht mehr halten kann. Er muss eine Position finden, an der er seine Kräfte sammeln kann. Geschickt klettert er auf den mit Dornen besetzten Rückenpanzer, der ihm als Plattform dient. Der Gigant stapft dabei weiter wild umher und der Held muss aufpassen, nicht von seiner Position abgeschüttelt zu werden, notfalls muss er die letzen Kraftreserven verwenden, sich wieder irgendwo festklammern zu können. Zum Glück reichte die Zeit, sich zu regenerieren und Wanda macht sich weiter auf, den Gigant zu besteigen. Wieder springt er an das Fell und klettert bis zur Schulter hinauf, von hier kann er fast die nächste Schwachstelle seines Gegners erkennen. Mitten auf dem Kopf des Riesen prangt das Zeichen der Verletzbarkeit. Wanda geht das Risiko ein, aufrecht dort hinaufzulaufen, er kann sich immer noch, sollte er abrutschen, wieder am Fell festklammern und so einen Absturz verhindern, sollte das Ungetüm nicht zu sehr herumzappeln. Auf dem Kopf angelangt, klammert sich Wanda wieder fest an den Riesen, denn um mit dem Schwert ausholen zu können, muss er sicheren Halt haben und nach dem ersten todbringenden Stoß wird das Monster kaum untätig bleiben. Gesagt, getan und wie zu erwarten, versucht die Kreatur seinen Widersacher loszuwerden. Energisch schüttelt der Gigant seinen Kopf und Wanda wird wie eine Puppe umhergeschleudert und kann sich kaum halten, von einem weiteren Angriff ganz zu schweigen. Der Riese beugt sich vor und zurück, um seinen todbringenden Feind von seiner "Achillesferse" zu entfernen, er scheint sich kaum zu beruhigen und Wandas Kräfte, sich am Fell festzuhalten, sinken unaufhaltsam, sollte es noch länger dauern, wird er zweifelsohne wieder am Boden landen. Gezielt nutzt Wanda die kurzen Ruhepausen des Giganten, um seine Klammerkraft zu regenerieren, indem er versucht, ohne diese Hilfe oben zu bleiben oder er zieht sich auf eine vorherige Plattform zurück, um sich dort vollständig zu erholen. Ein paar weitere gezielte Stöße mit dem Schwert lassen die Energie des Giganten fast bis auf den Nullpunkt sinken und er erscheint so gut wie erledigt. Dann verliert die Markierung ihre Leuchtkraft. Hier ist der Gigant nicht weiter zu verletzen, Es muss also noch eine andere Stelle geben, die ihn verwundbar macht. Mutig klettert Wanda am Giganten umher und beäugt ihn aufmerksam, dort am Arm ist noch eine Markierung. Sie zu erreichen ist nicht einfach und einen Ruheposition nicht in greifbarer Nähe. Die Stelle am Arm ist eine Einbahnstrasse und sollte möglichst beim ersten Versuch gelingen. Wenig später stößt Wanda sein todbringendes Schwert in den Arm des Giganten, dessen Lebenskraft jetzt versiegt und er kraftlos zusammenbricht. Energiestrahlen verlassen seinen Körper und durchbohren Wanda, der zusammenbricht und erst im Tempel beim Altar wieder zu sich kommt und die Geisterstimme ihm seinen nächsten Gegner ankündigt. Das Abenteuer geht weiter...

Im Prinzip wäre damit das Gameplay von Shadow of the Colossus beschrieben, denn wie schon gesagt geht es in diesem Spiel "nur" um das Auffinden und den Kampf gegen die Kolosse. Wobei es natürlich nicht so einfach bleibt, wie in dem vorliegend beschriebenen Tutorial-haften Beispiel. Schon das Auffinden der Kolosse mit dem recht ungenauen "Lichtkompass" kann sich als Geduldsprobe erweisen, denn zwischen der "Vogelfluglinie" zwischen Gigant und Held haben die Designer schwer zu erreichende und findende Bergketten, Täler und Barrieren platziert. So reitet man schon öfters im Kreis, übersieht einen schmalen Bergpass oder landet letztendlich vor einer nicht überwindbaren Klippe und muss einen völlig anderen Weg einschlagen, um das Ziel zu erreichen. Auch die Kolosse werden natürlich im Kampf anspruchsvoller und variationsreicher, so dass man geschickt das Levelumfeld mit einbauen oder zuerst eine Möglichkeit finden muss, ihre Schwachstelle zu finden oder sie sogar von einer zuvor undurchdringlichen Panzerung befreien. Es gilt sie abzulenken, um sie dann von der anderen Seite anzugreifen oder man nutzt ihre eigene Kraft, um ihnen Schaden zuzufügen. Warum nicht die Angst des Giganten vor Feuer ausnutzen, um ihn in einen Abgrund zu drängen? Der Kampf gegen die Riesen vereint hier fast schon ein wenig von den guten alten Adventureelementen, um ihnen habhaft zu werden. Man stellt sich auf eine große Steinplattform und lockt den Gegner an, damit er diese mit einem Hammerschlag in die Höhe befördert, damit man auf eine höhere Angriffsposition gelangt. Man lockt ihn zu Boden, damit er nach Wanda sucht und sich bückt, nur um an seinen Bart springen zu können. Fluggiganten werden mit dem Bogen beschossen, damit sie zum Nahkampf übergehen und damit man auf ihre Flügel springen kann, um mit ihm in die Lüfte getragen zu werden usw. Allerdings sollte man hier nicht zuviel verraten, denn bei den insgesamt nur 16 Gegnern, würden zu viele Beispiele schon einiges am Spiel spoilern. Es wurde jedoch erstklassig umgesetzt und die Kämpfe sind intelligent, fordernd und vor allem auch absolut eindrucksvoll in Szene gesetzt, ob man jetzt neben dem Giganten mit seinem Pferd reitet, in schwindelerregender Höhe an seinem Fell hin und her geschleudert wird oder durch die Tiefen eines Sees gezogen wird. Im Prinzip ähneln sich die Kämpfe jedoch, denn das Ziel ist immer die Schwachstellen zu finden und so lange mit dem Schwert zuzustoßen, bis der Gigant seine gesamte Energie verloren hat. Durch die Variationen, wie man den Gigant erklimmen oder ihm Schaden zufügen kann, bleibt es jedoch abwechslungsreich genug, was sicher auch daran liegt, dass es nur 16 Gegner gibt. Sollte man an einem Gegner zu lange verzweifeln und nicht weiter wissen, gibt es ein wenig Hilfestellung von der "Geisterstimme". Die Kämpfe sind zweifelsohne absolute Highlights und sie lassen zum Teil auch unterschiedliche Lösungswege zu. Wenn man geschickt vorgeht, kann man einige Positionen überspringen und ihn schnell zur Strecke bringen. Ein wenig erinnert das Spielprinzip bei den Bossfights an das leider total untergegangene Xbox Spiel Galleon. Auch hier konnte man wie eine Ameise an den Gegnern und Levelbossen emporklettern, um sie zu besiegen. Hier haben sich die Entwickler von Shadow of the Colossus sicher ein wenig inspirieren lassen, auch wenn die Kämpfe im vorliegenden Spiel wesentlich aufwändiger sind. Galleon ist da eher eine Light-Variante, bietet aber im gesamten Spielverlauf mehr Abwechslung.

Doch es gibt auch Gameplayprobleme. Die langen Reitpassagen, in denen man so gut wie nichts erlebt, sind sicher nicht für alle Spieler das, was sie unter Spielspaß verstehen. So kommt es vor, dass man schon mal 2-3 Minuten benötigt, um alleine den See zu überqueren, bis man auf den Giganten trifft. Sicherlich unterstützt es die Atmosphäre, verloren und einsam in einer fremden Welt zu agieren, aber Spieler, die schon kribbelig werden, wenn mal minutenlang nichts passiert, wird Shadow of the Colossus sicher langweilen. In der reinen Spielwelt gibt es zu wenig, was Aufmerksamkeit bedarf, von den Geckos und vereinzelten Fruchtbäumen einmal abgesehen. Hier hätte man sich ein wenig mehr wünschen dürfen, so wie es z.B. auch sehr geschickt bei Zelda: Ocarina of Time funktionierte, ohne dass die gewollte Atmosphäre darunter leiden musste. Dennoch ist es schön und von den Designern auch sehr mutig, dass sie es in einem Spiel erlauben, einfach mal 3-4 Minuten mit dem Pferd durch die Landschaft zu reiten, ohne wirklich was zu erleben, wobei man dieses "Nichts-erleben" am bestem mit einem Sparziergang im Wald vergleichen könnte.

Leider gibt es aber auch ein paar für mich unverzeihliche Patzer. Allen voran die stellenweise absolut vermurkste Kamerasteuerung und damit auch die Figurensteuerung. Shadow of the Colossus nutzt die Konsolen-typische Steuerung, die sich an der Bildschirmausrichtung orientiert, was bedeutet, dass entsprechend zum dargestellten Bildinhalt die Steuerung angepasst werden muss. Dreht sich die Kamera während man eigentlich geradeaus läuft, muss nachjustiert werden. Die automatische Kamera ist darin ein Meister, möglichst die ungünstigste Position zu wählen, dabei nutzt die Autolock-Funktion auf den Giganten herzlich wenig. Will man z. B. vom Feind möglichst in gerader Linie fortrennen, wackelt die Kamera dabei hin und her und lässt die eigentlich gerade Fluchtlinie zum Eiertanz verkommen, so dass man mehr damit beschäftigt ist, möglichst die Kamera so auszurichten, dass eine gerade Linie gelaufen werden kann. Wenn man es der Autokamera überlässt kann es vorkommen, dass man den Feind überhaupt nicht mehr in der Sicht hat und nur seine Figur von hinten zu sehen ist. Völlig ungeeignet, will man die Bewegung des Feindes mit in seinen Plan einbauen, wenn er teilweise nicht zu sehen ist. Unverständlich ist die miese Kameraführung, weil es im Spiel ja nur die Kämpfe mit den Giganten gibt und das hier keine geeignetere Möglichkeit gefunden wurde. Ebenso die Ausrichtung nach der Kameraperspektive. Klammert man sich z. B. an der Hand eines Giganten fest und er dreht diese hin und her, in Kombination mit einer Kamerafahrt, kann man fast überhaupt nicht bestimmen, wohin die Figur klettert, denn so schnell kommt man mit dem Umlenken synchron zu den Bildbewegungen gar nicht nach, was Zeit und damit Kletterenergie kostet. Oft bewegt man sich leider nur auf der Stelle, besonders, wenn die Figur und deren Ausrichtung nicht zu sehen ist, wie beim letzten Giganten, bei dem man auf dem Handrücken und -ballen klettern musste. Die vermurkste Kamera kostet eindeutig Spielspass. Zum Glück traten die Probleme aber nicht bei allen Gegnern auf. Das Pferd zu reiten, besonders in engen oder bewaldeten Passagen, hätte ebenfalls ein wenig gängiger gestaltet werden können. So bäumt sich Agro gerne vor einem Hindernis auf und dreht sich dabei um, so dass man im dichten Wald deswegen gerne mal die Orientierung verliert. Dazu kamen ein paar Wegfindungsprobleme, bei denen das Pferd nicht den Weg zu seinem Herren fand und gegen einige Felsen lief, an denen es kein Durchkommen gab, was aber zum Glück nur sehr selten auftrat, ansonsten war auf Agro immer Verlass. Was mich mehr als geärgert hat und vom Gameplay unfair gestaltet wurde, war ein Problem bei zwei sehr ähnlichen Gegnern. So etwas dürfte eigentlich nicht durch die Qualitätskontrolle gelangen, besonders, wenn es insgesamt nur 16 Gegner bietet. Es gab zwei kleinere stierähnliche Wesen, deren Angriffe den Helden zu Boden warfen und er eine bestimmte Zeit benötigt, um sich wieder aufzurappeln und weiter bewegen zu können. Die benötigte "Aufrappelzeit" entspricht jedoch genau dem Angriffs-Rhythmus der Gegner. Wenn man also zu Boden ging, liegt man benommen dort und gerade, wenn man wieder bewegungsfähig wird, folgt die gleiche Attacke mit selbem Resultat. Hier kann man nur Glück haben oder man wird nacheinander um all seine Lebensenergie beraubt und kann neu anfangen. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad jedoch fair gestaltet und Fehler führen nicht gleich zum Ende der Mission, notfalls kann man sich an einem sicheren Ort zurückziehen und Kräfte sammeln.

Wird das Spiel beendet, darf man einige Boni betrachten, es in einem höheren Schwierigkeitsgrad oder einem "Giganten-auf-Zeit-Killen" Modus versuchen, wobei letzterer bei mir ungefähr soviel Interesse erweckt, wie einen Rubik's Cube in 4,3 Sekunden lösen zu wollen.

Fazit

Shadow of the Colossus ist ein eigenartiges Spiel, das man entweder mag oder ihm nichts abgewinnen kann, was es insgesamt schon interessant macht. Es konzentriert sich darauf, eine besondere Atmosphäre aufzubauen, wenn man auf seinem getreuen Ross Agro einsam durch die Steppe reitet, um einen der 16 Giganten zu finden und zu töten. Und irgendwann hat man dann das Gefühl, ob man wirklich das Richtige tut, wenn sich die riesigen Geschöpfe fast mitleiderregend schmerzerfüllt ihrem Ende nähern. Das Gamekonzept ist mutig, weil es in den 12-14 Stunden Spielzeit sicher die Hälfte damit "verschwendet", dem Spieler wenig zu bieten, damit in der verbleibenden Zeit die Kämpfe noch imposanter wirken. Sicher ist Shadow of Colossus nichts für Fast-Food-Zocker, denn die werden sicher schon nach späteren Fights, die weit ab vom reinen Hau-Drauf Prinzip liegen, keinen Gefallen mehr daran finden. Hier muss man mit Bedacht, Beobachtungsgabe und Geschick vorgehen, um die Schwächen des Gegners zu entdecken und besiegen zu können. Eine insgesamt stimmige graphische und akustische Präsentation sorgen dafür, dass die Giganten auch wirklich gigantisch wirken. Mit Shadow of Colossus findet man ein gut gemachtes, imposant inszeniertes, unterhaltsames Spiel, das sich mit seinem Gameplay und seiner Story fern des Mainstreammarktes bewegt. Vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen ist es jedenfalls ein echtes Kleinod, auch wenn die an einigen Stellen vermurkste Kameraführung den Spielspaß merklich trübt, bekommt es dennoch die Note "Gut". Ein Spiel für Gamer, die von Endgegnern nicht genug bekommen können.


Geschrieben am 16.04.2006, Testkonfiguration: Playstation2
 



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