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Info
Autor 3+
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Gesamt (48 votes) 2+
 1.6
 1.8
 2
Name:Robin Hood - Die Legende von Sherwood
Genre: Echtzeitstrategie
Produkt: Vollversion
Release: 2002/11
Publisher: Wanadoo
Entwickler: Spellbound
Offiz. Sites: Game
Hardware: 233Mhz, 64MB RAM, keine 3D-Karte nötig, HD 900 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Patch: 1.1
USK: 12
Robin Hood - Die Legende von Sherwood (review von ronin)

Mit Robin Hood - Die Legende von Sherwood, bringt Spellbound seinen zweiten Commandos - "Clone" auf den Markt, wobei allerdings schon der Vorgängertitel, Desperados, dem Original in nichts nachstand.

Pyro Studios konterte wenige Zeit später mit einem genialen zweiten Teil der Commandos-Reihe, der bis heute in diesem "Randgenre" unerreicht gut ist. Der direkte Commandos 2 Konkurrent versucht nun mit einer größeren Einsteigerfreundlichkeit, frischeren Szenarien sowie einem actionlastigeren Spielprinzip an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen.

Für alle die mit dem Commandos-Prinzip nichts anfangen können, hier eine kurze Einführung. Das Grundvorgehen ist bei allen Genrevertretern gleich. Man schleicht sich laufend, rennend oder geduckt durch die Levels und versucht so wenig Aufmerksamkeit und Lärm zu verursachen. Jede Wache verfügt über einen eigenen Sichtradius in dem man sich, wenn möglich, nicht aufhalten sollte. Passiert dies doch, so wird die Wache auf den Spieler aufmerksam und reagiert, je nach KI des Programms, unterschiedlich variationsreich. Nach diesem typischen Mikadoprinzip schleicht man sich durch die Levels und macht sich den Weg, durch das gezielte Ausschalten von Gegner, zum Missionsziel frei. So in etwa ist das Schema was seinerzeit Comandos 1 eingeführt hat. Story spielt, wie der Name schon sagt, im hochmittelalterlichen England Ende des 12. Jahrhunderts. Ein allen bekannter Konflikt zwischen dem guten, geächteten Adeligen Robert von Locksley, alias Robin Hood und dem bösen Prinz John dient als Grundlage für die weitere Storyentwicklung. Alles in allem ein schönes Szenario in dem man sich gut mit der Rolle des "Partisanen" anfreunden kann. Nach einem genial animierten Intro geht es ohne Umschweife ins Gefecht. Der gute Robin muß feststellen, daß seine Burg eingezogen und seine wenigen Freunde allesamt gefangen wurden. Diese Tatsache bestimmt dann auch das Vorgehen in den ersten Missionen. Da Hauptfiguren wie Bruder Tuck oder Little John noch freigeprügelt werden müssen, werden die "einzigartigen" Fähigkeiten dieser späteren Begleiter durch namenlose Standartkämpfer ersetzt. Diese unterscheiden sich in Bogenschütze, Heiler und Nahkämpfer. Alle drei besitzen in etwa die Fertigkeiten der Hauptcharaktere, weswegen es eigentlich egal ist welchen der beiden Typen man den Vorzug gibt.

Der Nahkämpfer kann mit seiner Angriffsart viele Gegner mit einmal bewußtlos schlagen und diese dann aus dem Sichtbereich der Feinde schleppen, Fähigkeiten die Little John ebenfalls besitzt. John ist im Nahkampf nur noch ein wenig effektiver. Zwangsläufig führt die Unterscheidung dazu, daß man sich auf seine Hauptcharaktere beschränkt und die "Namenlosen" daheim in die Privatkolchose Sherwood zum Äpfelpflücken schickt. Schade, dass Spellbound zwischen all den "Innovationen" versäumt hat, die eigentlichen Schwächen seiner Vorgänger auszumerzen. Selbst die Commandos-Reihe kränkelte an dem immer wieder gleichen Vorgehen der Spezialcharaktere. War es in Commandos2 der Taucher mit seinem Messer, der alle Wachen in Rekordzeit verschwinden ließ, so ist es in Robin Hood Little John, der ganze Gegnerhorden mit einer gezielten Kreisattacke bewußtlos schlägt. Noch schnell den dicken Priester geholt, der die Massen verschnürt und fertig ist der Tuck. Das suchtmachende Spielprinzip greift natürlich auch in Robin Hood, zumal man als vermeintlich "gute" Seele darum bemüht ist, nicht raubend und brandschatzend durch die Levels zu rennen, sondern alle Gegner bewußtlos zu schlagen. Man ist bis zum Schluß hochmotiviert und schlägt und fesselt sich durch die Missionen.

Kommen wir aber jetzt zu den Neuheiten die auf der Verpackung angepriesen werden. Der Zweck dieses schon angesprochenen "Chil out Rooms" von Robin Hood ist mir selbst jetzt, nachdem ich den Titel durchgespielt habe, noch nicht ganz klar. Überflüssiges Personal wird in dem improvisierten Lager der Geächteten auf verschiedene Produktionsbereiche aufgeteilt. So können Pfeile, Äpfel, Fleisch, Heilkräuter oder Netze in diesem Lager hergestellt oder die Kampferfahrung der Charaktere erhöht werden. Je nachdem, wie viele Arbeiter auf die Bereiche verteilt werden, wächst der Ertrag der Ertrag am Ende der nächsten Mission. Am Anfang ist dieses Feature wirklich nett. Man freut sich durch ein unblutiges Vorgehen innerhalb der Missionen immer mehr Verbündete zu bekommen und teilt diese dann den jeweiligen Bereichen zu. Allerdings nimmt der Strom an aufständischen Bauerngesindel spätestens nach 6 Missionen dermaßen zu, dass man froh ist, aus dieser mittelalterlichen Clone-Fabrik zur nächsten Mission eilen zu können. Man stelle sich hier 10 gleichaussehende Nahkämpfer bei der Pfeilproduktion vor. Hinzu kommt noch, daß man in den Levels genügend Ausrüstung findet und die produzierten Gegenstände im Lager vergammeln. Dieses Feature sollte anscheinend einen Hauch Echtzeitstrategie, sprich frischen Wind ins Genre bringen. Leider ist daraus eher ein unangenehmes Lüftchen geworden, was wohl eher an der Überbevölkerung Sherwoods liegen mag, als an der Genialität der Entwickler.

Ein weiteres neues Feature ist die nichtlineare Missionsführung. Über eine Karte kann zwischen kleineren Überfallmissionen und den storylastigen Hauptmissionen entschieden werden. Hinzu kommen manchmal noch sogenannte Belagerungs- oder Verteidigungsmissionen. In diesen Szenarien müssen bestimmte Wappen erobert und somit Zugänge für die im Hinterland wartenden verbündeten Armeen freigemacht werden. Das läuft im Endeffekt auf die komplette Beseitigung der Gegner auf der Karte hinaus, aber ist an sich eine nette Abwechslung. Die kleinen Überfallmissionen dienen dazu, Lösegeld für Richard Löwenherz zusammenzuklauen. Eine Kutsche oder ein dicker Steuereintreiber sind Ziele dieser Angriffe. Macht es am Anfang noch Spaß per Pfeil und Bogen vorgefertigte Fallen auszulösen, so wiederholen sich die Missionen auf Dauer immer wieder, wobei sogar die Gegnerdichte ab einem bestimmten Zeitpunkt immer gleich bleibt.

Bei den Hauptmissionen hat man sich natürlich mehr Mühe gegeben. Auch wenn das Missionsziel "Befreie den und den" sicher sechs mal im Missionsbriefing auftaucht, so macht es doch unwahrscheinlich viel Spaß, die kleinen Nebenquests, welche auf den Karten versteckt sind, zu erfüllen. Um diese frei zu schalten, muß man sich zu den im Level verteilten Bettlern vorkämpfen. Schade nur, daß es lediglich fünf verschiedene Burgen im Spiel gibt. Fast jede besucht man sicher drei bis vier mal und kennt die Grundstruktur der, im Vergleich zu Commandos, recht kleinen Karten schnell auswendig. Lediglich Tageszeit, Wetter und Gegneraufkommen variieren, außerdem sind bestimmte Bereiche durch Türen versperrt. Nichts desto trotz sind die Missionen gelungen und recht abwechslungsreich.

Einmal nimmt man am berühmten Bogenschießen teil, dann muß die Hochzeit Lady Marians mit dem Sheriff von Nottingham verhindert oder Little John aus einem Hinterhalt befreit werden. Ein weiteres, sehr gelungenes Feature ist das Kampfsystem nach "Molyneux´schen" Vorbild. Sprich dem Zeichnen von bestimmten Symbolen auf dem Monitor, um Kampftechniken einzuleiten. Diese sind sehr einfach geraten und im Kampf sehr schnell umzusetzen. Ein Kreis bedeutet, daß sich der Charakter um die eigene Achse dreht, eine horizontale Line bewirkt einen einfachen Schwerthieb und so weiter. Da das Spiel eigentlich weniger auf Schleichen und das komplizierte Weglocken von Gegnern setzt, ist dieses Kampfsystem eine sinnvolle Ergänzung. Das einzige was von einem säbelrasselnden Durchmarsch zum Ende des Levels abhält, sind neben dem eigenen Stolz, die vielen Bogenschützen, welche mit unseren Nahkämpfern schnell kurzen Prozeß machen. Hat man sich erst einmal an das actionlastige Vorgehen gewöhnt und von den meisten Spezialfähigkeiten (Netze werfen, Bier auslegen etc.) Abschied genommen (Draufhauen und fesseln, mehr braucht es nicht), bricht das typische Commandosfieber wieder aus und ist, gepaart mit dem deutschen Hang zur Ordnung (die Wache muß noch weg, auch wenn's nicht unbedingt nötig ist ;)) nicht mehr zu stoppen.

Auch Graphikpuristen, die konsequent den Verlockungen des 3D Bereiches wiederstehen, finden bei Robin Hood ihre Offenbarung. Die Graphik ist liebevoll und detailliert gezeichnet, auch wenn kleinere Objekte teilweise etwas verwaschen wirken. Die Bewegungsanimationen können mit Commandos 2 zwar nicht mithalten, sind aber immer noch glaubhaft. Auch hat man auf eine drehbare Perspektive verzichtet und hebt, durch Gebäude verdeckte Personen, durch einen Rahmen hervor. Leider gibt es keine Trennung zwischen Räumen innerhalb von Gebäuden und der äußeren Stadtlandschaft. Während man bei Commandos 2 in jedem Wehrmachtsklo stufenlos drehen und wenden konnte, so dienen in Robin Hood die meisten Gebäude dem Verstecken von gefesselten Gegnern (erstaunlich wie viele Wachen in einem kleinen Schafstall untergebracht werden können ;)). Das ist schade, weil man mit dem Spähen durch Schlüssellöcher dem Spiel noch mehr taktische Tiefe verleihen könnte. Hinzu kommt noch, daß man oftmals abrupt ein begehbares Gebäude aufdeckt und den darin befindlichen Wachen unvorbereitet gegenübersteht (aber wofür gibt es Quickload oder Supermann Little John).

Was die Performance angeht, braucht sich niemand, der über einen Rechner mit über 700 Mhz verfügt, Gedanken zu machen. Das Spiel unterstützt die drei üblichen Auflösungen (640*480 - 1024*768) und ist leicht an den eigenen Rechner anzupassen. Die akustische Untermalung ist angenehm und begleitet den Spieler, ohne sich aufzudrängen, durch daß Spiel. Leider wieder holen sich die Musikstücke etwas zu oft. Ansonsten herrscht angenehme Naturstimmung im Wald (Vogelzwitschern, Bienensummen etc.) und städtische Hektik innerhalb der fünf Burgen. Leider sind nur sehr wenige Missionsbriefings synchronisiert, weswegen man sich durch recht viel Text wühlen muß, was jedoch bei Commandos auch nicht besser gelöst wurde. Das einzige akustische Übel, was einem wirklich auf den Geist geht, sind die Zivilisten in der Stadt, die über ein recht begrenztes Vokabular verfügen. Während eine junge Frau mit einer alten Fistelstimme etwas von einem "...ansehnlichen Mann" faselt, springt vor meinem Mauspfeil eine Schar Kinder herum, die immer zu schreit: ".. oh Robiinn Huuuood". Schade das hier die Faustschlag-Funktion streikt ;).

Abschließend möchte ich noch einige Dinge ansprechen, die mir negativ aufgefallen sind und zu schon recht seltsamen Situationen führten. Es kommt leider immer wieder vor, daß das Spiel ohne ersichtlichen Grund ins Windows zurückwechselt. Es beendet einfach so und man kann nur hoffen, früh genug auf F1 (Quicksave) gedrückt zu haben. Auch ist aufgefallen, daß die neuen Detonatortreiber (40.72) zu unschönen Grafikfehlern führten. Beim Scrollen blieben Teile vom vorherigen Bildschirm im Bild hängen. Zwar ließ sich das durch ein kurzes Zoomen beheben, fiel aber unangenehm auf.

Die Gegnerintelligenz im Spiel ist an und für sich sehr gut gelungen. Die Wachen nehmen teilweise reiss aus, wenn sie einer Übermacht gegenüberstehen und holen Hilfe. Auch Zivilisten alarmieren oftmals die Wachen. Manchmal jedoch hatte ich das Gefühl, es war zuviel an KI (Künstlicher Intelligenz). Hier ein Beispiel. Little John lockt, gewitzt wie er ist, durch seine unübersehbare Präsenz einen Trupp Wachen an, der von einem Leutnant befehligt wird. Dieser schickt seine Männer vor ... und liegt nach einer zweiten Kreisbewegung neben seinen Soldaten vor Little Johns Füßen. Leider hat diesen Vorgang eine junge Dame beobacht, die nun "Zu Hilfää, Zu Hilfää ein Mörder" schreiend zum nächst besten Soldaten rennt, der wiederum Verstärkung holt. Der Soldat kommt mit 10 weiteren Wachen angerückt ... Schnitt ... alle 10 liegen bewußtlos, dank Little John, im Dreck. Während man sich nun an die mühselige Aufräumarbeit macht, kommt unsere schreiende Jungfrau erneut aus ihrem Häuschen und das Spiel beginnt von vorn. Das ist mir sicherlich fünf mal passiert, so dass ich mit diesem "Bug" den halben Level leergeräumt habe.

Neben diesen wenigen unschönen Schnitzern und den teilweise uberflüssigen Features bleibt es ein sehr gutes Spiel im Commandos Format, das sich auch durch den hohen Actionanteil für Genreneulinge eignet. Durch den recht niedrigen Schwierigkeitsgrad und der etwas angestaubten Grafik, reicht Robin Hood nicht an das Original heran, bleibt aber auf jeden Fall empfehlenswert, nicht nur für Fans des Genres.

Das Spiel macht süchtig und man kommt erst nach dem Outro wieder davon los. Für zukünftige Spiele dieser Serie wünsche ich mir, daß sich Spellbound wieder mehr auf die Ursprünge besinnt und mehr Wert auf abwechslungsreiches, taktisches Vorgehen legt, als auf actionlastige Kampfszenen und unnötige Genremixes.


Geschrieben am 06.12.2002, Testkonfiguration: AMD2400+,GeForce4, 512MB Ram, SB Live
 



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