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Pitfall: D.verl.Expedition  


Info
Autor 2
 1.5
 1.5
 2
Gesamt (5 votes) 1
 2
 1.7
 1.9
Name:Pitfall: Die verlorene Expedition
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2004/11
Publisher: Aspyr
Entwickler: Edge of Reality
Offiz. Sites: Game
Links: Activision
Hardware: 800Mhz, 256MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 1200 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Tastatur/ Joystick/ Gamepad
FFeedback: ja
Sprache: Englisch
Serie: ja
Bemerkung: auch für Xbox, PS2, Gamecube, benötigt Dual Analogpad
USK: 6
Pitfall: Die verlorene Expedition (review von yak)

Kaum zu glauben. 20 Jahre ist es her, als ich das erste Mal mit Pitfall Harry den Urwald unsicher machte. In Zeiten, als das Konsolendesign eher an ein altes Röhrenradio erinnerte und sich ohne Probleme zum Equipment des Raumschiffs Orion gesellen konnte, ohne jedoch den mit Alufolie umwickelten Bügeleisen ernsthaft Konkurrenz zu machen. Das Atari VCS war schon was Feines :-). Und fein war 1984 auch die Graphik von Pitfall. War man bis dato gewohnt, dass die Spielfiguren eher wie der "Balken" aus Pong aussahen und E.T. im gleichnamigen VCS 2600 Game wie ein Buchstabe eines defekten und gestretchten Zeichensatzes, war Pitfall schon eine ganz andere Klasse. Wenn die Figuren auch aus nicht mehr als 12-14 Pixeln bestand, war der Held doch als solcher zu erkennen, ebenso die Krokodile und Skorpione. Dass die Lianen wie eine eiserne Stange hin und her schwangen, störte kaum und an Physikengine war ohnehin noch nicht zu denken. "WOW!", sagte damals jeder, der es gesehen hat und "Das hat wie viel Screens? Über 100?". "Ja" kam stolz als Antwort, auch wenn diese sich meist gar nicht unterschieden haben, wenn man von der Position der Krokos und Lianen einmal absah. Und so war man glücklich, wenn man unter dem gegebenen Zeitlimit ohne Feindkontakt, von einem Baumstamm überrollt oder in einer Schlammgrube zu versinken, das Spiel absolvierte. Heute wäre das Spielprinzip nicht viel spannender, als das schrecklichste Handygame :-). Aber Zeiten ändern sich ja. Pitfall Harry ging dann noch in die zweite Runde und man fand ihn später auch in Remakes auf Konsolen/ PC , die prinzipiell aber dem ursprünglichen Konzept treu blieben. Da Nostalgiewellen momentan schwer in Mode sind und alte Ideen wieder aufgebrüht werden, wie man an den unzähligen Remakes von Klassikerfilmen (meist in mieser Qualität) erkennen kann, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Spieleindustrie nachzieht.

Zwar gab es schon einige Remakes , die jedoch in vielen Fällen schlechter als das Original wurden, weil man unnütze Änderungen einbaute und damit auch den Charme des Originals nicht einfangen konnte. Softwareblüten wie "Spy Hunter", "Centipede", "Missile Command" und weitere Katastrophen, sprechen hier Bände. Dann lieber aus den bestehenden Figuren ein komplett neues Gamedesign entwickeln, zeitgemäß und mit genügend Inhalt des Classic-Games, um die Reihe würdig fortzusetzen. Also eher eine Hommage als ein Remake. Und genau das muss man sich wohl auch gedacht haben, als man im letzten Jahr "Pitfall - Die verlorene Expedition" für die gängigen Konsolen veröffentlichte und das jetzt in einer etwas aufgeppten Fassung auch für den PC vorliegt. Ob der Versuch, ein 20 Jahre altes Spiel mit genügend Spielinhalt, Charme, Witz und Herausforderung zu füllen, soll unser Review klären.

Technik

Von technischer Seite ist Pitfall ein rundum gelungenes Spielerlebnis. Die Graphik orientiert sich dabei gänzlich am Comic-Look, was dem Spielkonzept und besonders auch dem Humor zu Gute kommt. Quitschebunt und abwechslungsreich sind die Locations gestaltet. So darf man Pitfall Harry durch den Urwald von Liane zu Liane hangeln lassen, flieht durch piranhaverseuchte Seen ins nächste Krokodil, erforscht im einsamen Licht einer Fackel dunkle Höhlen, taucht durch unterirdische Grotten, besteigt schneeverwehte Berge oder kämpft sich durch alte Tempelanlagen, Sümpfe oder Eingeborenendörfer. In Pitfall bekommt man alles an Locations geboten, was Mutter Natur in diesen Breitengraden zu bieten hat. Alles schön gestaltet und detailreich umgesetzt. Stimmige Effekte runden das graphische Erlebnis ab, wobei hier besonders die Lichteffekte auffallen. So sieht es mehr als eindrucksvoll aus, wenn Harry mit seiner Fackel bewaffnet, dunkle Grotten erforscht. Die Fackel beleuchtet das Umfeld höchst realistisch und das Licht eröffnet nur behutsam den Weg aus der Dunkelheit. Felswände und Stalagmiten wirken gespenstisch unter dem flackernden Schein. Ebenso gelungen ist die Darstellung des Wassers. Im Gegensatz zu den Konsolenversionen sieht es um Längen besser aus. Den besonderen Reiz erfährt Pitfall aber durch die liebevolle Gestaltung und Animation der Figuren. Die Animationen sind geschmeidig und tragen viel zum Charme des Spieles bei, weil sie fast karikaturhaft überzeichnet werden. Die Buschmänner nehmen bei der Flucht die Beine mehr als in die Hand und Krokodilaugen beobachten jeden Schritt von uns, besonders die falschen. Und hat Harry mal einen Fuß ins Krokogebiet gesetzt, ist die Belohnung, dass die Krokos ihn in ihre Nahrungskette aufnehmen wollen. Doch er versucht dann noch mit allen Mitteln, sich wieder da heraus zu winden, was zum Glück auch meistens klappt. Richtig klasse hat man die Zwischensequenzen umgesetzt, die jeweils mit der Gameengine gezeigt werden. Hier kann die Engine wirklich zeigen, was sie drauf hat, denn selten hat man so gute Animationen und Mimik in einem Spiel dieses Genres gesehen. Harry rollt mit den Augen, hebt heldenhaft die Augenbraue, Urwald-Prinzessinnen beherrschen perfekt den Schmollmund und Bösewichte sind... böse!. Eine großartige Leistung, die man schon fast mit virtuellen Schauspielern vergleichen kann.

Unterstützt werden die Sequenzen durch den einmaligen Humor, womit wir auch gleich schon beim Sound angelangt wären, der ebenso makellos ist, nur mit dem Dämpfer, dass es das Spiel lediglich im englischen Original gibt, was bedeutet: englischer Text, englische Sprache und damit ein wenig vorbei an der evtl. Zielgruppe jüngerer Spieler. Etwas merkwürdig, kamen doch die Konsolenfassung in jeweils eingedeutschter Fassung. Aber wer sagt schon, Jump & Runs wären nur was für Kinder? :-). Dem Spaß mindert das jedoch nicht und die englischen Sprecher sind allesamt großartig. Wenn Harry sich seiner Traumfrau als Macho schlechthin vorstellt und sein "mittleres" Prince Charming Face einsetzt, was er seiner Herzensdame sogar selbst eingesteht oder höchst merkwürdige Dialoge mit dem sprechenden Jaguar führt, bleibt kein Auge trocken. Ebenso liebevoll wurde die Geräuschkulisse umgesetzt. Alleine schon, um das panische Geschrei der fliehenden Buschmänner zu hören, ist es immer mal wieder wert, in ihrem Dorf für Panik zu sorgen. Ihr "Abujabbuu abbuuu" muss man einfach gehört haben. Das wurde mit soviel Witz und Ironie eingesprochen und persifliert zugleich bekannte Filme wie z. B. "Indiana Jones". Die köstlichen Dialoge tun ihr übriges. Um Zugang zu einem Urwalddorf zu erlangen, muss man an einem Torwächter vorbei, doch dessen Wortschatz erklingt recht repetiv. Egal, wass man sagt oder tun will, seine Antwort mit entsprechendem Dialekt "I'll kill you!". Kann man schlecht beschreiben, muss man einfach erlebt haben :-). Dazu gibt es aber noch passende Urwald-Ambiente Sounds, wie Wasserfälle, schreiende Affen usw.

Ein weiteres Highlight bildet die vorzügliche Musikkomposition von Kevin Manthei (u.a. Vampire, Wizardry 8), die den Helden heroisch mit passendem Orchestersound durch den Dschungel begleitet. Schon das heroische Titelthema macht Lust auf mehr und entwickelt sich im Laufe der Spielzeit zu einem richtigen "Mitträller" Thema, das seinen großen Filmvorbildern nicht nach steht. Kevin Manthei hilft Pitfall Harry musikalisch durch seine Abenteuer und liefert immer den passenden Sound, seien es die Kämpfe im Dschungel oder das Erforschen unterirdischer Höhlen. Einfallsreich orchestriert gibt es dann auch Dschungel-konforme Instrumente wie Panflöten, Trommeln, Rasseln und auch Stimmeinlagen zu Gehör. Die Actionuntermalung erinnert nicht von ungefähr an Filme wie "Indiana Jones", "King Solomon's Mine" oder auch "Die Mumie". Demos zur Musik gibt es auf der Homepage des Komponisten.

Und damit es auch ein rundum gelungenes Spielerlebnis wird, gibt es auch an der Steuerung nichts zu beanstanden. Jedoch muss man sagen, dass man Pitfall eigentlich nur mit einem Gamepad spielen kann, welches zudem 2 Analogsticks besitzen muss, ansonsten wird man am Spiel wenig Freude haben. Die Funktionen lassen sich problemlos neu auf das Pad konfigurieren und so kann man seine bevorzugte Steuerungseinstellung wählen. Pitfall unterstützt zudem Rumbleeffekte, die auch sehr schön in den Zwischensequenzen eingesetzt werden, wenn man z. B. mal von der Dame des Herzens nett "geknufft" wird ;-). Dabei reagiert der Held immer präzise und auch die Kollisionsabfrage ist großzügig gehalten, so dass es nicht in Millimeterarbeit endet, wie man es aus den Tomb Raider Games kennt. Und sollte dennoch mal ein Sprung nicht klappen, wird man wieder am nächstgelegenen sicheren Fleck zurückteleportiert. Von Kameraproblemen, wie es in anderen Reviews zu lesen ist, war nichts problematisches festzustellen. Sicher gab es 1-2 Stellen, wo es ein wenig "eng" und übersichtlich wurde, jedoch blendet die Engine sehr gekonnt im Weg befindliche Gegenstände auf "transparent" und somit stört es selten. Es gab jedenfalls keine Stellen, an denen eine eigenwillige Kameraposition für dauernde Fehlsprünge sorgte, wie man es aus vielen anderen Games dieser Bauart kennt. Auch behielt die automatische Kamera das Spielgeschehen immer gut unter Kontrolle und alles Wichtige war zu sehen. Zudem stand immer die Möglichkeit offen, selbst nachzujustieren oder zum Erkunden auf die Egosicht zu schalten.

Pitfall ist ein technisch rundum zufriedenstellendes, ausgereiftes Game, das keinerlei Ansätze zur Kritik bietet, wenn man von zwei Kleinigkeiten absieht. Die Graphik, Sound und Steueroptionen sind nur außerhalb des Spieles modifizierbar (auch wenn das Handbuch etwas anderes behauptet) und im Spiel selbst wird bei Modifikation der Tastenbelegung trotzdem immer bei Onscreen-Tutorials die Standardbelegung angezeigt. Etwas ärgerlich, wenn man einen neuen Special Move erklärt bekommt und sich dann wundert, warum es nicht funktioniert. Hier muss man dann im Handbuch nachsehen, welche Funktion man auf welchen Knopf umprogrammiert hat.

Gespeichert werden kann jederzeit, wobei jedoch hier immer nur der Status bei Leveleintritt berücksichtigt wird (Wobei ein Zurücklaufen in den vorherigen Level mit anschließender Sicherung zumindest die aufgenommenen Items "rettet" :-) )

Gameplay

Doch wie präsentiert sich nun das Gameplay? Kann der Spielspass mit der grundsoliden technischen Umsetzung mithalten? Hier ist ein klares Ja auszusprechen. Pitfall spielt sich einfach einmalig und man mag kaum das Gamepad aus der Hand legen und wird sich öfters bei dem Spruch "Nur noch eben diesen Level und das neue Gadget holen!" ertappen. Pitfall ist ein reinrassiges 3rd Person Action Adventure geworden, wobei der Schwerpunkt auf Jump & Run Passagen und Kampfeinlagen beruht, was jedoch nicht bedeutet, dass es keine Rätsel und Secrets gibt.

Alles hätte so schön sein können, wenn nicht das Flugzeug der Bittenbinder Expedition mitten über dem Dschungel Perus abgestürzt wäre. Doch zum Glück ist Pitfall Harry mit an Bord und kann zeigen, dass er nicht nur der hübschen Nicole schöne Augen machen kann, sondern auch den Gefahren des Urwalds gewachsen ist. So macht sich Harry also auf, die Rätsel der Tempelruinen zu lüften, die im Umfeld notgelandeten Expeditionsteilnehmer zu finden oder aus den Händen der Eingeborenen zu retten. Dass einige Dschungelbewohner das verhindern wollen, scheint klar und so muss sich Harry nicht nur gegen sämtliches Getier zur Wehr setzen, sondern auch gegen Jonathan St. Claire, einem französischen Söldner, der durch den Verkauf archäologischer Artefakte zu Ruhm und Reichtum kommen will und schon lange mit Harry auf Kriegsfuss steht. Jedoch steht Harry nach der ungewollten Bruchlandung relativ nackt den Abenteuern gegenüber und so muss er sich erst mal ein wenig Equipment besorgen, um gegen alle Gefahren gewappnet zu sein. Dabei ist ein Blick ins Handbuch quasi unnötig, denn alles, was Harry benötigt, erfährt er durch Infos aus dem Spiel zu gegebenem Anlass, bzw. bei Erhalt neuer Gegenstände oder Eigenschaften.

Harry lernt, wie er über Fallgruben springt, den Doppelsprung sinnvoll nutzt, an Lianen schwingt, schwimmt, sich an Vorsprüngen hochzieht usw. Aber wie, verdammt, kommt man durch den Fluss, in dem es vor hungrigen Krokodilen nur so wimmelt? Eine Liane ist nicht in Sicht und einen anderen Weg scheint es nicht zu geben. Ganz einfach. Gut platzierte Sprünge von einem Krokorücken auf den nächsten. Nur zu lange warten sollte er auf selbigen nicht, denn wenn die Krokos es mitbekommen und man zu lange verweilt, endet Harry im Maul der Ungetüme. Doch was wäre ein richtiger Held, wenn er nicht auch aus solch prekärer Lage einen Ausweg wüsste. Anständig strampeln und sich zu Wehr setzen und dann gezielt aus dem Maul herausspringen. Das kostet zwar ein wenig Lebensenergie, aber ist dem Verdauungstrakt in jedem Fall vorzuziehen. Vielleicht findet sich ja auch einer der beliebten Brunnen in der Nähe, um die Lebensenergie wieder auf Vordermann bringen.

Harry sollte aber keinesfalls durch den Urwald hetzen, denn alles gut unter Kontrolle zu haben und auch jeden Winkel abzusuchen, wird sich für ihn lohnen. So findet er bestimmte Statuen, die er auch von befreiten Expeditionsteilnehmern erhält, die er gegen neue Eigenschaften im "Shamanen-Shop" tauschen kann. Shamanen sind recht schläfrige Gesellen, die sich irgendwo im Dschungel, oft gut versteckt, verbergen und erst durch einen leichten Klaps aus ihrer Meditation erweckt werden können. Doch dann kann man Statuen gegen neue Eigenschaften und Gegenstände tauschen. So darf man seine Energieleiste erhöhen, Karten von Gebieten kaufen, die die Zahl der versteckten Expeditionsteilnehmern, Shamanen und Statuen enthalten, neue Angriffs-Moves oder eine Vergrößerung der Feldflasche, die es Harry erlaubt, sobald er aus ihr trinkt, einen Teil seiner verlorenen Energie wieder herzustellen. Sozusagen "Essen auf Rädern". Ist sie leer, kann er sie am Brunnen wieder füllen. Leider erfüllt ein Shamane nur einen Wunsch und verschwindet nach dem Shopping, so dass Harry sich den nächsten Handelspartner suchen muss.

Zu Harrys großzügigem Bewegungsrepertoire gehört aber nicht nur simples Hüpfen und Liane schwingen, auch im Schleichen und Rollen ist er Meister. So bewegt er sich auf leisen Sohlen unbemerkt durch eine schlafende Affenhorde und sollte stets darauf achten, keinen Lärm zu verursachen, will er der Kokosnuss-Steinigung entgehen. Die Schleichtatktik macht sich ebenfalls bezahlt, als er, gefangen in der Stadt El Dorado seine Flucht versucht und ungesehen durch die Gegner schleichen und sie hinterrücks, ganz Splinter-Cell-Like, überwältigen muss. Ein kleiner Felsspalt am Boden? Warum nicht mal zusammenrollen und versuchen, so in die Höhle zu gelangen. Neben besonderen Angriffstechniken, die für bestimmte Gegner notwendig sind, wie z. B. den geduckten Tritt, um die Buschmänner, die sich gerne hinter ihrem Schild verstecken, zu entwaffnen und ihnen dann den Tritt ins Jenseits zu verpassen, lernt Harry aber auch noch bessere "Körperkontrolle", wie den Hechtsprung oder auch einen Tornadoangriff, der ihn wie ein Kreisel dreht - besonders effektiv- wenn sich Harry für diesen Angriff auch vorher noch mit den Spitzhacken bewaffnet. Das durchbricht selbst die beste Panzerung.

Damit Harry auch seine Abenteuer erfolgreich bestehen kann und er Bereiche des Dschungels erreicht, die ihm vorher verwehrt waren, findet er sehr nützliche Gegenstände, die ihm das Fortkommen erleichtern. Eine Schlinge, mit der er Steine werfen kann, um damit nicht erreichbare Schalter zu betätigen oder Feinde aus der Entfernung anzugreifen. Eine Fackel, um vorher nicht begehbare dunkle Höhlen zu erforschen, die zudem auch hilfreich bei Angriffen von Fledermäusen ist. Ein Rettungsring hilft bei der Überquerung vor Gewässern, in denen es von elektrischen Aalen nur so wimmelt, außerdem eignet er sich ausgezeichnet, um auf verschneiten Bergen von Abhängen zu rodeln. TNT ist hilfreich, um eingestürzte Wege wieder frei zu sprengen oder schwierigen Feinden ordentlich einzuheizen und Gasmasken eignen sich, um an den riesigen, Gas absondernden Pflanzen vorbeizukommen. Spitzhacken sind ideal, um im Gebirge an vereisten Wänden zu klettern. Ein Schild kann zum Rammen der Gegner oder stacheliger Barrieren genutzt werden oder aber auch über dem Kopf gehalten, als Schutz dienen. Und hier kommt eine wirkliche Neuerung ins Genre, denn die Gegenstände werden nicht nur einfach "ausgerüstet", sondern müssen wirklich auch "benutzt" werden. Mit dem zweiten Analogstick steuert man dann nämlich Harrys Hand. Hat er z. B. die Feldflasche ausgerüstet, dann muss er sie auch zum Mund bewegen, zum Abwehren der Fledermäuse sollte er die Fackel auch schon Hin- und Herschwingen, zum Werfen von TNT etwas ausholen und die Gasmaske bringt wenig, wenn er sie nicht genau vor das Gesicht hält. Das hört sich schwieriger an, als es ist, wurde aber extrem gut und spaßig umgesetzt. Hat er z. B. beide Spitzhacken zum Klettern in der Hand, muss er auch mit beiden Analgosticks die Arme in die entsprechende Richtung bewegen. Um die Feldflasche im Brunnen nachzufüllen, muss er sie halt einfach eintauchen, Hebel, die umgelegt werden wollen, um bestimmte Dinge in Gang zu bringen, müssen dann auch entsprechend in die richtige Position gebracht werden. Paddelt er im Rettungsring mit den Händen im Wasser, muss man auch für die entsprechende Richtung das richtige Händchen nutzen.

Und so kämpft und wurschtelt sich Harry durch die unterschiedlichen Level, um bestimmte Gegenstände oder Informationen zu erhalten. Das Spiel bleibt zwar recht linear, wirkt aber dadurch, dass man öfters hin und her muss, recht offen, besonders auch, weil man an Orten, die man vorher schon besucht hatte, mit den neuen Gegenständen neue Wege/Secrets eröffnen kann oder diese durch neue Eigenschaften zugänglich werden, wie z. B. der "Ritt" über Lavagestein, wenn man die Fähigkeiten des Schnelllaufens erlernt. Sollte man einmal das Ziel vor Augen verlieren, hilft die Übersichtskarte mit dem Primärziel jederzeit weiter. Damit man im späteren Spiel aber nicht zuviel Zeit mit reinem Umhergerenne verliert, kann man durch die neuen Eigenschaften ein paar Abkürzungen nutzen. So kann man einen Teleporterraum nutzen oder aber auch durch unterirdische Flüsse tauchen. Generell macht es aber Sinn, jeden Ort noch mal genau zu erforschen, will man alle Secrets und Statuen finden. Konnte man in der Eiswelt zuerst nur untätig zusehen, wie ein Secret unter Massen von Eis verborgen lag, lohnt der Besuch mit einer Stange TNT sicher.

Pitfall lebt aber nicht nur von den herausfordernden Leveln, sondern auch von seinem ganz eigenen Humor, der abseits der Zwischensequenzen, konsequent im Spiel zum Einsatz kommt. Lernt man in den ersten Spielabschnitten, dass eigentlich jeder Dschungelbewohner dem Helden gegenüber feindlich gesinnt ist, befürchtet man auch schon das Schlimmste, als ein kleiner Affe auf uns zugerannt kommt. Doch nein, wie niedlich, der kleine Racker klammert sich einfach nur liebevoll und Schutz suchend um unseren Hals... dachte ich, zumindest so lange, bis Mama-Affe mich vom Gegenteil überzeugte :-). Aber auch genug Spannung wird geboten. Da läuft man nichts ahnend an einer Schlammgrube vorbei, denkt an nichts Böses und wird in Millisekunden von einem riesigen gefräßigen Krokodil verschluckt. Ehrlich gesagt habe ich mich seit Dino Crisis nicht mehr so erschreckt, als der Tyrannosaurus den Kopf ins Büro "steckte" ;-) und seit dem hatte ich echt Respekt vor den Krokos, besonders, wenn ich im See schwamm und hinten beobachten konnte, dass eins auf "Tauchstation" ging.

Pitfall rundet das Spielerlebnis durch weitere Kleinigkeiten ab. Die gut versteckten Secrets laden zum ausgiebigen Forschen ein, was auch belohnt wird, denn gute Archäologen dürfen dann die beiden Klassiker per Emulator als Spiel im Spiel versuchen. Aber auch kleine Minispielchen sind vorhanden. So darf man im Dorf des Urwaldkönigs je nach Waffenstatus, z. B. auch mal auf Nagetierjagd gehen. Dann wird man in verschiedenen Tempeln kurzerhand mal per Körpertausch in einen Pinguin, Skorpion oder Affen verwandelt und muss seinen eigenen Körper dann auf höchst unterschiedliche Methoden zurückerobern. Die verschiedenen Fights gegen die Levelbosse runden dies noch ab. Auch die Gegner werden zunehmend anspruchsvoller und sind nicht mehr so ohne weiteres zu besiegen. Sie erfordern den Einsatz der neuen Gegenstände und ergreifen auch schon mal die Flucht, sollten sie sich unterlegen fühlen. Es bleibt jedenfalls abwechslungsreich, wenn sich die Buschmänner dann z. B. in den Eisregionen in lebende Lawinen verwandeln oder Stachelschweine ihre Borsten auf uns schiessen.

Die Rätsel beruhen zumeist darin, die richtigen Knöpfe und Schalter zu betätigen, was aber niemals so einfach ist, sind ihre Positionen doch oft recht gut versteckt. Dann gilt es aber auch schon mal Geister zu befreien, die dann wie ein Schlüssel das Tor zum nächsten Level öffnen oder auch mal ganz verliebt für die Urwaldprinzessin Schmetterlinge einfangen, was sich als äußerst kniffelig herausstellt, besonders, wenn die putzigen Tiere nur dem Licht der Fackel folgen und wir sie dann durch Wasserflächen vorbei an Piranhas und Krokodilen manövrieren müssen, jedoch stets aufpassen müssen, dass die Fackel nicht erlischt.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der richtig gelungene Einsatz einer Physikengine, die im übrigen auf gleicher Technik beruht, wie sie auch Half Life 2 benutzt. Die Havok Engine sorgt dafür, dass die Lianen physikalisch richtig schwingen, geschleuderte Steine an Wänden in korrekter Flugbahn abprallen, schwingende Brücken auch für realistische Höhenangst sorgen und im Eis gefrorene "Krokodileiswürfel" auch korrekt im Wasser versinken, je nachdem, wo unser guter Harry auf ihnen steht. Hat man das Spiel beendet, darf man für Harrys nächstes Abenteuer ein neues Outfit freischalten und wird zudem nach dem Endfight wieder im Dschungel ausgesetzt, damit man die noch fehlenden Bonusgegenstände suchen kann.

Fazit

"Pitfall - Die verlorene Expedition" ist eine echte Überraschung. Es bietet Spannung, Herausforderung, Rätselspaß, bei moderatem Schwierigkeitsgrad, und eine tolle, humorvolle Geschichte mit liebevoll gestalteten Charakteren. Eindeutig ein Beweis, dass man aus einem Spieleklassiker, dessen ursprüngliche Idee für moderne Games kaum Substanz hätte mit genügend frischen Ideen ein tolles Spiel machen kann und es dennoch den alten Grundsätzen treu bleibt. Technisch in allen Belangen ausgezeichnet umgesetzt, besonders im Hinblick auf Charakteranimation, Mimik und Musik, war es ein wahres Vergnügen, mit Pitfall Harry nach gut 20 Jahren wieder den Urwald unsicher zu machen. Abwechslungsreiche Szenarien, jede Menge Humor und einfallsreiches Gameplay, von Jump & Run, Fights, Rätseln bis hin zu Stealth-Einlagen sorgen für gut 15 Stunden Spielvergnügen. Einziger Wermutstropfen ist vielleicht für einige Spieler, dass das Spiel in der PC Fassung nur im englischen Original vorliegt. Ansonsten finden PC Spieler hier die seltene Gelegenheit ein Spiel zu spielen, das vom Genre ansonsten hauptsächlich Konsolenspielern vorbehalten bleibt. Wer z. B. "Tak und die Macht des JuJu" mochte, wird auch an Pitfall seine helle Freude haben, besonders auch deswegen, weil es gleich zum Release als Mid Price Game für knapp 25-30 Euro zu haben ist. Ein wirklich empfehlenswertes Spiel für alle Altersgruppen. Pitfall gehört in jede Sammlung, sollte man auch nur entfernt Gefallen an Jump & Runs mit Rätsel und Kampfeinlagen haben.


Geschrieben am 30.12.2004, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 1GB Ram, SB Audigy2ZS
 



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