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Overlord
Overlord  

Rückseite ]

Info
Autor 2
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Gesamt (39 votes) 2+
 1.6
 1.6
 2.1
Name:Overlord
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2007/06
Publisher: Codemasters
Entwickler: Triumph Studios
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 2.4Ghz, 512MB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 4500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.4
Bemerkung: (amBX Unterstützung), auch für Xbox360
USK: 16
Overlord (review von ronin)

"Zwerge sind lebendige Bärte die schwer gepanzert sind und ständig Bier trinken" "Für Euuuch Meister!" "Es tut gut böse zu sein, nicht wahr Meister?" "ZERSTÖÖÖRÄÄN!" "Für den Overlord!!!"

Diese kleine Sammlung von Sprüchlein bildet nur die Spitze eines bitterbösen Eisberges an Fantasyparodie. Zuletzt hat man eine solche Anhäufung von konsequenter Bösartigkeit nur bei der Dungeon Keeper Reihe gesehen - und das liegt viele Jahre zurück. Umso mehr freute es mich, endlich wieder hemmungslos böse sein zu dürfen. Schon die Demoversion von Overlord hatte es mir sofort angetan und ich hoffte inständig, daß es den Entwicklern gelingen würde, dieses humorvolle, erfrischend andere Gameplay über die gesamte Spielzeit hinweg aufrecht zu erhalten. Zwischen den ganzen 0815-Hack&Slay Rollenspielen und den immer gleichen vor Pathos triefenden Herr der Ringe-Klonen wirkt Overlord wie ein willkommenes schwarzes Loch im Meer der hobbitschen Glückseeligkeit. Ob es den Entwicklern gelungen ist ihre innovativen Ideen vollends zu verwirklichen, oder ob sie letztendlich aufgrund Gandalf´scher Intervention daran gehindert wurden, soll das folgende Review zeigen.

Vorab wie immer die technische Seite.

Grafik

Als ich den ersten Spielbereich von Overlord betrat fühlte ich mich sofort an Fable erinnert. Einerseits ähnelt der Grafikstil stark Lionheads "Spieleperle" und andererseits erschlägt einen die fast schon übertrieben idyllische Landschaft mit ihren kitschigen Details. Man blickt auf ein lauschiges Städtchen in dem die Welt noch in Ordnung zu seien scheint, blökende Schäfchen hüpfen vergnügt auf den Feldern herum und das saftiges Grün der Wiesen verwöhnt das Auge. Doch plötzlich - Cut! Gnar, unser herrlich böser und kriecherischer Berater, äußert angewidert: "Schaut nur Meister, wie diese Luft mit dem Gestank von Leben angereichert ist, man kann ja kaum atmen. Hoffentlich werdet ihr nicht krank." Sein erster Hinweis ist dann auch, die niedlichen Schäfchen wegzumachen, um mehr Lebensenergie für die eigenen Untergebenen zu erhalten. Aber dazu später mehr. Dieses eben beschriebene zwiespältige Bild ist typisch für Overlord. Alles wird parodiert und überspitzt dargestellt. Die den Hobbits ähnelnden Halblinge tragen eine teuflische Miene zur Schau und versklaven die Menschen, Zwerge sind alkoholabhängige Berserker, deren Machtgrundlage, wie sollte es anders sein, ein riesiger Bierkessel ist und die Elfen sind eine Rasse von Weicheiern die im Selbstmitleid versinkt und den ganzen Tag nur am Jammern ist...

Neben dem überzeichneten Grafikstil ist die ansonsten gezeigte technische Präsentation hervorragend. Zaubereffekte sind toll in Szene gesetzt und besonders die verdrehten Animationen der Schergen zaubern ständig ein bösartiges Grinsen auf das Gesicht des Spielers. Bisher kannte man den Wuselfaktor nur aus Siedler und Co. In Overlord erschaffen die chaotischwütenden Schergen eine ganz eigene Interpretation des Wuselns. Die Details sind es, die hierbei die Sympathien des Spielers wecken. Im ersten Bereich klagt ein paranoider Bauer darüber, daß er von seinen Kürbissen verfolgt wird und diese ihm nachts schlechte Dinge ins Ohr flüstern. Er bittet uns, sein Kürbisfeld auf unkonventionelle Weise abzuernten. Gesagt getan, ein Klick und meine Chaotenbande fällt über die hilflosen Kürbisse her. Erstaunt mußte ich feststellen, daß sich meine braunen Schergen teilweise Kürbisse als Helme aufgesetzt hatten und diese fortan als Kopfschutz mißbrauchten. Dies setzt sich durchs gesamte Spiel fort. Mal tötet man schleimig grüne Schnecken und plötzlich hat mein Haufen Schneckenfühler auf dem Kopf, oder sie eignen sich in der Zwergenmine die Grubenhelme der Arbeiter an. Traumhaft schräg! Komme ich plötzlich an einem Tisch voller Bierkrügen vorbei, stürzen sich meine Mannen darauf und laufen halbtrunken durch die Gegend, wenige Sekunden später urinieren sie glücklich seufzend auf den Boden. Muhaa! Diese Details ließen sich ewig fortführend. Auch die Umgebungsdetails der Landschaften und Städte sind liebevoll, abwechslungsreich und oftmals parodiert dargestellt. Neben dem genannten Hobbingen, kommt man in eine typisch spätmittelalterliche Stadt, verzauberte Elfenwälder, Wüsten, Schneelandschaften etc. Die Palette ist umfangreich und bis zum Schluß einfallsreich. Alles in allem gibt es an der Grafik wenig auszusetzen, auch wenn sie auf der höchsten Detailstufe etwas hardwarehungrig erscheint.

Sound

Die musikalische Untermalung wird in Overlord dezent und angenehm eingesetzt. Wo es nötig ist kommt es zu orchestral bombastischen Auftritten Marke Herr der Ringe, allerdings hat man eher das Gefühl, daß auch hier alles ein wenig auf die Schippe genommen wird. Vor allem, wenn man sich die Zwischenbosse anschaut, die doch alle etwas beknackt daher kommen. Die Begegnung mit dem korrumpierten Paladin Ferdinand (haha) wird choralartig eingeleitet, man bekommt ein Gefühl von Reinheit, Kraft, dem Guten eben. Was kommt, belehrt allerdings eines besseren. Der eher an ein zu groß geratenes Kind erinnernde Ferdinand hält eine nymphomanische Prinzessin gefangen, die sich beschwert, daß "Ferdi" nie in ihr Schlafgemach kommt. Klasse! Klar, daß ich die frustrierte Ehefrau mit in meinen Turm nehme und ihre Vorgängerin (die brave Gouvernante, die ständig betont noch Jungfrau zu sein) per Fußtritt hinausbefördere. Aber zurück zum Thema. Neben der guten musikalischen Umsetzung unterstützt besonders die Sprachausgabe die eigenartige Atmosphäre von Overlord. Vor allem Gnar und die Schergen sind hervorragend gelungen. Das manisch-untertänige Tun meiner Schergen kommt durch die professionellen Sprecher hervorragend zur Geltung. Wenn meine Untertanen glückseelig grinsend zu mir gelaufen kommen und mir einen Beutel mit Gold übergeben, sagen sie immer ganz Gollum-like: "Für Euch, Meister!!" Schickt man sie los, um die eigenen Befehle ohne zu hinterfragen auszuführen, schreien sie: "Zerstöören!!" Die Schergen tun alles ohne zu hinterfragen, sie opfern sich ohne zu klagen und lassen sich vor Glück grinsend in der hauseigenen Schmiede zu Waffen verarbeiten. Aber auch die anderen skurrilen Charaktere sind gut synchronisiert, wenn auch deren Sprecher teilweise etwas überzogen motiviert wirken. Letztendlich macht aber gerade die tolle Soundkulisse die Atmosphäre in Overlord so einzigartig und läßt den Spieler über so manche Länge im Spielverlauf hinwegsehen.

Steuerung

Hier scheiden sich erfahrungsgemäß die Geister. Der Multi-Plattformtitel ist per Tastatur/Maus-Steuerung und Gamepad steuerbar. Da ich ersteres bevorzuge und die PC Version spielte, kann ich lediglich über diese Bedienungsweise "herziehen". Den Overlord selbst steuert man wie seine Rollenspiel-Pendants in Gothic, Fable oder Oblivion. Per WASD-Tasten und Third-Person-Ansicht läuft man durch die Landschaft und greift auch selbst immer mal wieder zum Morgenstern. Die Schergen werden mit der linken Maustaste aufgeschickt und mit der rechten Taste zurückgerufen. Sie rennen prinzipiell in die Blickrichtung des Overlords und führen verfügbare Funktionen aus. Will man zum Beispiel ein spezielles Objekt anwählen, kann man das Ziel durch drücken von Shift fixieren und gezielt einzelne Schergen hinschicken. Außerdem ist es möglich, seine Chaotenbande per Gedrückthalten beider Maustasten direkt zu steuern. Mit schwammigen Mausbewegungen manövriert man die wie volltrunken wirkende Bande über besonders schwieriges Terrain. Außerdem können durch Wegpunkte einzelne Schergengruppen taktisch sinnvoll im Level verteilt werden. Manchmal, vor allem im fortschreiten Spielverlauf, wird es nötig, die Schergen zu verteilen. Die grünen, schurkenähnlichen Schergen tarnen sich zum Beispiel, wenn man sie an einer Stelle per Wegpunkt aufstellt. Sobald ein Gegner vorbeikommt, springen sie auf dessen Kopf und machen kurzen Prozeß. Viele Endbosse sind anders gar nicht zu besiegen. Soviel zur Theorie. Was verhältnismäßig komplex wirkt, ist letztendlich reine Übungssache. Da Overlord den Spieler behutsam und gut ins Spiel integriert, an die einzelnen Steuerungsmöglichkeiten heranführt, erlernt man den Umgang mit seinen Untergebenen recht schnell. Leider ist die direkte Schergenkontrolle ausgesprochen mißlungen. Viel zu schwammig und träge sind die Bewegungen per Maus, so daß in zeitkritischen Situationen oftmals mein ganzer Schergentrupp jämmerlich im Wasser ersoff (die kleinen Stinker können fast alle nicht schwimmen ;-) ). Wahrscheinlich fällt diese Steuerungsform per Analogstick am Gamepad leichter - was es für mich allerdings nicht angenehmer machte.

Auch die Wegpunkte in Kombination mit der direkten Schergensteuerung führen immer wieder zu kleinen Katastrophen. Ein Beispiel: Eine Seeschlange steht als unüberwindliches Hindernis vor mir. Theoretisch muß ich lediglich meine blauen Schergen, die durchs Wasser laufen können, zur Seeschlange manövrieren, wodurch sie ihren Kopf senkt. Über einen kleinen Vorsprung können nun meine restlichen Schergen auf die Seeschlange einknüppeln. Praktisch lief die Hälfte meiner direkt gesteuerten blauen Mannschaft nicht da entlang, wo sie sollte, weswegen ein Teil von der Schlange verspeist wurde. Gleichzeitig sollte der Rest auf die Schlange einschlagen. Ein Teil hopste allerdings nicht auf ihren Kopf, sondern lief den gleichen Weg wie die blauen Schergen. Nur leider war dort Wasser, was zu einem sofortigen Exitus führte. Das Ende vom Lied war ein stark geschrumpfter Untergebenhaushalt, sowie verknotete Finger. Das Fixieren mit Wegpunkten vereinfachte die Sache nicht, denn per Rückruf werden alle Wegpunkte wieder aufgelöst und man kann von vorn beginnen. Es ist leider schwer in Worte zu fassen, was für ein unkontrollierbares Chaos bei komplexeren Manövern herrscht. Die Schlange habe ich letztendlich mit meinem Knüppel erledigt ;-).

Man beschränkt sich im weiteren Spielverlauf daher auf zwei Aktionen: Offensive und Defensive. Die Braunen und grünen Schergen werden vorgeschickt und die roten und blauen bleiben bei ihrem Meister und ballern von hinten mit rein. Schade, hier hätte man sich eine einfacherer Steuerungsmöglichkeit ausdenken können. Wie bei so vielem wurde hier nicht zu Ende gedacht.

Gameplay

Das Spiel beginnt mit einem grinsenden Schergengesicht. Wiederbelebt, erwacht der noch junge Overlord im Keller eines verfallenen Turms voller stinkender, wuselnder und brabbelnder Schergen. Gnar, mein teuflischer Berater, führt mich behutsam in meine Aufgaben (Turm aufbauen, böse sein, der ultimative Herrscher werden etc.) als zukünftiger Schreckensverbreiter ein. Meine erste Aufgabe: Vertrimme den Hofnarr. Nach mehreren Anläufen liegt der freche Gesell wimmernd am Boden: "Ein böser Oberlord braucht einen bösen Hofnarr ... bitte nicht mehr weh tun!" Fortan ist man damit beschäftigt, ganz Rollenspiel-like Quests zu erfüllen, seinen Turm wieder aufzubauen, Schätze zu sammeln und zum Oberbösewicht Nummer Eins aufzusteigen. Das Ganze ist durch eine anfangs recht wirre, gegen Ende hin aber doch ganz nette Geschichte verknüpft. Die eigentliche Motivation ist das Erforschen der relativ großen Levelbereiche, die anfangs nicht komplett zugänglich sind, weil bestimmte Schergentypen fehlen oder einfach irgendwo ein Schalter betätigt werden muß. Das führt dazu, daß man besonders im ersten Drittel etwas verwirrt durch die schon besuchten Areale rennt und sich verloren vorkommt. Mit dem Erhalt aller Schergenarten wird der Ablauf allerdings straffer. Trotzdem ist Overlord kein streng lineares Spiel. Zwar ist der Weg zum Ziel immer vorgegeben, aber es lohnt sich auch abseits der Wege nach verborgenen Gimmicks zu suchen. Mehr Lebenskraft für den Overlord, riesige Goldsäcke, neue Zauber oder ein höheres Schergenmaximum erleichtern das weitere Vorgehen enorm. Auch hat sich der Entwickler Triumph Studios bemüht, neben den Hauptaufgaben auch einige Nebenaufträge einzubauen. Nachdem ich die von den "Hobbits" als Sklaven mißbrauchten Menschen befreit und deren Nahrungsmittelvorräte sichergestellt hatte, behielt ich letztere lieber für mich und veranstaltete ein grausig schönes Gemetzel unter der protestierenden Einwohnerschaft (es hätte ja sowieso nur die Hälfte genügend Nahrung gehabt!) Als Resultat bettelten die Rauschinger um Gnade und boten mir eine Jungfrau an. Allerdings betonte diese rigoros, eben dies nicht mehr zu sein. Um meinem Namen als grausamer Herrscher gerecht zu werden schnappte ich mir weitere zehn "Jungfrauen" als Dienerinnen für meinem Turm. Der Nutzen dessen? Gleich null, aber ab sofort tummelten sich ein Haufen Frauen in meinem Turm ;-). Anhand dieses Beispiels erkennt man schon, daß dem Spieler recht häufig Entscheidungen überlassen werden. Es ist prinzipiell möglich, den Overlord in eine gute Richtung agieren zu lassen. Allerdings ist dieses Moralsystem eher schlecht als recht ins Spiel integriert. Hier hätte man mehr Einfallsreichtum walten lassen können. Zwar hat man eine nichtssagende Moralstatistik, aber letztendlich spielt es kaum eine Rolle, ob man als Vernichter der Elfen, bzw. deren Retter gefeiert wird. Wahrscheinlich äußert sich dies am Ende in zwei unterschiedlichen Schlußsequenzen - ich habe lediglich die böse Variante gesehen ;-).

Wo wir gerade von nicht zuende gedacht sprechen. Letztendlich scheitert das schöne Spiel an zu vielen unausgegorenen Ideen, die schlußendlich keine wirklich sinnvolle Funktion haben. Zum Beispiel die Schmiedefunktion. Im weiteren Spielverlauf findet man immer bessere Schmiedeöfen, wodurch Helm, Harnisch und Waffe verbessert werden können. Zusätzlich kann man Schergen opfern - je nach Art der Untergeben mit verschiedenen Fähigkeiten - um die Eigenschaftswerte der Rüstung zu verbessern. Da die dafür benötigte Schergenmenge aber so exorbitant hoch ist, lohnt es sich nicht einmal ansatzweise, hier das wertvolle Fußvolk zu opfern. Ein nettes Feature, das leider zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Auch die Ausstattung des Turmes, um meine nymphomanische Mätresse zu verwöhnen, erfüllt keine praktische Funktion. Ok, es sieht nett aus, aber spieltechnisch bringt es nichts. Wenn ich mein Wohnzimmer einrichten will, spiele ich die Sims. Natürlich bleibt es Geschmackssache, aber mit etwas mehr Aufwand hätte man diese Ausbaufunktion spielrelevanter gestalten können. Besonders gravierend fielen mir die zahlreichen Zauber auf, die ich häufig nicht einsetzte. Die wenigen schergenspezifischen Zauber erschienen mir dabei noch am sinnvollsten. Einerseits kosten die Zerstörungszauber zuviel Mana, um wirklich effektiv zu sein und andererseits, warum einen teuren Feuerball für Standardgegner verwenden, wenn meine Schergen viel effektiver sind. Das Balancing stimmt hier einfach nicht.

Aber erst einmal genug gemeckert. Wie spielt sich Overlord eigentlich? Durch den Mix aus Rollenspiel mit einem Hauch "Echtzeitstrategie" (ich schreibe es extra in Ausführungszeichen ;-) ) spielt sich Overlord ausgesprochen innovativ und erfrischend. Die Schergen, von denen es vier verschiedene Arten gibt, haben diverse Fähigkeiten und Funktionen. Je nach Gegnerart und Hindernis müssen diese geschickt eingesetzt und kombiniert werden. Mein Weg wird zum Beispiel von einer Flammenwand versperrt. Die roten Schergen können diese löschen. Gleiches gilt für einen Schalter, der hinter einem Flußlauf liegt. Meine blauen Schergen können durch Wasser laufen und aktivieren so eine Brücke. Im Kampf sind meine braunen Schergen die stabilsten. Sie bilden das Fundament meiner Macht (haha!). Fällt einer von ihnen im Kampf, schicke ich meine blauen Schergen aus und lasse ihn wiederbeleben. Außerdem werfen meine roten Kumpanen aus der Distanz Feuerbälle und meine grünen greifen aus dem Hinterhalt an und machen enorm viel Schaden. Die vier Arten sind völlig ausreichend und machen das Spiel spannend und abwechslungsreich. Zwar verwendet man die kämpfenden Truppen häufiger als etwa die Fernkämpfer, aber durch die vielen Rätsel kommt keine Art zu kurz. Vor allem die von mir anfangs als nutzlos abgestempelten grünen Schergen werden im zunehmenden Verlauf unverzichtbar. Die Ausrüstung für seine Untergeben erhält man durch das maßlose Plündern der Landschaft. Allein das macht bis zum Ende einen aberwitzigen Spaß. Voller zerstörerischer Freude stürzen sich meine Chaoten auf Pilze, Sonnenblumen, Häuser und hilflose Stadtbewohner. Wuseln einmal anders. Leider kann man das wilde Treiben nur schlecht per Screenshot einfangen, man muß es einfach in Aktion erleben. Besonders witzig fand ich immer die Animationen, wenn ich einen der Endgegner erledigt hatte und sich meine Schergen auf deren Überreste stürzten. Wie Gollum wiegten sie die Habseeligkeiten der besiegten Feinde in ihren Händen: "Mein Schaaatz!!" Fortan trugen meine Mannen die viel zu große goldene Krone des Zwergeskönig mit sich herum. Apropos Endgegner. Besonders bei großen Zwischengegnern und den Bossen haben sich die Entwickler ins Zeug gelegt. Der riesige, fette Wilfried (ich würde meinen er ähnelte Sam Gamdschie nach einer Fresskur) rollt sich wie eine Kugel durch den Raum oder läßt sich auf den Boden plumpsen, weswegen ein gut getimter taktischer Rückzug meiner Schergen nötig war. Auch die riesige Feuerwalze des Zwergenkönigs erforderte einiges an Geschick. Im Raum verteilte Bomben mußten per Schergen zum Ziel gelotst werden, um das riesige gepanzerte Ding letztendlich knacken zu können. Zwar erreichen die Endbosse nicht das Niveau mancher Konsolentitel, aber die Entwickler haben sich bemüht die Fähigkeiten der Schergen sinnvoll einzubauen.

Abschließend noch ein paar Worte zum üblichen Spielablauf. Neben den Kämpfen - mit leider nicht sehr unterschiedlichen Gegnertypen- benötigt man die Schergen vor allem zum Bedienen von Drehrädern, dem Tragen von schweren Dingen und Wegschieben von Hindernissen. Auch das Aufsammeln einer Bombe, um ein besonders hartnäckiges Tor zu knacken, gehört zu den Alltagsdingen meiner Mannschaft. Leider wiederholen sich diese wenigen Spielelemente ständig. Zwar ändert sich die Konstellation und der Schwierigkeitsgrad, aber das Grundprinzip bleibt immer gleich. Was anfangs eine einfache Bombe ist, wird später eine Kombination aus mehreren gewohnten Elementen. Mußte ich anfangs lediglich einzelne Bomben befördern, gilt es im späteren Verlauf das Ei eines Sprengkäfers zu entführen, um ihn so zu der zu sprengenden Tür zu lotsen. Anspruchsvoll (vor allem wegen der schwammigen Direktkontrolle) aber leider nicht sehr einfallsreich. Oftmals gilt es auch einen defekten Schalter zu reparieren, indem man die nötigen Teile findet. Nichtsdestotrotz machen die Rätsel Spaß und lockern das actionreiche Gameplay willkommen auf.

Fazit

Overlord ist ein kleiner Überraschungserfolg geworden. Begünstigt durch das Sommerloch und den nach neuen Spielen lechzenden Zockern, macht die ungewöhnliche Kombination aus Action-Rollenspiel mit innovativen Strategieelementen (ich bin so kühn diesen Genremix so zu bezeichnen ;-)) einfach Spaß. Der grandiose Humor, der das überstrapazierte Rollenspielgenre ordentlich auf die Schippe nimmt, die tolle technische Präsentation mit ihren professionellen Sprechern und das ungewöhnliche Gameplay heben das Spiel aus der Masse des Einheitsbreis hervor. Die Idee verschiedener Untertanen, die den Hauptteil der Arbeit übernehmen, mit Actionelementen und diversen Rätseln zu kombinieren ist innovativ und wirkt größtenteils stimmig. Auch die verhältnismäßig hohe Spielzeit von 20+ Stunden (je nachdem, ob man alles erforschen und die Nebenquests erfüllt) kann Overlord auf der Habenseite verbuchen. Leider haben die Entwickler viele gute Elemente, wie das Verbessern der Waffen oder das Aufwerten des Turms, ungenutzt gelassen. Gleiches gilt für das Missionsdesign. Keine Frage, die Rätsel sind nett gemacht und motivieren anfangs ganz gut, leider wiederholen sich diese im weiteren Spielverlauf immer wieder, was stark an der Motivation kratzt. Allerdings gelingt es letztendlich, vor allem wegen des unverbrauchten Humors, den Spieler bis zum Schluß bei der Stange zu halten. Es macht einfach wahnsinnigen Spaß die Schergen mordend und plündernd auf hilflose Pilze, Kürbisse und Sonnenblumen loszulassen. Allein wegen der frechen Animationen hat man ständig gute Laune beim Spielen dieser Softwareperle. Auch Spielern die um solche Genres einen großen Bogen machen, würde ich Overlord empfehlen, allein des Humors wegen. Aufgrund der genannten Mängel kann ich dem Spiel allerdings "nur" eine 2 geben. Wenn es die Entwickler schaffen, im zweiten Teil mehr Abwechslung in den Spielverlauf zu bringen und die vielen Ideen zu einem ausgegorenem Ganzen zusammenzufügen, steht einer höheren Wertung nichts mehr im Wege.


Geschrieben am 15.08.2007, Testkonfiguration: Athlon 64 3700+, 2GB Ram, Geforce 7800GT, SB Live 5.1
 



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