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Oddworld: Strangers V.  


Info
Autor 2
 1.5
 1.5
 2.5
Gesamt (8 votes) 2+
 1.8
 1.5
 2.6
Name:Oddworld: Strangers Vergeltung
Genre: Egoshooter
Produkt: Vollversion
Release: 2005/03
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Oddworld Inhabitants
Offiz. Sites: Game
Links: oddworld.de
Hardware: Xbox
System: Xbox
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Bemerkung: nicht kompatibel mit Xbox360
USK: 12
Oddworld: Strangers Vergeltung (review von yak)

Gerade, als ich dem fiesen Endgegner mit den Monsterstechbienen ans Fell will, um ihn in die ewigen Jagdgründe zu befördern, beförderte sich auch aus rein egoistischen Interessen der Entwickler der Oddworld Serie in selbige, als Chef Lorne Lanning bekannt gab, dass das Studio keine Spiele mehr entwickeln wird. Dieser Schock für alle Oddworld-Fans sitzt so tief, dass sich mir vor Schreck gleich ein kleines über Jahre gehütetes giftgrünes Abe-Fürzchen den Weg nach draußen erkämpfen wollte, obwohl ich gar keine SoulStorm Brühe getrunken hatte. Sollte es wirklich das letzte Mal sein, dass ich die liebevollen und völlig kranken Charaktere aus dem Oddworld Universum auf ihren aberwitzigen Touren begleiten durfte? Abe, der seine Mudokon-Kumpels aus den teuflischen Fabriken der Glukkons befreien musste, damit sie dort nicht vorzeitig der Nahrungskette zugeführt wurden oder der Gabbit Munch, der noch so gerade eben mit Hilfe der "Laborratten" den Glukkons entkommen konnte, die seine Spezies hervorragend für Organtransplantation geeignet fanden und sich gemeinsam mit Abe daran machte, seine Rasse vor dem Untergang zu retten? Ich werde den schrägen, schwarzen Humor vermissen. Oddworld Games strotzen nur so vor Ideen und abgedrehten Einfällen, dass man einfach oft nur mit offenem Mund vor dem Monitor saß und dachte "Mein Gott, sind die Jungs krank", lachte über die genialen Zwischensequenzen und versuchte nach dem xten mehr als amüsanten Ableben, die Rätsel und wirklichen Kopfnüsse der Games zu bewältigen. Wie kommt man an den allesfressenden Würmern vorbei? Die Kampfhunde reißen mich in Stücke und hören nur auf ihren Chef? Kein Problem, dann muss ich halt zum "Chef" werden, was per "Chanten" mit anschließender Gedankenkontrolle kein Problem darstellt. Warum nicht mal eine ordentliche Pulle SoulStorm Gebräu trinken, einen ordentlich explosiven grünen Furz ablassen, ihn schnell per Gedankenkontrolle "übernehmen" und auf die Gegner steuern, um sie explodieren zu lassen? Die Oddworld Games sind allesamt unvergleichliche Spieleklassiker und werden es immer sein. Noch heute muss ich lachen, wenn ich die Sprüche aus Abe höre, mit der man mittels der Gamespeak Funktion seine Kameraden befehligen konnte. Das "Mitkommen" "Alles klar", "Schnappt ihn euch!" oder der knuffige Sound, wenn Abe einen traurigen Mudokon trösten musste, damit er überhaupt zuhört, sind sicher für alle Abe-Fans "Ol' Time Classics". Meine Oddworld-Anhängerschaft war damals sogar Grund genug, dass ich mir wegen Munch's Oddysee eine Xbox zugelegt habe (mit ein wenig Überredungkunst von Roland Austinat :-), den ich hiermit herzlich Grüsse). Oddworld Strangers Vergeltung ist leider scheinbar vorerst einmal das letzte Oddworld Game und so darf man sich zugleich von den sofort ins Herz geschlossenen (und genauso "kranken") neuen Figuren auch wieder verabschieden. Wie sich Oddworld Strangers Vergeltung nun im Vergleich zu den anderen Games schlägt, zumal es ein völlig anderes Gameplay verfolgt, soll unser Review zeigen.

Technik:

Um es kurz zu machen. Für mich ist Oddworld Strangers Vergeltung eines der schönsten und atmosphärisch stimmigsten Games auf der Xbox. Sicher gibt es einige Graphik-Overkiller wie Halo 2 oder Doom3 auf der Microsoft Konsole, doch was Oddworld bietet, ist einfach ein absolut stimmiges Gesamtbild. Alles wurde im höchsten Maße liebevoll und detailreich umgesetzt und bietet in allen Bereichen absolute Klasse. Seien es die staubigen Strassen der Westernstadt, auf denen die mit Cowboyhut versehenen Hühner flanieren und ihrem Tagewerk nachgehen, die Staubwolken, die vom Wind getrieben durch die sandigen Canyons wirbeln, riesige Fabrikanlagen, schneebedeckte Gebirgszüge oder eine ruhige Kanufahrt auf dem im Sonnenlicht schimmernden Fluss zeigen die Qualitäten der Engine, die selbst bei hohem Gegneraufkommen und großzügiger Weitsicht nicht in die Knie geht. Aufwendige Spezialeffekte runden das Bild ab, wenn riesige Explosionen die Landschaft erzittern lassen, Schnee und Regen die Sicht erschweren oder Energieblitze aus den Waffen zucken. Genau so viel Mühe hat man sich auch, wie in der Oddworld Serie üblich, mit den Figuren gegeben. Die Städte sind von Hühner bewohnt, der Held ist eine Mischung aus Löwe und Vogelscheuche, die Gegner rangieren von einem wahnsinnigen bombenlegenden Verrückten bis hin zu einer Gangstermutti mit ihren Söhnen und Fraggle-ähnlichen Bewohnern einer antik wirkenden Stadt auf der Suche nach dem göttlichen Wesen. Natürlich darf auch der vierarmige Quacksalber Doc Vykker nicht fehlen, der gegen ausreichend Moolah unserem Stranger eine gewünschte Operation in Aussicht stellt. Aber was wäre die Aufzählung der Charaktere ohne die Munition? Ganz richtig! Von den Oddworld Machern erwartet man ja zwangsweise recht kranke Einfälle und die gestalten sich in Strangers Vergeltung in Form von lebendiger Munition, die der Stranger erst einfangen muss und dann mit seiner doppelläufigen Armbrust verschießen kann. Das mehr als gesprächige Arschbackenhörnchen, das immer einen Spruch auf Lager hat oder die irre dreinblickenden Fuzzles. Graphisch ist Oddworld Strangers Vergeltung eine absolute Augenweide.

Auch beim Sound gibt sich das Spiel keine Blöße und spielt in oberen Regionen. Tolle Soundeffekte, vom Quicken der Munition, dem Geschrei der Gegner oder den sinnigen und unsinnigen Unterhaltungen der Dorfbevölkerung ganz zu schweigen, Stranger hat immer einen coolen Spruch parat und alle Figuren wurden mit erstklassigen Sprechern oddworldüblich genial umgesetzt. Das Synchronstudio Toneworx hat wieder einmalige Arbeit abgeliefert und trägt damit viel zur Spielatmosphäre bei. So bleibt man einfach mal mit geladener Armbrust stehen und wartet ab, was mit der Kombination "rechte Seite = Arschbackenhörnchen vs. linke Seite = Fuzzle" passiert. Und man braucht gar nicht lange zu warten, bis das geschwätzige hyperaktive Arschbackenhörnchen den Fuzzle volllabert, um dann mit "Hey, sag doch auch mal was" den Redeschwall zu beenden und dennoch nichts als ungläubige Fuzzleblicke kassiert. Oder wie wäre es mit "Hey, schieß mich endlich ab, ich hab heute noch ein Date!". Dann gibt es bei einem Endboss eine so gute Stimmbesetzung, dass man fast glauben möchte, John Wayne säße wieder als einäugiger Rooster Cogburn in "Der Marshall" im Sattel und schreit seinen Widersachern "Lass mal sehen, was du kannst!" entgegen. Großartig! Ebenso hat man es sehr gut verstanden, Kommentare der NPC glaubwürdig zu inszenieren. Die Gegner geben sehr zu Situation passende Sprüche von sich und Passanten meckern rum, wenn man sich z. B. einfach mitten in einem Gespräch "verabschiedet" oder sie unterhalten sich untereinander über Gott und die Welt. Dadurch wirkt die Stadt richtig belebt, was viel zur Glaubwürdigkeit und Atmosphäre beiträgt. Ebenso solide präsentiert sich die Musik, die sehr gezielt zum Einsatz kommt und sich, recht westerntypisch, an dem minimalistischen Stil Ennio Morricones orientiert, was Einsatz und Orchestrierung betrifft. Damit sieht Oddworld Strangers Vergeltung in den Westernleveln nicht nur aus wie ein Italo-Western, es hört sich auch noch so an :-).

Die Steuerung ist erstklassig umgesetzt und präzise, wobei die Figurensteuerung in manchen Fällen schon mal zwangsweise ein wenig "schwammig" wird, was aber nachvollziehbar ist, denn es wäre kaum vorstellbar, dass Stranger aus einem Hyperspeed-Run ohne Bremsweg zum Stehen kommen würde. Zudem ist die Steuerung/Kollisionsabfrage recht großzügig und verlangt kein "Pixelhunting".

Gespeichert werden kann, was recht Konsolen-unüblich ist, jederzeit und an jeder beliebigen Stelle auf unterschiedlichen Speicherslots, was zudem in Sekundenbruchteilen passiert - zudem werden Autosavepunkte automatisch gespeichert. Erfreulich ist auch, dass es innerhalb der recht groß angelegten Level keine Nachladezeiten gibt, dies wird sehr schön während kleiner "Tunnelpassagen" für den Spieler unauffällig erledigt. Hier hätten sich die Half Life 2 Macher mal eine Scheibe abschneiden sollen. Tunnelpassagen gab es da ja reichlich :-).

Zu erwähnen wären noch die großartig gemachten vorgerenderten Zwischensequenzen. Hier wünscht man sich wirklich, dass bald aus dem Oddworld Universum ein CGI-Kinofilm entsteht. Ein Lob gebührt auch noch der deutschen Lokalisierung, die sich nicht nur auf Sprache und Text bezieht, auch alle Schilder, Schriften und selbst die Rendersequenzen beinhalten deutsche Texte und so sieht man über dem Gebäude in der Westernstadt auch das Schild " Kopfgeldstube" prangen, statt einer englischsprachigen Bezeichnung. Hier hat man sich wirklich sehr viel Arbeit und Mühe gemacht.

Technisch gibt es also bis jetzt absolut keine Kritik, wäre da nicht eine ärgerliche Kleinigkeit, die sich jedoch mit ein wenig Übung ohne Probleme vermeiden lässt. Die automatische Kamera leistet generell absolut gute Dienste und kann notfalls per rechtem Ministick nachjustiert werden. Bringt man jedoch durch die manuelle Steuerung zwischen Held und Kamera einen Gegenstand (wie z. B die Wand einer kleinen Holzhütte), dann kann die Kamera diese Wand nicht durchdringen und man bleibt praktisch "draußen" hängen. Jedoch kommt dies zu selten vor, als dass es ein wirklich schwerwiegender Kritikpunkt wäre, dennoch sollte er erwähnt werden.

Gameplay:

Das Spielprinzip von Strangers Vergeltung hat nicht mehr viel mit den Vorgängern gemein, auch wenn es "Gameplayzitate" aus den Vorgängern gibt, was aber auf die verrückt-kranken Einfälle der Spieledesigner zurückzuführen ist. Strangers Vergeltung ist eine Mischung aus Ego-Shooter und 3rd Person Action geworden und hat entsprechend wenig mit den 2D Plattformspielen und der 3D Inkarnation von Munch gemein, in denen der Schwerpunkt darin lag, Feinde mittels Tricks und Fallen auszuschalten, seine Mudokon-Kumpels zu befreien und sie auch sinnvoll dabei mit einzusetzen und zu befehligen. Davon ist (leider) in Strangers Vergeltung nicht viel übrig geblieben. Auch das Szenario spielt zum größten Teil in einer nicht so "Oddworld-üblichen" Umgebung. In Strangers Vergeltung ist viel frische Luft, statt stinkiger Fabrikanlagen angesagt, auch wenn man später dort noch zu "Besuch" einkehren darf. Und so spielt Strangers Vergeltung auf einem Fleckchen in der Oddworld, in denen bankraubende Halunken, Goldminen, idyllische Westernstädtchen, Farmen und riesige Canyons so natürlich sind wie Hühner mit Westernhut und Kopfgeldjäger, die normale Schusswaffen verabscheuen und sich lieber lebende Munition einfangen, um sie mit der doppelläufigen Armbrust zu verballern. Und so zieht der Stranger, ein Kopfgeldjäger, der in allen belangen cooler ist als Clint Eastwood in seinen besten Zeiten, durch die Wildnis, um ein paar steckbrieflich gesuchte Ganoven dingfest zu machen und die Belohnung in Form der "Landeswährung" Moolah zu kassieren. Dazu werden ein paar Dorfbewohner angequatscht, die sich zwar manchmal über den sehr strengen Geruch des Strangers beschweren, es aber dann dennoch als gesünder und lebensverlängernder ansehen, ihm Auskunft zu erteilen. Schnell findet der Stranger auch den Weg in die örtliche Kopfgeldstube, um die Steckbriefe zu studieren und sich den nächsten Kandidaten für seine "Show" auszusuchen. Ein kleiner Tratsch mit dem Kopfgeldstubenbetreiber verrät auch gleich den Ort, an dem sich die gesuchte Person versteckt haben soll. Am besten sollte sich der Stranger den Ganoven lebend schnappen, da die Kopfgeldsumme entsprechend höher ausfällt und er ja irgendwie die 20.000 Moolahs zusammenbekommen muss, die Doc Vykker für die wichtige Operation einkassieren will, auf die der Stranger so fixiert ist. Kurz vorher noch mal in den Tante Henna Laden um zu sehen, ob man dort etwas Brauchbares für die Mission finden kann. Vielleicht Munition kaufen, die in der Wildnis nur schwer zu fangen ist? Einen Munitionsbeutel, der die zu tragende Kapazität der Munition erhöht? Lockstoffe, um die kleinen Racker anzulocken, damit man sie fangen und "Nachladen" kann? Schlagringe für durchschlagenden Erfolg im Nahkampf? Einen Ausdauerbooster, ein Fernglas oder einen Nachladerbeschleuniger? Ok, im Moment fehlt dem Stranger noch das nötige Moolah, aber später wird er sicher darauf zurück kommen.

Vorbereitung ist der Weg zum Erfolg und darum sollte der Stranger, bevor er sich in die Wildnis wagt, um Verbrecher dingfest zu machen, ein wenig Munition einfangen. Zu Beginn seiner Abenteuer ist sein Munitons-Schatz noch recht eingeschränkt und ihm stehen nur die Standard-Viecher zur Verfügung. Allen voran die Arschbackenhörnchen, mit denen er die Gegner anlocken kann. Diese kleinen geschwätzigen Tierchen, die auch geladen auf der Armbrust niemals ihre Klappe halten können, sind bei den Feinden sehr beliebt. Sie hassen die Viecher so, dass sie ihnen schnellstens den Garaus machen wollen. Ruck-Zuck wird also auf die Egoshooter-Perspektive umgeschaltet, um den "Einsatzort" des Arschbackenhörnchens festzulegen. Dazu ist es vorher natürlich notwendig, die Gegend genau zu erkunden, wozu die Minikarte hilfreich zum Einsatz kommt. Auf ihr erkennt man, wo sich Feinde befinden und, sehr wichtig, ob sie den Stranger schon entdeckt haben, ansonsten greifen sie nämlich recht schnell und treffsicher an und da der Stranger anfangs noch nicht der Stranger ist, der er einmal werden will, empfiehlt es sich, auch mangels schlagkräftigerer Munition, erst einmal im Verborgenen zu agieren und sich im hohem Gras zu verstecken. Eine Anzeige informiert darüber, ob der Stranger für die Gegner sichtbar ist, oder nicht. Jetzt sucht man sich eine geeignete Stelle, wo das Arschbackenhörnchen zu platzieren ist. Einmal abgeschossen und am Zielort angelangt, fängt es auch gleich an, Radau zu schlagen. Und dieser Radau erreicht einen gewissen Einzugsradius (zu sehen auf dem Radar), der dafür sorgt, dass sich ein Gegner mehr als davon angesprochen fühlt und sich gleich darauf hin auf den Weg macht, dem Hörnchen ein Horn zu ziehen oder den Hals umzudrehen. Das ist die Chance für den Stranger loszuschlagen. Ist der Feind weit genug von den anderen entfernt, um unentdeckt von den anderen anzugreifen? Jetzt kann der Stranger ihn im Nahkampf angreifen und mit den Fäusten bearbeiten (wozu man in die 3rd Person Ansicht schalten muss) oder er nutzt einen Bolamiten, den er wohlweißlich in den zweiten Slot der Armbrust geladen hat. Bolamiten zerplatzen wie reife Tomaten auf den Gegnern und hüllen sie wie mit einem Spinnennetz ein, so dass sie eine Zeit unbeweglich daliegen und zur leichten Beute werden. Jetzt kommt die Stunde des Strangers, schnell hinrennen und die Gegner "einsaugen", eine Technik, die schon bei Ghostbusters erfolgreich zum Einsatz kam - zudem ist sie auch besonders platzsparend :-). Will der Stranger den Gegner aber lieber im Nahkampf erledigen, muss er so lange auf ihn "Einzimmern", bis er ohnmächtig zu Boden fällt, ansonsten wird nichts aus dem "Einsaugen". Das sollte aber auch dann zügig abgeschlossen werden, denn irgendwann erholen sich lediglich betäubte Gegner wieder und werden somit wieder zur potentiellen Gefahr. Die andere, jedoch nicht so gewinnträchtige Methode wäre dann, den Gegner in die ewigen Jagdgründe der Oddworld zu befördern.

Sind die ersten Ganoven noch recht leicht zu besiegen, trifft man später auf hartnäckigere Gesellen und man muss schon alle Tücke aufwenden, um sie einzeln oder in kleineren Mengen zu "pullen", damit man nicht in eine aussichtslose Massenschlacht gerät. Vorsicht ist auch bei Heckenschützen geboten, die aus sicherer Position einen Canyon sichern und schnell zur Todesfalle werden können. Doch auch der Stranger entwickelt sich weiter, denn es gesellen sich immer mehr Munitionsbegleiter dazu. Eine der Wichtigsten ist die Zappfliege, die zudem unendlich Feuern kann. Sie wird für die Munitionsjagd benötig, da ihr Schuss die kleinen Racker betäubt und somit zum "Ernten" vorbereitet. Ebenso kann sie, sollte man sie einige Zeit aufladen, einen elektrischen Stoss abfeuern. Sehr gut geeignet um Feinde zu lähmen oder aber auch, um elektrische Gerätschaften in Gang zu bringen, wie z. B. Türen, Transportanlagen oder Kräne. So lassen sich z. B. damit Kräne aktivieren, die in der Luft riesige Kisten befördern und diese durch die Aktivierung zu Boden fallen lassen und die Feinde damit unter sich zu begraben.

Das Repertoire der lebenden Muni erweitert sich so bizarr, wie man es wohl nur von den Oddworld Designern erwarten kann. Stunks, die in Gegnernähe die Luft so durch ihre grünen Stinkwolken verpesten, dass die Gegner nicht mehr anders können und von all ihren Schandtaten ablassen, um einer anderen zu frönen und sie sich mit voller Hingabe übergeben müssen. Gut geeignet, um während der Brechreizattacke an ihnen vorbeizueilen. Die immer griesgrämig dreinblickenden Fuzzles könnte man auch als "Landpiranhas" bezeichnen, wenn sie hochmotiviert beginnen, die Gegner anzugnagen und zu piesacken. Gürtelkäfer sind mehr oder weniger lebende Granaten, die auf den Boden gefeuert wie eine Landmine fungieren oder bei Direktkontakt explodieren. Nicht zu verachten sind Flederbomben, gut geeignet, um einen sonst unerreichbaren Sniper aus dem Versteck zu bomben. Stechbienen sind das Pendant zu einem Maschinengewehr und nageln den Gegner wortwörtlich unter Dauerbeschuss an die Wand. Die selten aufzufindenden Wespen dienen in Kombination mit dem Fernglas als Snipermunition und töten den Gegner mit einem gezielten Schuss. Es macht wortwörtlich tierisch Spaß, mit dem Fernglas die Gegend abzusuchen und dann einen Wespenheadshot zu landen. Im weiteren Spielverlauf findet man dann auch noch Upgrades für die Munition und so mutieren z. B. die Arschbackenhörnchen zu Brüllhörnchen, die dank Megaphonzusatz jetzt mehr als einen Gegner anlocken können, Bolamiten werden zu Bolarachniden, die ganze Gegnergruppen einspinnen können oder die Stechbienen werden zu Monsterstechbienen mit Auto-Aiming.

Strategisch wichtig ist es, die Gegend gründlich nach Munitionsnachschub abzusuchen - oft zu finden in umherstehenden Kisten und Fässern. So spart man sich das Moolah für wichtigere Dinge auf. Aber man ist nicht nur auf fertig konfektionierte Munition angewiesen, sondern kann auch die Nester mit der Zappfliege plündern: Stechbienennester in den Bäumen oder Bodennester der Bolamiten.

Bei Strangers Vergeltung kommt es aber nicht nur auf Waffengewalt an, sondern auch aufs Köpfchen, besonders dann, wenn Stranger auf allen Vieren in der Rennattacke mit dem Kopf eine Holztür einrammt oder die Gegner umrennt. Zu seinem Bewegungsrepertoire gehört ebenso das Springen, Schwimmen und Seilklettern. Jedoch ist die Rennattacke auch von seiner Ausdauer abhängig. Ist er erschöpft, muss er sich erst wieder eine Zeit erholen. Eine weitere wichtige Funktion ist auch die Selbstheilung, einmal richtig wie ein räudiger Hund ausgeschüttelt, erholt sich Strangers verlorene Lebensenergie wieder, was jedoch Ausdauerpunkte verbraucht. Aber keine Angst, die Ausdauer erholt sich selbstständig wieder nach einiger Zeit. Strategisch muss man dann schon ab und zu mal ein stilles Örtchen aufsuchen, wenn man unter Beschuss liegt, damit sich die Ausdauer wieder regeneriert und man Strangers Gesundheit wieder aufmöbeln kann.

Die Level sind genau so wie deren Bosse höchst abwechslungsreich gestaltet. Ein verlassenes Fort, unterirdische Wasseranlagen, Goldminen oder ein überfallener Trek mit Hühnerwohnwagen und niedlichen Hühnerladies. Ist das erste Drittel noch recht linear und überschaubar, werden danach die Szenarien wesentlich großräumiger und offen. Obwohl der Spielablauf insgesamt linear ist, empfindet man es dennoch nicht als zu streng vorgegeben, da man in der Kopfgeldstube jeweils pro Stadt und Region seinen nächsten Auftrag selbst wählen kann. Zudem gibt es auch noch einige Bonusaufgaben, die man erfüllen kann. So kann man versuchen, den Geldschatz des Farmers zu stibitzen oder in der Stadt Zugang zur geheimen Spelunke zu bekommen, um dort Spezialequipment kaufen zu können. Dennoch laufen aber die eigentlichen Aufgaben immer auf das gleiche Ziel hinaus. Bis zum Endboss durchkämpfen und ihn "Dead or Alive" dingfest machen. Langweilig wird es dennoch nicht, denn die neu hinzukommenden Waffen und unterschiedlichen Locations, angereichert mit den immer witzigen Kommentaren der NPCs, sorgen für genügend Abwechslung. So darf man z. B. auch mal in einer Lore durch die Minen heizen oder später auch mit einem Kanu den Fluss unsicher machen.

Krönender Abschluss in jedem Level ist der Endboss, der natürlich nicht so leicht zu besiegen ist und oft ein spezielles Vorgehen und die gezielte Waffenauswahl hier notwendig wird, um ihn lebend einzusacken. Hier kommt auch besonders zu Geltung, dass man sich den Schwierigkeitsgrad ein wenig selbst bestimmen kann, wenn man es sich zur Aufgabe gemacht hat, jeden Bösewicht lebend abzuliefern, was wirklich nicht einfach ist. Es kommt sehr darauf an, ihn gezielt zu schwächen und seine Ausdauer auf Null zu bringen, statt ihm einfach nur Lebensenergie abzuziehen. Hier zeigt sich wirklich, wer der Stranger im Lande ist. Wie erreiche ich den Obermotz, wenn er sicher auf der anderen Seite auf mich ballert und nur ein unter Strom gesetztes Kabel zu ihm hinführt? Ich kann zwar kurzfristig den Stromschalter lahm legen, doch der Bösewicht wird auch nach einiger Zeit wieder wach und der Weg nach drüben steht wieder unter Strom. Hier haben die Gamedesigner eine wirkliche Herausforderung auch für Profispieler geschaffen, wobei gleichzeitig der "Normalspieler" den etwas einfacheren Weg wählen kann. Sehr gelungen umgesetzt und so ergibt sich der Schwierigkeitsgrad nicht aufgrund einer Voreinstellung im Menü, sondern durch die eigene Spielweise. Die Gegner KI ist dabei sehr angemessen und passt zum Spielprinzip. Sie sind fordernd aber dennoch genügend berechenbar, um strategische Scharmützel zu planen. Später werden jedoch einige Gegner zu echten Herausforderungen. So sollte man diese natürlich zuerst "entsorgen". Wer die vorherigen Oddworld Teile kennt, wird auch einige bekannte Figuren und Gegner wiedererkennen, wobei ich hier nicht zuviel verraten möchte, weil Oddworld Strangers Vergeltung noch eine prima Überraschung in der zweiten Spielhälfte bereit hält und diese nicht gespoilert werden soll. Jedenfalls haben auch die bösen alles fressenden Hundchen ihren Auftritt und man sollte, der eigenen Gesundheit wegen, schnellstens ihr Herrchen zum schweigen bringen, damit er die kleinen Bösewichter nicht mehr aus dem Sack lässt. Auch machte es Spass, ihnen direkt mal einen Stunk vor die Füsse zu werfen und dann wortwortlich an den fiesen Kotzbrocken unbeschadet vorbeiziehen zu können. Erwähnenswert, neben dem gut gemachten Tutorial, ist noch, sollte man an einigen Stellen im Spiel hängen, dass man nach einigen Fehlversuchen mit Tipps versorgt wird, wie man die Angelegenheit am besten angehen sollte.

Kritik:

Viel zu kritisieren gibt es an dem Spiel ansonsten nicht, denn es ist ein rundum gelungener Spaß geworden. Vermisst habe ich lediglich einen Saloon :-), der irgendwie in keiner Westernstadt fehlen sollte und es sicher hier auch noch genügend spaßige Inhalte hätte geben können. Als etwas unausbalanciert habe ich jedoch den Waffeneinsatz empfunden. Die meisten Spielpassagen konnte man mit dem gleichen Spielschema bewältigen. Gegner pullen, im Nahkampf fertig machen und einsaugen funktionierte in fast allen Fällen ohne Probleme. Hier hätte man von den Designern vielleicht erwarten können, dass sie einige Passagen etwas fordernder gestaltet hätten. So variiert der Spielablauf, wenn man einmal "seine" Methode gefunden hat, zu wenig, besonders auch, wenn man es mit den Vorgängerspielen vergleicht. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Differenzierung gewünscht. Die bekannten "Wie stelle ich das jetzt bloß an, um das Problem zu lösen Kopfnüsse", wie man sie sonst aus der Abe Serie kennt, vermisst man hier völlig. Sicher gibt es ein paar Stellen, an denen man überlegen muss, wie man den dort verschanzten Gegner los wird, aber insgesamt dennoch zu wenig, auch wenn es nicht direkt langweilig wird. Generell war auch in den späteren Leveln die Waffenbalance nicht optimal. So lohnte der Einsatz von Bolarachniden fast überhaupt nicht mehr, da sich die stärkeren Gegner viel zu schnell befreien. Zu dem eigentlich sehr gut ansteigenden Schwierigkeitsgrad wirken die Anforderungen an die Levelbossfights unausgeglichen. So gibt es im Vergleich zum finalen Kampf vorher wesentlich schwerer zu besiegende Levelbosse, was den Endkampf dadurch ein wenig blaß erscheinen lässt. Gewünscht hätte ich mir auch ein wenig mehr an Bewegungsrepertoire. Schön wäre es, wenn er sich, neben stehen, rennen und springen, auch auf dem Boden liegend anschleichen könnte, um das Terrain zu erkundschaften oder ungesehen einen Sniperschuss vorbereiten zu können. Die bekannte und beliebte Interaktion mittels Gamespeak, die in den Vorgängern bestimmte Handlungen der NPCs nach sich zog, steht zwar als Feature in der Beschreibung, verkommt aber in Strangers Vergeltung leider zur reinen Dialogführung ohne Spielauswirkung. Hauptkritikpunkt aber bleibt, dass sich das Spielprinzip zu sehr wiederholt. Dass es aber dennoch nicht langweilig wirkt, liegt an der generell guten Inszenierung, den abwechslungsreichen Ortschaften und einer soliden Story. Der Wiederspielwert ist jedoch im Vergleich zu den Vorgängern eher gering. Konnte man bei den Abe Teilen noch versuchen, den letzten der verborgenen Mudokons zu finden oder bekam bei schlechter Befreiungsrate noch einen depressiven Nachspann verpasst, hat man bei Strangers Vergeltung beim einmaligen Durchspielen bereits alles gesehen. Auch etwas unausgewogen war das Thema Moolah. Im Endeffekt hatte man viel zuviel Moolah im Verhältnis zu dem, was man an Special Equipment kaufen konnte. Da fehlte dann letztendlich der Ansporn jeden Levelboss lebend zu fangen, was ausser dem zusätzlichen Moolah keinerlei spielerische Bewandnis, von einen paar Besuchen im Knast einmal abgesehen, hatte.

Fazit:

Ein Action-Shooter aus dem Oddworld Universum? Kann das gut gehen? Ja, es kann, denn genügend verrückte und kranke Ideen, wie man sie nicht anders von den Oddworld Machern erwarten würde, finden sich auch in "Oddworld Strangers Vergeltung". Das Spielprinzip hat nun so gar nichts mehr mit den Vorgängern gemein, auch wenn man einiges Altvertraute wiederfindet. Trennen muss man sich von den rätsellastigen Aufgabenstellungen, die die Vorgänger zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Dafür bekommt man reinrassige Action gewürzt mit ein wenig strategischer Planung, die mit einmaliger Graphik, tollem Sound, viel Witz und hohem Spaßfaktor für 16-18 Stunden vor dem Bildschirm fesselt. Fans werden zwar die liebgewonnenen Charaktere wie Abe und Munch vermissen, die leider nicht einmal einen Gastauftritt haben, doch der charismatische Kopfgeldjäger Stranger, die irren Hühner, die Riege an abgedrehten Ganoven und der mysteriöse Doc Vykker kompensieren das locker und die Oddworld Macher haben wieder einmalig bewiesen, wie sehr sie sich auf Charakterdesign und Story verstehen.


Geschrieben am 27.04.2005, Testkonfiguration: Xbox
 



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