yiya.de / reviews
Walkthrus..
Interviews
Specials
Reviews von A-Z
A B C D E F G H I
J K L M N O P Q R
S T U V W X Y Z #

Oblivion
Obscure
Oddworld: Strangers V.
Oil Tycoon 2
Okami
Operation Matriarchy
Outfit, The
Outlaws
Overlord
Obscure  


Info
Autor 2
 1.5
 1.5
 2
Gesamt (45 votes) 1
 1.8
 1.6
 2.4
Name:Obscure
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2004/07
Publisher: Atari
Entwickler: Hydravision
Offiz. Sites: Game
Hardware: 1Ghz, 256MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 4000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Tastatur/ Joystick/ Gamepad
Multiplay: Co-Op
Sprache: Deutsch
zensiert: nein
Patch: 1.1
Bemerkung: nur auf DVD, auch für Xbox, PS2
USK: 16
Obscure (review von yak)

Gruselfilme, in denen Teenager Hauptfokus des jeweiligen Bösewichtes sind, ließen in den 80er Jahren das Horrorfilm-Genre neu aufleben. Da jagte Freddy Kruger pickeligen Brillenträgern genauso in ihren Träumen hinterher, wie dem muskelbepackten, gutaussehenden Teamleadern der Football Schulmannschaft, einschliesslich der ihn anbetenden Cheerleaderin. Egal ob Michael Myers in Halloween oder Jason in Freitag der 13te, sie machten keinen Unterschied bei der Erfüllung ihrer Ziele. Jeder kam irgendwann "dran", was auch sicher mit zum Erfolg der jeweiligen Serie beitrug, denn anders als im richtigen Leben, traf es auch die erfolgverwöhnten und von allen umschwärmten Teenies - und die meist sogar zuerst. Es war im Kino dann immer nur die Frage: Wer schafft es bis zum Ende zu überleben und den Bösewicht "platt" zu machen (zumindest bis zur nächsten Fortsetzung)?

Mitte der 90er gab es dann ein Revival der Teeniehorrormovies. "Scream", "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast... " und "Faculty" setzten das Konzept genauso fort. Rätselhafte Morde, Teenager verschwinden spurlos, an einer Schule gehen merkwürdige Dinge vor und eine Gruppe von wagemutigen Teenager versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Und eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis man dieses Konzept auch für ein Videospiel umsetzt und es zugleich versteht, alle notwendigen Zutaten in ein stimmiges Gameplay einzubinden und gegen die allmächtige Konkurrenz der Horror-Survival Games Marke Silent Hill, Eternal Darkness und Resident Evil bestehen zu können. Ob der Versuch von Microids und Hydravision gelungen ist, soll das Review zeigen.

Ein ganz normaler Tag in der Leafmore High-School. Nach dem Basketballtraining verabredet man sich oder geht den üblichen Teenagerbedürfnissen nach, deren Spannweite von Bravolesen, gegen die Eltern revoltieren, Pickel ausdrücken, Reiten, Schwimmen, Lesen oder einfach nur Abhängen variieren kann. Und Kenny zieht es vor, nach dem Training noch ein paar Extra-Körbe zu werfen. Doch ein Handy-Anruf seiner Freundin sorgt für ein vorzeitiges Ende, die ihn in der Umkleidekabine an ihr gemeinsames Date erinnert. Kaum aufgelegt, stellt er fest, dass jemand gerade seine Sporttasche gestohlen hat und sportlich wie er ist, spurtet er auch dem vermeintlichen Dieb hinterher. Die Spur führt zu einem alten Eisentor, hinter dem sich ein Garten befindet, von dessen Existenz er vorher nichts ahnte. Ein baufälliges, altes Haus scheint dem Dieb Obdach zu gewähren und durch eine Luke betritt Kenny den staubigen Keller. Die Taschenlampe, die er dort findet, kommt ihm sehr gelegen, denn eine Leiter führt weiter nach unten ins Dunkle. Merkwürdige Geräusche sind von dort zu hören, menschlichen Schreien nicht unähnlich. Kenny durchsucht das Kellergeschoss noch ein wenig und findet schließlich noch Klebeband und eine Pistole. Einfallsreich, wie Teenager nun mal sind, kombiniert er die Waffe mit dem Klebeband und der Taschenlampe zu einer 2in1 Lösung und kann jetzt den Bereich mit der Waffe in Zielrichtung ausleuchten. Er erreicht modrige und von merkwürdigen Pflanzen oder Baumwurzeln überwucherte Gänge. Vor einer Eisentür verhindert eine Art Lebensform, die an Sporen oder Pflanzen erinnert, dass er die Tür erreicht. Einfach passieren kann er dieses Geflecht nicht, denn es wirkt sich bei Kontakt auf seinen Gesundheitszustand aus und lässt ihn mehr als nur furchtbar danach husten. Doch die Sporen scheinen lichtempfindlich. In dem Bereich, den Kenny mit der Taschenlampe bestrahlt, scheint sich die Lebensform zurückzuziehen oder einzugehen. Doch so schnell sich das Geflecht auch zurückzieht, so schnell wächst es wieder nach. Doch gut gezielt und mit dem Lichtboost der Taschenlampe, die dann eine gehörige Ladung UVA loslässt, gelingt es ihm, die Lebensform komplett zu "verstrahlen" und die Türe ist frei. Dahinter offenbart sich eine Art Labor, in dem Kisten und Käfigen stehen. Ein unheimlicher Ort und ein paar Räume weiter findet Kenny einen Mitschüler, der auf komische Weise verändert scheint. Blass, hager und krank sieht er aus, ein Schatten seiner selbst. Er bittet um Hilfe und sagt, dass sie schnell von hier verschwinden müssen. "Er kommt bald wieder", sagt er und das nicht viel Zeit bleibt. Gemeinsam machen sich die Beiden auf, den unheimlichen Ort zu verlassen, nachdem man in einem Schrank noch eine zusätzliche Waffen gefunden hat. Der Weg führt zurück durch das Labor, doch plötzlich brechen unheimliche Wesen, eine Mischung aus Pflanze und Tier, wie es scheint durch die Wände und wieder sind in ihrem Umfeld diese merkwürdigen Sporen zu sehen. Der Kampf scheint aussichtslos und die Waffen bringen bei diesen riesigen Monstern wenig. Also besser die Flucht ergreifen. Doch die Türe ist jetzt durch einen riesigen Käfig versperrt. Kenny versucht, den Käfig zur Seite zu schieben, während sein Begleiter ihm den Rücken so gut wie möglich durch Waffengewalt freizuhalten versucht. Doch es scheint aussichtslos. Gerade noch rechtzeitig kann Kenny die Türe öffnen und sie fliehen gemeinsam durch den langen Gang hin zur Leiter. Doch gerade, als sie kurz vor der Öffnung angelangen, wird die Luke von oben verriegelt und die Hilfeschreie verschallen im Dunkeln. Obscure kann beginnen...

Zur Technik:

Die eigens entwickelte Engine lässt eigentlich keine Wünsche offen. Stimmungsvoll und mit vielen Details wurden die Locations umgesetzt. Von der einfachen Sporthalle mit ihrem frisch gebohnerten Parkett, in dem sich alles spiegelt, bis hin zu stinknormalen Klassenräumen, die jedoch mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurden. Ein Overheadprojektor wirft da fast geisterhaft im dunklen Raum sein Bild an die Leinwand oder im Chemieraum stehen passende Utensilien herum. Das schuleigene Theater wirkt durch die Größe und Leere mehr als bedrohlich und wenn man den alten Projektor anwirft, um im menschenleeren Vorführraum einen Film zu zeigen und das Rattern des Gerätes die Stille durchbricht, kommt richtig Atmosphäre auf. Sobald es aber in die unterirdischen Gefilde von Leafmore High oder in Bereiche geht, wo das Böse schon Hand angelegt hat, ändert sich auch der Stil. Alles sieht dunkel und bedrohlich aus, die Sporen oder Pflanzen bedecken Teile des Umfeldes oder haben es gar zerstört. Unterirdische Zellen und Geheimlabore, die aussehen, als ob seit 100 Jahren dort niemand mehr anwesend war. Der Boden ist aufgebrochen, Türen wurden von anderen verbarrikadiert und Fenster mit Brettern vernagelt, um Eindringlinge fernzuhalten - oder vielleicht auch einzusperren?

Die Engine spielt auch viel mit Licht, was sich später zwingend auf das Gameplay auswirkt. So treten vereinzelt Sonnenstrahlen durch nicht richtig vernagelte Fenster oder Luken, was sehr eindrucksvoll wirkt. Beeindruckend waren die Schatten des Mondlichtes durch die Bäume, wie sie sich auf dem Boden vor dem alten Hause im Garten zum Wind bewegten. Besonders haben die Designer darauf geachtet, das alles wirklich alt und gebraucht aussieht, was viel zur stimmigen Atmosphäre und Glaubwürdigkeit beiträgt. Nichts wirkt klinisch "rein". Aber auch die kleinen Details tragen viel dazu bei. So hat das Spiel eine recht glaubhafte Physikengine spendiert bekommen, was es von den vielen anderen Horror-Survival-Games unterscheidet. Rennt man gegen einen Tisch, fallen die Gegenstände dort auch mal physikalisch korrekt zu Boden. Das Umfeld ist daher nicht so statisch, wie bei vielen Genrekollegen. Tische, Stühle und Kisten sind nicht am Boden "festgenagelt", sondern bewegliche Objekte. Und weitere kleine Details runden das Bild ab. Schiebt man z. B. eine Kiste zur Seite, kann es vorkommen, dass man eine erschreckte Kellerassel davon krabbeln sieht oder betritt man einen Raum und leuchtet die dunklen Ecken aus, entfliehen Feldermäuse dem Lichtstrahl.

Mit ebensoviel Detailliebe wurden auch die unterschiedlich spielbaren Charaktere umgesetzt. Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihr Outfit, sondern auch durch ihre Gestik und Animation. So bewegt sich Kenny der Sportler ganz anders, als Stanley der "Abhänger". Ebenso passiert es, dass Josh sich nervös am Hemdkragen zupft, während er etwas ängstlich das Umfeld begutachtet. Hier hat man sehr individuell versucht und auch umsetzten können, dass es sich um wirklich verschiedene Charaktere handelt. Die Monster, auch wenn man sie meist nur schemenhaft im Dunkeln sieht, sind ebenso glaubwürdig. Eine merkwürdige nicht ganz definierbare "Mutanenmatsche" wäre wohl die richtige Beschreibung, wobei manche, besonders die großen nicht mobilen, sehr an Jabba the Hut erinnern. Da es sich bei den Wesen scheinbar um eine Mutation aus Mensch und Pflanze handelt, hat man es großartig geschafft, dies auch glaubwürdig umzusetzen. Jeder der Feinde hat eine Art Aura um sich, ein "Teppich", der sich, während sie sich fortbewegen, flechtenartig über alles ausbreitet, seien es Wände, der Fußboden oder im schlimmsten Falle unsere Teenager :-).

Die Soundkulisse ist ebenso ohne Tadel. Eine hervorragende Geräuschkulisse sorgt wirklich für Gänsehaut, besonders, wenn man das Spiel über Kopfhörer spielt. (Hier kann ich wirklich das 5.1 Medusa Headset von Speedlink empfehlen). Rascheln in den Ecken lässt Feinde vermuten, Schreie oder Geräusche aus dem Nebenzimmer lassen den Spieler öfters zaudern, besagtes Zimmer zu betreten. Fensterläden klappern im Wind und der Boden knarrt unter den Füssen. Allein die Geräusche sorgen schon für Spannung pur, was durch die hervorragende Musik noch unterstützt wird. Eine mehr als gelungene Komposition von Olivier Deriviere, der unter Einsatz des Kinderchores der Nationaloper von Paris für besonderen Klanggenuss sorgt. Fast gespenstisch beginnt der Kinderchor a capella und untermalt durch den Gesang sehr unkonventionell, aber äußerst wirkungsvoll das Spielgeschehen, sehr ähnlich, wie der leider gerade verstorbene Filmkomponist Jerry Goldsmith dies schon in den Poltergeist Filmen realisierte. Die Orchesterstücke orientieren sich eher an Psychothrillern, vergleichbar mit der Musiken, die Bernard Herrmann für die Hitchcock Filme komponierte. Auftreibende, spannungsgeladene Musik, die in jeder Sekunde vermuten lässt, dass gleich etwas passieren MUSS, was dem Spiel sehr zu Gute kommt, da man so dauernd auf "Adrenalin" gehalten wird. Musik und Sound sind in Obscure einmalig gelungen. Auch die Synchronisation ist gut und glaubwürdig eingesprochen und es gibt keinerlei Ausrutscher oder demotivierte Sprecher.

Gesteuert wird Obscure vorzugsweise mit einem Gamepad, das möglichst viele Actionbutton bereitstellen sollte. Die Steuerung über Tastatur (Maus wird nicht unterstützt) erweist sich als sehr unkomfortabel. Obwohl Obscure ein Multiplattformtitel ist, haben es die Entwickler verpasst, direkt eine Standardgamepadbelegung in den Voreinstellungen bereitzustellen (auch auf Rumbleeffekte wurde verzichtet). Hier muss man, sehr ähnlich wie bei Prince of Persia, erst alle Achsen und Buttons umständlich konfigurieren, was auch nicht 100% problemlos funktionierte und Schrägpositionen etwas schwierig waren. Ansonsten lässt sich Obscure gut steuern, wenn auch die Auswahl der Gegenstände im Menü etwas fummelig ist und gerade in Actionsequenzen, in denen man schnell reagieren muss, wenn z. B. eine Waffe nachgeladen werden will, kann das zum vorzeitigen Ableben führen.

Gespeichert werden kann an jedem Ort, jedoch wird hierzu eine CD benötigt, die man im Spiel finden kann. Somit sind die Speichermöglichkeiten durch die Anzahl der auffindbaren CD limitiert. Das Speichersystem trägt aber dadurch viel zur Spannung bei, denn so muss man einfach mal durch bestimmte Monsterhorden durch, ohne vor jeder Türe speichern zu können.

Spielhemmende Bugs konnte ich, bis auf Kakerlaken unter den Kisten, keine finden. Es kam lediglich einmal vor, dass die Physikengine in einigen Screens nach dem Laden/Neustarten nicht richtig funktionierte und Getränkedosen der Schwerkraft ein Schnippchen schlugen und in Kopfhöhe im Raum schwebten.

Gameplay & Kritik:

Obscure ist ein 3rd Person Horror-Survival Adventure, in dem der Spieler in bester Horrorfilmmanier einen Trupp Teenager auf die Suche schickt, die unheimlichen Vorgänge an ihrer Schule zu enträtseln - und viel wichtiger noch - am Leben zu bleiben. Nach dem oben beschriebenen spielbaren Intro, das zugleich ein Tutorial darstellt und damit endet, dass Kenny im Keller der Schule gefangen wird, machen sich seine Freunde auf, ihn zu suchen. Anders jedoch, als bei vielen Genrekollegen, mit Ausnahme vielleicht von Resident Evil Zero, hat man anfangs die Wahl zwischen drei verschiedenen Charakteren. Zudem kann man sich einen zur Begleitung aussuchen, der mit auf die Suche geht, um das Geheimnis und die seltsamen Vorgänge in Leafmore High zu ergründen. Den Begleitern kann man unterschiedliche Anweisungen geben. So kann man anordnen, dass sie warten, uns folgen oder im Kampf unterstützen sollen, wobei sie sich hier größtenteils auch recht geschickt anstellen. Dabei haben die verschiedene Figuren unterschiedliche Eigenschaften, die zum Teil recht nützlich sein können. Josh, seines Zeichens Kleinjournalist, ist mit einer außerordentlichen Spürnase ausgestattet. Kontrolliert man ihn, blinken alle nutzbaren Gegenstände im Raum auf und erleichtern so die Suche. Ash dagegen ist eine halbe Amazone. Sie hat bestimmte Kampftechniken parat. Shannon ist medizinisch begabt und eine wahre Hilfe bei schwierigen Rätseln. Aus dem flotten Dreierteam wird im Laufe des Spiels ein Trupp aus fünf wagemutigen Teenagern, die man je nach ihrer Begabung einsetzten sollte. Jedoch ist dies nie zwingend notwendig, da die Rätsel im Spiel niemals zu schwer sind und somit ein dauernder Charakterwechsel unnötig erscheint. Das Spiel ist also mit einem ausgewählten Charakter zu bewältigen, was es auch muss, denn die Figuren können sterben und das Spiel ist erst vorbei, wenn alle Teenies nicht mehr zu Twens werden können. Daher muss gewährleistet sein, dass jeder Charakter das Game auch einzeln beenden kann. Hier hätte man ein wenig mehr Differenzierung einbauen können und den Rätseln etwas mehr "Pepp" verschaffen können, wie es z. B. sehr gelungen in Project Eden verwirklicht wurde.

Nichtsdestotrotz ist die Herausforderung dennoch gelungen, wenn man sich den Weg durch die verlassene Schule und die unterirdischen Gemäuer bahnt. Da muss man mit einem Baseballschläger eine Scheibe der Tür einschlagen, um sie so von innen zu öffnen. Mit einem Draht kann man Schlösser knacken. Wieder baut man mit Hilfe von Klebeband, Taschenlampe und Pistole eine wirkungsvolle Waffe gegen die Monster oder nutzt auch schon mal ein Brecheisen ganz Half-Life-like zur Monsterabwehr, während unser Begleiter ihnen mit der Taschenlampe den Vorteil von Sunblocker 2000 verdeutlichen will. Die Rätsel sind jeweils logisch und nachvollziehbar. Eine rostige Metallkette lässt sich nicht öffnen? Da war doch etwas Säure im Chemieunterrichtsraum, aber wie transportieren? Die Sicherheitsvorkehrungen des Bühnenfahrstuhls müssen umgangen werden, damit man ins Untergeschoss kommt? Und so erforscht man die dunklen und unheimlichen Räume der Schule und muss jederzeit damit rechnen, dass plötzlich die Wand oder der Boden vor einem aufbricht und eine Pflanzenmutation sich an Teenager für die notwendige Photosynthese gütig laben will. Dabei sind die Monsterauftritte immer sehr gut platziert und potenziert, was den Spannungsbogen sehr unterstützt. Wer Resident Evil kennt, weiß, was gemeint ist. Da läuft man 3-4 Mal an einer Stelle vorbei, ohne behelligt zu werden, gerade so lange, bis man sich halbwegs sicher fühlt und genau dann springt was aus dem Gemäuer.

Kämpfen darf man dann mit den unterschiedlichsten Waffen. So findet man neben den Schlagprügeln verschiedene Schusswaffen, von Pistole, über Schrottgewehr bis später sogar zu einer Laserwaffe. Per Autoaiming ist das dann auch kein Problem, das "Unkraut" zu jähten. Mit Munition muss man haushalten, denn sie ist nicht unendlich zu finden. So empfiehlt es sich, sämtliche Räume und Schränke zu knacken, um Nachschub zu finden, was auch für entsprechende Medipacks gilt. So sollte man ruhig mal einen Getränkeautomaten für eine Neulackierung vorbereiten, spucken sie dann doch öfters mal gesundheitsfördernde Getränke heraus. Taktisches Vorgehen ist ebenso gefragt. Sollte die Monsterüberzahl mal zu groß werden und Munition knapp sein, empfiehlt sich eine viel bessere Lösung, soweit umsetzbar. Einfach die verdunkelten Fenster einschlagen und Licht ins Zimmer lassen, das geht viel schneller und effektiver, als jede Schusswaffe und bietet zudem einen sicheren Ort vor den Angreifern. Besonders gefallen hat mir aber die Story und die gesamte Erzählweise des Spiels. Man fühlt sich wie ein richtiger Detektiv, wenn man in alten Unterlagen schnüffelt, versucht, die Ursache des Übels zu finden, währenddessen man auf andere Personen trifft und die Sache dadurch noch mysteriöser wird, bis man dennoch die Puzzlesteine langsam zu einem nachvollziehbarem Ganzen zusammenfügt. Dabei hat man sehr auf filmische bewährte Mittel gesetzt. Ein Anrufer, der um Hilfe bittet und man dann nur noch Geschrei hört und nicht weiß, was geschehen ist. Ein gefundenes Video der Überwachungskamera wird in einen Videorekorder gelegt und man erfährt furchterregende Details, bis dann die Kamera ausfällt. Man wird dadurch ständig auf Hochspannung gehalten. Dabei wurden diese Details mit sehr viel Liebe umgesetzt. So findet man alte vergilbte Bücher oder einen antiken Schwarzweißfilm, der scheinbar im Urwald aufgenommen wurde und starke Gebrauchsspuren wie Kratzer aufweißt, als man ihn im Projektor des alten menschenleeren Theaters fast geisterhaft über die Leinwand flimmern lässt. Das hat alles sehr viel Stil und verstärkt die Atmosphäre gewaltig. Und je mehr sich die Story entwickelt, desto unheimlicher werden auch die Szenarien, spätestens dann, wenn man in die unterirdischen Gefilde vordringt. Sollte man angegriffn oder verletzte werden, hat jede Figur auch ein Schadensmodell und je stärker die Verletzung ist, desto langsamer kann man sich, teileweise humpelnd und vor jammernd vo Schmerzen, nur noch fortbewegen, was natürlich auf für die Begleiter gilt. Schlimm, wenn man mit Medipacks bei der Begleitung gespart hat und mit ansehen muss, wie der lädierte Partner nicht mehr schnell genug vor dem Monstern fliehen kann und in ihre Fänge gerät. Also immer schön auf die Teamkameraden achten.

Auch auf andere Details hat man geachtet. So eine typische Szene im Filmtheater, wenn der jeweilige Charakter am Mikrophon spielt und "Test 1,2,3" sagt, kann aus jedem bekannten Teenager-Horrormovie stammen. Durch die Vielzahl der möglichen Charaktere, die man spielen kann, hat man sogar jede Zwischensequenz mit der jeweiligen aktiven Figur realisiert und vertont. Untersucht Josh z. B. die Eingangshalle des Filmtheaters, ist auch er es, der in der Zwischensequenz dort die Gegenstände untersucht und entsprechend kommentiert. Wählt man eine andere Figur aus, erfolgt die Zwischensequenz mit ihr.

Licht und Schatten spielt in Obscure eine wichtige Rolle. Das Spiel ist insgesamt sehr dunkel gehalten und da sich die Gegner, aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit grundsätzlich lieber in der Dunkelheit aufhalten, kommt dadurch sehr viel Spannung auf. Man leuchtet erst vorsichtig die dunklen Ecken aus, bevor man sich weiter wagt. Leute, die ohnehin Angst im Dunkeln haben, werden hier definitiv noch positiv konditioniert.

Insgesamt bietet Obscure ein sehr rundes Spielvergnügen, an dem es wenig zu beanstanden gibt. Gewünscht hätte ich mir, dass die unterschiedlichen Figuren etwas zwingender in die Rätseleinlagen eingebunden wären, was aber beim vorliegenden Konzept, das zum Beenden nur einen Überlebenden bedarf, nicht umzusetzen wäre. Die Gegner KI ist soweit zufriedenstellend, wenn man das von einem Pflanzenmutanten sagen kann. Mehr Abwechslung hätte ich mir bei den Zwischenbossen gewünscht. Die liegen nur, zwar recht gruselig aussehend, recht fett und unbeweglich wie ein Ebenbild von Jabba The Hut herum, spucken hier und da ein paar Maden aus und schlagen mit den Armen um sich. Etwas mehr Mobilität und evtl. eine differenziertere Vorgehensweise, als nur drauf zu ballern, hätte ich mir gewünscht. So etwas bekommt man dann erst beim Endboss geboten. Etwas unsinnig wurde auch die Option gestaltet, dass man sich an dem Sammelpunkt der Teenager, der sich im Laufe des Spiels an mehrere Orte verschiebt, "zurückbeamen" kann, vorausgesetzt, man befindet sich nicht im Kampf. Das geht eindeutig zu Lasten der Atmosphäre, zudem bleibt einem dann der Rückweg "per Pedes" ohnehin nicht erspart. Die Aufenthaltsorte der jeweiligen Figuren sind auf der Karte übersichtlich verzeichnet.

Obscure bietet aber noch etwas ganz Spezielles für dieses Genre. Die Designer haben die Rufe nach kooperativen Multiplayerspielen erhört und nicht wie so viele andere Entwickler, diese aus Kostengründen oder Releaseproblemen aus der Featureliste gekickt. Der jeweilige Begleiter kann jederzeit von einem zweiten Spieler (per Tastatur oder zweitem Gamepad) übernommen werden. Gespielt wird dann an einem Rechner. Der Hauptspieler gibt durch seinen Standort den Bildschirmausschnitt vor, wobei der zweite Spieler sich auch außerhalb des sichtbaren Bereiches, angezeigt durch ein Icon, bewegen kann. Betritt ein beliebiger Spieler einen Durchgang, starten beide sofort im nächsten Abschnitt. Allerdings muss man sagen, dass es gemeinsam vor dem Screen nur halb so gruselig ist, als im Singleplay.

Ganz "konsolenlike" haben die Entwickler auch noch für Goodies auf der DVD gesorgt, sollte man das Spiel beenden. So hat man, je nach "Abschluss" des Games unterschiedliche Enden und zudem kann man sich für die Charaktere, sollten sie es lebend schaffen, neue Outfits freischalten, ebenso ein "Making of" und eine neue Waffe. Spielt man im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade, winken nochmals zwei Extras, was den Wiederspielwert erhöht. Besonderes Extra ist noch die Option, dass man die bisher im Spiel gehörte Musik in einem Extramenü abspielen lassen kann. Warum man jedoch noch zum funktionierenden DVD-Kopierschutz eine ellenlange Seriennummer bei einem Nicht-Online-Spiel benötigt, ist eher fraglich.

Fazit:

Obscure ist eine gelungene Umsetzung im Stile der Teenager Horrorfilme. Es enthält alle notwendigen Komponenten für 10-12 Stunden gruselige Atmosphäre. Unheimliche Ortschaften, mysteriöse Figuren, verschwundene Teenager, eine sexy Krankenschwester, ein grimmiger Schuldirektor, verwirrte Lehrkörper, komischerweise keine Eltern, die alles besser wissen, alte Zeitungsausschnitte auf denen man Personen wiederzuerkennen glaubt, ein Sportass, einen Schnüffler, eine Schönheitskönigin und viel Action sorgen für gute Unterhaltung und das sogar noch im kooperativem Multiplay. Glaubwürdige Szenarien werden in guter und künstlerisch anspruchsvoller Präsentation geboten und von einer eindrucksvollen Sounduntermalung in Szene gesetzt, allen voran die phantastische Musik. Die kleineren Schwächen trüben den Spielspass kaum und Freunde von Resident Evil, Silent Hill, Eternal Darkness & Co werden sicher ihre Freude haben, zumal die Steuerung viel eingängiger und direkter ist, als bei den Resident Evil Teilen. Man bekommt zwar nicht ganz so viel "Gore" geboten, wie bei Capcom's Zombiehatz, dafür ist das Spiel aber auch mit einer USK 16 (bei dem "ab 18" Aufdruck handelt es sich um einen Fehldruck) versehen, was aber definitiv nichts mit mangelnder Spannung zu tun hat. Dennoch ist es nicht ganz so nervenaufreibend und harntreibend, wie vorgenannte Spiele und daher sicher auch als Einstieg für viele "Weicheier" in das Survival Horror Genre geeignet.


Geschrieben am 27.07.2004, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 1GB Ram, SB Audigy2ZS
 



183 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Gut (4.5 von 5 Punkten)
Ihre Bewertung dieses Artikels:
Bitte hier nur auf den Artikel selbst eingehen (nicht auf das Thema oder ggf. die Autorenwertung). Anmerkungen zu Thema/Artikel oder eine Ansprache des Autors sind im Besprechungs-Board unseres Forums möglich.

Druckversion | Seitenanfang © Copyright bei yak, Nutzungsrechte bei yiya.de / walkthru.de