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No One Lives Forever 2  


Info
Autor 1
 2
 2
 2.5
Gesamt (156 votes) 1
 1.9
 1.6
 2.3
Name:No One Lives Forever 2
Genre: Egoshooter
Produkt: Vollversion
Release: 2002/11
Publisher: Vivendi Games
Entwickler: Monolith
Offiz. Sites: Game
Links: Nolfgirl.com
Hardware: 500Mhz, 128MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 1400 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Deutsch
zensiert: ja
Serie: ja
Patch: 1.3
USK: 16
No One Lives Forever 2 (review von mountainking)

Mit No One Lives Forever veröffentlichten Fox Interactive/Monolith im Jahr 2000 einen der nicht gerade häufigen Höhepunkte im Bereich der First-Person-Shooter.

Üblicherweise ist dieses Genre eher bei Grafik und Action maßstabsetzend, seltener, wenn es um Spieltiefe und Anspruch geht. NOLF hingegen überzeugte und begeisterte vor allem mit seinen Agentenfilme aus den 60ern parodierenden Elementen, bei denen die Bedrohung der Zivilisation durch ein aus grotesk überzeichneten Figuren bestehendes weltweites Verbrechersyndikat namens H.A.R.M. im Mittelpunkt stand.

Zusätzliche Spannung erreichte der Plot durch die weibliche Hauptdarstellerin Cate Archer, die sich in der klassischen Männerdomäne "Spionage" erst einmal behaupten und gleichzeitig Verrat, Intrigen und persönliche Verluste zu überstehen hatte. Die Ansprüche an eine Fortsetzung dieses Spiels sind dementsprechend nicht gerade gering, wurden aber, um dies schon vorwegzunehmen, voll erfüllt.

Natürlich schlüpfen wir auch hier wieder in die samtweiche Haut von Mrs. Archer, die dank neuer Grafikengine noch weitaus schnuckliger aussieht als in Teil 1 und zusammen mit ihrer japanischen Gegenspielerin das bisherige Idol Lara Croft endgültig aus allen feuchten Träumen einsamer Bill-Gates-Lookalikes jenseits der Pubertät vertreiben sollte.

Ihr zur Seite steht auch in NOLF 2 wieder der für die Dauer des Spiels urlaubsbedingt und ungewollt zum Chef der Agentenorganisation UNITY beförderte Bruno. Zusätzliche -stellenweise übereifrige- Unterstützung erhalten beide durch den inzwischen von seiner schottischen Landsmännin Cate geläuterten Ex-Ganoven Magnus Armstrong, einen militärischen Verbindungsmann namens Barnes und einen schießwütigen US-General, dessen Herzenswunsch darin besteht, einmal den roten Knopf drücken zu dürfen (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind sicher vollkommen zufällig). Nicht zu vergessen sei natürlich der Quoten-Ossi Dr. Schenker. Auch auf der Seite der Gegenspieler gibt es einen fröhlichen Mix aus alten Bekannten und neuen obskuren Gestalten. Immer noch mehr oder weniger quicklebendig ist der gute alte Dimitrij Volkov, der mit schlagenden und explosiven Argumenten beweist, dass man auch komplett in Mull gehüllt und im Rollstuhl sitzend noch nützliches Mitglied einer Verbrecherorganisation sein kann. Treffend ergänzt wird er von einem französischen Pantomimen und einem ständig telefonisch von seiner Mutter im Bösesein unterbrochenen Platteträger.

Um diese Protagonisten entspinnt sich eine filmreife (in Bezug auf Austin Powers:)) Story mit vielen Cutscenes und einigen -allerdings nicht immer wirklich überraschenden- Wendungen, über die an dieser Stelle aber nichts weiter verraten werden soll. Einer der wesentlichsten Merkmale von NOLF war der anarchistische Humor und auch die Fortsetzung spart in dieser Beziehung keineswegs. Man sollte keinesfalls so schnell wie möglich durch jedes Level hetzen, sondern statt dessen versuchen, ja keinen der zu belauschenden Dialoge der Bösewichter zu verpassen. Sonst würde man doch glatt auf intimste Einblicke ins komplexe Innere einer Terrororganisation verzichten und die wahrscheinlich wichtigste Lektion von NOLF 2 nicht lernen: auch ausgewiesene Verbrecher sind nur Menschen. Sie haben beispielsweise Probleme mit ihren Schwiegermüttern, sie finden, dass ihre von oben verordneten rosafarbenen Anzüge eine Zumutung für einen ehrlichen Killer sind und sie versuchen, ihr Lachen möglichst böse klingen zu lassen. Überhaupt nimmt der Anspruch von H.A.R.M., sich als weltweit führendes Imperium des Bösen zu präsentieren, einen großen Raum ein. So erfährt man, wie unsolide die aktuelle Berichterstattung über die eigene Organisation in den zuständigen Branchenblättern ist und dass man gute Chancen auf den diesjährigen "Oscar" für kriminelle Syndikate hat.

Auch die wie immer überall verstreuten Schriftstücke, Briefe und Memoranden schlagen zumeist in diese Kerbe, Running Gag ist hierbei die Bürokratie, die sich auch bei H.A.R.M. ausgebreitet hat und dutzende Formulare für verschiedenste Vorgänge erfordert. Damit verbunden ist aber auch eine Neuerung, denn das Sammeln dieser Dokumente wie auch das Lösen der verschiedenen Aufgaben resultieren in Erfahrungspunkten.

NOLF 2 überrascht uns demzufolge mit einer Prise Rollenspiel, denn diese Erfahrungspunkte können in verschiedene Fähigkeiten investiert werden und so steigert man beispielsweise seine Schußpräzision, Umfang und Effizienz von Gesundheit und Rüstung oder auch seine Möglichkeiten, ungesehen an schwierigen Stellen vorbeizukommen. Eine nette kleine Zusatzidee und ein weiterer Anreiz, jeden Winkel und Aktenschrank gründlich zu durchstöbern.

Wie schon erwähnt, verwendet NOLF 2 eine gegenüber dem Vorgänger neuere Version der Grafikengine von Lithtech. Gleich das auch für die Demo genutzte erste Level beeindruckt mit einer schönen Umgebung inklusive Fluss, Wasserfall und rötlichem Abendhimmel. In den folgenden Episoden, die neben Japan noch in Indien, einem russischen Schneegebirge oder einer Unterwasserbasis spielen fand ich die Optik passend und charakteristisch aber nicht wirklich herausragend. Nicht mißverstehen: sie ist nicht etwa schlecht oder hätte mich direkt beim Spielen gestört, aber wirklich auffällige optische Verbesserungen wurden vor allem an den handelnden Spielfiguren in den Filmsequenzen vorgenommen, die wesentlich detaillierter erscheinen. Während des Spielens fällt das allerdings nicht sehr ins Gewicht, auch die Bewegungen der Gegner kommen einem sehr bekannt vor.

Schwachpunkte sind für mich die Bitmap-Himmel und die Darstellung des Wassers in den entsprechenden Cutscenes, wo ich irgendwie auch mehr als eine himmelblaue Fläche erwartet hätte. Beim Design der Level wäre manchmal etwas mehr Variationsbreite besser gewesen, an manchen Stellen musste ich für meinen Geschmack zu oft durch immer wieder dieselben Abschnitte laufen, auch wenn immer wieder neue Gegner und veränderte Aufgaben vorhanden waren (Record Building, Indien). In fast jedem der verschiedenen Kapitel sieht sich unsere Cate etwas anderen Gegnern gegenüber. Russische Soldaten mit der klassischen AK47, diverse Hilfstruppen von H.A.R.M., stellenweise mit indischem Lokalkolorit, japanische Samuraikämpferinnen und gegen Ende auch fiese Roboter, die Auswahl ist zwar letztlich nicht so riesig und entsteht auch durch Abwandlungen bestimmter Grundtypen, aber das stört kaum den Spielspaß. Nicht unterschätzen sollte man H.A.R.M.s absolute Geheimwaffe: zur Strafe für diverse Verfehlungen zu menschlichen Würfeln gepresste Fußtruppen, die aus durchaus nachvollziehbaren Gründen hinter Cate herhopsen und sie zu beißen versuchen.

Die KI ist ziemlich gut und führt oft beispielsweise dazu, dass ein vorher getöteter Verbrecher von seinem am Tatort erscheinenden Kollegen mit Körperentferner beseitigt wird, um Papierkram zu ersparen. Auch beim Wegsnipen eines Einzelnen innerhalb einer Gruppe agieren die Übriggebliebenen ziemlich realistisch, schauen sich um, verstecken sich oder haben Cate durch den Schuß auch gleich entdeckt. Eine wesentliche Niveausteigerung gegenüber dem Vorgänger konnte ich kaum feststellen, wie schon gesagt agieren die Gegner größtenteils inklusive der Bewegungsanimationen sehr ähnlich, wobei auch gesagt werden muss, dass auch bei NOLF die KI schon recht gut war.

Um sich nun möglichst unbeschadet durch die verschiedenen Geheimaufträge zu kämpfen, gibt es meistens zwei Wahlmöglichkeiten, rohe Gewalt oder das etwas subtilere Einsetzen der Versteckkünste. Für ersteres bekommt unsere Agentin ein ansehnliches Arsenal an Waffen in die zarten Hände. Besonders interessant sind, neben dem bekannten Repertoire an verschiedenen Handfeuerwaffen (ich habe allerdings den Colt vermisst!), Maschinengewehren, Sniperwaffen und gar einem Raketenwerfer, natürlich die für einen Spionagethriller unumgänglichen Gadgets und Spezialgeräte. Dazu zählt wieder ein Decodierer und auch ein Utility Launcher, mit dem man einschläfernde Munition verschießen oder auch die oft nervigen Beobachtungskameras ausschalten kann. Außerdem gibt es eine größere Auswahl an Granaten, sowie Bärenfallen und -besonders köstlich- Bananen. Auch hier will ich allerdings nicht zuviel verraten. :)

Die zweite Methode, nämlich möglichst unbemerkt sein Unwesen zu treiben, ist an manchen Stellen Pflicht, an anderen die Mission sehr erleichternd. Dabei sollte Cate idealerweise wenig Geräusche fabrizieren und vor allem auch darauf achten, aus den Blickwinkeln der Kameras zu bleiben. Der Body Remover leistet zusätzlich gute Dienste, wenn man sich ein Wegschleppen der Gegner ersparen will. Die Hauptaufgaben bestehen analog zum üblichen Agentenbild meist im Beschaffen bestimmter Informationen oder dem Sprengen von Einrichtungen. Dabei sollte immer auf die unbeteiligten Zivilisten geachtet werden oder auch wie in Indien auf die Polizisten, die einen -fälschlicherweise- verfolgen aber zum Glück immer mal aus Atemnot stehenbleiben müssen, so dass man relativ einfach entwischen kann und nur hin und wieder mal mit dem Gummiknüppel eins auf die Ohren bekommt. Natürlich gibt es auch hier sehr witzige Aufgabenstellungen, beispielsweise, wenn man eine bestimmte Anzahl seiner eigenen Fahndungsplakate abreißen muss.

Die Rätsel bestehen meist darin, Gegenstand A zu finden und mit Gegenstand B zu kombinieren und sind größtenteils nicht allzuschwer. Ebenso stellen die Schießübungen für den etwas erfahrenen Shooter-Spieler keine besonderen Herausforderungen dar, der am besten gleich auf "Hart" spielen sollte. Zumindest fand ich das Spiel auf "Normal" zu einfach, inklusive der Endgegner, wenn man die Rollenspielmöglichkeiten durch Upgraden der Kampffähigkeiten ausnutzt. Es kann allerdings auch daran liegen, dass ich direkt vor NOLF 2 das in dieser Hinsicht hammerharte Iron Storm gespielt habe. :)

Die Musik ist natürlich wieder ganz eng an die Filmvorbilder bzw. das zeitliche Umfeld angelehnt und daher sicher auch Geschmackssache. :) Mir gefiel sie weitestgehend gut, da sie halt einfach die Atmosphäre verstärkt. Da ich "nur" die deutsche Version von NOLF 2 für den Test heranziehen konnte, noch einige Worte zur Synchronisation. Sie ist im Allgemeinen recht gut gelungen, manche Veränderungen in der Übersetzung waren mir nicht verständlich, jedoch waren das eher Kleinigkeiten. Rein subjektiv hat mich zu Beginn die Synchronstimme der japanischen Damen genervt, weil diese auch für die Leela in der furchtbaren deutschen Version von Futurama verantwortlich ist. Man hat sich auch die Mühe gemacht, die für viele Dialoge wichtigen Akzente recht adäquat auch in Deutsch hinzubekommen. Da ich das Original des ersten Teils kenne, dessen Sprachausgabe ich großartig fand, hätte ich nichtsdestotrotz lieber die englische Version gehabt.

Bis auf einige seltene Crashs zum Desktop konnte ich bei NOLF 2 keinerlei Bugs feststellen. Die inzwischen erschienen Patches haben vor allem Auswirkungen auf den Multiplayer-Bereich. Im ursprünglichen Spiel bestand dieser ausschließlich aus Coop-Missionen und zwar mit eigener Story, prinzipiell eine feine Sache, da noch immer zuwenig Spiele den Coop-Modus von Anfang an und ausgewogen unterstützen, obwohl dieser auch mittelmäßige Games noch ziemlich aufwerten kann. Allerdings spielt man in bereits bekannten Maps und die Kampagne ist auch nicht sehr lang. Auch der durch Version 1.2 eingefügte Deathmatchmodus konnte mich nicht wirklich überzeugen, was hauptsächlich daran lag, dass es mal wieder keine Server , bzw. selbst auf deutschen Server das Spielen stark beeinträchtigende Pingschwankungen gab. Wer einen guten Server findet bzw. Deathmatch im LAN spielt, kann davon durchaus Spaß erwarten, mit Hilfe des Mappacks kann man dann sowohl bekannte als auch neu erstellte Maps durchkämmen, und stellenweise auch mit dem Schneemobil durch die Gegend fahren.

Das Hauptaugenmerk bei NOLF 2 liegt aber ganz klar auf der starken Singleplayerkampagne.

Wie auch sein Vorgänger erfreut NOLF 2 den Spieler vor allem durch die unerreichte Komik, die verrückten Charaktere und die vielen storylastigen Zwischensequenzen. Die neu eingebaute Charakterentwicklung verleitet zu noch mehr Gründlichkeit beim Suchen von Secrets und Lösen aller, auch der optionalen, Aufgaben in vielen sehr unterschiedlichen Locations und schlägt sich auch wieder in vergleichsweise langer Spieldauer nieder (ich schätze ca. 20 Stunden). Kurz gesagt: NOLF 2 macht wahnsinnig viel Spaß und ist für mich der unterhaltsamste Shooter des Jahres 2002.


Geschrieben am 06.01.2003, Testkonfiguration: AMD2000, GeForce3, 512MB Ram
 



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