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Neverwinter Nights 2  

Rückseite ]

Info
Autor 2+
 1
 2.5
 2.5
Gesamt (114 votes) 2+
 1.7
 1.9
 2.2
Name:Neverwinter Nights 2
Genre: Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2006/11
Publisher: Atari
Entwickler: Obsidian Entertainment
Offiz. Sites: Game
Links: NW Vault
Hardware: 2.4Ghz, 512MB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 5500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Multilingual
Addon: ja
Serie: ja
Patch: 1.12 Autoupdate
Bemerkung: auch als Coll. Edition erhältlich
USK: 12
Neverwinter Nights 2 (review von ronin)

Im Gothic 3 Wertungskrieg der Magazine (zur Schande der ganzen Branche) erschien die Fortsetzung zum Rollenspielhit Neverwinter Nights eher im Stillen auf der buggeplagten Rollenspielbühne. So kam es, dass man fast unbeeinflusst von widersprüchlichen Meinungen der Magazine Teil 2 anspielen konnte. Seiner Zeit war ich vom ersten Teil nicht sonderlich begeistert und konnte mich nach der reichlichen Hälfte nicht zum Weiterspielen zwingen. Dementsprechend gingen auch die beiden Addons an mir vorbei. Auch hatte ich schon immer Probleme, mich mit dem ausgesprochen komplexen und einsteigerunfreundlichen Dungeons&Dragons-System anzufreunden. Obsidian Entertainment (Teil 1 stammt von Bioware) wollte bei Teil 2 daher vor allem im Singleplayerbereich nachbessern und das Spiel einsteigerfreundlicher gestalten. Ob und wie das gelungen ist, soll das folgende Review zeigen.

Versions-Chaos

Bevor ich zur technischen Präsentation komme, möchte ich noch kurz etwas zu den diversen im Handel erhältlichen Versionen sagen. Neben der normalen deutschen Version gab es vorab eine Preorder-Edition, mit der man neben dem Toolset zum Erstellen eigener Mods auch einen besonderen Skill für das Hauptspiel erhielt. Alles in allem war diese Preorderaktion ziemlich lächerlich, zumal der online freischaltbare Content nicht richtig funktionierte und nachträglich vom Spieler per "Preorder-Patch" aktiviert werden musste.

Die Collectors Edition an sich war hingegen ein üppiges Paket, zumal man noch zwischen einer guten und einer bösen Variante wählen konnte. Neben einer 15cm großen Figur, einem Ring und den üblichen Artworks und Making of DVDs inklusive Soundtrack, der leider nicht auf einer separaten Audio CD geliefert wurde. Die Tracks lagen als MP3 vor und die Videos hatten Briefmarkenformat. Schade!

Technik

Grafik: Bedenkt man den enormen Hardwarehunger, der durchaus mit Oblivion und Gothic3 mithalten kann, müsste es sich bei der grafischen Präsentation um einen weiteren Meilenstein der Rollenspielgeschichte handeln. Dem ist leider nicht durchgängig so. Die Figurendarstellung ist hervorragend gelungen und es ist eine Wonne, den buntgemischten Rassen beim Streiten zuzuschauen. Vor allem in den Zwischensequenzen, wenn nah ans Geschehen herangezoomt wird, fällt der enorme Detailreichtum auf. Die stimmungsvolle Beleuchtung trägt weiter zum Realismus bei. Auch die Zaubereffekte suchen ihres Gleichen. Bei keinem anderen Spiel kam mir ein spontanes Jauchzen über die Lippen, als ein Eissturm inmitten meiner Feinde einschlug. Es ist einfach nur geil! Man entschuldige den Ausdruck, aber was da auf dem Monitor an Effektfeuerwerk abgebrannt wird, ist der Wahnsinn. Egal ob Stärkungszauber, diverse Auren oder einfach nur ein zerstörerisches Flammeninferno, ständig kommt es zu einer Reizüberflutung im positiven Sinne. Man betrachte dafür einfach die zahlreichen Screenshots. Aber in der schillernden Grafikwelt ist auch Schatten. Viele Umgebungen, vor allem Höhlen und unterirdische Katakomben, gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Man merkt den Innenbereichen die Editorherkunft sofort an. Da stehen die allseits gleichen Einrichtungsgegenstände oder die Wandtexturen ähneln sich immer wieder. Auch der Dungeonaufbau ist auf Dauer zu einseitig geraten. Selbst Außenbereiche sind manchmal lieblos dahingeschludert. So läuft man über eine grau-grüne Ebene, die eine Waldlichtung darstellen soll und findet nicht einmal Bäume oder Sträucher. Hier hat man als Spieler das Gefühl, den Leveldesignern ist in solchen Passagen einfach die Luft ausgegangen. Schade! Auch wirken die Texturen von Bäumen und anderen Umgebungselementen etwas grob und können dem Vergleich mit der eingangs erwähnten Genrereferenz nicht standhalten.

Die musikalische Untermalung ist stimmig und durchweg gelungen. Auf seinem Weg durchs Abenteuer begleiten den Spieler zarte Hintergrundmelodien. In Kampfsituationen wird man dagegen mit aufheizenden Rhythmen angefeuert. Besonders gelungen fand ich die Soundeffekte beim Wirken von Zaubern. Viele davon beginnen durch eine gesprochene Formel. Das mag nebensächlich klingen, aber in Verbindung mit dem darauffolgenden Grafikfeuerwerk kommt ungeahnte Atmosphäre auf. Es ist schon eine Art Machtgefühl, wenn mein zierlicher Hexenmeister lautstark einen Zauber intoniert und dann vom Himmel herab ein Schwarm Meteore fällt. Die Sprachausgabe liefert dagegen ein durchwachsenes Ergebnis. Während die Sprecher in den Zwischensequenzen eine professionelle Arbeit abliefern, fehlt in den vielen Nebendialogen (und davon gibt es unzählige) jeglicher akustischer Kommentar. Wer kein großer Leser ist, wird also viel verpassen. Man gewöhnt sich bei Neverwinter Nights 2 zwangsläufig das unter Geisteswissenschaftlern berüchtigte Querlesen an ;-). Auch die verschieden zur Verfügung stehenden Sprachsamples für den Helden sind absolut misslungen. Aus den über zwanzig wählbaren Stimmarten, sind nur vier in deutsch und der Rest auf englisch. Schade, dass man bei der deutschen Auswahl nur zwischen selten dämlicher Haudrauf und irrer Psychopath wählen kann. Ich konnte nach den über 60 Stunden Spielzeit meinen Helden nicht mehr hören. Die Stimmen und Kommentare meiner Begleiter waren dagegen ausgezeichnet.

Der wohl kritikwürdigste Aspekt dieser Rollenspielperle liegt im Bereich Steuerung. Besonders die Inventarführung ist die Hölle. Irgendwie scheint gerade dieser Teil bei den Rollenspielentwicklern stiefmütterlich behandelt zu werden. Ich denke mit Grauen an die oblivion'sche Menügrafik, bei der man ein Fernglas umdrehen musste, um die riesigen Icons in normaler Größe erkennen zu können. Zwar ist der zweite Teil der Neverwinter-Reihe nicht durch eine Konsolen kompatible Menüführung gestraft, aber es gibt keine Sortierfunktion und auch keinen direkten Gegenstandsvergleich. Bedenkt man, dass teilweise bis zu sechs Partymitglieder mit eigenem Inventar verwaltet werden müssen, kann man sich das Chaos in etwa vorstellen. Mein Spielablauf war deshalb immer in zwei Phasen unterteilt: 1. Einen Dungeon mit endlosen Gegnern leer räumen, diverse Quests lösen und erst mal alles stupide einsammeln, was die leblosen Leiber zurückließen. 2. Eine halbe Stunde lang vor einem Händler stehen, Gegenstände vergleichen, verkaufen und ordnen. Das Inventar wird dermaßen zugemüllt, dass man völlig den Überblick verliert. Hier hätte eine einfache Sortierfunktion nach Waffen, Rüstungen, Handwerkswaren etc. schon viel geholfen. Auch war der Gegenstandsvergleich schwierig. Erst muss ein Gegenstand mühselig rechtsgeklickt und per betrachten Funktion untersucht werden. Gleiches wird mit dem derzeit getragenem Item vollzogen. Leider erscheinen die Items nicht nebeneinander, um diese direkt vergleichen zu können. Durch die komplexen Itemwerte aufgrund des Dungeon&Dragon-Systems fällt ein Vergleich umso schwerer.

Auch die Partysteuerung ist nicht optimal. Ständig bleiben die eigenen Leute irgendwo hängen und man muss diese mühsam nachziehen. Während des Kampfes kommt es auch zu diversen Stilblüten meiner Mannen, aber dazu später mehr. Durch die Schnellleiste können jedoch viele oft genutzte Funktionen leicht zugänglich platziert werden. Auch wird durch die Pausefunktion viel Hektik aus den Kämpfen genommen, wodurch viele Steuerungsschwierigkeiten kompensiert werden. Abschließend bleibt noch die furchtbare Kameraperspektive. Zwar kann man zwischen mehrere Arten wählen, aber keine ist wirklich optimal. So ist der Blick in Dungeons oft durch Mauerwerk versperrt oder man muss mühsam nachjustieren. Gerade im Steuerungsbereich werden viele Spieler fluchen, da das ansonsten so atmosphärische Spiel hier unnötig ausgebremst wird und man mit Mikromanagement sinnlos aufgehalten wird.

Gameplay

Aber nun zum eigentlichen Spiel. Nachdem der Held im ersten Teil die Seuche aus Niewinter vertrieben hat, scheint auf den ersten Blick alles in Butter. Man beginnt im Sumpfkaff Westhafen als Pflegesohn eines mitteilungsarmen, ziemlich unfreundlichen Elfen, der als Vaterersatz dient. Per Dorffest erlebt man ein nett gemachtes Tutorial, das Lust auf mehr macht. Wie es weiter geht, soll jeder selber herausfinden, allerdings bleiben die ersten Stunden, aufgrund der geringen Partygröße, recht zäh. Erst nachdem man endlich in Niewinter angekommen ist, kommt die Story richtig in Fahrt. Man hat mittlerweile seine maximal drei Mitstreiter (wobei das im weiteren Verlauf ständig variiert) nebst tierischem Begleiter und das tolle Partyrollenspiel kann beginnen. (Meine Kampfsau Mort war immer an meiner verskillten Seite und rettete mir ein ums andere Mal meinen Halbelfenpopo!) Die drei Akte sind enorm umfangreich und unter 60 Stunden wird man das Spiel, wenn man alle Nebenaufgaben erledigt, kaum beenden. Nach den frei begehbaren Soloabenteuern in der Welt von Oblivion und Gothic, muss sich der gewillte Spieler aber erst einmal umstellen. Die Welt von Neverwinter ist nicht frei begehbar, sondern man holt sich Aufträge und schaltet dadurch neue Markierungen auf der Weltkarte frei. Nun "reist" (eher beamt) man dort hin, wodurch dieser Abschnitt wie eine Mission in einem Shooter geladen wird. Lediglich größere Siedlungen und Städte dienen als eine Art Zwischenstation zum Herumstreunen. Auch können die meisten Orte immer wieder besucht werden. Allerdings stört die dadurch etwas eingeschränkte Bewegungsfreiheit kaum. Ich fand es erfrischend, nicht mit endlosen Nebenaufträgen erschlagen zu werden. Die Entwickler haben es verstanden, den Spieler durch Klasse statt Masse bei der Stange zu halten.

Die Aufträge neben der Hauptstory sind nett gemacht, wenn auch nicht gerade zahlreich, aber man wird einfach mehr bei der Hand genommen. Dadurch bleibt der rote Faden immer klar vor Augen und die toll erzählte Story zieht den Spieler voll in ihren Bann. Die Aufträge sind abwechslungsreich und oftmals per jeweiliger Entscheidung beeinflussbar. Töte ich den riesigen Drachen oder nutze ich seine Gunst, um den König der Bergriesen auszulöschen. (Ich entschied mich übrigens für beides!) Auch bekommt man später ein eigenes Anwesen nebst Festungsbollwerk, um dessen Wiederaufbau sich der Spieler kümmern muss. (Eventuell von Spellforce2 abgekuckt? ;-) ) Fortan rekrutiert man auf seinen Reisen Händler, Krieger und Magier für seine Burg oder schließt Bündnisse mit diversen Fraktionen. In der finalen Schlacht darf man das Ergebnis der eigenen Bemühungen dann beobachten. Oder die Riesenspinne, die ich aus Mitleid fütterte, strickt mir im Laufe der Handlung einen besonderen Umhang als Dank für meine Freundschaft. Es ist wirklich erstaunlich, was hier an Handlungsfäden und liebevoller Storyerzählung eingebracht wurde. Besonders toll fand ich den Gesinnungsaspekt, der maßgeblichen Einfluss auf den Spieler hat. Nicht nur, dass einem bestimmte Klassen bei einem Gesinnungswechsel verwehrt bleiben, sondern auch die Umgebung reagiert darauf. Mein Paladin Begleiter, von Grund auf rechtschaffend gut, verlässt mich, wenn ich ständig Unschuldige schikaniere oder gar töte. Auch hat man teilweise Einfluss auf die Quests. Bekämpfe ich die Verbrecherorganisation in Niewinter oder schließe ich mich ihr an. Durch diese enorme Vielfalt lädt das Spiel auch zum mehrmaligen Durchspielen ein. Apropos Einfluss. Durch Gespräche, Handlungen und alleine durch die eigene Rasse nimmt man Einfluss auf seine Gefährten. Der Zwerg Khelgar zum Beispiel ist ein Raufbold der keinen Kampf sausen lässt. Allerdings wurde er von ein paar Mönchen windelweich geklopft, weswegen er nun ein eben solcher werden will. Nun liegt es am Spieler, ob man den impulsiven Zwerg bei diesem Vorhaben unterstützt oder es ihm als Albernheit ausredet. Je nach dem gewinnt oder verliert man Einfluss auf das Partymitglied. Auch die Streitgespräche unter den Partymitgliedern sind eine Wonne. Wenn sich zum Beispiel eben genannter Khelgar mit dem Tiefling Neeshka (eine teufelähnliche Rasse) ein Beleidigungsduell liefert, oder die besonnene Druidin Elanee versucht, den Spieler zu betören. Der Wiederspielwert ist wirklich enorm. Ich habe zurzeit erneut mit einem bösen Charakter begonnen, was zum Teil eine andere Queststruktur und Gesprächsthemen zur Folge hatte. Die Charaktere wachsen einem auch richtig ans Herz und bleiben keine seelenlosen Begleiter.

Auch die Charaktererstellung könnte umfangreicher nicht sein. Der Spieler wählt aus einem enormen Repertoire an Rassen, Klassen und Fähigkeiten aus. Alleine mit der Charaktergenerierung kann man sich stundenlang beschäftigen. Ich selbst zählte mich bis vor kurzem nicht zu den D&D Fans, zu komplex und undurchsichtig erschien mir das Regelwerk. Aber nach Neverwinter Nights 2 hat es mich einfach gepackt. Das leider nur in .pdf vorliegende Komplett-Handbuch offenbart nach eingehendem Studium so manches Regelgeheimnis. Wer aber gleich loslegen will, bekommt mit dem Empfohlen-Button einen Standard-Helden zusammengezimmert. Allerdings geht dabei viel verloren. Mein unwissend zusammengeschusterter Held zum Beispiel begann seine Laufbahn als Druide, konnte sich dann aber, aufgrund meiner Gesinnung, nicht mehr weiter spezialisieren, weswegen als Klasse ein Kleriker gewählt werden musste, der dann in weiteren zwei sog. Prestigeklassen sein unrühmliches Ende fand. Diese Alles-und-Nichts könnende Katastrophe begleitete mich fortan durch das ganze Spiel und es ärgerte mich ungemein, einen solchen Vogel als Haupthelden zu haben. Zum Glück ist Neverwinter sehr partylastig geworden, weswegen durch die anderen Gruppenmitglieder viele Defizite ausgeglichen werden. Man sollte als Einsteiger auf jeden Fall das Handbuch studieren, denn das eigentlich auf einer Pen&Paper Vorlage basierende Regelwerk (derzeit Version 3.5), mit seinen Würfeln, Talenten und komplexen Gegenstandswerten wirkt ungemein erschlagend. Hat man sich aber einmal reingelesen, kommt man nicht mehr davon los. Es ist einfach erfrischend anders, mal wieder mehrere Gruppenmitglieder zu steuern und taktisch anspruchsvolle Kämpfe auszufechten.

Zur Charakterentwicklung will ich nicht viele Worte verlieren, da das hier einfach zu weit führen würde. Das maximale Level (D&D typisch) ist Stufe 20 und es stehen dem Spieler 16 Rassen und 12 Klassen zur Auswahl. Diese wiederum können im weiteren Spielverlauf in sogenannte Prestigeklassen weiterentwickelt werden. Prinzipiell kann man auf jeder neuen Stufe eine neue Klasse wählen, was allerdings nur bedingt sinnvoll ist. Anhand dieser Daten sollte man die Komplexität erahnen können. Die optisch und auch akustisch schon in allen Tönen gelobten Kämpfe sind vor allem auch taktisch eine Herausforderung. Das beginnt bei der Gruppenzusammenstellung. Per Gasthaus, oder später in der eigenen Burg, kann man seine Gruppenmitglieder austauschen. Allerdings stellt man sich recht schnell auf eine Stammgruppe ein. Ein Schurke zum Entschärfen von Fallen und Truhen öffnen ist Pflicht und ohne einen starken Nahkämpfer geht man auch nicht aus dem Haus. Ein Zauberer sollte auch dabei sein und eventuell noch ein Heiler. Per Verstärkungs- und Schutzzauber geht es dann in die Schlacht, wobei die schwachgepolsterten Magier zwar viel Schaden austeilen, aber recht schnell umkippen. Es gilt also vieles zu bedenken und vor allem bei Zwischengegnern vorauszuplanen, denn im Gegensatz zu den meisten Rollenspielen gibt es keinen Manabalken, sondern es gilt die Zauber klug auszuwählen, da diese jeweils nur einmal pro Tag gewirkt werden können. Danach muss man rasten und die Fähigkeiten wieder aufladen. Ein Konzept, an das man sich erst gewöhnen muss. Allerdings belohnt das Spiel mit tollen Bosskämpfen. Ich glaube das Drachenduell werde ich nie vergessen. Das riesige Biest habe ich erst nach stundenlangem Kampf (es waren sicher 20 Versuche) endlich besiegt und war danach richtig stolz auf mich. Allerdings bringt das Partyspiel auch arge Schwächen in der KI zum Vorschein. Wie schon erwähnt bleiben meine Damen und Herren gerne mal zurück und müssen mühsam einzeln nachgezogen werden. Auch die Verhaltenseinstellungen während des Kampfes sind durchwachsen. Oftmals konnte ich meine Heiler und Magier sich selbst überlassen, denn ihre Zauberauswahl war in Ordnung. Allerdings kam es auch zu schlimmen Stilblüten. So verwandelte sich mein Druide ständig in einen Bären und ging in den Nahkampf, anstatt seine Gruppenmitglieder zu heilen. Die Verhaltenseinstellungen sind zwar recht umfangreich, aber bestimmte Dinge wie "Nur Heilen" etc. lassen sich nicht beeinflussen. Profis werden zwar sowieso alles selbst steuern, aber das war mir dann doch zu viel. Allerdings funktionierte die KI für Standard Kämpfe ganz gut und man konnte sich auch mal getrost zurücklehnen.

Bugs sind leider auch für Neverwinter Nights 2 ein Thema. Kleinere Unzulänglichkeiten, wie verdeckte Gesprächspartner in den Zwischensequenzen oder fehlerhafte Sprachsamples lassen sich noch verschmerzen, aber das Scriptingproblem, welches mit Patch 1.01 aufkam, war der Supergau. Die nachträglich zurückgezogene Patchversion bewirkte, dass es bei Scriptevents zu Aussetzern kam. Es konnte also passieren, dass der Spieler eine Horde Orks bezwingt und der darauf folgende Einmarsch des Oberbosses nicht ausgelöst wurde. Die Folge war ein Festhängen innerhalb dieser Szene. Wer hier gespeichert hatte, konnte einen alten Spielstand laden, denn es ging nicht mehr weiter. Mir passierte das sicher zehn Mal, bis ich kapiert hatte, dass man zum Auslösen die Hauptfigur ausgewählt haben musste. Eine ganz nervige Sache. Zwar hat man das mittlerweile im Griff, aber ohne Releasepatch und endlosem Nachpatchen scheint man heute kein Rollenspiel mehr genießen zu können. Vor allem die Hardwarehungrigkeit wurde etwas entschärft, die KI-Aussetzer sind leider immer noch drin.

Teil 1 der Serie war und ist heute noch ein beliebtes Multiplayer-Spiel, was vor allem am Toolset zum Erstellen eigener Inhalte liegt. Auch diesen Part haben die Entwickler von Obsidian Entertainment beim zweiten Teil nicht vergessen. Zwar konnte ich diesen bis jetzt kaum anspielen, aber es ist ohne weiteres möglich, die Kampagne mit drei Mitspielern kooperativ durchzuspielen. Durch das mitgelieferte Editortool lassen sich auch wieder leicht Mods erstellen, wodurch viele Community Projekte die Folge sein sollten. Ein eigenes Servernetzwerk, wie Blizzards Battle.net, gibt es allerdings nicht. Ein Spieler muss als Host fungieren und die anderen müssen als Clients bei diesem einsteigen.

Fazit

Neverwinter Nights 2 ist für mich das Rollenspiel des Jahres 2006. Zwar sind die direkten Konkurrenten Oblivion und Gothic 3 nicht 100%ig vergleichbar, da die beiden letzteren auf eine riesige freibegehbare Welt mit endlosem Handlungsspielraum setzen, aber nichtsdestotrotz sind die grundsätzlichen Rollenspielmechanismen wie Charakterentwicklung, Quests und Szenario ähnlich. Das komplexe Partymanagement, die liebevollen und abwechslungsreichen Quests, die aktive Beeinflussung und Interaktion mit den Partymitgliedern, die atmosphärische Storyentwicklung und das komplexe und meiner Meinung nach beste Charakterentwicklungskonzept aufgrund des D&D Regelwerks, machen Teil 2 der Serie für mich zum Favoriten unter den drei genannten Genrevertretern. Allerdings spielt hier der persönliche Geschmack eine große Rolle. Die Komplexität wird zu Beginn vor allem Einsteiger überfordern und die missionsbasierte Handlung ist eventuell nicht jedermanns Geschmack. Aufgrund der genannten Mängel, wie die Editorlastigkeit der Dungeons, die KI-Schwächen und nicht zuletzt der Bugs, bekommt dieser Rollenspielschatz nur eine 2+.


Geschrieben am 06.12.2006, Testkonfiguration: Athlon 64 3700+, 2GB Ram, Geforce 7800GT, SB Live 5.1
 



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