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Mirrors Edge  

Rückseite ]

Info
Autor 2+
 2
 2
 2.5
Gesamt (25 votes) 2+
 1.8
 1.5
 2.2
Name:Mirrors Edge
Genre: Ego- Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2009/01
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Dice
Offiz. Sites: Game
Hardware: 2.4Ghz, 1GB RAM, 256 MB PixelShader3, HD 8000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Gamepad
Sprache: Multilingual
Patch: 1.01
Bemerkung: Internetaktivierung notwenig, auch für Xbox360/PS3
USK: 16
Mirrors Edge (review von geuer)

Jeder hat schon einmal eine Großstadt erlebt. Mal wirkt sie mit ihren riesigen Gebäuden kalt, dunkel und grau. Zu anderer Zeit scheint sie wie eine sonnendurchflutete Schönheit - ein einziges architektonisches Wunderwerk; in seiner Gänze nicht fassbar und doch unglaublich anziehend. Von welcher Seite man die Stadt auch immer wahrnimmt, eines bleibt den wenigsten vergönnt: Ein Blick über die Dächer hinaus, fernab von den müden Blicken anderer; losgelöst vom irren Treiben der Massen, befreit von der eingeschränkten Sicht zwischen den Betonzeilen.

Diesmal gibt sich EA zusammen mit Dice die Ehre und entwickelte eine futuristische Stadt, auf deren Dächern der Spieler in einer bisher ungesehenen Agilität die urbanen Systeme erkundet. Was letztendlich genau dahinter steckt und wie gut die Umsetzung tatsächlich gelungen ist, soll im folgenden Review geklärt werden.

Schäubles Vision

Die einst pulsierende und lebendige Stadt, die Faith - Hauptprotagonistin und sogleich Identifikationsperson #1 des Spielers - ihr eigen nennt, wird schleichend vom Überwachungsnetzwerk des Staates umschlossen. Die meisten Menschen wählen den bequemen Weg und finden sich mit der immer steriler und vermeintlich sicherer werdenden Umgebung ab. Im Untergrund allerdings bildet sich eine Gegenbewegung, die der totalen Überwachung und der Korruption der Regierung entgegenzutreten versucht. Das wichtigste Bindeglied zur Informationsübermittlung im Kampf gegen das System stellen die sogenannten Runner dar. Diese liefern wertvolle Informationen, Nachrichten und Botschaften von einem Widerstandskämpfer zum nächsten; umgehen somit die Überwachung des Staates und finden sogar größtenteils Toleranz bei der Polizei. Dass dies nicht lange so bleibt, wird schnell deutlich: In einer ihrer Missionen wird Faith plötzlich von Polizisten verfolgt, ja sogar beschossen. Ab diesem Punkt geht alles ganz schnell: Faith befindet sich zur falschen Zeit am falschen Ort, wird für einen Mord verdächtigt und begibt sich nun während der Flucht auf die Suche nach dem wahren Übeltäter.

Die Story wird durch Cutscenes im Comicstil in einer sehr passenden Form wiedergegeben. Der Bruch von der 3-D-Spielumgebung in die 2-D-Comicwelt ist nicht störend, da die Umsetzung schlichtweg gut gelungen ist. Ohne viel vorweg nehmen zu wollen, ist die Rahmenhandlung inklusive Wendungen und der obligatorischen Auflösung sehr schön in Szene gesetzt, inhaltlich für Spiele dieser Art gut erdacht und vermag den Spieler für rund 6-8h zu unterhalten. Die reine Story kann somit überzeugen, wenngleich es nicht über das Handlungsniveau eines B-Movies hinauskommt, der ein wenig gesellschaftliche Missstände anprangert. Für ein Computerspiel dennoch gut, leider aber nicht in der Art umwerfend oder faszinierend, wie es durchaus hätte werden können.

Renn so schnell du kannst!

Nach einem kurzen einleitenden Intro steuert der Spieler Faith aus der Egoperspektive. Diese ist auf der ständigen Flucht vor der Polizei und versucht gleichsam die Verschwörung rund um die Ermordung des neu amtierenden Präsidenten aufzudecken. Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, muss sie nicht nur schnell laufen, sondern auch agile Bewegungen ausführen können, da diverse Hindernisse überwunden werden müssen. Das dabei stark an der Sportart "Le Parkour" orientierte Gameplay, stellt sich in der Steuerung für die Verhältnisse des Genres als komplexes, zugleich schnelles Zusammenspiel im Drücken der richtigen Tasten heraus. Einmal mit entsprechender Geschwindigkeit unterwegs, besteht die Fortbewegung aus der geschickten und sinnvollen Kombination aus Sprung-, Roll- und Kletterbewegungen - inklusive Wandlauf und dem Schwingen von Stange zu Stange. Die Besonderheit liegt dabei ganz klar in der gewählten Egoperspektive, die die gesamte Fortbewegung zunächst ungewohnt erscheinen lässt, denn eine solche Agilität gab es in einem First-Person-Shooter noch nie. Und schon hier sollte dem aufmerksamen Leser eine Frage ins Auge stechen. Was haben wir hier nun? Ein Jump-n-Run oder einen Ego-Shooter? Tatsächlich handelt es sich um eine geschickte Mischung aus beidem, wobei die Agilität mitsamt der Bewegung ganz klar vor dem notgedrungenen Schießen mit einer Waffe steht. So rennt man ein weitläufiges Dach entlang, schwingt sich mit Eleganz über einen Zaun, erklimmt in Windeseile die nächste Mauer und springt schon fast im nächsten Moment über eine tief klaffende Häuserschlucht, um im Anschluss durch eine geschickt angesetzte Rolle Verletzungen zu vermeiden. Dass dabei auch mal die Orientierung verloren geht, ist keine Seltenheit. Um genau das zu verhindern, haben die Entwickler die sogenannte "Runner-Vision" ins Spiel integriert. Diese färbt möglich wählbare Wege rot, sodass die Wegfindung ein Kinderspiel wird. Gerade zu Beginn ist das ein nützliches und notwendiges Feature, um den Bewegungsfluss beizubehalten. Ich persönlich schaltete nach angemessener Spielzeit diese Hilfe aus, wodurch der Weg zum Ziel nicht mehr in jener strikten Linearität vorgegeben wurde. Die Möglichkeiten, um zu einem Punkt zu gelangen, erscheinen dadurch vielfältiger und die Welt an sich wirkt offener; der Run über die Häuser unsagbar frei.

Doch nicht immer ist es möglich durch einfaches Rennen dem Gegner zu entwischen. An einigen Stellen ist der Kampf unausweichlich. Auch hier beweist Faith ihr akrobatisches Können. Von einfachen Schlägen mit der Faust über einen gut platzierten Jump-Kick bis zur kompletten und sofortigen Entwaffnung inklusive KO-Schlag, bietet das Spiel auch kämpferisch viele Möglichkeiten. Gerade die schnelle Entwaffnung der Gegner, die durch einen einfachen Tastendruck während kurzer Rotfärbung der feindlichen Waffe ausgeführt wird, ist während späteren Teilen des Spieles unabdingbar, denn Schnelligkeit bringt Zeitvorteile. Da das rote Aufblinken der Waffe gerade in fortführenden Kapiteln einem unglaublichen Reaktionstest gleicht, haben die Entwickler noch eine Zeitlupenfunktion hinzugefügt. Diese ist generell jederzeit verwendbar und lädt sich durch weiteres Rennen von selbst wieder auf. Bei Kämpfen im Allgemeinen ist dennoch äußerste Vorsicht geboten, da man gegen große Gegnermassen schlichtweg keine Chance hat - zu schnell wird man erschossen. Daher gilt es in den meisten Fällen die Beine in die Hand zu nehmen und die Flucht zu ergreifen.

Zusätzlich können Waffen aufgenommen werden, die mit ihren stark begrenzten Magazinen eine vorläufige Alternative zur Flucht bieten. Dies spielt sich dann wie in einem herkömmlichen Ego-Shooter. Zu empfehlen ist diese Vorgehensweise nur bedingt, da dadurch die Agilität stark eingeschränkt und die Aufmerksamkeit des Feindes schneller herangezogen wird.

Sind die grundlegenden Techniken rund um Kampf und Bewegung erst einmal erlernt, kann der Spaß beginnen. Hier hat man in der Steuerung die Auswahl zwischen Gamepad und Tastatur/Maus. Ich kam sehr gut mit der Tastatur- und Maussteuerung zurecht, während andere wohl eher auf die Zweitsteuerung schwören. Das ist letztendlich Geschmackssache, lässt sich nach gewisser Eingewöhnung allerdings von beiden Seiten gut spielen. Doch während des Spieles wird schnell deutlich, dass es auch bei diesen Möglichkeiten der Steuerung bleibt. So erwirbt man während des Spielverlaufs keine neuen Fähigkeiten, die das Rennen interessanter gestalten, Faith schneller machen oder stärken. Eine kleine Neuerung in der Steuerung hätte dem Spielverlauf und der Abwechslung im Gameplay durchaus gut getan. Dennoch ist festzuhalten, dass sich die ständige Flucht fordernd und gut spielbar steuert. Die Egoperspektive kommt ohne jegliches HUD aus. Sowohl eine Health- als auch eine Munitionsanzeige sind nicht vorhanden. Dadurch wirkt das Sichtfeld von vornherein weniger eingeschränkt und frei. Gegenstände oder gar ein Inventar gibt es nicht. Treten Verletzungen durch einen Sturz aus großer Höhe oder durch das Kreuzfeuer der Polizei auf, färbt sich der Bildschirm langsam schwarz/weiß. Dies ist sehr stilvoll gehalten und ersetzt eine Health-Anzeige lückenlos. Nach der Verletzung tritt ein Selbstheilungsprozess in Kraft, der nach kurzer Zeit die volle Lebensenergie wiederherstellt und im wahrsten Sinne des Wortes die Farbe zurück ins Spiel bringt.

Ein Meer aus Dächern

Grafisch weiß das Spiel zu überzeugen. Die Umsetzung für den PC kann im Vergleich zu den Konsolen sogar noch mit kleinen grafischen Extras wie zusätzlichen im Wind wehenden Flaggen, realistischeren Windeffekten oder detaillierter splitterndem Glas punkten. Mit der entsprechenden Hardware werden gerade bei schnellen Szenen unglaubliche Bilder erzeugt, die in ihrer wahren Intensität gar nicht richtig aufgenommen werden können. Gerade die Weitsicht bei den vielen Außenarealen ist beeindruckend. Die Stadt, wenngleich nicht komplett begehbar, da die Story und somit auch der Spieler einem linearen Handlungsstrang folgt, liegt einem einfach zu Füßen. Man selbst hat die uneingeschränkte Kontrolle über wählbare Wege und das wird auch grafisch spürbar. Die Schauplätze im Spiel belaufen sich dabei grob auf zwei verschiedene Areale, die sich als solches das ganze Spiel über abwechseln. Entweder befindet man sich draußen auf den meist übersichtlichen Dächern der Stadt oder in begehbaren Gebäuden, die durch eine rote Tür gekennzeichnet sind. Gerade die Außenareale sagten mir eher zu, da sie Freiheit suggerieren. Innenareale dagegen sind enger und wirken weitaus linearer. Gerade in Gebäuden wirkt die Grafik schlicht, hat bei näherem Hinsehen allerdings weiterhin ein sehr hohes Niveau. Auffallend ist dabei ein von Areal zu Areal wechselnder Farbton, der den Räumen zusätzlichen Stil verleiht. Auch digitale Anzeigetafeln in Fahrstühlen oder generell elektronisch erzeugte Werbung ist stets gestochen scharf lesbar. Vieles davon fügt sich wunderbar in den Kontext der totalen Überwachung ein und erzeugt somit eine glaubwürdige Atmosphäre. Grafisch ist somit sowohl der Innenteil als auch die äußere Umgebung überzeugend umgesetzt. Die Gebäude sind meist einheitlich weiß/grau dargestellt. Dies unterstützt nicht nur die Utopie des Überwachungsstaates, sondern fügt sich als einheitliches Ganzes optisch sehr passend in eine futuristisch vorstellbare Darstellung der Grundstory. Ansonsten bietet das Spiel durchweg einen hohen grafischen Standard - ob es nun die bereits erwähnte stilistische Farbwahl diverser Areale, die Darstellung anderer Charaktere oder gar die zahlreichen fotorealistisch anmutenden Situationen im Spiel betrifft. Vor allem Bewegungen jedweder Art wissen durch ihre butterweichen Animationen zu überzeugen. Es wirkt einfach alles wie aus einem Guss. Einzig allein die fehlende Abwechslung bietet den Ansatz für einen Kritikpunkt. Nach gewisser Zeit ähneln sich die Vorgehensweisen, um von einem bestimmten Punkt zum jeweiligen Ziel zu gelangen, sehr stark. Insofern gibt es keine Überraschungen mehr. Immer wird "nur" gerannt, gesprungen, ein Gegner umgeworfen - wieder gerannt und gesprungen - und generell schnellstmöglichst versucht den nächsten Ort zu erreichen.

Das an sich fordernde Gameplay mit der damit verbundenen Action lässt einen diesen Sachverhalt kaum bemerken. Dies ist der innovativen Spielweise und dem flüssigen Ablauf zu verdanken. Doch nach einiger Zeit ähneln sich zusätzlich auch verschiedene Abschnitte. Nicht nur, dass man prinzipiell acht Stunden am Stück die gleichen Bewegungen mit der Hauptfigur ausführt, bilden die Schauplätze weiterhin eine mindere Abwechslung. Das sei an dieser Stelle nicht falsch zu verstehen. Es wird sich viel Mühe gegeben. So begibt man sich durch die Tiefen der Kanalisation, verliert sich in U-Bahn-Schächten oder befindet sich im Herzen der Stadt - dem Rechenzentrum auf dem höchsten Gebäude. Doch bestehen die Außenareale weiterhin schlichtweg aus Dächern und die Innenareale führen meist durch diverse, sich in ihrer Fülle ähnelnde Räume. Kurz: Dach bleibt Dach, Raum bleibt Raum. Das ist dem Spiel im Grunde nicht einmal zu verübeln, da es ein weitgehend realtistisches Szenario einer utopischen Großstadt darstellen soll. Und da gibt es nun einmal nur Dächer über Dächer und hauptsächlich steril wirkende Räume. Doch innerhalb der innovativen Steuerung mit ihren zahlreichen Möglichkeiten und der fantastischen Egoperspektive würde eine ebenso abgedrehte sprich abwechslungsreichere Szenerie einen zusätzlichen Pluspunkt bilden. Dabei hätte man das Gebiet der Stadt nicht verlassen müssen. Zusätzlichen Kick und die erfrischende Abwechslung hätte ein gut erdachter Park, eine erquickende Mülldeponie oder ein öffentliches Gebäude wie Kino oder Theater mit zusätzlichen spielerischen Möglichkeiten und gegebenenfalls geschickt gescripteten Ereignissen geboten. Damit hätte der zusätzliche hinzukommende Kritikpunkt der scheinbaren Menschenleere mitsamt der kurzen Spielzeit von lediglich sechs bis acht Stunden ausgemerzt werden können.

Die Stadt wirkt gerade wegen ihrer Größe alles andere als lebendig. Dass die Bevölkerungsdichte auf den Dächern nicht ersichtlich wird, ist nachvollziehbar. Doch auch der Run durch Büros, Einkauszentren oder U-Bahn-Schächte offenbart dem Spieler keine einzige Menschenseele - einmal abgesehen von der Polizei und gelegentlich anderen erscheinenden Runnern. Gerade der Aufruhr von Menschenmassen durch die plötzlich auftauchende Polizei, erschrockenen Personen beim Anblick der Runner oder die bloße Darstellung vermeintlich alltäglicher Abläufe hätten dem Spiel ein unglaublich atmosphärisches Plus verliehen. Einzig und allein schattenhafte Umrisse der in der Stadt lebenden Menschen sind manchmal von den Dächern herab in die Tiefe blickend erspähbar. So wird der Sachverhalt der scheinbar menschenleeren Stadt zwar durch oft sichtbare Hinweisschilder mit Warnungen, die ausdrücken, dass die Bevölkerung aus Sicherheit das getraute Heim nicht verlassen sollte, legimentiert; verstärkt zusätzlich die Darstellung des einsamen Schicksals der Runner, die mehr oder weniger im Alleingang als Bindeglied der Untergrundorganisationen gegen den totalitären Staat agieren - lässt im Nachhinein dennoch den faden Beigeschmack einer menschenleeren Stadt übrig. Eine lebendige Umgebung ist in diesem Sinne somit schlichtweg nicht gegeben.

Der Wind pfeift in den Ohren

Die grundlegende Soundkulisse im Spiel inklusive musikalischer Untermalung ist sehr gut gelungen. Während des hitzigen Rennens spürt man nahezu den erschöpften Atem Faiths - fast so als wäre es der eigene. Ein Sprung von einem zum nächsten Dach endet mit gut gelungenen, gehetzt klingenden Rollen, woraufhin sich schnelle Schritte im Eiltempo hörbar vervielfachen. Zerberstendes Glas, verfolgende Helikopter und die aggressive Polizei sind - um nur einige Beispiele zu nennen - soundtechnisch gut umgesetzt. Auch die Musik sagte mir sehr zu. Gerade der Musiktitel im Hauptmenü und bei den Credits untermalt regelrecht das freie Spielgefühl, veranschaulicht somit auf erweiterter Ebene das Geschehen. So erwarten einen zuweilen durchaus poplastige, aber zur Hektik durchaus passende Tracks. Alternativ werden die umgebenden Dächer gepaart mit der brillanten Optik durch einen ruhigeren, somit stilvolleren Eintritt dem Spieler eröffnet. Die deutsche Sprachausgabe ist gut gelungen, wenngleich mir die englische Stimme von Faith mehr zusagt. Auch eine Erwähnung dürfen hier diverse Fehlsprünge erhalten, die einen mit einem schmerzhaften Knacken auf den Boden der Tatsachen - besser gesagt auf den Boden der Stadt - zurückholen.

Online-Features und Zusätze

Auch bei Mirrors Edge wird, wie bei allen neuen von EA veröffentlichten Spielen, eine Zwangsaktivierung während der Installation über das Internet gefordert. Weiterhin stützt sich der Spieleriese damit auf die Hoffnung Verkaufszahlen zu erhöhen, da der Handel von Gebrauchtartikeln dank weiterhin vorhandener Installationsgrenze weitgehend unterbunden wird. Auch hier kommt wieder der EA-Download-Manager zum Einsatz, inklusive wünschenswerter (allerdings nicht notwendiger) Internetverbindung während des Spiels. Die normale Kampagne wird komplett offline gespielt. Nach dem ersten Durchgang werden einige Extras wie eine Artwork-Gallerie und sämtliche im Spiel sichtbare Filmsequenzen freigeschaltet. Dies ist zwar nett anzuschauen, bildet allerdings weder einen Wiederspielwert, noch vermag es länger als zehn Minuten zu beschäftigen. Anders sieht die Sache bei zusätzlichen Extras aus. So existieren neben der Kampagne zwei Spielmodi: Speed-Run und Time-Trial. Während man bei ersterem nach einer bestimmten Zeitangabe das Level auf der Suche nach Abkürzungen durchsprinten muss, gilt es bei der zweiten Variante auf dem Gebiet verteilte Checkpoints zu durchlaufen. Beide Modi spielen sich im Grunde nicht nur sehr ähnlich, sind im Endeffekt sogar genau das Gleiche. Nach und nach schaltet man so weitere Time-Trial- bzw. Speed-Run-Areale frei. Diese sind leider alle dem Hauptspiel entliehen, bekamen somit keine neuen Karten spendiert. Wer also nicht darauf aus ist, alte Levels wieder und wieder unter Zeitdruck zu durchschreiten und neue Bestzeiten zu erzielen, kann auch einfach nochmal die Kampagne spielen. Das Online-Feature besteht - wer hätte das gedacht - ausschließlich aus dem Vergleich der jeweiligen Bestzeiten untereinander inklusive optionaler Darstellung des weltbesten Spielers als mitlaufenden Ghost. Das soll nicht heißen, dass gerade der Zeitdruck und der eigene Wille sich stets zu verbessern, nicht weiterhin ein forderndes Spielerlebnis erzeugt - nur hat es einfach nichts Neues zu bieten. Natürlich vermag es in gewissem Maße zu fesseln, doch bin ich kein Mensch, der ein Level bis in die Unendlichkeit erforscht, um am Ende nur eine weitere Zehntelsekunde zu erbeuten. Dies ist allerdings dem einfachen Rankingsystem geschuldet. Weitaus interessanter wären in dieser Form Runs im Mehrspielermodus gewesen. Dadurch wäre die fesselnde Brisanz der Geschwindigkeit; die Wichtigkeit jeder Nanosekunde sichtbar verdeutlicht. In einer möglichen Mehrspielervariante hätten auch die alten Strecken aus dem Singleplayer nicht gestört. So allerdings verkommt das Online-Feature zum einfachen Vergleich der Bestzeiten untereinander, was einem Echtzeitrennen um Welten unterliegt. Schön ist die weltweite Einordnung der eigenen Leistung natürlich trotzdem, doch für mich auf Dauer nicht reizvoll. Wünschenswert wären ebenso neu herunterladbare Karten gewesen. So gibt es zwar für die Konsolen und den PC ein "Pure-Time-Trial-Map-Pack", das mit sieben neuen und innovativen Karten auf den freudigen Spieler wartet, doch muss man dafür zusätzlich 7,99€ berappen, um es aus dem EA-Store laden zu können. Ich finde, dass gerade solche Zusätze zur Leistung dazugehören sollten, gerade wenn man das Spiel zum Vollpreis erworben hat. Der obligatorische Trailer für die Karten ist sehr vielversprechend und bietet genau diese Art von Extra, die ich mir gewünscht und vorgestellt habe. Den Aufpreis von rund acht Euro empfinde ich dann als wahre Dreistigkeit. Schade. Dabei gehörte es bei nunmehr älteren Spielen in anderen Genres zum allgemeinen Standard Karten gratis nachzuliefern. Weiterhin hätte ich mir einen Editor zum erstellen eigener Karten gewünscht. Dies wäre auch ein absolutes Muss, denn der dadurch entstehende Tausch im Internet würde das Spiel im Gesamten sehr langlebig gestalten.

Fazit

Mirrors Edge hat viele Stärken, weist aber auch einige Schwächen auf. Zunächst ist die an sich innovative Steuerung, noch mehr die damit eng verbundene, ungewohnte Egoperspektive zu loben, die das Spiel als eine Art Jump-n-Run mit Ego-Shooter-Elementen erfrischend neu gestaltet. Die unglaubliche Agilität, mit der man mit Faith von Dach zu Dach sprinntet, fließt in ein grundlegend sehr gut gelungenes Gameplay ein. Es spielt sich schnell, zügig und erbarmungslos. Zusätzlich bietet das Spiel eine herausragende Optik, die mit zahlreichen stilistischen Elementen zeigt, was Spiele der Next-Gen-Generation leisten können. Weiterhin bietet Mirrors Edge eine durchaus ansprechende Story mit einer guten Soundkulisse und wundervollem Ambiente. Einige Mankos sind leider dennoch vorhanden, beeinflussen zwar nicht den Spielspaß, verhindern allerdings die Höchstwertung. Dazu zählt neben der kurzen Spielzeit das zunehmend eintönig wirkende Leveldesign und die an sich stets gleiche Vorgehensweise, um von Punkt A nach B zu gelangen. Insofern spielt sich das Spiel trotz suggerierter Freiheit und einigen spielerischen Möglichkeiten sehr linear. Zusätzliche Abwechslung in Form eines direkten Schauplatzwechsels hätte dem Spiel sicher gut getan, ebenso die Spielzeit verlängert. Zusätzliche Extras nach der Singleplayer- kamapagne halten nur bedingt die Spannung aufrecht. Gerade die Möglichkeiten im Internet wurden nicht konsequent ausgenutzt, wobei man in dem Bezug vielleicht eine Verbesserung bei dem bereits geplanten zweiten Teil erhoffen darf. Letztendlich bietet Mirrors Edge dennoch sehr gute Unterhaltung, die allerdings für den derzeitigen Vollpreis, bedingt durch die verhältnismäßig kurze Spielzeit, den Geldbeutel ein wenig leer erscheinen lässt. Daher lautet die Devise lieber etwas zu warten, um ein wenig später ein sehr gutes Spiel in den Händen halten zu können. Die Aussicht auf die hiesige Höchstwertung ist, wie bereits erwähnt, tendenziell zwar vorhanden, wird durch beschriebene Schwächen allerdings verhindert, da es erst durch die Ausbesserung jener Mankos vollendende Perfektion erreichen würde. Schlussendlich bleibt trotzdem ein innovatives Spiel in meinem Schrank stehen, das ich hiermit jedem Jump-n-Run-Fan als gelungenen Genremix wärmstens empfehle. Kurz: 2+


Geschrieben am 14.03.2009, Testkonfiguration: Intel Quad Core 3,0Ghz, 4GB RAM, GTX260
 



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