yiya.de / reviews
Walkthrus..
Interviews
Specials
Reviews von A-Z
A B C D E F G H I
J K L M N O P Q R
S T U V W X Y Z #

M - Alien Paranoia
M.A.C.H.
M.Griffin Bounty Hunter
Machinarium
Mafia
Majin a.t. F. Kingdom
Malice
Marble Blast
Mario & Luigi: P. in Time
Mass Effect
Mass Effect 2
Matrix - Path of Neo
Max Payne 2
MechAssault 2
Mechwarrior 2
Mechwarrior 3
Mechwarrior 4 Veng.
Medal of Honor Breakt.
Medal of Honor Deluxe
Medal of Honor R. Sun
Medal of Honor: E.A.
Medal of Honor: PA
Medieval Lords
Memorick
Men of Valor
Metal Gear Solid 4
Metalheart
Metroid Prime
Miami Vice
Micky Epic
Mini Ninjas
Mirrors Edge
Mission: Impossible OS
Moment of Silence
Morrowind
Morrowind: Tribunal
Mortyr
MotorStorm
Mummy, The
Micky Epic  

Rückseite ]

Info
Autor 4+
 1.5
 1.5
 1.5
Gesamt (6 votes) 3+
 1.5
 1.4
 2
Name:Micky Epic
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2010/11
Publisher: Disney Interactive
Entwickler: Junction Point
Offiz. Sites: Game
Hardware: Wii
System: Wii
Sprache: Deutsch
zensiert: nein
USK: 6
Herstellerscreens
Micky Epic (review von yak)

Fehlende Zeit zum Spielen und Schreiben und der Mangel an guten Games haben dafür gesorgt, dass es bei yiya etwas gemächlicher mit der Reviewausbeute zugeht. Wenn wir früher auch ein mittelmäßiges Game zu Ende gespielt haben, um eine Rezension dazu zu schreiben, fehlt heute die Zeit und die Nerven dazu. Da schreiben wir lieber was zu schönen Spielerlebnissen oder völlig untergegangenen Games, die aber trotzdem Beachtung finden sollten. Ok, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Meine Wii führt mangels ansprechender Titel ein Schattendasein, da kommt es gerade recht, dass ein Spiel von Licht und Schatten, Farbe und Dunkelheit, die Spinnweben der Wii-Mote lösen sollte. Die Zutaten hören sich vielversprechend an: Ein klassischer Disneycharakter, ein düstere unheimliche Welt jenseits der bunten Cartoonfiguren in einen Spiel von Warren Spector, der uns schon mit Ultima Underworld, System Shock, Cybermage, Thief und Deus Ex zeigte, wie gute Spiele auszusehen haben.

Ein finanzstarkes Unternehmen wie Disney sollte zudem Garant dafür sein, dass ein Spiel in der bestmöglichsten Form zu Ende entwickelt wird, besonders dann, wenn der wichtigste Disneycharakter Held der Geschichte ist. Ob die Vorschusslorbeeren und Messeauszeichnungen jedoch zum fertigen Spiel Bestand haben, soll unser Review zeigen.

Die Entwickler haben für die Umsetzung die allbekannte Gamebryo Engine genutzt, die das Geschehen auch mehr als ansehnlich auf den Bildschirm bringt. Trennen muss man sich aber von dem Gedanken, dass man eine Disney typische bunte Heile-Gänschen-Welt zu Gesicht bekommt, schon Story bedingt ist das nicht gegeben. Mickey Epic (im englischsprachigen Raum Epic Mickey, warum auch immer diese unsinnige Deutsch-Stellung) spielt in einer düsteren Umgebung, mehr oder weniger die Schattenseiten des Disney-Universums, in dem die vergessenen Figuren ihr Dasein fristen. Schuld daran ist aber unser allseits beliebter und neugieriger Micky, der im Labor eines Magiers unvorsichtig war und dort Verdünner über eine Modellstadt verschüttet hat, die aber keine Modelstadt war, sondern der einst wunderschöne Lebensraum für die auf's Abstellgleis verfrachteten und in Vergessenheit geratenen Figuren. Allen voran der Hase Oswald, der dort das Sagen hat. Jahre ziehen ins Land und Mickey wird zum Star, doch eines Nachts wird er in die Schattenwelt gezerrt und muss sich dem Stellen, was er vor Jahren verursacht hat … und das Hase Oswald nicht unbedingt zu seinen Freunden zählt, dürfte klar sein.

Die Engine vermag es gut, die teilweise vom Verdünner ausgemergelte Welt mit ihren teils verätzt und gealtert aussehenden Gebäuden, teils aber auch comicbunten Bereichen darzustellen, das wurde gut und ansprechend umgesetzt. Abwechslung wird ebenso geboten, denn Mickys Reise führt durch die unterschiedlichsten Umgebungen, von Pirateninseln, Geisterschlössern und Dschungelpfaden, bis hin zu einer Zukunftsstadt. Die Figuren wurden ebenso liebevoll umgesetzt und gut animiert, Micky bewegt sich so, wie aus den Cartoons gewohnt und die Bewohner der Orte kennt man aus den Schwarz-Weiß-Uralt-Filmen, was aber zugleich deren Variationsreichtum einschränkt. Faktisch sehen alle gleich aus, mit Ausnahme einiger Schlüsselfiguren und Bosse, wie z.B. Kater Karlo, Smee oder Captain Hook. Was mir nicht gefallen hat, sind die Comicbuch-artig eingebundenen Zwischensequenzen. Sie wirken stilistisch überhaupt nicht passend, weil sie eher den Cartoonstil der 60-70 Jahre präsentieren und nicht dem ansonsten 30er Look des Games. Die mit der Engine erzählten Zwischensequenzen sehen hier viel stimmiger aus.

Negativ bei der technischen Umsetzung fällt auch auf, dass das Spiel viel zu dunkel daherkommt. In dunklen Passagen, von denen es eine Menge gibt, sieht man einfach nichts. Da das Spiel keine eigenen Einstellungen für Helligkeit oder Gammawert besitzt, umso ärgerlicher, wenn man seinen mühevoll kalibrierten High-End LCD umstellen muss, nur um ein Spiel ordentlich spielen zu können.

Musik und Sound stimmen und unterstützen die Spielstimmung gut, auch wenn es hier einige Einschränkungen gibt. Warum muss man in der Piratenwelt unbedingt den "Fluch der Karibik Sound" nachaffen? Der Disneyfundus bietet hier sicher passendere Vorbilder. Dass das funktioniert, zeigt der Komponist ja, wenn er z. B. auf der Mean Street das aus den Freizeitparks bekannte "It's a small world" Thema integriert. Dennoch gibt es hier nichts zu beanstanden und die Soundumsetzung ist als ausgesprochen gelungen zu bezeichnen - besonders im Finale kommt dann der herzerwärmende Disneysound vollends zur Geltung.

Das Spiel hat keinen wählbaren Schwierigkeitsgrad und speichert automatisch, leider ein wenig zu oft, denn es kam häufiger vor, dass man in Situationen kam, an denen man gerne einen Checkpunkt vorher erneut spielen würde, dann nämlich, wenn man nicht mehr in den vorherigen Bereich zurück kann oder sich bei der Lösung eines Rätsels für einen anderen Ansatz entscheiden will. Das geht dann leider nicht mehr, denn der Spielstand wird ständig überschrieben. Für Secretsucher eine echte Pein. Die Steuerung wird diesmal im Bereich Gameplay besprochen, deswegen, weil er sich extrem auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt und zudem auch das größte Defizit Spieles darstellt.

Doch wie spielt sich nun das 3rd Person Action Adventure Micky Epic ? Ein ordentlich gemachtes Tutorial, das Micky auch gleich mit einem seiner Widersacher bekannt macht, erklärt die notwendigsten Manöver. Micky wird mit der grundlegenden Bewegungsoptionen vertraut gemacht und erlernt kurze Zeit später auch den Umgang mit dem magischen Pinsel, den er, gesteuert über den Zeiger der Wii-Mote, auf den Screen punktgenau palzieren kann. Damit kann er unmittelbar sein Umfeld beeinflussen. Ausgelaugte Gegenstände kann er mit Farbe auffrischen und im Gegensatz dazu ihnen mit Verdünner die Farbe wieder abwaschen und so auch ihre Form verändern. So kann er defekte Brücken wieder herstellen oder auch wieder zerstören, entsprechende Mengen Farbe oder Verdünner vorausgesetzt. Nachschub findet er in umliegenden Gegenständen wie Fässern oder Kisten, die er mit einer Wirbelattacke öffnen kann, ebenso hinterlassen erlegte Gegner Nachschub.

Dass die Wirbelattacke wie gewohnt mit dem Hin und Her schütteln der Wii-Mote erfolgt ist mittlerweile wohl auf der Wii ein Steuerungszwang, um den Motionaspekt zu unterstützen. Ich empfinde das als unnötig und ärgerlich, zumal man dann auch nicht zeitgleich mit dem Farbmarkierer agieren kann und somit die WiiMote um weitere Steuerungsmöglichkeiten beschneidet. Warum die Entwickler immer noch, selbst nach 5 Jahren, diesen dummen Fehler machen, kann ich nicht verstehen, warum nicht einfach Button X für einen Angriff nehmen, andere Attacken gibt es ohnehin nicht. Damit beschneidet man nur den Gamefluss, da jetzt nicht mit Farbe oder Verdünner Gegner angegriffen werden können. Dass man beim Hin und Her Rütteln gleichzeitig nicht mit der WiiMote zielen kann, sollte jedem klar sein, vom Tennisarm einmal ganz abgesehen.

Doch zurück zum Färben und Entfärben. Im Prinzip ist das "Terraforming" seit Red Faction nichts Neues mehr, nur hat es hier einen neuen Namen und sieht zugegebenermaßen auch schön aus. Jedoch sind die umformbaren Gegenstände stark begrenzt, zumindest die, die sich spielrelevant auswirken, ansonsten geht nur etwas Lack von der Fassade ab.

Micky bekommt zu Beginn des Spiels einen Begleiter an die Seite gestellt, der ihn durch das Tutorial begleitet und weiterhin mit Tipps versorgt. Kobold Gus hilft ihm, wenn es darum geht, die Schwachstellen der Gegner zu erkennen. Im Prinzip hat Micky bei fast allen Gegnern die Option, sie zu seinen Freunden zu machen, indem er ihre vom Verdünner verseuchten Körper mit Farbe auffrischt, worauf hin sie ihm dann zur Seite stehen - oder er schlägt sich auf die Dunkle Seite der Macht und löscht ihnen das Cartoonlicht mit Verdünner aus, und sie enden als Farbsuppe auf dem Boden. Im weiteren Spielverlauf bleibt es aber nicht so einfach, es gibt Gegner, deren Panzer erst mit Verdünner geknackt werden muss und sollte man Farbe auf sie spritzen, erneuert sich die schützende Hülle. Dann gibt es fiese Besen aus Fantasia, die selbst Verdünner ausspeien und so das Umfeld einschmelzen oder bereits befreundete Gegner wieder entfärben. Levelbosse müssen etwas trickreicher angegangen werden, doch auch hier hat Mickey die Option, sie mit Farbe zu Freunden zu machen oder sie mit Verdünner zu erledigen.

Hat Micky die ersten Hürden und den Tutorial Level überstanden, landet er auf der Mean Street, dem Verbindungsknoten zwischen den einzelnen Ortschaften des Universums. Hier geht es vorerst friedlicher zu, er kann mit den Bewohnern sprechen, die ihm kleinere Aufgaben stellen und, sollte er sie erledigen, mit besonderen Gegenständen und ein paar E-Tickets, der Währung im Spiel, entlohnen. Er kann den Eisladen besuchen, ein Detektivbüro, das Museum oder auch Kater Karlo im Rathaus einen Besuch abstatten. Doch bei den kleineren Dienstleistungen auf der Mean Street kann es nicht bleiben, denn es gilt weiterhin, die Welt vor dem Untergang zu retten. Daher muss Micky sich Zugang zum nächsten Ort verschaffen, aber die Projektionsleinwand, die als Verbindungsportal dient, ist defekt. Doch der freundliche Kobold kann sie mit ausreichenden Energieknoten wieder in Gang bringen. Das ist im Prinzip auch das Schema, um weiter im Spiel voran zu kommen. Hat man genügend Energieknoten gesammelt, repariert der Kobold ein entsprechend neues Portal. Durch die kleineren Gefälligkeiten auf der Mean Street und dem Kauf eines Energieknoten im Einkaufsladen kann Micky genügend Energieknoten aufbringen, damit der Kobold das Portal aktivieren kann. Damit geht es dann für Micky in die nächste Stadt namens Oz Town.

Damit Micky die Stadt aber erreicht, muss er erst in die Projektorwand springen und durch einen alten Cartoon, der in Form eines mehr als einfach gestrickten 2D Jump & Run Level präsentiert wird, reisen. Ich empfinde das als einen unnötigen Stilbruch, von der recht ansehnlichen, identifikationsleichteren 3D Ansicht in einen Old-School 2D Jumper zu wechseln. Hier kann man zwar ein paar E-Tickest und Filmrollen für weitere Boni sammeln, spielerisch bringt das aber nicht viel zum Gesamtempfinden und nervt durch die missratene Steuerung mehr, als es gut tut. Zudem muss man, jedes Mal, wenn man die Ortschaften wechseln will, wieder durch diese Level - und man wird oft, mehr als oft, für kleine Dienstbotengänge von den Bewohnern der einzelnen Ortschaften, dazu gedungen. Das törnt mehr ab, als es Spaß macht. Oh, Klarabella will ein Eis aus der anderen Ortschaft? Was, Blumen aus Oz Town in die Piratenwelt? Oh, das geht ja nur über die Mean Street, also gleich viermal durch die 2D Jump & Run Level. Ich habe es dann nachher gelassen, jeden kleinen Auftrag zu erfüllen.

Die 3D Level, die sich den Ortschaften anschließen, machen da schon mehr Spaß. Man muss defekte Fahrgeschäfte reparieren, indem man Ersatzteile findet oder mit Verdünner deaktivierte Zahnräder mit Farbe wieder herstellen, Kobolde befreien, die Micky weiterhelfen, Türen öffnen oder Mechanismen wieder instand setzen. Es gibt hier einige wirklich schöne Knobeleien, besonders wenn man es darauf anlegt, alle Aufgaben in einem Level zu erledigen, was nicht einfach ist. Es gibt gut versteckte Gegenstände, die unter Einsatz vom Verdünner entdeckt werden wollen, wie z. B. die Teile von mechanischen Ebenbildern von Mickys Freunden. So warten Roboter-Versionen von Goofy, Donald und Daisy auf ihre Instandsetzung. Dabei handelt es sich aber vielmals um Zusatzaufgaben, die nicht notwendigerweise für den Spielplot gelöst werden müssen. Um die Aufgaben und Rätsel anzugehen, ist es jedenfalls notwendig, den Level genau zu erkunden und überall mal ein wenig Verdünner zu entleeren, vielleicht findet man ja etwas oder aktiviert dadurch ein Ereignis.

Micky bekommt auf seiner Reise zudem auch noch ein paar Gadgets. Ihm stehen Wächter zur Seite, die er, einmal aufgenommen, auf die Feinde hetzten kann und sie ihm im Kampf unterstützen. Sie gibt es in zwei Versionen. Wächter auf Basis von Farbe und von Verdünner, die entsprechend gleichlautenden Schaden verursachen. Ebenso erhält Micky später noch drei zusätzliche Items. Einen TV, den er im Umfeld platzieren kann, um Stromversorgungen zu aktivieren oder einfach nur, um Gegner mit dem TV Programm kurzzeitig abzulenken. Ein Amboss kann dazu benutzt werden, um ihn auf Gegner zu werfen, Bodenschalter zu aktivieren oder als Gegengewicht zu dienen. Ebenfalls ist noch eine Stoppuhr dabei, die die Zeit für Gegner und Umfeld verlangsamt. Diese Items sind jedoch auf eine bestimmte Anzahl limitiert und können nicht unbegrenzt eingesetzt werden. Im Prinzip braucht man sie allesamt sicher nur 4-5 Mal für das Hauptquest, ansonsten sind sie kaum notwendig.

Und hier zeigt sich auch ein grundlegendes Problem am Spieldesign von Micky Epic, es enthält viele Optionen, nutzt sie aber nicht relevant. Man erhält für das Lösen kniffliger Aufgaben unzählige Medaillen und Auszeichnungen, spielrelevant sind sie jedoch nicht, sie sind lediglich ein statistischer Wert. Hier fehlt der Zusammenhang zum Spiel völlig. Das einzige, was sich Charakter-technisch auswirkt, ist das Einsammeln der Filmrollen in den 2 D Leveln, hierfür bekommt man am Kino der Mean Street Boni freigeschaltet, wie z. B. zwei alte Originalcartoons und vor allem aber auch Verbesserungen für den Helden, wie zusätzliche Lebensherzen oder erhöhte Tragfähigkeit von Items. Das ist es aber dann auch schon. Schöner wäre es doch gewesen, wenn man für eine tolle Heldentat einen Bonus erhalten hätte und nicht für das stupide Einsammeln von Gegenständen in den 2D Jump & Run Passagen.

Micky Epic wäre noch befriedigendes Spielerlebnis gewesen, gäbe es da nicht das absolute No-Go: die Steuerung und die Kameraführung. Das Jump & Run und 3rd Person Action Adventure ist ja seit jeher mein Metier und ich habe daher auch ausreichend Vergleichsmöglichkeiten. Wie es ein solches AAA Produkt mit diesen Mängeln durch die Qualitätssicherung und Probespielersessions geschafft hat, ist mir ein Rätsel. Die Kamerasteuerung von Mickey Epic gehört eindeutig zu den schlechtesten aller Zeiten, und ich rede hier nicht von den letzten paar Jahren, sondern wirklich von den Ursprüngen der 3D Games. Hier haben die Ursprünge der 3D Games wie Mario 64, die sicher auch ihre Probleme hatten, dennoch die Nase um Längen weiter voraus als das hier vorliegende Micky Epic. Es scheint, dass die Entwickler hier einen Modus integriert haben, damit man die besten Screenshoots machen kann, sicher aber nicht, um dem Spieler die notwendige Übersicht zu verschaffen. Es ist wirklich kaum zu glauben, aber die Kamera nimmt selbstständig fast immer die absolut ungünstigste Position ein. Gegner werden nicht richtig gesehen, Fallen und Abgründe ebenso wenig, so dass man oft gezwungenermaßen einfach auf gut Glück springen muss. Man wird praktisch das ganze Spiel über dazu gezwungen, die Kamera selbst immer manuell auszurichten. Das wäre ja noch vertretbar, aber oft kann die Kamera an bestimmten Stellen nicht selbst gesteuert werden - und das sind zumeist Stellen, an denen es am notwendigsten wäre. Was hat man davon, wenn der Bereich, in den man springen will, sich am unteren nicht sichtbaren Bildschirmbereich befindet, dafür aber der gesamte Hinterbereich den Screen einnimmt, aus dessen Richtung man kommt? Sich mit Gegnern in engen Räumen oder Gängen ein Gefecht zu liefern, endet zwangsweise im Chaos. Die Kamera spielt verrückt, dreht sich, man verliert die Orientierung oder sieht gar nichts mehr, weil die Spielfigur und die Gegner verdeckt werden. Die Gegneraufschaltung bringt hier ebenso wenig Übersicht. Das Spiel zwingt den Spieler förmlich dazu, seine Scharmützel dort auszutragen, wo man mit den wenigsten Kameraproblemen zu rechnen hat, was bedeutet, im freien Feld. Wobei dadurch strategische Punkte wie Felsvorsprünge oder Kisten meist gemieden werden, weil es nicht richtig funktioniert. Dieser Effekt tritt zwar nicht immer auf, doch dominiert er sicher den gesamten Spielverlauf. Weitere Beispiele: Micky muss Generatoren ausschalten, die Roboter produzieren. Also muss er erst den Roboter erledigen, damit die empfindliche Stelle des Generators beim Öffnen und Freilassen eines neuen Roboters beschädigt werden kann. Klasse! Micky steht direkt vor dem offenen Generator, doch der Zeiger der Wii-Mote lässt sich von dieser Position nicht direkt auf den Generatorkern lenken, die Kamera weigert sich ein paar Zentimeter darunter einfach, weiter nach oben zu fahren! Sprich: neuer Versuch, denn nach dem Einnehmen einer neuen Position hat sich das Tor bereits wieder geschlossen.

Zu der absolut missratenen Kamera gesellt sich dann auch noch eine suboptimale Steuerung der Figuren, von dem bereits erwähnten WiiMote-Rüttel-Angriff ganz zu schweigen. Micky Epic hat ein Steuerungsproblem, dass schon unzählige Uralt-Jump & Runs aufweisen: Komisches Sprungverhalten. Es zu beschreiben ist nicht ganz einfach, wer das Problem aber kennt, dem wird es schnell bewusst. Die Sprungkurve der Figur und die Kollisionsabfrage am Plattformrand bewirken, dass Micky oft einfach gegen die Kante oder darunter prallt, um wieder unten zu landen. Unpräzise und schwabbelig, so dass gefühlt jeder dritte Sprung nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Wer Tomb Raider 1 kennt, ahnt ungefähr, was auf ihn zukommt, ich finde es aber bei Micky noch schlimmer ausgeprägt. Tomb Raider war da zumindets berechenbarer. Micky bleibt zwar auch an Vorsprüngen hängen und zieht sich hoch, aber meistens kickt er einfach gegen die Wand und zurück. Hier fehlt wirklich eine ordentliche Feinabstimmung und gut Steuerbarkeit sollte bei einem Produkt der heutigen Zeit ein Muss sein. Hinzu kommt noch die selbstständig drehende Kamera und die Notwendigkeit, die Sprungrichtung mit der Kamerabewegung zu synchronisieren, denn der Blickwinkel beeinflusst die Laufrichtung. Das bedeutet: im Sprung die Richtung nachkorrigieren. Sowas endet dann leider viel zu oft in Try & Error, als es einem lieb ist und bedenkt man, dass Disneyspiele eine zielgruppengerechte leichte Zugänglichkeit als Pflichtvorgabe enthalten sollten, wiegt dies doppelt so schwer.

Try & Error ist nicht nur bei den auswendig lernen der Sprungpassagen Pflicht. Es gibt auch genug andere Spielfeatures, die das einfordern. So z. B. gegen Ende des Games, wo es einen Turm zu erklimmen gilt. Unter Micky brechen dann z. B. Treppen weg, die ihr Zusammenbrechen jedoch nicht ankündigen bzw. so schnell unter ihm einstürzen, dass man sich auch mit schneller Reaktion nicht in Sicherheit bringen kann. Hier heißt es einfach, auswendig lernen, wo man später hintreten darf und wo nicht. Ein weiteres Beispiel von fehlendem Feintuning: Eine Orgel muss repariert werden und das geschieht durch das Springen auf die vorgegebene Orgeltaste. Erreicht man diese nur Sekundenbruchteile zu spät, darf man neu anfangen, das Lied nachzuspielen. Dazu ist zu erwähnen, dass die Tasten weiter auseinanderliegen und sollte man nicht schon vor dem Blinken der Taste in die entsprechende Richtung laufen, kann man es zeitlich nicht mehr schaffen. Das bedeutet, dass man das Rätsel nie im ersten Anlauf, bei noch so guten Reaktionen schaffen kann, sondern nur durch herantasten und auswendig lernen. Hinzu kommt natürlich noch die hierfür zu unpräzise Steuerung, so dass man gerne mal auf zwei Tasten landet.

Einmal durchgespielt kann man eine neues Spiel starten, bei dem man die bereits erhaltenen Auszeichungnen behält und versuchen kann, die restlichen zu finden. Als letztes sollte noch das inflationäre Geldsystem erwähnt werden. Man kann in Shops z.T. nicht erhaltene Gegenstände nachkaufen. Wenn man z.B nicht mehr in den Level zurück kann, um z. B. Goofy Ersatzteile zu suchen. Das aber kostet eine Menge. 1000 E-Tickets pro Teil und mit der Vergabe ist man nicht gerade verschwenderisch. Ich habe vielleicht das gesamte Spiel über 2500 E-Tickets gesammelt (abzüglich der notwendigen "Rechnungen" für Questgeber). Pro Durchlauf eines 2D Levels erhält man vielleicht so um die 40-50 Tickets. Da kann man sich ausrechnen, wie lange man "farmen" muss.

Bugtechnisch machte sich nur ein kleiner Fehler negativ bemerkbar. In einem Quest sollte man mit Verdünner unsichtbar gemachte Pflanzen wieder herstellen. Hat man aber bereits vor Questannahme ein paar Pflanzen mit Farbe hergestellt, hat der Zähler diese nicht mit berücksichtigt. Das Quest konnte aber dennoch beendet werden.

Fazit

Ich hab mich echt auf Micky Epic gefreut. Ich mag die Disney Charaktere, das Setting hörte sich interessant an und der Name Warren Spector lies Gutes hoffen. Doch Micky Epic ist für mich eine Enttäuschung geworden. Die absolut unzulängliche Kamera und die Steuerungsdefizite lassen in den ca. 15 Spielstunden so viel Frust aufkommen, dass das eigentliche Spiel darunter verloren geht. So mag es vielleicht auch unfair klingen, aber rückblickend bedauere ich, das Spiel gespielt zu haben, weil zu viel Negatives in Erinnerung bleibt. Die Schwelle das Negative mit dem Positiven abzuwägen wird hier eindeutig von den negativen überschattet. Micky Epic wäre aber ohne die Defizite als Spiel nicht gut genug, um sich mit solchen Mängeln arrangieren zu können, dafür enttäuscht es auf zu vielen Ebenen. Die Erkundungsfreiheit wird eingeschränkt, da man nicht mehr an alle Orte zurück kann, die schlecht gemachten 2D Jump & Run Teile und die Comic-Zwischensequenzen sind ein Stilbruch, der den Spieler aus der Atmosphäre reißt, zu viel Kleinkram-Dienstbotenquests verwässern die Story und Belohnungen wirken sich meist nur statistisch aus. Was mich aber vor allem enttäuscht ist, dass mich das Spiel nicht mitgerissen hat. Der Funke springt nicht über und es wirkt eher wie eine herzlose Auftragsarbeit um nach Strichliste Features abzuhaken, was jedoch durch das ständige Aufregen der miesen Kontrolle herrühren mag. Wenn ich an die PS2- Teile der Kingdom Hearts Serie denke, die den Spieler gleich von Anfang an mitgerissen haben, weiß ich, was ich an Micky Epic vermisse. Die Figuren, ihr Charme, die Settings und gewählten Disneycharaktere kamen hier viel besser zur Geltung. Freundschaft und Aufopferung, ein Thema bei Micky Epic, wird praktisch erst im finalen Abspann genutzt, das zwar dann ganz nett in Abhängigkeit davon, ob Micky Gegner verschont oder Freunde gerettet hat, aber das reicht nicht, um das Spiel insgesamt mit Atmosphäre zu versorgen. Ich weiß auch nicht, ob die miese Kamera und unzulängliche Steuerung das Spielempfinden bei mir so drückt, dass ich das eigentliche Game darunter nicht wahrgenommen habe, aber auch wenn dem so ist, haben die Designer ihr Ziel verfehlt. Ich würde Micky Epic auch mit besserer Steuerung nicht mehr als ein Befriedigend geben. Im jetzigen Zustand reicht es nur für eine 4+. Das im Text mehr gemeckert wird als über den Spielablauft trifft es daher ganz gut, denn so passt der Text anteilmäßig zumindest zum Spielempfinden. Es gibt nicht unwahrscheinliche und nachvollziehbare Gerüchte, dass Nintendo zum Japan-Release des Spiels den Entwicklern bei der Kameraüberarbeitung aushelfen will - nötig wäre es.


Geschrieben am 20.06.2011, Testkonfiguration: Wii
 



15 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Gut (4 von 5 Punkten)
Ihre Bewertung dieses Artikels:
Bitte hier nur auf den Artikel selbst eingehen (nicht auf das Thema oder ggf. die Autorenwertung). Anmerkungen zu Thema/Artikel oder eine Ansprache des Autors sind im Besprechungs-Board unseres Forums möglich.

Druckversion | Seitenanfang © Copyright bei yak, Nutzungsrechte bei yiya.de / walkthru.de