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Legacy of Kain: Defiance  


Info
Autor 2
 1.5
 1.5
 2.5
Gesamt (103 votes) 1
 1.8
 1.6
 2.3
Name:Legacy of Kain - Defiance
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2004/02
Publisher: Eidos
Entwickler: Crystal Dynamics
Offiz. Sites: Game
Links: nosgoth.net
Links: thelostworlds.net
Hardware: 700Mhz, 128MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 2000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
FFeedback: ja
Sprache: Deutsch
zensiert: nein
Serie: ja
Bemerkung: auch für Xbox, PS2
USK: 16
Legacy of Kain - Defiance (review von yak)

Der Kreis schließt sich. Mit Blood Omen: Legacy of Kain erschien 1996 der erste Teil einer meiner Computerspiellieblingsserien. Das Konzept und die Story basiert auf den Ideen von Silicon Knights (u. a. Eternal Darkness) und wurde von Crystal Dynamics umgesetzt. Teil 1 präsentierte sich noch als Action RPG in der Iso Perspektive. Kain wurde dort zum Vampir und die epische Geschichte um Vampirclans und Säulen Nosgoths fand dort ihre Ursprünge. 1998 übernahm dann Raziel in Soul Reaver die Geschicke um die Zukunft der Vampire, diesmal jedoch in Gewand eines 3D Action Adventures mit Kain als Rivalen, dessen Fortgang Ende 2001 in Soul Reaver 2 weitererzählt wurde. Doch auch Kain sollte "gehört" werden und so wurde seine Geschichte rund um Nosgoth im Jahre 2002 in Blood Omen 2 geschildert, wenn es auch vom Spielprinzip hier eindeutig in Richtung "Kampfspiel" tendierte und meine Erwartungshaltung der Serie nicht erfüllte und für mich so zum enttäuschendsten Spiel der Reihe wurde.

Nun steht das große Finale ins Haus. Kein Soul Reaver 3 oder Blood Omen 3 - vielmehr bietet uns Crystal Dynamics im Finale das praktische Two-In One Paket, das die verworrenen Zeitbahnen der großartig erzählten Geschichte um Kain und Raziel in einem einzigartigen Showdown vereinen soll. Dabei war ich anfangs recht skeptisch, wenn man die vom Publisher veröffentlichte Featureliste studierte. So bewies die Vergangenheit, dass von vielen Ankündigungen nur wenig davon vernünftig im Endprodukt präsent waren (Tomb Raider- Angel of Darkness, Commandos 3, DeusEx2). So las ich die Ankündigung zu Defiance mit mehr als gemischten Gefühlen, schien es doch so, dass man gerade die Elemente "vereinfachen" wollte, die die Serie für mich interessant und so einzigartig machten. Leichter zugänglich, mehr Kämpfe usw. Wieder ein vom Konzept ursprünglich stimmiges Game, das auf Kosten der "Vermainstreamung" für den Massenmarkt all seinen Charme und Charakter verliert? In einigen Punkten trifft dies im Detail sicher zu, ob aber das Gesamtergebnis dennoch einen alten Soul Reaver Fan zufrieden stellen konnte, soll unser Review zeigen.

Zur Technik: Um es kurz zu machen. Wie schon Soul Reaver 2 für mich damals den Graphik-Standard in diesem Genre neu definierte, steht Legacy of Kain: Defiance dem nicht nach. Selten schafft es ein Computerspiel, eine so glaubwürdige und bis in jedes Detail ausgearbeitete Welt zu kreieren- man glaubt wirklich, "dort" zu sein. Düstere, nebeldurchzogene Wälder, verfallene Ruinen, die dennoch den Glanz und die Pracht alter, besserer Zeiten ausstrahlen, verschneite Schlösser in den Bergen mit einem eindrucksvollen Panorama auf die Bergmassive, unterirdische Katakomben mit Tropfsteinhöhlen, Grabkammern und Verliese, bis hin zu den Türmen Nosgoths oder Voradors Domizil. Fackeln heben mit ihrem flackernden Licht das Umfeld aus der Dunkelheit und in Wasserpfützen spiegelt sich der unheilvolle Nachthimmel. Die Architektur der Gebäude und ihre Detailvielfalt ist unglaublich. Wasserspeier verzieren die Burgzinnen, aufwendige Wandmalereien schildern die Geschichte der Vampire, staubige Bücherregale und Wandteppiche zeigen den Luxus vergangener Zeiten. Die Texturen sind großartig und man kann den Staub fast riechen, der aus den bröckeligen, sandigen Wänden strömt. Was die Designer hier wieder erreicht haben, sollte Hollywood eine Lehre sein. So stellt man sich altgotische Horrorszenarien vor und nicht anders. Licht durchströmt die aufwendigen Glasmalereien in den Kapellen und der Staub in der Luft in den Türmen Nosgoths vermittelt eindeutig das Gefühl, dass man seit Jahrhunderten der erste Besucher ist, der diese unheiligen Hallen betritt. Oft hält man einfach im Spiel inne, um ein "WOW" loszulassen. Die Graphik wurde insgesamt noch einmal kräftig im Vergleich zu den Vorgängern aufpoliert. Besonders hier die Darstellung der spektralen Welt, in der sich Raziel zum Teil bewegen muss. Die Welt der Geister erscheint noch eindrucksvoller, als jemals zuvor. Nicht nur, dass das Umfeld sich verändert und zu einer verrotteten Version mutiert, auch die Darstellung der Sphärenwelt wurde wesentlich verbessert. Alles wirkt schemenhaft und unwirklich, jede Figur wirkt wie ein reines Energiewesen, halbtransparent, unscharf und bei Bewegung sieht man die Konturschatten nachziehen. Screenshots können den Eindruck und die graphische Qualität hier kaum vermitteln, das muss man einfach gesehen haben - der gelebte Alptraum :). Mit ebensoviel Detailverliebtheit wurden auch wieder die Figuren gestaltet. Perfekt animiert und besonders auch die Gesichtsausdrücke innerhalb der mit der Gameengine erzählten Zwischensequenzen zeigen, dass Emotionen und Gestik in modernen Spielen kein Problem mehr darstellen. Sei es der Blick Kains, wie sich seine Pupillen vor Zorn verengen oder der hasserfüllte Blick von Möbius, wenn seine Pläne nicht so aufgehen wollen, wie er es sich gedacht hat. Die Gegner sind ebenso gut animiert. So z. B., wenn dornenbesetzten Tentakeln aus dem Boden hervorschnellen, um Raziel in die Tiefe zu zerren oder die verlorenen Seelen von ihm aufgesaugt werden. Graphisch gehört Legacy of Kain für mich zu den eindrucksvollsten Spielen der letzten Zeit, vor allem auch durch das aufwendige und glaubwürdige Design. Mein Unverständnis an all die Kritiker, die wieder den Satz "Konsolenkonvertierung" loswerden müssen. Es gibt hier für mich kein Indiz, was bei all der Qualität und Vielfalt in der Graphik beweisen würde, dass ein PC Spiel durch die Entwicklung und Einschränkung für Konsolen an Qualität einbüssen müsste. Bei Legacy of Kain Defiance trifft dies nicht zu. Der Vorteil mag höchstens daran liegen, dass man hier eindeutig eine gut optimierte Engine nutzt, denn bei höchster Graphikqualitäteinstellung ging auch bei massivem Gegneraufkommen die Framerate niemals merkbar in den Keller. Hier kann man Crystal Dynamics nur eindeutig zu ihrer genutzten Technik gratulieren.

Der Sound setzt die gelungene technische Präsentation fort. Die Geräuschkulisse vermittelt eindrucksvoll das Ambiente des jeweiligen Szenarios, so hört man die umherirrenden Seelen jammern oder die im Kerker angeketteten Gefangenen um Hilfe flehen. Wind und Regen heulen dem Spieler um die Ohren oder der fast metallische Sound, wenn Kain oder Raziel ihre Klauen in den Stein rammen, um daran empor zu klettern. Eidos hat für die deutsche Version wieder die Sprecher des Vorgängers verpflichtet und somit ist die Qualität der deutschen Synchronisation wieder vorbildlich, auch wenn die deutsche Stimme von Kain alias Nicholas Cage bei Fans von Splinter Cell kleine Deja Vu Momente entfachen könnte ;). Die Musik unterstützt das Spielgeschehen in allen Punkten. So gibt es orchestral angelegte Stücke, die die Action unterstützen, jedoch im Stil diesmal mehr orientalische Grundzüge besitzt.

Gesteuert werden kann das Spiel über Kombination Maus/Tastatur oder Gamepad, wobei ich hier ein mit genügend Actionbutton ausgestattetes Analogpad empfehlen kann. Im Gegensatz zu den Vorgängen gibt es jetzt auch für den PC Unterstützung von Rumbleeffekten, die auch schön genutzt werden. Jedoch konnte ich die Rumbleeffekte im Menü nicht aktivieren, da sie dort immer als "ausgeblendet deaktiviert" erscheinen. Im Spiel waren sie dann dennoch vorhanden (und ließen sich als Folge auch nicht per Gamemenü deaktivieren, aber wer will das schon ;))

Zum Gameplay/Kritik: Wie spielt sich nun der Kombopack mit Blutsauger und Seelenräuber? Am Spielprinzip hat sich im Groben eigentlich nichts geändert, wenn es auch hier und da einige Änderungen gab. Legacy of Kain: Defiance ist ein 3rd Person Action Adventure, angereichert mit Puzzle- und jeder Menge Kampfeinlagen. Die Story knüpft unmittelbar an die Geschehnisse von Soul Reaver 2, bzw Blood Omen 2 an und bringt die Vampirsaga jetzt im praktisch fünften Teil zum "Grand Finale". Dabei bleibt das Gameplay den Vorgängerspielen weitestgehend treu. Man beginnt das Spiel als Vampirfürst Kain und kann auch gleich seine böse Seite herauskehren. Wieder darf man, vom Kampf und der ablaufenden Zeit an Blutarmut leidend, armen Passanten oder Gegnern dabei helfen, ihren Cholesterinspiegel samt Trägerstoff drastisch zu reduzieren. Kain hat zudem seine Kräfte aus dem Vorgänger bewahren dürfen und kann somit telepathische Kräfte einsetzten. Er kann mit seiner Geisteskraft Gegner in den Darth Vader Griff nehmen und bei Bedarf von sich stoßen - z. B. auf spitze Pfähle oder einfach auch mal über die Brüstung kicken, womit der Kampf dann schnell erledigt, aber dann auch das lebende Lunchpalet nicht mehr verfügbar ist. Kains Hauptaufgabe liegt aber eindeutig darin, sich mit Waffengewalt zur Wehr zu setzen. Im neusten Teil steht ihm, wie auch Raziel, nur noch eine vorgegebene Waffe zur Verfügung. So ist es nicht mehr möglich, andere Waffen aufzunehmen und damit die Gegner zu bearbeiten. In Soul Reaver 1 konnte Raziel z. B. noch Stangen aus einem Metallzaun herausreißen und damit Vampirgegner pfählen. So etwas geht in Defiance nun nicht mehr. Dafür stehen den beiden Hauptfiguren jetzt Komboattacken zur Verfügung, die sie während des Spielverlaufes automatisch erlernen. Schwerpunktmäßig rückt somit auch das Gameplay eindeutig in Richtung "Beat em Up". Jedoch werden die Kämpfe dadurch ein wenig abwechslungsreicher, als in Blood Omen 2. So kann man teilweise im Sprung befindlich den Gegner angreifen, notfalls mit dem Telekinesegriff packen und von sich schleudern oder aber mittels einer speziellen Angriffstechnik den Gegner zu Boden werfen. Diese Techniken erwirbt man automatisch während des Spieles. Kain hat aber auch einiges aus dem Vorgänger "vergessen" und somit reduziert sich der Puzzleanteil in den Kain-Episoden. Konnte man im Vorgänger noch unsichtbar durch den Nebel schleichen und die Gegner hinterrücks unbemerkt angreifen oder aber auch eine andere Figur geistig übernehmen, muss man in Defiance darauf komplett verzichten. Hier beschränken sich die Rätseleinlagen maximal darauf, Schalter mit Telekinese zu aktivieren oder Statuen zu drehen, was aber nicht so sehr stört, da die Episoden im Wechsel mit Kain und Raziel, dessen Aufgaben ein wenig mehr Hirnschmalz fordern, rechtzeitig für genügend Abwechslung sorgen, womit die Kombination der beiden Spielfiguren und doch unterschiedlichen Spielprinzipe sehr gut funktioniert, wenn auch für beide der Kampf jetzt viel mehr im Vordergrund steht, als noch in Soul Reaver 1 und 2.

Ebenso hat Raziel seine in Soul Reaver 2 erworbenen Fähigkeiten behalten. So kann er immer noch in Wasser schwimmen oder an bestimmten Felswänden emporklettern, etwas, dass er sich in Soul Reaver 1 erst verdienen musste. Damit ergibt sich aber anfangs auch das Problem, dass die Charakterentwicklung nicht mehr dafür verantwortlich ist, wie er sich durch die Level weiterkämpfen kann. In Teil 1 musste er erst die Fähigkeit erlernen, an Felswänden mit den Klauen zu klettern oder ein Stück mit seinen lädierten Flügeln zu fliegen. Somit ist der Schlüssel für Problemlösung wieder der Soul Reaver, das den Vorgängerspielen namensgebende Schwert, das den armen Opfern die Seele entrauben kann. So dienen Upgrades für das Schwert dazu, bisher verschlossene Portale damit zu öffnen. Da Raziel keine körperlichen Upgrades mehr erfährt, mit Ausnahme von mehr Lebens- und Telekinesreserven, die man durch Bonusgegenstände aufstocken kann, schränkt dies natürlich die Möglichkeiten ein, die man Rätsel-technisch in Teil 1 verwirklichen konnte. In Defiance hat man es aber geschafft, wenn auch leider erst im letzten Spieldrittel, die Soul Reaver Eigenschaften mehr in die Puzzlegestaltung einzubinden. So erlaubt es z. B. der Erd-Reaver, dass an bestimmten Stellen Plattformen entstehen oder aber auch Wasserfälle zu Eis gefrieren, an denen man dann hochklettern kann. Hier hätte ich mir etwas mehr von diesen Rätseln im gesamten Spiel gewünscht. Sehr gut gemacht ist aber, dass man nun auch einige der von Raziel erworbenen Fähigkeiten mit dem Reaver "rückgängig" machen muss. Raziel hat ja gelernt, sich in der realen Welt in Wasser bewegen zu können. Dabei ist es ihm aber unter Wasser nicht möglich, Gegenstände umher zu bewegen, was ebenfalls auch in der Geisterwelt nicht funktioniert, da Wasser dort für ihn nicht existent ist und er auch keinen physikalischen Einfluss auf seine Umwelt dort nehmen kann. So nutzt man dann den Erdreaver zur Beschwerung, um auf dem Grunde des Sees laufen zu können und Steine umher zu schieben. Oder man kann sich z. B. mit dem Reaver kurze Zeit unsichtbar machen, um so an Fallen und automatisch schließenden Toren vorbeizuschleichen.

Die Raziel-Episoden sind, wie schon gesagt, wesentlich Puzzle-lastiger und so muss man auch oft wieder zwischen den Welten wechseln. Ist kein Weiterkommen in Sicht, einfach mal in die Geisterwelt wechseln, denn da kann Raziel zumindest durch Gitterstäbe "morphen". Auch ist die spektrale Welt oft ein wenig "verschoben" und so springt man beispielsweise auf einen Vorsprung, wechselt die Sphäre, um dann festzustellen, dass dieser Vorsprung in der anderen Welt viel höher liegt. Hier ist wieder ein Ausprobieren und genaues Erkunden der Level notwendig, wenn sie auch niemals so schwer sind und vorzeitig Frust aufkommt. Zudem sind die Rätsel oft immer sehr ortsgebunden vorhanden, was bedeutet, dass man meist im unmittelbaren Umfeld des Rätsels Lösung findet.

Vereinfacht hat man auch den Sphärenwechsel. Raziel kann sich wiederum nur in der realen Welt bewegen, solange er genügend Seelenenergie hat. Geht diese auf Null, fällt er in die spektrale Welt. Er kann jedoch auch jederzeit wieder freiwillig in die spektrale Welt wechseln, um so die Puzzles zu lösen. Setzte der Vorgänger jedoch für einen Wechsel in die reale Welt noch voraus, dass Raziel volle Seelenenergie besitzt, ist dies nun nicht mehr notwendig, was dem Spielfluss nur gut tut. Im Vorgänger musste man erst noch lange nach Seelenopfern suchen, um diese einzusaugen, bzw. Gegner erledigen, um an Seelen zu kommen. Das hat früher oft den Spielspass gebremst und unnötig das Lösen der Rätsel verzögert, was somit im aktuellen Teil besser gelöst wurde. In Defiance benötigt Raziel nur einen passenden "Wirtskörper" aus einem Grab, in das er sich selbst exhumieren kann. Diese sind an den schimmernden Totenköpfen in der Spektralwelt zu erkennen.

Defiance ist viel kampflastiger als die Vorgänger. So ist das gleichzeitige Gegneraufkommen höher als in den Vorgängern und es kommt zu Massenschlachten, die in der Kampftechnik und dem Ablauf nicht unähnlich den Jedi-Kämpfen aus Jedi Academy sind, besonders auch, wenn man die Möglichkeit des telekinetischen Würgegriffs und später auch Energieblitze berücksichtigt. Jedenfalls sind sie einfacher zugänglich und in gewisser Weise auch unkomplizierter. Musste man in Soul Reaver ohnmächtige Gegner erst aufheben und sie ins Licht zum verbrennen werfen oder an Spießen an der Wand pfählen, gibt es in Defiance, mit Ausnahme von Levelbossen, keine Gegner, die nicht mit der normalen Hau-Drauf Methode klein zu bekommen sind. Auch waren die Kämpfe im Vorgänger noch etwas strategischer und einfallsreicher. So gab es in Soul Reaver 1 noch die Möglichkeit den Gegner durch schnelles Umkreisen mit einer Wirbelattacke anzugreifen oder mittels Beschwörung der unterschiedlichen Glyphen z. B. durch ein Erdbeben oder einen Platzregen zu attackieren. Aber diese Details fehlten bereits in Soul Reaver 2 und fanden auch in Defiance keine Reinkarnation, was schade ist, unterschied sich doch hier das Game im Kampf vom sonst üblichen Genreeinerlei. Die Level sind ansonsten großartig, und phantastisch aufgebaut. Weitläufige riesige Areale lassen einen in die epische Welt eintauchen und von Ladezeiten bleibt man verschont, mit Ausnahme vom Kapitelwechsel.

Jedoch gibt es auch ein wenig Kritik. Die Story ist spannend erzählt und bildet den gelungenen Abschluss der Vampirsaga. Leider gibt es aber in der Mitte des Spiel einen kleinen Motivationshänger, da sich dort die Level zu sehr ähneln. So durchstreift man, was zwar storymäßig nachvollziehbar ist, jeden einzelnen Nosgoth Turm. Problematisch deswegen, weil sie vom Aufbau alle identisch sind, so zu wenig Neues bieten und auch das gesamte mittlere Drittel des Spieles einnehmen. Man wandert von einem Turm in den nächsten, mal mit Raziel und dann in einer anderen Zeit mit Kain. Ein wenig zuviel des Guten für meinen Geschmack. Auch die erste Spielhälfte, in der man Raziel spielen darf, unterscheidet sich nicht sehr vom Kain Prinzip. Ein wenig zuviel durch "Raumverriegelung" unausweichlich gemachte Kämpfe. Ich hätte lieber ein wenig mehr Rätselkost gehabt. Das ändert sich aber in der zweiten Spielhälfte rapide und ab da gehören auch die eher unscheinbaren Levelbosse der ersten Hälfte der Vergangenheit an. Dann gibt es wieder riesige Bosse, die nur mit Tricks und Tücke zu besiegen sind, ganz wie es in Teil 1 die Regel war.

Legacy of Kain Defiance legt atmosphärisch und spielspasstechnisch in der zweite Hälfte kräftig zu. Jump & Run Einlagen wurden aber anteilsmäßig zu Soul Reaver 1 und 2 wesentlich weniger. So gibt es wenig Stellen im Spiel, wo gekonnte Kletter- und Sprungeinlagen nötig waren. Hier hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht. Eine absolute Verschlimmbesserung ist jedoch die Kamera. Spielten sich die Vorgänger noch mit Verfolgerkamera, gibt es in Defiance jetzt jeweils eine feste Position, die das Spielgeschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln verfolgt. Dazu reagiert die Steuerung immer relativ zu dargestellten Sicht. Insgesamt wesentlich schlechter realisiert, als im Vorgänger und es sorgt auch spieltechnisch für mehr Probleme, wenn es jedoch auch weit davon entfernt ist, richtig ärgerlich zu werden, wie beispielsweise bei Tomb Raider Angel of Darkness. Aber so bleibt man dennoch nicht davon verschont, dass man oft ungewollt bei schnellem Wechsel der Kameraposition den gleichen Weg wieder zurück geht oder die Orientierung in einigen sehr ähnlich aussehenden Leveln (die Nosgoth Türme) verliert und manchmal unfreiwillig in die falsche Richtung läuft. Oft kam es auch vor, dass Gegenstände wie Mauern und Säulen den Blick auf Figur und Kampfablauf verdeckten oder die Figur ständig so nah am sichtbaren Bereich läuft, dass man wenig von dem sieht, was auf einen zu kommt. Dass die neue Art der Kameraeinstellung laut Featureliste mehr "Cineastische Wirkung" erzielen soll, kann ich nicht nachempfinden. Eine Verfolgerkamera lässt einen viel besser in die Welt eintauchen, weil sie dadurch Ego-Shooterlike den Spieler viel mehr zum "Erleber" statt zum "Beobachter" macht. Die Funktion der manuellen Kamerasteuerung ist auch ohne Nutzen, da man sie nur geringfügig hin und her schwenken kann. Einzig der Wechsel in die Egosicht ist hier von Nutzen, wobei aber hier die Figur nicht bewegt werden kann. Ansonsten gab es bis auf einen kleinen Clippingbug keine Probleme. Hier flog Raziel in einen Bereich, den er eigentlich nicht in der materiellen Welt hätte erreichen dürfen. Ein kleiner Sphärenwechsel sorgte jedoch hier für Abhilfe. Etwas störend war in einigen Levelbereichen, dass man nicht jede Stelle erreichen konnte und gegen eine imaginäre Glaswand rannte, was aber zum Glück nur sehr selten vorkam und nicht so auffällig und störend war, wie in anderen Games mit "Glaswandproblem".

Gespeichert werden kann an bestimmten Speicherpunkten, was problemlos funktioniert, sollte man einmal Dahinscheiden, erscheint man am zuletzt erreichten Speicherpunkt und die bis dahin erledigten Gegner oder erhaltenen Gegenstände gehen nicht verloren.

Erwähnenswert sind auch noch die Boni, die man sich im Spiel freispielen kann. So gibt es Einblicke in die gesamte Entstehung der Blood Omen Serie, Skizzen von Erstentwürfen der Figuren und am Ende ein Making of zu Defiance.

Publisher Eidos hält aber noch ein ganz besonderes Paket für angehende Vampirfreunde bereit. So gibt es zu Legacy of Kain: Defiance eine fast preisgleiche Special Edition des Games, die Soul Reaver 2 und Blood Omen 2 als Dreingabe beinhaltet. Warum man aber Teil 1 von Soul Reaver nicht beigefügt hat, ist wirklich schade. Den gibt es aber für knapp 6 Euro derzeit immer noch in der Budgetreihe von Green Pepper und somit hat man die geballte Blutsaugerkollektion für knapp 50 Euro. Spielspass für lange Zeit ist damit garantiert und somit sichert man sich zudem eine am großartigsten in Szene gesetzte Spielreihe der Computergeschichte, denn selten findet man eine so spannende, epische und detaillierte Geschichte, die man einfach in seiner Gesamtheit genießen muss. Empfehlenswert auch deshalb, weil Neueinsteiger, die sich nur mit Defiance befassen, sicher Probleme beim Einstieg in die sehr komplexe und vielschichtige Story haben werden.

Fazit: Legacy of Kain Defiance ist eine gelungene Fortsetzung der Saga um Kain und Raziel und führt die Fäden der beiden Protagonisten gekonnt zu einem grandiosen und spannenden Finale. Der Wechsel zwischen den beiden Hauptfiguren fesselt den Spieler für ca. 15 Stunden an den Screen und nach jedem abgeschlossenen Kapitel will man einfach nur wissen, was als nächstes mit den Figuren geschieht, so wird der Spannungsbogen gekonnt aufrecht gehalten, ganz wie man es aus den alten Hollywood Cliffhangern mit "Fortsetzung folgt" kennt. Die graphische und künstlerische Präsentation gehört mit zu den beeindruckendsten der letzten Zeit und mir kann der ganze Hype um "ach so tolle neue Ego-Shooter Engines" gestohlen bleiben, wenn ich sehe, was Crystal Dynamics hier abgeliefert hat. Hier stimmt die Technik und vor allem auch die atmosphärische Umsetzung in Bild und Ton. Gebündelt mit der phantastischen Story, die bis zum Ende spannend erzählt wird und noch genügend Überraschungen bereit hält. Ein mehr als gelungener Abschluss der Serie, der hoffentlich keiner ist :). Zwar wurde das Spielprinzip etwas für den Massenmarkt angepasst, jedoch verliert es nicht seinen ursprünglichen Charme, daher werden weder Fans der Serie, noch solche, die es werden wollen,enttäuscht. Dazu trägt auch der moderate Schwierigkeitsgrad bei, der kaum Frust, aber dennoch genügend Herausforderung bietet. Für mich ist und bleibt Soul Reaver 1 immer noch der beste Teil der Serie - Legacy of Kain Defiance steht aber locker auf gleicher Stufe mit Soul Reaver 2. Crystal Dynamics hat gezeigt, wie gute Unterhaltung in moderner Technik auszusehen hat und irgendwie macht es mich auch froh, dass Eidos ihnen die nächste Fortsetzung zu Tomb Raider anvertraut hat, was die Fangemeinde sicher davor bewahrt, dass der nächste Auftritt von Miss Croft eine ähnliche Gurke wie der Vorgänger wird. Aber vielleicht, auch wenn die Story am Ende von Defiance nicht darauf hindeutet, steht uns ja eine erneute Vampirbegegnung bevor- wünschen würde ich es mir auf jeden Fall.


Geschrieben am 27.02.2004, Testkonfiguration: AMD2100+, Radeon 9500 Pro, 512MB Ram, SB Audigy
 



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