yiya.de / reviews
Walkthrus..
Interviews
Specials
Reviews von A-Z
A B C D E F G H I
J K L M N O P Q R
S T U V W X Y Z #

Land of the Dead
Largo Winch
League of Legends
Legacy of Kain: Defiance
Legend of Kay
Legend- Hand of God
Legendary
Lego Indiana Jones
Lego Star Wars
Leisure Suit Larry 8
Lilo & Stitch
Little Big Adventure
Loki
Longest Journey, The
Lords of the Realm 3
Lost Horizon
Lost Odyssey
Lost Horizon  

Rückseite ]

Info
Autor 2
 0
 1
 1.5
Gesamt (4 votes) 2+
 0
 1.1
 1.8
Name:Lost Horizon
Genre: Action Strategie
Produkt: Vollversion
Release: 2010/08
Publisher: Deep Silver
Entwickler: Animation Arts
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 2Ghz, 512MB RAM, 64 MB D3D T&L, HD 4500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista/Windows7, DX9
Steuerung: Maus
Sprache: Deutsch
USK: 12
Lost Horizon (review von ronin)

Der willige Adventureliebhaber braucht sich dieser Tage wahrlich nicht beschweren. Faktisch für jedes Thema gibt es eine unüberschaubare Auswahl an Adventures, wie yak im kürzlich getesteten "Tale of a Hero" schon festgestellt hat. Viele Genreperlen sind für meinen Geschmack aber zu sehr am skurril- comichaften Stil der Lukasarts-Urväter angelehnt. Klar, die Monkey Island Neuauflagen machen Spaß und der zauberhafte Grafikstil eines The Whispered World lässt keinen Genrefan kalt, aber ins Genre zurück bin ich eigentlich durch die spannenden und eher ernsten Adventures der Baphomet- und Geheimakte-Reihe gekommen. Während erstere in der Qualität immer weiter abnahmen, konnte Animations Arts mittlerweile zwei weitere Adventures in ihrem eigenen Stil veröffentlichen. Lost Horizon ist das neueste Abenteuer und orientiert sich storytechnisch nicht am den beiden Vorgängern. Ob das funktioniert und die Qualität wieder auf gewohnt hohem Niveau ist, soll das Review zeigen.

Alles beim alten: Bequem, etwas steif und Ohren verwöhnend

Für die Grafik kommt die gleiche Engine zum Einsatz wie bei den beiden Vorgängern, dementsprechend übernimmt Lost Horizon deren Stärken aber auch Schwächen. Die Hintergründe sind grandios erstellt und warten mit vielen Animationen auf. Sei es ein gemütlich vor sich hinschwelendes Feuerchen im Indischen Dschungeldorf, oder die Wimpel im Berliner Olympiastadium. Überall bewegt sich etwas und haucht der Szenerie Leben ein. Dem gegenüber stehen die steifen Gesichts- und Bewegungsanimationen der Charaktere. Das sah schon beim ersten Geheimakte-Teil albern aus und wirkt jetzt, Jahre später, nicht besser. Zwar erscheinen die Charaktere gewollt comicartig designt, für meinen Geschmack passt dies aber nicht wirklich in das realistische Setting. Nichtsdestotrotz sorgen die Schauplätze, die gewohnt abwechslungsreich ausfallen, für eine tolle Atmosphäre. Wenn Fenton Padock (der heißt wirklich so!) im Himalaya nach einem Flugzeugabsturz vor sich hinfröstelt, kann man sich gut in seine Situation hineinversetzen. Auch das Einschleichen in die von Nazis besetzte Burg bei Gewitter und Platzregen war sehr sehr stimmig.

Die Akustik spielt bei Adventures natürlich eine ebensogroße Rolle. Entsprechend enttäuscht Animation Arts auch hier nicht. Die Musik ist auf gewohnt hohem Niveau, auch wenn man, dem Thema entsprechend, straff von Indiana Jones geklaut hat, aber das findet man nicht nur bei der Musik, soviel vorweg ;). Auch die Synchronisation ist im Großen und Ganzen sehr gut. Lediglich einige wenige Aussetzer bei Nebencharakteren trüben das Gesamtbild. Auch die Stimme von Fentons chinesischer Begleiterin ist eher nervig und etwas unpassend. Der Hauptprotagonist dagegen hat mich voll und ganz überzeugt. Zwar ist Herr Padock etwas brav, aber mir war er dadurch sehr sympathisch.

Das innovative und primär sehr bequeme Steuerungskonzept wurde komplett von den Vorgängern übernommen. Benutzbare Gegenstände werden schon beim Darübergleiten mit dem Mauszeiger hervorgehoben, den Rest brauch/kann man gar nicht benutzen. Das führt dazu, dass das adventureübliche Ausprobieren aller Gegenstände mit einem Hotspot entfällt. Die Konsequenz ist ein regelrechter Rätselflow, auf den ich im Gameplaybereich noch genauer eingehen möchte.

Weitere genreübliche Komfortfunktionen sind die obligatorische Hotspotanzeige und die Schnellklickfunktion, wenn man in den nächsten Raum wechseln will. Auch kann man bei den wenigen Minispielchen zwischen leicht und schwer wählen. Eine automatische Lösung dieser Spielchen ist nicht mehr möglich. Besonders die tolle Steuerung in den Animation Arts Adventures hat mich dem Genre wieder näher gebracht. Das zähe, manchmal sehr langsame Rätseln und Rumprobieren ist mir heutzutage einfach zu zeitintensiv geworden.

Anzumerken bleibt noch, dass die Verpackung des Spiels sehr sehr liebevoll designt wurde. Die aufklappbare Außenhülle (nebst aufstellbarem Flugzeug ;) ) enthält neben dem Handbuch ein drehbares Poster mit der Ankündigung eines baldigen dritten Geheimakte-Teils (juuhuu!). Ein Bekenntnis zur physischen Verpackung, ganz entgegen dem digitalen Downloadtrend.

"Fentiana Jonedock", blonde Nazigräfinnen und die Reisen um die Welt

Die Geschichte um Fenton, den Nazis und der Suche nach Shambala klingt sehr bekannt und ist es leider auch. Animation Arts lässt auch von Beginn an keinen Zweifel an ihrem Vorbild. Der draufgängerische aber rechtschaffen gute Fenton (Nebenbei war er natürlich Soldat in der britischen Armee), der sich mit Schmugglerflügen über Wasser hält, rutscht eher zufällig in die Geschehnisse um Shambala. Dass die Nazis ein Artefakt suchen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen, sollte für Film- und Spieleliebhabern auch nichts Neues sein. Wer den PS3 Hit Uncharted 2 gespielt hat, dem dürfte die Suche nach dem tibetischen Wundertempel ebenfalls sehr vertraut erscheinen. Mir jedenfalls hing Shambala schon ziemlich zum Hals heraus. Entsprechend empfand ich die Geschichte auch weniger packend als etwa bei Geheimakte Tunguska. Der ganze Stil von Lost Horizon ist entsprechend auch braver. Der Geschichte fehlen richtige Spannungsmomente, da man von Beginn an weiß wo der Weg hinführt. Man verstehe mich hier bitte nicht falsch. Man reist um die ganze Welt, erlebt viele Abenteuer und abwechslungsreiche Schauplätze, aber das düstere Unbekannte der Vorgänger fehlt. Durch die vielen bewusst eingesetzten Klischees (blonde Nazi-Gräfin, Held kriegt Frau etc.) und die starke Ausrichtung auf Indiana Jones wird diese fehlende Spannung in der Geschichte noch verstärkt. Bei mir führte dies dazu, dass das mit fast 14 Stunden Spielzeit sehr umfangreiche Adventure, gegen Ende hin etwas langatmig wurde.

Auch der Humor ist wieder ziemlich hölzern geworden, was aber schon fast ein Markenzeichen der Animation Arts Spiele ist. Man bemüht sich um einige Kracher, die teilweise auch zünden, aber allzu oft eben nicht. Viele Dialoge sind außerdem sehr lang, was zum Teil für Langeweile sorgt. Fenton kommentiert oftmals wirklich jeden offensichtlichen Mist, was der Spieler sowieso schon vorab durchdacht hat, wäre er doch sonst nie auf des Rätsels Lösung gekommen. Am Schlimmsten empfand ich einen Dialog zwischen Fenton und einem britischen Professor, der in einem endlosen Monolog die Geschichte Shambalas schildert.

Neben der Story spielt natürlich auch die Rätselqualität eine wichtige Rolle. Meinem Erachten nach macht hier Lost Horizon vieles richtig. Vorab, das Spiel ist nicht sonderlich schwierig, da die Lösungen sehr an der Realität orientiert sind. Mit einer Hantel einen Nagel flachklopfen und mit diesem einen Spinnt aufhebeln, sind die üblichen Vorgehensweisen. Verstärkt wird dies durch die komfortable Steuerung, die es ermöglicht, einfach mal die Gegenstände ohne großen "Nervaufwand" zu kombinieren. Das Resultat ist ein regelrechter "Rätselflow". Sprich, man wird ins Spiel gezogen und rätselt rekordverdächtig vor sich hin. Es gibt faktisch keine Leerlaufphasen. Bei Lost Horizon ist mir das noch mehr aufgefallen als etwa bei den Vorgängern. Wer allerdings gerne stundenlang an einem Rätsel rumwerkelt, wird von Lost Horizon enttäuscht sein. Das Spiel ist relativ linear und die zu bewältigenden Aufgaben sind klar vorgegeben. Lediglich im letzen Abschnitt ändert sich das ein wenig.

Animation Arts hat zudem versucht, die klassischen Rätsel mit Actioneinlagen und Charaktertausch etwas aufzubrechen. Gleich zu Beginn leistet man sich eine Verfolgungsjagd mit chinesischen Triaden, bei der Fenton auf dem Laster sitzt und Kim (hieß sie Kim?!) fährt. Hierbei kann man die Charaktere wechseln und sogar per Dialog das Fahrzeug steuern. Leider kommt diese rasante Rätselkost im weiteren Verlauf viel zu selten vor. Der Charakterwechsel wird auch nur rudimentär bemüht. Hätte man, wie im letzten Abschnitt, wo man zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln kann, häufiger auf diesen Rätselstil zurückgegriffen, wäre das Spiel weitaus stimmiger geworden. Besonders die Art der Rätselei zwischen Fenton und dessen Freund Richard sind klasse gemacht und forderten weitaus mehr.

Fazit

Lost Horizon reiht sich nahtlos in die Erfolgsgeschichte der Animation Arts Adventure ein. Leider empfand ich den jüngsten Spross als den schwächsten der drei. Man verstehe mich nicht falsch, die Technik ist sehr gut, die Synchronisation und Musik sowieso, die bequeme Bedienung sucht im Genre ihresgleichen und die Rätsel sind stimmig und nicht zu abstrus. Aber die etwas maue und spannungsarme Story mit dem ausgelutschten Indiana/Shambala Szenario sowie die viel zu oft gewöhnlich bleibenden Rätsel, verwehren Lost Horizon Bestnoten. Es wird Zeit, dass Animation Arts wieder etwas Innovation ins Genre bringt und sich nicht auf den Lorbeeren ausruht. Für Geheimakte 3 wünsche ich mir wieder mehr frischen Wind. Nichtsdestotrotz kann ich Lost Horizon jedem Adventure-Fan, dem die bunten und schrägen Adventures der letzten Zeit eben … naja zu bunt sind, ans Herz legen. Es lohnt sich. Eine gute yiya´sche 2.


Geschrieben am 23.09.2010, Testkonfiguration: Intel E6750, 4GB, ATI 5850,Onboard Sound
 



13 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Sehr gut (4.7 von 5 Punkten)
Ihre Bewertung dieses Artikels:
Bitte hier nur auf den Artikel selbst eingehen (nicht auf das Thema oder ggf. die Autorenwertung). Anmerkungen zu Thema/Artikel oder eine Ansprache des Autors sind im Besprechungs-Board unseres Forums möglich.

Druckversion | Seitenanfang © Copyright bei ronin, Nutzungsrechte bei yiya.de / walkthru.de