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League of Legends  


Info
Autor 2
 2
 2
 1.5
Gesamt (13 votes) 2
 2.2
 2.1
 1.8
Name:League of Legends
Genre: Echtzeitstrategie
Produkt: Vollversion
Release: 2009/10
Publisher: GOA
Entwickler: Riot Games
Offiz. Sites: Game
Hardware: 2Ghz, 1GB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 750 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista/Windows7, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Internet
Sprache: Multilingual
zensiert: nein
Bemerkung: Free2Play, Internetverbindung notwendig
USK: 12
League of Legends (review von geuer)

Free-2-Play-Ableger sind immer so eine Sache. Der vermeintliche Vorteil des kostenlosen Online-Spielens verliert sich schnell in entweder einer minderen Qualität des Titels oder in versteckten Kosten, die sich im schlechtesten Fall sogar erst nach einiger Spielzeit offenbaren und dann das Bezahlen von echtem Geld fordern, wenn man mit den anderen Spielern mithalten möchte. Das ist frustrierend und widerspricht der eigentlichen Absicht, die dahinter stecken sollte. Doch Server, die dazugehörigen Wartungen, ein Support- und auch ein Entwicklerteam, das sich um die Weiterentwicklung des Spieles selbst kümmert, bezahlen sich nicht von alleine und müssen ja zwangsläufig irgendwie finanziert werden. Doch wie kann man der Bezeichnung eines Free-2-Play-Ablegers gerecht werden, wenn man trotzdem Geld benötigt, um die Qualität des Spieles zu sichern? Eine schwierige Frage, mit der sich unter anderem die Entwickler derartiger kostenloser Spiele auseinandersetzen müssen. Was man braucht sind also Finanzierungsmodelle, die das eigentliche Gameplay nicht beeinflussen; das heißt, den zahlenden Spieler im Spiel nicht besser stellen als denjenigen, der das jeweilige Spiel gratis nutzen möchte. Zugleich aber muss man dem potentiell zahlenden Kunden Anreize bieten, durch die er bereit ist, Geld in die Entwicklerkasse fließen zu lassen.

Jene Problematik tritt natürlich unabhängig vom gewählten Genre auf und bietet mehrere Lösungsmöglichkeiten. Bis vor kurzem stand ich einer zufriedenstellenden Lösung allerdings immer ein wenig skeptisch gegenüber; hielt ohnehin kostenlose Spiele für qualitativ nicht hochwertig genug, um einen angemessenen Spielspaß zu erzeugen. Dass ich mich in diesem Fall geirrt habe, hat mir innerhalb der letzten Monate nun Riot Games bewiesen, die sowohl als Entwickler als auch seit 2010 als Publisher fungierend mit League of Legends ein Strategiespiel geschaffen haben, das seinesgleichen sucht - und das vollkommen kostenlos.

Defense of the Ancients

"Was ist das jetzt? Sowas wie World of Warcraft?" "Nein, nein. Das spielt man rundenbasiert mit verschiedenen Champions. Die steuert man dann über die Karte. Jeder hat seine einzigartigen Fähigkeiten." "Ah ja, also so ähnlich wie WoW." Ja, ich schätze in der Form und mit diesem Wissen trat ich League of Legends das erste mal gegenüber. Verwirrt darüber, dass es Free-2-Play-Modelle auch außerhalb von MMORPGs gibt, lernte ich durch das Telefonat mit einem Freund das Grundprinzip des Strategiespiels kennen. Bei League of Legends handelt es sich um die ausgebaute Variante einer Wacraft 3-Mod; nämlich der bekannten Defense of the Ancients. Auch ich konnte mit dem Namen DotA etwas anfangen, doch kam ich damit bis zu jenem Zeitpunkt noch nie in direkten Kontakt. Dabei kann die grundlegende Mechanik der Modifikation des Blizzard-Klassikers einfacher kaum sein: Auf einer Karte treten zwei Teams mit jeweils fünf Spielern gegeneinander an, wobei jeder Spieler eine mächtige Heldeneinheit steuert. Durch Teamplay, den von der KI gesteuerten Creeps, der richtigen Itemwahl und einer guten Strategie besteht das Ziel in der Zerstörung des auf der jeweils anderen Seite der Karte befindlichen und durch Türme gut geschützten Ancient - das Hauptgebäude der jeweiligen Gruppe.

League of Legends ist nun ein Klon dieser Modifikation. Abgesehen von anderen Namen - wie beispielsweise, dass das zu zerstörende Hauptgebäude Nexus heißt - ist das Spielprinzip genau das gleiche. Während Defense of the Ancients allerdings eher als ein einsteigerunfreundliches Spiel gehandelt wird, gibt man sich bei League of Legends viel Mühe, um auch unerfahrenen Spielern einen guten Einstieg in die gebotene Welt zu ermöglichen. Das ist auch sehr gut gelungen. Nach der Erstellung eines Accounts hat man die Möglichkeit, sowohl ein Tutorial zu beginnen, das einen in die wesentlichen Grundzüge des Spieles einführt, als auch ein Übungsspiel gegen Bots anzutreten, bei dem in einem erweiterten Sinne Tipps und Hilfen zur Spielmechanik selbst und zu gewissen Taktiken gegeben werden. Jener Beginn des Spieles ist zwar sehr schön umgesetzt worden, doch werden nicht alle Aspekte adäquat erläutert. Sowohl gegenüber der eigentlichen Auswahl von Items, als auch bezüglich der Rolle von Runen bleibt man als Anfänger durchaus ein wenig ratlos und verwirrt stehen. Allerdings sind beide Punkte, die ich nachher genauer erläutern werde, für einen Anfänger eigentlich ohnehin nicht sonderlich relevant, da man sich in den beginnenden Spielen primär mit dem eigentlichen Gameplay vertraut macht.

Die Liga der Legenden

Startet man ein Spiel, so hat man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Karten. Einmal die 'Kluft der Beschwörer', bei der zwei Teams mit jeweils fünf Helden, im Spiel stets als Champions bezeichnet, gegeneinander antreten und der 'Gewundene Wald', in dem die Teams mit jeweils drei Helden gegeneinander kämpfen. Mehr Karten gibt es derzeit nicht zur Auswahl. Gerade das mag auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, dass der Titel schnell seine Spannung verliert und man in immer gleichen und eintönigen Matches gegeneinander antritt. Das dem nicht so ist, ist sowohl der stets veränderten Konstellation der Teammitglieder als auch dem motivierendem Spielprinzip selbst zu verdanken. Auf der kleinen Karte dauert ein Spiel im Schnitt 20 bis 30 Minuten, während Kämpfe auf der großen Karte in 30-45 Minuten ausgetragen sind. Mein längstes Spiel dürfte bei rund 90 Minuten liegen, wobei es damit beinahe epische Ausmaße annahm. Derzeit ist wohl auch eine dritte Map in Arbeit. Die Schwierigkeit besteht dabei stets im richtigen Balancing, was sicherlich nicht so einfach zu gewährleisten ist. Mit den zwei Karten jedenfalls ist man sowohl für ein kürzeres als auch für ein längeres Spiel immer gut bedient. Startet man ein normales Spiel, so wird man durch einen Algorithmus automatisch und komfortabel einem offenen Spiel zugeteilt. Auch das Eröffnen eigener Spiele mit Freunden ist möglich, während einem dann wiederum andere Spieler zugeteilt werden. Somit entfällt die durchaus nervige Suche nach freien Servern. Die Zuteilung ist so konzipiert, dass auf eine möglichst gleiche Stärke der Spieler untereinander geachtet wird. Leider kommt es aber auch manchmal vor, dass sich entweder im eigenen oder im gegnerischen Team ein weitaus stärkerer Spieler befindet, sodass ein ausgeglichenes Spielen nur schwer ermöglicht wird. Im Idealfall aber ist es das Teamplay und auch das eigene Können bezüglich des jeweils gewählten Champions, das mit der richtigen Strategie den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmacht.

Wurde man nun einem Spiel zugeteilt, so hat man die Auswahl zwischen bis zu zehn frei zur Verfügung stehenden Champions, die aus dem gesamten Pool von derzeit immerhin über 70 verfügbaren Champions für das freie Spiel ausgesucht wurden. Die Nutzung dieser zehn Champions ist für jeden Spieler kostenlos. Allerdings wechseln die freien Helden einmal in der Woche, sodass aus dem Pool von 70+ Helden immer wieder andere Champions frei spielbar werden. Die Entwickler achten dabei stets darauf, dass man auch aus der freien Auswahl starke und durchschlagskräftige Teams basteln kann und möglichst auch Champions mit verschiedenem Schwierigkeitsgrad dabei sind. Möchte man einen dauerhaft besitzen, so kann man ihn für Riot Points, die man gegen echtes Geld erwerben kann, kaufen. Doch auch mit den Erfahrungspunkten, die man für abgeschlossene Spiele erhält, ist bereits nach kurzer Zeit der dauerhafte Erwerb eines Champions möglich. Erfahrungspunkte gibt es für verlorene und gewonnene Spiele, wobei der Sieg mehr Punkte einbringt. Einmal innerhalb von 24 Stunden kann man sich den Sieg des Tages holen, bei dem neben den rund 120-150 Punkten für ein gewonnenes Spiel noch einmal knapp 150 Punkte draufgeschlagen werden. Während die günstigsten Champions dann nur um die 450EP kosten, da sie häufig als kostenloser Charakter zur Auswahl stehen, können teure Helden mit bis zu 6300EP zu Buche schlagen. Doch auch hier wird stets auf ein ausgeglichenes Spielerlebnis geachtet. Ein Tank für 450EP ist spielerisch gesehen nicht besser oder schlechter als einer für mehr Punkte. Alle zwei Wochen gibt es einen neuen Champion. Meines Wissens nach begann Riot Games das Spiel im Jahre 2009 mit einer Zahl von knapp über 30 Helden öffentlich zugänglich zu machen. Dass man mittlerweile im gesamten über 70 unterschiedliche Helden zur Auswahl hat, ist der fleißigen Arbeit der Entwickler zu verdanken.

Die Championauswahl

Die zu steuernden Helden in League of Legends sind alleine von ihrer Anzahl her gesehen kaum zu überblicken. Vielleicht ist es insofern gar nicht mal so schlecht, dass man zu Beginn nur eine kleinere Auswahl zu Gesicht bekommt. Jeder Held ist einzigartig und hat seine individuellen Fähigkeiten. Wie aus herkömmlichen Rollenspielen bekannt, gibt es auch hier verschiedene Charakterklassen, nach denen die Champions eingeteilt werden können - Magier, Nahkämpfer, Tanks, Fernkämpfer, Pusher, Brecher usw. Wenngleich einige dabei aufgrund spezieller Fähigkeiten Ähnlichkeiten aufweisen, ist jeder Held tatsächlich als ein Unikat zu bezeichnen. Dies geht auch mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen der Helden einher, sodass jeder Spieler dazu in der Lage ist, eine zu ihm passende Figur zu finden.

Die zu lesenden Beschreibungen der Champions sind dabei umfangreich und stellen den gewählten Charakter adäquat vor. Jeder hat fünf verschiedene Fähigkeiten, die in einer unterschiedlichen Spielweise resultieren. Neben einer standardmäßigen Passivattacke gibt es drei normale Zauber und eine Ultimate-Fähigkeit, die besonders stark ist. Gerade die damit zusammenhängende Verschiedenheit, die sich nicht nur im Spiel mit dem Charakter selbst, sondern vor allem im geforderten Gameplay mit dem jeweiligen Team widerspiegelt, sorgt für die Spannung und Abwechslung, die das Spiel innerhalb der Online-Kämpfe bietet. Trotz der Tatsache, dass ich bereits über mehrere Monate das Spiel spiele, kenne ich noch immer nicht jeden Champion. Gespielt habe ich nur einen Bruchteil und so richtig gut spielen kann ich so um die fünf Helden. Dadurch aber entsteht eine unglaubliche Langzeitmotivation, da es einfach immer wieder neue Champions zu entdecken und zu erlernen gibt.

Willkommen in der Kluft der Beschwörer

Eine der möglichen zu betretenden Karten im Spiel stellt die 5vs5-Map "Die Kluft der Beschwörer" dar. Diese zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass eben fünf Leute gegeneinander antreten, sondern auch durch ihren Aufbau. Vom Stützpunkt aus führen drei Pfade, die sogenannten Lanes, zum Nexus des Gegners. Jede Lane ist auf jeder Seite mit mehreren Türmen geschützt, die als Verteidigungswall gegnerische Creeps und Champions beschießen. Zerstört man im späteren Verlauf den in der Basis befindlichen Inhibitor des Gegners, so erhält das eigene Team für eine bestimmte Zeit stärkere Vasallen. Am Anfang des Spieles jedoch verteilen sich zunächst alle fünf Spieler eines Teams auf die drei Lanes, wobei der mittlere Pfad meist von einem Spieler aufgesucht wird, die beiden äußeren von jeweils zwei Helden betreten werden. Am Anfang einer jeden Runde beginnt jeder Champion bei Level 1 und kann zunächst eine seiner ihm eigenen Fähigkeiten auf Stufe 1 ausbauen. Nur durch das Bekämpfen von Creeps oder das Töten von Gegnern kann man Erfahrung gewinnen, bei der man nach kurzer Zeit eine Stufe aufsteigt. Jede gestiegene Stufe ermöglicht den Ausbau eines weiteren Fähigkeitenpunktes, dessen Attacke man dann aktiv im Spiel gegen Vasallen oder gegnerische Champions einsetzen kann. Ab Stufe 6 hat man die Möglichkeit, die jeweilige Ultimate-Attacke auszubauen, die sich durch eine besondere Fähigkeit des Helden auszeichnet. Mit Stufe 18 ist das Maximallevel erreicht und alle Fähigkeiten sind auf der höchsten Stufe ausgebaut. Um die dafür notwendigen Erfahrungspunkte zu gewinnen, müssen nicht nur die auf der Lane befindlichen gegenerischen Vasallen getötet werden. Man kann sich auch in das Gebiet zwischen den Pfaden, dem Jungle, begeben. Darin warten neutrale Monster darauf getötet zu werden, die zusätzlich Gold und Erfahrung verleihen. Bestimmte stärkere Creeps geben einen zusätzlichen Bonus für denjenigen Champion ab, der es erlegt hat und erscheinen nach einer bestimmten Zeit wieder. Ein Monster, Baron Nashor, der erst nach rund 15 Minuten im Spiel erscheint, ist das stärkste neutrale Monster im Spiel, das meist nur mit dem gesamten Team getötet werden kann. Stirbt er, so gibt es neben Geld zusätzlich besonders starke Boni für alle Mitglieder der Gruppe, die mitunter entscheidend für den Sieg oder die Niederlage sind. Weiterhin gibt es sowohl im Jungle als auch auf der Lane selbst hohes Gras. In diesem Gras ist man für einen Gegner nicht sichtbar, außer wenn er es selbst betritt - eine wichtige strategische Komponente.

Neben den heldenspezifischen Fähigkeiten gibt es noch jeweils zwei Beschwörerzauber, die man vor dem eigentlichen Spielbeginn im Auswahlmenü der Charaktere bestimmt. Es handelt sich dabei um 12 zusätzliche Fähigkeiten, wobei jeder Spieler unabhängig vom anderen jeweils zwei von diesen 12 Zaubern für das kommende Spiel wählen kann. So gibt es beispielsweise Entzünden, um flüchtende Gegnern mit wenig Leben vielleicht doch noch zu erwischen; Geist, um jemanden schneller zu verfolgen oder selbst zu flüchten oder Teleport, um schnell die Lanes wechseln zu können. Mit den Lanes selbst, dem Jungle, dem hohen Gras als Ankerpunkt für Hinterhalte und auch den integrierten Beschwörerzaubern eröffnen sich zahlreiche strategische Möglichkeiten, die den Titel unglaublich spannend machen und jedes Spiel zu einer mehr oder weniger einzigartigen Runde avancieren lässt. Bis Level 6 bleiben die Spieler meistens auf ihrer Lane, bis es nach und nach zu Teamfights und - wenn man so will - strategischen Versetzungen der Spielfiguren kommt.

Im laufenden Spiel ist die Kommunikation mit Teammitgliedern über den internen Chat von hoher Bedeutung. Weiterhin kann man über die Karte oder auf dem Spielfeld Wegpunkte festsetzen sowie Feinde, Türme, Verbündete etc. markieren. Nur in der Gruppe und im Miteinander ist man erfolgreich. Auch der richtige Umgang mit der eigenen Figur und Kenntnisse der Fähigkeiten der Gegner können über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es ist schwierig zu beschreiben, doch gelingt League of Legends ein unglaublich dynamisches, abwechslungsreiches und zugleich spannendes Spielerlebnis - und das, obwohl ich eigentlich immer nur auf der einen großen Karte spiele und somit von der Umgebung keine Abwechslung geboten wird. Vielleicht ist es zu weit ausgeholt, doch ist es ein wenig wie beim Schach. Das immer gleiche Spielfeld mindert die strategische Komponente auch dort keineswegs; ist sogar notwendig, um die richtige Balance zu gewährleisten. Ein Schachbrett wird ja auch nur schwer in der grundlegenden Struktur verändert werden können, da es nach der derzeitigen Konzeption einfach perfekt ausbalanciert ist (Obwohl mir schon klar ist, dass es auch 4-Spieler-Schach gibt). Der Punkt ist hier aber folgender: Mit dem eigenen Champion im Zweikampf einen anderen zu erledigen, einem Verbündeten erfolgreich zu Hilfe zu eilen oder einen gegnerischen Turm zu vernichten, bringt unglaublich viel Freude. Gerade in der späteren Spielphase verdichtet sich dieses Spielerlebnis eben durch die im jeweiligen Moment notwendigen Setzungen der Figuren. Hat man so beispielsweise das gegnerische Team ausgelöscht, aber nur noch zwei Spieler aus dem eigenen Team sind am Leben, so muss man schnell überlegen und sich auch möglichst absprechen. Geht man per Teleportfunktion zur Basis, um sich zu heilen und Items zu kaufen oder nutzt man die Zeit, um den Gegner unter Druck zu setzen. Wie viel Zeit hat man noch? Schafft man es bis zu einem gegnerischen Turm, kann ihn Schaden zufügen oder sogar vielleicht vernichten oder ist es dann schon zu spät, sodass man der geballten Ladung von fünf gegnerischen Champions gegenüber steht und unweigerlich ins Gras beißt? Das Spiel ist dabei verdammt spannend, auch da sich das Blatt sehr schnell wenden kann. Hat man so beispielsweise bereits die Türme der feindlichen Basis erreicht, wird dann aber selbst mit dem Team aus Überschätzung ausgelöscht, dreht sich der Spieß ganz schnell um. Ist man tot, muss man eine bestimmte Zeit warten, bis man in der Basis respawned. Ohne Umschweife merkt man, dass jede Sekunde kostbar ist.

Die Qual der Wahl

In der Basis hat man die Möglichkeit Items zu kaufen, um seinen Charakter zu verbessern. Diese werden mit Gold bezahlt. Das bekommt man abgesehen von der Menge, die sich sekündlich automatisch generiert, durch das Töten von Gegnern, durch Assists oder indem man Creeps den Todesschlag verpasst. Auch bestimmte Items können Gold generieren. Ist man in der Basis auf der Beschwörerplattform angekommen, heilt man sich nicht nur, sondern hat eben auch Zugriff auf den Item-Shop. Je nachdem welche Klasse man hat, wie der Gegner agiert und auch wie man spielt, ist es ratsam, bestimmte Items zu erwerben. Innerhalb eines Menüs mit Unterkategorien sind diese übersichtlich geordnet und auch sehr schön beschrieben. Ich bin sehr glücklich darüber gewesen, dass es für jeden Champion auch empfohlene Items gibt. Diese sind zwar nicht immer unbedingt die besten und auf das jeweilige Spiel zugeschnitten, doch passen sie im Allgemeinen so zum jeweiligen Helden, dass man auch ohne Hintergrundwissen im weiteren Spielverlauf nicht untergeht. Das ist sehr einsteigerfreundlich und hat mir zu Beginn auch immer sehr geholfen, wodurch ich mich wunderbar auf das Spiel selbst konzentrieren konnte. Im Laufe der Zeit lernt man die Items dann immer besser kennen und kann neben dem Core-Build auch weitaus differenzierter auf Gegner reagieren.

Je nach Sieg oder Niederlage gibt es nach dem Spiel eine bestimmte Anzahl an Erfahrungspunkten, die man unter anderem für neue Champions ausgeben kann. In der dabei erscheinenden Lobby kann man mit allen Mitspielern chatten und diese als Freunde adden, wodurch man sieht, wann sie online sind und was sie gerade mit welchem Charakter spielen, falls sie im Spiel sind. In der Lobby sieht man weiterhin eine grobe Statistik des jeweils gespielten Spieles, die angibt, wer wie viele Champions getötet und Assists gemacht hat; wer wie oft gestorben ist und auch wie viele Türme man jeweils zerstört hat. Mit jedem Spiel levelt man auch außerhalb der eigentlichen Spiele mit dem quasi global erstellten Avatar, mit dem man sich auch immer einloggt. Die damit angegebene Beschwörerstufe ermöglicht ab der höchsten Stufe Level 30 den Zutritt zu sogenannten Ranglistenspielen. Diese unterscheiden sich eigentlich nur wenig von den herkömmlichen normalen Spielen. Der Unterschied besteht hauptsächlich darin, dass derartige Spiele eben auf einer Liste online eingetragen werden und man dann wohl möglichst das Ziel hat, durch viele Siege auf Platz 1 der Rangliste zu gelangen. Bis man Stufe 30 erreicht, vergeht allerdings viel Zeit. Mit derzeit rund 250 beendeten Spielen (rund die Hälfte gewonnen und die andere Hälfte verloren) bin ich erst auf Stufe 25 - und will eigentlich gar nicht wissen, wie viel Zeit ich bisher mit diesem Spiel verbracht habe.

Runen und Meisterschaftspunkte

Pro gestiegenem Level innerhalb der erwähnten Beschwörerstufe kann man Meisterschaftspunkte verteilen. Diese lassen sich ganz klassisch auf einem Skill-Tree, der sich in Angriff, Verteidigung und Magie unterteilt, nach Belieben verteilen. Gewählte Punkte wirken sich dann wiederum auf den jeweiligen im Spiel selbst genommenen Helden aus. So kann man Beschwörerzauber verstärken, die Manaregeneration nach und nach erhöhen oder magischen Schaden abschwächen. In den Matches selbst startet man allerdings immer wieder bei Stufe 1; dann eben nur mit den Verbesserungen, die man durch den globalen Avatar jeweils erworben hat. Eine weitere Möglichkeit seinen Charakter außerhalb des eigentlichen Spieles zu verbessern besteht darin, die im sogenannten Runenbuch vorhandenen Plätze mit Runen auszufüllen. Diese lassen sich im League of Legends-Shop sowohl mit Erfahrungspunkten als auch mit echten Geld kaufen und ermöglichen Verbesserungen in Abwehr, Angriff, Manaregeneration etc. Sobald man mit einer höheren Stufe Kämpfe gegen Spieler mit Level 30 hat, kann man mitunter einen Unterschied im Balancing entdecken: Da kann ein einzelner Gegner viel stärker als alle anderen sein. Dies liegt dann sowohl an seinen geschickt platzierten Meisterschaftspunkten als auch an der richtigen Auswahl der Runen.

Riot Games möchte natürlich, dass man sich an dieser Stelle durch am besten echtes Geld Runen kauft, um in den Spielen auch besser zu werden. Glücklicherweise ist das aber nicht notwendig, da die erworbenen Erfahrungspunkte locker ausreichen, um mit anderen Spielern mithalten zu können. Damit erzeugt man sogar viel eher rollenspielähnliche Elemente, die die Fixierung auf eine Figur in einem gewissen Maße fordern und vor allem vor dem eigentlichen Kampf eine individualisierte Zusammenstellung ermöglichen. Schade ist dabei allerdings, dass die Runen im Tutorial kaum erwähnt werden. Dafür gibt es allerdings zahlreiche von Riot erstellte Tutorial-Seiten, die einem zur Verfügung stehen. Ohnehin gibt es auf externen Websiten zahlreiche Guides zu den Champions, die die Itemwahl, die Vorgehensweise und das Miteinander mit dem Team in aller Ausführlichkeit beschreiben.

Die Community

Das Herzstück von League of Legends besteht ja ganz klar noch immer aus den Spielern selbst, da es sich hier schlichtweg um ein teambasiertes Strategiespiel handelt. Das hat natürlich immer irgendwo seine Vor- und Nachteile. Läuft ein Spiel schlecht, wird man mitunter schnell als Noob bezeichnet und muss Beleidigungen über sich ergehen lassen. Problematisch wird es auch, wenn ein Spieler im Gefecht das Spiel verlässt. Ein 4vs5-Match ist schwierig zu gewinnen - wenn ab derartigen Punkten nicht ohnehin schon klar ist, dass das Spiel verloren ist. Falls derartige Probleme auftauchen, kann man den jeweils dafür verantwortlichen Spieler allerdings in der Lobby nach dem Spiel melden. Über ein System, bei dem die Mitglieder bei League of Legends mitunter auch Mitbestimmungsrecht haben, können extreme Leaver, Flamer und Konsorten bestraft werden. Riot Games kümmert sich meiner Meinung nach gut um derartige ohnehin nicht gänzlich vermeidbare Probleme und gab mir dabei bisher immer ein gutes Gefühl. Schön ist dabei auch, dass man in laufende Spiele, die man aus irgendeinem Grund verlassen hat, stets wieder zurückkehren kann. Als mir (nicht nur einmal) der Rechner hängen blieb, konnte ich problemlos in das noch laufende Spiel wieder einsteigen. Sehr schön.

Ab und an gibt es Serverprobleme. Die können derart schwerwiegend sein, dass ein Spiel gar nicht mehr gestartet werden kann, man sich nicht einloggen kann oder dafür bis zu eine halbe Stunde warten muss. Das passiert relativ selten, stellt aber dennoch immer ein Ärgernis dar. Bei schwerwiegenden Problemen jener Art ist der Entwickler aber immer hinterher. Es wird sich offiziell entschuldigt und man erhält mitunter quasi als Entschädigung einen XP-Boost, den man so sonst nur für echtes Geld hätte erwerben können. So bekommt man damit beispielsweise für die nächsten vier Siege immer 100 Erfahrungspunkte mehr. Da ist Riot sehr engagiert und gibt mir das Gefühl, dass man wirklich professionell arbeitet, sich alle Mühe gibt und die Community achtet. Wenn es dann heißt "Four XP-Boosts for Europe" bin ich meist gar nicht mehr so wirklich verärgert über aufgetretene Probleme. Super. Irgendwie ergänzt sich das dann schon zu einem Ganzen.

Grafik und Sound

Die grafische Darstellung von League of Legends orientiert sich stark am gewohnten Warcraft 3-Setting, ist allerdings moderner und schöner anzusehen. Natürlich haben wir damit keinen derzeitigen Standard im Punkte Strategiespielgrafik erreicht, aber das ist auch nicht notwendig. Da die Effekte bei der Verwendung von Fähigkeiten immer sehr schön anzusehen sind und ohnehin alles irgendwie zueinander passt, kann man dem Spiel diesbezüglich gar nichts vorwerfen. Bei der hauptsächlichen Fokussierung auf die strategische Komponente bin ich somit vollends mit dem gebotenen grafischen Erlebnis zufrieden. Auch musikalisch weiß das Spiel zu gefallen. Die Titelmusik beim Einlogscreen gefällt mir richtig gut und ist halt mittlerweile einfach typisch League of Legends. Im Spiel selbst gibt es dann aber eigentlich immer nur einen einzigen Song, der gespielt wird. Das klingt jetzt vielleicht schrecklich eintönig und öde, doch weit gefehlt: Die Musik ist recht dezent gehalten und passt einfach perfekt zum Strategiefeeling; geht in großen Kämpfen ohnehin unter; bleibt aber zugleich der stete Begleiter, der in ruhiger Form Spannung zu erzeugen vermag. Sehr gut gelungen ist nach alter Warcraft 3-Manier auch die Lokalisierung. Sämtliche Texte sind einwandfrei übersetzt. Die Stimmen der Champions sind mit Liebe eingesprochen worden und passen einfach wie die Faust aufs Auge. Was will man da also mehr?

Fazit

Ich spiele League of Legends mittlerweile seit rund einem halben Jahr. Der Titel hat nicht nur mich, sondern sowohl Freunde aus meinem derzeitigen Wohnort als auch Freunde aus meiner Heimatstadt in den Bann gezogen, mit denen ich mich jetzt schon fast täglich gemeinsam in die Schlacht begebe. Der Sieg des Tages ist schon beinahe zur obligatorischen Tagesaufgabe geworden. Riot Games hat es geschafft ein Spiel zu entwickeln, das in kurzen Scharmützeln sowohl Anfänger als auch Profis anspricht. Die Auswahl an Helden ist enorm, das Steigen des eigenen Levels außerhalb des eigentlichen Spieles unglaublich motivierend und die Kämpfe mitunter einfach nur episch. Ich finde es großartig, dass man den Titel tatsächlich spielen kann, ohne einen einzigen Cent darin zu investieren. Dabei bleibt das Spiel stets fair und bietet dem zahlenden Spieler Vorteile, die sich nicht oder nur kaum im Gameplay selbst widerspiegeln; wie beispielsweise die frühere Freischaltung eines Champions, den Erwerb verschiedener Skins oder ähnlichem. Die Rotation der Champions zum Kennenlernen aller Helden motiviert ebenso. Jede Woche Frage ich mich: Wer wird nun freigeschaltet? Wen kennt man noch nicht und wen man kann vielleicht mal ausprobieren? Und wenn man jemanden ins Auge gefasst hat, spart man auf ihn mit den im Spiel gewonnenen Erfahrungspunkten. Erwirbt man damit einen Champion dauerhaft, ist das dann schon wieder motivierend. League of Legends ist ein kostenloses Spiel mit unzähligen Helden, die sich auch alle irgendwie unterschiedlich spielen und ist zugleich mit einem wirklich einfachem Spielprinzip ausgestattet, das in dieser Form aber locker für mehrere durchzechte Nächte sorgt. Nur wenige Defizite trüben das Spielerlebnis. So ist die Zuteilung zu anderen Spielern nicht immer ideal. Bestimmte Gegner sind manchmal einfach viel zu stark, was sich mitunter erst ab Beschwörerstufe 20 bemerkbar macht, da ab diesem Punkt stärkere Runen gekauft werden können und man gegen einen Spieler mit Stufe 30 manchmal alt aussieht. Dass das eigene Team ab und an auch einfach schlecht ist, die Mitspieler dann mitunter unfreundlich und ausfallend reagieren, ist zwar nicht die Schuld von Riot Games, kann einen aber manchmal einfach den Spielspaß verderben. Glücklicherweise kann man ja aber immer mit Freunden und auch neu gewonnen InGame-Freunden ein Spiel eröffnen und auch im freien Spiel beliebige Konstellationen probieren. Weiterhin fallen Lags und Serverprobleme mitunter negativ auf, werden aber meist recht schnell und professionell behoben. In den meisten Fällen allerdings gibt es einfach nichts zu meckern. Im Endeffekt bleibt mir somit tatsächlich nur zu sagen, dass ich League of Legends jedem empfehlen kann, der einen Faible für das Strategie-Genre hat. Einen Blick ist es allemal wert, immerhin ist es kostenlos. In diesem Sinne: "Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld, Beschwörer."


Geschrieben am 25.03.2011, Testkonfiguration: Intel Quad Core 3,0Ghz, 4GB RAM, GTX260
 



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