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KnightShift  


Info
Autor 2
 1.5
 2
 2
Gesamt (45 votes) 2
 1.8
 1.8
 2.1
Name:KnightShift
Genre: Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2003/09
Publisher: Zuxxez
Entwickler: Reality Pump
Offiz. Sites: Game, Demo
Links: Deep Silver
Hardware: 450Mhz, 128MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 900 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Deutsch
Patch: 1.3
USK: 12
KnightShift (review von ronin)

Von Beginn an stand KnightShift (in den USA und "Umgebung" unter dem Titel "Once upon a Knight" bekannt), zumindest in deutschen Landen, unter einem schlechten Stern.

Trotz der schon in den Previewversionen erkennbaren Edelgrafik und der sympathisch daherkommenden humorvollen Hintergrundgeschichte plus dem recht eigenwilligen Versuch, zwei Spiele in eines zu packen, wollten die wenigen "renommierten" Printmags in Deutschland nie so richtig an den polnischen Titel heran. Spellforce, welches immer als direkter Konkurrenztitel gehandelt wurde, warf einen unüberwindbaren Schatten auf KnightShift und heimste Vorschußlorbeeren en masse ein. Sieht man einmal davon ab, daß sich die beiden Titel lediglich in dem Vorhandensein von Echtzeitstrategie-, Aufbau- und Rollenspielelementen ähneln (gibt's das heutzutage nicht sogar in jedem Jump and Run?!), so sind die Gemeinsamkeiten, meiner Meinung nach, nicht so groß, um sie als direkten Vergleich immer wieder anführen zu können. Zumal von Seiten der KnightShift Macher immer wieder darauf hingewiesen wurde, daß man nicht anstrebt ein besseres Warcraft3 oder Diablo2 zu machen, geschweige denn die gleichen Gewichtungen wie eben bei Spellforce. Schon auf der Games Convention in Leipzig, wo man Spellforce vorab testen konnte, wurde klar, daß das Team um Wertich einen viel größeren Wert auf Echtzeitstrategieelemente wie Ressourcenmanagement legt als zum Beispiel die einfachgehaltene Milchproduktion in Knightshift. Hier zeigt sich wieder einmal, daß dieses ständige Vergleichen mit den vermeintlich besten Genrevertretern oftmals hinkt.

Erschwerend kam ein Rechtsstreit zwischen dem Entwickler und der Gamestar hinzu, in dem sich letztere leider nicht mit Ruhm bekleckerte. Eine unfertige Vorabversion wurde, ohne Erlaubnis wie der Herstellers berichtet, getestet und mit einer rufmordgleichen Bewertung versehen. Um das ganze Prozedere in seiner Absurdität noch zu steigern, testete man einen Multiplayermodus, der in dieser Vorabversion gar nicht integriert war. Die ökonomischen Konsequenzen für die Macher von Knightshift und die schwierige Situation für den deutschen Publisher Zuxxez dürften klar sein. Aber diese als Einleitung gedachten und sich zu einer "Kolumne" (so nennt man das doch heute ;-) ) entwickelnden Ausführungen sprengen den Rahmen. Lange Rede kurzer Sinn: Im Folgenden soll in einem ausführlichen Test das Action-Rollen-Echtzeitstrategie-und-Aufbau-Spiel Knightshift von Reality Pump (bekannt geworden u. a. durch die Earth 2150 Reihe) eine faire Beurteilung erhalten.

Der Verfasser schwört bei der Ehre von Prinz Siegfried und seiner Lieblingskuh Gertrude, daß er eine vollständige und freigegebene Version vorliegen hatte. Oder, um die Sache etwas "tierischer" zu formulieren: Ich habe der finalen Version die Hand ans Euter gelegt und geprüft, ob die Zitze auch königliche Milch verspricht.

Es war einmal ...

... in einem kleinen, süßen, kitschigen Königreich, in dem ein ernster, gerechter, blonder, gutaussehender und unverheirateter Prinz über sein kleines Märchenreich regierte. Alle Menschen waren zufrieden und verehren ihren Herrscher. Alles könnte so perfekt sein, aber leider gab es da noch den neidischen Boldwin, seines Zeichens böser, machthungriger Zauberer, der nach der Macht im Reiche strebte. Trotz der großen kämpferischen Fähigkeiten Siegfrieds und trotz seiner tollen glänzenden Rüstung unterliegt der holde Prinz, aufgrund einer herbeigeschworenen Bratpfanne, die unverhofft im Rücken seiner Majestät auftauchte und ihn ins ewige Reich der Stasis versetzte. Zum Glück gibt es da den alten Priester Thadeus. Der sympathische Tattergreis schafft es, Siegfried nach fünf Jahren aus seiner Bratpfannenstarre zu befreien. Leider scheint der alte Lehrmeister unter chronischen Sprachaussetzern zu leiden, die durch eine komplett falsche Wortbetonung noch verstärkt werden. Nichtsdestotrotz, als Märchenprinz beginnt Siegfried seine unterbrochene Karriere wieder aufzubauen und schlägt sich mit diesem "Storyhintergrund" durch drei RTS-Kampagnen (Real-Time-Strategy). Den zweiten Storyhintergrund bildet die Suche nach dem eben angesprochenen sprachlichen Grobmotoriker Thadeus. Chronologisch steht der RPG-Part (Role-Playing-Game) also vor dem RTS-Part. Da sich Knightshift in zwei unterschiedliche "Spiele" unterteilt, möchte ich auch jeweils gesondert auf die einzelnen Teile eingehen, vorab jedoch erst die allgemeinen Bereiche wie Grafik, Sound, Steuerung etc.

An der Grafik von KnightShift gibt es auf den ersten Blick nichts auszusetzen. Die Wasserspiegelungen, die Zaubereffekte und die wunderschönen Rüstungen und Waffen der Charaktere sind über jeden Zweifel erhaben. Da spiegelt sich der Mond im Wasser, während kleine Enten zwischen Wasserpflanzen "dahintümpeln"; auf dem Land verstärken simulierte Wolkenschatten das Gefühl, in einer echten Welt unterwegs zu sein. Der Tag- und Nachtwechsel tut sein Übriges und stellt sogar eine taktische Komponente dar, da der Sichtradius begrenzt wird; auch kommen hier die tollen Zaubereffekte hervorragend zur Geltung. Sehr beeindruckend ist auch der grafische Effekt, wenn man einen Feuersturm in der Nähe von Wasser zaubert. Die Meteoriten, die vom Himmel fallen, spiegeln sich auf ihrem Weg nach unten kurzzeitig im Wasser, um dann in einer spektakulären Explosion aufzuschlagen - absolut gelungen! Eine weitere Spielerei ist die Möglichkeit im RPG-Part, die Jahreszeit der jeweiligen Karte auszuwählen. Was mir besonders gefallen hat waren die Grafiksets der Rüstungen und Waffen. Jede neu erworbene Waffe war individuell am Charakter erkennbar, Gleiches gilt für den Rest der Ausrüstung: auch magische Effekte, die besondere Eigenschaften an eben dieser hervorheben, fehlen nicht. Auf den zweiten Blick stellten sich dann doch zwei recht schwere Kritikpunkte heraus. Die Animationen der Charaktere sind wahrscheinlich mit Hilfe eines kanadischen Holzhackerveteranen entstanden. Ich erwarte wahrlich keine Animationen auf Motion Capturing Basis in einem RTS-Spiel, aber die Animationsstufen von Knightshift sind doch arg begrenzt. Ein weiterer Kritikpunkt, den sich Reality Pump gefallen lassen muß, sind die wenig abwechslungsreichen Szenarien und die wirklich häßlichen Dungeons. Es ist doch sehr ärgerlich, wenn man nach mehreren Kampagnen endlich den Höllenschlund betreten darf und man sich erneut in einer gemäßigten Klimazone voller Nadelbäume wiederfindet, die den vorhergehenden Maps sehr ähnlich sieht. (eine Vorliebe für Holzhacker drängt sich hier auf ;)) So schön die Grafik auch ist, so eintönig wird sie mit der Zeit, da bestimmte Umgebungselemente (Steinkreise, Regenerationsaltäre etc.) immer wieder aufzufinden sind, was auf Dauer wie zufällig aus dem Editor generiert wirkt. Sehr schade, da ansonsten das ganze Spiel sehr liebevoll designed und umgesetzt wurde. An dieser Stelle wäre mehr Individualität über die Kampagne hinweg (das fällt vor allem im RPG-Part auf) nötig gewesen. Noch ein letztes Wort zu den Dungeons. Im Gegensatz zur äußeren Umgebung wirken diese (bis auf wenige Ausnahmen im RTS-Part) sehr lieblos und arg generiert, was durch die tristen Wandtexturen noch verstärkt wird.

Performancetechnisch hatte ich mit meinem System keinerlei Probleme. Selbst bei hohem Gegneraufkommen und vier gleichzeitig gezauberten Blitz- und Feuerstürmen lief das Spiel bei maximalen Details flüssig. Der soundtechnische Bereich in Knightshift stellt den wohl subjektivsten Teil dieses Spiels dar, wobei ich mich speziell auf die Sprachausgabe beziehe. Entweder man mag den Humor, der über die Kommentare der Einheiten rüber kommt, oder man haßt ihn. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum über den "platten Humor", wie es in so manchem deutschen Printmag heißt, hergezogen wird, wobei ich mich wahrlich nicht für einen Anhänger schlechter deutscher Comedy halte, aber das ist wohl Geschmackssache. Mein "humorloser" Chefredakteur fand die Kommentare ebenfalls ziemlich nervig ;-). Nichtsdestotrotz, die diversen deutschen Dialekte sind wunderbar umgesetzt und werden nie langweilig oder eintönig. Es gibt so viele verschiedene Kommentare pro Figur, daß man immer wieder Neues entdeckt. Der eingangs erwähnte Tattergreis Thadeus zum Beispiel lädt immer wieder zum Schmunzeln ein, wenn einer seiner befürchteten Gehirnaussetzer die Geduld des Spielers auf eine harte Probe stellen. Mein persönlicher Favorit ist die alte Hexe auf ihrem Besen, die immer irgend etwas von Hexenschuß faselt und bei ihrem Ableben ein Geräusch wie eine explodierende Silvesterrakete von sich gibt - einfach klasse! Auch der Priester ist ein Highlight; zwischen seinen altklugen Kommentaren schreit er immer wieder "Wo sind die Weiber!" um kurz darauf Salbe für seine Hühneraugen einzufordern. Ich könnte noch stundenlang mit einzelnen witzigen Kommentaren fortfahren, aber am besten man hört sich das Ganze selber an. Überhaupt nichts gibt es über die musikalische Untermalung zu "meckern". Wunderschöne, abwechslungsreiche Musikstücke passen sich im Spiel der Situation an und werden nie anstrengend. Sogar ein eigener Titelsong (wann kommt die CD?!) mit hohem Wiedererkennungswert ist im Spiel enthalten. Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert. An dieser Komponente merkt man, wie bei so vielem anderen auch, dass die Entwickler viel Herzblut in ihr Spiel gesteckt haben. Ein kleiner Bug fiel mir in diesem Zusammenhang noch auf. Einige Sprachsamples waren fehlerhaft. So kam es vor, daß ein Holzfäller mit der Stimme einer Priesterin reagierte, oder das ganze Sprachfile fehlte und nur eine Sprechblase eingeblendet wurde. Diese Fehler sind jedoch bekannt und sollen mit einem Patch bereinigt werden. Wem dennoch die deutsche Sprachfassung nicht gefällt, kann sich einen Patch herunterladen, der das Spiel mit englischen Sprachsamples ausstattet.

Die Steuerung orientiert sich am Genrestandard und geht leicht von der Hand. Obwohl die Kameraperspektive frei dreh- und zoombar ist, kann man den Sichtwinkel feststellen, wobei man manchmal nicht um das Benutzen der Zoomfunktion herumkommt. Teilweise kommt es zu Orientierungslosigkeit und man scrollt etwas panisch auf der Karte herum, aber das passiert meiner Meinung nach in den meisten Spielen, wo freies Drehen und Zoomen möglich ist. Das übliche Gruppenbilden funktioniert problemlos und auch eine Formationsfunktion ist vorhanden. Wenn man nicht gerade mit riesigen Truppenaufkommen über eine enge Brücke will, funktioniert die Wegfindung im RTS-Part ebenfalls problemlos. Lediglich im RPG-Part kostete mich meine Amazone so einige Haltbarkeitsjahre meiner Maus. Die Zauber reagieren relativ träge und auch auf Bewegungsbefehle folgt oftmals eine kurze Pause - immer in den ungünstigsten Situationen. Da man als halbnackte Amazone bei besonders hartnäckigen Gegnern "onehitted" wird, nervt das tierisch. Gleiches galt auch für den Krieger, der lieber Ringelrein mit den Gegnern spielte, als seiner Teamkameradin mit dem riesigen Troll zu helfen. Diese Probleme traten vereinzelt im RPG-Part auf und waren im RTS-Part kein Thema. An der Qualität meiner Netzwerkverbindung lag es aber auch nicht, da der Ping durchschnittlich bei 6 ms lag. Auf die besonderen Probleme des RPG-Parts werde ich im Folgenden aber noch eingehen.

Entgegen dem allgemeinen Trend, ein fünfseitiges Handbuch oder PDF auf CD beizulegen und den Rest über ein Tutorial zu erklären, wird KnightShift mit einem 250 Seiten dicken, ganzfarbigen Handbuch ausgeliefert, in dem wirklich so gut wie alles erklärt wird. Auch die Verpackung macht Lust auf mehr und stellt einen guten Kompromiß aus DVD-Hülle und den alten Spieleschachteln dar. An solchen Details merkt man wieder, daß die Entwickler viel Arbeit investierten, um dem Spieler ein besonderes Spielerlebnis zu ermöglichen.

Viel Zeit wurde anscheinend auch ins Bugfixing investiert. KnightShift stürzte bei mir nicht ein einziges Mal ab, oder ließ andere schwerwiegende Programmfehler zu Tage treten.

Nun wurden die ganze Zeit die technischen Qualitäten von KnightShift aufgezählt. Kommen wir nun also zum Spiel, bzw. den beiden Spielen.

Beginnen möchte ich mit dem RTS-Part. Die Story beginnt, wie oben schon ausschweifend erwähnt, mit einem frisch wiederbelebten blonden Siegfried. Die erste Map, die übergangslos in die Kampagne integriert wurde, gilt noch als Tutorial und läßt unseren Märchenprinzen kleinere Questaufträge erfüllen, damit einerseits "der Spieler spielend ins Spiel eingespielt wird" und andererseits Siegfried als Prinz von seinen Landsleuten anerkannt wird. (Größtes Hindernis stellt hier ein kleiner Rotzbengel dar, der seine Majestät nicht durchs Tor lassen will) Der RTS-Part besteht aus insgesamt drei Kampagnen, die jeweils aus ca. acht Maps bestehen. Diese sind meistens sehr groß ausgefallen und lassen in dieser Kategorie Warcraft3 locker hinter sich. Dementsprechend groß ist auch die Spieldauer. Unter 20 Stunden ist die Kampagne, wenn man sich Zeit nimmt und die großen Maps nach Secrets absucht, nicht zu schaffen. Leider zieht auch das recht zähe Ressourcenmanagement die Spielzeit künstlich in die Länge, aber dazu später mehr. Wie auch in Warcraft3 sind die Missionen in Rollenspiel- und Aufbaumissionen unterteilt, oder vermischen sich in einer Map. Oftmals muß man erst ein Dorf aufbauen und dieses verteidigen, um danach Teile einer Rüstung zusammenzusammeln. Vor allem in der letzten Kampagne kommt es öfter vor, daß man von einer Hauptmap, in der man zuvor die eigene Basis aufbaute, in kleine Nebenmissionen mit Rollenspielcharakter wechselt. Für solche Missionen erscheint dann oftmals ein Teleporter, auf den man seine "Eliteeinheiten" setzen und sie mit in die neue Mission übernehmen kann. Etwa zwei Drittel der Kampagnen bestehen aus Missionen, in denen man lediglich mit wenigen Einheiten unterwegs ist. Die Gewichtung liegt also auch im RTS-Part klar auf den Rollenspielanleihen. Die Missionsaufträge sind recht abwechslungsreich geraten und gehen über die üblichen "bauen-und-zerstören" oder "verteidige-die-Basis-bis..." Missionen hinaus, was natürlich an den oft erwähnten Rollenspielelementen liegt. Zum Beispiel muß in der dritten Kampagne ein Drache unschädlich gemacht werden, der kurz zuvor mit seinem Feueratem ein verbündetes Dorf in ein DDR-typisches Braunkohlegebiet verwandelt hat. Die dafür nötige Rüstung liegt verstreut über diverse Dungeons mit tödlichen Fallen und Tempeln voll engstirniger Priester, die unserem holden Siegfried das Leben schwer machen. Ein direkter Angriff nützt hier meist nicht viel und so muß man in einer Map ein Ritual beschwören, um den Gegner in eine Art Dornröschenschlaf zu versetzen. Hierfür müssen drei eigene Einheiten in verschiedene Tiere verwandelt und die dafür nötigen Schreine erst erobert werden. Man sieht schon, die Aufgaben sind recht vielfältig und lassen die RTS-Kampagne selten langweilig erscheinen. Leider gibt es da noch das vertrackte Aufbau- und Ressourcenkonzept von KnightShift, was dafür sorgt, doch einige dieser seltenen Momente zu erleben. Im Gegensatz zum heutigen Genrestandard gibt es in KnightShift lediglich eine mögliche Rasse und nur eine Ressource. Auch die Anzahl an Einheiten ist recht gering. Aber mal ehrlich, wer ein reines Echtzeitstrategiespiel kaufen möchte sollte sowieso nicht zu KnightShift greifen. Der Aufbaupart ist recht einfach und würde jeden Age of Empire-Crack vollkommen unterfordern. Diejenigen Spieler aber, denen der Rollenspielaspekt in Warcraft3 schon immer mehr Spaß gemacht hat, als das dröge Basisbauen, der wird Knightshift lieben. Ich für meinen Teil finde den Mix sehr gut gelungen.

Zwischen den Streifzügen mit seinen wenigen Lieblingen mal ein Dorf mit Befestigungen aus dem Boden zu stampfen und den Gegner zu überrennen macht Laune. Zumal die wenigen Einheiten nach dem Stein-Schere-Blatt-Prinzip gut aufeinander abgestimmt sind. Während zum Beispiel die Hexe auf ihrem Besen mit Nahkämpfern kurzen Prozeß macht, ist sie gegen Bogenschützen fast völlig wehrlos. Hinzu kommt noch, daß jede Einheit an Erfahrung gewinnt (sogar die Milchspender mit jeder Eutermassage ;-)) und auch mit Items ausgestattet werden kann (Außer den Kühen - leider kein Euterschutz für die Wiederkäuer). Im Gegensatz zum RPG-Part kann man hier seine Lieblinge nicht manuell mit Items bestücken, daß passiert automatisch, das selbe gilt für den Stufenaufstieg. Vorbildlich zu erwähnen ist auch die Einheitenauflistung am linken Bildschirmrand, so geht der Überblick nie verloren. Nichtsdestotrotz krankt der Aufbaupart an kleineren Ungereimtheiten, die von den Entwicklern hoffentlich mit einem Patch nachgebessert werden. So liegt zum Beispiel das maximale Ressourcenlimit bei 400 Milcheinheiten, ganz einfach deshalb, weil man nur vier Kuhställe bauen kann. Das an sich klingt nicht weiter schlimm, ist für die späteren Missionen aber verheerend. Die Kosten für ein Upgrade betragen später nämlich exakt 400 Milcheinheiten, was dazu führt, daß der Milchvorrat mit einem mal komplett aufgebraucht ist. Meine zehn Hildas stehen jedoch mit vollem Euter neben Michl, der jedoch nicht melken darf, weil die magische 400 nicht überschritten werden kann. Als updategeiler Spieler, der ich nun einmal bin, warte ich geduldig auf die nächsten 400 Einheiten, um ein weiteres der unzähligen Updates ausführen zu können. Ein großzügigeres Ressourcenlimit hätte hier der Balance nicht geschadet und dem Spieler einen flüssigeren Spielablauf beschert. Hatte ich am Anfang schon vom niedrigen Schwierigkeitsgrad gesprochen, so muß ich kritischerweise eingestehen, daß auch ich teilweise stark unterfordert war. In einigen wenigen Missionen muß man sein Dorf über einen gewissen Zeitraum gegen anrückende Schergen verteidigen. An sich eine nette Sache, allerdings rückte neben einigen wenigen herrenlosen Wölfen kaum ein Gegner gegen mein Dorf vor. Das Resultat waren 30 Minuten des Wartens und Hoffens. Auch hier wieder unnötiges in die Länge ziehen. Das Argument des "RTS-Parts für Gelegenheitsspieler" greift hier einfach nicht mehr. Rumsitzen und warten will selbst der schlimmste Anfänger nicht, so nett die Priesterinnen in ihren knappen Kleidchen auch aussehen mögen. Man könnte jetzt noch darüber klagen, daß das Updatesystem recht umständlich ausgefallen ist, oder jede Palisade anstatt mit einem "Gummiband" einzeln gesetzt werden muß, aber das fällt zwischen all dem märchenhaften Flair, den witzigen Kommentaren und der tollen Grafik nicht weiter ins Gewicht. Als Fazit bleibt mir zu diesem Spielabschnitt nur zu sagen: Wem Warcraft3 zuwenig RPG geboten hat - zugreifen! Richtige Echtzeitcracks werden allerdings unterfordert sein, sollten jedoch die Demo antesten, eventuell sagt einem der eigentümliche Humor ja doch zu.

Aufgrund des derzeitigen Mangels an Hack and Slay Rollenspielen im Stil von Diablo2 oder Dungeon Siege, wird der RPG-Part wohl die meiste Beachtung unter der interessierten Käuferschicht finden. In acht Kampagnen macht man sich, entweder allein oder per kooperativen Modus mit bis zu acht Freunden, auf, den alten Thadeus zu finden. Ich persönlich habe den kompletten Part zusammen mit einem Mitstreiter im Coop-Modus bestritten. Da sich das Programm erstaunlich gut an Levelunterschiede und die jeweilige Anzahl der Mitspieler anpaßt, sind diese Ergebnisse meiner Meinung nach auch für einen "Singleplayer" repräsentativ. Zur Auswahl stehen sieben verschiedene Charaktere. Da wären die Nahkämpfer Barbar und Krieger, die Fernkämpfer Bogenschütze und Speerwerfer mit konventionellen Waffen und die magisch begabten Charaktere Priesterin, Hexenmeister und Amazone. Die große Menge an spielbaren Chars klingt beachtlich, lichtet sich aber etwas, wenn man das Fertigkeitssystem genauer betrachtet. Während die Nahkämpfer und die Fernkämpfer mit ihren wenigen individuellen Anfangsfertigkeiten über das ganze Spiel hinweg auskommen müssen, ist es bei den Magiern möglich, während der Kampagne Schriftrollen zu kaufen, die den Zauberpool um einige nützliche Spells erweitern. Das Resultat ist ein Magier, der sich von den anderen beiden Zauberbegabten seiner Klasse nur durch seine "unique" Anfangsfertigkeit unterscheidet. Eine Amazone zum Beispiel kann sich selbst spiegeln, während eine Priesterin ein schützendes Schild um sich herum zaubern kann. Beide jedoch können die gleichen Schriftrollen kaufen, was die Unterschiede auf wenige Aspekte reduziert. Hier hätte man sich ein besseres Konzept mit mehr individuelleren Eigenschaften einfallen lassen können. Ein komplexes Skillsystem wie in Diablo2 wäre dafür nicht einmal nötig gewesen. Obwohl die Charakterentwicklung und auch die Ausrüstung des Helden in diesem Spielabschnitt komplexer als im "RPG-light" der RTS-Kampagne ausfallen und mit jedem Levelaufstieg eine bestimmte Anzahl Punkte auf Attribute wie Stärke, Geschick oder den einzelnen Fertigkeiten verteilt werden können, sind mir hier die Unterschiede zur RTS-Kampagne zu gering ausgefallen. Die Suche nach Thadeus gestaltet sich bei weitem anstrengender als das lockerflockige Milchkombinat um Genosse Siegfried.

Der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf "leicht" knackig und läßt so manches Mal ein Ableben des geliebten Avatars nicht verhindern. Leider kommen hier die oben genannten Steuerungsprobleme erschwerend hinzu. Ein weiteres Problem ist das Balancing der einzelnen Klassen. Obwohl ein umfangreicher Beta-Test für diesen Teil des Spiels durchgeführt wurde, frage ich mich, welche Charakterklassen beim Testen alles außen vorgelassen wurden. Meine Amazone lag, obwohl sie die gleiche Spieldauer wie der Krieger meines Mitspielers hinter sich hatte, prinzipiell vier Level hinter dem Nahkämpfer zurück. Grund hierfür war einerseits das Erfahrungsverteilungssystem (Die Erfahrung für getötete Feinde wird nicht in gleichen Teilen unter der Heldenparty vergeben, sondern verteilt sich über den ausgeteilten Schaden am jeweiligen Gegner) und andererseits meine schwachbrüstige Amazone, die oftmals nach zwei Hits zu Boden ging. Als großer Rollenspielfan glaube ich in diesem Zusammenhang nicht, daß meine halbnackte Zaubertante vollkommen verskillt war. Der Nahkämpfer metzelte sich unter intensivem Heiltrankgebrauch durch die Heerscharen von Gegnern, während ich mit meinen langsamen Flächenzaubern in den späteren Levels kaum noch Schaden austeilte und jedem dahergelaufenen Bandit davonlaufen mußte. Ab Kapitel sechs besaß meine Amazone dann den Zauber "multiple Versteinerung". Ab diesem Zeitpunkt stellte sich der Schwierigkeitsgrad von "ohne-den-Einsatz-von-100-Heiltränken-überlebe-ich-nicht" auf "Heiltränke?!-wer-braucht-denn-sowas". Richtig harte Zwischen- oder Endgegner wurden mit recht geringem Manaaufwand in eine 10-sekündige Starre versetzt und wehrlos tot geklopft, vereinfacht wurde die Sache noch durch den Flächeneffekt des Zaubers. Desweiteren konnte er unendlich wiederholt werden, wodurch die finale, teuflischböse Königin, eine hohe Manaregeneration vorrausgesetzt, nicht wirklich böse war. Ich muß zugeben, daß mich diese Aspekte unwahrscheinlich gestört haben. So manches mal wollte ich mit einem reinen Nahkämpfer von vorn beginnen, nicht um einen "Überchar" zu besitzen, sondern um wenigstens eine Hilfe für mein Teammitglied zu sein.

Die Hauptstory der RPG-Kapitel wird jedoch sehr gut erzählt und durch die einzelnen optionalen Quests, die zahlreich auf den riesigen Karten verteilt sind, aufgelockert. Leider werden die Nebenaufträge zufällig auf den Karten verteilt und schöpfen aus einem Pool an vorgefertigten Aufgaben, die sich leider recht schnell wiederholen. Spätestens ab Kapitel fünf kennt man fast alle. Die riesigen Gebiete laden den willigen Abenteurer aber zur ausufernden Suche nach Dungeons und Secrets ein und belohnen den Spieler mit so mancherlei wertvollem Stück. Die besten "Drops" bekommt man jedoch beim Händler in der Stadt, wobei wir beim nächsten Kritikpunkt sind. Da arbeitet man sich mühsam durch einen Dungeon, stirbt so manchen Tod aufgrund härtester Gegner und findet am Ende ... nichts! Da die besten Drops sowieso Frau Hilde im Dorf nebenan verkauft, wird einem die schweißtreibende Monsterhatz lediglich mit Erfahrungspunkten belohnt, was ja an sich nicht nachteilig ist. Eine Truhe am Ende des Dungeons mit einem besonders wertvollen Stück wäre aber ein zusätzlicher Anreiz für den Spieler gewesen. Übrigens besteht die Möglichkeit Set-Items zu finden, im Falle von KnightShift, drei Ausrüstungsteile, die zusammengehören. Entweder handelt es sich um einen Bug oder war als zusätzlicher Award von den Entwicklern nicht von Beginn an eingeplant. Obwohl meine Amazone alle drei Teile eines Sets am Körper trug, stellte sich keine zusätzliche Belohnung ein. Schade.

Begeistert hat mich die Vielfalt der Waffen und deren Effekte. Da blinkt und glitzert es an jedem Rüstungsteil und jeder Waffe und die Magier werfen mit spektakulären Flächenzaubern um sich, die durch individuell einstellbare Shortcuts leicht von der Hand gehen. Schade nur, daß mein Charakter nur maximal vier Ausrüstungsgegenstände am Körper tragen kann. Auch hier zeigt sich wie auch bei der Charakterentwicklung, daß man sich eher an Gelegenheitsspieler richtet. Dem gegenüber steht aber wie schon gesagt der wirklich knackige Schwierigkeitsgrad. Positiv zu erwähnen sind die verschiedenen Resistenzen der Gegner, die dem RPG-Part mehr Tiefe verleihen. Skelette reagieren auf Schaden durch Schnittwaffen fast gar nicht, wohingegen sie bei Stoßangriffen nach wenigen Hits aus den Rippen kippen. Mit der Zeit lernt man welcher Gegner wogegen anfällig ist und richtet seine Mordinstrumente dementsprechend darauf ein. Obwohl es eine Einstellung zum automatischen Waffenwechsel auf die effektivste Waffe gibt, funktioniert diese leider nicht immer optimal - egal, als Spieler mit Ego wechselt man eh manuell ;-).

Die Spieldauer des RPG-Parts läßt sich schlecht abschätzen. Mit den lapidaren Worten "sehr lang" kommt man der Sache wohl am nächsten. Neben den acht Kapiteln der Hauptstory liefert Reality Pump noch mehrere Einzelkarten mit, die zum längeren Spielen animieren. Auch paßt sich wie schon erwähnt der Schwierigkeitsgrad dem Level des Charakters an, weswegen einem erneuten Durchspielen der Kampagne nichts im Wege steht. Wer ewig "leveln" und "Items farmen" möchte kann das problemlos tun.

Zwei kritische Punkte müssen zum Abschluß noch angesprochen werden. Da wären zum einen die im allgemeinen Teil schon erwähnten mit der Dauer eintönigen Landschaftsgrafiken. Da steige ich im siebten Abschnitt hinab ins Reich der Teufel und Dämonen, freue mich auf lavaumspielte Höllenkammern und was finde ich... Nordkanada. Verschneite Bäume, kleine Holzhütten und mittelalterliche Burgen. Man verstehe mich hier nicht falsch. Die Grafik sieht genial aus, nur etwas Abwechselung wäre gegen Ende hin wünschenswert gewesen. Und zum zweiten wäre da die Einheitenarmut. Skelette, Wölfe, Bären, Hexen, Riesen und ein paar Minotauren bilden das Hauptrepertoire. Diese wenigen sehen dann allerdings entsprechend gut aus und lassen schon an ihrer Waffenfarbe erkennen, was für negative Effekte auf den Spieler warten. Auch ein paar mehr Zwischengegner wären toll gewesen. Mein Fazit für den RPG-Part fällt nicht ganz so euphorisch aus, wie für den RTS Part. Ich finde, man hätte sich hier mehr Zeit für das Balancing nehmen und die Komplexität, vor allem im Charakter- und Itemsystem, steigern können. Auch die auf Dauer eintönige Szenerie wäre verbesserungswürdig. Nichtsdestotrotz bleibt durch die tolle Verpackung der Spielspaß bis zum Ende auf einem hohen Niveau, woran der tolle kooperative Modus einen hohen Anteil hat. Ob das für einen Dauerbrenner im Internet reicht wird die Zukunft zeigen.

Der Multiplayerpart von Knightshift ist sehr umfangreich und verfügt über einen tadellosen Netzwerkcode. Die komplette RPG-Kampagne krankte nicht einmal an Lags oder Synchronisationsproblemen, zumindest in unserem Heim-LAN. Außerdem kann man über das Internet per herstellereigener Serverplattform (Earthnet) Gleichgesinnte zum Spielen finden. Neben der Möglichkeit im RTS-Modus die üblichen Schlachten gegeneinander zu schlagen, stellt das Herzstück des Multiplay der hervorragende Coop-Modus dar. Ein weiterer Spieler wird problemlos in die Story integriert und man kann Partys mit bis zu acht Mitstreitern bilden. Auch der Kampf gegeneinander ist möglich. Lediglich das schon erwähnte Prinzip der Erfahrungsverteilung finde ich nicht so gut gelungen, aber das ist Geschmackssache. Anfangs war ich von der Verteilung der Nebenquests etwas entsetzt. Jeder Spieler kann nur maximal eines annehmen, bis er eben dieses erfüllt hat. Auch bekommt nur er die Questbelohnung, der Rest der Party geht leer aus. Im Laufe des Spiels stellt man sich aber darauf ein und kommt aufgrund der zahlreichen Quests nie zu kurz und hilft seinen Mitspielern bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Auch das Speichern geht problemlos und ist jederzeit möglich. Besonders Spielwütige können mit dem mitgelieferten Editor auch eigene Maps erstellen.

Nach diesem Mammuttest steht man nun als objektiver Tester, der man gerne sein möchte ;-), vor dem Problem, zwei Spielen in einem eine gesamte Wertung verpassen zu müssen. KnightShift macht es mir besonders schwer. Der RTS-Part gefiel mir persönlich am besten, obwohl er spielerisch keine so große Herausforderung war, wie sein RPG-Pendant. Die vielen kleineren und auch größeren Probleme im RPG-Part lassen bei diesem sonst so schönen Produkt einen unangenehmen Nebengeschmack zurück. Könnte ich zwei Wertungen verteilen erhielt der RTS-Part die Schulnote 2 und der RPG-Part eine 3 mit Sternchen. Aufgrund der liebevollen Umsetzung, des bugfreien Spielerlebnisses, des herrlichen Humors, der umgänglichen Steuerung in beiden Teilen, der tollen Verpackung und Ausstattung des Spiels, der Edelgrafik und der absolut tollen musikalischen Untermalung fällt es mir im Endeffekt jedoch nicht sooo schwer mit Gesamt "Zwei" zu bewerten. Den Entwicklern wünsche ich mit diesem Titel große Erfolge, denn sie haben es sich voll auf verdient und man kann nur hoffen, daß sich die Negativpublicity durch den Ärger mit oben erwähntem Printmag nicht dauerhaft auf das Spiel auswirkt. Ich freue mich auf einen hoffentlich erscheinenden zweiten Teil. Eventuell mit Kuh Elfriede, die die Weltherrschaft in Siegfriedhausen anstrebt. Milkshift?! ;-)


Geschrieben am 03.11.2003, Testkonfiguration: AMD2400+,GeForce4, 512MB Ram, SB Live
 



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