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Info
Autor 2+
 2
 1.5
 2.5
Gesamt (25 votes) 1+
 1.9
 1.8
 2.5
Name:Kingdom Hearts
Genre: Action Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2002/11
Publisher: Buena Vista Interactive
Entwickler: Square Enix
Offiz. Sites: Game
Hardware: Playstation2
System: Playstation2
Sprache: Deutsch
Serie: ja
USK: 12
Kingdom Hearts (review von yak)

Hält man die Packung von Kingdom Hearts in den Händen, zwingt sich sofort die Frage nach der Zielgruppe dieses Spieles auf. Knuffige Disney-Charaktere, Bambi, Dumbo, Jiminy Grille und Winnie Puh? Kinderkram, werden sicher einige der "erwachsenen" Spieler sagen und Zeit für mich, sich diesbezüglich zu outen. Ich mag sowas - und ich mag auch die "Kindergraphik" von Zelda Wind Waker. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass man mit vielen der Charakteren groß geworden ist und sie mehr oder weniger als alte Freunde betrachtet, vielleicht liegt es aber auch einfach dran, dass man sich von dem Gedanken trennen muss, dass Spiele, die vielleicht auf den ersten Blick nach "Kinderkram" aussehen, auch eine großartige Erzählkunst besitzen und spielerisch anspruchsvoller sind, als viele der sogenannten "Erwachsenentitel". Dass dies auf Kingdom Hearts zutrifft, in dem viele beliebte Disney Figuren auf Final Fantasy Charaktere treffen, was zu einer einmaligen Symbiose gipfelt, soll hoffentlich unser Review zum ersten Teil der Serie zeigen.

Disney und Square haben sich schon was dabei gedacht, als sie entschieden haben, ihre Karten gemeinsam zu mischen und dabei die besten hauseigenen Trümpfe zu ziehen. Disney liefert eine umfangreiche Charaktersammlung aus ihren beliebten Trickfilmfiguren und Square stockt das Team passend mit Figuren ihrer Final Fantasy Saga auf - eine ganz neue Art der Völkervereinigung - und Marketing-technisch mehr als schlau.

Technik

Graphisch lässt das Spiel keinerlei Wünsche offen. Kingdom Hearts treibt die Playstation 2 zwar nicht auf imposante Effektorgien, aber alles ist so stimmig und tadellos umgesetzt, dass es wirklich nichts zu beanstanden gibt. Der Schwerpunkt der Entwickler liegt einwandfrei darin, die Figuren und Settings authentisch herüberzubringen und das ist ihnen ohne Frage einmalig gelungen. Die Figuren sehen aus, wie man sie aus den Trickfilmen kennt und sie sind detailreich umgesetzt, sodass man fast glaubt, einen richtigen Trickfilm vor Augen zu haben. Das Besondere aber ist die Detailliebe, die von den Entwicklern umgesetzt wurde. Wer die Figuren ein wenig kennt und ihre Originalanimationen und Eigenarten, wird begeistert sein, denn jeder der unzähligen Charaktere bietet auch seine ureigene Animationsart. Sei es das schlacksige, fast gliederlos erscheinende Watscheln von Goofy, die geschmeidigen kraftvollen Bewegungen von Tarzan oder das etwas steif-knochige ;) Laufen von Jack Skellington aus Nightmare before Christmas, alles stimmt zu 100% mit dem Original überein. Hier sieht man eindeutig, wie viel Mühe und Arbeit man investiert hat, jede einzelene Figur, auch wenn sie nur einen kurzen Auftritt hat, originalgetreu umzusetzen. Das bezeiht sich nicht alleine auf die normalen Laufbewegungen, sondern ist durchweg im gesamten Spiel zu erleben. Wunderbar, wenn sich der cholerische Enterich Donald als Zauberer im Team auch nicht mit seinen hysterischen Luftsprüngen zurückhält oder das Biest aus "Die Schöne und das Biest" schnaubend wie eine Dampflok auf den Feind stürzt. Das macht schon einen Großteil der absolut grandiosen Spielatmosphäre aus. Die Settings sind ebenso wunderbar umgesetzt. Während der Abenteuer darf man unterschiedliche "Disneyreiche" besuchen, die allesamt einen ausgesprochenen Wiedererkennungswert besitzen. Sei es die Arena aus "Hercules", das Wunderland "Aus Alice im Wunderland", die Unterwasserwelt von Arielle der Meerjungfrau, das Piratenschiff aus "Peter Pan", der Bauch des Riesenwals aus "Pinocchio", der Urwald aus "Tarzan", das schräge Reich aus "Nighmare before Christmas" oder Aladdins Welten aus 1001 Nacht. Besonders erwähnenswert ist auch noch, dass das Heldentrio in vielen Settings spezifische Kostüme besitzt. Erreichen Sora, der Held unserer Geschichte, Goofy und Donald, die das eigentliche Heldentrio darstellen, die verschiedenen Welten, dann ändert sich auch ihr Aussehen. Klar, dass man als kleiner Junge oder normaler Enterich in der Unterwasserwelt wenig bewirken kann, also wird aus Donald eine Mischung aus Oktopus und Enterich, Goofy wird zur Hundeschildkröte und Sora wird zum Meerjungfrauen. Betreten sie die skurile Totenwelt von Nighmare before Christmas, dann werden sie zu ebensolch schrägen Gestalten, wie der Rest dort. Donald als bandagierte Mumie: Klasse! An Spezialeffekten wurde ebenso nicht gespart, wenn Sora und seine Helden in den Kampf ziehen, ist auf dem Screen schon ordentlich was los, und dabei geht die PS2 niemals in die Knie. Gegnermassen oder riesige Endbosse füllen den Screen und schießen Feuergeschosse oder Blitze auf unsere wackeren Abenteurer. Graphisch ist Kingdom Hearts eine wirkliche Wonne!

Beim Sound setzt sich die hohe technische Qualität fort. Angefangen bei den Sprechern, die zum Großteil den Originalbesetzungen entsprechen. So intoniert Peer Augustinski wieder gekonnt den Flaschengeist aus Aladdin und selbst die kleineren Parts haben ihre Originalsprecher aus den Filmen - soweit verfügbar- beibehalten. Mittlerweile verstorbene Sprecher, wie z. B. die immer großartige Beate Hasenau, die im Film "Arielle die Meerjungfrau" der böse Meerhexe Ursula ihre Stimme lieh, wurden durch gleichwertige Sprecher ersetzt, so dass kaum ein Bruch zum Original festzustellen ist. Wirklich klasse auch, dass Disney sogar Altmimen wie Gisela Fritsch bemüht hat, in ihre alten Rollen zu schlüpfen und so erklingt die böse Malefiz mit dem gleichen diabolischen Timbre, wie man es gewohnt ist. Alle Stimmen klingen wirklich außergewöhnlich gut und tragen somit viel zur Atmosphäre bei. Donald mit seinem Gequake, das man aber trotzdem noch verstehen kann oder die etwas träge wirkende Einschlafstimme von Winnie Puh. Otto Waalkes spricht natürlich den Drachen Mushu aus Mulan, wenn auch nur ein paar Sätze. Auch die englische Originalversion bringt viele der Ursprungssprecher wieder vor das Mikro und der kleine Held Sora wird sogar von Haley Joel Osment (Sixth Sense, A.I.) gesprochen. Schade ist jedoch, dass nicht alles komplett vertont ist und dann durch "Sprechblasen" erzählt wird. Merkwürdig auch, dass alle vertonten Dialoge zusätzlich noch (nicht abschaltbare) Untertitel besitzen. Leider ist die englische Originalversion nicht mit auf der DVD.

Die Musik ist ein weiteres Highlight. Ein wunderschönes großorchestrales Eröffnungsthema mit Gänsehautgarantie verbindet musikalisch die Welten von Disney und Final Fantasy, stilistisch jedoch eher westlich orientiert. Jede Welt hat dann auch ihr eigenes musikalisches Thema, wobei hier auch auf Melodien der Originalfilme zurückgegriffen wurde und es mit dem Kingdom Hearts Thema arrangiert wurde. So hört man das beliebte "Under the Sea" aus Arielle und auch Danny Elfmans Thema zu Nightmare before Christmas. Jedoch hätte man sich hier ein wenig mehr Vielfalt gewünscht, denn in der Unterwasserwelt "dudelt" dann die ganze Zeit das fröhliche Reggae Thema von "Unter dem Meer", auch wenn es gar nicht so richtig zum Spielgeschehen passen mag, wenn man durch dunkle gefährliche Grotten taucht. Hier hätten die Disneyarchive sicher genügend Musikmaterial aus den Filmen verwenden können, um die Stimmung besser zu unterstützen. Auch wiederholt sich das entsprechende Thema dann leider viel zu schnell. Dennoch ist die musikalische Umsetzung mehr als gelungen. Fans des Spiels und solche die es werden wollen, sollten sich die verfügbare Doppel CD auf ihren Einkaufszettel schreiben. Eine passende Soundkullisse mit Ambientesounds und Geräuscheffekten runden das Sounderlebnis gekonnt ab.

Die Steuerung geht nach etwas Eingewöhnung gut von der Hand, jedoch gibt es im Bereich Kameraführung und Benutzerfreundlichkeit einige Schwächen, die aber im Abschnitt Gameplay genauer beschrieben werden.

Eine Pal Anpassung wurde nicht vorgenommen, entsprechend gibt es "Widescreen" :-) Balken, was aber nicht wirklich stört. Gespeichert werden kann beliebig oft an recht großzügig verteilten Speicherpunkten. Es stehen zwei Schwierigkeitsstufen zur Verfügung (Normal, Profi), wobei auch geübte Spieler im Modus Normal sicher nicht unterfordert werden. Kingdom Hearts ist sicher kein einfaches Game, auch wenn das Setting dies vielleicht vermuten lässt.

Gameplay

Kingdom Hearts präsentiert sich als Action Rollenspiel mit Anleihen am Adventure Genre. Konsolenspiel üblich kann man das Handbuch getrost beiseite liegen lassen, denn es gibt genügend ausführliche Ingame Hilfen und Tutorials, die mit dem Spielprinzip und den Optionen vertraut machen, wohl dosiert und nie im Überfluss, so dass der Spieler nicht schon gleich bei Beginn mit einer Vielzahl an Möglichkeiten überstrapaziert wird, sondern gut gestaffelt, bzw. dann, wenn neue Optionen zu Auswahl stehen, dazulernt. Auf der Urlaubsinsel Destiny Island erfährt Sora dann auch spielerisch und ohne Gefahr, wie er klettert, schwimmt, Gegner anvisiert, Schläge pariert oder Gegenstände nutzt. Dies wird in Form von kleinen freundschaftlichen Wettkämpfen mit seinen Freunden exerziert. Hierbei wird auch die freundschaftliche Bande verdeutlich, die Sora mit seinen Freunden verbindet. Einer für alle und alle für einen. Doch die schönen Tage vergingen, als die Dunkelheit über Destiny Island zog und unheimliche Gestalten - die Herzlosen- auftauchten. Sora blieb nichts anderes, als die Flucht und diese trennte ihn dann auch von seinen Freunden. Als er wieder wach wird, findet er sich in der Stadt Traverse wieder. Dabei läuft er auch Donald und Goofy über den Weg, die ihrerseits den verschwundenen König Mickey suchen. Zeit sich zusammenzuschließen und gemeinsam die Freunde zu suchen. Doch schnell wird klar, dass Sora etwas Besonderes ist und er zum Träger des Schlüsselschwertes auserkoren wurde, um die Welt vor den Herzlosen zu retten, die alle Reiche in Gefahr bringen und die natürlichen Grenzen zwischen den Welten aufzulösen scheinen, was auch der Grund dafür ist, dass Sora auf seiner Reise auf die unterschiedlichsten Welten treffen kann. Grenzen, die sonst niemals hätten überschritten werden können. Sora scheint sozusagen die Schlüsselfigur zu sein, die Grenzen wieder herzustellen und muss dafür Sorge tragen, dass die Herzlosen die Welten nicht unterjochen.

Kingdom Hearts verbindet nicht nur die Disney-Welten mit denen aus Final Fantasy, sondern es bedient sich auch einiger Spielprinzipen der Square Rollenspiele. Der große Unterschied ist jedoch, dass Kingdom Hearts keine rundenbasierten Kämpfe bietet, sondern sie in Echtzeit ausführt. Dabei entspricht die Charakterentwicklung aber im Groben den Rollenspielen der Final Fantasy Serie. Durch erfolgreichen Kampf erhält man Erfahrungspunkte, die automatisch nach dem Erreichen einer bestimmten Punktzahl den Level der Spielfigur erhöht und ihr neue Eigenschaften und verbesserte Fähigkeiten, mehr Magiepunkte oder höhere Lebenspunkte verleiht. Dazu erlernt sie je nach Levelhöhe auch neue Sonderfertigkeiten wie Kampfkombos oder neue Magie. Das ist zum Teil abhängig vom erreichten Level oder dem Erfüllen bestimmter Quests. Eine kleine Charaktervoreinstellung kann dadurch erzielt werden, indem man in der Spieleinleitung seine Prioritäten wählt, indem man seine "Hauptwaffe" festlegt. So ist das Schwert eher kampforientiert, das Schild geht in Richtung höhere Abwehrkraft und der Zauberstab ermöglich bessere magische Fähigkeiten. Eigene Verteilung der Erfahrungspunkte gibt es später jedoch nicht, hier wird automatisch je nach Level erhöht. Modifizierungen bzw. Charakteranpassung kann man durch gezielte Nutzung von Items verbessern. So gibt es z. B. Ringe, die Resistenzen gegen Feuer erhöhen oder Waffen, die bessere Komboattacken erlauben. Zaubersprüche können durch das Erreichen von Aufgaben ein Upgrade erfahren und so höhere Durchschlagskraft erzielen. Ein sehr schönes System bietet der Pool an Erfahrungspunkten, die auf Abilities verteilt werden können. Je nach Level der Figur gibt es eine bestimmte Zahl an Punkten, die auf Sondereigenschaften verteilt werden können. Diese sind jedoch nicht permanent, sondern können beliebig hin und her geschoben, bzw. aktiviert oder deaktiviert werden, was einen nicht zu unterschätzenden strategischen Spielraum ermöglicht. Trifft man in einer Welt auf Gegner, die eher in der Luft anzutreffen sind, dann sollte man vielleicht einige der Ability-Punkte in Komboschläge investieren, die im Luftangriff hohen Schaden zufügen. Warum nicht in eine Eigenschaft investieren, die dafür sorgt, dass die erlegten Gegner bessere Items droppen oder dass diese z. B. wie durch einen Magneten angezogen werden, was viel Lauf- und Sammelarbeit erspart. Es macht schon Spaß, damit herumzuexperimentieren und die für die eigene Spielvorliebe günstigste Einstellung zu finden. Dabei sollten aber einige Standard-Abilities ständig im Programm bleiben, ohne Reflektor (um Angriffe zurückzuschlagen) oder die Lebenspunktanzeige der anvisierten Gegner, sollte man sicher nicht ins Gefecht ziehen. Schön sind auch Fähigkeiten wie Perforieren, damit es einen ordentlichen Finishing Move gibt oder Sportsfreund, um höher springen zu können. Später erscheinen auch noch Gruppenabilities, die für alle Gruppenmitglieder gelten, um sich so z. B. in einem bestimmten Umfeld bewegen zu können, wie besseres Schwimmen, um den starken Strömungen in der Unterwasserwelt entgegenwirken zu können.

Damit der Kampf und die Anwendung von Magie etwas leichter in den teilweise schon chaotischen Gegnermassen wird, kann man den Feind oder Gegenstände anvisieren. Damit wird automatisch auf den Gegner gehalten und er wird Ziel von Attacken oder magischen Angriffen. Je nach Levelstatus kann Sora entsprechend magische Fähigkeiten in unterschiedlichen Stufen anwenden. Feuer, Blitz oder Eis stehen zur Verfügung, aber auch ein Schutzschild oder die Möglichkeit, die Zeit für das Umfeld anzuhalten sind genau wie die Heilung gängige Praktiken. Natürlich kostet dies Zauberenergie, die entweder durch "Gegnerreste" wieder ansteigt oder durch die Einnahme eines Trankes.

Damit Sora aber nicht alleine gegen die Bande der Herzlosen ins Gefecht ziehen muss, kommen seine Gefährten gerade recht, die ihn tatkräftig unterstützen. Goofy, Träger des Schildes und Donald als Zauberer sind mit Sora schon ein eingespieltes Team. Donald brennt den Herzlosen mit Feuerangriffen anständig eins über den Pelz, ist aber auch zur Stelle, wenn Soras Gesundheit im kritischen Bereich liegt. Da hilft er schon mal mit einem Genesungsspruch aus, um seinen Freund zu retten. Die Begleiter kämpfen selbstständig und machen dies auch recht gut. Es macht riesigen Spaß, mit ihnen ins Gefecht zu ziehen. Hier kommt richtiger Teamgeist auf, wenn Donald fast hysterisch "Sora!" ruft, wenn der Knirps im Gefahr ist und er ihn mit einem Heiltrank vor dem Tode rettet. Viel Einfluss auf die Begleiter hat man jedoch nicht, man kann ihnen ein grobes Verhaltensmuster im Optionsmenü vorgeben und sie gegebenenfalls auch auf das selbst anvisierte Ziel hetzten, doch das reicht im Prinzip völlig aus. Man ist während der Abenteuer mit dem Drei-"Mann"-Team jedoch nicht nur auf Donald und Goofy beschränkt, das Tolle an Kingdom Hearts ist, dass man auch mit den vielen Hauptfiguren aus dem jeweiligen Welten losziehen darf. Warum nicht mit Tarzan gemeinsam den Urwald unsicher machen und auf seine speziellen Kräfte zurückgreifen. Das Biest aus "Die Schöne und das Biest" kann schwere Türen einschlagen, bei denen die anderen keine Chance hätten. Warum nicht mit Arielle tief unter dem Meer gegen Ursula antreten oder mit Peter Pan versuchen, Captain Hook zu Krokodilfutter zu verarbeiten? Das macht wahnsinnigen Spaß und ist eines der absoluten Highlights des Games. Besonders auch die liebevolle Umsetzung, die Dialoge untereinander und das stimmige Setting lassen den Spieler wirklich in die Welten eintauchen, auch wenn sie teilweise nicht wirklich groß angelegt sind. Etwas nachteilig ist es jedoch, dass man das Team nur an Speicherpunkten tauschen kann. Nur hier kann man das Team neu zusammenstellen und zugleich auch Lebens- und Zauberenergie "tanken". Ärgerlich ist dies, da es einige Abschnitte in den Leveln gibt, die nur mit dem jeweiligen "Levelhelden" zu bewerkstelligen sind. Dann gibt es aber auch besondere Stellen, an denen nur das Team aus Sora, Goofy und Donald "funktioniert", um sogenannte Trio-Techs ausüben zu können. Das sind bestimmte farbliche Markierungen, an denen das Trio gemeinsam bestimmte Handlungen ausführen kann, je nach der erreichten Trio-Tech Stufe. An diesen Stellen kann z. B. eine Räuberleiter gebildet werden, um in ein höher gelegenes Geschoss zu gelangen oder auch um Türen einzurammen. Dadurch ist man leider oft gezwungen, etwas sinnfrei hin und her zu laufen, um jeweils die richtige Teamzusammenstellung für die entsprechende Situation zu haben.

Zu den normalen Magiefähigkeiten gesellt sich später noch die Ruf-Magie. Mit ihr kann man bestimmte Charaktere herbeirufen, die Sora im Kampf unterstützen, wobei jedoch Donald und Goofy dann solange ausfallen. So kann man den Dschin herbeirufen, Bambi, den König der Löwen oder auch den Drachen Mushu, der sich dann frech auf Soras Kopf pflanzt und zum Feuerspucker wird. Dabei sind die Auswirkungen recht unterschiedlich, Bambi droppt lediglich nützliche Gegenstände, während andere aktiv am Kampf teilnehmen. Richtig gut zum Einsatz kamen die Ruf- Magien bei meiner Spielweise jedoch nicht, ehrlich gesagt habe ich mit ihnen weniger Erfolge feiern können, als mit Donald und Goofy. Eindrucksvoll präsentiert wird dies jedoch allemal und es erinnert an die naturgewaltigen Zaubersprüche der Final Fantasy Serie.

Soras Begleiter können ebenso wie er selbst mit Waffen, Abilities und Items ausgerüstet werden. So kann man ihre Ability-Punkte auf bestimmte Fähigkeiten lenken oder ihnen auch bessere Schutzitems oder Waffen zuteilen. Den Rest erledigen sie dann weitestgehend von selbst. Die Gegner und Kämpfe sind actionorientiert, was aber nicht bedeutet, dass sie ohne Taktik zu bewältigen sind. Gegner studieren und ihre Schwachstellen erkennen gehört mit dazu. Es gibt Feinde, die am besten von hinten angegriffen werden, da sie dort am meisten Schaden nehmen. Gefährliche Giftpilze, die mit ihren Giftwolken verheerenden Schaden anrichten, sollte man besser mit Fernangriffen in den Wok befördern. Hier empfiehlt es sich auch manchmal, einfach selbst im Hintergrund zu bleiben und Donald und Goofy vorzuschicken ;). Besonders gelungen und auch mit etwas Rätselanteil sind die Levelbosse. Dass man z. B. einen riesigen Höllenhund am besten auf den Rücken springt und seinen Schädel von dort aus bearbeitet oder der Zauberkessel der Meerhexe Ursula, abhängig von seiner jeweiligen Farbe gegen bestimmte Magiesprüche empfindlich reagiert, macht die Bosskämpfe wirklich zu etwas Besonderem. Der finale Fight ist sicher einer der eindrucksvollsten Endfights der Spielgeschichte, wenn er auch im Gegensatz zu einigen vorherigen Levelbossen nicht wirklich schwer.

Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad im normalen Modus nicht ohne, so dass man manches Mal schon freiwillig einige Orte wiederbesucht, um die Figuren durch die respawnten Gegner ein wenig nach oben zu leveln. Das Respawnen ist nicht wirklich nervig, da man die Level, sollte man sie erneut aufsuchen, um dort noch nach verborgenen Secrets oder Schätzen zu suchen, auch verlassen bzw. durchlaufen kann, ohne vorher alle Gegner erledigen zu müssen. Nervig ist nur, dass man Kisten nicht öffnen kann, während man im Kampfmodus ist, der automatisch durch Gegneranwesenheit aktiviert wird. Im Kampfmodus hat man dann auch keinen Zugriff mehr auf das Inventar bzw. Statusveränderungen. Das kann ärgerlich werden, wenn man nach einen Kampf vergessen hat, sein Inventar wieder mit Items aufzufüllen, denn das funktioniert leider nicht. Die Figuren haben je nach Levelstatus nur eine begrenzte Anzahl Slots, in denen sie Items tragen können, die Truhe hat zwar unendlich Platz, nützt aber im Kampf wenig. Das Itemsystem hat dadurch leider Vor- und Nachteile. So wird jedenfalls verhindert, dass man sich ohne Sinn und Verstand übermächtigen Gegnern zuwendet und ihn Marke Diablo2 den Gar aus macht, auf ihn einprügelt, 102 Gesundheitstränke verballert und dennoch gewinnt. Ärgerlich ist aber, dass man es nach einem Kampf schnell vergisst, wieder "nachzuladen". Hier hätte sich eine automatische Nachfüllfunktion gut gemacht. Jedenfalls muss man schon gezielt überlegen, welche Items man in den Kampf nimmt. Mehr Äther, um Magie nachzuladen oder doch lieber ein paar Gesundheitstränke. Die Itembenutzung wurde nicht sonderlich gelungen umgesetzt. Kann man drei Tasten noch als Quicktaste für Magiesprüche frei belegen, muss man Items jeweils durch ein verschachteltes Menü anwählen. Das geht zwar mit den linken Digitalpad, ist aber im Kampf so gut wie nicht einsetzbar, da die Spielfigur mit dem linken Analogstick gesteuert wird. Alternativ kann man mit dem rechten Analogstick durch die Menüs blättern, aber durch das analoge Steuerungssystem kommt es oft vor, dass man sich "verblättert". Dann wandert die Konzentration und Orientierung auf das Menü und man kann der Kampfhandlung auf dem Hauptschirm nicht mehr seine ganze Aufmerksamkeit schenken, was dann oft darin resultiert, dass man eins auf die Mütze bekommt. Eine sehr unglückliche Lösung. Hier hätte man auch eine Quicktastenoption für Items zulassen sollen. Dazu gesellt sich auch die nicht immer glückliche Kamerasteuerung, die oft zur absolut falschen Zeit aktiv wird. Manuell lässt sie sich auch nur bedingt durch die beiden Schultertasten kontrollieren. Auf eine genreübliche Kamerasteuerung durch den rechten Analogstick hat man leider verzichtet. Negativ wirkt die Kamera bei einigen Kletter- und Sprungpassagen.

Der Charme von Kingdom Hearts lebt aber auch noch durch die vielen kleinen Details und Sub-Quest. Da soll man die 101 in allen Welten verschollenen Dalmatiner finden oder die Buchseiten des Winnie Puuh Buches, das man dann auch selbst betreten darf und darin dann kleine Abenteuer und Minispielchen erleben kann, wieder zusammensuchen. Puuhs Freunde finden, Honig sammeln oder Tigger vom Feld verjagen, damit die Ernte nicht ruiniert wird. Die Aufgaben der jeweiligen Level basieren zumeist darin, bestimmte Gegenstände zu finden. So soll man in Halloween Town Gegenstände finden, um ein künstliches Herz für die Herzlosen zu bauen oder man muss die Prinzessinnen beschützen, bzw. aus den Klauen der Bösewichte befreien. Die Aufgaben variieren nicht sonderlich, wirken aber durch die höchst unterschiedlichen Level und Umgebungen niemals langweilig, wenn man z. B. mit Peter Pan nach Wendy oder Pinocchio im Bauch des Wales sucht. Gewürzt wird dies noch mit vielen versteckten oder schwer zu erreichenden Schatztruhen, die man manchmal auch erst später erreichen kann, wenn der Charakter neue Fähigkeiten erlernt hat. Sollte man mit seinen Charakter-Level nicht zufrieden sein, kann man immer noch in der Hercules Welt gehen Horden an Unholden antreten, um sich zu verbessern. Besteht man alle Kämpfe, wird dies mit einem besonderen Geschenk belohnt.

Die Welten sind nur mit einen kleinen Mini-Raumschiff, dem GUMI-Schiff, zu erreichen. Selbiges steuert man in einem kleinen Actionshootergame durchs All und landet letztendlich auf der gewünschten Welt. Diese Schiffe kann man auch ausbauen und umgestalten, jedoch ist das eine wirklich mühselige und nicht sonderlich komfortable Aktion, so dass ich bei meinem ersten Raumschiff geblieben bin, mit dem man auch problemlos alle Passagen meistern konnte. Das Reisen durchs All wird aber schon recht schnell ermüdend und es ist auch nicht wirklich anspruchsvoll. Zum Glück kann man später Warp Technologie nutzen und muss nicht jedes mal die Strecke erneut abeiern.

Kommen wir noch zu einigen nicht gut umgesetzten Spielinhalten. Items und Waffen werden in den Leveln gefunden oder durch Questerfüllung erhalten. Es gibt in Traverse Town (und nur dort) jedoch auch einige Shops, in denen man Items kaufen, später sogar selber schmieden kann. Doch hier stimmt das Balancing absolut nicht. Die Waren in den Shops sind schon nach kurzer Spielzeit kaum noch nützlich, es gibt nur kleine Heiltränke und miese Waffen. Ärgerlich ist auch, dass man zu Beginn, sollte man in einer der ersten Welten zu wenig Items haben, ewig hin und her gondeln muss, wenn man etwas kaufen will. Hier wären ein paar "Stützpunkthändler" in den Welten sicher angebracht. Es gibt auch im eigentlichen Spielverlauf merkwürdige Balancingprobleme. Warum man nach einen schweren Bossfight eine Waffe bekommt, die schlechter ist, als die schon im Besitz befindliche, ist sinnfrei. Genau wie nach einem harten Arena-Cup, den man kaum als Low-Level Charakter bestehen kann. Dort bekommt man ein Bonusgegenstand, der vielleicht in niedrigeren Levelstufen interessant gewesen wäre. Hier hängt im Bereich Balancing leider einiges schief. Die Shops machen vielleicht im ersten Spieldrittel Sinn, danach sind sie praktisch nutzlos. Ärgerlich ist auch, dass man Filmsequenzen nicht abbrechen kann, die man schon gesehen hat. Oft gibt es vor einem Bossfight lange (und schöne) Zwischensequenzen. Schafft man den Gegner aber nicht bei ersten Rutsch, wird man wieder kurz vorher ausgesetzt und kann sich die ganze Story nochmals anhören. Hier wäre es gut, wenn man sie ab dem zweiten Durchgang hätte überspringen können.

Schön ist, dass man für ordentliches Secret und Questlösen ein wenig belohnt wird, denn dann gibt es eine zusätzliche Filmendsequenz, die schon auf den zweiten Teil einstimmt.

Fazit

Kingdom Hearts ist ein mitreißendes Spiel geworden, das geschickt die Welten von Disney und Final Fantasy in einer spannenden Geschichte zusammenführt und zugleich auch noch dem Knuddelcharme der beliebten Figuren treu bleibt. Es macht einfach Spaß, im 100 Morgen Wald mit Winnie Puuh nach Honig zu suchen, mit Arielle unter dem Meer auf Haifischjagd zu gehen, mit Jack Skellington Halloween Town unsicher zu machen, mit Tarzan von Liane zu Liane zu springen, die Teeparty des Hutmachers zu besuchen oder im Bauch des Wales nach Pinocchio zu suchen. Für ca. 45-50 Stunden wird man ausgezeichnet unterhalten, wenn man mit Donald und Goofy Seite an Seite kämpft und versucht, die Herzlosigkeit aus der Welt zu verbannen, in einer Story, die zudem viel über Freundschaft und Treue zu erzählen weiß. Es gibt zwar ein paar Ecken und Kanten, die jedoch den Spielspaß nie merklich trüben. Für nur noch knapp 20 Euro bekommt man mit Kingdom Hearts ein gelungenes und anspruchsvolles Action RPG für Jung und jung Gebliebene, das in keiner PS2 Sammlung fehlen sollte. Also: Der zweite Stern von rechts und auf nach Nimmerland!


Geschrieben am 14.10.2006, Testkonfiguration: Playstation2
 



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