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Info
Autor 3
 1.5
 1
 2
Gesamt (18 votes) 3
 1.6
 1.3
 1.6
Team (2 votes, siehe hier)3
Name:King Kong
Genre: Ego- Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2005/11
Publisher: Ubisoft
Offiz. Sites: Game, Demo
Links: Komponist Chance Thomas
Links: King Kong.com
Hardware: 1Ghz, 256MB RAM, 64 MB D3D T&L&PixSha., HD 1500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
FFeedback: ja
Sprache: Multilingual
zensiert: nein
Bemerkung: auch für Xbox/ Xbox360/ PS2/ GC
USK: 12
King Kong (review von yak)

Und da wären wir wieder beim Thema. Wenn den "Kreativen" nichts mehr einfällt, machen sie Remakes. Hollywood scheint wirklich mit seinem Latein am Ende. Ein Remake zu bekannten Klassikern jagt das andere, dazu in meist zweifelhafter Qualität, nur damit das junge Zielpublikum eine für sie "verdaubare" Fassung eines mittlerweile in die Jahre gekommen Films serviert bekommt. Sicher sind die eingesetzten Mittel heute ausgereifter. Monster werden nicht mehr in Stop-Motion Technik Stück für Stück in Einzelbildaufnahme animiert, sondern per Computer. Das macht jedoch die alten Filme sicher nicht weniger sehenswert. Analog verstecken wir ja auch nicht unsere Großeltern, nur weil sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Mein Großvater konnte nämlich besser Geschichten erzählen, als irgendjemand sonst...

Heute schiebt man jemandem, der einen Kassenknüller verbuchen konnte, mal eben 300 Millionen Dollar über den Tisch und lässt ihn mal "machen". Dass dabei nicht zwingend ein Blockbuster entstehen muss, zeigt das Remake des Klassikers King Kong von Peter Jackson, der in vielen Belangen einfach maßlos überzogen und unrealistisch wirkte, zumindest, wenn man als Prämisse akzeptiert, dass es Riesengorillas mit einer "Affi"nität zu Blondinen gibt. Wenn im Kino dann an den falschen Stellen gelacht wird, sollte dem Regisseur spätestens in den heute zum Handwerk gehörenden Previews deutlich werden, dass man etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Und wenn das Gezeigte selbst durch erstklassige Tricktechnik den Unterschied zur Realität mehr und mehr erschwert, wirkt das ganze Vehikel doch nicht mehr, als eine Trip in einem Themenpark. Von einer Actionszene zur nächsten, wobei man jedoch niemals im Kino wirklich glaubt, es mit etwas Realem zu tun zu haben, wenn der Suchtrupp zwischen dem Stampede der Brontosaurier von Raptoren verfolgt wird und der Held selbige mit einem Faustschlag niederstreckt, hat das nicht mehr viel mit Realismus zu tun, vom "Kong gegen drei Riesensaurier an Lianen-Fight" ganz zu schweigen. Hier die Empfehlung, lieber das mittlerweile mehr als 70 Jahre alte Original anschauen.

Zu einer ordentlichen Vermarktung gehört heutzutage natürlich auch das entsprechende Spiel zum Film und unter Beteiligung des Filmregisseurs hat das Ubi Soft Studio, das bereits das großartige Beyond Good & Evil entwickelte, die Versoftung des King Kong Films übernommen. Was dabei herausgekommen ist, soll unser Review verdeutlichen.

Collectors Edition und HD Version

DVD Liebhaber kennen es schon länger, doch jetzt zieht der Collectors-Edition Wahn auch verstärkt in die Computerspielwelt ein. Von zusätzlichen In-Game Equipment, besonderen Haustierchen oder Bonus Maps kann jetzt auch der wohlhabendere Spieler seinen Status in die bisher recht klassenunterschiedfreien Spielewelt einfließen lassen. Die Online-Alternative zu Markenklamotten. Daneben locken noch zusätzliche Inhalte, wie "begehrte" Sammlerobjekte zum Kauf, natürlich alles nur als streng limitierter Auflage. Richtig lohnende Sammlereditionen gibt es in letzter Zeit jedoch selten. SpellForce 2 bietet da noch die positive Ausnahme. Spärlich verhält sich die Collectors Edition zu King Kong, eine Blechverpackung, drei Postkarten und eine "Bonus-DVD", die dem Namen kaum gerecht wird, außer einem selbstverliebten "Marketing-Making Of" war es das dann auch schon. Schön hätte sich z. B. die erstklassige Spielmusik von Chance Thomas als Dreingabe geeignet. Aber Ubi Soft treibt es noch ein bisschen weiter. So müssen Besitzer, die genügend Rechnerpower besitzen und lieber die High-Definition Version spielen wollen, darauf verzichten, sie normal im Laden kaufen zu können, bzw. sie auf der gleichen Spiel-DVD vorzufinden, auf der noch reichlich Platz gewesen wäre. Diese "Exklusivfassung" für den PC darf man nur als Downloadversion kaufen, was bei mir auch zur Kauf-Boykott des Games führte, bis es als Budgetversion erhältlich war. Und das ging schneller, als es Ubi Soft und dem am Gewinn beteiligten Peter Jackson sicher lieb war. Aber es gibt ja noch mehrfache Möglichenkeiten einer Neuveröffentlichung. Was bei Filmen funktioniert, klappt sicher auch bei Spielen, oder vielleicht doch nicht? Dass es auch anders geht, zeigte Eidos mit Tomb Raider Legend, dessen DVD beide Editionen enthält und man sogar bequem während des Spielens zwischen normaler und High-End Fassung umschalten kann.

Technik

Die aufpolierte Jade-Engine, die ihre Stärken bereits in der Prince of Persia Reihe und in Beyond Good & Evil zeigte, sorgt auch in King Kong für eine stimmige graphische Präsentation, auch wenn im Vergleich zur High-End Version die Texturen manchmal sehr niedrig aufgelöst sind. Der Gesamteindruck ist jedoch überwältigend. Schon zu Beginn hat man das "Mittendringefühl", während man sich im Beiboot durch tosende Wellen und sturmgepeitschter Brandung vorbei an tödlichen Klippen Skull Island nähert. Die Entwickler haben es einmalig verstanden, hier eine mehr als stimmige Atmosphäre aufzubauen. Stilistisch einfallsreich hat man auch die Beleuchtung der Szenen umgesetzt, wenn Lichtstrahlen durch Felsspalten in dunkle Höhlen dringen oder sich durch das dichte Blätterwerk der Baumkronen schneiden. Obwohl man sich mehr oder weniger wie in einem Tunnel durch die Level bewegt, wurden Randgebiete dennoch richtig in 3D modelliert und wirken nie wie angemalte Kulissen, wie man es aus anderen Games zur Genüge kennt. Die Settings orientieren sich an den Filmkulissen, wobei hier besonders eindruckvoll die große Mauer in Szene gesetzt wurde. Im Gegensatz zum Film darf die Abenteuertruppe auch etwas mehr Abwechslung vertragen und rennt nicht nur ziellos durch den Urwald, sondern auch durch Tempelanlagen, unterirdische Höhlen und Sümpfe. Auch eine Floßfahrt steht auf der To-Do-Liste der Helden. Der Urwald wird seinem Namen durch die dichte Vegetation mehr als gerecht und die alten verfallenen Tempel mit ihren riesigen Treppenanlagen wirken ebenso beeindruckend, wie Wasserfälle, die tosend aus dem Bergmassiv brechen, deren Wassermassen in abgrundtiefen Schluchten verschwinden. Ein wenig amateurhaft wirken dann jedoch einige Pflanzen, die scheinbar nur in zwei Animationsstufen vom Wind hin und her bewegt werden. Sie erscheinen viel zu unnatürlich und fast mechanisch. Dafür gibt es aber andere stimmige Details. Fliegenschwärme, die wild umherschwirren, sollte man durch das Buschwerk schreiten oder Vögelschwäre, die an den Berggipfeln ihre Kreise ziehen. Die Figuren sehen ihren Filmversionen wie aus dem Gesicht geschnitten, was auch für die Gegner gilt. Beängstigend wirken die Urzeitkolosse, wenn sie Jagd auf ihr Futter machen und es zerfleischen. Die Animation der Dinosaurier ist ausgesprochen gut umgesetzt, besonders, wenn sich z. B. die Raptoren durch enge Spalten zu quetschen versuchen, sich mit ihren kleinen Krallen dort festklammern, um den Spieler zurück auf den Speisezettel zu holen. Beängstigend wirkt es auch, wenn die Riesensaurier ihr Maul aufreißen und ihnen der Geifer von den Zähnen tropft, während das Spiel in diesen Momenten in eine Art Schockzeitlupe schaltet, was die Situation noch bedrohlicher wirken lässt. Highlights sind auch die Finishing Moves, die Kong benutzt, um seine Gegner auszuschalten, wenn er ihnen z. B. den Kiefer auseinander reißt oder ihnen das Rückgrat bricht. Etwas zu hölzern wirken dagegen die menschlichen Animationen, bei denen es manchmal so aussieht, als ob sie über den Boden schweben würden. Graphisch ist King Kong aber insgesamt außerordentlich gelungen umgesetzt, auch wenn man "nur" die normale Version spielt.

Im Bereich Sound gehört King Kong sicher zur absoluten Referenz und tendiert für meinen Geschmack schon ein wenig zu sehr in Richtung Reizüberflutung. Mit 5.1 Kopfhörer wird das fast schon zu viel des Guten. Sicher durfte man auf die Soundbibliothek des Films zurückgreifen, was die Qualität und den Aufwand im Bereich Ton erklärt. Die Atmosphäre ist im Dschungel dadurch schon mehr als erdrückend. Überall knistert und zirpt es, und jedes Geräusch könnte schon ein nahender Feind aus dem Hinterhalt sein. Durch diese dichte Soundatmosphäre ist man praktisch immer unter Adrenalin. Wenn es auch wirklich schon fast zuviel ist, ist die Soundberieselung dennoch einmalig gelungen. Dazu der mehr als stimmige orchestrale Soundtrack aus der Feder von Chance Thomas, der stilistisch sehr an die Filmmusik von James Newton Howard erinnert. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, denn die Spielmusik wurde lange vor der Filmeinspielung aufgenommen. Vielleicht hat die Spielmusik Mr. Jackson ja so gut gefallen, dass er deswegen die Musik vom "Herr der Ringe" Komponisten Howard Shore aus dem Film geschmießen hat :-). Chance Thomas Musik versteht es aber, jede Szene atmosphärisch zu verstärken, seien es die Tribal-ähnlichen Rhythmen der Eingeborenen, die kraftgeladenen Themen, in denen Kong sich den Widersachern entgegenstellt oder die sanften Töne, während man verwundet wird und traumgleich von einer sanften Frauenstimme darauf vorbereitet wird, ins Licht zu gehen ;) . Die Musik wurde aufwendig mit großem Orchester eingespielt. Leider gibt es jedoch keine Audio CD, verzichten muss man aber dennoch nicht gänzlich darauf, denn Highlights gibt es als MP3 Download auf der offiziellen Spiele Site. Unbedingt anhören! Für die Synchronisation konnte man fast alle deutschen Filmsynchronsprecher gewinnen. Zum Glück jedoch ohne Thomas Kretschmann, der schon im Film bei seiner Selbstsynchronisierung beweisen konnte, dass er sicher auch eine gute Sprecherwahl für X-rated Movies wäre. Da die Spielinstallation multilingual erfolgt, sind ebenso die anderen Sprachfassungen anwählbar. In der englischen Version stehen dann auch alle Originalsprecher von Adrien Brody bis Noami Watts zur Verfügung. Die Dialoge der NPC verleihen dem Spiel dazu ein Plus an Atmosphäre, so z. B., wenn Filmemacher Carl Denham darüber lamentiert, dass er erst eine Aufnahme von den gefährlichen Sauriern machen muss, bevor er sich in Sicherheit bringt. Zudem gibt es auch massig Dialoge, Wiederholungen sind selten und es macht daher nicht den Dauerrecycling-Eindruck, wie man es aus anderen Spielen kennt, in denen NPC einen Gesamtwortschatz besitzen, der maximal die erste Seite eines Pixi Büchleins füllen würde.

Gesteuert werden kann wahlweise mit Maus/Tastatur oder mit Gamepad, wobei mir eine Mischlösung empfehlenswert scheint, die Egosichtpassagen shooterüblich mit Maus/Tastatur zu spielen und die 3rd Person Kong Abschnitte mit Gamepad. Doch hier gibt es einige ärgerliche Details. Die komplette Spielkonfiguration muss mit einem externen Programm durchgeführt werden. Dort ist es möglich, für den Ego und 3rd Person Bereich jeweils drei unterschiedliche Steuerungskonfigurationen einzugeben, auf die dann im Hauptprogramm zurückgegriffen werden kann. Ärgerlich aber, dass man dort auch für die unterschiedlichen Profile identische Tasten belegen kann und das Programm im eigentlichen Spiel nicht zwischen den Profilen unterscheidet. Hat man z. B. in Profil 1 Taste X zum Ducken und in Profil 2 zum Zielen, dann hat es den Effekt, dass die Figur sich duckt und zielt. So etwas dürfte eigentlich nicht durch die Qualitätskontrolle rutschen. Auch benötigt man schon einige Versuche, die für sich optimale Einstellung zu finden, was bedeutet, dass man mehrfach das Spiel wieder verlassen muss. Unpraktisch ist auch, dass die Hilfetexte sich nur auf die Standardttastaturbefehle beziehen, auch wenn man per Gamepad spielt. Dass man bei jedem Spielneustart wiederholt die gewünschte Frage nach der Sprachauswahl treffen muss, ist auch nicht nachvollziehbar.

Gespeichert wird jeweils an bestimmten Checkpoints, die sehr fair verteilt sind. Es gibt keinen wählbaren Schwierigkeitsgrad, was ein wenig schade ist, denn die Grundeinstellung bietet geübten Spielern selten eine Herausforderung. Schwerwiegende Bugs waren nicht festzustellen, jedoch wollte im Brontostampede-Level die Saurierherde plötzlich nicht mehr weiter und blieb wie angewurzelt stehen, was aber auf den weiteren Spielverlauf wenig Einfluss hatte.

Boni lassen sich je nach Spielstand freischalten und gewähren z. B. Artworks in einer interaktiv begehbaren Galerie.

Gameplay

Das Spiel erzählt die Filmstory nicht originalgetreu nach, was positiven Freiraum und genügend Überraschungen im Spielverlauf garantiert. Der Nachteil daran ist jedoch, dass die Story sich nicht als Parallelhandlung zum Film zeigt, sondern in einigen Bereichen komplett andere Wege geht, was darin endet, das bekannte Filmfiguren z. B. an völlig anderen Stellen der Nahrungskette zugeführt werden und es zu recht abstrusen Situationen kommt. Doch dazu später mehr.

Das Spiel lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. In Egosicht darf man den Drehbuchautor Jack Driscoll spielen und muss versuchen, mit Waffengewalt die Schauspielerin Ann Darrow zu befreien, die nach der Opferung durch die Eingeborenen zum neuen Spielzeug des Riesengorillas geworden ist. Im anderen Part, indem man in der 3rd Person Ansicht King Kongs Kontrolle übernimmt, heißt es zumeist ordentlich Saurier vertrümmen, Zäune einschlagen und etwas hin und her hangeln. Dabei verhält sich der Anteil ca. 2/3 Egoabenteuer zu 1/3 Button-Smashing mit Kong. Das Egosichtabenteuer beginnt auch recht vielversprechend. An der Küste wird das Team in einem storyeingebundenen Tutorial mit dem Wichtigsten vertraut gemacht. Schiessen, Waffenkisten aufsammeln, Feuer nutzen und ganz wichtig, einen Hebel finden, mit dem man den Mechanismus einer Türe betätigen kann, um den nächsten Bereich betreten zu können, nachdem man vorher ein paar Monsterkrabben auf links gedreht hat. Es zeigt sich dann leider bereits nach kurzer Zeit, dass die Eingeborenen recht fleißig waren, die benötigten Hebel möglichst weit weg von dem Türmechanismus zu deponieren und die Spieledesigner leider etwas zu faul, sich mehr Variationen einfallen zu lassen, um das Spiel ausreichend abwechslungsreich zu gestalten. So schön der Einstieg auch gemacht ist und man in Hinterkopf hat, was das Team an Ideen in Beyond Good & Evil einfließen lassen konnte, ist die Enttäuschung dann leider doppelt so groß. Im Prinzip gibt es nur drei Handlungs- und Rätseloptionen. Dornenbüsche, die das Weiterkommen verhindern und nur per Feuer zu beseitigen sind, Hebel, die in den entsprechenden Mechanismus eingeführt werden müssen und einige böse Tierchen, wie Giftspinnen, die sich nur durch Köder vom Durchgang oder natürlich dem bekannten Hebel vertreiben lassen. Hier pickst man mit einem umherliegenden Speer oder einem Saurierknochen eine fette Wanze oder ein Rieseninsekt auf und wirft es als Köder an einen in der Nähe liegenden Ort, um die Spinnen kurzzeitig fortzubewegen. Warum der dumme Jack nicht einfach einen der Tausend Knochen als Hebel nutzt, wird wohl ewig das Geheimnis der Designer bleiben. Das Ködern lässt sich dann noch bei anderen Sauriern nutzen, um sie kurzzeitig abzulenken. Ein Schuss auf einen Flugsaurier kann schon mal für genügend Ablenkung sorgen, um sicher die Rexbande passieren zu können. Dazu gibt es natürlich den Kampf. Waffen und genügend Munition vorausgesetzt, kann man so die Angreifer dezimieren, wobei Schusswaffenmunition rar ist und ein Knochenhaufen, der so gut wie unendlich Wurfgeschosse bietet, viel ergiebiger... und auch viel unglaubwürdiger. So hastet der tapfere Jack Driscoll mehr mit Knochen als mit Karabiner bewaffnet durch den Urwald. Zum Schutz vor den größeren Sauriern gibt es in den Levelbereichen meist ausreichend sichere Unterstände und es kommt nur darauf an, beharrlich zu bleiben und eventuell ab und zu schnell zum Knochendepot zu rennen, um Waffennachschub zu holen. Etwas Abwechslung bringen da schon die NPCs mit sich, so am Anfang z.B. Ann, die im Prinzip die viel bessere Heldin ist als Jack, denn sie klettert an Wänden empor, öffnet Türen und zündet Feuerchen an, um...? Richtig, Dornenbüsche in Brand zu setzen! Jack wäre dazu auch weniger geeignet, er kann nämlich nicht einmal springen. Nach der ersten Stunde hat man eigentlich alle Varianten gesehen, die in Verbindung mit Feuer, Wanzen und Hebeln möglich sind.

Die Höhepunkte des Spiels liegen eindeutig in den Sonderauftritten mächtiger Riesendinos, die dem Team nachstellen. So z. B. ein Monster-T-Rex oder die Entführung von Carl Denham durch Flugsaurier, deren Ober-Flugi der Held auf der Bergspitze zur Strecke bringen muss. Toll auch die Floßfahrt, in der das Team von einer ganzen Horde T-Rex sabbernd verfolgt wird und dazu auch noch Eingeborene die Jagd eröffnen. Dazu gibt es die üblichen Geleitmissionen, in denen die Freunde per Sniper bewacht durch Gefahrenzonen geleitet werden müssen. Auf ein übliches Userinterface mit Auskunft über Munition und Gesundheit muss verzichtet werden. Wird Jack verletzt, fängt er an zu taumeln und kann sich nicht mehr richtig bewegen und sehen. Wird er erneut in diesem Zustand angegriffen, ist es bald mit ihm vorbei. Er erholt sich jedoch auch wieder schnell, ohne bleibende Schäden (außer vielleicht eines Dornenbuschtraumas). Munitionsvorräte kann man per Tastendruck abfragen. Merkwürdig aber, dass der Vorrat an Munition von Spiel zum Teil geskriptet wird. So z. B. im Sumpf, den man mit 2 Magazinen betreten kann und dort dann während der gesamten Zeit plötzlich unlimitiert Nachschub besitzt, bis man wieder eine bestimmte Stelle überschreitet. Auch sollte man mit gezündetem Speer vorsichtig sein, im hohen Gras herumzufuchteln, das könnte schnell zur Selbstentzündung führen. Dieser Effekt lässt sich aber auch bequem mit Feinden veranstalten. Das "Ho(h)le-Feuer-Prinzip" geht jedoch spieltechnisch eindeutig zu weit und wirkt mehr als blödsinnig. Sich durch Brontoherden kilometerlang bis zu einer Feuerstelle durchschlagen zu müssen, um auf dem Rückweg gegen Raptorenhorden anzutreten, nur um mal wieder ein Feuerchen zu machen, ist sicher nicht das Maß der Dinge. Vielleicht hätte man einfach mal irgendein Artefakt oder etwas Ähnliches (vielleicht einen Hebel?) zum Einsatz bringen können.

Die King Kong Einlagen sind im Gegensatz zu den Shooterleveln am besten mit einen Prügelspiel zu vergleichen. Ein paar Ohrlaschen für die Gegner, greifen, rempeln und der Finishingmove, um ihnen den Kiefer auseinander zu brechen gehören zum Handwerlszeug. Das sieht zwar eindruckvoll aus, ist im Prinzip aber nur Buttonakrobatik, die vom Anspruch her dem Öffnen einer Knack & Back Packung gleichkommt. Oft weiß man auch gar nicht so recht, was man gerade wo beim Wickel packt. Dazwischen schnappt man sich die schöne Ann, setzt sie irgendwo ab oder hastet von Ast zu Ast und an Bergklippen entlang, um im nächsten Sauriernest zu landen. Später hilft die gute Ann dann dem König des Urwalds noch dabei, überhaupt weiter zu kommen (natürlich mit Feuer Büschen anzünden). Hier fragt man sich dann spätestens, wie der gute Kong überhaupt so lange ohne Frau im Haus überleben konnte. Storytechnisch fraglich ist auch die Tatsache, warum die Eingeborenen ihre Gottheit dann auf einmal angreifen. Viel KI gibt es nicht, denn die Handlungen der Saurier sind größtenteils geskriptet, was spieltechnisch aber auch an vielen Stellen notwendig ist, wenn man z. B. die Spinnen weglocken muss oder den Riesen-T-Rex von dem übrigen Team weglocken muss.

Fazit

King Kong ist sicher der bisher beste interaktive "Spiel-Film" mit beeindruckenden Szenen und Action ohne Ende. Das soll aber nicht als Kompliment verstanden werden, denn das Spiel hat bereits nach einer Stunde sein gesamtes Potential verbraten und danach folgen nur noch Wiederholungen nach dem gleichen Prinzip. Wanze picksen, Feinde weglocken, Hebel finden, T-Rex Mäuler stopfen und ganz wichtig: Busch anzünden. Wenn man dem Helden statt einer Waffe ein Feuerzeug mit auf die Reise gegeben hätte, wären die ca. 8-9 Stunden Spielzeit locker auf die Kinofilmlänge reduzierbar gewesen. King Kong kann man maximal eine Stunde an Stück spielen, dann mag man einfach nicht mehr, auch wenn es toll aussieht. Das ist etwa mit einer Achterbahnfahrt vergleichbar. Welcher halbwegs normale Mensch steigt schon für 3-4 Stunden freiwillig am Stück in eine Achterbahn. Jeden Tag ein Stündchen ist da schon besser zu verdauen und dann wirkt das sich ständig wiederholende Spielprinzip auch nicht so langweilig. Alternative Lösungsansätze oder Routen gibt es ebensowenig wie richtige Herausforderungen im Kampf, wie auch bei den "Rätseleinlagen", die eigentlich keine sind. Ein Spielkonzept mit eingebauten Megaspoiler, in dem man eine Figur spielt, die unweigerlich am Ende die Haxen hoch macht, ist zudem sicher nicht sonderlich motivierend. Dabei ist zu sagen, dass man als King Kong im Finale NICHT in den Strassen von New York sterben darf, dann hat man nämlich verloren, man muss vom Empire State Building fallen und sterben, DANN hat man gewonnen. Vielleicht wären die Designer besser beraten gewesen, sich das 10 Minuten New York Finale zu sparen und das Spiel beim Verlassen der Insel zu beenden. Das hätte mehr Sinn gemacht, aber da Hollywood und die Spieleindustrie ja schlaue Füchse sind, kann man das King Kong Spiel nach dem einmaligen Beenden noch auf Bonuspunkte spielen und sich mit ein wenig Geschick ein positives Ende herauszocken. Kong lebt! Da können wir nur hoffen, dass Ubi Soft nicht bei der nächsten Jesus Verfilmung das Spiel zum Film lizenziert. Wie wäre es mit einem positiven Ende, wenn man z. B. das letzte Abendmahl in 10 Minuten schafft oder Judas 60 Silberlinge bietet? Im Dornbusch anzünden sind die Designer ja schon bestens geübt. Das Review ist zwar überwiegend negativ, aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht. King Kong ist aber nicht mehr geworden als ein Spiel, dass man abends mal kurz eine Stunde zocken kann und das technisch eindrucksvoll präsentiert wird, mehr aber wirklich nicht. Für 10 € von der Pyramide sicher ein Versuch wert und so rutscht es gerade noch mit Ach und Krach in den Bereich "Befriedigend". Im Prinzip ist es dann also doch eine gelungene Kinoumsetzung, denn auch der Film muss sich eine ähnliche Kritik gefallen lassen. Technisch ausgreift aber irgendwie auch blöd.


Geschrieben am 18.06.2006, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 2GB Ram, Creative X-Fi Extreme
 



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