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Iron Storm
Iron Storm  


Info
Autor 2
 3
 3
 2
Gesamt (34 votes) 2
 2.1
 1.8
 1.9
Team (2 votes, siehe hier)2
Name:Iron Storm
Genre: Egoshooter
Produkt: Vollversion
Release: 2002/10
Publisher: Wanadoo
Entwickler: 4xStudio
Hardware: 600Mhz, 128MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 1200 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Deutsch
zensiert: nein
Patch: 1.04
USK: 18
Iron Storm (review von mountainking)

Im Moment fühle ich mich ein wenig, als ob ich durch eine Phasenvarianz im Raum-Zeit-Kontinuum in die 60er Jahre gelangt wäre.

Freedom Force, No One Lives Forever 2 und jetzt auch noch Ironstorm sind also schuld daran, dass ich jeden Abend nachsehe, ob nicht schon ein erster Tribble unter meinem Bett hockt.

Allerdings stellen sich die französischen Entwickler 4x Studio das Jahr 1964 nicht gerade hippiegemäß vor, denn seit nunmehr 50 Jahren tobt in Europa noch immer der Erste Weltkrieg, weil der estnische Baron Ugenberg die bolschewistische Revolution niederschlug und ein russisch mongolisches Großreich erschaffen konnte, dessen blutige Grenze mitten durch Deutschland verläuft. Den Großmachtsphantasien dieses Barons steht ein westlich-amerikanisches Verteidigungsbündnis gegenüber, das aber, was im Verlauf des Spieles klar wird, auch nicht gerade ein leuchtendes moralisches Vorbild abgibt. Da die Kosten des langen Krieges immer weiter explodierten, sahen sich die Beteiligten gezwungen, ihn mit Hilfe der Weltbörsen zu finanzieren und dabei Waffen und Ausrüstungen als verkaufsfördernde Innovationen zu verkaufen und da ein Ende des Krieges auch ein Ende dieses Finanzstroms bedeuten würde, erbgibt sich schnell ein gewisser Teufelskreis.

Durch den aus dieser Vermischung von realer Historie und Fiktion resultierenden Wegfall des Dritten Reiches umschiffen die Programmierer auf jeden Fall schon mal eine der einheimischen Zensurklippen, da Ironstorm jetzt zwar in Deutschland spielen kann, aber nirgendwo Schnauzbartträgerbilder- und büsten zu sehen sind...

...Wolfgang Petry war zu der Zeit ja noch recht unbekannt.

Der Spieler verkörpert Leutnant James Anderson, der auf Seiten der alliierten Sturmtruppen regelmäßig zu speziellen Aufträgen herangezogen wird und, wen wunderts, genau dies auch im vorliegenden Spiel tut.Die gerenderten Cutscenes lassen sich an den Fingern einer Hand (die genauer gesagt sogar einem Sägewerkarbeiter gehört) abzählen, die Story wird vor allem durch per Funk übermittelte Einsatzbefehle vorangetrieben. Zusätzlich findet man noch hin und wieder Fernsehgeräte, die die Deutsch-Russische Tagesschau (leider ohne Dagmar Berghoff) übertragen und dabei nützliche Informationen preisgeben. Leider wird die prinzipiell doch recht komplexe Geschichte damit nicht angemessen unterstützt, da hätte man mehr machen können, ja müssen.

Das Game basiert auf der selbstentwickelten Phoenix-Engine (kann sowohl in Ego/3rd Person Ansicht gespielt werden) und umfasst insgesamt 6 große Levelabschnitte, die jeweils in kleinere Abschnitte unterteilt sind, zwischen denen man speziell in der zweiten Hälfte des Spieles sehr oft hin- und herwechseln muss. Man kann für spätere Spiele nur hoffen, dass 4x Technologies die Engine dahingehend updated, dass sie auch andere Farben außer grau und braun darstellen kann, aus denen Ironstorm zu 98% besteht. Grafische Leckerlis sind also eher Fehlanzeige, aber man muss trotzdem sagen, dass die sehr düstere Atmosphäre des Spieles dadurch natürlich unterstützt wird und wer kein Problem damit hat, dass ein 2002 erscheinendes Spiel noch so aussieht, als ob es auf einer aufgebohrten Quake1-Engine basieren würde (es erinnert mich tatsächlich vom Look her oft an Half-Life), muss das auch nicht als Nachteil werten.

Die meisten Levelabschnitte spielen innerhalb von Gebäuden, die Außenlevel in gnadenlos zerstörten Gebieten und angesichts der langen Kriegszeit erwartet man da auch genau die Umwelt, die Ironstorm präsentiert. Bei den gegnerischen Soldaten hätten mehr Polygone, Animationen und Farben allerdings wirklich nicht geschadet. Davon profitieren können allerdings Besitzer von weniger aktueller Hardware, da es auch dort selbst in höchsten Auflösungen absolut flüssig laufen sollte.

Gefreut habe ich mich darüber, dass Ironstorm sich an die von mir persönlich formulierten 2 Hauptsätze des 3d-Shooter-Genres hält, die da heißen:

 

1. Spielt ein Game in Deutschland oder bekämpft man deutsche Gegner MÜSSEN
a) zwangsläufig Schäferhunde involviert sein (W(C)-stein, RtCW, Mortyr, Medal of Honor)
b) diese in einem durch den Spieler zu zerstörenden unterirdischen Labor eine geheime Waffe entwickeln (RtCW, Mortyr, Medal of Honor)
 
2. Ist es im zeitlichen Rahmen des Spieles technisch möglich, MUSS
a) ein Helikopter mit Hilfe von Raketenwerfern abgeschossen werden (Half-Life, Sin, SoF, Daikatana), optimalerweise mehrmals innerhalb eines Spiels
b) mindestens ein Level innerhalb eines Zuges spielen (SiN, Blood 2, Shogo, SoF, NOLF)

Warum die ein Level umfassende deutsche Stadt nun ausgerechnet Wolfenburg heißen muss, wäre auch noch eine offen bleibende Frage, vielleicht könnte man ja mal Fritzberg oder Krautheim benutzen. Mit anderen Worten, die einzelnen Stationen sind nicht so wahnsinnig originell ausgewählt, bis auf den Reichstag gegen Schluss hat man im Prinzip alles schon mal irgendwo gesehen, wenn auch noch nicht in der postapokalyptischen Stimmung.

Soundmäßig gibt es bei Ironstorm nicht viel zu beanstanden, es gibt zwar keine Musik (was ich hier durchaus passend finde, und nervigem, die Atmosphäre zerstörendem Gedudel allemal vorziehe), dafür sind die Sprachsamples der russisch-mongolischen (ok, die konnte ich trotz 8 Jahren Russischunterricht nicht verstehen :)) und speziell der deutschen Gegner sehr gelungen.

Die Waffen sind einmal ein Mix aus echtem WKI-zertifiziertem Säbel und eher futuristischem Snipergewehr und ausserdem noch in ihrer Benutzbarkeit eingeschränkt, weil man nur eine bestimmte Anzahl davon tragen kann. Das wirkt sich besonders bei der schweren Waffe aus, da man sich dort zwischen Raketen- und Granatwerfer oder den halbautomatischen Gewehren mit Zoom entscheiden muss. Zoom ist bei Ironstorm nämlich das spielentscheidende Moment, ohne ist man in vielen Gebieten vollkommen aufgeschmissen. Gründe dafür sind der hohe Realitätsgrad des Spieles und die gute KI der Gegner. Es gibt keinerlei Armor, nur eine Healthanzeige und die ist unter Umständen mit einem einzigen Sniper-Schuss bereits auf 0. Man ist selbst also sehr schnell zu töten und hat es mit Gegnern zu tun, die sich durchaus auch verstecken, erstmal Granaten werfen oder auch den vom Spieler geworfenen aus dem Weg zu gehen versuchen. Allerdings schien es mir, dass die KI irgendwie nicht im gesamten Spiel gleichmäßig ist, speziell im letzten Abschnitt war einige Male das altbekannte Phänomen der gegen eine Wand laufenden Gegner zu beobachten.

Der Taktikanteil ist trotzdem durch das Verhalten der Soldaten sehr groß, herumlaufen und auf alles ballern, was sich bewegt, kann man vollkommen vergessen, entscheidend ist zumeist, dass man eine gute Schussposition erreichen kann, das heisst, Schleichen, Verstecken, der überlegte Einsatz von Sniperwaffen und Granaten ergeben das einzig erfolgsversprechende Rezept...

Die Sache wird noch dadurch verkompliziert, dass Ironstorm auch nicht sehr linear angelegt ist. Um weiterzukommen, muss man so gut wie immer zwischen den verschiedenen Unterabschnitten eines Levels hin- und herspringen, bzw. aus dem einen etwas holen um es im anderen zu verwenden usw. und es gibt einige "Mann-ich-war-doch-schon-überall-wie-gehts-denn-jetzt-weiter-sicher-ein-Bug-ich-schau-mal-im-Netz-nach-Stellen. Kombiniert mit der realistischen Sterberate ergibt das den definitiv schwersten Shooter, den ich bisher überhaupt jemals erlebt bzw. erstorben habe.

Auf der mittleren Schwierigkeitsstufe ist dieses Spiel wirklich nur hartgesottenen Ballerfans zu empfehlen, alle anderen werden entweder schnell frustriert sein oder es ablehnen, ständig ein neues Keyboard wegen Überbeanspruchung der Quickload-Taste zu kaufen. Andererseits machen diese Eigenschaften das Spiel zum idealen Weichnachtsgeschenk für den mit seinen virtuellen Schießkünsten angebenden Nachbarbengel.

Ironstorm beinhaltet auch einen Multiplayerpart mit den bekannten Variationen Deathmatch, Teamdeathmatch, Capture the Flag und zusätzlich dem neuen Mod Isolation Case, bei dem man eine explosive und piepende Kiste ins Lager des Gegners bringen muss. Server sind leider sehr rar und ich konnte keinen finden, bei dem sich meine Spielfigur nicht nur wie in einem Glas Pudding hätte steuern lassen, trotz theoretisch noch spielbarer Ping.Die Maps sind recht groß und dem Singleplay entnommen bzw. nachempfunden.

Alles in allem fällt mir eine Bewertung gar nicht so leicht, wie man anhand der doch vielen Kritikpunkte, die der letztlichen Gesamtnote augenscheinlich widersprechen, denken sollte. Trotz der altertümlichen Grafik, der wenig originellen Schauplätze, trotz vieler vergebener Chancen bei der Umsetzung eine eigentlich interessanten Hintergrundstory und vor allem trotz eines oft unmenschlichen Schwierigkeitsgrades (NOLF2 kommt mir auf theoretisch gleichem Schwierigkeitslevel momentan geradezu wie ein Erholungsurlaub vor) hat es mir Spaß gemacht, diese Herausforderungen zu meistern. Und letztlich ist das ja das Einzige, was in diesem Zusammenhang wirklich zählt.

Am ehesten könnte man Ironstorm als eine weitaus schwerere, taktischere und rätsellastigere Version von Medal Of Honor bezeichnen, dessen Liebhaber sich unbedingt wenigstens die Demo des vorliegenden Titels ansehen sollten. Man sollte keine Genrerevolution erwarten, könnte aber unter Umständen ein Spiel vorfinden, das durch die bedrückende Atmosphäre und den hohen Anspruch an die Geduld und das Geschick wenigstens leicht masochistisch veranlagten Spielernaturen ca. 20 Stunden Freude bereitet. Gelegenheitsspieler, Choleriker und Freunde fröhlicher Farborgien sollten jedoch tunlichst ihre Finger von Ironstorm lassen.


Geschrieben am 18.11.2002, Testkonfiguration: Duron850, GeForce3, 256MB Ram
 



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