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Icewind Dale 2  


Info
Autor 2+
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 2.5
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Gesamt (175 votes) 2+
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Name:Icewind Dale 2
Genre: Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2002/11
Publisher: Interplay
Entwickler: Black Isle
Links: Icewind-Dale.de Fansite
Links: Forgotten Realms Fansite
Hardware: 350Mhz, 64MB RAM, keine 3D-Karte nötig/ jedoch unterstützt, HD 1800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 95/98/ME, NT/2000/XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Lan/ Internet
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 2.01
USK: 12
Icewind Dale 2 (review von mountainking)

Vor- ist bekanntlich ganz knapp nach der Schadenfreude die zweitschönste und passt zudem bestens in die Weihnachtszeit.

Genau dieses Gefühl rief die Aussicht auf das Erscheinen von Icewind Dale 2 in den letzten Monaten bei mir wach, nachdem Neverwinter Nights meine Erwartungen nicht recht erfüllen konnte. Ich hatte schlicht wieder einmal große Lust auf ein schönes isometrisches Party-RPG in der Tradition der alten Black Isle-Titel, bei denen Baldurs Gate und Planescape Torment eher storylastiger daherkamen, der erste Teil der Icewind Dale-Saga hingegen vor allem harte und zahlreiche Kämpfe präsentierte. Zudem stand in letzterem Spiel keiner der Charaktere storymäßig im Mittelpunkt, vielmehr brauchte der Norden der Vergessenen Reiche eben die Hilfe erfahrener Söldner zur Abwehr der "üblichen" Bedrohungen und genauso stellt sich auch die Story des Nachfolgers dar. Das bedeutet auch, dass es nicht möglich ist, Charaktere aus IWD 1 zu importieren, sondern man beginnt entweder mit einer selbsterstellten oder einer der vorgefertigten Gruppen. Nachdem diese per Schiff glücklich in Targos, einer der Zehnstädte des Nordens, gelandet ist, begegnen ihr gleich ein paar feindselige kleine grüne Männchen, die sich jedoch überraschenderweise nicht als Marsianer, sondern als Goblins herausstellen, die die Stadt seit einiger Zeit terrorisieren.

Damit nimmt eine recht weitverzweigte, insgesamt 6 große Kapitel umfassende Story ihren Lauf, die einige Jahre nach der des Vorgängers spielt und bei einigen kleinen Begebenheiten wird auch klar, dass man sich mit der alten Truppe nicht ganz umsonst abgemüht hat, denn deren Taten sind zumindest manchen noch ein Begriff. Ansonsten wird eine Verbindung zwischen den beiden Teilen aber hauptsächlich durch die Geographie hergestellt, so erblickt man beispielsweise wieder das gute alte Kuldahar mit seinem Herzstein, wenn es auch grafisch etwas aufgemotzt wurde. Das liegt daran, dass eine neuere und wohl die letzte Version der berühmten Infinity-Engine benutzt wurde. Der Hauptunterschied ist, dass jetzt höhere Auflösungen über 800x600 hinaus unterstützt werden, ansonsten besticht IWD 2 mit sehr schönen und unterschiedlich gestalteten Leveln, die keinen enttäuschen werden, der diese Engine nicht von vornherein als überholt ansieht. Mehr kann man aus den technischen Voraussetzungen wohl nicht herausholen. Zusätzlich wurden alle Spell-Icons und die Grafiken für die Gegenstände und Tränke umgebastelt, die damit jetzt auch viel besser voneinander zu unterscheiden sind. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich diese Art RPGs optisch entwickeln wird, ich finde, dass dabei Dungeon Siege als Vorbild sogar besser wäre als Neverwinter Nights, auch im Hinblick auf die übersichtliche Steuerung einer Party in richtigem 3D-Umfeld.

Aber zurück zum aktuellen Spiel: alte Hasen werden hier keinerlei Einstiegsprobleme haben, weder was die Grafik, noch was das Gameplay betrifft, denn auch dieses ist natürlich sehr eng an das des Vorgängers angelehnt. Die wichtigsten Steuerbefehle erfolgen mit der Maus und durch die allmächtige Pausentaste lässt sich zu jeder Zeit alles nach Wunsch einstellen, von der Bewegungsrichtung über die ausgewählten Angriffsarten oder Zauber bis zur taktischen Aufstellung der Gruppe. Auch die Pathfindingprobleme unserer Helden werden vielen bekannt vorkommen. Sicher war es schon schlimmer, aber richtig zur vollkommenen Zufriedenheit des Spielers ist es immer noch nicht, wenn man wirklich mal in Gebäuden schnell aus der Reichweite von Zaubern gelangen muss und sich die Damen und Herren gegenseitig die Achillessehnen eintreten oder an der Wand entlangtasten.

Zumindest tun sie das immer bei sehr gelungener musikalischer Untermalung, auch wenn diesmal statt Guru Jeremy Soule "nur" Inon Zur für den Score zuständig war, der schon bei Baldur's Gate 2 Thron des Bhaal hervorragende Arbeit geleistet hat. Den meist großflächigen und ruhigen Hauptthemen steht in Entscheidungskämpfen sehr dramatische Schlachtenmusik gegenüber, die einem das Gefühl vermittelt, dass jetzt von jedem Mausklick das Schicksal des gesamten Nordens abhängen kann.

Die deutsche Lokalisierung ist im Hinblick auf die Übersetzungen sehr gut gelungen, auch die Synchronstimmen sind weitgehend überdurchschnittlich, einige alte Sprachsamples wurden übernommen, zum Glück aber durchweg die besseren. Gelangweiltes Herunterleiern der Texte scheint inzwischen doch endlich der Vergangenheit anzugehören. Wie auch Icewind Dale 2 zeigt, lohnt es sich zweifellos, gerade bei Spielen, die eine gewisse Atmosphäre benötigen, ein paar Teuros mehr für professionelle Sprecher auszugeben. Natürlich nehmen hier Unterhaltungen keinen so großen Raum ein wie bei Baldur's Gate 2, schon weil unter den Partymitgliedern keine Kommunikation stattfindet. Ebenso wie Neverwinter Nights liegt Icewind Dale 2 die neueste Edition der D&D-Regeln zugrunde, damit ist es also das erste Party-RPG, in dem dies der Fall sein sollte (Pool of Radiance 2 ausgenommen, aber dort waren die Regeln wohl eher noch ein Mix aus alten und neueren Regeln). Besonderen Einfluss hat dies natürlich auf die Charaktererschaffung und dessen Weiterentwicklung, wobei die Einzelheiten an dieser Stelle nicht wichtig sind, aber darauf verwiesen werden sollte, dass die Regeln natürlich an die Gegebenheiten des PC angepasst wurden. Noch mehr muß aber beachtet werden, dass eben diese Anpassungen in beiden Spielen offensichtlich nicht identisch sind. Ich vermute, dass in NWN die Regeln noch mehr zugunsten des Spielers verändert wurden, da man dort ja im Prinzip allein oder mit nur einem Helfer spielt, im Gegensatz zu den maximal 6 Charakteren in einer IWD2-Party. Man sollte daher nicht den Fehler machen, seine Erfahrungen aus NWN zu übertragen, sondern im Zweifelsfall lieber genau auf die Talente und Fertigkeiten achten. Ich hätte das in Bezug auf meinen Mönch auch mal lieber machen sollen, da ich ausgehend von NWN auf ein sehr nützliches Talent (bei dem die für die rüstungslosen Charaktere sowieso wichtige Geschicklichkeit auch für den Schaden wichtiger ist als Stärke) hoffte, bis ich dann später merkte, dass eben dieses Talent in IWD 2 offenbar gar nicht für waffenlosen Kampf funktioniert.

Bei den bei Levelaufstieg erfolgenden Charaktermodifikationen wird eigentlich auch alles erklärt, das Handbuch ist da eher rudimentär und auch ein als PDF-Datei beigefügtes Manual weist nicht auf eventuelle Unterschiede hin. Wenn man unvoreingenommen herangeht, liest man aber wahrscheinlich auch genauer. :)

Wie schon erwähnt, lagen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Baldurs Gate-Titeln und Icewind Dale 1 vor allem in den unterschiedlichen Gewichtungen von Story/Quests und Kampf. Nach meinem Empfinden hat man bei IWD 2 eine leichte Kurskorrektur vorgenommen, zumindest was die ersten Kapitel betrifft. Dort stehen Aufgaben doch noch eher im Mittelpunkt als reines Hack&Slay. Speziell im letzten Drittel ändert sich das jedoch wieder und IWD 2 erinnert gnadenlos an seinen Vorgänger, für den vor allem ständige Kämpfe gegen große Mengen an Monstern oder Zwischenbosse an der Tagesordnung waren. Man betritt ein neues Gebiet und ist sofort von Gegnern umringt und nach einem kleinen Gespräch wird schnell klar, dass auch hohes Charisma nicht viel hilft und alles in einem Gemetzel enden wird. Hat man dieses mehr oder weniger lädiert überstanden und bewegt sich zwei Schritte weiter, startet schon wieder die nächste Sequenz mit neuen Gegnern. Trotzdem finde ich, dass bei IWD2 die Story und auch die Art und Komplexität der Quests wesentlich höher ist als bei Teil 1 und somit das Spiel Fans beider "Extreme" ansprechen sollte.

Auf ihre Art sind die Kämpfe auch recht ausgewogen, da man sich oft einer Gruppe schwerer Gegner gegenübersieht, die im Gegensatz zu Troll X und Glabrezu Y richtige Namen tragen und ähnlich wie die eigene Party auch aus Kämpfern und Magiern besteht. Für Abwechslung ist also immer gesorgt und IWD 2 brilliert dort, wo letztlich auch der Sinn dieses Spiel liegt, nämlich bei taktisch herausfordernden Auseinandersetzungen.

Zur Auflockerung gibt es auch einige Quests, die etwas Gehirnschmalz erfordern und ein Battlefield, bei dem man wortwörtlich Hunderte von Monstern besiegen muss -zum Glück optional, da der Zeitaufwand immens sein kann- und dafür mit besonderen Gegenständen belohnt wird. Zu den wenigen Waffen, die unsere Heldentruppe wirklich nicht benötigt, um die Heerscharen der Chimärenlegion, die sich bald als Hauptgegner herauskristallisiert, zu dezimieren, gehört die Schneekanone. Die meisten der Schauplätze sind mehr oder weniger reif für die Winterolympiade, was in einem komplett aus Eis bestehenden Tempel gipfelt. Zur Abwechslung gibt es aber das von Lavaseen geprägte Drachenauge. Letzteres machte mir einige zusätzlich Probleme, denn die dort zu lösenden Quests haben einen starken "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Touch, der sich in vielen aufeinanderfolgenden gescripteten Szenen und Abschnitten niederschlägt. Das wird immer dann problematisch, wenn eben diese Scripte partout nicht an den Stellen starten, wo sie es müßten, weil man sich sonst den Wolf sucht oder genervt zur Suchmaschine greift. Das war soweit der einzige spielinterne Bug, der mir begegnete, leider gibt es auch bei IWD 2 das schon aus älteren Titeln bekannte Problem der Datenübertragung zwischen CD-Rom und HD, die in Komplettabstürzen resultieren. Bei manchen Systemen führt das zu Neuinstallationen, stellenweise muss man sogar die CD-Inhalte erst auf die Festplatte kopieren und von dort installieren. Ich habe das Spiel damit sechsmal neu installieren müssen, seltsamerweise geschahen diese Abstürze erst in den letzten zwei Kapiteln.

Die Hardwareanforderungen sind trotz der fehlenden Polygone nicht zu unterschätzen. Um auch bei größerer Monsterzahl absolut flüssig zu laufen, braucht das Spiel schon eine Grafikkarte und einen Prozessor der neueren Generation, wobei niedrige Frameraten natürlich nicht ganz so störend sind wie bei anderen Spielen, da man den Ablauf des Geschehens ja sowieso ständig unterbrechen kann und sollte.

Mit IWD 2 wurde mir genau das auf den Gabentisch gelegt, was ich mir gewünscht hatte: ein anspruchsvolles Quests nicht außer Acht lassendes, aber hauptsächlich kampforientiertes Party-RPG in der D&D-Welt, das durch eine verbesserte, wenn auch leicht nostalgische Grafik, professionelle Musik und recht lange Spielzeit (40 + Stunden) überzeugt.

Den Schöpfern ist meines Erachtens eine sehr gute Weiterentwicklung des Vorgängers unter Beibehaltung der wichtigsten Charakteristika gelungen. Jeder der Icewind Dale gern gespielt hat, sollte vorliegendes Spiel unbedingt antesten, genauso wie alle, die in NWN nicht ganz das gefunden haben, was sie erwarteten oder erhofften. Und damit sage ich: "Goodbye Infinity", es war eine schöne Zeit....


Geschrieben am 24.12.2002, Testkonfiguration: AMD2000, GeForce3, 512MB Ram
 



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