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Hellforces  

Rückseite ]

Info
Autor 3+
 2
 1.5
 1.5
Gesamt (35 votes) 3+
 1.7
 1.2
 1.4
Name:Hellforces
Genre: Egoshooter
Produkt: Vollversion
Release: 2005/07
Publisher: Buka
Entwickler: Orion
Offiz. Sites: Game
Links: GMX Media
Links: Dt. Publisher Frogster Interactive
Hardware: 2Ghz, 256MB RAM, 64 MB D3D T&L, HD 1500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Multiplay: Lan
Sprache: Englisch
Bemerkung: mit Benchmarkprogramm, dt. Version zensiert
USK: 18
Hellforces (review von yak)

Wieder einmal ziemlich unbekannt, ohne viel Tamtam und der täglichen Flut neuer Screenshots auf bekannten Publikationen, erschien mehr still und heimlich der russische Shooter Hellforces. Unfreiwillig heimlich deswegen, weil der Titel bereits seit längerem fertig ist, jedoch in Deutschland bisher keinen Publisher gefunden hat... und wir kennen ja unsere üblichen Verdächtigen, die nur das testen, was ihnen freundlich hofiert wird. Also muss der freundliche Importhändler herhalten und schon kann der Spaß losgehen.

Dass die Anleitung nur auf CD ist, kann verziehen werden, denn Hellforces wurde beim UK Publisher GMX Media direkt als Midprice Game veröffentlicht, dafür zeigt sich aber, im Gegensatz zu vielen anderen Handbüchern, selbiges sehr informativ. So erfährt man viel über die umfangreichen Graphikeinstellmöglichkeiten und besonders auch, was sie bezwecken und wie sie sich auswirken. Zudem besteht die Möglichkeit, die von Orion eigenentwickelte Engine auch für einen Benchmark zu nutzen und diverse Optionen nebst DX9 Shader auszuprobieren.

Aber worum geht es eigentlich. Merkwürdige Experimente kennen wir ja bereits aus Half Life, coole Helden mit dummen Sprüchen aus SiN und Duke Nukem, Gangs aus Kingpin und Kämpfe gegen Höllenwesen sind fast obligatorisch. Alles schon mal dagewesen! Na prima, keine Jungs in Ledermänteln mit Schäferhunden, dafür aber böse Borg-ähnliche Roboter mit Quake 2 Ambiente. Und hier zeigt sich auch, wessen geistiges Kind die Entwickler sind, doch dazu später mehr...

In Zeiten von steigenden Ölpreisen und knapper werdenden Ressourcen macht man sich zumindest in der Story des russischen Shooters Hellforces Gedanken. Ein Biophysiker names Henry Alfred Cole macht Experimente mit alternativen Energiequellen und so fand er einen Weg, die menschliche Seele aus dem Körper zu saugen und als Kraftquelle zu nutzen. Wie praktisch, würde Satan sich denken, das würde ihm einiges an Überzeugungsarbeit sparen. Aber das Seelesaugerprinzip ist nicht ganz so nebenwirkungsfrei und sollten die Besaugten ihren Arzt oder Apotheker deswegen konsultieren, würde zumindest dieser Berufsstand schneller dezimiert, als es die neue Gesundheitsreform schaffen würde, denn die Entleerten fristen ihr Dasein lieber als dumm umherstapfende Zombies mit Hackebeilchen, was sie dem fleißigen Höllenknechten Baphomet zu verdanken haben, der selbst in eine der geistlosen Hüllen (die man sicher auch ohne den Seelensauger problemlos finden mag, Anwesende natürlich ausgenommen) schlüpft und Schwuppdiwupp eine neue Sekte gründet: die Satanisten, deren Gemeinschaft den Erdball in zunehmender Geschwindigkeit zu überrollen droht. Wäre da nicht der einsame Held, den es immer irgendwo gibt...

Technik:

Die eigenentwickelte Engine von Orion ist durchaus als gelungen zu bezeichnen, dabei fällt gleich auf, dass ihr der von bekannten Engines immer so verräterische "Look" fehlt, an dem man zumeist die Quake oder UT basierten Spiele erkennen kann. Hellforces sieht irgendwie anders aus, was besonders in den ersten Abschnitten zu bemerken ist. "Oll" und "gammelig" wären wohl die bezeichnetsten Ausdrücke. Runtergekommene Hinterhöfe, in denen brennende Mülltonen (und auch mal brennende Zombies) ihren flackernden Schein gespenstisch auf die alten Backsteinmauern werfen oder wie sich der mondschwangere Himmel in den Wasserlachen spiegelt, in denen alte Autoreifen und Bretter schwimmen. Die Texturen sind zum größten Teil auch sehr detailreich und hochauflösend und machen eine realistischen Eindruck. Dazu gibt es auch sehr gekonnte Schattenspiele, die in Verbindung mit der Physikengine einen stimmungsvollen Eindruck hinterlassen. So werfen die Figuren einen richtig projizierten Schatten und Fässer oder Kisten, die sich verschieben oder rollen lassen, verhalten sich "schattenkonform". Besonders in späteren Levelabschnitten wird hiervon auch ausgiebig Gebrauch gemacht, wenn es durch die unterirdischen Katakomben oder Tempelanlagen geht, die nur von spärlichen Fackeln an der Wand in unheimliche Atmosphäre getaucht werden. Dass Hellforce für die Installation lediglich zwei CDs benötigt, ist mehr als erstaunlich, den graphisch ist es abwechslungsreich, wie selten ein Spiel in der letzter Zeit. Es scheint, als wollten die Entwickler alle, aber auch wirklich alle Klischees bedienen. Von Zombies eingenommene Slums, ein Rotlichtviertel, Kanalisationssysteme in allen Varianten, Bürogebäude, unterirdische Forschungsanlagen, die Hölle selbst, militärähnliche Stützpunkte, fremde Dimensionen, borgähnliche Einrichtungen, Dschungel und Tempelanlagen usw. Man bekommt hier wirklich allerhand geboten. Dabei sieht alles immer stimmig und gut gestaltet aus, auch wenn es insgesamt in den Naturszenen ein wenig zu eckig erscheint. Dennoch gibt es hier absolut nichts zu beanstanden, dabei ist die Sichtweite ausgesprochen hoch und es gab bei vollen Details niemals Performanceprobleme. Besonders beeindruckend war jedoch ein Fakt, das ich in dieser Form bisher noch bei keinem Shooter gesehen habe. Ein kleines Beispiel soll das verdeutlichen. Man erreicht nach der Flucht vor den Zombiemassen eine Art Labor, in dem jedoch auch schon die Zombiefizierung erfolgreiche Ansätze zeigt, sprich, sie haben dort anständig die Sau rausgelassen. Alles liegt zertrümmert am Boden, Tische sind umgeworfen, Brände entfacht, Bretter, Regale und Unrat häufen sich auf dem Boden. In vielen Spielen wären das fest "installierte" Objekte, doch bei Hellforces ist vieles davon ein bewegliches Objekt und nicht nur reine Ausstaffierung. So hat man wirklich oft das Gefühl, erst einmal den Müll beiseite schieben zu müssen, um überhaupt voran zu kommen und so kommt es vor, dass man schon mal ein Regal umrempelt oder Fässer umstößt, was viel zur Atmosphäre beiträgt. Die Menge an Gegenständen in manchen Szenen ist da schon beachtlich und hinzu kommt, dass erlegte Gegner permanent sind und nicht wie in vielen bekannten Shootern zu Scotty auf die performanceentlastenden Enterprise beamen. Die Engine von Hellforces steckt das locker weg, ohne irgendwelche Mucken, selbst wenn nach einer Massenschlacht noch 20 Gegner auf dem Boden verteilt liegen und man ein wenig mit der USK gefürchteten "Re-Animation" herumspielt. Die Engine läuft wie geschmiert. Viel Mühe haben sich die Entwickler auch bei den Figuren gegeben. So haben die unterschiedlichen Zombies zum Teil schreckliche Blessuren. Wunden, aus denen Knochen hervorragen oder zerstückelte Gliedmassen, die provisorisch mit Metallschienen gestützt werden oder insgesamt einen sehr "weltoffener" Geist, nachdem man ihren Schädel ein wenig bearbeitet hat. So haben alle auch ihren sehr eigenen Gang und entsprechende Verhaltensweisen. Der dicke Glatzköpfige mit den nach oben verdrehten Armen hantiert gerne mit einem Fleischerbeil, dafür ist sein Gang aber etwas bedächtiger und er schlurft und schleppt sich eher langsam auf sein nächstes Opfer. Andere wiederum sind noch relativ gut zu Fuß, was daran liegen mag, dass sie noch beide haben. Das Gegnerrepertoire ist dabei recht vielseitig und reicht von Zombies, Zombiehunden, den unterschiedlichen Gangs im Rotlichtviertel (natürlich inkl. leichten Mädchen) bis hin zu Höllenkreaturen, Wachpersonal und "Borgdrohnen". Ingesamt sehr abwechslungs- und detailreich umgesetzt. Was nur ein wenig schade ist, sind gerade bei den Zombies die recht wenigen "Modellvarianten". Bei den Zombies fällt es leider so stark auf, weil sie sehr prägnant und daher auch mit hohem Wiedererkennungswert entworfen wurden. Der schon genannte dicke Glatzkopf, dessen Schädel man leicht für bessere Werte im Windkanal umgestalten kann, die irre Zombiefrau, die Rockervariante usw. Bei den anderen Figuren wie z. B. den Soldaten oder Höllenwesen fällt dies weniger auf, da sie sich Shooter-üblich sehr uniform geben. Bei den Zombies fällt dies zwangsweise auf, weil sie unheimliche Unikate sind, jedoch durch die Wiederholungen keine sein können. Hier wäre vielleicht ein schlanker "Standardzombie" weniger auffällig gewesen und der Wiederholungseffekt träte nicht ein. Mit Graphikeffekten geizt die Engine ebenfalls nicht. So gibt es ausgezeichnete Wassereffekte, Feuer mit Hitzeflimmern oder Bodennebel und diesige "gruftige" Höhlen und Katakomben. Etwas unverständlich ist jedoch, warum sich die Gegner erstklassig im Spiegel reflektieren, unser Held jedoch nicht. Die einzige Ausrede, die ich da durchgehen lassen kann ist, dass sich in einer Fortsetzung der Held als Vampir outet. Ansonsten gibt es an der technischen Realisation nichts zu meckern. Erwähnenswert ist vielleicht noch, sollte der normale Schwierigkeitsgrad nicht ausreichen, dass man durch "Hochdrehen" der Vegetation in den Optionen noch mal anständig an der Schwierigkeitsgradschraube drehen kann, denn durch eine dichtere Flora sind auch die Gegner entsprechend schwierig zu erkennen.

Der Sound ist durchweg gelungen, nicht außergewöhnlich aber ordentlich und solide umgesetzt. Die Waffen klingen stimmig und die Umgebungsgeräusche und gute Ortung fördern die Atmosphäre. Die Musik gefällt mir leider weniger, da ich nicht wirklich ein Freund von Rocksoundtracks in Spielen bin. Eine etwas dezentere spannungsfördernde Musik wäre mir lieber. Da das Spiel aber wie schon in der Einleitung gesagt, mehr oder weniger eine Hommage an die Shooterklassiker geworden ist, kann ich es verzeihen, wenn es musikalisch sehr Duke-Nukem-like aus den Boxen dröhnt. Zwischendurch gibt es auch schon mal orchestral angehauchte Passagen mit Choreinlagen. Die Sprachausgabe ist gelungen und die (wohl russischen Sprecher) geben sich alle Mühe, ihr Heimatland nicht zwingend durchklingen zu lassen, was aber einigen nicht gelingt, besonders, wenn sie sich an einem bestimmten Slang versuchen. Aber mal ehrlich, irgendwie hat das schon was. Es erinnert schon an wenig an transsylvanische Ureinwohner im englischen Exil, womit hier auch die Erklärung des fehlenden Spiegelbildes eindeutig erklärt wäre :). Aber auch der Rest scheint zu passen, besonders für Vorurteilbelastete, die immer schon behaupten, dass das organisierte Verbrechen aus dem Osten kommt- ebenso wie die leichten Mädchen. Im Prinzip haben die Entwickler also alles sehr realistisch umgesetzt :). Insgesamt eine gelungene Vertonung.

Gesteuert wird Hellforces Shooter-üblich und die Tastenbelegung kann beliebig konfiguriert werden. Die Ladezeiten sind beim Neuladen eines Levels ein wenig lahm, doch ist dies einmal geschehen, geht das Speichern und Neuladen innerhalb der Level so schnell, wie selten in einem Spiel. In Sekundenbruchteilen ist das Spiel gespeichert oder neu geladen. Wunderbar! Auch hier dürfen sich die westlichen Entwickler gerne einmal ein Beispiel nehmen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist jedoch das Sprungverhalten, das komplett von dem anderer Shooter abweicht. So kann man durch erneutes Betätigen der Sprungtaste eine Art "Kletterfunktion" durchführen. Landet man an Kanten oder ein einfacher Sprung reicht nicht, um das Hindernis zu überwinden, hilft hier erneutes Drücken des Sprungbefehles. Erst absolut ungewohnt, dann aber eine recht nette Option, besonders, wenn man an Kanten hängt und nicht abstürzen will. Ein mehrmaliges Drücken kann hier das Abrutschen verhindern.

Gespielt werden kann in drei Schwierigkeitsgraden, wobei der normale auch für Profis ausreichend reizvoll ausfallen sollte.

Gameplay:

Hellforces will das Shootergenre sicher nicht neu erfinden und ehrlich gesagt wäre das auch für das Spielprinzip fatal, denn der Entwickler Orion hat beim Gamedesign eine ziemlich simple, aber stimmige Entscheidung getroffen. Hellforces ist mehr oder weniger eine Hommage an Shooterklassiker geworden, die mit Spielzitaten nicht geizt und es problemlos schafft, "alte" Gameplayfreuden erneut und vor allem gekonnt umzusetzen und sich dabei selbst auch nicht zu ernst zu nehmen. So zieht also unser Held mit Hausnamen Geist durch die Slums, um seine drogensüchtige Freundin zu erretten, die scheinbar in die Fänge der neuen Sekte geraten ist. Dabei beginnt das Spiel recht stimmig in "Film Noir" ähnlichen Rückblenden, während er in einem Polizeirevier verhört wird. Das Abenteuer beginnt waffenlos in einem schäbigen dunklen Hinterhof, der jedoch, zum Glück kann man fast sagen, durch eine menschliche Fackel erhellt wird. Dabei soll erwähnt werden, dass es sich hier nicht um das Lizenzspiel zu den Fantastic Four handelt. Der arme Untote verbrennt wirklich, also nicht nachmachen. Schnell schnappt man sich die Rohrzange und findet neben einer übel zugerichteten Leiche auch noch eine Waffe. Nachdem man dann die Hinterhofgasse verlassen hat, sieht man das ganze Ausmaß des Chaos. Polizei kämpft gegen attackierende Zombies, Autos brennen und die Strasse sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Die zwei angreifenden Zombies, die sich bei Betrachtung aus der Nahansicht, mit einer Odol Mundspülung und einem Zahnarztbesuch nichts falsch machen würden. Jedenfalls sind sie noch halbwegs schnell erledigt, auch wenn ihre Krallenangriffe ganz schön zusetzen und Nahverteidigung einfach zu gesundheitsschädlich ist, aber die Munition ist hier noch recht knapp und schnell merkt man, dass man nicht wie in üblichen Shootern alles "Leerräumen" kann. Spätestens, wenn man den nächsten Levelabschnitt erreicht, und, nachdem man über einen Müllcontainer, ein Wellblechdach bis in ein Fenster der gegenüberliegenden Seite gelangt, feststellt: "Shit! Die kriege ich niemals alle platt!" und so entwickelt man einen ausgesprochenen Fluchtinstinkt. Hier kommt schon wirklich eine andere Atmosphäre auf, weil man so etwas in Shooter selten erlebt. Man muss vor einer Übermacht fliehen, keine Chance, sie im Nahkampf alle zu machen, keine üblichen "ballere 50 Gegner nieder und dann ist das Tor frei" Skripte. Da nützt es auch nichts, den Schwierigkeitsgrad herunter zu drehen. Man fühl sich fast so wie in Romeros Zombie Film. Flucht ist die einzige Option. Eigentlich merkwürdig, dass man so etwas nicht öfters in Shootern einsetzt, aber vielleicht sagen ja Mainstreamumfragen, dass sich ein Spiel nicht gut verkauft, wenn man den Spieler dazu zwingt, als Looser dazustehen :). Mir hat es gefallen, wobei die Flucht gar nicht so einfach war. Denn es scheint aus dem Hinterhof zuerst keine Entkommen. Doch hinter ein paar Müllcontainern und nachdem ein paar Kisten zur Seite geschoben wurden, war der Weg in die Kanalisation frei. Wobei wir hier das klassische Beispiel "Vom Regen in die Traufe kommen" erleben. Zwar gibt's jetzt eine neue Waffe, aber für die Zombiehorden im Untergrund scheint es dennoch nicht ausreichend. Also wieder die Beine in die Hand, lebenswichtige Entscheidungen treffen und selektieren, welcher Gegner uns am hinderlichsten ist, am gefährlichsten werden kann und die Kugeln wert ist. "Ich hasse Ratten!" sagte schon Indiana Jones Vater und ich schließe mich jetzt an, denn nicht nur, dass die Zombies genügend Aufmerksamkeit verlangen, jetzt gesellen sich auch noch nervige Kanalratten hinzu. Wirklich fiese Biester, die sich mit der Rohrzange schlecht erwischen lassen. Nachdem endlich die widerliche Kanalisation hinter mir lag, wollte ich schon fast aufatmen, als ich die fast freundlich grünen Parkanlagen erblickte. Doch es dauerte nicht lange, als sich der Spaziergang im Grünen eher als ein Woodstock für Zombies entpuppte. Zeit, mal wieder die Beine in die Hand zu nehmen und ungeachtet der Zombiemassen, die auch durch Absperrungen und Waffengewalt der Behörden nicht zu kontrollieren waren, geht die Suche nach einem sicheren Unterschlupf weiter, wobei das eigentlich Ziel nicht vernachlässigt werden sollte. Doch danach ist Schluss mit Flucht und das Spielprinzip wechselt zum gewohnten Shootergameplay.

Von da an führen die heldenhaften Abenteuer des Herrn Geist noch in die unterschiedlichsten Regionen. So sucht man den Zugang zu einem mehr oder weniger seriösen Club, sollte es sich aber nicht mit den Gangs verscherzen, da man ansonsten von ihnen zum Freiwild erklärt wird, was ebenso für die scheinbar gut organisierten Prostituierten gilt, ok, anquatschen ist jedoch erlaubt, aber man sollte nicht gerade in einer dunklen Gassen einen Drogendeal platzen lassen, weil es definitiv Ärger bedeutet. Besuche in geheimen Laboranlagen, in einem peruanischen Dschungel samt Tempel, fremden Dimensionen oder auch der Hölle stehen auf dem Programm. Abwechslung gibt es reichlich. Die Levelgröße ist ordentlich und es gibt jeweils genug fern des Hauptpfades, damit das ansonsten lineare Spiel dennoch ausreichend den Eindruck vermittelt, sich in einer glaubwürdigen Welt bewegen zu dürfen. So gibt es verstecke Bonusräume und auch optionale Wege, das Ziel zu erreichen, bzw. werden verschiedene Herangehensweisen ermöglicht. So kann man vor der Tempelanlage in Peru hinter der Holzbrücke durch ein paar geschickte Sprungaktionen einen geheimen Tunnel entdecken, der auf eine versteckte Plattform führt, die praktisch der optimale Platz ist, die Gegner per Sniper auszuschalten, findet man diesen Weg nicht, muss man weiter unten mit starken Widerstand im Nahkampf rechnen. Die Level sind sehr geschickt angelegt und sie sind nicht wie die meisten Shooter nach dem "Durchlaufprinzip" ausgelegt. Die Ziele sind oft gut versteckt und man muss den Level schon aufmerksam durchsuchen und auch innerhalb des Levels vor und zurück, um weiterzukommen, manchmal sogar schon ein wenig zuviel des Guten. Da gibt es z. B. einen schmalen Grat im Boden, der eine Geheimtür verbirgt, an der man Locker 3-4 mal vorbeieilt, ohne sie gesehen zu haben. Das macht aber sehr viel Spaß und ist vor allem fordernd und ungewohnt, weil man durch die anderen Shooter so etwas gar nicht mehr gewohnt ist, auch wenn das eigentliche Prinzip immer noch auf "Finde Keycard" beruht. Bei Hellforces muss man aber wirklich stöbern und forschen, um weiterzukommen. Die Designer machen auch nicht vor notwendigen Kletter- und Hüpfpassagen halt, die es z. B. in den Tempelruinen notwendig machen, von Gemäuer zu Gemäuer zu springen, um das Tal zu verlassen. Hinzu kommen später auch noch einige Rätseleinlagen, die über das übliche "Türenöffnen" hinausgehen. So muss man z. B. einen Computercode identifizieren und Symbole in der richtigen Farbe anordnen (schon die Symbole abzeichnen, war ein ein kleiner Gewaltakt ;) ) und hier geht Hellforces schon über das übliche Shooterniveau hinaus, besonders auch deswegen, weil viele Gegenstände für die Rätsel dem Spieler nicht mit dem "blinkenden" Holzhammer präsentiert werden. Einige Lösungshinweise, die jedoch den Boni zuzuordnen sind, findet man nicht im Spiel selbst, sondern nur durch logisches Denken oder doofes Rumprobieren. Die reizvolle Totenkopfwaffe will ich ja haben, aber deswegen gleich 1000 Zahlenkombinationen am Keypad durchprobieren? Wie war noch mal die Zahl des Teufels? ;). Zudem gibt es in einigen Leveln aber auch wirkliche physische Gefahr in Form von Fallen. Tritt man im peruanischen Tempel auf eine falsche Bodenplatte, erfährt man schnell, wie sich eine Stampfkartoffel kurz vor der Püreephase fühlt.

Die Gegner KI ist durchaus zufriedenstellend. Natürlich darf man von hirnlosen Zombies keinerlei Bravourstücke erwarten, was auch sicher unpassend wäre. Zombies müssen tapsig durch die Gegend stapfen und auch mal doof orientierungslos stehen bleiben, dafür sind ihre Wegfindungsroutinen instinktiv auf Menschfleisch geprägt und recht gut. Selbst mit halbiertem Schädel sind sie nicht davon abzubringen, ihr Ziel zu erreichen. Auch die fiesen Kanalratten lassen niemals ab und verfolgen den Spieler höchst akribisch. Die menschlichen Gegner hingegen sind schon wesentlich geschickter. Besonders fällt es auf, dass sie ständig in Bewegung bleiben und daher durch ihr Strafen schwieriger zu treffen sind. Oft rollen sie sich auch zur Seite weg, um den Attacken zu entgehen. Besonders auffallend ist jedoch, dass sie massiv und sehr effektvoll Granaten zum Einsatz bringen. Was mir besonders gefallen hat ist die Tatsache, dass bei Hellforces die ach so armen "unschuldig" dreinblickenden Wissenschaftler nicht wie in anderen Shootern im obligatorischen Laborleveln zu untätigen Statisten verkommen. In Hellforces sind es böse Jungs, die ohne Skrupel losballern, vielleicht ist es auch einfach die Angst, die Zulassung zu verlieren :-).

Damit man den Feinden auch ordentlich einheizen kann, spart Hellforces nicht am Waffenarsenal. 24 Modelle reichen von Nahkampfwaffen wie Beil, Messer, Rohrzange, Baseballschläger bis zu Pistole, Maschinenpistole, Schnellfeuergewehr, Raketenwerfer, Handgranate, sehr mysteriöse Höllenwaffen, Snipergewehr und futuristischen Kanonen mit Energiegeschossen. Dazu gibt es jeweils einen alternativen Feuermodus. Eine Kettensäge jedoch leider nicht, sonst wäre Hellforces auf der Waffenseite fast perfekt. Schutzpanzerungen verstärken die Abwehr und spezielle Healthpacks verdoppeln die Lebenskraft die wie in den altbekannten Shootern langsam von 200% auf den Normalwert sinkt. Aber nicht nur in diesem Punkt zitiert Hellforces gekonnt klassische Shooter. Viele Gadgets sorgen für altbekannte Stimmung, wie man sie aus Duke Nukem Zeiten kennt. Kekse, die den Helden auf Zwerggröße schrumpfen lassen und er so enge Passagen oder Schlupflöcher passieren kann, um den Level schneller zu beenden und direkt zum Levelboss vorzudringen oder auch einfach, um an sonst unzugängliche Bonusgegenstände zu gelangen. Genauso nützlich ist die Sonnenbrille Marke Trinity, die eine eingebaute Nachtsicht ermöglicht, aber ebenso nervig ganz im Matrixstil fortwährend und auch irritierend Buchstabensuppe von oben regnen lässt. Eine eiserne Dornenmaske unter Schmerzen aufsetzen, um den Schaden zu halbieren? Ein Heavy Metal T-Shirt, das 400% Gesundheit bringt, absolut sinnfreie Gegenstände aus einer Galaxie, weit weit entfernt? Dazu gibt es fortwährend coole Sprüche und Selbstgespräche vom Protagonisten, der vor sich hinbrabbelt, dass es mal wieder Zeit wird, was niederzuballern oder er in einem sehr futuristischen Szenario sagt, dass eigentlich gleich Darth Vader um die Ecke kommen müsste. Natürlich ballert er auch alle anderen nieder, doch seinen Unmut lässt er trotzdem mit " Hey, ich will Darth Vader!" los. Insgesamt sehr witzig inszeniert.

Schwerwiegende Bugs oder Abstürze gab es nicht, lediglich ein kleiner "Schummelbug" konnte ausgenutzt werden, um Schrumpfkekse zu sparen. Kurz vor dem Einsatz Quicksave ausführen, danach den Keks essen und Quickload. Der Keks geht nicht verloren, man ist aber dennoch für eine gewisse Zeit in Schrumpfhosen.

Multiplay:

Wohl mehr für die Featureliste, als wirklich sinnvoll, enthält Hellforces auch einen Multiplayerpart, der jedoch lediglich LAN unterstützt. Mit drei Maps für Deatmatch und Duel, die aus Leveln des Singleplays bestehen, auch nicht wirklich umfangreich.

Nachtrag deutsche Version:

Die deutsche Version wurde von Frogster Interactive im Januar 2006 zum Budgetpreis von knapp 20 € veröffentlicht. Sie wurde jedoch ein wenig entschärft, was aber noch im vertretbaren Rahmen geschehen ist. Erlegte Gegner beamen nach kurzer Zeit weg, was schon ein wenig Atmosphäre kostet. Das betrifft jedoch nur die selbst erlegten Bösewichte, findet man vorher platzierte Dahingeschiedene, kann man seine Ragdollexperimente problemlos an den Mann/Frau/Monster/Zombie/Schäferhund bringen. Im Vergleich zu Stalin Subway hat man zum Glück aber nicht auf Bluteffekte verzichtet, jedoch scheinen einige Animationen leicht abgeschwächt. Schädelspalten habe ich bisher noch nicht umsetzten können, was vielleicht auch am mangelnden Rohmaterial lag. Das Spiel ist komplett in englischer Sprache verblieben, selbst die Untertitel bleiben in Englisch. Erfreulich ist, dass man auf einen Kopierschutz (Starforce in der englischen Fassung) verzichtet hat, selbst die CD wird nicht mehr benötigt. Fraglich ist jedoch, da die Zensur recht human ;) ausgefallen ist, warum die englische Fassung auf dem Index gelandet ist. Das Handbuch ist als PDF lediglich auf der CD zu finden. Insgesamt noch eine recht vertretbare geschnittene Fassung, die dazu noch zu einem recht freundlichen Preis den Besitzer wechselt.

Fazit:

Hellforce ist grundsolide Unterhaltung. Es bietet auf technisch hohem Niveau eine gekonnte Hommage an vergangene Shooter-Klassikern wie Quake, SiN oder Duke Nukem. Und genau wie einige der Vorbilder nimmt sich Hellforces selbst auch nicht zu ernst, worin auch der eigentliche Kritikpunkt begründet liegt. Hellforces weiß nicht so ganz, wo es eigentlich hin will. Ein brutaler Realo-Horrorshooter, für den man ihn anfänglich wirklich hält und er dann stellenweise durch Passagen wie z. B den Schrumpfkeksen eher einer Parodie entspricht. Hier ist innerhalb des Spielablaufes leider keine Kontinuität zu finden. Ist es jetzt ernst oder Komödie und das schadet ein wenig der Atmosphäre. Auch wirkt die Story ein wenig zu episodenhaft, was an den gänzlich unterschiedlichen Szenarien liegen kann, aber ebenso an der etwas schwach präsentierten Story und den zu statisch wirkenden, mit der Engine erzählten, Zwischensequenzen. Insgesamt ist Hellforces aber ein absolut unterhaltsames stimmiges Spielerlebnis, das während seiner ca. 15-16 Stunden Spielzeit für genügend Abwechslung sorgt und ein altes Gameplay-Gefühl stilvoll wiedererweckt. Ein stimmiges Erstlingswerk vom Entwickler Orion, das nur sehr knapp an einer 2 vorbeischlittert. Spieler, die dem alten und immer noch unterhaltsamen Gameplay nachtrauern, sollten Hellforces auf den Einkaufszettel setzen. Schön auch, dass es direkt im Mid-Price Bereich erschienen ist.


Geschrieben am 04.08.2005, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 1GB Ram, SB Audigy2ZS
 



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