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Harveys neue Augen  


Info
Autor 2+
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 2
 2.5
Gesamt (5 votes) 2+
 0.3
 1.4
 2.4
Name:Harveys neue Augen
Genre: Action Strategie
Produkt: Vollversion
Release: 2011/08
Publisher: Daedalic Entertainment
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 2Ghz, 1.5GB RAM, 256 MB, HD 3500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista/Windows7, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.1
USK: 12
Harveys neue Augen (review von nali_warcow)

Mit "Edna bricht aus" brachte Deadalic 2008 ein abgedrehtes, spaßiges und erfolgreiches Point & Klick-Adventure auf dem Markt und machte sich bei Fans abgedrehter Adventurekost einen Namen. In den folgenden drei Jahren wurde u.a. mit "The Whispered World" & "A New Beginning" nachgelegt, bis Ende 2011 endlich eine Fortsetzung im "Edna-Universum" erschien: "Harveys neue Augen". In der DVD-Verpackung des Spiels befindet sich neben der eigentlichen Spiel-Disk, die lediglich zur Installation benötigt wird, ein farbiges Handbuch (14 Seiten, wobei auch einige davon für "Eigenwerbung" verwendet werden) und eine Bonus Disk mit einem Track und einer Laufzeit von 4 Minuten. Der Rest hat es irgendwie nicht auf die CD geschafft und steht als Download auf der offiziellen Seite zur Verfügung. Als besondere Dreingabe bzw. als Kopierschutz gibt es außerdem eine "Code-Scheibe", die - ähnlich wie in Monkey Island - beim Spielstart benötigt wird. Einmal pro Tag ist es notwendig die gesuchte Kombination aus Person (3 Kopfteile) und Polizei/Wache passend zu drehen, um das gesuchte Datum in den Kalender eintragen zu können. Im Gegensatz zum Vorgänger, der noch gänzlich ohne USK-Altersbeschränkung auskam, so setzt der Nachfolger eine Schippe in Sachen schwarzer Humor und Brutalität drauf, weshalb die Einstufung "Freigegeben ab 12 Jahren" schon Sinn macht.

Lillis Abenteuer

Ein neues Spiel, eine neue Protagonistin und das ist in diesem Fall Lilli. Das kleine, unschuldige Mädchen mit gelben Zöpfen und Anime-Schulmädchen-Look, lebt - zusammen mit etlichen anderen Mitschülern, zu denen auch Edna gehört - in einer Klosterschule. Probleme gibt es dabei gleich mehrere: Die Oberin kann Kinder nicht ausstehen, die Mitschüler können Lilli nicht wirklich leiden und schüchtern ist das gute Ding darüber hinaus auch noch. Lediglich mit Edna versteht sie sich gut und versucht alle Aufgaben, die ständig von Oberin Ignatz gestellt werden, gewissenhaft und sorgfältig zu erledigen. Allerdings hat Lilli dabei ein recht unglückliches Händchen und alles geht schief oder kommt am Ende nicht so gut an, wie es geplant war. Folglich nimmt das Unglück wenig später seinen Lauf, bis kurz darauf der bekannte Dr. Marcel aus "Edna bricht aus" auf der Bildfläche erscheint, um die Kinder in den Griff zu bekommen. Damit ist das ruhige Klosterleben endgültig vorbei. Lilli wird mit Verboten überschüttet und ihre beste bzw. einzige Freundin Edna ist kurz darauf auch noch verschwunden…

Doch das ist erst der Anfang eines umfangreichen Abenteuers, das Lilli (und den Spieler) in den nächsten zehn bis zwölf Stunden erwartet. Auf dem Weg zum Ziel trifft das kleine Mädchen die unterschiedlichsten Zeitgenossen, die - wer hätte es nach "Edna bricht aus" gedacht - facettenreich und abgedreht ausgefallen sind. Aber auch der (schwarze) Humor und allerlei Anspielungen kommen nicht zu kurz. Sehr interessant ist auch die Umsetzung der schüchternen Hauptfigur Lilli ausgefallen. Lilli selbst spricht im Grunde fast gar nicht. Sie kann ein wenig pfeifen, seufzen, den Kopf bewegen (nicken & schütteln) und fängt ab und an auch einen Satz mit "Ähm…" an. Das sind zumindest schon einige Wortbrocken mehr, als sie Gorden Freeman über die Lippen bekommt, aber in Kombination mit den anderen Charakteren und der grandiosen Einbindung des Erzählers (gesprochen von Götz Otto), ein stimmiges und gut durchdachtes Konzept. Dialoge & Aktionen passen hier wunderbar zusammen bzw. greifen nahtlos ineinander. Klickt man als Spieler etwa eine Aussage, wie "Könnte ich mir Gegenstand X von dir leihen" an, dann merkt man, wie Lilli versucht das zu sagen, aber gleich darauf vom Gegenüber mit den Worten "Moment, du willst doch jetzt nicht fragen, ob ich dir Gegenstand X leihen kann?" unterbrochen wird, worauf Lilli zu nicken anfängt. Als Abschluss mischt sich dann noch der Erzähler ein, der den Spieler mit "Aber Lilli könnte Gegenstand X wirklich gut gebrauchen, wenn doch nur [...] nicht wäre." ein wenig den Weg weist und gleichzeitig das Geschehen zusammenfasst.

Besorge: Katzenfutter mit Taubengeschmack

Aber in "Harveys neue Augen" wird nicht nur geredet, sondern auch wieder in bekannter Point & Klick-Spielweise kombiniert, Rätsel gemeistert und Hindernisse überwunden. Während die Welt und die Charaktere eine ganz besondere, eigene Note haben, so gibt sich der Titel spielerisch "klassisch". Überall in der Welt sind die unterschiedlichsten Objekte, vom Meerschweinchenglas bis zum Presslufthammer verstreut. Manche Gegenstände lassen sich einfach einstecken, andere müssen über Umwege (etwa ein Schlüssel, der tief unten in einem Brunnenschacht liegt und der Wasserstand zu niedrig ist) geborgen werden und wieder andere gibt es durch Gespräche mit anderen NPCs bzw. dem Lösen entsprechender (Tausch)-Aufgaben. Personen müssen abgelenkt, Laufaufgaben gemeistert und "Kombiniere Gegenstand A mit B"-Lösungen gefunden werden. Bei alle den Problemen und Aktionen von Lilli geht es aber nicht immer zimperlich zur Sache. Immer mal wieder stehen einige etwas rabiatere Aktionen bzw. Auswirkungen auf dem Programm. Sei es nun, dass ein abgebrochenes, spitzes Stuhlbein auf ein Auge angewendet wird oder ein armer Mitschüler zuerst in den Brunnen befördert wird, dann ein Bienennest auf den Kopf bekommt und zum Schluss von einem Termitenschwarm heimgesucht wird. In solchen Fällen greifen die Zensurgnome ein, die schlimme Szenen / Stellen rosa einfärben.

Wie es der Name des Spiels schon andeutet, so hat auch das blaue Plüschhäschen wieder einen Auftritt, wenngleich in deutlich lädierter Form. Der Ausgang des letzten Abenteuers hat halt Spuren hinterlassen und Auswirkungen gehabt, so dass aus dem freundlichen Begleiter das genaue Gegenteil wurde. Harvey überwacht die Aktionen von Lilli und sorgt dafür, dass die "Verbotsregeln" genau eingehalten werden. Feuer machen ist daher genauso verboten, wie das Hantieren mit spitzen Gegenständen, Lügen und einige andere Sachen. Es versteht sich natürlich von selbst, dass Lilli im Laufe der Geschichte Mittel und Wege finden muss, die Regeln an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können. Was mit der simplen Aufgabe das Laub im Klostergarten auf einen Haufen zu harken begann, entwickelt sich in drei Akten zu einem umfangreichen Abenteuer. Neben dem Kloster steht auch eine skurrile Kleinstadt, die Irrenanstalt und Trancewelten auf dem Besuchsplan. Einsteiger & Gelegenheitstüftler finden dank Tutorial und einer überschaubaren Anzahl an Bildschirmen schnell einen Einstieg in die Spielwelt. Aber auch bei der Rätselmischung wird eine angenehme Balance zwischen sehr einfach und unfair / viel ausprobieren geboten. Die grobe Richtung ist eigentlich immer klar und ersichtlich, so dass man mit ein wenig Nachdenken über das aktuelle Ziel recht gut durchs Spiel kommt.

Etwas überschaubarer wird das neue Abenteuer auch durch die Reduzierung der Hotspots und stärkere Beschränkung auf "sinnvolle" Interaktionsmöglichkeiten im Gegensatz zu "Edna bricht aus". Ist für den einen oder anderen Profi-Knobler, der gerne viel ausprobiert, vielleicht nicht die optimalste Designentscheidung, aber dem Spielspaß tut es insgesamt eigentlich keinen Abbruch. Es gibt trotzdem einiges, was man ausprobieren und woran man knobeln kann. Bei einigen Minispielen (Kombinations-/Zuordnungsaufgaben) können ungeduldige Spiel auch den Skip-Button verwenden und müssen so beispielsweise nicht Obst, Gemütszustände und Tiere zuordnen.

Technische Umsetzung

Optisch präsentiert sich "Harveys neue Augen" als eine schönere Variante von "Edna bricht aus". Noch immer ist der Comic-Look recht simpel gehalten, aber trotzdem lassen sich doch recht viele Details erkennen, die Spielwelt wirkt durchgehend sehr stimmig und präsentiert sich dabei farbenfroh. Auch hat das Spiel den Sprung in die moderne Monitorwelt geschafft, läuft im Breitbildformat und im Vollbild bei hohen Auflösungen. Eine Schwäche sind allerdings weiterhin Animationen & Bewegungen, die alle recht abgehakt und unfertig wirken. Auch bei den Gesprächen wirken einige Mundanimationen etwas unschön aufgesetzt. Ansonsten passiert in der Spielwelt nicht viel und die einzelnen Abschnitte stellen eher ein Stillleben dar. Wenn dann etwa im Fluss ein wenig Wasserbewegung am Stegpfeiler zu sehen ist, dann wird schon "viel" an Animation geboten. Aber dafür passen ansonsten Figuren, Objekte und Spielwelt wunderbar zusammen und verschwimmen zu einem stimmigen Gesamtbild. Auch die Zwischensequenzen im Vollbild passen zum Rest des Spiels. Es wirkt nichts aufgesetzt und alle wichtigen Spielelemente & Objekte lassen sich gut erkennen.

In Sachen Steuerung orientiert sich der Titel am bekannten Point & Klick-Schema. Mit der Maus lenkt der Spieler Lilli durch die Welt und interagiert mit Objekten & Personen, wobei es nur zwei Möglichkeiten gibt (interagieren & ansehen). Das Inventar ist nur einen Mausklick am unteren Bildschirmrand entfernt und in Gesprächen werden Symbole zu den einzelnen Themen angezeigt, wobei eine kleine Popup-Einblendung das Thema / die Antwort auch noch in Textform beschreibt. Speichern ist auch jederzeit im Menü möglich, wo sich auch die Lautstärke individuell für Musik, Sound & Sprachausgabe einstellen lässt. Wahlweise läuft das Spiel im Vollbild- oder Fenstermodus. Lediglich die Hardwareanforderungen (Minimum: 2GHz, 1,5 GB RAM & 256MB Grafikkarte) sind doch ein wenig happig für ein Adventure, was zu 99% nur aus einem Standbild mit 2-3 kleinen Animationen besteht. Keine Kritik gibt es dagegen bei der akustischen Umsetzung, die sehr gelungen ausgefallen ist. Im Bereich Musik und Sprachausgabe wird ein wirklich ausgesprochen stimmiges Gesamtpaket geboten. Die abwechslungsreichen Klänge im Hintergrund passen wunderbar zum aktuellen Geschehen auf dem Schirm, aber sind auch in ruhigeren Passagen, wenn man einfach nur die Spielwelt läuft und ein wenig rumprobiert, eine sehr angenehme Geräuschkulisse. Wunderbar umgesetzt ist zudem die deutsche Synchronisation, was sich ausgesprochen positiv auf die Atmosphäre auswirkt. Gerade ein Spiel, was so viel Wert auf Dialoge, Sprüche, Humor & Wortwitz legt, profitiert von einer gelungenen Sprecherriege, die den virtuellen Charakteren Leben einhauchen. Dabei sind nicht nur die einzelnen Charaktere gut getroffen, sondern es fügt sich auch alles in ein rundes Gesamtbild bestehend aus Lilli, NPC & Erzähler.

Meinung

Mit "Harveys neue Augen" haben die Entwickler einen wunderbaren "Nachfolger" geschaffen, der auf den Stärken des Vorgängers setzt, im gleichen "Universum" spielt, auf die Geschehnisse des Vorgängers aufbaut, aber auch nicht einfach nur ein "2. Abenteuer mit Edna" ist. Insbesondere Lilli als stummer / schüchterner Hauptcharakter ist eine wunderbare Designentscheidung (und erstmals in einem Computerspiel überzeugend umgesetzt), die Welt wirkt deutlich abwechslungsreicher, die fairen Rätsel decken eine breite Palette an Aufgaben ab und das Spiel wirkt insgesamt fast überall etwas runder und ausgereifter. Lediglich im technischen Bereich gibt es einige, kleine Mankos, wie etwa die Animationen und überzogene Hardwareanforderungen. Solche Sachen sind aber schnell vergessen und es macht einen unglaublichen Spaß mit der kleinen Lilli ihr Abenteuer zu erleben, was farbenfroh, humorvoll und einer gut dosierten Priese Gewalt daherkommt.


Geschrieben am 09.04.2012, Testkonfiguration: AMD X2 6000+, 4GB, GeForce 8800GTS, SB Audigy2ZS
 



16 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Sehr gut (4.6 von 5 Punkten)
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