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GC Konzert 2004  


Name:Games Convention Konzert 2004
Links: Games Convention
Links: Thomas Böcker/Merregnon 2
Gewandhaus zu Leipzig
Andy Brick
Merregnon Team
Games Convention Konzert 2004 (special von yak)

Das letztjährige Eröffnungskonzert der Games Convention (siehe unser GC 2003 Special) war ein großer Erfolg und begeisterte Game- wie Musikfreaks gleichermaßen. Gamefreaks waren überrascht, wie die "Gewalt" eines vollen Orchesters den Saal beherrschen kann und Musikliebhaber, wie anspruchvoll Kompositionen für das doch immer noch so "merkwürdige" Hobby Computerspiele sein können. Und eindrucksvoll ging es im letzten Jahr dann auch zur Sache, als nach der Fanfare die Suite von Headhunter und Headhunter Redemption aus der Feder von Richard Jacques, den wir bereits in unserem Interview vorstellen konnten, die Zuhörer begeistern konnte. Von da an war eines klar. Die Spielemusik hatte die Zuhörer im Griff.

Bestand einst die Hintergrundmusik ausschließlich aus Peeps und Plonks, hat die Computerspielindustrie langsam den Wert von einer professionellen Vertonung erkannt und aus den einfachen Midi-Sounds wurden voll besetzte Orchester mit Chor. Doch der Weg dahin war lang und beschwerlich, denn guter Sound und gute Kompositionen sind teuer und aufwendig. In Japan hat man die Notwendigkeit bereits etwas eher erkannt und gönnte vielen Spielen bereits einen vollorchestralen Soundtrack, allen voran die Firma Square mit Titeln der Final Fantasy Reihe, deren Musik in Japan Garant für ausverkaufte Konzertsäle ist. Doch auch der Westen hat die Wichtigkeit von Orchestersound entdeckt und immer mehr Spiele werden professionell vertont, wobei natürlich auch hinzu kommt, dass Spiele in den letzten Jahren immer mehr an Gewichtung bekamen und ihr Aufwand fast einer Hollywoodproduktion gleicht.

Das Eröffnungskonzert der Games Convention 2003 hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, orchestral eingespielte Gamesoundtracks zu würdigen und bot einen sehr guten Querschnitt vieler Gamegenres. Klassikern wie Outcast und Final Fantasy, bis hin zu aktuellen Games wie Primal, Harry Potter, Zelda The Wind Waker oder Medal of Honor gaben den Zuhörern einen Eindruck, wie sich gute Spielmusik anhören muss. Komponisten wie Richard Jacques, Christopher Lennerz, Andrew Barnabas, Nobuo Uematsu, Chance Thomas, Lennie Moore oder Jeremy Soule (siehe Interview) waren mit ihren Kompositionen vertreten und viele waren beim Konzert anwesend. Das Konzert 2003 im Gewandhaus zu Leipzig war zudem Europapremiere für ein Spiel-Musik-Konzert und der Erfolg blieb nicht ohne Folgen- auch 2004 wird die Game Convention wieder mit einem symphonischen Spielemusik-Konzert eröffnet.

Wieder konnten wir Produzent Thomas Boecker gewinnen, uns ein paar Fragen zu beantworten, was zu erwarten ist, bzw. wie die Resonanz der letztjährigen Veranstaltung war.

Hallo Thomas, vielen Dank, dass Du Zeit für uns hast und uns ein paar Fragen beantwortest. Wie war die Resonanz bei den drei möglichen Parteien (Spieler, Musikliebhaber, Publisher) nach dem Konzert. Wurden die Erwartungen erfüllt?

Auf jeden Fall. Das hat einerseits die Presseresonanz mit entsprechenden Interviews von Konzertbesuchern gezeigt, andererseits die Tatsache, dass es ein zweites Spielemusikkonzert geben wird - und die Tickets wieder begehrt sind. Auch von Publishern habe ich sehr nette Reaktionen erfahren, verbunden mit dem Angebot, Projekte dieser Art sehr gern wieder zu unterstützen. Außerdem war es natürlich eine große Ehre, dass sich Nobuo Uematsu, der Komponist der Final Fantasy - Reihe, sehr positiv über unsere Veranstaltung äußerte und meinte, es wäre ein wundervolles Konzert gewesen. Das freut mich persönlich, wie auch die Tatsache, dass er 2004 wieder im Publikum anwesend sein wird.

Warst Du mit dem Ablauf der Veranstaltung 2003 insgesamt zufrieden?

Ich bin mit dem Konzert 2003 zufrieden und sehr froh, an einem solchen Projekt mitgewirkt zu haben. Natürlich gibt es immer Raum für Verbesserungen - vielen Dank an alle, die uns ihr Lob und ihre Kritik zukommen lassen. Wir haben sämtliche Kommentare ausgewertet und diskutiert und sind der Überzeugung, 2004 bestmöglich auf diese Wünsche eingehen zu können.

Das erste Mal ist immer am schwierigsten. Habt ihr aus dem 2003 Konzert Dinge "gelernt", die man 2004 verbessern könnte?

Auf jeden Fall! Gelernt haben alle beteiligten Parteien - gelernt im Sinne von Erfahrungen gesammelt. So war es 2004 viel leichter, entsprechende Kontaktpersonen bei den Publishern zu finden. Es war kein Problem mehr, Zustimmungen und die Erlaubnis für die Aufführung zu erhalten, weil man durch die Veranstaltung 2003 wusste, wie ein solches Konzert ablaufen würde. Das Vertrauen auf beiden Seiten wurde etabliert. Letztes Jahr hatten wir damit sozusagen ein sehr gut geplantes Experiment, während es sich 2004 - überspitzt gesagt - um Routine handelt, im positiven Sinne des Wortes. Besonders auch intern konnten wir Dinge verbessern - wir haben unser Internetportal erweitert, wodurch allen Beteiligten der ständige Kontakt und der Austausch wichtiger Daten möglich wird. Unser Team ist noch besser eingespielt, jeder weiß, was er vom anderen zu erwarten hat, wir wissen, welche Komponisten am besten geeignet sind, bestimmte Stücke zu arrangieren - wir wissen, welche Orchestratoren unseren Ansprüchen genügen. Die Liste ließe sich fortsetzen, es läuft letztlich darauf hinaus, dass uns die erste Erfahrung mit einem solchen Konzert gestärkt hat.

Warum der diesjährige Wechsel zu einem anderen Orchester Im letzten Jahr gab es das Tschechische National Symphonie Orchestra, in diesem Jahr bekommen wir das FILMharmonic Orchester Prag zu hören? Im letzten Jahr gab es ja bei ein paar Stellen etwas Problem, weil das "Blech" an einigen Passagen nicht recht mitkam. Das FILMharmonic Orchestra Prag hat ja bereits mit vielen Filmsoundtrack-Einspielungen Erfahrung. Ist es deshalb die bessere Wahl?

Zunächst möchte ich anmerken, dass wir mit der Live - Performance des Czech National Symphony Orchestras insgesamt zufrieden waren. Grund für den Wechsel zum FILMharmonic Orchestra ist, dass wir die Mitglieder durch unsere frühere Zusammenarbeit noch besser kennen und wir denken, nicht zuletzt dadurch die beste Qualität erreichen zu können. Der Soundtrack zu "S. T. A. L. K. E. R." beispielsweise wurde schon im Original von Andy Brick dirigiert. Das FILMharmonic Orchestra ist ein Zusammenschluss der besten Spieler von Ensembles wie dem Prague Symphony Orchestra, der Prague Radio Symphony, dem Prague Chamber Orchestra und der Czech Philharmonic. Die Aufnahmen zu Spielesoundtracks sind ein absolutes Hauptaugenmerk des Managers Petr Pycha, der auch schon 2003 unser Kontaktmann war. So wurde die Musik zu "EverQuest II", "Sangokushi" oder jüngst "Brothers in Arms" ebenso mit dem FILMharmonic Orchestra aufgenommen. Für uns ist es also ein Optimalfall - genauso wie es für die Zuhörer sein wird.

Gab es nach dem Konzert Interesse von den Publishern, dass in einem Folgekonzert auch ihre Spiele berücksichtigt werden?

Selbstverständlich, man kann schließlich den Werbeeffekt schwerlich übersehen. Sofern die musikalische Qualität stimmt - und die entsprechenden Titel ins Programm passen, waren und sind wir für alle Vorschläge immer offen.

Im letzten Jahr gab es leider keine Möglichkeit, den Konzertmitschnitt auf CD erwerben zu können. Wie sieht es in diesem Jahr damit aus?

Einen Mitschnitt des Konzertes wird es auch 2004 nicht zu kaufen geben.

Insgesamt war im letzten Jahr der Musikquerschnitt für viele etwas zu "militant" geprägt. Gibt es deswegen in diesem Jahr eine etwas andere Auswahl?

Nun, ich möchte folgendes anmerken: 2003 haben wir besonders auf Titel gesetzt, die im Original schon mit einem Live-Orchester aufgenommen wurden. Dass waren sehr oft Actionstücke - wahrscheinlich deswegen, weil für dieses Genre entsprechende Budgets zur Verfügung stehen. Darüber hinaus - aus künstlerischer Sicht - galt es aber auch, ein jüngeres Publikum zu begeistern und zu schauen, wie diese - ich möchte es "Abenteuernote" nennen - beim Publikum ankommt. Andy Brick äußerte sich zu diesem Thema schon in einem Interview - und ich möchte gern unterstreichen, was er sagte: sobald die Akzeptanz von Spielemusik gestiegen ist, kann man im Programm auch variantenreicher werden - und weitere Experimente wagen. Schritt für Schritt, nicht alles auf einmal. Genau das tun wir 2004 - es gibt eine Menge sehr ungewöhnlicher Titel: Einsatz von Saxophonen in "Super Mario Brothers", karibische Instrumente in "Monkey Island", ein "Final Fantasy" - Operntitel mit drei Sängern oder "Max Payne 2", ein getragenes Stück mit Fokus auf Cello. Manche mögen die Auswahl "mutiger" nennen - das ist nur möglich, wenn man bereits ein Konzert erfolgreich durchgeführt hat und die angesprochenen Reaktionen der Besucher auswerten konnte.

Im letzten Jahr waren die ausgewählten Stücke hauptsächlich aus Spielesoundtracks, die auch in der ursprünglichen Version bereits mit Orchester eingespielt wurden. In diesem Jahr ist der Anteil nicht mehr so hoch. Warum?

2004 ehren wir durchaus Titel wie z. B. "EverQuest II", "Secret Weapons over Normandy" oder "ActRaiser": den ersten Soundtrack, der ein CD - Album spendiert bekam, das mit einem Orchester aufgenommen wurde. Mit der Auswahl der Stücke in diesem Jahr folgen wir allerdings - das ist richtig - auch einem Wunsch der Konzertbesucher, Klassiker wie "Monkey Island", "Super Mario Brothers" oder "Turrican" aufzuführen.

In diesem Jahr gibt es viele Stücke, zu denen die Spiele selbst noch nicht veröffentlicht wurden. (Everquest 2, Starship Troopers, Stalker). Nimmt man den Zuhörern da nicht ein wenig den Wiedererkennungswert. Gerade die Stücke, die man aus den Spielen kennt, jetzt mit einem vollen Orchester in einem unglaublichen Sound zu hören, ist für viele ja ein Erlebnis.

Das ist eine Frage der Perspektive - ich persönlich finde die Idee faszinierend, in einem Konzert einerseits bekannte Werke zu hören - andererseits aber mit brandneuen Kompositionen konfrontiert zu werden. Es gilt für uns, immer etwas Neues auszuprobieren - und fest getretene Pfade zu verlassen.

Das Konzert scheint von der Titelzahl kürzer auszufallen. War das der Wunsch des Veranstalters?

Das Programm ist nur etwas kompakter geworden. Aber keine Angst - betrachtet man letztlich die Minutenanzahl der Stücke, gibt es keinen wirklich erheblichen Unterschied zu 2003. Wir möchten den besten Weg finden, zwischen Zuhörern, die an Spielemusik herangeführt werden, weil sie ein erstes Interesse entdeckt habt. Und den Leuten, die sich seit Jahren intensiv mit der Materie beschäftigen - und quasi nicht genug davon bekommen können.

Hat das letztjährige Konzert die orchestrale Spielemusik einen Schritt nach vorne gebracht. Kamen mehr Leute auf Euch zu und sagten "So etwas wollen wir in unserem Spiel haben ?"

Ich denke, es gab diesen Schritt nach vorn, teilweise sogar in Deutschland, wo dieser auch essentiell wichtig war. Zudem brachte es eine Reihe weiterer Konzerte und Pläne für Konzerte dieser Art ins Rollen. Wichtig ist jetzt für die meisten Entwickler und Publisher zu verstehen, dass liveorchestrale Musik nicht gleichbedeutend mit guter Musik ist - und das nicht ausnahmslos jedes Orchester die Qualität liefert, die sie wünschen. Wir befinden uns in einem langen Lernprozess, aber ich bin sehr froh, dass wir es bis zu diesem Punkt überhaupt schon geschafft haben, wo sich solche neuen Fragen und Kriterien ergeben. Mehr oder weniger überraschenderweise war das Interesse ausländischer Medien an dem Konzert fast größer als das der Einheimischen: ob BBC, New York Times, Gamasutra oder IGN - alle würdigten sie unsere Veranstaltung.

Glaubst Du, dass Spielemusik und Filmmusik näher "zusammenrücken". Immer mehr Filmkomponisten entdecken auch das Genre Computerspiele für sich, betrachtet man aktuell aus dem Konzert Laura Karpman (Everquest 2) oder auch Harry Gregson Williams (Metal Gear Solid 2). Andersherum beginnen Spielekomponisten, Fernseh- oder Kinofilme zu vertonen, wie z.B. Michael Giacchino (Secret Weapons over Normandy).

Ich denke schon, dass beide Richtungen - also Spiel und Film - für die Komponisten interessant sein können. Solange verstanden wird, dass die Genres letztlich doch verschieden sind und ihre eigene Herausforderungen haben, sehe ich keine Probleme.

Eurer Projekt Merregnon 2 hat lange auf sich warten lassen, warum die Verzögerung?

Vorrangig aus Gründen der Qualitätssicherung - wenn man mehr als drei Jahre an einem Projekt arbeitet, dann möchte man, dass letztlich alles stimmt. Im Rückblick bin ich auch sehr froh darüber, dass wir dem eigenen Druck, es doch endlich - wie auch immer - fertig zustellen, nicht erlegen sind. Zudem ist es kein Geheimnis, dass alle Beteiligten vielbeschäftigte Künstler sind - und von Zeit zu Zeit ihre Prioritäten auf andere Projekte lenken müssen.

Wird auch in diesem Jahr Komponisten Prominenz erwartet?

Absolut - dieses Jahr werden wir Spielemusik in noch stärkerem Maße zelebrieren können. So werden Gäste wie Nobuo Uematsu, Chris Hülsbeck, Yuzo Koshiro, Richard Jacques, Allister Brimble, Fabian Del Priore, Markus Holler oder auch Gustaf Grefberg erwartet - und die Liste geht weiter. Es wird nach dem eigentlichen Konzert die Möglichkeit für Fans geben, Spielemusik - CDs zu erwerben - und in einer Signierstunde Autogramme von Allister Brimble, Chris Hülsbeck, Yuzo Koshiro und Nobuo Uematsu zu bekommen. Auch das ist ein Novum.

Wie sehen die Kartenvorverkäufe aus?

Die Kartenvorverkäufe laufen sehr gut. In den Ticketonline - Charts befindet sich das Spielemusikkonzert fast ununterbrochen in den Top 10 und erreichte zwischenzeitlich sogar Platz 1.

Vielen Dank für das Interview Thomas. Wir wünschen Dir und Andy Brick viel Erfolg bei Game Convention Konzert 2004.

Ich habe zu danken - ich hoffe, wir sehen uns auf dem Konzert.

 


Das Konzert findet am 18.08.04 zur offiziellen Eröffnung der Game Convention um 20.00 Uhr im Gewandhaus zu Leipzig statt.

Weitere Infos /Kartenvorverkauf

Titelliste

Eröffnungsfanfare 2004 (Merregnon Studios)

Metal Gear Solid (Konami) - Main Theme

EverQuest II (Sony) - Thundering Steps

Super Mario Brothers (Nintendo) - Medley

Final Fantasy VII (Square - Enix) - Let The Battles Begin!

Monkey Island (LucasArts) - Medley

S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl (THQ) - Medley

Max Payne 2 (Take 2) - Main Theme

ActRaiser (Square - Enix) - Medley

Starship Troopers (Empire Interactive) - Medley

Hitman (Eidos) - Medley

Secret Weapons Over Normandy (LucasArts) - Main Theme

Final Fantasy VI (Square - Enix) - Maria and Draco

Turrican II (Factor 5) - Medley


Weitere Beiträge zum Thema Musik in Spielen findet Ihr in unseren Interviews (dt./engl):

- Richard Jacques (u. a. Headhunter)

- Ian Livingstone (u. a. Mace Griffin Bounty Hunter)

- Jeremey Soule (u. a. Morrowind, Icewind Dale, Neverwinter Nights, Knights of the Old Republic)

- Jesper Kyd (u. a. Freedom Fighters, Hitman Serie, Brute Force)

- Christopher Stone (Dragon's Lair 3D)

- Don Bluth (über Dragon's Lair, Filme & Musik)




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