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Rückseite ]

Info
Autor 3+
 1.5
 1.5
 2.5
Gesamt (35 votes) 1
 1.3
 1.4
 2.6
Name:Dreamfall - The Longest Journey
Genre: Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2006/06
Publisher: Anaconda
Entwickler: Funcom
Offiz. Sites: Game
Hardware: 1.6Ghz, 256MB RAM, 64 MB D3D T&L&PixSha., HD 3600 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/2000, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
Sprache: Multilingual
Serie: ja
Bemerkung: auch für Xbox
USK: 12
Dreamfall - The Longest Journey (review von nali_warcow)

Quo Vadis Adventure? Diese Frage stellen sich sicherlich nicht nur Adventureliebhaber, sondern auch Entwickler und Publisher. Das oft totgesagte Adventuregenre erfreut sich zwar noch immer über zahlreiche Neuerscheinungen, doch die "alte Klasse" wurde bisher noch nicht erreicht. Vielmehr scheint der Schwerpunkt bei 3D Grafik, hübschen Renderbildchen, Tastatursteuerung und Actioneinlagen zu liegen. Immer mal wieder tauchen ein paar dieser Elemente in den unterschiedlichen Spielen auf. So hatte Baphomets Fluch 4 mehr Kistenschiebereien als Actionkonkurrent Tomb Raider, wohingegen sich Fahrenheit als Spielfilm mit Reaktionsspielchen herausstellte. Auch am Episodenformat scheinen die ersten Entwickler Gefallen gefunden zu haben. Ein bis zwei Stunden Adventurespaß werden für 20€ online verkauft. Nachdem vor einiger Zeit "The Longest Journey" eine Neuauflage in Form einer preisgünstigen Special Edition wiederveröffentlicht wurde, folgt jetzt wenig später der Nachfolger.

"Dreamfall: The Longest Journey" führt nicht nur die Geschichte weiter und erzählt das nächste Kapitel, sondern wurde auch ein wenig in Sachen Gameplay verändert. Welche Schwerpunkte die Entwickler dem Spiel gegeben haben, wie überzeugend die Handlung präsentiert wird und wie viel Adventure noch vorhanden ist, soll das folgende Review klären.

Das Spiel steht in einer ansehnlichen, aufklappbaren Minibox in den Regalen, in der sich jedoch eine ganz normale DVD Hülle befindet. Zusätzlich zur Spiel DVD gibt es ein noch etwa 20 Seiten umfassendes, Schwarzweiß-Handbuch. Darin wird nicht nur die Steuerung erklärt, sondern auch kurz die wichtigsten Charaktere und Welten beschrieben. Erfreulicherweise war auf der Disk ausreichend Platz, so dass neben der deutschen Sprachfassung auch noch die englische Tonspur vorhanden ist. Ganz bequem kann sogar im Spiel umgeschaltet werden. Weniger gelungen präsentierte sich dagegen der Kopierschutz Starforce. Laut Packungsrückseite werden etwa 4GB Festplattenspeicher benötigt. Dennoch gab das Setup eine Fehlermeldung aus, dass auf dem Zieldatenträger zu wenig freier Speicherplatz ist. Als daraufhin das Setup ordnungsgemäß beendet und der freie Speicher auf der Zielpartition von fünf auf zehn GB vergrößert wurde, startete das Setup nicht erneut. Lediglich eine Fehlermeldung mit der kryptischen Mitteilung "die Anwendung habe einen Fehler verursacht" wurde angezeigt. Nach einem Neustart des Systems war der Fehler dann behoben und das Spiel lies sich installieren. Doch die nächsten Probleme folgten schon bald. Vor dem Spielstart wird die Disk überprüft, wie bei fast allen Spielen heutzutage. Dreamfall war allerdings extrem wählerisch. Nur wenn das System gerade neu gestartet wurde, lies sich das Spiel starten. Wurde am Rechner zuvor nur einfach einige Zeit etwas anderes gemacht ( im Netz surfen oder Musik hören), wurde die Disk nicht mehr erkannt. Aber auch wenn das Spiel beendet worden war, lies es sich nicht wieder neu starten. Auch hier wurde kein Originaldatenträger mehr gefunden. Nach einem Neustart ging dann jedoch alles wieder. Unverständlich auch, dass jeweils das Setup beim Einlegen der Spiel DVD gestartet wird. Abgesehen von einem kleinen Anzeigebug lief das Spiel ansonsten problemlos und absturzfrei.

Auf der Suche

10 Jahre sind vergangen, seitdem der Spieler in der Rolle von April Ryan die beiden Welten Stark und Arcadia wieder ins Gleichgewicht gebracht hat. Der Untergang beider Welten war abgewendet und die lange und schwere Mission der Reisenden war erfüllt. Zusammen mit ihrem treuen Begleiter "Crow" hatte April ihren Teil erfüllt. Seitdem ist das 18 Jahre alte Mädchen verschwunden und keiner der Freunde hat es je wieder gesehen. Doch die Freunde haben andere Sorgen. In den 10 Jahren hat sich viel verändert und Freiheit ist für viele ein Fremdwort geworden. Auch in Arcadia, der Welt der Magie, hat es Veränderungen geben. Macuria war von den Tyren-Horden überrannt worden, bekam aber im letzten Moment Hilfe und Unterstützung eines neuen "Freundes". Die Azadi sorgen für eine schnelle Eliminierung der Barbaren und brachte den Bewohnern ihren Frieden wieder. Doch mit dem Frieden kam die Überwachung und die Kontrolle über die Bewohner mit Soldaten an jeder Ecke. Widerworte wurden genauso wenig geduldet wie Leute, die den Glauben der Azadi nicht anerkennen. Doch noch haben nicht alle Bewohner aufgegeben. Einige haben sich zusammengeschlossen und bekämpfen die "neuen" Eindringlinge, zu denen auch April Ryan gehört.

Sich selbst bezeichnen sie als Rebellen, für die Azadi sind sie dagegen Terroristen. Doch die Konflikte sind nicht das einzige Problem, das die beiden Welten erneut bedroht. Es gibt einen anderen Ort zwischen den beiden Welten. Dieser Ort ist Vergangenheit und Zukunft und birgt nicht nur ein großes Geheimnis, sondern eine Gefahr für beide Welten. Wieder einmal drohen die beiden Zwillingswelten auseinander zu brechen, wenn nicht jemand eingreift. Die neue Reisende, Retterin der Welten, wird Zoe Castillo sein. Doch die ahnt anfangs noch nichts von ihrem Glück und ihrer Berufung. Gerade hatte Zoe ihr Studium abgebrochen, die Beziehung zum Freund beendet und versucht, sich neu zu orientieren, als eine kleine Bitte ihr Leben für immer verändern wird. Einer letzten Bitte ihres Ex-Freundes Reza folgend wird sie mitten in die Probleme hineingezogen. Nicht nur bei der Abholung eines kleinen Päckchens kommt Zeo nur knapp mit dem Leben davon, wenig später ist Reza verschwunden und Zeo steht im Visier der Überwachungsbehörden. Auf der Suche nach ihrem ehemaligen Freund stößt die neue Reisende auf immer weitere Mysterien, Konspirationen und schließlich der anderen Welt namens Arcadia. Wie schon am Text zu erkennen ist, ist die Hintergrundgeschichte von "Dreamfall: The Longest Journey" alles andere als seichte oder oberflächliche Unterhaltung. Wie schon im Vorgänger ist sie ein wesentlicher Bestandteil des Spiels. Für den Spieler bedeutet dies, dass es eine ganze Reihe an Gesprächen und Zwischensequenzen gibt, die die Handlung vorantreiben und recht detaillierte Informationen liefern. Entsprechend sollte auf jeden Fall ein Interesse von Seiten des Spielers vorhanden sein, sich darauf einzulassen. Zwar ist es möglich, alle Dialoge und Zwischensequenzen zu überspringen, doch in diesem Fall verpasst der Spieler nicht nur zahlreiche Erklärungen und umfangreichere Informationen, sondern reduziert Spiel- und Spielspaß merklich. Aber nicht nur das Interesse an Dialogen ist gefragt, auch etwas Sitzfleisch. Damit der Spieler nicht all zu schnell den Anschluss verliert, bringt es wenig, sich zwischendurch mal eben zehn oder zwanzig Minuten mit dem Spiel beschäftigen zu wollen. Die Ingame Aufzeichnungen, Notizen und gespeicherten Gesprächsverläufe fallen recht dürftig aus und beinhalten nur die wichtigsten Ziele. Nicht nur für Leute, die den Vorgänger nicht gespielt haben, wäre eine kleine Zusammenfassung von "The Longest Journey" am Anfang eine feine Sache gewesen. Es gibt zwar eine Kurzzusammenfassung und Auflistung der wichtigsten Personen und Welten im Handbuch, doch warum nicht gleich als kleine Rückblende im Spiel?

Von Pontius zu Pilatus

Endlich hat Zoe zumindest einige Informationen über diesen komischen, unbekannten Ort bekommen, an dem sie sich befindet. Das Problem besteht nun lediglich darin, einen Weg in ihre Welt zu finden. Laut Benrime, der Besitzerin des "The Journey Man", kann ihr der Blinde Bob bei der Suche nach Magda helfen. Also geht es raus aus der kleinen Taverne in die verschneite, mittelalterliche Stadt. Bob ist auch recht bald gefunden, ein netter und freundlicher Kerl, der das Blind nur im Namen trägt, damit er mehr Geld von den Leuten bekommt. Allerdings bringt Zoe dies kein Stück weiter bei ihrem Problem. Ohne eine entsprechende Gegenleistung hat Bob keinerlei Interesse Zoe zu helfen. Aber für ein wenig Würzwein würde er es sich anders überlegen. Also zurück zu Benrime und nach Würzwein gefragt. Wie sollte es auch anders sein, so schnell bekommt Zoe keinen Würzwein. Wein ist zwar im Haus, aber die Gewürze sind aus. Deswegen geht es durch die verschneite Stadt bis zum Markt, wo beim Händler ein Versuch unternommen wird, die Gewürze zu bekommen. Wäre auch zu schön gewesen, aber der Händler wartet noch auf seine Lieferung. Ary Kinryn, sein Lieferant, steckt mit dem Wagen in einer Gasse fest. Um den Vorgang etwas zu beschleunigen erklärt sich der Spieler natürlich schnell bereit, seine Lieferung vom Lieferanten abzuholen. So geht es wieder zurück durch die ganze Stadt, vorbei am "Journey Man" und in eine andere Gasse. Nachdem sich Zoe die Sorgen und Nöte des Händlers angehört hat, bekommt sie endlich die Lieferung für den Gewürzhändler. Den Weg inzwischen mehr als gut kennend geht es nun schnell wieder zurück zum Händler, der einem Mrs. Mullins Spezialgewürze für Benrime gibt. Wieder im "Journey Man" angekommen kann sich Zoe nach einer kurzen Einweisung durch Benrime daran machen, selber den Würzwein herzustellen. Der Wein ist schon im Topf, lediglich die Gewürze müssen noch dazu und dann kann der gute Tropfen auch schon in eine Weinflasche gefüllt werden. Jetzt geht es wieder zurück zum Blinden Bob, der einen nun hoffentlich zu Magda bringen wird. Pustekuchen. Nach einem ordentlichen Schluck erzählt Bob, dass er gar keine Ahnung hat, wo sich Magda befindet. Aber zumindest einen Tipp gibt es: Clara sollte einem das sagen können…

Rätsel wo bist du?

Das kleine Beispiel in dem Zoe auf der Suche nach Magda ist, zeigt die Hauptbestandteile von Dreamfall. Spieler, die Rätsel und Knobeleien wie in "The Longest Journey" erwarten, sollten daher genau darauf achten, ob ihnen die Spielelemente in Dreamfall zusagen. Es sind zwar noch durchaus Rätsel und Knobeleien enthalten, allerdings auf einem durchweg sehr einfachen Niveau. Im Inventar der drei spielbaren Charaktere befinden sich maximal drei Gegenstände mit denen leichte Kombinationsaufgaben zu lösen sind. So gilt es zwei Papierschnipsel mit einem Kaugummi zu verbinden oder sich aus einem Bettlaken und einem Tuch ein Kletterseil zu kombinieren. Ansonsten erledigt der Spieler vielmehr Laufarbeit. An einer Ecke der Spielwelt gibt es eine neue Information, so dass an einer ganz anderen weitergemacht werden kann. Dabei gibt das Spiel sehr linear vor, wann welche Gegenstände genommen und welche Aktion durchgeführt werden kann. So wurde Zoe zwar vom Zauberer schon frühzeitig ein Buch angeboten, doch die Heldin hat dankend abgelehnt. Etwas später gilt es jedoch für eine Überfahrt ein Tauschobjekt zu besitzen und dann wird besagtes Buch gebraucht. Dann heißt es also zurück zum Zauberer und erneut nach dem Buch fragen. Die einfachste Lösung, wenn eine Person gesucht wird, würde darin bestehen, andere Leute danach zu fragen. Dies geht bei der Suche nach Madga jedoch nicht. Nur über Umwege kann Zoe erfahren, dass Magda sich an einem Ort befindet, an der sie schon mehrfach vorbeigegangen ist. Nur bis dahin konnte die Dame nicht angesprochen werden. Als Knobelersatz gibt es in Dreamfall dafür Minispielchen, Schleichabschnitte und Actionpassagen. Immer wieder gilt es im Spielablauf dem multimedialen Handy von Zoe Schlösser und Elektronik zu knacken. Dazu müssen unter Zeitdruck in einem Feld die gleichen Symbole markiert werden, die denen am unteren Bildschirmrand angezeigten, entsprechen. Um die Sache etwas schwieriger zu machen wechseln die Symbole im oberen Bereich immer mal wieder die Position. Als zweites Minispiel gibt es ein weiteres Farb- und Symbol-Rätsel, bei dem es darum geht, mehrere Räder so zu drehen, dass jeweils zwei gleiche Farben nebeneinander stehen. Als Schleichpassagen präsentiert sich das Eindringen in ein Labor- und Forschungskomplex. Hier hat der Spieler Wachrobotern auszuweichen und Sicherheitssysteme zu deaktivieren. Das klingt nach einer sehr komplexen Aufgabe, wird allerdings so präsentiert, dass kein Adventurespieler damit Probleme haben sollte. Etwas mehr Probleme dürften die Kampfeinlagen des Spiels bereiten. Im Prinzip wird dabei ein sehr simples Beat'em Up geboten. Zwei Schläge und Blocken sind neben der Bewegung die einzigen Aktionsmöglichkeiten des Spielers. Das Problem der Kämpfe ist jedoch die mehr als unausgereifte und unübersichtliche Steuerung. Dennoch sind diese Auseinandersetzungen eher einfach gehalten, bereiten jedoch mindestens an einer Stelle einige Probleme. Der Spieler will in der Nacht auf ein großes Baugerüst klettern und möglichst von den Wachen nicht entdeckt werden. Nur leider ist hier, im Gegensatz zu anderen Actioneinlagen, in denen sich der Spieler auch rausreden kann, gar keine "friedliche" Lösung möglich. Zwar kann sich der Spieler von hinten an das Gerüst heranschleichen und keine Wache schaut in die Richtung des Charakters, doch die kleine Stufe des Gerüstes kann nicht erklommen werden. Der entsprechende Befehl taucht nicht in der Aktionsliste auf. Erst wenn die Wache einige Meter weiter besiegt wurde, wird die Befehlsoption angezeigt. Wenn es nur diese eine Wache wäre, die der Spieler in einer "Kamerafeindlichen Umgebung" ausschalten müsste, dann würde es jeder irgendwann hinbekommen. Das Problem besteht allerdings darin, dass wenig später zwei weitere Kollegen zu Hilfe kommen. Nur wenn der Spieler die einzelne Wache in eine ganz bestimmte Ecke drängt - und das ist nicht die dunkelste Ecke, die am weitesten von den anderen Wachen entfernt ist - kommt keine Verstärkung. Für Nicht-Actionfreunde wäre vielleicht ein Ansatz wie im Klassiker Indiana Jones and the Fate of Atlantis eine gute Idee gewesen, so dass der Charakter die Kämpfe optional auch leicht mit einem Schlag gewinnen kann oder immer einen alternativen Weg hat. Wäre vielleicht auch eine schöne Gelegenheit gewesen, durchgehender mehrere Lösungsmöglichkeiten anzubieten, um auch den Widerspielbarkeitswert zu steigern. Bei den zahlreichen Gesprächen wäre es ganz nett gewesen, etwas öfters in die Interaktion eingreifen zu können. Nur sehr selten hat der Spieler eine Auswahl möglicher Antworten. Bei all der Kritik an den Actioneinlagen und anderen "nicht Adventure-Elementen" muss jedoch auch angemerkt werden, dass es einige sehr schöne Abschnitte und Momente im Spiel gibt. Sei es, dass sich Zoe an einem schlafenden Wachhund vorbeischleichen muss, um an eine Axt zu kommen oder ein NPC beim Öffnen eines Türschlosses beobachtet werden muss, um an die Kombination zu kommen. Recht gelungen werden auch die drei Handlungspfade der Hauptcharaktere präsentiert. Immer wieder kommt es zu einem Wechsel der Perspektive und immer mehr verstricken sich die drei Handlungen. Sehr schön sind auch einige Wechsel vom einen spielbaren Charakter zum nächsten gelungen. So verlässt der Spieler in der Rolle des Apostels das Gefängnis, trifft auf dem Weg zum Markt auf April und führt mit dieser eine sehr interessante Unterhaltung. Im Gespräch wechselt dann plötzlich die Perspektive und der Spieler bestimmt die Antwort von April und begibt sich danach zum Gefängnis, aus dem der Apostel gerade gekommen ist. Insgesamt schafft es Dreamfall, den Spieler mehrere Abende mit einer sehr guten Story zu begeistern, so dass der "interaktive Film" erst nach etwa 12 bis 15 Stunden sein Ende findet. JEdoch ist auch am Ende von Dreamfall die Handlung noch nicht abgeschlossen. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall. Die Bedrohung ist zwar abgewehrt, aber allein das Schicksal aller Beteiligten ist mehr als ungewiss und lässt viel Freiraum für Spekulationen und einen weiteren Teil der Serie.

Präsentation

Vorbei sind die Point & Klick Zeiten aus The Longest Journey. Ähnlich wie in "Baphomeths Fluch 3: Der schlafende Drache" dirigiert der Spieler seinen Charakter aus der 3rd Person Ansicht durch die 3D Welt. Dabei kann entweder auf eine Kombination aus Maus & Tastatur zurückgegriffen oder ein Gamepad verwendet werden. Insgesamt geht die Steuerung mit einem Pad merklich leichter und lockerer von der Hand. Umständlichen oder verschachtelten Menüs gibt es im Spiel nicht. Mögliche Aktionen werden am unteren Bildschirmrand eingeblendet und der Spieler muss lediglich eine der vier korrespondierenden Tasten drücken. Auch die Inventarverwaltung erfolgt direkt im Spiel und geht gut von der Hand. Nur die Kämpfe gestalten sich recht zäh, wobei das Treffen des Gegners teilweise fast schon Glückssache ist, selbst wenn der Charakter genau vor dem Feind steht. Gerade die Übersicht in den Kämpfen ist extrem dürftig und das Kampfsystem würde lediglich für ein extrem unterdurchschnittliches Beat'em Up reichen. Etwas unschön war die fehlerhafte und kaum zu erkennende Darstellung von Gegenständen im Inventar. Würde kein Text eingeblendet, welchen Gegenstand der Spieler gerade markiert hat, dann könnte alles Mögliche in die drei durchschimmernden Polygone interpretiert werden. Auch bei der Gesprächsauswahl kam es zwischenzeitlich immer wieder zu einem kleinen Anzeigefehler. Ebenfalls trat ein Bug gegen Ende des Spiels auf. Hier wurde ein Infofenster eingeblendet, welches jedoch an der Stelle überhaupt keinen Sinn mehr macht. Außerdem verschwand das Infofenster nicht, sondern konnte nur durch einen Neustart des Spiels "entsorgt" werden. Abgesehen vom sehr merkwürdigen Startverhalten (siehe Einleitung) lief das Spiel ansonsten problemlos und ohne Abstürze. Grafisch weiß Dreamfall sehr zu gefallen. Zwar gibt es in "Stark" einige Orte und Schauplätze, die etwas detailarm aussehen, wie beispielsweise das Tunnelsystem in der untersten Etage des Forschungslabors, doch ansonsten haben sich die Entwickler um ein durchgehend sehr ansehnliches Design bemüht. Insbesondere die Gestaltung von Arcadia weiß zu gefallen. Egal ob der Spieler nun durch ein altes Höhlensystem kommt oder die verschneite mittelalterliche Stadt besucht, das Design ist durchweg stimmig. Lediglich bei einigen Charakteren, NPCs und Nahansichten wären etwas besser aufgelöste Texturen und mehr Polygone nicht schlecht gewesen. Etwas komisch wirkt April, die eher wie ein Hobbit aus Herr der Ringe aussieht und sich in den zehn Jahren merklich verändert hat. Ein wenig verwunderlich sind jedoch einige fehlende Effekte, die für keinen Rechner, der die Mindestanforderungen erfüllt, ein Problem darstellen dürfte. Wasser ist lediglich eine transparente Fläche und Wellen gibt es keine. Weder wenn der Charakter durchs Wasser geht, noch beim Reinspringen. In den Zwischensequenzen und Gesprächen wird zwar durch unterschiedliche Kamerawinkel und Blickwechsel versucht, Filmfeeling einzufangen, allerdings schauen die Charaktere des öfteren auch aneinander vorbei und wenden sich dem Gesprächspartner nicht zu. Vermutlich auch bedingt durch die kommende Xbox Version sind die Räume und Abschnitte in Dreamfall recht klein gehalten. Dementsprechend stehen immer wieder kurze Ladepausen auf dem Programm. Hier wäre es schön gewesen, wenn NPCs nicht gleich beim Erreichen dieser "Ladebereiche" verschwinden würden, sondern etwas weiter in den Hintergrund laufen würden. Meist sind in solchen Bereichen sowieso irgendwelche Ecken und Abzweigungen, hinterdenen der Charakter ausgeblendet werden könnte. Doch das sind alles Kleinigkeiten. Wenn der Spieler durch die ansonsten sehr stimmige Welt läuft und der orchestrale Soundtrack für Atmosphäre sorgt, dann sind die kleinen Schwächen schnell vergessen. Auch die zahlreichen Sprecher der deutschen Version machen durchweg einen sehr guten Eindruck. Wer jedoch lieber dem Original lauschen möchte, kann direkt im Spiel umschalten.

Meinung

Die Portierung in die dritte Dimension hat Dreamfall recht gut geschafft. Sehr schön ist auch wieder die Hintergrundgeschichte, die ausführlich, spannend und mit interessanten Wendungen präsentiert wird. Auch die Präsentation aus Sicht von drei sehr unterschiedlichen Charakteren weiß zu gefallen, wenngleich am Ende jedoch sehr viele Fragen offen bleiben, die sicher erst im dritten Teil beantwortet werden. Der Knackpunkt, am dem sich wieder einmal die Gemüter von Adventurespielern scheiden werden, sind die Actioneinlagen und Schleichelemente. Wenn die Entwickler schon meinen Action ins Spiel einbauen zu müssen, dann aber richtig und für Nicht-Actionspieler mit Alternativmöglichketen. Bis auf eine Ausnahme sind die Kämpfe jedoch nicht schwer, sie spielen sich jedoch sehr hakelig und schwammig. Trotz allem hätten die Entwickler durchaus mehr klassische Rätsel und weniger Laufaufgaben einbauen können. Gerade Spieler, die mit Baphomets Fluch 3 oder Fahrenheit ihren Spaß hatten und einfach eine schöne Geschichte erleben wollen, kommen bei diesem interaktiven Film auf ihre Kosten und weniger erfahrende Adventuresspieler können das Spiel recht locker durchspielen. Rätselfreunde sollten sich dagegen den Kauf gut überlegen und dann doch lieber zum Vorgänger greifen, der seit einiger Zeit recht preiswert als Special Edition zu haben ist. Für die Note 2 reicht es daher leider nicht ganz.


Geschrieben am 01.07.2006, Testkonfiguration: AMD64-3500+, 1GB, GeForce 6800GT, SB Audigy2ZS
 



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