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Drakensang  

Rückseite ]

Info
Autor 2
 1
 1.5
 2.5
Gesamt (112 votes) 2+
 1.6
 1.8
 2.2
Name:Drakensang
Genre: Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2008/08
Publisher: dtp
Entwickler: Radon Labs
Offiz. Sites: Game, Demo
Links: Das Schwarze Auge
Hardware: 2.4Ghz, 1.5GB RAM, 256 MB PixelShader3, HD 6000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.11
Bemerkung: HiRes Texturenpack zum Download
USK: 12
Drakensang (review von ronin)

Ende Juli 2008 - das übliche Problem: Sommerloch, Saure Gurken Zeit, spielerische Langeweile. Es ist beinahe komisch mit welcher Regelmäßigkeit Publisher jedes Jahr auf die gleiche Weise vorgehen. Beginnend im Herbst und auf Weihnachten hin immer stärker zunehmend, werfen die Großen und Kleinen der Spieleindustrie ihre "Toptitel" auf den Markt, in der Hoffnung, zu den Konsumfesten ihre Ware an den Mann/Frau/Kind zu bringen. Ähnlich, nur weit weniger massiv, sieht es um Ostern herum aus. Die Monate nach Neujahr und der komplette Sommer hindurch herrscht gähnende Leere. Zeit die ganzen alten Spieleperlen (ich empfehle Beyond Good & Evil! ) noch einmal hervorzukramen, oder sich dem stupiden WoW-Gezocke hinzugeben.

Was genau hat das jetzt mit "Das Schwarze Auge: Drakensang" zu tun? Ganz einfach, das Rollenspiel erschien meiner Meinung nach zur rechten Zeit. Mitten im Sommer, kein "Blockbuster" in Sicht, erhielt das eher unbekannte Kleinod seine Chance. Die Folge waren wochenlange Spitzenplätze in der Top 10 der Verkaufszahlen. Bedenkt man das doch eher gemächliche und gewöhnungsbedürftige Spielprinzip, ein Indiz dafür, dass während des Sommerlochs der Einäugige unter den Blinden der König ist. Ob dieses Sprichwort auf Drakensang zutrifft, oder ob es auch spielerisch überzeugen kann, soll das folgende Review zeigen.

Neulich halb zehn in Avestreu

Gemütlich, heimelig, deutsch! Diese Attribute sind besonders zutreffend für den vornehmlichen Grafikstil von Drakensang. Was heißt das aber speziell? Das typische Fantasyklischee von den grünen Auen, den beschaulichen Dörfchen nebst seicht fließenden Bächlein, den scheuen Elfchen und den wilden (nicht zu vergessen süßen!) Tierchen, findet sich in den aventurischen Breitengraden mehr als bestätigt. Schon der Beginn in Avestreu, einem verträumten Ort nahe dem Dunkelwald, ist eine Offenbahrung für jeden traditionellen Rollenspielfan, zumindest was das Ambiente betrifft. Fachwerkhäuser, eine Taverne nebst urigem Bärenkopf, üppige Blumenwiesen, Gehöfte, die Ruine einer alten Wassermühle, alles trägt zur gemütlichen Mittelalteratmosphäre bei. Drakensang ist weit weit weg vom rauen und kernigen Stil eines Gothic oder The Witcher. Zwar ist im weiteren, über 50 Stunden dauernden, Spielverlauf auch Abwechslung vorhanden, aber grundsätzlich ändert sich am Stil wenig. Ob nun verschneite Bergregionen, Lavahöhlen, oder düstere Sümpfe, das Ambiente bleibt seinem Grundton treu. Man trifft weniger auf widerlich entstellte Mutanten, sondern auf Riesenfliegen, Ratten, Bären, Ratten, Wölfe, Ratten und auch Ratten. Nein, der verantwortliche Tester hat keinen Schreibaussetzer. Die Rattenplage in Aventurien sollte die dort Verantwortlichen nachdenklich stimmen. Noch nie habe ich solche Unmengen an Ungeziefer vernichtet. Selbst mit immer weiter steigendem Charakterlevel trifft man immer wieder auf das nervige Ungeziefer. Womit wir bei einem ersten Kritikpunkt wären. So heimelig und detailgetreu die Grafik auch ist, die Gegnervarianz ist mehr als spärlich ausgefallen. So rennt man endlos erscheinende Stunden durch immer gleich aussehende Katakomben und tötet immer gleich aussehende Amöben. Denn auch die Höhlen und Dungeons sind im krassen Kontrast zur Außenwelt nicht gerade vorteilhaft gestaltet worden. Es fällt mal wieder das übliche Problem auf: Editorlastig. Zu den teilweise ausartenden Untergrundgebieten aber später mehr.

Ansonsten fand ich die Grafik sehr, sehr toll. Es machte unglaublich viel Spaß die mit Passanten belebte Hauptstadt Ferdock zu erkunden und durch die Straßen zu ziehen. Die Figuren sind hübsch und passen zum mittelalterlichen Stil. Die rundlichen, kernigen Zwerge oder die filigranen Elfen tragen viel zur Atmosphäre bei. Auch die Zaubereffekte, die durch die Pausefunktion besonders toll zur Geltung kommen, erreichen locker das Niveau von Neverwinter Nights 2. Außerdem lief das ganze auf höchsten Details sehr flüssig und absturzfrei. Nicht unbedingt die Regel in heutigen Rollenspielen. Kurz und knapp, tolles Flair in der Außenwelt, aber leider Defizite in den Höhlen und beim Gegnerdesign. Lediglich das Fehlen von dynamischen Lichteffekten in der Außenwelt erschien sehr seltsam. Wirkt das flackernde Fackellicht in unterirdischen Gebieten sehr stimmig, fehlt es in der Außenwelt komplett. Auch sollte man keinen dynamischen Tag-Nacht-Wechsel erwarten. In Aventurien scheint es immer Mittag zu sein ;-).

Spellforce 2, oder wie?!

Der Titel lässt es erahnen. Dynamedion, mittlerweile eine feste Größe im Spielegeschäft, war auch für die akustische Verfeinerung von Drakensang zuständig. Trotz der gewohnt hohen Qualität bin ich diesmal etwas enttäuscht. Die Titelmelodie (Sologesang der "Spellforce-Elfe") wurde 1:1 übernommen. Meiner Meinung nach völlig unsinnig, auch wenn der Song nichts von seinem Reiz verloren hat. Weitere Parallelen konnte ich mit meinem amateurhaften Musikverständnis nicht aufspüren, allerdings hätte yak da eventuell noch das ein oder andere gefunden. Nichtsdestotrotz, die Musik ist klasse. Nicht zu aufdringlich, sehr situativ und abwechslungsreich. Drakensang ist eines der ersten Spiele, bei dem mir die häufig ertönende Kampfmusik nicht auf die Nerven ging. Auch die seichten Flötenmelodien in den Tavernen und Städten trugen hervorragend zum beabsichtigten Flair des Rollenspiels bei. Die wenige Sprachausgabe ist gut und professionell gesprochen, allerdings wurde nur ein Bruchteil der vielen Dialoge vertont; noch weniger als etwa in Neverwinter. An sich stört mich das nicht, aber in vielen storyrelevanten Gesprächen fällt das Fehlen der Sprache einfach auf. Man klickt sich durch, oder liest eher lustlos mit, was sicher auch an der recht spannungsarmen Story liegt, aber dazu später mehr. Wie auch immer, an die oftmals fehlende Sprachausgabe muss man sich gewöhnen, und das wird nicht jedem Spieler gefallen. Die Ambientesounds und Kampfgeräusche sind genreüblich ausgefallen und offenbaren wenig Neues. Lediglich die gesprochenen Zaubersprüche hätte ich mir, ähnlich wie in Neverwinter, etwas fulminanter gewünscht. Kurzum, bis auf die "geklaute" Musik und die wenige Sprachausgabe, überzeugt Drakensang auch in diesem Bereich.

Geistlos, aber gut erklärt, geht die Heldenparty zu Grunde

Was meint er nun wieder damit? Ganz einfach: Die Partymitglieder sind dumm wie trockenes Zwergenbrot. Mehr als Defensive Offensive lässt sich als Aktionsmöglichkeit bei den Jungs und Mädels nicht einstellen. Das hat zur Folge, dass sie bei ersterer Variante dumm in der Gegend herumstehen, während ihr Nebenmann zu Klump geschlagen wird und bei letzterer IMMER in den Nahkampf gehen. Ich weiß nicht wie oft mein Magier nach manuell erzwungenem Feuerball wie ein orkischer Berserker mit seinem Stoffmützchen und seinem süßen Holzstäbchen mitten in die schwer gerüsteten Gegnerhorden rannte. Furchtbar! Sicherlich war die Helden-KI bei Neverwinter Nights 2 auch nicht das Gelbe vom Ei, aber vor allem in den Standard-Kämpfen (und davon gibt es in beiden Spielen massenhaft) wünscht man sich selbstständig zaubernde/heilende/zurückbleibende Begleiter. Auch Formationseinstellungen, oder steuerbare beschworene Begleiter, sind nicht möglich. Hier wurde eindeutig an der falschen Stelle gespart. Ein Partyrollenspiel sollte umfangreiche Funktionen für das Gruppenmanagement bieten. Per STRG-Taste kann man zwar Aktionen in eine Warteschlange legen, aber auf Dauer ist das einfach nervig. Die Folge im Spiel ist das immer gleiche Vorgehen bei Standardkämpfen. Alle anwählen und im Nahkampf immer feste auf ein Ziel drauf. Bei umfangreicheren Bosskämpfen geht das natürlich nicht, und da zeigt Drakensang seine Stärken. Das Austüfteln der richtigen Strategie, das ganze Mikromanagement allgemein, ist reizvoll und bietet viele Möglichkeiten. Die jederzeit pausierbaren Echtzeitkämpfe bieten die Möglichkeit wirklich jede! Aktion der maximal 4 Partymitglieder festzulegen. Den Gegner mit einem Zauber schwächen, gleichzeitig zu Boden werfen und einen gezielten Pfeilangriff hinter schicken – das klappt alles prima und macht Spaß. Aber zum Spielablauf allgemein später mehr.

Ausgesprochen überrascht war ich von der Menüführung und den vielen sinnvollen Hilfestellungen für das komplexe Regelwerk. Die Talente und Sonderfähigkeiten sind klasse erklärt und zeigen auf einfache, aber sehr effektive Weise, die jeweils betroffenen Statuswerte an. Wenn ich also wissen möchte, welche Eigenschaften für das Talent Magiekunde wichtig sind, werden diese beim Anwählen des Talents im Charakterbogen hervorgehoben. Das lässt sich auf viele, auf den ersten Blick nicht erkennbare, Details anwenden. Allerdings gibt's auch, wie in jedem Rollenspiel, Probleme mit der Menüführung. Das zwar üppig bemessene Inventar lässt sich nicht automatisch ordnen und schnell verliert man den Überblick in all dem Item-Chaos. Auch fehlt ein direkter Gegenstandsvergleich zwischen den Objekten. Teilweise trifft man außerdem auf kryptische Abkürzungen wie 1W+7. Damit kann der "Das Schwarze Auge" Laie nicht viel anfangen. Zwar empfehle ich jedem, der ernsthaft mit Drakensang warm werden will, die Lektüre des Handbuches, aber auch das hilft nicht in allen Lebenslagen weiter. Hier hätte man konsequent am guten Hilfesystem weiterarbeiten müssen. Manches bleibt einfach unklar. Anzumerken sei noch, dass die Wegfindung meiner Begleiter hervorragend war, blieb doch mal einer hängen wurde er kurz darauf herangebeamt ;-).

Die Steuerung selbst erfolgt entweder mit klassischen Mausklicks, oder bequem per WASD-Tasten. Die Party trottet dann einfach hinterher. Die Kamera lässt sich dabei um die Figur stufenlos drehen und in drei Schritten heraus zoomen. Also ein durchwachsenes Bild im Steuerungsbereich, wobei besonders das tolle Hilfesystem hervorgehoben und die schlechten Partyfunktionen bemängelt werden müssen.

Für Ardo!

Diesen Kampfruf wird man von Seiten des zwergischen Begleiters häufig zu hören bekommen. Aber wer ist eigentlich dieser Ardo? Mit einem Brief von eben diesem beginnt Drakensang seine nicht sonderlich originelle Geschichte, um den Aufstieg des Bösen und dem Beginn der so genannten Drachenqueste. Bevor es aber soweit ist, erwartet den Spieler ein recht seichter Einstieg, der aber durch das gemütlich-idyllische Ambiente eher süß als sauer aufstößt. Standardaufgaben wie das Überbringen von Waren, das Töten bestimmter Monster, oder das Beheben eines Banditenproblems leiten das Abenteuer ein. Mir gefiel der Einstieg, wenn auch kaum Höhepunkte dabei waren. Nach den ersten Schritten geht es erstmalig in die große Hauptstadt Ferdock. Das "fachwerkverseuchte" Städtchen besteht aus mehreren Teilbereichen und wird über das Spiel hinweg immer weiter freigeschaltet. Bei der Reise gen Ferdock fällt ein Kritikpunkt bereits auf. Nach Verlassen eines Gebietes, in dem die Hauptaufgaben abgeschlossen wurden, heißt es Abschied nehmen. Eine Rückkehr ist nicht möglich und unerfüllte Nebenquests werden als gescheitert gelistet. Ein für mich nicht nachvollziehbarer Schritt, da dadurch das Gefühl für eine offene Welt, was bei Drakensang sowieso schon nicht sonderlich ausgeprägt ist, weiter eingeschränkt wird.

Zurück zur Story. Die schon erwähnte Drachenqueste steht hierbei im Mittelpunkt und stellt den Aufhänger für die einzelnen Stationen des Spielers dar. Es gilt die Teile der goldenen Rüstung zu finden und auf deren Suche kommt der Spieler viel herum. Düstere Wälder, eklige Sümpfe, alte Burgruinen und Klöster, Lavahöhlen und verschneite Berggipfel warten auf umfangreiche Erkundung. Die Gebiete sind großräumig, relativ frei begehbar, aber abseits der questrelevanten Wege recht leer. Außerdem braucht man in Drakensang Geduld. Viel Geduld! Die Heldentruppe latscht so dermaßen langsam und die Lauferei zwischen den Questgebern ist teilweise arg überzogen umgesetzt. Es gibt kein Schnellreisesystem oder Reittiere, weswegen das Ganze noch anstrengender erscheint. Für den gemütlichen Spielertyp ist das sicher kein Problem, wer aber durchaus zu den ungeduldigeren Naturen gehört, wird mit den Zähnen knirschen. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob das als gravierender Kritikpunkt in Frage kommt. Die Umsetzung des Hauptplots ist in Ordnung, aber wird keinen Oscar für das beste Drehbuch einheimsen. So richtig geknistert hat es vor Spannung nie. Das mag einerseits an den schon erwähnten Textwüsten liegen (vorgelesen kommt einfach besser!) und andererseits am braven Setting und den blassen Helden. Vergleiche mit The Witcher lasse ich hier komplett links liegen, aber selbst in Oblivion war man weniger sittsam unterwegs. Es mag am strengen "Das Schwarze Auge" Regelwerk liegen, aber etwas mehr Alternativen in den Quests, die eine moralische Auswirkung zeigen, hätten es schon sein können. Zwar besteht die Möglichkeit eher ruppig bzw. schmeichelnd zu antworten und durch entsprechendes Talent können auch weitere Dialoge freigeschaltet werden, aber eine langfristige Auswirkung auf das Spielgeschehen hat das nicht. Maximal verprellt man einen Questgeber, oder führt sofort eine kämpferische Lösung herbei. Eine alternative Storyline, oder eine Moralanzeige wie in Neverwinter Nights, gibt es nicht. Meiner Meinung nach verschenktes Potential und auch Grund für die zwar solide, aber nicht herausragende Queststruktur von Drakensang.

Natürlich heißt das nicht, dass man vor Langeweile stupide die Aufgaben abarbeitet. Zum Beispiel gilt es in der Zwergenstadt Murolosch die Unschuld eines NPCs zu beweisen, der zu Unrecht für terroristische Anschläge verantwortlich gemacht wird. Es gilt hier Beweise zu sammeln, die auf unterschiedliche Art zu bekommen sind. Aber auch kleine Aufträge wissen zu überzeugen. Ein Drillingspaar Zwerge lädt zum Beispiel zum Hütchenspiel ein. Klar, dass die drei Banausen kräftig schummeln. Solche Sachen hätten öfter eingestreut werden müssen. Zu oft ist man mit Standardkost wie dem Töten von Tier soundso oder dem Beheben einer Rattenplage, beschäftigt, wodurch einige Längen auftreten. Noch ein Wort zur Rattenplage. Ein Quest setzt dem ganzen Trubel um das vierbeinige Ungeziefer wirklich die Krone auf. Recht früh erhält man die Quest dem Ursprung einer Rattenplage in der zwergischen Brauerei auf die Spur zu kommen. Nach endlos erscheinenden, fast identischen Katakomben voll Ratten, erreicht man endlich die Wurzel allen Übels. Hier trifft man auf die Rattenmutter, ein nett gemachter Bossfight, der allerdings viel zu schwer ist. Erst viele, viele Charakterlevel später ist man in der Lage die Rattenqueen nebst Gefolge auszurotten. Zum Glück gibt es hier eine Art Schnellreisefunktion - warum nicht im Rest des Spiels? Zusammenfassend muss man sagen, dass im Bereich Storypräsentation und Queststruktur manches im Argen liegt, auch wenn der Gesamteindruck während des Spielens eher ins Positive tendiert. Es macht einfach Freude, durch die traumhafte Landschaft zu ziehen und klassische Abenteuer in klischeehafter Kulisse zu erleben. Da verzeiht man manche Spannungstiefen und Questlängen.

Kurz etwas zu den blassen Helden. Ein umfangreiches Beziehungsgeflecht, wie etwa in den Bioware Rollenspielen, gibt es bei Drakensang nicht, weshalb die Helden sehr stereotyp und unpersönlich wirken. Lediglich mein Zwergenhaudrauf hatte es mir angetan. Auch der Hauptcharakter ist nicht die große Identifikationsfigur. Allerdings besteht die Möglichkeit in Dialogen mehr über die Lebenshintergründe und Motive der Partymitglieder herauszufinden.

Stoffkleidung tragender Nahkämpfer mit riesigem Zweihandspeer heilt seinen Verbündeten und knackt nebenbei Schlösser - Willkommen in der Welt von Drakensang!

Wichtiger Aspekt eines Rollenspiels ist die Charaktererstellung und die Möglichkeit diesen immer weiter auszubauen. Das Schwarze Auge Regelwerk gibt hier viel vor, bietet aber auch enormes Potential. Die Überschrift lässt es schon erahnen. Prinzipiell kann jeder Charakter alles erlernen, die Frage ist wie gut beherrscht er die einzelnen Fähigkeiten und Talente? Schlussendlich kommt es auf die Verteilung der Fertigkeitspunkte auf die einzelnen Fähigkeiten an. Ein Alles-und-Nichts-Könner ist ziemlich sinnfrei, zumal ein Zauberer nur maximal Lederrüstung tragen darf, ansonsten wird die Behinderung zu groß und er kann keine Zauber mehr wirken. Die maximal 16 Level die erreicht werden können, sind auch mehr ein Richtwert für die maximale Ausbaustufe einzelner Skills. Das heißt, dass man auch während eines Charakterlevels Punkte auf Talente verteilen kann. WoW-Verwöhnte werden bei der Zahl 16 die Stirn runzeln, aber wie das ganze Spiel, so geht auch das Aufleveln der Charaktere sehr langsam. Negativ empfand ich die recht wenigen Archetypen bei der Charakterauswahl. Es ist nicht möglich selbstständig den Charakter zusammenzustellen. Aussehen, Rasse, Klasse sind vorgegeben. Lediglich im sogenannten Expertenmodus, darf der gewillte Spieler die einzelnen Talentpunkte etwas anders verteilen. Hier hätte ich mir mehr Spielraum gewünscht. Nichtsdestotrotz sind die möglichen Karrieren sehr vielfältig und bieten für jeden Spielertyp etwas. Mein Elfenkrieger konnte sehr gut heilen und die Gruppe buffen (Unterstützungszauber wirken). Zwar durfte er damit nur Lederrüstung tragen, aber durch die schrittweise Freischaltung der Drachenquests-Klamotten war das kein Problem. Kleinere "Verskiller" führen bei Drakensang nicht zwangsläufig in eine Sackgasse. Das ist mir bei Neverwinter Nights 2 viel gravierender aufgefallen. Spätestens nach drei, vier Charakterlevels weiß man, worauf zu achten ist und entwickelt seinen Helden in die optimale Richtung. Überhaupt gefiel mir die verhältnismäßig überschaubare Menge an Talenten und Fähigkeiten. Neben allgemeinen und Kampftalenten, die passiv wirken, gibt es noch Zauber und Fähigkeiten, die aktiv eingesetzt werden können und Ausdauer bzw. Mana verbrauchen. Dabei wird man nicht, wie etwa bei Neverwinter Nights 2, von der schieren Vielzahl erschlagen. Es gibt eine befriedigende Auswahl und diese setzt man immer gezielter ein. Anzumerken sei noch, dass flächenwirkende Zauber in Drakensang alle! betreffen, sprich auch die eigene Truppe, was deren Einsatz stark eingrenzt und den Kampf gegen viele Gegner zu einer viel größeren Herausforderung macht, als etwa gegen einzelne starke Bosse. Stellte man sich bei Neverwinter Nights einfach in die Mitte einer Ansammlung von Goblins und zauberte dreimal eine Feuerwelle, würde man in Drakensang damit die eigene Truppe mit auslöschen. Hier ist Umdenken angesagt, wodurch der Schwierigkeitsgrad wirklich stark steigt. Es gab mehrere Begegnungen im Spiel, wie etwa der Endkampf im Kontor eines Handelshauses, die vergleichsweise hohe taktische Anforderungen stellten. Zumindest im Vergleich zu den sonstig anfallenden Kämpfen. Hier hätte ich mir mehr Sorgfalt beim Balancing gewünscht.

Willkommen im Ferdock´schen Baumarkt – Das Inventar!

Fluch und Segen in Rollenspielen stellen das Inventar und die erbeutbaren Gegenstände dar. Ersteres lässt sich, wie schon im Steuerungsabschnitt erwähnt, nicht automatisch ordnen, ist ansonsten aber ausreichend groß. Letztere sind nicht gerade umfangreich und werden vornehmlich beim Händler in den einzelnen Gebieten gekauft. Zu finden gibt es sehr selten ein paar magische Gegenstände und ansonsten sehr sehr viel Schrott. Durch das umfangreiche Handwerkssystem bekommt man endlos viele Zutaten fürs Schmieden, Kräuter brauen und Bogenbauen. Von Übersicht ist da keine Spur. Zwar zeigt das Handwerksmenü sehr praktisch die nötigen bzw. die vorhandenen Zutaten an, aber immer nur beim einzelnen angewählten Charakter, weshalb man sich mühsam durch die Party klicken muss. Auch ist es nicht möglich, etwa Pfeile in einer Produktionskette zu produzieren. So muss man eben 50-mal klicken um seine 400 Pfeile zu erstellen. Außerdem wird das Inventar zu gemüllt. Das erinnert ein wenig an das The Witcher Debakel. Manchmal nervt es auch einfach in Höhle xyz immer nur zwei, drei Holzfässer zu entdecken und darin wieder nur rostige Nägel und ein trockenes Brötchen vorzufinden. Für Sammelwütige ist also auch Drakensang nicht die Offenbarung. Allerdings entschädigt das umfangreiche Handwerkssystem gewillte Bastler, zumal man wirklich tolle Sachen herstellen kann. Die besten Waffen habe ich mir von meinem Zwerg herstellen lassen.

Ungezieferfrei!

Ich muss es einfach extra erwähnen. Drakensang ist für mich das erste Rollenspiel, welches ich ab Release als völlig fehlerfrei wahrgenommen habe. Zwar spricht mancher von ein zwei Fehlerchen, ich konnte jedoch keine feststellen. Hut ab vor soviel Sorgfalt. Da können sich andere Entwicklerstudios viel abschauen. Ich erlebte weder Plotstopper wie etwa in Neverwinter, oder Dauerabstürze und marodierende schlecht balancierte Mörderwildschweine wie in Gothic 3. Es ist schon fast traurig, dass man so etwas extra erwähnen muss.

Versionenwirrwarr?

Kurz ein Wort zu den möglichen Spielversionen. Neben der Standardversion, die neben der Spiele DVD nur das Handbuch enthält, gab es noch eine Collectors Edition. Der dicke Schinken in Form eines Buches enthielt allerlei nette Gimmicks: Eine kleine Zinnfigur (haha), eine Karte von Aventurien (Kunstleder!), ein umfangreiches Hörspiel (muss man sonst extra kaufen; was ich bis jetzt hören konnte war klasse), die Spielmusik auf einer Audio CD und das Regelwerk als pdf-Datei. Alles in allem sehr umfangreich für die 10€ mehr.

Fazit

Eine abschließende Wertung ist ausgesprochen schwierig. Erstens fällt es sehr sehr schwer das einzigartige Flair dieses Spiels in Worte zu fassen. Schlagworte dafür sind: gemütlich, bedächtig, atmosphärisch - einfach schön! Ungeduldige Naturen werden das aber nicht unbedingt zu schätzen wissen. Zweitens hat das Review auch viele kleine Macken aufgezählt, die in der Summe schon sehr nervig werden können. Da wäre unter anderem die schwache Partykontrolle, das stark lineare und brave Questdesign, oder die lahme Story. Für mich waren diese Kritikpunkte allerdings durch das sympathische Wandern durch die klischeebeladenen Fantasiewelten von Aventurien weit weniger gravierend, als man denken mag. Allerdings muss das letztendlich jeder Spieler selbst entscheiden. Es braucht Zeit sich in das Regelwerk einzuarbeiten und sich an den bedächtigen Spielfluss zu gewöhnen, hat man sich aber einmal damit abgefunden, taucht man so schnell nicht wieder aus der gemütlichen Welt auf. Die Wertung fällt entsprechend schwierig und diesmal sehr subjektiv aus. Ich gebe Drakensang noch eine yiya´sche 2. Wem die nötige Geduld und die Bereitschaft fehlt, der wird sicherlich eine Note nach unten gehen müssen. Nichtsdestotrotz ein für mich überraschend gutes Rollenspiel, welches die noch unerfahrenen Entwickler bei Radon Labs auf die Beine stellen konnten.


Geschrieben am 06.09.2008, Testkonfiguration: Intel Dual Core E6750, 4GB, GeForce 8800GTS
 



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