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Divine Divinity  


Info
Autor 1
 1.5
 1.5
 3
Gesamt (225 votes) 1
 1.8
 1.7
 2.1
Name:Divine Divinity
Genre: Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2002/08
Publisher: CDV
Entwickler: Larian Studios
Links: planetdivinity.de
Links: Locus Inn
Hardware: 450Mhz, 128MB RAM, keine 3D-Karte nötig, HD 1800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.34
USK: 12
Divine Divinity (review von mountainking)

Sprachpuristen bzw. alle Menschen, deren Muttersprache Englisch ist, werden sich wahrscheinlich beim ersten Blick auf die Verpackung des vorliegenden Spieles erst mal ab Kopf kratzen.

"Divine Divinity" klingt als Name zwar gut, ist dafür aber auch relativ sinnfrei. :)

Zum Glück kann man das aber über das dahinter versteckte RPG nicht behaupten. Zugegeben, die Hintergrundstory weicht zunächst auch kaum vom bewährten "Einzelkämpfer rettet Welt"-Konzept ab.

Hintergrund ist die Bedrohung des Landes Rivellon durch den Herrn des Chaos. Dieser wurde vor langen Zeiten durch eine Allianz aus allen 6 Rassen (Menschen, Zwerge, Elfen, Imps, Orks und Echsenwesen) und der Gilde der Zauberer besiegt. Dummerweise gelang es ihm, einen Teil seiner Lebensenergie in dem Schwert, das ihn tötete, zu konservieren und so zu überleben, um dann von einem menschlichen Körper Besitz zu ergreifen und die Welt zum zweiten Mal in Furcht und Schrecken zu versetzen.

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die belgischen Entwickler von Larian schon mal ein oder zwei Blicke in Tolkiens Bücher geworfen haben. :)

Zwar sind mit den Imps und den Echsen einige neue Rassen im Spiel, trotzdem kommt einem auch das etwas hochnäsige Verhalten der Elfen gegenüber den Menschen und ihr ewiger Streit mit den Zwergen etwas bekannt vor. Aber macht ja nichts, es gibt in dieser Hinsicht sicherlich schlimmere Vorbilder.

Die Entwicklung des eigenen Charakters wiederum ist eng verknüpft mit einer Selbstfindung der eigenen Person und Bestimmung, was ein wenig an Baldurs Gate erinnert. Auch in vielen anderen Bereichen sind Vorbilder deutlich zu erkennen, aber, das will ich gleich hinzufügen, man hat es wirklich glänzend geschafft, immer nur die Vorteile verschiedener Spielsysteme zu integrieren.

Gleich die Steuerung ist dafür ein gutes Beispiel. Da man immer nur einen einzigen Charakter befehligt (abgesehen von beschworenen Mitkämpfern), lehnt sich sehr vieles an die bekannt einfache und praktische Steuerung von Diablo2 an. Per Mausklick ist alles sehr schnell und intuitiv bestimm- und bewegbar, auch die Informationen über die Umwelt erfährt man durch diese Weise. Für den Kampf wurde eine sehr schöne Verbesserung eingebaut, da man durch Tastendruck immer den nächsten Feind ins Visier bekommt und per Klick angreifen kann. Zusätzlich ist es natürlich auch möglich, für wichtige Fähigkeiten, Waffen, Tränke usw. Hotkeys zuzuweisen, um sich das Klicken durch Menüs zu ersparen, was durch die immer mögliche Verwendung der Pausentaste allerdings auch nicht wirklich umständlich oder gefährlich wird.

Der Hauptbildschirm versorgt den Spieler mit den nötigen Informationen über Leben und Mana, Umgebung und verfügbare Spezialfähigkeiten. Bei diesen offenbart sich auch gleich ein weiteres sehr wichtiges Feature des Spiels, denn die Entwickler haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Spieler möglichst viel Freiraum bei der Erstellung eines virtuellen Nachwuchses zu lassen. Prinzipiell gibt es drei Grundvarianten, zwischen denen man zu Beginn wählen kann: Magier, Krieger und Dieb. Jeder hat jeweils eine besondere Spezialfähigkeit, der Krieger beispielsweise eine Wirbelwindattacke. Das ist aber der wirklich einzige Unterschied zwischen diesen verschiedenen Charakteren, denn jeder kann sich frei aus allen Spezialfähigkeiten der drei verschiedenen Typen bedienen.

Hier verlässt man absichtlich die ausgetretenen Pfade von Diablo 2 oder den D&D-Rollenspielen. Ähnlich wie bei Morrowind entstehen also meistens Hybridcharaktere, da einige Fähigkeiten wie Schlösserknacken oder Selbstheilung auch für die Krieger interessant sind, wobei man aber durch die Vielzahl der angebotenen Fertigkeiten natürlich auch weitestgehend reine Charaktere basteln kann. Prinzipiell ist es aber durch dieses System problemlos möglich seinem Avatar gleichzeitig die höchsten Fähigkeitsstufen beim Umgang mit Schwertern und Bögen sowie für das Beschwören von Monstern, das Zaubern von Giftwolken und Taschendiebstahl zu verpassen.

Der Levelaufstieg resultiert in Punktzuwächsen auf verschiedenen Gebieten: einmal kann man seine Charakterwerte (Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution usw.) erhöhen und zum zweiten die eben erwähnten Spezialfähigkeiten kaufen. Zusätzlich gibt es auch noch einige Quests, deren Lösung mit kostenlosem Aufstieg in den Fertigkeiten belohnt werden. Die genannten Quests sind zu einem sehr großen Teil optional, lohnen sich aber nahezu immer und tragen aus zweierlei Hinsicht viel zum Spiel bei, da sie sowohl eine wesentlich größere Rolle spielen und besser ausgearbeitet sind als beispielsweise bei Diablo und außerdem oft auch ziemlich witzig. Beispielsweise darf man zwei Abenteurern zur Hand gehen, die in der Stadt verzweifelt die Begleitung lockerer Damen suchen, bei den diesbezüglichen Nachforschungen belauscht man unter anderem einige Ehefrauen, die ihren untreuen Männern das Abschneiden primärer Geschlechtsmerkmale androhen. Wenn man bei der Suche nach dem Bordell erfolgreich ist, kann man auch noch einige zusätzliche Erfahrungspunkte durch learning by doing "einfahren". :)

Überhaupt gibt es einige eher zweideutige Andeutungen in Divine Divinity, dem man schon daher seine europäische Herkunft vielleicht etwas ansieht, auch dies ist aber eine erfrischende Abwechslung im sonst so klinischen RPG-Genre. Auch die Lösungen der Quests sind sehr unterschiedlich, manche erfordern durchaus etwas Grips, andere hauptsächlich ein geschärftes Schwert. Abgesehen von den für den Hauptquest wichtigen Subaufgaben kann man eigentlich das gesamte Areal des Spieles auf eigene Faust erkunden. Dieses besteht aus mehreren sehr großen Gebieten, zwischen denen man mit Hilfe verschiedener Teleporter hin und herreisen kann, nachdem man sie aktiviert hat. Eine andere Möglichkeit der Entfernungsüberbrückung bieten zwei Pyramiden, die man an beliebigen Punkten plaziert und dann jeweils von einem zum andern springt.

Neben den Außengebieten gibt es noch sehr viele Dungeons, Abwasserkanäle und Grüfte, die der Erkundung harren. Hier sind jetzt vielleicht einige Anmerkungen zur Grafik angebracht. Die isometrische Ansicht entspricht zwar der von Diablo, die grafische Qualität ist jedoch ungleich höher und es werden auch größere Auflösungen unterstützt. Die unterschiedlichen Gegenden sind alle sehr schön mit einem ganz eigenen Flair versehen und jeweils typischen Monstern bevölkert worden. Auch die NPC´s und eben die Gegner sind nett, stellenweise lustig (im letzten Kapitel mit ganz starken Diablo-Zitaten:)) animiert und natürlich leben Zwerge im Berg, Elfen im Wald und die Menschen in Städten, wie es sich gehört.

Das bewährte Prinzip, einzelne Monstergruppen mit kleinen Bossen zu versehen, die schwerer zu töten, dafür aber auch spendabler beim Fallenlassen von Gegenständen sind, wird auch bei Divine Divinity benutzt. Insgesamt reicht das Spiel grafisch zwar nicht an aktuelle und wirklich dreidimensionale Spiele wie Neverwinter Nights heran, aber das stört während des Spielens zu keiner Zeit, da die meist großflächigen und trotzdem nie langweiligen Level durchweg eine eigene Atmosphäre besitzen.

Ein eigenes Kapitel verdient in jedem Fall die Musik von Divine Divinity. Schon beim ersten Hören des Intros war ich erstaunt, wie clever hier ganz verschiedene musikalische Komponenten zu einem tollen und ins Ohr gehenden Titelthema verschmolzen wurden. Gleiches gilt auch für alle anderen Hauptthemen der verschiedenen Level. Klassik, Folk, manchmal modernere Klänge ergeben eine ganze Reihe durchweg hochklassiger Musikstücke, die manchmal auch mit einem kleinen Augenzwinkern die jeweilige Umgebung charakterisieren, so hört man beispielsweile im letzten, weitgehend aus Wüste bestehenden Abschnitt, unverhohlen arabische Tonskalen. Ihr Schöpfer ist der aus Russland stammende Kirill Pokrovsky (Hörproben), dessen schillernde Vita unter anderem die Mitgliedschaft in einer der wenigen auch international bekannten (und sehr kultigen!) Rockbands namens Aria, aber auch klassischen Kompositionsunterricht am Moskauer Konservatorium umfasst. Ich hoffe sehr, dass der gute Mann weiterhin viele Gelegenheiten bekommt, solch phantastische Musik für PC-Spiele zu schreiben, die allein eigentlich schon das Geld wert ist, auch wenn man die einzelnen Tracks auch aus dem Netz laden kann. :)

Leichte Abstriche muss ich aber bei der deutschen Lokalisierung machen, da die Synchronisation nur durchschnittlich gelungen ist. Manchmal kommt es vor, dass während einer eigentlich gesprochenen Unterhaltung zwischendurch ein oder zwei Wortwechsel auf einmal nur als Text erscheinen, auch die Stimmen der Imps und Orks hätten ein wenig mehr Feinarbeit benötigt. Eine der wichtigen Personen des Spiels ist ein Kind, das aber eindeutig von einer Frau gesprochen wird, was man anhand der manchmal ähnlichen Verhaltensweisen beider Personengruppen zwar nachvollziehen kann :), aber trotzdem ungewollt komisch ist.

Wie es sich bei einer zünftigen Monsterschlächterei geziemt, ist man während der gesamten Spielzeit damit beschäftigt, die vielfältigen Hinterlassenschaften seiner Gegner und die Inhalte von Kisten oder Taschen anderer Leute an sich zu bringen. Abgesehen von einigen wenigen Setgegenständen mit festgelegten Fundorten, sind alle Drops reiner Zufall, was den Spieler natürlich ständig dazu antreibt, jetzt doch noch ein weiteres Gebiet abzulaufen und auf sein diesbezügliches Glück zu hoffen. Sowohl im Hinblick auf diverse Waffen als auch Rüstungen ist die Auswahl vielfältig, einzig bei Ringen und Halsketten habe ich relativ wenig sinnvolles gefunden, da waren Questbelohnungen eindeutig das Optimum. Einige der Gegenstände lassen sich durch das Anbringen von Runen verzaubern, wenn man den entsprechenden Skill etwas trainiert und, ein ziemlich witziges Feature, man kann auch sehr viele eher unübliche Gegenstände wie Töpfe oder Gabeln als Waffen beziehungsweise Rüstung verwenden. :)

Divine Divinity ist ein reines Singleplayerspiel, was angesichts des zugrundeliegenden Systems auch nicht sehr verwundert, denn im Multiplay sind eingeschränkte und strengere Regeln sicher sinnvoller als die in Spielen wie Morrowind oder DD präsentierte Freiheit, da sich die erstellten Charaktere wohl zu sehr ähneln würden. Das ist also für mich auch kein Kritikpunkt.

Wesentlich beeinträchtigender stellten sich allerdings die leider überaus häufigen technischen Bugs dar. Obwohl ich von Anfang an eine bereits mit einem 25 MB großen Patch verbesserte Version gespielt habe, gab es kaum einen Tag, an dem mir das Spiel nicht mehrfach abgestürzt ist und das ist ein sehr verbreitetes Phänomen und liegt fraglos an der Programmierung und nicht an den jeweiligen Systemen der Spieler. Erschwerend kommt noch hinzu, dass bestimmte Einstellung aus mir nicht erklärbaren Gründen nicht fest gespeichert werden, so dass nach jedem Absturz beispielsweise die Grafikoptionen wieder neu justiert werden müssen, was auf die Dauer natürlich sehr nervig ist. Auch im Spiel selbst gab es Probleme beim Anwenden verschiedener Fähigkeiten. Wenn ich einen meiner Ausrüstungsgegenstände direkt im Inventar reparieren wollte, verwandelte sich das Steuerungsmenü plötzlich in einen regenbogenfarbenen Strich, der das Weiterspielen unmöglich macht. Es klappte nur, wenn ich die Teile für die Reparatur auf den Boden legte. Ursprünglich hielt ich es für einen Bug, dank eines netten Hinweises von Larian :) kann ich jetzt allerdings nachreichen, dass es sich hier vielmehr um ein undokumentiertes Feature und nicht um einen Grafikbug handelt, da das Spiel jetzt noch mit Hotkeys steuerbar und nur die Anzeige auf Leben/Mana/Ausdauer reduziert ist. Wenn man das nicht weiß, ist es trotzdem sehr nerven- und zeitraubend. :)

Trotzdem sind die erwähnten und nicht nur bei mir, sondern auch bei relativ vielen anderen Spielern stattfindenden Abstürze für mich der einzig wirklich gewichtige Kritikpunkt an diesem ansonsten für sein Genre wirklich perfekten Spiel.

Divine Divinity beweist, dass sich ein mit viel Liebe und Humor geschaffenes Spiel locker gegen die übermächtige, oftmals gehypte Konkurrenz behaupten kann. In nahezu jeder Beziehung, sowohl grafisch als auch musikalisch und vor allem im Bereich des Spielspaßes ist DD ein absoluter Geheimtip für Fans im Hinblick auf die Charakterentwicklung offener und trotzdem wesentlich questbetonter Diablo-Lookalikes. Für mich vielleicht die Überraschung des Jahres 2002, der ich nur wegen der Bugs und einiger -andererseits auch wieder liebenswerter- Klauereien bei anderen Spielen die absolute Höchstwertung versage. Das Ende der Story lässt auf eine Fortsetzung hoffen und ich appelliere daher an alle Leser, sich wenigstens ein Original des Spieles zuzulegen um diese zu ermöglichen und nehme dafür sogar die Wiederverwendung des etwas unglücklichen Namens in Kauf. :)


Geschrieben am 09.02.2003, Testkonfiguration: AMD2000, GeForce3, 512MB Ram
 



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