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Deponia  


Info
Autor 2+
 1.5
 2
 2
Gesamt (7 votes) 2+
 1.2
 2
 2.3
Name:Deponia
Genre: Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2012/01
Publisher: Daedalic Entertainment
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 2.6Ghz, 2GB RAM, 512 MB, HD 5000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista/Windows7, DX9
Steuerung: Maus
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Bemerkung: Erstauflage mit Poster, Soundtrack
USK: 6
Deponia (review von geuer)

Überall Müll. Vorne, hinten, oben, unten, links, rechts - im Zimmer, der Wohnung, der Stadt, dem Planeten. Herrgott, es ist kaum auszuhalten. Und als wäre das nicht schon genug, ist auch noch der Kühlschrank, das Waschbecken, ja sogar der Sessel mit kleinen Memos versehen worden, die allesamt zum Aufräumen mahnen. Doch warum sollte man sich um Sauberkeit scheren, wenn man ohnehin nicht vor dem Müll fliehen kann, ja sogar in, mit und durch ihn lebt? Solche Gedanken plagen Rufus, den Helden aus Daedalic Entertainments neuen Adventure Deponia. Dieser wünscht sich nichts sehnlicher, als sein von Schrott geprägtes Heimatdorf Kuvaq endlich hinter sich zu lassen. Und das nicht, weil er ein reinlicher Typ ist - ganz im Gegenteil. Viel eher ist es sein von Unordnung geprägter Erfindungsreichtum, mit dessen Hilfe er das Ziel seiner Träume zu erreichen versucht: Elysium, eine Stadt im Himmel, in der die Guten und Schönen dieser Welt leben. Wird es Rufus gelingen, Elysiums Pforten zu überschreiten?

Das Leben im Müll

Mit Deponia stellt uns Daedalic ein neues Adventure aus dem eigenen Hause vor, das nicht nur als ein einfaches Nebenprodukt während der Arbeit an Harveys Neue Augen abgefallen ist, sondern den Anfang einer eigenen Trilogie repräsentiert. Schon Mitte September ist mit dem zweiten Teil zu rechnen. Bei gleichbleibender Qualität wird sich dieser gewiss lohnen, denn Deponia ist, um das schon einmal vorwegzunehmen, ein durchweg gutes Spiel geworden. Die Story beginnt mit einem optionalen Tutorial und stellt kurz darauf den Eingangs beschriebenen Rufus vor, der abermals siegessicher seine Sachen packt, denn heute ist sein Plan perfekt. Mit Hilfe einer selbst gebauten Fluchtkapsel möchte er endlich Kuvaq und damit nicht nur den Müll, sondern auch die seiner Meinung nach viel zu sehr auf Sauberkeit achtende Ex-Freundin Toni verlassen - und das endgültig. Trotz kleinerer Schwierigkeiten, die für ein einfallsreiches Genie, als welches sich Rufus zweifellos sieht, keine wirklichen Probleme darstellen, gelingt ihm tatsächlich die vermeintliche Flucht auf einen Organonkreuzer, über den er bis nach Elysium zu kommen hofft. Doch eine gehörige Portion Übermut, Selbstüberschätzung und Naivität sorgt dafür, dass Rufus im wahrsten Sinne wieder auf dem Boden der Tatsachen landet. Zudem bringt er die hübsche Elysianerin Goal dazu, ebenso aus dem auf höheren Ebenen fahrenden Gefährt zu stürzen. Während Rufus den Fall aus großer Höhe mehr oder minder unbeschadet übersteht, kann man selbiges nicht von Goal behaupten. Sie liegt im Koma und wurde bereits in den Sitzungssaal des Rathauses geschafft, wo nicht nur überlegt wird, wie sie aufgeweckt werden kann, sondern bereits verschiedene Dorfbewohnern Besitzansprüche an das hübsche Mädchen stellen. Rufus möchte das mit aller Kraft verhindern, hat er sie ja gerettet, genauer gesagt gefunden - naja streng genommen überhaupt erst in diese Lage gebracht. Aber wer wird da schon kleinlich sein?

Seine sympathische Art zur Selbstüberschätzung hindert Rufus natürlich nicht daran, alles unversucht zu lassen, um Goal aufzuwecken und ihr den Weg zurück nach Elysium zu ermöglichen - und das am besten mit ihm. Und was gilt als das effektivste Mittel, um jemanden aufzuwecken, der ganz tief schläft? Ganz klar: Extra starker Kaffee. Und so geht es auch im ersten von insgesamt drei Kapiteln zunächst darum, Zutaten für diesen ungemein starken Espresso zu finden oder - kreativ wie man nun einmal ist - mit alternativen Ideen neue Ingredienzien zu kreieren. Und ganz ehrlich: Wenn einem eine Espressomaschine vorgestellt wird, die nach alten Plänen aus der Vorzeit nachgebaut wurde, durch zahlreiche Rohre und Riemen gestützt wird und nicht zuletzt mit einer Orgel ausgestattet ist, fühlt man sich in die guten alten Adventure-Zeiten zurückversetzt.

Humor mit einer Prise Tiefgang

Deponia ist durch einen erstklassigen Humor geprägt. Im Laufe des Adventures wird man als geneigter Spieler mit vielen verrückten Ideen und skurrilen Charakteren konfrontiert. So trifft man unter anderem auf den in einem Schreibtischbett schlafenden Bürgermeister, muss vorher aber irgendwie an Lotti, den ungemein weiblich wirkenden Sekretär des Bürgermeisters vorbeikommen oder Gizmo überlisten, der in einem kleinen Kaff wie Kuvaq als Polizist, Feuerwehrmann und Arzt gleich drei Ämter in sich vereint. Meine Lieblingsdialoge fanden dabei zwischen Rufus und seiner Ex-Freundin Toni statt, die sich wunderbar bissig und pointiert formulierte Streitereien lieferten. Wenn man im späteren Spielverlauf von einigen der Schandtaten erfährt, die Rufus im Laufe seines Lebens so begangen hat, kann man sich ein Lächeln nicht verkneifen. Wer sonst kommt auf die Idee, einen Rasenmäher mit Sprühsahne zu betanken oder Bienen mit Frittierfett zu bestreichen?

Doch auch abseits des Hauptcharakters und seiner alten Flamme gibt es in Bezug auf die Charaktere keine wirklichen Schwachstellen. Rückblickend schwelgt man tatsächlich nur in wohligen Erinnerungen: Allein der für die Post zuständige Roboter ist grandios, wenn er von seinem Ersatzpostkatzenkasten und von seinem brennenden Faible für Knickerfolie erzählt ("Wer liebt sie nicht?"). Oder der Minenarbeiter, der es nicht so mit dem Merken von Namen hat und anstatt zu arbeiten lieber einen Kaffee trinkt und seine Frau in den Minen schürfen lässt. Großartig. Man spürt regelrecht, wie bei Daedalic Adventure-Fans und -kenner arbeiten, die mit Freude, Lust und Kreativität ans Werk gehen. Gerade im ersten Kapitel fühlt man sich von der Anzahl der Räume, Gegenstände und möglichen Dialoge fast schon ein wenig erschlagen. So zerbricht man sich mit der Zutatenliste für den Espresso lange Zeit den Kopf, wie man nun an energiereiches, klares und starkes Wasser kommt. Nichts davon ist direkt vorhanden oder liegt gar als Item gleich greifbar herum, sodass mal wieder Improvisationstalent gefragt ist. Und dieses muss man bei Deponia auch gehörig unter Beweis stellen.

Bei den Rätseln geht es meist darum, in klassischer Point and Click-Manier verschiedene Gegenstände zu sammeln, diese geschickt zu kombinieren und an einem anderen Punkt der Welt wieder einzusetzen. Mitsamt der komfortablen Hotspot-Anzeige können Gegenstände entweder nur betrachtet oder mit ihnen interagiert werden. Logik und Abstraktion gehen bei den Rätseln Hand in Hand. Lösungen sind nicht immer offensichtlich, im Schnitt aber nachvollziehbar, sodass oft für große und wirklich gelungene Kopfnüsse gesorgt wird. Auf klassische Dialogrätsel muss man aber durchgängig verzichten. Allerdings gibt es viele wertvolle und wichtige Tipps, die wie von Daedalic mittlerweile gewohnt, sehr gelungen durch witzige Gespräche transportiert werden. Ab und an tauchen diverse Minispiele auf, die das Spiel auflockern, manchmal aber auch schwierige Aufgaben darstellen und eine gute Auffassungsgabe voraussetzen. Dabei blieb mir vor allem der Doc aus Kapitel 2 in Erinnerung, der wie Rufus ein Bastler ist und ihm auf Nachfrage wertvolle Beziehungstipps vermittelt, die er in schrägen Analogien bzgl. des Aufbaus eines sogenannten avialen Stromumkehrers verpackt. Kurz darauf muss man selbst drei derartige Geräte zusammenbauen und sieht sich neben einem Pyramiden-, Kugel- und Würfelkubus mit den dazugehörige Einzelteilen konfrontiert, die auf eine bestimmte Art und Weise kombiniert werden müssen. Ein Glück, dass wir noch die "Beziehungstipps" von Doc im Kopf haben und somit zwischen einem avialen, bi-nausalen und dorsalen Gerät unterscheiden können. Wem das jetzt schon zu kompliziert wird, der wird von Daedalic durch eine optionale Funktion zum Überspringen derartiger Rätsel entschuldigt. Die Minispiele sind in jedem Fall ein zusätzliches Nachdenken wert, da sie ausgeklügelt und in sich logisch konzipiert sind.

Spannungsbogen vs. Rätseldichte

Im zunehmenden Spielverlauf macht sich allerdings eine gehörige Diskrepanz breit. So hatte ich in dem drei Kapitel langen Adventure das Gefühl, dass die Rätseldichte und der -umfang von Abschnitt zu Abschnitt abnimmt. Jedes Kapitel bietet ein bestimmtes Areal, in dem gerätselt werden und über das nicht hinausgegangen werden kann. Das ist auch notwendig, um die Story voranzutreiben. Während man sich in Kapitel 1 aber gleich mit etwa zehn begehbaren Räumen und später mit etwa fünf weiteren "freischaltbaren" Räumen konfrontiert sieht, geht die Anzahl der Gebiete und somit auch die Anzahl der Möglichkeiten in den weiteren Kapiteln zurück. Am Anfang sind noch unzählige Figuren zur Interaktion vorhanden. Schon in Kapitel 2 gibt es mit nur vier Räumen und nur einer ansprechbaren Person auffällig weniger Material. Somit ist auch der Schwierigkeitsgrad im 1. Kapitel am höchsten und ohne Frage als knackig und schwer zu bezeichnen, während er in Kapitel 2 und 3 zu mittel, selten sogar einfach tendiert. Die Komplexität der ersten Stunden löst sich zu Gunsten einer Vereinfachung auf, die vermehrt dem Voranbringen der Story dient. Das macht sich natürlich auch im Inventar bemerkbar. Zu Beginn gewöhnt man sich schnell daran, dass Rufus etwa 15 Gegenstände bei sich trägt und macht sich unzählige Gedanken bezüglich der Kombination und des Einsatzortes. Nach Kapitel 1 kommt man nicht mehr über fünf Gegenstände hinaus. Die Reduzierung der begehbaren Areale und Kombinationsmöglichkeiten wirft einige Fragen auf. Gerade zum Ende hin schien es mir durchweg einfacher zu werden. Für ein Spiel ist das durchaus ungewöhnlich. Sämtliche damit vorhandenen Designentscheidungen wirken aber nicht aus Zeitdruck beschlossen, sondern sind für das Voranbringen der Story von Bedeutung und fügen sich gut in das Gesamtbild ein. So wie Deponia ist, spielt es sich flüssig und wirkt zudem sinnvoll konzipiert. Nichtsdestotrotz ist die Rätsel-Diskrepanz innerhalb der Kapitel spürbar und sorgte zumindest bei mir für Verwunderung.

Die Story an sich wird von der dargestellten Version aber wunderbar getragen. Bei Kapitel 2 gibt es zwar einen kleinen Durchhänger, doch wird es zum Ende hin zunehmend spannend, ja sogar ein wenig rührend. Der Verweis auf Teil 2 ist unverkennbar und macht richtig Lust auf die Fortsetzung. Rückblickend wirkt das Ganze aber ein wenig kurz. Je nach Übung und den eigenen Adventure-Kenntnissen wird man voraussichtlich so zwischen acht und zwölf Stunden brauchen. Profis sind sicherlich noch schneller.

Grafik, Musik und Vertonung

Die grafische Präsentation von Deponia ist durchweg gelungen. Man bekommt handgezeichnete 2D-Grafiken in HD-Auflösung präsentiert, die sich wunderbar in das Gesamtbild einfügen. Der Zeichenstil ist dabei nicht so minimalistisch gehalten wie noch bei Harveys Neue Augen, sondern erstrahlt in einem hohen Detailgrad. Daedalic setzt auf hohe Qualität und das ist in jeder Szene spürbar. Zu loben sind weiterhin die der Story zuträglichen Zwischensequenzen, die super aussehen und stets mit wirklich gutem Humor daherkommen. Schön ist auch die Idee, jedes Kapitel mit einem kurzen etwa eine Minute langem Lied einzuleiten, das von dem Quasi-Erzähler der Geschichte getragen wird und beim Spieler gleich zu Beginn für Stimmung und Enthusiasmus sorgt. Diesbezüglich sei auch die pralle Ausstattung der DVD-Version gelobt, die als weiterhin verfügbare Limited Edition (hab eine andere noch gar nicht gesehen) zu einem Neupreis von rund 30€ in einem schicken Pappschuber mit Soundtrack und Poster daherkommt. Im Gegensatz zu konkurrierenden Branchengrößen wie EA, Ubisoft und Konsorten weiß Daedalic halt einfach, wie man mit dem ehrlichen Käufer umgeht und ihm seine Entscheidung für das Spiel versüßen kann. Auch auf der musikalischen Ebene gibt sich Daedalic keine Blöße und liefert einen gelungenen Soundtrack ab, der dem Spiel durchweg zuträglich ist. Wenn man sich die Soundtrack-CD im Anschluss ans Spielen aber einmal in Ruhe anhört, merkt man, dass viele Lieder auf ein oder zwei Hauptthemen beruhen und in Variationen oft nur wiederholt auftauchen. Die Sprachausgabe, die ja sehr wichtig für die Authentizität eines Adventures ist, ist sehr gut gelungen. Den Sprechern gelingt es wunderbar, die Emotionen der Charaktere einzufangen. Toni ist mit ihrer genervten Ader auch ein unvergesslicher Charakter. Doch da hat jeder sicherlich seine eigenen Lieblinge. Auch die Stimme von Rufus als trotziger und sich stets selbst überschätzender Träger des Spiels wurde meiner Meinung nach sehr gut besetzt.

Fazit

Daedalic Entertainment hat mit Deponia ein Adventure veröffentlicht, das sich durch viel Humor, tolle und logische Rätsel sowie eine gelungene Geschichte auszeichnet. Schade nur, dass die kompakte Rätseldichte kurz nach dem Auftritt von Goal schrittweise abnimmt. Doch das Spiel wird dadurch keineswegs schlecht, denn die Story übernimmt nach einem kurzen Hänger in Kapitel 2 das Steuer und zeigt uns im letzten Abschnitt, wie es mit Rufus weitergeht. Die Geschichte ist durchweg gut und gewiss auch rührend, doch lebt das Spiel maßgeblich von den witzigen Dialogen mit den Charakteren. Das Ende ist ein eindeutiger Cliffhänger, kann aber auch gut als Abschluss akzeptiert werden und macht definitiv Lust auf mehr. Fast kam der Abspann ein bisschen zu schnell, denn die Zeit verging wie im Flug. Nicht zuletzt liegt das an der technischen Umsetzung, die mit einer hohen Auflösung und detailreichen Zeichnungen sehr gut gelungen ist. Fehler muss man da schon mit der Lupe suchen. Ebenso verhält es sich mit der gelungenen Sprachausgabe und der guten musikalischen Gestaltung. Die Trilogie rund um Rufus hat mit Deponia einen guten Anfang genommen und wird Mitte September mit "Chaos auf Deponia" fortgesetzt. Tatsächlich freue ich mich schon auf Teil 2, denn ich bin gespannt, was sich die Entwickler bei Daedalic noch so alles ausgedacht haben. Adventure-Liebhaber werden an Depiona jedenfalls ihre Freude haben und erhalten von mir eine klare Kaufempfehlung. 2+


Geschrieben am 22.06.2012, Testkonfiguration: Intel Quad Core 3,0Ghz, 4GB RAM, GTX260
 



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