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Rückseite ]

Info
Autor 2+
 1.5
 1.5
 2.5
Gesamt (30 votes) 2+
 1.8
 1.3
 2.2
Team (2 votes, siehe hier)2+
Name:Cold Fear
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2005/05
Publisher: Ubisoft
Entwickler: Darkworks
Offiz. Sites: Game
Hardware: 1Ghz, 256MB RAM, 64 MB D3D T&L, HD 2200 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/2000, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
FFeedback: ja
Sprache: Multilingual
zensiert: nein
Bemerkung: auch für Xbox/ PS2
USK: keine
Cold Fear (review von yak)

Eigentlich ein ganz normaler Tag. Zwar spielt das Wetter nicht mit- eigentlich überhaupt nicht- und selbst DreiWetter Taft hält die Frisur nicht so recht in Schwung. Aber was soll's, ein Crewmember der US Küstenwache jenseits der sonnigen Bay Watch Strände braucht ohnehin nicht den letzten Stylingschliff. Tom Hansen erhält inmitten eines tosenden Sturmes einen mysteriösen Auftrag, der ihn an Bord eines marode wirkenden russischen Walfängers verschlägt. Riesige Wellen brechen am Bug des in den Wellen schwankenden Schiffes, starker Wind und Regen schränken die Sicht soweit ein, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Das Schiff scheint jedoch menschenleer...

Konsolenbesitzer werden, wenn es um Survival Horror Spiele geht, weitaus besser bedient als die PC Gemeinde. Den Horror erfahren PC Spieler eher durch lieblose 1zu1 Umsetzungen auf Playstation 1 Niveau, erinnert man sich an Resident Evil Titel oder auch Dino Crisis zurück, ansonsten macht sich dieses Genre auf dem PC wirklich sehr rar, sieht man einmal von Obscure, einigen Silent Hill Teilen oder Curse The Eye of Isis ab. Die richtigen Knaller werden jedoch ausschließlich auf den Konsolen abgefeuert und sorgen dort für nächtliche Schweißausbrüche, Gänsehaut und kurze Finger-, bzw. je nach Beweglichkeit auch Fußnägel. Wer kennt es nicht, wenn man wie bei Resident Evil einen Gang zig Mal entlang läuft, immer mit einem überraschenden Zombieangriff rechnet und dann beim fünften Mal endlich davon ausgeht, dass hier nichts passiert, bis beim sechsten Mal ein ekeliges Vieh durch die Scheibe springt oder wie bei Dino Crisis dann plötzlich der Tyranno das Fenster durchbricht und man dann vor lauter "Herzkasper" erst mal nach den Johanniskrautkapseln Ausschau hält und zur Beruhigung eine Runde Mario Party spielt, damit man danach auch in den Schlaf kommt. Und genau das Gefühl will nun Darkworks, dessen Mitarbeiter schon an der beliebten Alone in the Dark Serie beteiligt waren, mit Cold Fear beim Spieler plattformübergreifend auf PC, Xbox und PS2 erreichen. Dass ihnen das ausgezeichnet gelungen ist, soll unser Review zeigen.

Technik:

Realisiert wurde der Multiplattformtitel mit der neusten Version der bekannten Renderware Engine (u.a. GTA Serie) und ich muss sagen, dass ich mehr als beeindruckt bin und Cold Fear, selbst mit dem gerne und oft zitierten "Makel" Konsolenkonvertierung, für eines der graphisch beeindruckendsten Produkte der letzten Zeit halte und es für mich bislang das Beste ist, was die Renderware Engine auf den Screen gebracht hat. Es ist einfach unglaublich und auch nur bedingt durch die Screenshots zu vermitteln, wie stimmig und atmosphärische das Spiel realisiert wurde, man muss es einfach in Bewegung gesehen haben. Von Null auf Hundert ist man sozusagen "drin", wenn man als Tom Hansen auf dem verlassenen Walfänger mehr oder weniger strandet, um den mysteriösen Vorgängen dort auf den Grund zu gehen. Das Schiff wiegt sich schwerfällig in den Wellen und kann den Naturgewalten kaum widerstehen, man merkt förmlich, wie der Stahlkoloss durch die Kraft des Wasser zum Spielball der Natur wird. Die Entwickler haben es einmalig umgesetzt, eine so dichte Atmosphäre aufzubauen, dass man sich sofort "vor Ort" fühlt und um sein Leben bangt. Ein Orkan, der riesige Wellen auf das Schiff zutreibt, Wind, der um die Ohren heult und dichter Regen, der die Sicht erschwert, während das spärliche Mondlicht oder Scheinwerfer, dessen Lichtstrahlen sich nur bedingt bis zum Deck durchkämpfen können, das Szenario in einen Ort verwandeln, den man freiwillig niemals betreten würde. Auf dem Deck sind Brände ausgebrochen und an Kränen befestigte, jedoch ungesicherte Ladung schwingt gefährlich hin und her und erschweren eine sichere Passage. Die eigene Taschenlampe, die an der Pistole befestigt ist, ermöglicht zumindest teilweise ein Gefühl von Sicherheit. Der alte Walfänger vom Rost und seinem jahrelangen Einsatz in den Meeren gezeichnet, wurde erstklassig umgesetzt. Alte rostige Geländer im Kontrast zu den spärlich eingerichteten Quartieren der Besatzung und der mit edlem Holz ausgestatteten Kapitänskajüte zeigen, dass man auch auf einem relativ limitieren Setting für ausreichend Abwechslung sorgen kann. Alles bei Cold Fear sieht glaubwürdig und durch den geschickten Einsatz von Licht und Schatten außergewöhnlich angsteinflössend aus. Besonders die Schatten sehen realistisch aus, wenn man über das Deck läuft, der ganze Kahn durch die raue See schwankt und die von der Reling oder Takelage verursachten Schatten über das Deck und die Spielfigur geistern. Für mich ist die Graphik in Cold Fear viel stimmiger und atmosphärischer gelungen, als im vielzitierten Doom 3. Besonders die riesigen Wellen, die sich vor dem Schiff auftürmen und sich dann an der Schiffswand brechen, das Deck überfluten und die Spielfigur sogar mit fortschwemmen können, sind einmalig. So etwas habe ich bisher in noch keinem Spiel gesehen. Man empfindet richtiggehend Hochachtung und Angst vor der hier simulierten Naturgewalt, so dass man es sich mehr als zwei Mal überlegt und den richtigen und sicheren Moment abwartet, um nicht durch die Wellen weggespült zu werden, wenn man das Schiff auf der Wetterseite passieren muss. Zudem wirken die Wellen richtig "organisch" und nicht wie in einem immer wiederkehrenden Skript vorgegeben, was den Realitätseindruck hervorragend unterstützt. Dass Cold Fear "nur" zwei Schauplätze besitzt, stört dabei kaum und ich kann die Kritik anderer Rezensionen absolut nicht nachempfinden. Der Walfänger und die Bohrinsel sorgen für ausreichend Atmosphäre und zudem genügend Abwechslung, die von Forschungslaboren, Unterwasseranlagen und riesigen Containerhallen reichen. Das ist der Atmosphäre eher dienlich, weil es zudem sehr klaustrophobisch wirkt. Man ist förmlich dort gefangen und muss sich der Situation stellen. Erwähnenswert sind noch die Wettereffekte. Regen prasselt gegen die virtuelle Kamera und die Tropfen rinnen an ihr herunter, so dass man fast das Gefühl hat, den Helden mit einer Livekamera auf seinem Horrortrip zu begleiten und da Cold Fear ein nicht jugendfreier Titel ist, der mit Gore wenig sparsam, wenn auch nicht übertrieben, umgeht, gesellen sich nach einem guten Treffer auf einen der Mutanten auch schon mal ein paar andersfarbige Tropfen dazu, die an der Kamera herunterrinnen. Die Figuren sind erstklassig animiert und sehen mehr als gelungen aus. Die spinnenartigen ExoCels, die an die Facehugger aus Alien erinnern, krabbeln auf dem Boden, werfen ihre Tentakeln aus um sich zur Decke zu ziehen, die raubtierhaften ExoShades lauern an der Decke, verstecken sich im Dunkeln und greifen dann blitzschnell aus der Deckung oder von hinten an, während die ExoMutanten der ersten Gegeneration eher langsam und zombieähnlich angreifen, ihre nächste Evolutionsstufe aber schon für gefährliche Blitzattacken im Kamikazestil mit Vorsicht zu geniessen sind. Graphisch ist Cold Fear für mich ein absolutes Referenzprodukt und ich habe lange nicht etwas so gut designtes und stimmiges auf dem Screen gesehen. Ein wirkliches Glanzstück der Entwicklern und der Renderware.

Der Sound steht dem nicht nach. Die Geräusche sind erstklassig und gerade über einen 5.1 Kopfhörer mitten in der Nacht gespielt, sorgt die gesamte Atmosphäre in Cold Fear für schneller eingeschobene Zwangspausen vor dem Screen. Im Bauch des alten Walfängers hat man nicht selten das Gefühl, dass das Schiff durch die Wassermengen förmlich zerquetscht wird, wenn das Metall unter dem Druck zu ächzen und stöhnen beginnt. Der Wind und der Regen auf dem Deck veranlasst fast, dass man sich beinahe instinktiv die virtuelle Öljacke enger zuziehen möchte und die Geräusche der angreifenden kreischenden Mutanten sorgen dann natürlich für den Rest. So hört man nicht selten hinter einer verschlossenen Tür oder einfach hinter einer Stahlwand Geräusche, die dahinter den Horror in Tüten vermuten lassen, man aber eigentlich dort nicht hingelangen kann. Ist dort etwas eingesperrtes, hat sich dort etwas eingenistet oder schält sich dort gleich durchs Metall? Jedenfalls sorgt es dafür, dass man an dieser Wand nur äußerst vorsichtig und mit entsprechend angespannten Nerven vorbeigeht, gezogene Waffe natürlich inklusive. Die Synchronsprecher sind alle erstklassig und glaubwürdig besetzt, zudem liegt die Version auch komplett multilingual vertont vor. Das I-Tüpfelchen erledigt dann die Musik, die schon im Intro überzeugen kann. Ein stimmiges Hauptthema, das eine gelungene Mischung aus Action und auch Spannung vermittelt und damit auch genau dem Gameplay entspricht, einem Actionspiel mit viel Suspense. In Kämpfen gibt es entsprechende Actionsymphonik und in den ruhigeren Passagen, in denen man dunkle unheimliche Bereiche im Schiff und auf der Bohrinsel erforschen muss, sorgen spannungsaufbauende Themen für die richtige Stimmung, wobei oft auch einfach mal die Kraft der Stille genutzt wird, um bestimmte Szenen zu unterstreichen. Eigentlich so, wie es auch eine gute Filmmusik leisten sollte. Da wo es sinnvoll ist, kommt Musik zum Einsatz, jedoch ist das Spiel nicht mit Musik überladen, was der allgemeinen Atmosphäre sehr dienlich ist.

Gesteuert werden kann mit Kombination Maus/Tastatur, was ein präziseres Schiessen ermöglicht, wobei hier dann das Autoaiming abgeschaltet werden sollte. Ebenso gut lässt sich Cold Fear auch per Gamepad steuern, was zudem den Genuss einer außergewöhnlich gut gemachten Rumble-Unterstützung erlaubt, die man nicht missen sollte und sie mit ihren Effekten zu den besten auf dem PC gehört, was den graphischen und akustischen Horror nochmals unterstreicht, wenn auf einmal der Pulsschlag in Krisensituationen durchs Gamepad pumpt. Wer jedoch lieber präzises Schiessen mit der Maus bevorzugt und dennoch über ein Rumblepad verfügt, sollte es sich um den Hals hängen, auf den Bierbauch legen oder dezent in Schrittnähe - es lohnt sich und der Effekt geht nicht verloren, was wirklich schade wäre ;-).

Der Schwierigkeitsgrad kann aus drei verfügbaren Einstellungen gewählt werden, wobei ein vierter nach Beenden im höchsten zusätzlich verfügbar wird. Der mittlere Schwierigkeitsgrad sorgt aber für ein angenehmes und dennoch forderndes Spielerlebnis. Gespeichert wird automatisch an Checkpoints, die auch, mit Ausnahme des ersten vielleicht, in großzügigen Abständen vorhanden sind. Dem Spielspass kommt dies nur zu gute, denn mit Quicksave wäre es nur halb so gruselig. Ein solches Spielprinzip wäre wohl ohne Checkpoints nur die Hälfte des Horrors wert, denn nur so hat man ja auch wirklich Angst um sein Alter Ego.

Technisch gibt es eigentlich nichts zu bemängeln, in einigen Szenen gibt es eine nicht immer so günstige Kameraeinstellung, keinesfalls tendiert sie in Richtung Spielspassbremse. Die Steuerung orientiert sich jedoch nach dem "Bildausschnittprinzip", was bedeutet, dass man bei Sichtwechsel die Laufrichtung anpassen muss, was aber problemlos, wenn auch vielleicht für PC Spieler ungewohnt, realisiert wurde. Etwas atmosphäretötend war jedoch, dass man bei dem Wechsel der Abschnitte beim Nachladen das Spiel komplett "stumm" schaltet. Wechselt man den Raum, wird kurz nachgeladen, dabei verstummt aber mitten im Spiel der Ton und die Musik und zerbricht dabei ein wenig die aufgebaute Spannung, zwar nur eine Kleinigkeit, aber es wäre sicher vermeidbar gewesen. So ist man für 2-3 Sekunden "raus". Ärgerlich, wenn auch vielleicht vom Gameplay so vorgesehen war, wenn der Held sich mit gezückter Waffe und darauf montierter Taschenlampe einer Wand nähert, die Waffe und damit auch die Taschenlampe hochgerissen wird, was zur Desorientierung führt, weil man sozusagen dann im Dunkeln steht. Vielleicht war es so vorgesehen, um zu simulieren, dass man an eine Wand gelaufen ist, aber in engen Räumen, die man erforschen will und auf das Taschenlampenlicht angewiesen ist, eher hinderlich. Insgesamt aber keine große Nummer, die den Spielspass beeinträchtigt.

Gameplay:

Ganz in der Tradition der Resident Evil Serie präsentiert sich auch das Gameplay. In der 3rd Person Ansicht lenkt man seinen Helden durch die knarrenden dunklen Räume des russischen Walfängers oder erforscht die stillgelegte Bohrinsel, um die mysteriösen Vorfälle aufzuklären, wobei aber bei Cold Fear das Levelumfeld vielmehr integraler Bestandteil wird, als in vergleichbaren Spielen. In Cold Fear ist die Levelgraphik nicht nur reine "Levelauskleidung", sondern wirkt sich auch auf das Gameplay aus. Die gigantischen, haushohen Wellen sind eine reale Bedrohung, will man nicht von ihnen gegen die Schiffswand gedrückt oder von Bord gespült werden. Cold Fear versteht es einmalig, den Spieler sofort in den Bann zu ziehen und insgesamt schon durch das Setting- von den Monstern einmal ganz abgesehen- bereits lebensbedrohlich zu wirken, wenn das Wasser der Wellen das Deck überspült oder Takelage und Hacken wie wild vom Wind hin und her schwingen, während das ganze Schiff im Sturm schaukelt und man sich kaum auf den Beinen halten kann und versucht, ins Schiffsinnere zu gelangen, während man mit aller Kraft gegen den peitschenden Regen und Sturm ankämpft und man sich hin und wieder, um nicht weggespült oder das Gleichgewicht zu verlieren, notwendigerweise an der Reling festhalten muss. Selten in einem Spiel hat man so ein atmosphärisches Mittendringefühl wie in Cold Fear und man glaubt wirklich, sich jeden Schritt im Kampfe gegen die Naturgewalten erkämpfen zu müssen- und zu allem Übel gesellen sich dann natürlich auch noch die Feinde dazu, die jedoch zu Beginn sehr wohl temperiert eingesetzt werden und zuerst der Spannungsaufbau im Vordergrund steht und man das Gefühl aufbaut, der einzig Überlebende auf dem scheinbar verlassenen Schiff zu sein. Man findet entsetzlich verstümmelte Leichen, Notizen die etwas über den Hergang vermuten lassen und verrammelte Türen, die nur mit entsprechenden Keycards zu öffnen sind. So durchforscht man zuerst, lediglich mit einer Pistole und einer Taschenlampe ausgerüstet, das scheinbar dem Untergang gewidmeten Schiff, denn viele Räume stehen schon unter Wasser und führerlos wird der Kahn kaum noch lange dem Sturm standhalten können. Vorsichtig schleicht man durch die Kajüten und dunklen Gänge, die nur von der Notbeleuchtung oder der Taschelampe auf der Pistole aus der Dunkelheit gerissen werden und der Strahl der Laserzielvorrichtung so gar nicht zu der alten verrotteten Technik des Walfängers passen mag. Dampf strömt aus defekten Rohrleitungen und vereinzelt stehen auch Teilbereiche in Flammen. Doch langsam stellt sich heraus, dass hier viel schlimmere Dinge vorgehen, als man vermuten mag. Nachdem man in der Mannschaftsunterkunft eine entsetzlich zugerichtete Leiche von einer notwenigen Keycard erleichtert hat, bricht das Grauen aus. Zombiehafte Wesen greifen ein noch lebendes Mannschaftsmitglied an, das sich, nachdem man ihm die Beine abgehackt hat, noch schleifend über den Boden retten will und zerhacken ihn. Doch das scheint dem Wesen noch nicht zu reichen und es eröffnet und einem irren Kreischen die Jagd auf Tom Hansen. Nur ein gezielter Kopfschuss bringt ihn zur Strecke, die Körpertreffer sorgen zwar für eine kurze Auszeit, bzw. bremst der Rückschlag die Angriffswucht, doch nach kurzer Zeit stehen sie wieder auf. Was ist bloß hier los.

Erstaunlich ist, dass das Spiel es schafft während der gesamten Spielzeit ein absolut hohes Spannungsniveau zu halten. Neue Gefahren lassen einen erzittern, unterschiedliche Feindarten erfordern neue Taktiken und es gibt genügend klaustrophobische Situationen, um für eine Ganzkörpergänsehaut zu sorgen, während man das Schiff erkundet. Den Vorwurf, dass man oft auf unnötige Wege angewiesen ist und im Schiff hin und her laufen muss, kann ich nicht nachvollziehen. Gerade das baut eine unglaubliche Spannung auf, wie man es auch aus den Resident Evil Teilen kennt. Das ist kein Zugeständnis an Spielzeitverlängerung sondern purer Horror und Spannungsaufbau. So läuft man 3-4 Mal an einer Stelle im Schiff vorbei, bis man sich dort schließlich in Sicherheit glaubt, nur um dann festzustellen, dass genau dann etwas passiert. Da sitzt der Schock und Schreck einfach viel tiefer.

Die Gegner variieren und werden im Spielverlauf immer knackiger und fieser. Neben menschlichen Gegnern, die versuchen das Geheimnis zu bewahren, kämpft man gegen unterschiedliche Mutanten. Angefangen von der leichten Art, die erst noch etwas träge ist, dessen nächste Evolutionsstufe aber schon wesentlich aggressiver wird. Sie verstehen sich später auch im Gebrauch von Waffen und sind nicht nur ausschließlich darauf aus, uns den Schädel mit dem Schraubschlüssel oder einer Rohrzange zu zerdeppern. Das Spiel konditioniert dazu, jeden Gegner schnell an seiner Schwachstelle zu treffen... und das ist zumeist der Teil über den Schultern. Ansonsten wird es haarig und die Gegner greifen im Nahkampf an und beißen sich fest. Da hilft nur noch ein "Dashing" auf die Aktiontaste, bis diese sich aufgefüllt hat und man Kraft sammelt, den Gegner wieder fortzuschleudern, um ihn dann mit Waffengewalt auszuschalten. Sollte er aber bereits zu nahe gekommen sein, dann kann man auch die Waffe als Schlagprügel benutzen, um ihn wieder ein wenig auf Abstand bringen. Doch auch beim erfolgreichen Rübe-runter-Schiessen ist noch lange nicht Schluss, denn dann entpuppt sich die Wurzel allen Übels und die spinnenartigen ExoCels, die den infizierten Körper steuern, verlassen den toten Wirt und suchen sich einen neuen. Also schnell reagieren, notfalls nachladen und Feuer frei. Hat man den Gegner nur durch Körpertreffer kurzzeitig auf's Parkett gelegt, hat man noch die Möglichkeit eines recht splattigen Finishing-Moves. Man bewegt sich über den Körper und zermalmt den Kopf samt Parasit mit einem markiger Fußtritt. Da manche Gegner erst als scheinbar unbewegliche Leiche auf dem Boden oder an der Wand lehnen, um dann aus ihrer Starre zu erwachen, um anzugreifen, wird man - und das hört die BPjS gar nicht so gerne - erst einmal alle Leichen im nahen Umfeld davon mit der Waffe überzeugen, dass es sich kopflos besser leben lässt - zumindest als Held im Spiel.

Das Waffenarsenal ist ausreichend vielfältig, um den unterschiedlichen Gegnern Herr zu werden. Pistole, Schrottflinte, abgesägter Granatwerfer, Flammenwerfer, Kalashnikov, Maschinengewehr bis hin zu einer Harpune die chemische Pfeile verschießen kann, wobei hier auch die taktische Komponente ins Spiel kommt. Eine Horde von Spinnen-ExoCels, die einzeln schwer zu treffen sind, lassen sich gut mit dem Flammenwerfer in Schach halten. Das Schrotgewehr bläst den Kopf mit einem Schuss herunter und die chemischen Pfeile wirken wie ein Lockstoff, denn sie sondern Exo-Benzilat ab, das die Mutanten unweigerlich anlockt. Gerade riesige Mutanten oder Gegnergruppen sind so leicht abzulenken. Warum also nicht einen Pfeil in die Nähe von Benzinfässern oder Feuerlöschern schießen, warten bis die Feinde sich dort einfinden und dann mit der Pistole die Fässer hochjagen? Wobei hier berücksichtig werden sollte, dass verbrannte Feinde nicht mehr dazu geeignet sind, nach Gegenständen wie Erste-Hilfe-Kits oder Munition durchsucht zu werden.

Auch das Levelumfeld gibt weitere taktische Möglichkeiten. Schüsse auf bestimmte Ventile sorgen für kleine Grillpartys unter Feinden, eine Brücke im Schraubenraum einfahren sorgt für einen ordentlichen Mix an Mutantenbrei, wenn sie in die Hauptschraube kommen oder ein gezielter Treffer an Schaltpulten sorgt dafür, dass ein Kran ausfällt und Stampfkartoffeln zubereitet oder sie mit Elektrotherapie versorgt, besonders, wenn sie im Wasser stehen. Die Dampfventile sind zudem hervorragend dafür geeignet, die unsichtbaren Mutanten besser ausfindig machen zu können.

Damit man ordentlich Zielen kann, darf man entgegen der normalen Lauffunktion zum Kämpfen in eine Art Egoshootersicht wechseln, die präziseres Zielen ermöglicht und das Geschehen in einer näheren Über-Schulter-Sicht anzeigt. Es gibt noch eine weitere Zielansicht, in der man nur links und rechts Strafen kann, dabei aber nicht mehr die Waffen in der Höhe verstellen kann, was damit eine ziemlich unnütze Funktion darstellt und sicher ein Relikt in Kombination mit Autoaiming aus der Konsolenversion ist. Richtig klasse hat man eine Funktion umgesetzt, die genaueres Schiessen auch bei hohem Seegang erlaubt. Die Spielfigur kann sich an geeigneten Gegenständen festhalten- nicht nur, um nicht über Bord gespült zu werden, sondern um auch besseren Halt und damit auch genauer zielen zu können, während das Schiff im hohen Seegang hin und her schwankt und die Mutanten das Deck unsicher machen.

Die Rätselkost ist genreüblich: Schlüssel finden, Zugangscodes orten, Maschinen einschalten und schöne Damen vor den Unholden retten. Dabei wird die Story spannend erzählt, mit wirklichen Highlights angereichert, denen es nicht an Action fehlt und zudem findet man überall Notizen, die die Story und Hintergründe weiterspinnen und Tipps im Umgang mit manchen Gegnern verraten. Einige Secrets, die man durch viel Extra-Mut und herumprobieren finden kann, sorgen für den vorzeitigen Genuss besonderer Waffen, Munition oder Erste-Hilfe-Kits.

Die Designer haben sich aber enorm viel Mühe gegeben, den Spieler auf Dauer-Adrenalin zu halten, was man an vielen Kleinigkeiten bemerken kann, die sich aber spielerisch gewaltig auswirken, was ein kleines Beispiel verdeutlichen soll, wie man gegen seinen eigenen inneren Schweinehund ankämpfen muss. Auf der Bohrinsel gibt es ein Containerterminal, in dem, wie auch nicht anders zu erwarten, einige Container stehen, deren Türe vorne einen Spalt offen steht und man nur in die Dunkelheit blicken kann. Also natürlich die Taschenlampe bereit und von draußen einmal reingeleuchtet. Leider reicht der Strahl der Lampe aber nicht bis an die Containerrückwand, um aus relativer Sicherheit feststellen zu können, ob sich dort etwas Lohnendes befindet. Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage :)? Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern, des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden? Kaum war Shakespeare passender und hier merkt man, wie viel Feinarbeit im Spiel steckt. Immer haben es die Designer geschafft, der Atmosphäre noch eins draufzusetzten. So betritt man z. B. den Fischvorbereitungsraum und findet einen fast ausgeweideten Orca, alles ist voll Blut und wirkt ohnehin schon ekelig genug, klar, dass da noch was passieren muss, oder?

Die von einigen kritisierte Orientierungslosigkeit auf dem Schiff kann ich nicht nachempfinden. Ich hatte keine Probleme damit und zudem gibt es im Handbuch eine Karte auf der die wichtigsten Räume vermerkt wurden.

Erwähnenswert sind auch noch die Bonusinhalte. Je nach Spiel-Fortschritt werden Hintergrundinfos freigeschaltet, die Einblicke in die Entstehung des Games erlauben und z. B. Designskizzen enthalten.

Fazit:

Cold Fear ist für mich eine echte Überraschung und die relativ ernüchternden bisher erschienenen Reviews sind für mich nicht nachvollziehbar. Cold Fear ist in seinen ca. 12 Stunden Spielzeit eine absolute Achterbahnfahrt mit doppelter Ration Adrenalin. Eine unglaubliche Atmosphäre, wie sie selten bisher in einem Computerspiel realisiert wurde, besonders auch, weil es so glaubwürdig wirkt. Das schwankende Schiff, das Unwetter und die Macht der Naturgewalten wirken so real, dass man sich sofort mitten im Geschehen fühlt. Eine atemberaubende Graphik, eine atmosphärische Soundkulisse und fordernde und zum Teil auch taktische Kämpfe, eingebettet in eine spannende Story mit einem großartig inszenierten Finale sorgen für ein rundum gelungenes Spielerlebnis. Was will man mehr? Dazu gibt es das Spiel auch noch zum Mid-Price von ca. 25-30 Euro. Jedoch ist es sicher nichts für sanfte Gemüter, nicht nur was den Gore-Faktor betrifft (das Spiel hat keine USK Wertung erhalten), sondern wegen der non-stop Spannung. Ich habe mir jedenfalls öfters als sonst eine Zwangspause verordnen müssen... also wenn das keine Empfehlung ist.


Geschrieben am 12.06.2005, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 1GB Ram, SB Audigy2ZS
 



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