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Rückseite ]

Info
Autor 2+
 2.5
 1.5
 2.5
Gesamt (7 votes) 1+
 2.3
 1.7
 2.6
Team (2 votes, siehe hier)2+
Name:Castlevania - Lords of Shadow
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2010/10
Publisher: Konami
Entwickler: Mercury Steam
Offiz. Sites: Game
Hardware: Xbox360
System: Xbox360
FFeedback: ja
Sprache: Multilingual
zensiert: nein
Serie: ja
USK: 16
Herstellerscreens
Castlevania - Lords of Shadow (review von yak)

Castlevania gehört sicher zu den ältesten Serien der Spielbranche. Schon seit 1986 ging es auf nahezu allen Computer- und Konsolen-Systemen auf virtuelle Vampirjagd . Mein Erstkontakt begann mit der Gameboyvariante und ich begleitete die Serie von SNES, N64, PS2 und den neueren Gameboyvarianten, wobei ich den PS1 Klassiker Symphony oft the Night nur in der Xbox Live Arcade Version angespielt habe. Die PS2 Ableger konnten mich nicht mehr so begeistern, ebenso wie die vielen, oft zu austauschbaren Gameboy-Varianten und so blieb und war mein ausgesprochener Favorit immer die SNES Version Super Castlevania IV. Gefallen hat mir auch die generell schlecht angenommene erste 3D Version auf dem N64, die leider jedoch unter einigen technischen Defiziten zu leiden hatte. Grund genug für Konami, sich weiterhin der Serie nur mit 2D oder Pseudo 3D Varianten zu nähern. Leider stagnierte auch das Gameplay über die Jahre hinweg und zudem enthielt sich die Serie auch den neuen Konsolengenerationen.

Es wurde Zeit, dass der Vampirsaga frisches Blut zu Teil wurde und man, wie mittlerweile der Trend in den Medien, ein Reboot der Serie in Angriff nahm. Für mich wurde das auch allemal Zeit, denn die aktuellen Versionen der Castlevania-Reihen stagnierten im Bereich Spielprinzip und wirkten zum Teil schon wie Retro-Klassiker. Dabei hat die Serie und das Spielprinzip sicher genug Potential, angemessen neu interpretiert werden zu können. Erstaunlich ist dabei, das der Publisher Konami eine Softwareschmiede aus Spanien damit betraut hat, den Neustart der Serie umzusetzten. Erstaunlich auch deshalb, weil Entwickler Mercurysteam bisher noch nicht viele Spiele realisiert hat und die erschienenen Titel (Scrapland, Jericho) nicht zwingend Vorzeigetitel waren. Die Annahme, dass ein unerfahrener Entwickler mit bisher zwei mauen Titeln nicht zu Höchstform auflaufen kann, soll das Review zu Castlevania - Lords of Shadow widerlegen, denn das Spiel ist, um es vorwegzunehmen, ausgezeichnet gelungen.

Technik

Hier gibt es außer einem "Wow" nicht viel zu sagen. Was die Entwickler hier auf den Screen zaubern, ist wirklich außergewöhnlich - von technischer wie auch künstlerischer Seite. Die Gameengine ist leistungsstark und zeigt besonders in den Echtzeit-gerenderten Zwischensequenzen ihre Stärke, so daß man fast glauben mag, einen vorberechneten Renderfilm zu sehen. Das beginnt schon höchst eindrucksvoll im ersten Level, wenn ein riesiges Wolfsmonster das Dorf angreift, sein Fell im Mondlicht schimmert und der Regen auf ihn niederprasselt. Das gesamte Design des Games von den Gegnern bis hin zu den Locations ist detailverliebt und abwechslungsreich, wie man es sich kaum vorstellen kann, selbst kleine Abschnitte sind mit einer umwerfenden Detailtreue ausgearbeitet. Hochauflösende Texturen an den Gemäuern, Kerzen erleuchten den Festsaal, deren Schatten und Lichtspiel die Atmosphäre merklich steigern. Man könnte wirklich seitenlang über den Aufwand und die Qualität der Graphik schreiben, doch man muss sie wirklich gesehen haben.

Hinzu kommt noch die enorme Abwechslung und die Vielzahl der Level, alles wirkt natürlich und niemals wie eine Aneinanderreihung per Copy und Paste. Ebenso das Gegnerdesign, das eher an Kreaturen aus Pans Labyrinth erinnert. Vielleicht liegt es auch an den spanischen Entwicklern, dass Castlevania optisch viel europäischer wirkt. Der Spieler bekommt im Prinzip alles geboten, was er von einem Action-Vampirspiel an Szenarien nur erwarten kann. Katakomben, Sümpfe, verschneite Berggipfel, Verließe, Schlösser und Kathedralen, Wälder, Höhlen und altgothische Dörfer. Das ist schon mal ein ordentliches Stück weiter als die Schloss-only-Innenraum-PS2 -Games.

Die Animationen sind ebenso erstklassig. Ekelige Krabbelmonster, die versuchen sich in einem Sarg zu verstecken und damit zu einem spinnenähnlichen Wesen zu mutieren, Warge, die wie ein Nashorn angerannt kommen und alles niederwalzen, Skelettkrieger, die in ihre Einzelteil zerbersten oder Hochhaus überragende Titanen, die durch die Landschaft stapfen. Optisch ist Castlevania ein absoluter Hingucker geworden. Graphische Versionsunterschiede zwischen Xbox und PS3 sind mir nicht aufgefallen, was im Prinzip bei Multiplattformentwicklungen selten vorkommt. Da zieht sonst zumeist die PS3 den Kürzeren.

Der Sound steht dem in nichts nach. Die Sprache ist im englischen Original und muss mit Untertiteln auskommen, zum Glück, den die Sprecherriege ist ausgezeichnet, Robert Carlyle verleiht dem Helden seine Stimme, Patrick Stewart fungiert als Begleiter und Erzähler und Jason Isaacs hat, wenn auch nur kurz, einen eindrucksvollen vokalen Auftritt als Satan persönlich. Die Musik spielt auf hohen Niveau. Komponist Oscar Araujo bringt ein volles Symphonieorchester samt Chor ordentlich auf Trapp und bietet musikalisch ein breites Spektrum, das das Spiel glänzend unterstützt. Vollorchestrale Passagen, eingängige Themen bis hin zu etwas ungewöhnlicheren Ideen. So begleitet eine Musik die Sequenz in einem Festsaal, an dem sich Ghoule über ihr makaberes Mahl hermachen, die an das Stimmen von Instrumenten erinnert, wodurch der Ort eine befremdliche und angsteinflößende Stimmung erhält. Man merkt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Toll gemacht und zum Glück mal wieder eine eigenständigere Komposition, die nicht versucht, die momentan vorherrschenden Modeerscheinungen zu imitieren. Die Geräuschkulisse ergänzt Sprache und Musik ausgezeichnet. Überall knackt und knistert es im Gemäuer und Gebälk und man hat schon Ehrfurcht, wenn man die gewohnt-gefürchteten Laute eines Gegners hört.

Die Steuerung weist einige Defizite auf, die im Bereich Gameplay weiter erklärt werden, hat man sich jedoch damit arrangiert, klappt das Spielen jedoch zumeist ohne große Probleme.

Es gibt zu Beginn drei spielbare Schwierigkeitsgrade, ein vierter wird nach dem ersten Durchspielen freigeschaltet. Der normale Schwierigkeitsgrad ist schon recht anspruchsvoll und Gelegenheitsspieler werden sicher überfordert, wenn sie ein locker-flockiges Durchspielen erwarten. Hier bleibt Castlevania seiner Tradition treu, vom Spieler einiges an Können einzufordern. Wer es also lieber etwas stressfreier angehen möchte, sollte ruhig auf leicht spielen, auch da ist es noch ausreichend fordernd.

Gespeichert wird automatisch - und das sogar sehr oft und fair, sogar in den unterschiedlichen Phasen von Bossfights. Probleme oder Bugs sind während des Spielens nicht aufgetreten. Das Spiel ist kurz nach Release auch in einer Special Editionen erschienen, die u.a. den Soundtrack auf CD enthält. Im Vorfeld wurde der enorme Speicherbedarf des Spieles erwähnt und die Notwendigkeit, die Xbox-Version auf zwei DVDs zu verteilen. Hier wollte der Entwickler mit Microsoft eine Lösung finden, um das DVD-Wechseln zu vermeiden. Daraus ist aber leider nichts geworden. Auch bei Vollinstallation beider DVDs ist ein Wechsel notwendig. Das betrifft aber nur Spieler, die Backtracking betreiben wollen, um mit den neu erworbenen Fähigkeiten in bereits abgeschlossenen Leveln die letzten Secrets zu suchen. Zwingend ist das Backtracking nicht.

Castlevania erscheint mit USK16 Freigabe ungeschnitten und ist auch dabei noch recht "saftig".

Gameplay

Viel Zeit ist vergangen, ohne dass die vorherigen Castlevania Spiele sich grundlegend vom Spielprinzip änderten und vielleicht ist die Serie deshalb auch etwas ins Hintertreffen geraten - sicher auch, weil sich das Castlevania-Spielgeschehen dazu auch noch in den letzten Jahren ausschließlich auf Handheld und Altkonsolen abspielte. Damit kann man Graphik-verwöhnte Spieler nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Vom letzten "Knallertitel" bis heute liegt schon fast eine Spielergeneration und somit hat der Name "Castlevania" sicher nicht mehr die gleiche Wertigkeit und den Bekanntheitsgrad, wie bei älteren Spielsemestern. Im Gegensatz zu anderen Spieleklassikern, deren Gameplayprinzip dem Zahn der Zeit besser widerstehen konnte, muss man sagen, dass Castlevania eine Frischzellenkur nötig hatte. Das haben die Entwickler auch recht gut in den Griff bekommen - an guten Vorlagen im Action Adventure Genre mangelt es nämlich nicht, wenn man Batman Arkham Asylum, God of War oder Darksiders betrachtet.

Die Story folgt der üblichen Tradition. Die Bruderschaft des Lichtes fand an ihren Pforten ein Findelkind, das von ihnen aufgezogen wurde und sich zum eindrucksvollen Kämpfer entwickelte. Der Name: Gabriel Belmont. Doch dann fällt die Welt dem Chaos anheim, Gabriels große Liebe Marie wird getötet und veranlasst ihn, gegen das Böse vorzugehen. Eine lange und gefährliche Reise steht ihm bevor…

Storytechnisch hat man für ein Action-Adventure-Spiel erstaunlich viel Tiefe und Wendungen einbringen können. Es ist schon spannend zu erfahren, wie es weitergeht und wer sich letztendlich als Freund oder Feind entpuppt. Mehr soll jedoch nicht verraten werden. Castlevania ist jedenfalls alles andere als lieblos "zusammengeklebte" Actionpassagen.

Das Gameplay folgt dem 3rd Person Action-Adventure Prinzip, eindeutig jedoch mit dem Schwerpunkt Action. Dazu eine ordentliche Portion Charakterupgrade, das dem Helden erlaubt, neue Fähigkeiten, Magie und Kampfkombos zu erlernen. Mit neuen Fähigkeiten kann der Held sich verbessern: Höher springen, kurzzeitiges Fliegen oder eine Kette - ganz Zelda-like - dazu zu nutzen, sich an Vorsprüngen empor zu hangeln oder Gegner zu sich zu ziehen, um sie dann im Nahkampf zu erlegen. Das ist klasse gemacht und vor allem auch so eingebunden, dass die neuen Fähigkeiten sowohl für Rätsel und Secrets Verwendung finden, wie auch im Kampf. Ein besonderer Handschuh kann Gegner aus den Socken hauen, aber auch ein marode Mauer aus den Fugen brechen, um dahinter verborgene Schätze zu heben.

Das ist aber noch nicht alles. Gabriel erhält im Spielverlauf magische Fähigkeiten in Form von Licht und Schattenmagie, die sich von neutralen Energieresten erledigter Gegner nähren. Dazu gibt es pro Magieart auch die Möglichkeit, die entsprechenden Manavorräte gezielt für eine der Magiearten aufzutanken. Wer die Lichtmagie bevorzugt, kann die neutralen Energiepunkte auf die Lichtmagie laden oder lieber auf die Schattenmagie. Ein nicht zu vernachlässigender strategischer Aspekt, denn Castlevania ist kein Game, das es dem Spieler einfach macht. So sollte man schon überlegen, ob man jetzt besser die Lichtmagie nachlädt, die es z.B. bei Aktivierung erlaubt, die eigene Lebensenergie durch Schadenszufügung der Gegner wieder aufzufrischen. Aktiviert man jedoch die Schattenmagie, bewirken normale Schläge mehr Schaden. Hier gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten und Kombos, die der Spieler durch die verdienten Erfahrungspunkte aus dem Kampf, in neue Fähigkeiten umsetzen kann. Ein Schutzschild, eine verheerende Bodenattacke oder unter Aktivierung der Magie, eine Steigerung der normalen Komboattacke mit zusätzlichen Auswirkungen, wie z.B. das Absorbieren von Gesundheit oder Lichtblitze, die auf den Feind einprasseln.

Castlevania ist kein Spiel, bei dem man mit der normalen Hau-Drauf Methode weiterkommt. Damit kommt man höchstens in den Heldenhimmel. Wer die Gegner nicht genau studiert, ihre Schwächen nutzt, das Umfeld mit einplant und die richtige Angriffsmethode wählt, wird sich die Zähne ausbeißen. Stark gepanzerten Gegner sollte man zuerst die Panzerung entreißen, ihre Langsamkeit ausnutzen, im rechten Moment blocken, um sie dann gezielt aufs Korn nehmen zu können. Vampire sind in Bereichen, in denen Licht eindringt, schneller zu besiegen, als in dunklen Ecken. Nicht blockbaren Angriffen sollte man besser aus dem Weg gehen und eine Seitenrolle versuchen, um dann gezielt zurückschlagen zu können. Einige Kreaturen, wie z. B. Spinnen , Warge oder Trolle, kann man auch so lange bearbeiten und schwächen, um sie dann zu reiten und damit kleinere Gegner dem Erdboden gleich zu machen. Wer in Castlevania nicht in Bewegung bleib, hat schon verloren. Damit ist es aber sicher kein Spiel, dass man stundenlang am Stück spielen kann, weil es schon sehr viel Einsatz vom Spieler verlangt.

Zu den normalen Waffen im Spiel kann der Held auch noch weiteres Equipment finden, Wurfmesser, auf die besondere Gegnerarten sehr empfindlich reagieren, besonders wenn man dabei die Schattenenergie aktiviert, die sie zu explodierenden Geschossen verwandeln. Oder Weihwasserphiolen, die Vampirkreaturen nicht besonders mögen. Weitere wichtige Kampffeatures, die elementar wichtig sind, sind Kampffokus und Synchronblocken. Der Kampffokus lädt sich auf, wenn man gut kämpft und vom Gegner nicht getroffen wird. Ist er voll aufgeladen, bewirkt jeder Treffer beim Gegner, dass sich neutrale Energiekugeln von ihm lösen und nicht erst, wenn er erledigt ist. Das ermöglicht dem Helden, schnell seine Magievorräte wieder aufzufüllen und so durch deren Einsatz die Gesundheit wieder zu regenerieren oder starke Angriffskombos ausführen zu können. Snychronblocken ist eine ebenso wichtige Funktion. Passt man den Gegnerangriff genau ab und blockt den Angriff, wird der Gegner kurze Zeit gelähmt und man kann ihm stark zusetzten. Positiver Zusatzeffekt ist, dass sich der Kampffokus sofort vollständig auflädt und somit dann auch jeder Angriff für ordentlich Energiekugeln sorgen kann. Diese Methode ist besonders bei starken Gegner und Levelbossen notwendig, um schnell seine Lebensenergie wieder auf Vordermann bringen zu können. Das muss aber dennoch geplant und gut vorbereitet stattfinden, denn Gegner können auch Kraftkombos ausüben, die man nicht blocken kann. Hier ist ein Studieren der Angriffsmuster unabdingbar, denn der Schwierigkeitsgrad ist hoch und mehrere Fehlentscheidungen im Kampf werden nicht verziehen.

Damit wird Castlevania zu einem Actiontitel, der auch sehr strategisch in Bezug auf den Kampf ausgelegt ist. Nicht nur der Kampf an sich, auch die Wahl, um welchen Gegner man sich zuerst kümmern muss, ist elementar. So z. B. die nervigen Knochenmänner, die zwar zu einem Haufen Knochen zerbersten, sich aber wieder zusammensetzten, sollte man auf ihren Überresten nicht einen finalen Schlag ausführen, oder Geisterwesen, die mit ihrem Schwert Energieblitze auf den Boden schlagen, die sich, sollte der Grund mit Wasser bedeckt sein, gefährlich ausbreiten und so das Kampfareal stark einschränken.

Ein besonderer Leckerbissen sind jedoch die Bosse. Es gibt riesige Hochhaus überragende Titanen, an denen man emporklettern muss, um ihre Schwachstellen zu zerstören. Hier haben die Entwickler kurzerhand das Spielprinzip von Shadow of he Colossus übernommen und "mal eben" absolut bombastisch inszeniert umgesetzt. Oder die Riesenvampirfledermaus auf der Turmspitze. Ein kurzer Ritt auf ihren Rücken, ein paar Quicktimes und man lenkt sie auf den Turm, um ihr mit der Kollision Schaden zuzufügen. Es gibt absolut phantastische Szenen, die einen wirklich umhauen und so genial aussehen, wie ein guter Renderfilm. Sowas wünsche ich mir mal als Film, unglaublich!

*SPOILER* Etwas wie die Pfählsequenz eines Vampires mittels einer Kirchturmspitze, wobei die gesamte Kirche danach in sich zusammenbricht und man währenddessen kämpft, hab ich bisher in noch keinem Game so eindruckvoll inszeniert und choreographiert zu Gesicht bekommen, der absolute Wahnsinn! *SPOILERENDE*

Castlevania sorgt aber nicht nur im Kampf für aufregende Spielstunden. Auch Rätsel und Secretsucher werden gut bedient. So darf man einige Schalterrätsel bewältigen, ein Schach ähnliches Spiel gegen ein Vampirkind spielen oder Spiegel in die richtige Position rücken und drehen, um Sonnenlicht durch die dunklen Katakomben zu leiten. Gefundene Secrets erhöhen die Magieleisten oder die Lebenskraft, erweitern die Tragfähigkeit für Zusatzitems usw. Für ausgewogenes Gameplay im Wechsel Kampf, Suchen/Rätseln und Kletterpassagen, ist gesorgt, wobei der Schwerpunkt jedoch im Kampf zu finden ist. Das Gesamtpaket wird aber in einer absolut richtigen Mischung präsentiert. Da k ämpft man sich erst durch eine von Ghoulen besetzte Halle, nachdem man Zeuge wurde, wie der abscheuliche Metzger ihnen menschliche Überreste serviert, nachdem die Vampirbrut diese ausgesaugt hatte und landet schließlich bei dem hühnenhaften Monster in der Küche, um ihn im Kampf zu besiegen, damit man einen Schlüssel erhält. Danach ein paar Rätseleinlagen und weiter gehts. Wer die Rätsel nicht mag, kann sie problemlos überspringern, erhält dann aber keine Erfahrungspunkte.

Castlevania hält den Spieler in der gesamten Spielzeit von großzügigen 20+ Stunden immer vorm Screen gebannt. Der einzige Grund, das Gamepad niederzulegen, war reine Erschöpfung. Hier lernt man wirklich was es bedeutet, ein Held zu sein. Aufgelockert wird das Spiel zudem noch durch einige Charaktere, die Gabriel kurzzeitig begleiten und an seiner Seite kämpfen, bzw. ihm weiterhelfen, was zudem die Story vertieft und abwechslungsreicher macht.

Kommen wir zu den kleinen Schattenseiten, die dem guten Gesamteindruck nicht sonderlich schaden, aber erwähnt werden sollten. Gabriel kann fast so gut Klettern und Hangel wie der Prinz aus Persien. Das geht auch erstaunlich gut von der Hand, jedoch sind etwas filigranere Hüpfpasssagen etwas nervig, da hier die nicht punktgenaue Steuerung dem entgegenwirkt. Das wirkt sich im Prinzip jedoch nur in einem Level mit beweglichen Plattformen aus, die sehr schmal sind (der Abschnitt ist auch nicht sehr lang). Punktgenaues präzies Gehen ist hier nicht drin und ein Schritt endet dann schon mal im Abgrund. Faire Rücksetzpunkte machen daraus jedoch kein Problem, nervig ist es dennoch. Ein weiterer Punkt ist die Kameraperspektive. Diese ist bei Castlevania stets vorgegeben. Ein Drehen oder Justieren ist nicht möglich. Das führt in besonders engen oder schmalen Levelpassagen dazu, dass man einige Gegner einfach nicht sehen kann und damit auch nicht ihre Angriffstaktik, ob sie z. B. kurz vor dem Sprung sind oder einen nicht blockbaren Schlag vorbereiten.

Mein Hauptkritikpunkt richtet sich jedoch an das Steuerungslayout, das man ärgerlicherweise auch nicht ändern kann. Ich finde es ziemlich misslungen und man braucht schon einige Zeit, um sich damit zu arrangieren. Hier einige der Gründe: Der rechte Analogstick wird im Prinzip nicht genutzt. Lediglich die Stick-Eindrücken-Funktion wird benötigt, um Schattenmagie zu absorbieren, ansonsten macht der rechte Stick nichts. Warum man ihn nicht zum Ausweichen genutzt hat, ist mir ein Rätsel. Die Ausweichfunktion kann nur ausgeübt werden, wenn man den normalen linken Bewegungsstick in die entsprechende Richtung drückt und die linke Schultertaste zeitgleich dazu. Das Problem dabei: Die linke Schultertaste wird auch zum Blocken benutzt, nur darf man sich dann natürlich nicht bewegen, da man ansonsten eine Ausweichrolle ausführt. Ich weiß nicht wie oft ich weggerollt bin, wobei ich eigentlich einen Angriff blocken wollte. Die Figur muss wirklich stehen, um blocken zu können, was die Bewegungsfreiheit und den Gamefluss unnötig ausbremst. Hätte man die Schultertaste einfach nur zum Blocken genutzt und den rechten Stick zum Ausweichen, gäbe es keine Probleme. Ärgerlich, weil Castelvania diese schnellen Bewegungsabläufe vom Spieler wirklich einfordert und es hier diese unzureichende Steuerungsvorgabe gibt. Was mir eben so oft passierte ist, dass ich statt zu laufen einfach stehen geblieben bin, um Lichtmagie zu absorbieren, dann nämlich, wenn ich im Eifer des Gefechtes und um Angst um mein virtuelles Alter Ego, das Gamepad schon etwas verkrampft in der Hand gehalten habe und den Laufenstick wohl zu stark gedrückt gehalten habe, so dass ich die Stick-Eindrücken-Funktion betätigt wurde, was den Charakter stehen lässt, um Energie zu absorbieren. Hier hätte es besserer alternative Steuerungsmöglichkeiten gegeben, zumal der rechte Stick ja nicht einmal für Bewegungsfunktionen belegt wurde. Weitere Kleinigkeiten. Ein paar blöd gesetzte Glaswände/Levelbegrenzungen, ungewollte Sprünge in den Tod und beim Kettenabseilen gibt es kein "Nach unten gehts nicht weiter und ich bleib unten hängen ", sondern ein "Es geht doch nach unten weiter und lasse mich lieber in den Abgrund fallen". Das war's aber dann schon an Kritik, die ich aber getrost verkraften kann, weil der Rest stimmt.

Sollten einige Spieler noch nicht genug haben, bietet das Game auch noch mehr. Jeder beendete Level kann im Trial Modus erneut versucht werden, wobei hier besondere Vorgaben erfüllt werden müssen. Z. B. beim Levelboss nicht verwundet zu werden oder einen Level in einer bestimmten Zeit zu absolvieren. Das scheint aber eher etwas für Achievment und Trophy-hunter zu sein. Die Rätsel und Minispiele können ebenso nachträglich gespielt werden und eine umfangreiche Bilder- und Monstergalerie steht ebenfalls zur Verfügung.

Fazit

Was soll ich sagen. Ich bin maßlos überrascht. Castlevania ist eines der besten Spiele der letzten Zeit geworden - im Bereich Gameplay wie auch von künstlerischer Seite. Ein Vorzeigetitel im Bereich Action Adventure mit einer ausgesprochen großzügigen Spielzeit von über 20 Stunden. Dass ein Entwickler, dessen vorherige Spiele von dieser Qualität meilenweit entfernt waren, so einen Quantensprung absolvieren konnte, ist erstaunlich. Das verdient absolute Anerkennung. Ein gelungener Neuanfang für das Castlevania Franchise, das sich alle Action Adventure Freunde und God of War Anbeter auf ihren Einkaufszettel schreiben sollten. Castlevania erfindet zwar nichts neu, aber das was es macht, macht es ausgezeichnet. Das Spiel scheint aber leider nicht so angekommen zu sein, wie man es ihm wünschen würde, denn in England und sogar schon in Deutschland sackte der Preis bereits auf Budget oder Mid-Price Niveau. Ein so ausgezeichnetes Spiel hat das sicher nicht verdient und spätestens jetzt sollten Genrefreunde zugreifen. Von uns bekommt es jedenfalls eine eindeutige Empfehlung, denn die kleineren Mängel sind vertretbar. Ein technisch einwandfrei umgesetztes und packendes Game, dessen verfügbare Demo so gut wie nichts über die Gesamtqualität aussagt. Ich hoffe, dass die scheinbar schlechten Verkaufszahlen das Entwicklerstudio nicht zu hart treffen und eine Fortsetzung in diesem Stil nicht indiskutable machen. Als kleiner Tipp noch zum Ende: Den Nachspann unbedingt bis zum Ende ansehen! Von uns (ronins Fazit gibt es im Teamvoting) bekommt Castlevania eine absolut verdiente 2+.


Geschrieben am 15.11.2010, Testkonfiguration: Xbox360
 



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