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Info
Autor 3+
 1.5
 1.5
 2
Gesamt (11 votes) 2
 1.7
 1.7
 2.2
Name:Brütal Legend
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2009/10
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Double Fine
Offiz. Sites: Game
Hardware: Xbox360
System: Xbox360
Multiplay: Xbox Live
Sprache: Deutsch/Englisch
zensiert: nein
Bemerkung: auch für PS3
USK: 18
Brütal Legend (review von yak)

Vier Jahre ist es schon her, dass Spieledesigner Tim Schafer mich mit Psychonauts überzeugen durfte, dass es immer noch Spiele gibt, die vor Charme sprühen, zugleich ein innovatives Gameplay und so viele abgedrehte Ideen besitzen, dass es gleich für mehrere Spiele reichen würde. Leider war Psychonauts kein Titel, der sich zum Release mit aufsehenerregenden Verkaufszahlen behaupten konnte, was aber vielleicht auch am Marketing des Publishers Majesco lag. Vielleicht hätte aber auch jeder andere Publisher damit seine Probleme gehabt, denn Psychonauts zielgruppengerecht zu vermarkten, ist nicht einfach, dafür hat das Spiel einfach zu viele Komponenten unter einen Hut gebracht, um es damit einfach in eine altbekannt Schublade stecken zu können.

Umso interessierter wurde ich, als ich das erste Mal von Schafers neuem Projekt "Brütal Legend" hörte, dem scheinbar eine ähnliche Zukunft in die Wiege gelegt wurde. Abgedrehte Ideen, die nicht wirklich Mainstream sind, ein Publisher, der das Spiel dann irgendwie nicht mehr haben wollte, weil es nicht mehr in das Portfolio passt, was ihn aber dennoch nicht daran hinderte, später sein Veröffentlichungsrecht wieder einzuklagen. Wenn man schon dem Spiel keine finanzielle Zukunft zutraut, dann zumindest einem Rechtsstreit. Scheinbar meinen es die Publisher-Götter nicht gut mit Tim Schafers Produktionsfirma Double Fine. Doch zu guter Letzt ist der Titel dann im EA Partners Programm gelandet. Ob die Heavy Metal Götter es mit Tim Schafer gut gemeint haben und die skurrile Mischung von Action-Adventure, abgedrehten Figuren, Heavy Metal, RTS-, Prügel- und Renneinlagen sich zu einem ebenso gelungen Gesamtkunstwerk zusammenfügen, wie damals Psychonauts, soll unser Review zeigen.

Technik

Vom Artdesign her muss man vor den Entwicklern den Hut ziehen. Die Welt und die Figuren, die sie sich erdacht haben, sind einmalig. Am ehesten könnte man den Stil mit zum Leben erwachten Plattencovern von Iron Maiden oder Motörhead und den Heavy Metal Comics beschreiben. Die Entwickler präsentieren eine vom "Metal" durchwobene recht offen angelegte Spielewelt und bieten dabei alle möglichen "Aggregatformen". Von Waldlandschaft, Strand mit Blick zum Meer, schneebedeckte Bergketten, Tempelanlagen, verrotteten Highways, trockenen Steppen bis hin zu Sumpf- und Dschungelregionen. Dabei darf aber der Metalanteil nicht fehlen und so findet man überall Spuren des Metals wie z.B. in Form von riesigen, an den Wolken festgeketteten Statuen oder Motorenschmieden, um neues Equipment erwerben zu können. Das sieht wirklich hervorragend und stylisch aus. Ebenso die Kreaturen und Kumpanen, die die Metalwelt mit Leben erfüllen. Feuerspeiende Metalmonster, Fire Barons, die mit ihren Motorrädern eine Flammenspur hinterlassen oder Headbanger, die in der Mine mit ihrem Kopf namensgebend Erz abbauen. Genauso einfallsreich wie die Kumpanen sind auch die Gegner. Rattenmänner, Sensen schwingende Schnitter auf ihrem Ross, Schädelrächer samt Morgenstern und aggressive Kampfnonnen. Hier bekommt man wirklich einiges geboten.

Die genutzte Engine zaubert das Spielgeschehen ohne nachladen zu müssen auch recht adrett auf den Screen, bei einer wirklich angenehm hohen Sichtweite. Leider kommt es hin und wieder zu leichten Rucklern und Pop-Ups, die jedoch den Spielablauf selten einschränken - es fällt halt nur auf. Viel ärgerlicher ist da ein anderes Problem. Unser Held kann leider nicht springen, was auch spielerisch nicht notwendig wäre. Die Designer hätten aber gut dran getan, den Helden zumindest kleiner Hopser erlauben zu dürfen, denn dann hätten sie zumindest ein selbstgeschaffenes und nicht in den Griff bekommenes Problem umgehen können. Der Held bleibt in kleinen Niederungen oder Ecken hängen. Gerade für Spieler, die gerne die gesamte Welt erkunden und nach Secrets suchen, ein leidiges Erlebnis, denn es gibt dann kein Entkommen. Man wird gezwungen, das Spiel zu verlassen und neu zu laden, um am letzten Speicherpunkt erneut anzufangen. Das ist mir in der Gesamtspielzeit sicher 10-12 mal passiert und bewegt sich damit sicher nicht mehr im tolerierbaren Bereich. So etwas hätte auffallen und behoben werden müssen. Man kann es teilweise zwar umgehen, indem man sein Auto herbeiruft, um automatisch hineinzuspringen, was aber nicht immer funktioniert.

Die Steuerung wurde ordentlich umgesetzt und funktioniert gut, mit einer kleinen Ausnahme jedoch, die etwas unglücklich gewählt wurde. Steuert man das Motorrad in der Teamaktion mit einem Fire Baron, entspricht die Fahrzeugsteuerung dem üblichen Lenkprinzip, setzt man aber die Flammenspur als Waffe ein, ändert sich das Steuerprinzip vom Lenk zum 3rd Person-Steuermodell, was bedeutet, dass das Fahrzeug jetzt nicht mit Links und Rechtsimpulsen gelenkt wird, sondern abhängig von der Spielansicht. Ein unnötiger und verwirrender Zwangswechsel der Steuermechanik.

Die Sprachausgabe ist witzig und stimmungsvoll umgesetzt. Die deutsche Fassung enthält zugleich auch die englische Originalversion und kann jederzeit im Spiel gewechselt werden. Im Original intoniert Jack Black mit einem ganz eigenen Charme den Held der Geschichte und Tim Curry personifiziert mal wieder das Böse. Mit dabei sind u.a. auch einige Heavy Metal und Rock Legenden, die sich praktisch selbst sprechen, wie z. B. Ozzi Osborne als Hüter des Metals. Die deutsche Version wurde aber ebenso stimmig umgesetzt und der Erzbösewicht hat nicht nur etwas Ähnlichkeit mit dem Dungeon Keeper, ich würde auch wetten, dass das seine Stimme ist :). Ärgerlich ist nur, dass ab dem letzten Spieldrittel häufiger Probleme mit der deutschen Sprachaussteuerung auftraten und die Stimmen oft viel zu leise bis kaum hörbar ausgesteuert wurden.

Die Musik besteht, wie auch kaum anders zu erwarten, hauptsächlich aus Heavy Metal und Rocksongs. Spielt man alle frei, kommt man locker in den Genuss von über Hundert Songs, dazu gibt es noch einen Score von Peter McConnel, der schon in Psychonauts hervorragende Musik abgeliefert hat.

Gespeichert wird automatisch an fair verteilten Checkpoints, man kann aber jederzeit auch manuell speichern, wird aber bei Neustart oder Lebensverlust an bestimmten Respawnpunkten wieder in die Welt des Metals entlassen. Bis auf den Umstand, dass die Figur oft in der Botanik hängen geblieben ist, gab es auch keine technischen Probleme mit dem Titel, der auch ohne HD-Installation gut von DVD spielbar war.

Das Spiel ist in einer ungeschnittenen USK 18 Fassung veröffentlich worden, wobei mir, auch wenn so manche Köpfe rollen und das Blut spritzt, das Rating etwas übertrieben vorkommt. Ein USK 16 hätte da völlig ausgereicht, selbst Rollenspiele ab 12 wie z. B. Legend zeigen Ähnliches - und man kann da sogar noch den Kopf durch die Gegend kicken.

Gameplay

Eddie Riggs ist Roadie. Schlimm nur, dass er für eine Band arbeitet, die mit richtigem Metal und Rock so gut wie nichts mehr zu tun hat. Den guten alten Zeiten, als Musik noch Musik und nicht von Zielgruppenstrategen geplant war, trauert er gemeinsam mit seinem Kumpel nach. Aber was soll's. Job ist Job - auf einen richtigen Roadie ist Verlass - und das stellen die halbgaren Interpreten auch schneller auf die Probe, als es Eddie recht ist. Als einer von ihnen die Warnung Eddies ausschlägt und trotzdem auf der Bühnenskulptur umherkraxelt, kommt es, wie es kommen muss und Eddie kann den Herunterstürzenden gerade noch auffangen und vor dem sicheren Tod retten. Pech nur für Eddie, dass er selbst dabei von zusammenbrechenden Bühnenkonstruktion erschlagen wird. Doch die Götter des Metals meinen es gut mit ihm. Die durch sein eigenes Blut getränkte Monsterkopf-Metal-Gürtelschnalle lässt Eddie wieder auferstehen, jedoch in einer völlig anderen Welt - der Welt des Metals.

Schon in den ersten Spielminuten merkt man, dass man es hier mit einem ziemlich abgedrehten und humorvollen Szenario zu tun hat. Allein schon die Art, wie man die Frage der Zensureinstellung im Spiel wählen kann, ist absolut phantastisch. Da hält dann das Spiel mittendrin vor einer Aktion an und fragt, ob man lieber die Weichspülsprachfassung mit überpiepten Fäkalienjargon hören möchte, oder doch besser die richtige Hardcoreversion. Oder will man lieber eine blutleere Graphikpräsentation oder doch besser die viel realitätsnähere Splatterfassung, die dazu noch Hammer aussieht. Köstlich!

Gerade frisch im Metal-Land gelandet, wollen Eddie auch schon die ersten bösen Schergen an die Wäsche. Schnell die naheliegende Axt zur Hand und die ersten Horrormönche zu Brei verwandeln und ein paar von den sexy Kampfnonnen köpfen. Eddie hat aber zudem auch noch eine wirkliche Wunderwaffe zur Hand, seine Gitarre, die hier im Metal-Land todbringende Energieblitze und Feuersbrünste auf die Gegner niederprasseln lassen kann. Den Umgang mit Waffen, das Gegneraufschalten und eine paar Spezialmoves lernt man dann auch problemlos mittels ins Gamepaly intergiertem Tutorial, so dass Eddie schnell die wichtigsten Dinge lernt, um in der für ihn neuen Welt längerfristig überleben zu können. Eddies Gitarre hat aber noch eine weitere Besonderheit. Er kann an bestimmten Tafeln Solos lernen, die, sobald er sie nachspielt, bestimmte Aktionen ausführen. Angefangen mit dem Herbeirufen seines Teufels, der wohl geilste Karre im Universum. Er lässt auch nichts anbrennen und springt mit der gerade erst kennengelernten und bereits von ihm professionell angebaggerten Schönheit in die Ledersitze, um das Land des Metals vor einer fiesen Dämonensau zu befreien.

Die verfügbare Demo des Spiels eignet sich nicht besonders, um Brütal Legend aussagekräftig zu repräsentieren, denn sie zeigt einen relativ linear verlaufenden Spielablauf, der im Prinzip das Tutorial darstellt und gerade dann endet, wenn sich die Spielwelt öffnet. Brütal Legend spielt in einer offen angelegten Welt, die man zum größten Teil schon frei begehen und erkunden kann- ob zu Fuß oder im Auto. Schnell lernt Eddie in dieser Welt neue Freunde und Feinde kennen, denen er sich anschließt oder denen er die Rübe runterhaut. Auch wenn sich das Game jetzt vom Setting und den interessanten Figuren vielversprechend anhört, das eigentliche Gameplay kann diese Erwartungen nicht durchgehend halten, denn es beschränkt sich leider auf einige wenige Aktionen und Spielprinzipien.

Ein Spielelement ist das Erkunden der Welt. Das Erkunden und Erfüllen von Aufgaben erhöhen Eddies Feuerattribute und sein Ansehen bei den Metalgöttern und er kann dadurch sein Equipment und seine Fähigkeiten verbessern. Er kann z. B. in den Motorschmieden neue Saiten für seine Gitarre kaufen oder seinen Wagen verbessern. Dinge, die ihm bei seinen anstehenden Aufgaben das Leben erleichtern. Die Welt zu erkunden macht also nicht nur für Secretsuchfetischisten Sinn, sondern es wirkt sich auch durch die damit erzielbaren Verbesserungen spielrelevant aus. Da wären z. B. in Ketten gefesselte Drachenstatuen, die, sollte Eddie ausreichend viele befreit haben, seine Regenerationsfähigkeit und seine Lebensenergie steigern. Dann gibt es besondere Schreine, an denen er neue Gitarrensolos lernen kann. Damit kann er z. B. seine Truppen stärken, einen brennenden Zeppelin auf die Gegnerhorden stürzen, den Feinden die Gesichter wegschmelzen lassen, die Truppen zu sich rufen oder im Boden versunkene Metalrelikte bergen, um verborgene Metallschmieden oder Metal- und Rocksongs auszugraben. Die kann er dann in seinem Auto anhören, während er durch die Gegend heizt. Gegeizt haben die Entwickler von Brütal Legend mit Secrets nicht. Alleine 120 Drachenstatuen warten darauf gefunden zu werden. Ein kleines Mekka für Sammel- und Suchbegierige. Dadurch erhält das Spiel für Freunde solcher Aufgabenstellungen eine erhebliche Aufwertung.

Um der Hauptstory zu folgen, muss der Spieler bestimmte Quests erfüllen, die, wie auch Nebenaufgaben, bequem auf der Karte markiert werden können und deren Standort durch ein "Leuchtfeuer" schnell aufgefunden werden kann. Die Hauptaufgaben fallen jedoch nicht sonderlich üppig aus. So muss Eddie z. B. in der Höhle der Metall-Queen, einer Riesenspinne, neue Gitarrensaiten finden, die sie gesponnen hat oder die Headbanger in einer Mine von ihrem Los befreien, mit dem Schädel Metal abzubauen. Die Präsentation und die Ideen sind wirklich gut inszeniert- und vor allem lustig und passend in das Metal-Szenario integriert. Das Gameplay präsentiert sich jedoch immer ähnlich. Alle aufkommenden Gegner klein hauen, um bis ans Ziel zu gelangen. Nach abgeschlossenen Missionen erzielt Eddie zumeist auch weitere Optionen oder es gesellen sich neue Mitstreiter im Kampf gegen das Böse zu seiner Truppe. Nachdem Eddie die Headbanger befreit hat, kämpfen sie fortan im Metal-Land an seiner Seite. Lustig, wenn auch von mir im Spiel nur selten genutzt, da es wenig Vorteile bringt, sind die Teamaktionen. Man kann mit einer befreundeten Einheit ein Team bilden und dann den Gegner mit Spezialangriffen auf den Pelz rücken. Oder, nachdem Eddie das Solo "Ruf der Wildnis" erlernt hat, auf geeignetem Getier durch die Welt reiten. Spielerisch ist das aber im Prinzip zu umständlich, da man mit dem eigenen Wagen viel handlicher und schneller agieren kann. Zudem ist seine Bewaffnung meist den anderen Möglichkeiten überlegen und es macht spielerisch wenig Sinn, auf einem Tier durch die Gegend zu reiten, auch wenn es cool aussieht.

Der Kampf an sich ist leider wenig abwechslungsreich. Er beschränkt sich im Wesentlichen auf's Buttonsmashing und den Einsatz einiger Solos, um Truppen zu stärken, die mit Eddie kämpfen oder mal eben die Gesichter wegzuschmelzen. Die verfügbaren Kombos sind nicht wirklich der Hammer und so nutzt man hauptsächlich die Axt, einen Blitz-/Feuerangriff der Gitarre oder springt in den Teufel und überfährt die Gegner der Einfachheit halber, bzw. feuert ein paar zielsuchende Raketen auf sie ab. Um den Spielablauf etwas zu erweitern und nicht nur auf die Hauptmissionen zu beschränken, haben die Entwickler Sekundärmissionen zugefügt. Viele an der Zahl, aber leider nur in wenig Varianten, die sich im Prinzip immer auf die gleiche Art und Weise spielen. Eine Überfallaktion mit den Headbangern, in der man einfach nur die ankommenden Gegner umhaut, Rennmissionen, in denen man gegen einen Dämonen im Rennen gewinnen muss, eine Moorhuhn-ähnliche Aufgabe, in der Eddies Wagen auf eine Rampe gestellt wird und damit wie mit einer Kanone auf die Gegner ballert. Hinzu kommt noch eine Mörsermission, in der man mit dem Auto das Ziel markiert und ein Mörser dorthin feuert, um ankommende Gegner zu vernichten. Die letzte Variante sind Jagdmissionen, in der man jeweils eine bestimmte Anzahl einer Tierart erlegen muss. Das wär es dann auch schon. Im Prinzip spielen sich die einzelnen Missionen jeweils gleich, nur an unterschiedlichen Standorten. Zwei bis dreimal mit den Headbangern losziehen und Gegner vertrimmen, macht ja noch Spaß, aber ab dem zehnten Mal ist das nicht mehr so prickelnd. Das ist dann schon mehr als langweilig und sieht nach Spielstreckung aus. Hier hätte man sich mehr Abwechslung gewünscht. Es gibt zwar noch ein paar andere Sekundärmissionen, die nicht in diese Sparte fallen, aber die sind von der Zahl kaum erwähnenswert und sicher an einer Hand abzuzählen. Die einzige Ausnahme sind vielleicht noch die Rennmissionen, da hier zumindest die zu fahrende Strecke unterschiedlich ausfällt. Dafür ist die Fahrpyhsik etwas ungerecht. Gegner rempeln einen mit Leichtigkeit von der Bahn, dass man das Rennen im Prinzip neu anfangen muss, da ein Zurrückkehren auf die Strecke zuviel Zeit in Anspruch nimmt. Im Gegesatz dazu haben Rempler beim Gegner kaum Auswirkungen. Bei den Sekundärmissionen siegt insgesamt gesehen leider die Monotonie.

Wer aus der Demo den Bossfight genossen hat und auf mehr hofft, wird diesbezüglich leider enttäuscht, denn solche Fights gibt es mit Ausnahme der Metal-Queen nicht mehr in dieser Form. Ersetzt wird das durch die Bühnenschlachten, sehr zu meinem Bedauern, denn selbige waren für mich im Spielablauf die absoluten Spaßbremsen. Dabei fing alles noch recht vielversprechend an. Eddie zieht mit einem Bus auf Todes-Tournee. Als Begleitschutz fährt er hinter dem Bus her und ballert Angreifer nieder, während der Truck durch die Steppe holpert. Das alleine macht schon ziemlich viel Spaß, wenn ein Tourneebus durch diese Outer-Space Metal-Welt tuckert. Doch am Ziel erwartet den Spieler ein Echtzeitspielabschnitt. Die Ideen dahinter sind vielleicht noch ganz gut, aber die Realisation steuerungs- und KI-technisch dagegen weniger. In Spielareal gibt es zwei rivalisierende Showbühnen. Nur eine kann gewinnen. Als Resource dienen Fan-Geysire. Diese sind zu Beginn meist neutral. Durch ein Fansolo mittels Eddies Gitarre, kann dieser Geysir in einen Merchandise-Stand umgewandelt werden und die Fans strömen dann der jeweiligen Bühne zu. Dies bedeutet für Eddie, dass er Einheiten erstellen kann, um sie gegen die feindliche Bühne und Gegner zu schicken. Feindliche Merchandisestände können angegriffen und konvertiert werden, damit sie der eigenen Bühne Zuschauer bringen. Die Bühne kann später aufgewertet werden, um neue Einheiten zu produzieren. Das hört sich bisher nicht übel an, scheitert aber an vielen Punkten. Flöhe hüten ist einfacher als die Steuerung der einzelnen Einheiten. Eddie muss sich vor die Einheit stellen, um sie aktivieren und befehligen zu können. Das ist nicht immer einfach und oft wurschtelt man damit viel zu lange rum und vergeudet Zeit, die der Gegner nutzen kann. Später kann Eddie zwar fliegen und die Einheiten aus der Luft anwählen, viel besser wird es aber dadurch nicht. Einheiten über weitere Strecken zu befehligen, funktioniert auch nicht.Eddie muss unmittelbar in ihrer Nähe sein, was bedeutet, dass das Ziel nur mit dem Umweg mehrerer Wegpunkte zu erreichen ist. Es ist mehr als müßig, das auf dem Schlachtfeld umzusetzen, was man wirklich vorhat. Da Truppen zur Bewachung des Merchandisestands zu beordern und am anderen Ende mit dem Rest der Truppe vorzurücken. Letztendlich reduziert man den gewollt strategischen Plan auf ein Minimum, das noch hantierbar ist. Zumindest macht in dem RTS Teil die Teamaktion Sinn, denn so kann man, zwar unter Verlust der Kontrolle der übrigen Einheiten und der Übersicht, zumindest den geeigneten Trupp selbst zum Einsatzort steuern.

Die RTS-Kämpfe haben aber noch weitere ärgerliche Details. So scheint mir der Ablauf zu sehr geskriptet. In einem Fight, in dem man eine Brücke überqueren muss, greifen die Gegner erst verstärkt an, wenn man eine bestimmte Position auf der Brücke überschritten hat. Weis man das, kann man zuerst massiv Einheiten bilden und dann ohne Probleme "rushen". Wenn man diese Skriptpunkte zu früh überschreitet, bedeutet das zumeist den Untergang oder eine Spielsituation, in der man zwar seine Position halten, sie aber nie weiter ausbauen kann. In solchen Situationen kann man dann einen Level ewig weiterspeilen, ohne Land zu gewinnen oder zu verlieren. Dieses Symptom kann man fast für alle Bühnenschlachten beobachten und oft muss man einfach nur seine Bühne soweit hochleveln, um eine bestimmte Einheit produzieren zu können, die den Kampf problemlos für sich entscheiden kann. Es kommt dann leider nur darauf an, das herauszubekommen und reduziert die Strategie lediglich auf das Wissen, was wann wo zu machen ist. Strategisch fallen die Bühnenschlachten dadurch nicht gerade aus. Dadurch und durch die unzureichende Steuerung machen die Bühnenschlachten wenig Spaß und leider häufen sie sich gegen Ende des Spieles. Da für mich die RTS-Abschnitte in Brütal Legend mehr als zum Abgewöhnen ausgefallen sind, habe ich auch einen großen Bogen um den Mehrspielerpart, der lediglich auf Bühnenschlachten basiert, gemacht. Ich hätte schönen Bossfights, wie z. B. dem aus der Demo bekannten, gegenüber den RTS-Abschnitten ohne Frage den Vorzug gegeben.

Eine Option, die viele andere ähnlich aufgebaute Spiele ignorieren, wurde in Brütal Legend realisiert und man kann nach dem Beenden weiter die Welt erkunden und fehlende Bonusquest erfüllen und Secrets suchen.

Fazit

Vom neuen Tim Schafer Spiel habe ich nach dem genialen Psychonauts viel erwartet, vielleicht zu viel. Die Welt ist schön inszeniert, die Figuren klasse und der Humor passend, leider kann das generelle Gameplay dabei nicht mithalten. Die Spielprinzipen wiederholen sich zu sehr und besonders die Sekundärmissionen langweilen schnell, dazu bremsen leider die unzureichend umgesetzten RTS Einlagen das Spiel zu sehr aus. Die normalen Fights sind zu einfach gestrickt und die ganzen Optionen mit den Gitarrensolos werden dadurch oft zum Beiwerk degradiert. Sie sehen zwar cool aus, man braucht sie aber nicht zwingend. Klasse ist jedoch das Gefühl, mit der Karre unter Metalsoundbedröhnung durch die beeindruckend in Szene gesetzte Welt zu heizen, den wenigen, aber gut gemachten Hauptquests zu folgen und nach unzähligen Secrets und Boni zu suchen, aber das alleine reicht leider nicht aus, um Brütal Legend zu einem besonderen Spiel zu machen. Es leidet leider unter dem "Style over Substance" Syndrom. Es ist EA und Double Fine zwar hoch anzurechnen, dass sie ein Spiel jenseits marktforschungsrelevanter Spielinhalte produziert haben, was es auch insgesamt noch zu einem erfrischenden Spielerlebnis macht, reduziert man es aber auf das reine Gameplay, hat Brütal Legend jenseits dieses Charmebonus mit Defiziten zu kämpfen. Es hält leider nicht, was der Anfang verspricht und endet in zu vielen Gameplaywiederholungen und einem unausgegorenen RTS-Anteil. Spielt man Brütal Legend im "Schnelldurchlauf", fallen sicher einige der Kritikpunkte im Bereich Wiederholung nicht so sehr ins Gewicht, dafür hat man das Spiel dann aber in unter zehn Stunden beendet. Legt man Wert auf Komplettierung, benötigt man locker die doppelte Zeit. Die verfügbare Demo sollte aber keinesfalls dazu verleiten, auf's Gameplay der Vollversion zu schliessen, denn dazu ist sie wenig geeignet. Brütal Legend abschließend zu bewerten, fällt dann auch schwer, je nachdem, welche Schwerpunkte man setzt. Die Klasse und Abwechslung von Psychonauts erreicht es aber niemals. Insgesamt reicht es dann noch für eine 3+. Für Metal Fans ist es aber sicher eine Offenbarung.


Geschrieben am 26.11.2009, Testkonfiguration: Xbox360
 



12 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Gut (4.2 von 5 Punkten)
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