yiya.de / reviews
Walkthrus..
Interviews
Specials
Reviews von A-Z
A B C D E F G H I
J K L M N O P Q R
S T U V W X Y Z #

Bad Day L.A.
Baldurs Gate
Baldurs Gate 2
Baldurs Gate 2: TdB
Baldurs Gate: DA
Baldurs Gate: DA 2
Baldurs Gate: LdS
Ballance
Baphomets Fluch
Baphomets Fluch 4
Bards Tale, The
Batman Vengeance
Batman: Arkham Asylum
Battle Mages
Battle Mages: SoD
Battlefield 2
Battlefield 2: M. Comb.
Battlefield Vietnam
Battlestar Galactica
Beam Breakers
Besieger
Bet on Soldier
Beyond Divinity
Beyond Good & Evil
Bionic Commando
Bioshock
Bioshock 2
Black
Black & White 2
Black Buccaneer
Black Mirror
BlackSite
Blair Witch Vol.2
Blood Omen 2
Blue Dragon
Boiling Point
Bone Gold
Book of Unwritten Tales
Botanicula
Breath of Fire 4
Breath of Fire 5
Brigade E5
Brute Force
Brütal Legend
Buffy - Chaos Bleeds
Bugs B. auf Zeitreise
Böse Nachbarn 2
Book of Unwritten Tales  

Rückseite ]

Info
Autor 1
 1.5
 1.5
 2.5
Gesamt (23 votes) 1
 1
 1.5
 2.4
Team (3 votes, siehe hier)1
Name:Book of Unwritten Tales
Genre: Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2009/04
Publisher: HMH
Entwickler: King Art
Offiz. Sites: Game
Links: Benny Oschmann
Hardware: 1.5Ghz, 512MB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 5000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/Vista, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.01
Bemerkung: Unterstützt 4:3 und Breitbild bis 1920x1200
USK: 12
Book of Unwritten Tales (review von yak)

Meine PC-Computerspielkarriere habe ich, auch wenn ich mich hier mit diesem Genre sehr rar mache, mit Adventurespielen begonnen, von denen mir damals die Sierra Adventures am liebsten waren - außerdem gab es auch seiner Zeit wenig Alternativen. Kings Quest, Space Quest und die Quest for Glory Serie hatten es mir wirklich angetan. Ich hab heute noch Pixelgänsehaut, wenn ich daran denke, wenn die böse Hexe in Kings Quest 3 immer das Gebiet unsicher machte und man sich verstecken musste. Dann natürlich die LucasArts Adventures, Kyrandia, Discworld und Simon the Sorcerer. Doch danach entschlief langsam das Genre Adventure und hat bei mir auch nicht mehr das Interesse wecken können wie früher. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass man es bei den Rätseln oftmals übertrieben hat und eine Lösung oder eine Gegenstandskombination auf reinem Try & Error basierte und nichts mehr - ein etwas krankes Hirn obligatorisch vorausgesetzt - mit nachvollziehbaren Lösungsansätzen.

Das hat aber sicher nichts mit dem allgemeinen Adventuresterben zu tun gehabt, vielmehr war die technische Entwicklung auf den PCs soweit vorgeschritten, dass man wirklich greif- und erlebbare 3D Welten generieren konnte. Wer will dann schon in einer vorgerenderten Welt per Point & Click seine Abenteuer bestreiten?

Scheinbar wollten es immer noch einige Spieler, denn vor ein paar Jahren erlebte das "altbackende" Point & Click Adventure wieder eine Renaissance. Und eine finanziell zumindest für die Publisher lohnenswerte, denn auf einmal schossen wieder Adventures wie Pilze aus dem Boden, überraschenderweise mit einem recht hohen Qualitätsanspruch. Auch wenn die Adventure immer noch Nischenprodukte sind, hat sich die Gesamtzahl der Adventurewilligen im Vergleich zu den "Sierra-Zeiten" merklich erhöht und die Produktionskosten eines Adventures machen sicher nur einen Bruchteil eines modernen Egoshooter aus, dessen Enginelizensierung bestimmt schon höher liegen, als das Gesamtbudget eines durchschnittlichen Adventures.

Meine ursprüngliche Adventureliebe konnte trotz der wirklich guten Titel nicht wieder so recht in Fahrt kommen, Ankh war nett, Jack Keane auch, Tony Tough und Runaway waren nicht unbedingt meine Szenarien - mir fehlte da schon das gute, alte Fantasysetting.

Doch da bringt ein Entwickler, gerade als sich das Adventuregenre schon wieder auf dem absteigenden Ast befindet, ein Adventure heraus, das auf meinem Einkaufszettel viele Erledigthäckchen erhalten würde: Fantasywelt, Humor, Zauberer, Orks, Tempel, Verliese, verliebt detailreiche Graphik. Ok, das ist ein Versuch wert. Ob sich der Versuch gelohnt hat?

Technik

Um es kurz zu machen: Wunderschön! Schon von Beginn an merkt man dem Spiel an, wie viel Detailliebe die Entwickler hier haben einfließen lassen. Ein schnuckeliges "Hexenhäuschen" auf einer Lichtung, knorrige Bäume, eine Vogelscheuche in einem Kürbisfeld, ein alter Steinbrunnen in einer wunderbaren Farbkomposition. Hier muss man vor den Künstlern wirklich den Hut ziehen, die Hintergründe können den Backgroundplates der alten Disneysfilme wirklich Konkurrenz machen. Die Dorfstraße mit alle ihren kleinen Details ist so schön, dass sie aus "Pinocchio" stammen könnte. Aber Bilder sagen hier mehr als Worte, also einfach mal die Screenshots betrachten. Hier gibt es fast nichts zu beanstanden. Schade ist nur, dass bei einigen Hintergründen ein wenig Bewegung fehlt. Wiegen sich z. B. beim Wahrsager die Bäume im Wind, was die Atmosphäre enorm steigert, bleiben in der ansonsten so tollen Dorfstrasse kleine Fahnen und Wimpel starr wie ein Brett. Hier hätte man alle Hintergründe mit einer zumindest gleichwertigen Hintergrundanimation versorgen sollen. Erwähnenswert ist noch, das die Figuren wirklich tolle Schatten auf die Hintergründe werfen und sie somit wie einen wirklichen 3D Hintergrund erscheinen lassen.

Zu den Figuren: Auch hier muss man die Designer von King Art beglückwünschen. Sie haben eine Vielzahl von Figuren erschaffen, die so verschieden sind, wie man es sich nur vorstellen kann. Der pummelige Gnom Wilbur, mit seinem Watschelgang, sein knorriger Opa, der mit seiner Terminator-gleichen Beinprothese bei jedem Schritt ein metallisches Klack hinterlässt, Ivo, die Elfe oder das Vieh, das nur aus Fell, Augen und Armen zu bestehen scheint. Sicher ist auch jedem bewusst, dass Gevatter Tod flauschige Häschenhausschuhe trägt, oder? Meine Lieblinge aber sind die kleinen wuseligen Wichtel im Bergwerk, die alle auf ihrem Kopf eine brennende Kerze hatten und während der Arbeit lieblich ihren kleinen auf dem Stuhl platzierten Teddy liebkosten, dagegen aber auch genauso biestig sein können, wenn sie Held Nate aus dem Bergwerk befördern. Einmalig!

Neben der Detailtreue gibt es aber noch zwei wesentliche Unterschiede, die das Spiel von Genrekollegen abhebt. Das ist die Qualität der Animation und die Mimik. Die Figuren haben eine richtige situationsabhängige Mimik und reagieren auch in Dialogen entsprechend. Gerne verdrehen sie dann schon mal die Augen, wenn das Gegenüber Stuss redet oder das Vieh, das in einer nicht verständlichen Sprache redet, dies mit Gestik unterstreicht. Betrachtet man während der Vieh-Steuerung beispielsweise ein Foltergerät, hört man nur ein merkwürdiges Murks-Geräusch und eine Kehledurchschneid-Gestik. Klasse! Hinzu haben alle ihre individuelle Animation. Wilbur watschelt eher, Ivo die Elfin hat einen sexy Gang, Nate, der Draufgänger lässt beim Laufen den coolen Matcho raushängen, Opa Gnom hinkt durch seine Prothese behindert und das Vieh schwabbert umher. Das verleiht dem Spiel eine Unmenge an Charme und Atmosphäre.

Das beschränkt sich auch nicht nur auf die gerade agierenden Figuren, sondern spielt auch in Hintergrund eine Rolle, wenn z. B. der Zauberer und der Händler am Rollenspielautomat werkeln oder Nate den Orkhäuptling unter den Tisch trinken will und sie sich dabei gegenseitig verscheißern.

Es wäre schade, wenn der Sound der graphischen Präsentation hinterher hängen würde, doch das tut er keinesfalls und ist von gleich hohem Niveau. Erstklassige Geräusche tragen viel zur Atmosphäre bei, ob es auf der Lichtung Vogelgezwitscher ist oder das Knistern eines Kaminfeuers.

Absolut gelungen ist auch die Sprachausgabe und hier muss ich einmal eine Lanze brechen für die deutschen Synchronsprecher. Klar ist es auf der Verpackung werbewirksamer, wenn man die US-Schaupieler nennt, denen die deutschen Sprecher ihre Stimme leihen, aber ein wenig idiotisch ist das schon. Daher sollen sie jetzt auch beim Namen genannt werden. Marion von Stengel, die die Elfin Ivo mit viel Sex Appeal spricht, Regina Lemnitz, die die Orkkriegerin und den Drachen übernimmt, nicht "nur" Whoophie Golderberg, Kathy Bates, "Roseanne" synchronisiert, sondern auch noch hervorragend singen kann. Thomas Danneberg, der nicht nur Arnie, Travolta oder Sly seine Stimme leiht, sondern auch dem Orkhäuptling den entsprechenden Ton verleiht und Santiago Ziesmer der dem wieseligen Krämer seine unverwechselbare Stimme gibt. Dabei sind auch noch Oliver Rohrbeck, Wolfgang Völz, Dietmar Wunder, Detlef Bierstedt, Stefan Krause, Michael Iwannek, Bodo Wolf, Tilo Schmitz, Bernd Vollbrecht, Udo Schenk, Uli Krohm, Peter Gröger und einer der Spieleproduzenten/Entwickler Jan Theysen.

Bei all den Talenten ist klar, dass die Sprachausgabe höchstes Niveau hat und die Menge an Text ist zudem gewaltig, denn selten bekommt man ein "Kann ich nicht/Will ich nicht" zu hören. Hier hat fast jeder Topf seinen zumeist auch sehr lustigen, passenden Deckel. Es gibt zwar ein paar Fehler, die aber nicht weiter tragisch sind. So hat einer der Sprecher statt "Teil", mal "Tal" gesagt, aber das reduziert sich auf 3-4 "Aussetzer". Anzumerken sei jedoch, dass die Untertiteltexte nicht 1 zu 1 dem Gesprochenen entsprechen, sinngemäß aber keinen Unterschied machen.

Andere Reviews berichten, dass die Intonierung nicht immer der Situation entsprechen würde und dem muss ich absolut widersprechen. Selten hat eine Sprachausgabe so gut zu den jeweiligen Situationen gepasst, wie hier. Aber dabei muss man sich nicht wundern, handelt es sich doch um Publikationen, die einen aktuellen Shooter im Preview noch als "Geheimtipp" ankündigten, um ihm dann in der finalen Note eine 49% zu verpassen :-)

Zur Musik brauch nicht mehr viel gesagt werden, denn das haben wir in unserem Musikspecial zum Game ausführlich getan. Komponist Benny Oschmann hat einen richtig feinen Orchestersoundtrack komponiert. Demobeispiele dazu gibt es in unserem Special zu hören.

Das Spiel lieft problemlos, Bugs sind mir nicht aufgefallen (außer dem Hinweis im Ladescreen, dass jetzt gerade welche versteckt werden ;) ). Neben manuellem Speichern legt das Spiel pro Kapitelabschnitt zusätzlich ein Autosave an.

Gameplay

In Aventasia herrscht Krieg! Die Allianz der freien Völker gegen die finstere Schattenarmee. Der greise Gremlin MacGuffin hat jedoch den geheimen Aufbewahrungsort des legendären Artefaktes gefunden, mit dessen Hilfe der Krieg beendet werden könnte.

Könnte, wenn MacGuffin nicht entführt worden wäre. Zeit für Heldentum, wenn auch ungewollt, denn die vier Heldenanwärter geraten mehr oder weniger unfreiwillig in die Schlacht Gut gegen Böse. Der Gnom Wilbur, der - der Tradition seiner Familie entgegen- lieber Magier, als Techniker wäre, Ivo, die Elfin, die MacMuffin gerade noch befreien konnte und so Teil der Geschichte wird, sowie Nate und sein merkwürdiges Vieh, die eigentlich nur dabei sind, weil sie ein Fluggerät besitzen, mit dem Ivo und Wilbur das Artefakt suchen können. Auf der Gegenseite steht der Magier Munkus und dessen dominante Erzhexen-Mutter Mortroga. Dass sie natürlich ebenso scharf auf das mächtige Artefakt sind, ist nachvollziehbar und logisch, ansonsten hätten unsere Helden es ja auch zu einfach.

Und damit sie es auch sonst nicht zu einfach haben, gab es die Entwickler von King Art, die dem Team jede Menge Rätsel, Aufgaben und abgedrehte Figuren in den Weg stellten. Der Spaß kann also beginnen.

The Book of Unwritten Tale wurde als klassisches Point & Click Adventure umgesetzt, bei dem man im Vergleich zu den Adventureurvätern jedoch nicht sterben kann, sehr zum Leidwesen von Gevatter Tod, der dies auch mehrfach im Spiel wehleidig zu Gehör bringt. Wie in einem Point & Click Adventure üblich wird von den Spielfiguren verlangt, Lösungen für bestimmte Aufgaben zu finden. Dazu können sie Dialoge mit anderen Figuren führen, Gegenstände finden, aufnehmen, kombinieren und einsetzen. Ein automatischer Roboter soll z. B. auf Rattenjagd gehen, benötigt aber ein paar Zutaten: Genmaterial des zu jagenden Objektes und etwas Küchenabfall, um die Maschine anzutreiben, Back to the Future lässt grüssen! Gesagt getan und klein Wilbur macht sich auf die Suche. Viel mehr soll aber aus Spoilergründen nicht zu den Rätseln gesagt werden.

Den Entwicklern ist es aber im Gegensatz zu manchen anderen Adventures gelungen, die Rätsel stets nachvollziehbar und im Rahmen eines etwas "kranken Hirnes" und Phantasie - Grundausstattung eines jeden Adventurespielers - zu gestalten, ohne dass man nach jedem dritten Schritt überlegt, sich doch einen Walkthru zur Hilfe nehmen zu müssen. Dennoch belieben sie ausreichend lustig und abgedreht. Pro-Adventure-Spieler werden jetzt sicher meckern, dass es zu leicht wäre. Hier muss man aber widersprechen, denn wenn es zu leicht wäre, wäre damit auch Langeweile durch Unterforderung die logische Konsequenz. Das ist aber sicher nicht der Fall, denn Book of Unwritten Tales unterhält während der großzügigen 15-18 Stunden Spielzeit außerordentlich. Das liegt nicht nur an den guten Rätseln, sondern auch an der liebevollen Storygestaltung, die während der gesamten Spielzeit ein gleich hohes Niveau halten kann.

Gute und stimmige Dialoge, massig Spiel- und Filmzitate bringen den Spieler durchweg zum Schmunzeln. So erklingt z. B. die Duschsequenzmusik aus Psycho, als Wilbur dem Zwergenwirt ein paar Barthaare abschneiden will, ein absolut göttliche Sequenz gibt es in der Stadt, WoW Spieler werden sie hassen ;), während der Zauberer und der Krämer WoB (World of Bürokratie) an einer Maschine spielen, und sie sich schon tierisch darauf freuen, bald ihren Lohnsteuerjahresausgleich machen zu dürfen oder ihnen eine Politesse gleich ein Knöllchen verpasst und sie angeblich ein neuer Questgeber ist. Von den Meckereien während eines Serverausfalls und den Vorsätzen, endlich mit WoB aufzuhören, ganz zu schweigen. Oder die Dialogszene mit Wilbur und seinem Opa, der eine "leicht" militaristische Vorgeschichte besitzt. Da plaudert klein Wilbur erst ganz freundlich mit dem lieben Opi und plötzlich brüllt der ihn völlig überraschend mit "Nenn mir Colonel !!!". Ich hab fast auf dem Boden gelegen. Klasse! Das ist Comedy pur und alleine schon deswegen lohnt sich der Kauf des Spiels.

RPGler lernen ebenfalls dazu, wenn der pinkfarben gekleidete Paladin mehr oder weniger zugibt, eigentlich nicht richtig Kämpfen und auch nicht richtig Heilen zu können. Filmzitate z.B. aus Frankenstein, Star Wars und Mission Impossible wurden so fließend und lustig eingebaut, dass das Spiel schon für Filmfreunde eine wahre Wonne ist. Auch gelegentliche Scheibenwelt-Zitate stehen auf dem Programm.

Hinzu kommt im späteren Spielverlauf auch noch die Option, dass man parallel mit mehreren Figuren spielen kann und ihre jeweiligen Eigenschaften nutzen muss, um sich so z.B. den Weg durch einen Tempel zu bahnen. Kleinere Minispiele lockern zudem das Spielgeschehen auf, wenn der Haudegen Nate beispielsweise einen Regentanz aufführen muss.

Den Entwicklern ist es zudem gut gelungen, den Spieler immer wieder zu überraschen. Wenn man eine ganze Zeit an der Vorbereitung zur Lösung eines Rätsels gearbeitet hat und man ungefähr denkt, was als Reaktion folgen wird, kann man getrost davon ausgehen, das etwas völlig Unerwartetes und abgedrehtes passiert, dann aber dennoch den Zweck erfüllt. Hier merkt man, wie viel Phantasie die Entwickler hatten. Besonders auf Kleinigkeiten wurde geachtet, die das ganze Spiel zu einer Einheit werden lassen. So finden sie immer wieder Ideen oder Figuren aus einem vorherigen Kapitel wieder, die plötzlich Thema in einem aktuellen Rätsel sind. Der kleine Wilbur soll z. B. den Stadtratten in der Kanalisation helfen, Nahrung zu finden und muss jetzt von der Oberratte erfahren, dass er mittlerweile noch ein Maul mehr zu füttern hat: das seines Großonkels, der kürzlich aus dem Gnomenland von einer merkwürdigen Maschine vertrieben wurde. Der "Unschuldsblick" von Wilbur ist Gold wert!

An solchen kleinen Details merkt man, wie "rund" das Game designed wurde. Weitere Indizien dafür sind, dass die Dialoge zwar ausführlich sind, sich aber niemals in Geplapper verlieren und man nie den Wunsch verspürt, sie wegzudrücken, Laufwege sind kurz gehalten und man kann auch per Karte Orte direkt anwählen. Es gibt kein überflüssiges oder nutzloses Inventar, anschaltbare Hotspots zeigen Gegenstände oder manipulierbare Dinge, bei Gesprächen zoomt die Kamera auf die Figuren, um ihre Mimik und Gestik in den Vordergrund zu heben. Im Prinzip haben die Entwickler an alles Gedacht, um das Spiel gut spielbar und einsteigerfreundlich zu gestalten. Das Spiel hat sozusagen absolut kein "Fett", dass man abschneiden müsste, denn dazu haben es die Entwickler vorsorglich gar nicht kommen lassen. Das kann man heutzutage nur von den wenigsten Spielen behaupten.

Im Prinzip habe ich fast nichts zu beanstanden. Gewünscht hätte ich mir jedoch die Funktion, dass man einmal angeklickte Anweisungen unterbrechen kann (Mein Vieh versteckte sich immer in der Vase, statt zum direkt daneben liegenden Ausgang zu hoppeln). Etwas abrupt war auch der Flug auf die Insel, hier scheint es, als ob eine Zwischensequenz fehlen würde, denn man erfährt nichts, was vom geplanten Abflug bis zur Landung mit Maschinenschaden auf der Insel passierte. Unverständlich ist auch die schlechte und von Mpeg-Blöcken durchzogene Qualität der Rendersequenzen. Hier hätte man besseres erwarten dürfen. Das ist aber im Hinblick auf die ansonsten großartige Produktionsqualität durchaus verschmerzbar. Den Nachspann sollte man aber dennoch komplett zu Ende anschauen, der Gag lohnt sich allemal.

Fazit

Ein Point & Click Adventure, das mich wieder zu meiner alten Spielgenrevorliebe zurückgebracht hat und mich gleich Scumm und die alten LucasArts Games entstauben lies. The Book of Unwritten Tale ist ein wunderschönes Spiel geworden, das graphisch beeindruckend, mit toller Musik, erstklassiger Sprachausgabe und vor allem mit viel Humor daherkommt. Die Designer haben hier ein wirklich einsteigerfreundliches und in allen Belangen rundes Adventure produziert, das sicher auch Genreprofis begeistern wird. Die Rätsel sind nachvollziehbar, das Spiel sprüht vor Witz und Zitaten und macht einfach Spaß. Wenn man ein 15-18 Stunden Spiel in 5 Spielsessions beendet hat, spricht dies sicher für das Game. Zudem haben die Entwickler eine außerordentliche Gradwanderung vorzüglich gemeistert, indem sie einen allgemeingültigen Humor umsetzten konnten, was äußerst selten gelingt. Die einen lachen, weil sie ein Filmzitat erkennen konnten und die anderen lachen, weil es auch ohne das Vorwissen lustig ist. Großartig und daher eine volle Empfehlung für "The Book of Unwritten Tales", das damit die Note 1 erhält und das Zeug zum Klassiker hat. Genreanhänger werden es lieben und Spieler, die dem Adventure vorher nichts abgewinnen konnten, werden nach dem Spielen von "Unwritten Tales" sicher umdenken müssen.


Geschrieben am 08.04.2009, Testkonfiguration: Intel Dual Core 3,17GHz, ATI4870HD, 3GB RAM, Creative X-Fi
 



44 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Sehr gut (4.9 von 5 Punkten)
Ihre Bewertung dieses Artikels:
Bitte hier nur auf den Artikel selbst eingehen (nicht auf das Thema oder ggf. die Autorenwertung). Anmerkungen zu Thema/Artikel oder eine Ansprache des Autors sind im Besprechungs-Board unseres Forums möglich.

Druckversion | Seitenanfang © Copyright bei yak, Nutzungsrechte bei yiya.de / walkthru.de