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Blood Omen 2  


Info
Autor 3+
 2
 1
 1.5
Gesamt (99 votes) 2+
 1.8
 1.5
 2.1
Name:Blood Omen 2 - The Legacy of Kain
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2002/05
Publisher: Eidos
Entwickler: Crystal Dynamics
Offiz. Sites: Game
Links: Nosgothclan.de
Hardware: 450Mhz, 128MB RAM, 16MB 3D-Karte D3D, HD 1800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad
FFeedback: nein
Sprache: Deutsch
zensiert: nein
Serie: ja
Bemerkung: auch für Xbox, Gamecube und PS2 erhältlich
USK: 16
Blood Omen 2 - The Legacy of Kain (review von yak)

Meine Armeen sind geschlagen. Mein Schloss liegt in Trümmern. Meine Feinde haben mir alles genommen, meinen Reichtum und meine Macht. Doch sie konnten mich nicht töten. Immer noch wandle ich auf Erden- schwach, aber am Leben. Sie haben mir alles genommen, bis auf das Pochen meines untoten Herzens. Nun werde ich sie lehren, mich zu achten. Ich werde diese wimmernden Feiglinge, die mich vernichten wollten, zerquetschen. Meine Macht wird zurückkehren. Im Dunkel der Nacht werde ich über sie kommen. Und ich werde nicht in friedlicher Absicht kommen...

... hört sich nicht gerade nach ner Selbsthilfegruppe an, die alles bei 'nem Kännchen Fencheltee ausdiskutieren will, oder?

Wir befinden uns im Reich Nosgoth, dem Land der Vampire. Kain, einst ein dunkler machtvoller Fürst der Finsternis erwacht nach Jahrhunderte langem Schlaf, nachdem er von dem Vampirhasser Lord Sarafan, mit dem er um Vorherrschaft von Nosgoth kämpfte, im Zweikampf besiegt wurde. In diesem Kampf entriss Lord Sarafan Kain die mächtigste Waffe, dem gefürchteten Soul Reaver und stiess ihn in den Abgrund. Doch Kain wurde nicht vernichtet, sondern von einem geheimen Vampirorden, den Cabal, gerettet und sein Körper wurde nach 200 Jahre wiederbelebt. Kain wacht in Meridian, der Hauptstadt von Nosgoth, auf und muss feststellen, dass sich das Land geändert hat. Die Sarafane hatten die Macht an sich gerissen und kontrollierten das Land. Doch das sollte sich dank der Wiedergeburt von Kain schnell ändern...

Nun liefert uns Crystal Dynamics und Eidos mit Blood Omen 2 eine Fortsetzung, die lange Zeit nach den Ereignissen des ersten Teils und weit vor denen aus Soul Reaver spielt. Orientierte sich Teil 1 noch eher an einem isometrischen Actionrollenspiel Marke "Zelda", geht es nun eher in die Richtung Action Beat-em-Up mit Spezial-Moves in Form von Dunklen Mächten. Doch dazu später mehr.

Zur Technik: Realisiert wurde das Spiel mit der aus Soul Reaver 2 bewährten und erprobten Spieleengine, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. Auflösungen von 400 x 300 bis 1600 x 1200 werden in 16 und 32 Bit mit zuschaltbarem Anti-Aliasing unterstützt. Selbst in der niedrigsten Auflösung macht das Spiel noch eine gute Figur. Die Szenarien sind stimmungsvoll und phantasiereich umgesetzt worden. Alte Städte, Hafenviertel, unterirdische Katakomben, Schlösser, Gebirgspassagen und Industrieviertel sorgen für genügend Abwechslung. Die Graphik ist detailliert und die Texturen beeindruckend. Auch für Detailverliebtheit ist gesorgt, so findet man Spinnweben, vom Wind herumwirbelnde Zeitungen, Ratten, die durch die Strassen huschen oder dichter Bodennebel, der die ohnehin schon schaurige Atmosphäre noch gruseliger werden lässt. Hier haben die Graphiker ihre Arbeit wie schon in Soul Reaver 2 gut gemacht, wenn sie auch vom Stil eher in Richtung "Realität" geht und nicht ganz so mystisch und sphärenhaft wirkt, wie in den Geschichten um Raziel. Auch Spezialeffekte stellt die Engine zufriedenstellend dar, wenn Kain die nächste Evolutionsstufe erreicht, die Feinde mit der Feuerkraft der Opferung attackiert, die Feinde im Slow-Mo-Matrix Look nach der Berserker Attacke zu boden fallen, Wasserfälle für diesige Gischt sorgen oder Scheinwerferlicht auf der Suche nach unserem Vampirfürst durch die Dunkelheit schneidet Die Figuren sind ebenso gelungen in Design und Animation umgesetzt, wenn sie auch zum indirekten Vorgänger Soul Reaver 2 nicht ganz so detailliert erscheinen, was Gesichtszüge, Animationen und auch die Detailverliebtheit der Texturen betrifft, besonders wenn man die mit der Spieleengine erstellten Zwischensequenzen betrachtet. Hier hat Soul Reaver 2 die Nase vorn. Die Animation der Figuren ist gut gelöst. Kain selbst, der eigentliche Bösewicht, den wir spielen, erinnert teilweise, auch was sein Aussehen angeht, stark an Murnaus Nosferatu. Wenn Kain z. B. im Nebel gehüllt an seine Feinde heranschleicht, spreizt der die Krallen der rechten Hand nach hinten weisend von seinem Körper. ähnlich dem alten Filmvampir. Hier scheinen die Designer sich wirklich an der Darstellung von Max Schreck orientiert zu haben, was auch der eigenartige Gang bestätigt. Ach ja, und irgendwie erinnert mich das Antlitz von Kain an Donald Sutherland in jungen Jahren :-). Die Animationen im Kampf sind überzeugend, wenn Kain die Waffen sprechen lässt, ausweicht, die Feindattacken mit seinen Armen abwehrt oder marode Waffen unter Feindbeschuss zerbrechen. Warum Vampire (=Untote) atmen, was sie ja eigentlich nicht müssen, jedoch durch die Bewegung des Brustkorbs eindeutig darauf schliessen lässt, bleibt wohl ein Geheimnis der Designer ;).

Der Sound ist ebenfalls von guter Qualität. Realistische Umgebungsgeräusche verstärken die Atmosphäre. Von Waffenklirren, Hilfeschreien, rauschendem Wasser und knarrenden Maschinen bekommt man die ganze Palette geboten. Die Musik ist eher unauffällig, passt jedoch immer zum Geschehen, wenn sie auch kein musikalisches Thema verfolgt. Bei Kampfeinlagen passt sie sich der Spielsituation entsprechend an. Der Sound dröhnt zwar aus 4 Boxensystemen, eine 100%ige Ortung ist jedoch nicht gewährleistet. Die Sprachausgabe ist durchweg mit Profis eingesprochen. So leiht die deutsche Synchronstimme von Nicholas Cage Kain seine Stimme und der "deutsche" Jack Nicholson darf Vorador intonieren, was auch gut passt. Die Stimme von Kain hätte ich mir jedoch etwas ausdrucksstärker gewünscht, da ich die deutsche Synchronstimme von Nicholas Cage nicht ganz dem original entsprechend passend finde und sie auch macnhmal etwas unbeteiligt wirkt (die deutsche Stimme ist zuviel schlechtes Schauspielern von Cage gewohnt ;)). So ist es dem Sprecher teilweise nicht möglich, in Dialogen zum Ausdruck zu bringen, dass einige der Sätze "off-screen" als Kains Gedanken gesprochen werden sollten. Das verwundert dann sehr, wenn er in einem "Rutsch" weiterspricht, unser Bildschirm Alter Ego aber die Lippen geschlossen hält, weil er sich einfach nur "seinen Teil laut denkt". Ansonsten passen die Stimmen aber hervorragend. Was mich nur gestört hat ist, dass einige der Feinde auch vom deutschen Jack Nicholson gesprochen wurden, was etwas verwirrt, da Vorador oft zu Kain im "Off Screen" spricht und die Synchronstimme einfach zu prägnant ist, als dass man ihr gehörtechnisch zweierlei Charaktere gestatten könnte. Der "Jack-Faktor" wird sofort erkannt. Toll sind jedoch die Dialoge der NPC, die in Kneipen oder auf den Strassen der Stadt stehen und sich längere Dialoge liefern. So z. B. das Menschen spurlos verschwunden sind und man schon mehrere Leichen gefunden hat, dass das Obst am Markt teuerer ist, als letzte Woche usw. Das verschafft dem Spiel mehr Leben (untotes?) und Glaubwürdigkeit.

Gesteuert werden kann Blood Omen 2 wie auch schon Soul Reaver 2 mittels Tastatur, Joystick, Gamepad oder aber auch per Maus, wobei ich weiterhin die Steuerung über ein analoges Gamepad empfehle. Kain wird diesmal nicht wie Soul Reaver 2 gesteuert, sondern eher in Richtung Tomb Raider, was bedeutet, links/ rechts bedeutet drehen und nicht wie mit Raziel, in die vorgegebene Richtung laufen. Dies ist zuerst, gerade wenn man die Vorgänger gewohnt ist, etwas gewöhnungsbedürftig. Hat man sich jedoch erst daran gewöhnt, macht es keine Probleme mehr, einzig das Leitern erwischen ist noch etwas fummelig. Leider hat man auch wieder darauf verzichtet, den PC'lern eine Force Feedback-Unterstützung zu bieten. Etwas, dass bei Konsolenspielen üblich ist, scheint immer Opfer der Konvertierung zu bleiben.

Insgesamt ist Blood Omen 2 aber von technischer Seite nichts vorzuwerfen.

Kommen wir nun zum Gameplay. Anders als im Vorgänger bietet uns Crystal Dynamics eher ein auf Action-Only getrimmtes Game. So durchstreifen wir mit unserem Alter Ego auf gänzlich linearem Weg die Welt der Vampire, lediglich von einigen kleineren Schalterrätseln und Kistenschiebetricks aufgelockert, geht es in der der Hauptsache ums blanke Überleben, soweit man das bei einem Untoten überhaupt sagen kann.

Wir starten mit unserem Kain in der Standardversion, in der er lediglich über eine Dunkle Gabe verfügt, da er während des 200 Jahre andauernden Dornröschenschlafes so gut wie alles verlernt hat. Durch das Bezwingen von Levelbossen kann er jedoch seine Gaben auffrischen. Zuerst muss er jedoch damit auskommen, sich im Nebel vor seinen Feinden unsichtbar machen zu können. Diese Option erlaubt es ihm, wenn er vorsichtig genug damit umgeht, sich ungesehen an seine Gegner heranzuschleichen und mit einer einzigen Attacke das Leben zu rauben, was gerade bei schweren Gegnern zu empfehlen ist, die ihm ansonsten mittels ein paar Angriffen in den Vampirhimmel schicken könnten.

Als Standardkost oder für nichtneblige Gefilde vertraut Kain auf seine Vampirkräfte. So kann er mit seinen Klauen nach den Feinden schlagen, ausweichen, Schläge abwehren oder zum ultimative Darth-Vader-Würgegriff greifen, um seinen Feinden den Lebenssaft zu rauben. Findet Kain eine Waffe, so kann er auch diese für seine Kämpfe einsetzen, jedoch nutzen diese auch ab und können im Kampf zerbrechen. Wird Kain vom Gegner erwischt, so kostet ihn das sein Lebenselixier, dass es danach dann aufzufrischen gilt. Ist der Gegner einmal besiegt, kann Kain ihm das Blut aussaugen (geht auch komischerweise bei Skeletten, nur fragt man sich, wo die das vorher versteckt hatten ;-)) und sich so regenerieren. Für das Besiegen von Feinden und auch das Finden von bestimmten Schreinen erhält Kain nach dem Erreichen eines bestimmten Levels ein Upgrade seines Healthstatus, womit er mehr "Blutkonserven" speichern kann, was auch im späteren Verlauf dringend notwendig ist. Sollte sein Blutlevel mal zu extrem sinken, so kann er sich auch an Passanten laben, die er aber zuerst auf eine andere "Bewusstseinsebene" bringen muss, um den Snack geniessen zu können.

Das Spielprinzip bekommt man aber innerhalb der ersten Mission von der Vampirin Umah im Tutorial beigebracht, so dass ein Blick ins Handbuch eigentlich überflüssig wird. So kämpft sich Kain durch die unterschiedlichen Level um sein Missionsziel zu erreichen, was zumeist darin endet, einen Levelboss zu inhumieren und von seiner Dunkeln Gabe zu "befreien", die man dann, damit sie nicht nutzlos herumliegt, gleich für sich in Anspruch nimmt. So lernt Kain u. a. den Vampirsprung, der es ihm ermöglicht, vorher unerreichbare Gegenden per Supersprung zu erreichen oder auch einen Gegner aus der Ferne damit zu attackieren. Die Dunklen Gaben sind damit ein wichtiger Teil der Puzzles im Spiel, da es meist darum geht, den Level irgendwie zu "durchwandern". So muss Kain z. B. mittels Bann in den Körper anderer Personen schlüpfen, um so unerreichbare Schalter zu betätigen, die ihm Tür und Tor öffnen, oder aber auch die Kraft der Telekinese, mit der er bestimmte Schalter aktivieren kann. Es gibt jedoch auch Gaben, die ihm zu einer speziellen Kampftechnik ermächtigen, so kann Kain z. B. nachdem sein "Agressivo-Meter" durch Feindattacken den Rahmen sprengt, eine Berserkerattacke ausführen, mit der er eine furiose Kampfattacke ausführt oder später auch die Opferung, die den Gegner in eine heisse Apfeltasche verwandelt. Diese Techniken und Gaben sind auch für die Puzzle zwingend notwendig, wenn man im Spiel bestehen will. Besonders das Anschleichen im Nebel machte viel Spass und mit den zunehmend stärker und schlauer werdenden Gegnern kam es auch öfters mal vor, dass der Trick durchschaut und man angegriffen wurde.

Aber auch als Möbelpacker muss sich unser Kain beweisen, denn ganz im Stile des Gameklassikers Sokoban war es oft nötig, bestimmte Kisten an den richtigen Ort zu verschieben oder auch Maschinen wie Krananlagen zu bedienen, ganz nach dem Motto "Wir machen den Weg frei". Leider wiederholten sich aber die Rätsel und die entsprechenden Lösungsansätze zu schnell und liessen zu wenig Handlungsspielraum, was bedeutet, einmal das Problem erkannt, gibt es nur noch kleine Variationen davon, die aber wenig Hirnschmalz abverlangen. Einziges "Puzzleupgrade" war die später auftretende zeitabhängige Komponente der Schalterrätsel, ansonsten blieb nicht viel übrig für Knoblernaturen. Da war das Puzzlekaliber von Soul Reaver 1 & 2 wesentlich durchdachter und anspruchsvoller, was aber sicher auch daran lag, dass man innerhalb zwei verschiedener Dimensionen spielen musste.

Sehr schön aber waren die Endbosse, die nicht einfach mit der Hau-Ruck Methode erledigt werden konnten. Hier musste man das Umfeld zumeist genau inspizieren, um damit den Gegner in eine Falle zu locken, ähnlich, wie es auch in Soul Reaver 1 der Fall war. So musste man z. B. einen Endgegner mittels Telekinese ins Wasser schubsen und dann später noch selbst als Köder vor einer Statue herumlaufen, damit dieser sie beim Angriff zerstört. Das ist gelungen umgesetzt und auch eine guteHerausforderung. Solche "Puzzles" hätte ich mir im eigentlichen Levelablauf mehr gewünscht. Die eigentliche Gamestory, etwas was die gesamte Soul Reaver Serie auszeichnet und auch massgebend für die Spielatmosphäre ist, kommt bei Blood Omen 2 nicht ganz so gut rüber. Zumindest der Anfang kommt nicht so recht in Gang, wird aber in der zweiten Spielhälfte wesentlich besser und spannender, wobei hier aber dazu nichts verraten werden soll, man soll ja schliesslich noch seinen Spass haben :).Jedoch gibt es auch einige Unstimmigkeiten zur Vorgänger-Story (Stichwort: Vorador).

Zu den Kritikpunkten: Da Soul Reaver eines meiner Lieblingsspiele ist, war natürlich auch die Erwartungshaltung zu Blood Omen 2 ziemlich gross und meine Kritik kann daher etwas "überkritisch" erscheinen. Bereits etwas durch den zu linearen Verlauf von Soul Reaver 2 getrübt, muss ich feststellen, dass in punkto Linearität noch eine Steigerung möglich war. In Blood Omen 2 gibt es nur einen Weg, kein vor und zurück, wenn es die Programmierer nicht gewollt haben. So fällt oft hinter einem die Tür ins Schloss, ohne dass man noch mal zurück kann, um nach Secrets (in Form von den Energieschreinen) zu suchen. Somit fühlt man sich, obwohl die Level gross angelegt sind, in seiner Spielwelt eingeschränkt. Dies wird noch verstärkt durch einige Leveldesigns. Es war teilweise nicht möglich, auf kleine Vordächer, bestimmte Häuser oder Zäune zu springen, die man eigentlich erreichen konnte. So blieb unser armer Kain aussen vor, so, als ob er gegen eine Glasscheibe springt, was den Eindruck einer interaktiven Spielewelt doch sehr einschränkt. Das hätte man eindeutig anders lösen können/müssen.

Das Hauptaugenmerk des Games liegt eindeutig im Nahkampf und ist somit in Konkurrenz mit den üblichen Beat-em-ups. Dafür bietet Kain aber eigentlich zu wenig Variationen. So würde ich mir zumindest etwas mehr Spezialattacken (von denen einige seiner Gegner mehr drauf hatten, als er) wünschen oder zumindest auch andere Defensivmethoden wie dem Ducken. Dazu kam auch, dass die Gegner KI einiges an Wünschen offen lässt. Die Wegverfolgungsroutine ist zwar sehr gelungen, stand man jedoch hinter einem kleinen Zaun oder auch auf einer kleinen Steinerhöhung, war es den Gegnern nicht möglich, Kain zu folgen. Auch lief ihre Angriffsstrategie immer nach dem gleichen Muster ab, so dass man, einmal darauf eingestellt, selten Schaden nahm. Damit wurde der Kampf im weiteren Spielverlauf doch etwas eintönig, da arm an Variationen. Lediglich wenn ein neuer Gegnertyp auftrat, musste man sein Kampfverhalten neu "justieren". Der Vorteil darin ist jedoch, dass das Spiel somit auch für Genreneulinge den Spieleinstieg erleichtert. Leider steht nur ein Schwierigkeitsgrad zur Verfügung und Profis werden es leicht haben.

Etwas im Kontrast dazu stehen jedoch die Endbosse. So war der Levelboss Sebastian viel zu schwer (oder ich zu dumm?). In Kombination mit der immer etwas ungünstigen Kameraperspektive war dieser Levelboss der absolute Frustfaktor im Game. Nur gut, dass man beim Ableben im Endbossfight direkt an gleicher Stelle erneut ausgesetzt wurde, ansonsten muss man sich im Spiel mit bestimmten Savepunkten zufrieden geben, was aber grösstenteils in Ordnung ging.

Was für mich eigentlich zu starker Tobak war, ist der Grad der Gewaltdarstellung. Das Spiel ist USK 16 und in meinen Augen härter, als viele Egoshooter, die die BPjS nicht auf die Öffentlichkeit loslassen wollte ;). So gehört es zu Kains Tageswerk, Gegner kopflose Entscheidungen schmackhaft zu machen oder ihnen auch mal zu zeigen, was es bedeutet, Herz zu haben. Für mich ist das schon etwas zuviel des Guten, auch wenn es mal interessant ist, den Bösen spielen zu dürfen. Was ich aber absolut nicht für mich vertreten konnte, war sozusagen der Zwang, auch Passanten töten zu müssen, da ich spieltechnisch auf ihr Blut angewiesen war. Damit kann ich mich zumindest nicht identifizieren, was noch abstossender wirkt, da diese Spielfiguren auch noch darum betteln, dass man ihnen kein Leid zufügt. Hier hätte man einen anderen Weg wählen sollen. Beim Rollenspiel "Vampire" konnte man Passanten anzapfen, ohne sie zu töten, was hier passender gewesen wäre. Kain saugt ihnen jedoch das Blut aus dem Körper mit einer Sounduntermalung, die sich anhört, als ob die Kids bei McDonalds die Reste ihrer Cola mit dem Strohhalm zwischen den Eiswürfeln heraussezieren. So wird das Spiel sicher noch ein Kandidat für die Prüfstelle.

Kommen wir nun zu den Bugs. Die deutsche Version entspricht schon der aktuell gepatchten Version 1.2, jedoch gab es trotzdem noch ein paar Probleme. Warum die Designer die Zwischensequenzen immer noch nicht ausblendbar gemacht haben, bleibt mir ein Rätsel. So muss man, nachdem man gestorben ist, oft ellenlange, zwar beim erstenmal interessante, Zwischensequenzen, erneut ansehen. Auch war die Steuerung innerhalb des Menüs nur mit Maus möglich, obwohl es auch bequem mit Gamepad hätte gesteuert werden können. Zusätzlich wurde nach dem Verlassen des Spiels die Option für die Kameraeinstellung nicht gespeichert, so dass man nach Spielneustart diese Option erst wieder neu einstellen musste. Zudem hatte ich oft das Problem, dass Kain an der oberen Stelle von einer Leiter hängenblieb und diese somit nicht verlassen konnte. Durch rauf und wieder runterklettern konnte dies jedoch umgangen werden. Auch gab es im letzten Level einen Bug mit einer Kiste. Wurde diese an eine falsche Position geschoben, lies sie sich nichtmehr zurückbewegen und damit auch das Puzzle nicht mehr lösen. Ein Neuladen des letzten Savegames oder ein Ableben war nötig, um die Kiste wieder auf den alten Stand zu bringen. Probleme gab es auch bei der automatischen Gegneraufschaltung, wenn man mehr als einen Gegner im Umfeld hatte. So passierte es öfters, dass die automatische Zielanvisierung fröhlich hin und her sprang und somit gezeilter Kampf nicht möglich war.

Übertrieben wurde etwas mit der Featureliste auf der Packungsrückseite. So wurde der legendäre Soul Reaver als Waffe für das Spiel angekündigt. Fakt ist aber, dass er lediglich im Endbosskampf für vielleicht 5 Minuten seinen aktiven Auftritt hat.

Insgesamt macht das Blood Omen 2 eher zu einem durchschnittlichen Spiel, das aber an mehreren Designpatzern leidet. Es bringt nichts neues ins Genre und die Figurenübernahme durch den Bann sollten Genrefreaks bereits hinlänglich aus dem Chanten von Abe's aus der Oddworld Serie kennen. Gewünscht hätte ich mir z. B. auch einige Optionen aus Blood Omen 1. Warum hat man z. B. nicht die Verwandlung in die Fledermaus für zusätzliche Puzzle benutzt, vergleichbar mit der Sonde in Projekt Eden? Das hätte für einige Abwechslung im Puzzleeinerlei sorgen können.

Spass hat es aber dennoch gemacht, Nosgoth für 14-15 Spielstunden sein Reich nennen zu dürfen. Fans der Serie werden ohnehin zugreifen, um mehr über Kain und die Vampirkriege zu erfahren. Wer Neueinsteiger ist, sollte jedoch zuerst mit Soul Reaver 1 & 2 (beide zusammen von Eidos auf einer DVD Version mit Goodies erhältlich) beginnen, die für mich immer noch die Süchtigmacher dieses Genres sind. Danach wird man dann eh nicht umhin können, sich mit Blood Omen 2 beschäftigen zu wollen.

Zum Schluss bleibt aber für mich nur eine ultimative Frage offen: Warum steht die Königin der Niederlande in den Handbuch-Credits unter "Special Thanks to..." ?


Geschrieben am 28.05.2002, Testkonfiguration: AMD1200, Geforce-3, 512MB Ram, SB Audigy
 



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