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I was an Atomic Mutant  


Info
Autor 3
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Gesamt (9 votes) 3
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 0.7
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Name:I was an Atomic Mutant
Genre: Arcade Action
Produkt: Vollversion
Release: 2003/06
Publisher: THQ
Entwickler: Canopy Games
Links: Komponist M.Wandmacher
Hardware: 400Mhz, 128MB RAM, 8MB 3D-Karte D3D, HD 200 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 98/ME, 2000, XP, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch/Englisch
Patch: 1.1
USK: 12
I was an Atomic Mutant (review von look)

In den 50iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Welt im Aufruhr. Der kalte Krieg tobte, Atomwaffenprogramme hatten Dimensionen angenommen, die zurecht als MAD-Strategy bezeichnet werden konnte (MAD = Mutural Assured Destruction), das Wettrüsten hatte Stilblüten angenommen die aufzeigten, was eigentlich damals für eine Angst herrschte - Atombunker fürs traute Heim, falls der Russe doch von Cuba aus angriff. (Als Folgeprodukt empfiehlt der Editor hier auch Fallout :-))

Die Wissenschaft Schritt mit den Sieben-Meilen-Stiefeln voran, was ebenso undefinierbare Ängste herauf beschwor, als ob die Kommunisten nicht ausreichen würden (McCarthy-Ära und die Hexenjagd per Dekret gegen eben jene üblen Subjekte im eigenen Land). Das Roswell-Abenteuer und der Sputnik taten ihr übriges, um die Komplexe jener hier nicht weiter genannten Gesellschaft ;-) in fast paranoide Gefühlsregungen hineinzuversetzen.

Unverbesserliche Optimisten (mit wohl wenig technischem Wissen) sahen schon die durch Atomkraft angetriebenen Autos auf den Strassen, jedes Heim seinen eigenen Atomreaktor, medizinische Durchbrüche die ewige Jugend und Leben suggerierten - die panische Angst jedoch vor der Gefahr, die durch die neuen Techniken aufkam, trug zu einer ganz anderen Sichtweise bei.

Die Film-, Fernseh- und SciFi-Buchindustrie überschlug sich gerade zu mit mehr oder weniger "guten" Adaptionen der Gefahrenquellen. Wer kennt sie nicht, die Machwerke aus jener Zeit, durch Strahlung mutierte Wesen oder mißlungene wissenschaftliche Experimente, die nur noch eines im Sinn haben - zerstören. Was für Grotesken damals hervor kamen und die Menschen wirklich ängstigten, kann man sich zwar heute noch ansehen, mehr als ein müdes Lächeln kommt dabei aber nicht mehr auf, zu plump und übertrieben waren die heute zum Kult gewordenen B-Movies jener Zeit, die alles miteinander verquirlten, was damals (mehr oder weniger) relevant war - bösartige Außerirdische, verstrahlte Mutanten, das teuflische Genie des Wahnsinns oder die rote Bedrohung, am besten alles auf einmal.

Diese Kultstreifen der damaligen Epoche des "Schreckens" und die daraus resultierenden Geschöpfe waren wohl die Auslöser, die zur Schaffung dieses "Meisterwerks" der spielerischen Unterhaltung führten, denn nichts anderes ist dieses Spiel, eine satirische Hommage an Machwerke wie "Attack of the 50 Foot Woman", "Tarantula" (übrighens Clint Eastwoods Kinodebüt), "Formicula", die Godzilla-Reihe (wer kennt sie nicht die Plastikmonster), "Blob - Schrecken ohne Namen", "Der Koloss", "Giganten des Grauens", "Das Ding aus einer anderen Welt", "Flying Disk Man from Mars", "Invasion vom Mars" oder "Gefahr aus dem Weltall" etc...

Doch worum geht es den nun genau, was ist die Intention des Spiels und wie gestaltet sich das Gameplay in der technischen Umgebung? Das sollen die folgenden Zeilen versuchen zu klären.

Das Spielprinzip hat als solches kein höheres Endziel, einzig und allein die komplette Zerstörung der zivilen Umwelt (Editor: "Das ist doch schon mal ein Anfang"), sprich Gebäude, Fahrzeuge und Bewohner, sind als solches zu bezeichnen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn ernst nimmt sich dieses Spiel bei weitem nicht. So ist alles auf den Spaß an der destruktiven Kraftentfaltung der Monster ausgerichtet- dabei hat man die freie Auswahl zwischen 4 Hauptcharakteren (es gibt leider keine freizuschaltenden Extrahelden).

Da wäre "Brain From Beyond Infinity", ein fliegendes überdimensionales Gehirn, welches Psikräfte besitzt, "Reptomicus" welchen man als Equivalent zu Godzilla ansehen dürfte (sicherlich lizenztechnisch zu betrachten), der als einziger unserer Helden auch mal gern einen "Snack" zu sich nimmt ;-), "She-Beast" die wohl wahrscheinlich "unauffälligste" Schönheit auf diesem Planeten (so lange Beine sieht man wirklich nur einmal) und zu guter letzt, die wohl gelungenste Umsetzung eines Außerirdischen seit E.T.: "Invader From Dimension X", der mit seinem Roboteranzug die Welt unsicher macht. Alle diese Helden des Alltags jener Zeit *grins* haben 5 verschiedenartige Angriffe zu Verfügung, jedoch bleiben diese in ihrer Wirkung und Anwendung zumeist gleich. Was bei "The Brain" (ob dieser wohl auch einen Pinky an seiner Seite hat) der "Psi-Blast" ist, heißt beim Godzillaverschnitt eben "Fireball", einzig die Animation ist eine andere, der Schaden und die Anwendung bleiben gleich. Es gibt einen Standardangriff, der sich nicht viel nimmt, jedoch hat jeder Charakter ein paar Moves drauf, die eben nur bei ihm/ihr zu finden sind. So kann der Intellektuelle mit seinem "Insanity Ray" alle Bewohner in unmittelbarer Umgebung in kleine niedliche Plüschtiere verwandeln, wogegen der Reptomicus seine Healthpoints mit dem "Toss of Eat" wieder aufbessern kann. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Furie mit ihrem Stimmorgan nicht zu überhören, welches sich im "Sonic Scream" manifestiert, dagegen geht das Alien ja schon fast klischeehaft vor, wenn es mit seinen "Death Rays" alles in der Umgebung per "Laserstrahl?" zerstört. Abwechslung in der Art, wie man seiner Zerstörungswut freien Lauf läßt, ist gegeben, so sind Tritte, Schläge gegen Gebäude ebenso vertreten, wie das Aufnehmen und Werfen von Fahrzeugen oder das großflächige Zerstören per, wie auch immer ausgelösten, Erdbeben. Da ein solches Ungetüm nicht unbeachtet durch die Gegend marschieren kann, ist eine Vielzahl von gegnerischem Anfeindungspotential integriert worden. Vom leichten Infanteristen, über Panzerfaustträger, bis hin zu verschiedenartigen Panzertypen, MG-Geschützen, Jagdflugzeugen, Bombern oder Röntgenstrahlern. Bossgegner wurden leider nicht eingebaut, was Schade ist, wäre durch sie die Möglichkeit gegeben, gegen die anderen wählbaren Charaktere anzutreten (wer erinnert sich nicht an die monströsen Pseudokämpfe in den Godzillafilmen).

Die Gegner-KI ist als solche kaum erwähnenswert, jedoch treten sie im Verlaufe des Spiels in solcher Masse auf, dass dies damit kompensiert werden kann. Die Levelareale sind meist immer im Setting einer Wüstenlandschaft gehalten, variieren jedoch in ihrer Darstellung von zerstörbaren Orten. Ob nun Durchgangsdorf an einem Highway, Kleinstadt mit Autokino oder größere Stadtzentren mit Hochhäusern, ob einfache Militärbasen, Kernkraftwerke, Raketenstützpunkte etc., für Abwechslung ist schon gesorgt, wird das Areal doch scheinbar per Zufallsmodulation erstellt. Eine gewisse Monotonie kann man jedoch nicht abstreiten. Da hilft es auch nicht, dass die Tageszeiten variieren, in denen man sein Werk beginnt.

Ein großes Manko sind jedoch die Ladezeiten der einzelnen Level, trotz mehrfachem defragmentieren der Festplatte dauerte der Ladevorgang bis zu 40 Sekunden, was heutzutage einfach nur noch als unangemessen betrachtet werden kann, sicherlich aber an der Zufallsgenerierung der Level liegen wird.

Den Schwierigkeitsgrad kann man jeweils in drei Stufen wählen, jedoch unterscheiden sie sich nicht wirklich von einander. Einzig die Masse an Gegnern wird erhöht und die Qualität der dargebotenen Opfer - ist also auf "Tingling" (leicht) noch Fussvolk mit MG unterwegs, werden einem auf "Beyond Belief" (schwer) schon ein paar Panzer vorgesetzt. Dieser Grad an Feindansammlung wird nur langsam von Level zu Level erhöht, weshalb man sehr leicht in höhere Level vordringen kann. Da es keinen Kampagnenmodus, oder überhaupt eine Story gibt, sind zwei Spielmodi wählbar. Zum einen wäre da der Arcademodus, bei dem man mit 3 Leben startet, dafür kann man seine Werte und Leben per in den Leveln findbaren Powerups erhöhen, bzw. regenerieren. Der zweite ist der Monster-Mode, bei dem man nur ein Leben, jedoch unendlich viel Power zu Verfügung hat. Gespeichert wird im Spiel indirekt, jedes abgeschlossene Spiel wird nach Vollenden des Levels gesichert.

Die Steuerung ist so einfach wie das Spielprinzip, gespielt wird per Tastatur/Maus-Kombi, wobei die Steuerung Shootertypisch auf der Kombi WSAD liegt, was jedoch aber wie alle Tastenbelegungen geändert werden kann. Dabei ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig, dass man mit der Maus die Figur nicht komplett drehen kann, sondern immer nur den Kopf (somit das Steuerkreuz) in einem natürlich wirkenden Sichtumfeld bewegbar ist, drehen ist nur per Tastatur möglich, weshalb auch kein Strafen möglich ist.

Gespielt wird dabei vorzugsweise aus einer Third-Person-Sicht, die man bequem per F1 anpassen kann. Dabei sei gesagt, dass die zwei Kamerapositionen ganz dicht und mittelweit entfernt von Hauptcharakter kaum spielbar sind, weil man nicht richtig sieht, wo man hinzielt, da sie leider nicht weit genug oben positioniert wurden. Der passabelste Modi ist der am weitesten entfernte. Der mit dem erschienenden Patch nachgereichte Egomodus zerstört irgendwie das Flair des Spiels, auch wenn er gut spielbar ist.

Damit wären wir bei der Grafik angelangt. Diese ist als durchweg gutes Mittelmaß zu betrachten. Vergleichbar mit neusten Engineentwicklungen a la Unreal-Warfare ist sie jedoch nicht. Trotz allem sind die Texturen durchweg gut gelungen, die Angriffs- und Explosionsdarstellungen sehr schön gemacht und effektvoll in Szene gesetzt, der Lensflair ist fast schon übetrieben zu betrachten. Die Figurenanimationen sind detailliert und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet worden. Einzig die Polygonarmut der Helden stört das Gesamtbild etwas. Als besonderes Schmankerl sollte hier jedoch die äußerst cineastische Umsetzung der Thematik der B-Movies aus den 50iger Jahren hervorgehoben werden. Das ganze Spiel, sowohl die Menüs als auch die Spielszenen wurden dem übergeordneten Thema angepaßt. So gibt es nicht nur 4 normale Kamerapositionen. Um es auch stylisch rüberbringen zu können, wurden zwei weitere Kameramodis eingefügt, die man im Spiel separat einschalten kann. Dabei wurde versucht das Kinofeeling einzufangen, indem man mittles der sogenannten "Canopy Vision 3D"-Sicht ein Kino mit Leinwand und weiteren Zusehern simulieren kann, auch in der damals gänginen Variante Autokino. Dabei steuert man dann die nun auf der Kinoleinwand gezeigte Figur, die zumeist in darstellungstypischen Kamerapositionen ihr Werk verrichtet. Wer es noch authentischer haben möchte, dem empfehle ich das Umschalten auf die obligatorische Schwarz/Weiß-Sicht. Hätte man hier noch die typischen Artefakte einer alten Filmrolle mit eingebracht (Kratzer usw.) so wäre die Illusion perfekt gewesen. Trotzdem, diese Features hätte ich auch gerne mal in anderen Spielen sehen wollen, es paßt wunderbar in dieses Setting und hebt die Darstellung der eigenhändigen Zerstörungswut schon fast auf ein künstlerisch wertvolles Podest ;-).

Was man auf alle Fälle gesehen haben sollte, sind der Einführungstrailer zum Spiel selbst, als auch die Trailer, mit denen die 4 Monster vorgestellt werden. Diese wurden wohl aus schon vorhandenen Filmmaterial aus jener Zeit zusammengeschnitten und mit Spielszenen bereichert, die an das schon ramponierte Filmmaterial angepaßt wurden. Marktschreierisch wie es damals üblich war, wird der Horror und das Entsetzen perfekt in Szene gesetzt und angepriesen, als ob es sich tatsächlich um eine Vorschau im Werbeblock im Kino um die Ecke handeln würde. Mit einem breiten Grinsen kann man genüßlich diese Pamphlete schlechten Geschmacks genießen, sind sie doch so gut gemacht, dass man sich direkt die filmische Umsetzung im Nachtprogramm der Fernsehanstalten vorstellen kann.

Der Sound im Spiel ist ebenfalls an das Gerne angepaßt. Die Soundsamples der flüchtenden Bevölkerung und die kriegerischen Rufe der GIs stammen scheinbar direkt aus eben jenen Filmen und passen prima ins Erscheinungsbild. Einzig die Waffensounds und die Explosionssamples sind etwas unterdimensioniert ausgefallen. Vielleicht ist man auch schon zu sehr in den letzten Jahren verwöhnt worden und es fällt deshalb auf, dass sie nicht übertrieben voll klingen. Dafür sind die Begleitmusikthemen um so besser gelungen, welch Schauer sie einem doch über den Rücken jagen ;-).

Komponist Michael Wandmacher (Hörbeispiele auf seiner Homepage) vermochte es, den Stil der 50ziger Jahre Horrofilme einzufangen und benutzte als Instrument das Theremin (ein Vorläufer der Synthesizer), welches schon in Robert Wise's Klassiker "Der Tag an dem die Erde still stand /The Day the Earth stood still" in Bernard Herrmann Filmmusik einen unglaublichen "Out of this World Sound" erzeugte, den auch Danny Elfman dann als Hommage an sein musiklisches Vorbild in "Mars Attacks" wiederbelebte. Die Musik ist so authentisch, dass man sie fast für alte Originale halten könnte. Absolut Hörenswert!

Als Fazit läßt sich sagen, dass dieses Spiel bei weitem kein Dauerbrenner ist, dafür wurde es auch gar nicht konzipiert. Es ist ein Spiel für Zwischendurch, wenn man mal wieder Lust verspürt, sinnlos ein paar Gegenden zu verwüsten und Unheil zu verbreiten. Dies läßt sich dann aber in einer bis zum Letzten ausgefeilten Umsetzung ausleben. Die manchmal lieblos wirkenden filmischen Umsetzungen der heutigen Zeit, haben hier in einem Mid-Preis-Spiel mit keinerlei Handlung, dafür aber mit reichlich Pathos bei der Hommage an die B-Movies der 50iger Jahre ihren Meister gefunden. Die technische Umsetzung mag eher leichte Kost sein (z. B. ist die Auflösung nur auf 800x600 und 1024x768 begrenzt), die Spielzeit wird sich wohl auf 10 Stunden beschränken, dafür ist das Ambiente und der Style, in der dies geschieht, mit nichts zu vergleichen, was bisher auf dem Markt war. Das es keine sprachliche Anpassung des Spieles gibt, stört eben so wenig, wie die fehlende Handlung. Hier geht's wohl eher schon um Gesamtkunstwerk (auch wenn man die rührseligen B-Movies als Vorbild genommen hat).

Wer auf Hintergrundgeschichten und tiefgründige Handlungsstränge verzichten kann, jedoch eine gewisse Affinität für die Horror- und Splatterfilme längst vergangener Tage hegt und nicht gleich abwinkt, wenn eine Figur keine 5000 Polygone mit Bumpmappingeffekten hat, sondern eben mit anderen grafischen Leckereien aufwarten kann, der sollte sich dieses ansonsten bugfreie Werk vormerken. Der Preis geht für die gebotene Leistung in Ordnung und wann bekommt man schon mal die Gelegenheit in Schwarz-Weiss auf einer Leinwand seine alten Bekannten aus Kindheitstagen selbst beim Zerstörungswerk zur Hand gehen zu können :-).


Geschrieben am 18.06.2003, Testkonfiguration: AMD1100, GeForce4 4200, 512MB Ram, SB Live 5.1
 



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