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Rückseite ]

Info
Autor 3
 2
 1.5
 2.5
Gesamt (70 votes) 3+
 1.5
 1.2
 2.2
Team (2 votes, siehe hier)3
Name:Assassins Creed
Genre: 3rd Person Action Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2007/11
Publisher: Ubisoft
Offiz. Sites: Game
Hardware: Xbox360
System: Xbox360
Sprache: Multilingual
zensiert: nein
Bemerkung: auch für PS3, PC (amBX Unterstützung)
USK: 16
Assassins Creed (review von nali_warcow)

2007 war für Spieler insgesamt ein sehr reichhaltiges Jahr und viele Spiele buhlten um die Gunst der Käufer. Microsoft und Sony hatten einige interessante Spiele im Jahressortiment und auch auf dem PC gab es lohnenswerte Titel. Mit Assassin's Creed hatte Ubi Soft zudem einen ganz heißen Kandidaten im Rennen, der für die Next-Gen-Konsolen Ende 2007 erschien. Über Monate hinweg war via Internet, Werbevideos und Presseberichten ein unglaublicher Rummel um den Titel veranstaltet worden. Doch was hat es von den beeindruckenden Videos ins Spiel geschafft? Worauf können sich PC-Zocker im ersten Quartal 2008 freuen? Und haben sich die Spieler vielleicht zu sehr auf die gutaussehende Jade Raymond konzentriert, die bei keiner Promotion des Spiels fehlen durfte? Wie gut der zur Zeit des dritten Kreuzzugs angesiedelte Titel geworden ist, soll das folgende Review zeigen.

Wie angesprochen, gibt es Assassin's Creed momentan nur für die beiden Next-Gen-Konsolen Xbox 360 und Playstation 3. Die Windows-Version des Titels folgt in wenigen Wochen. Fassungen für andere Systeme, wie Wii oder Playstation 2, sind aktuell nicht angekündigt, lediglich ein Ableger für Nintendos DS soll erscheinen. Wer nicht so viel Geld ausgeben will, der greift zur normalen Version des Spiels, die zum Konsolenstandardpreis von 50- 60€ zu haben ist. Wer etwa 20€ mehr drauflegt (und inzwischen ein wenig Glück braucht, um noch eine solche Version zu ergattern), kann auch in die Limited Edition investieren. Ausgeliefert wird diese Version in einer großen Verpackung inklusive einer etwa 30cm großen Figur des Hauptcharakters. Spielerisch nehmen sich Playstation 3 und Xbox 360-Version des Titels nichts, wenn man einmal von den inzwischen schon fast standardmäßigen Unterschieden der beiden Geräte absieht. So sieht die Fassung auf Microsofts Konsole ein wenig besser aus und läuft auch eine Spur flüssiger, während sich Playstation 3-Spieler in vielen Foren über die teils merklichen Performance-Einbrüche beschweren, kommt noch ein anderes Problem dazu: Gerade im Zusammenspiel mit der aktuellen Firmware 2.x kann es auf Sony-Konsolen zu vermehrten Abstürzen kommen. Mit der hier getesteten Xbox 360-Version gab es dagegen keinerlei Probleme. Das Spiel lief durchgehend flüssig und konnte mehrfach absturzfrei durchgespielt werden. Lediglich ein Minibug kann den Spaß ein wenig schmälern. Ein Nebenziel besteht darin, eine Reihe an in der Welt versteckten Gegner zu beseitigen. Allerdings kam es mehrfach vor, dass der Zähler urplötzlich Leute "vergessen" hatte und diese auch nicht mehr in der Welt zu finden waren, zumindest bis ein Neustart des Spiels vorgenommen wurde. Es kann daher sehr frustrierend sein, aufgrund dieses Fehlers die gesamte Welt erneut absuchen zu dürfen.

Die Suche in der Vergangenheit

Da die Geschichte von Assassin's Creed eines der Highlights ist und einige Überraschungen und interessante Momente beinhaltet, soll an dieser Stelle (und auch im weiteren Verlauf des Reviews) möglichst wenig verraten werden. So viel sei nur gesagt: Nicht das ganze Spiel über schlüpft der Spieler in die Rolle des Assassinen Altair, den es durch die virtuelle Welt des dritten Kreuzzugs (1191) zu steuern gilt. Eigentlich sollte Altair zusammen mit zwei Brüdern einen Schatz aus einem nahegelegenen Tempel besorgen, doch durch seine Sturheit endet die Mission in einem Desaster und der Meister-Assassine kehrt mit leeren Händen zurück. Durch eine Reihe hier nicht näher zu verratender Ereignisse wird der "Held" vom Meister der Assassinen, Al Mualim, zum Novizen degradiert und aller höheren Privilegien enthoben, sowie Fähigkeiten und Waffen genommen. Mit leeren Händen gilt es sich wieder bis ganz nach oben zu arbeiten. Um dies zu schaffen, müssen mehrere Attentate verübt werden, die Al Mualim vorgibt. Neun Leben gilt es zu nehmen, um dem einstigen Günstling wieder zu altem Ruhm zu verhelfen…

Präsentiert wird die Handlung dabei durch immer wieder eingestreute Erinnerungsfetzen und zahlreiche Dialoge mit NPCs in Ingamegrafik. Auch wenn die eine oder andere Überraschung für manche schon von Anfang an klar war, so ist die Präsentation insgesamt sehr stimmig ausgefallen. Die Perspektivenwechsel ermöglichen interessante und unterschiedliche Blickwinkel auf die Hintergrundgeschichte und auch der "Held" kommt sehr glaubhaft rüber. Bis zum leider etwas offenen Ende wird für Gamingfreude, die mehr als nur eine belanglose Geschichte hören wollen, einiges geboten. Ungeduldige Spieler werden dagegen teilweise ab und zu ein wenig die Augen verdrehen, da selbst im "Tod" noch ein kurzes (eher längeres) Schwätzchen mit dem Attentatsziel geführt wird.

Alltagsarbeit: Schleichen, Kämpfen, Belauschen und Bestehlen

Als Assassine ist der Spieler eigentlich kein Massenmörder und agiert eher aus dem Verborgenen. Ähnlich wie Kollege Sam Fisher heißt es also möglichst unbemerkt zu sein und keine Aufmerksamkeit der Wachen auf sich zu ziehen. Dabei sind nicht nur die Straßen, mit teils dichten Menschenmassen, ein möglicher Weg zum Ziel, sondern auch Sprung- und Kletterpassagen in luftiger Höhe lassen einen die Welt durchqueren. Kistenstapel, Vorsprünge und die zahlreichen Hausdächer sind die Spielwiese des Attentäters. Fast jeder kleine Vorsprung kann genutzt, sprich ergriffen, werden. Vorbei sind die Zeiten, an denen eine bestimmte Stange oder Kante vorhanden sein muss, damit sich der Charakter daran festhalten kann. Kleine Sockel, Gitter, Streben, Vorsprünge, größere Steine und viele andere Kleinigkeiten dienen Altair als Halte- und Interaktionspunkt. Wendiger als der Prinz aus Persien geht es sogar um Vorsprünge herum nach oben. Wer nun meint, hier umständlich Tastenaktionen durchführen zu müssen oder im richtigen Zeitpunkt zu interagieren, wird sich freuen: Ubi Soft hat das Kletter- und Sprungsystem sehr stark vereinfach und auf lediglich eine Taste reduziert. Für Prince of Persia-Fans mag dies auf den ersten Blick wie eine extreme Verstümmelung klingen, da ein nicht gerade geringer Reiz im Prince of Persia-Gameplay darin bestand, anspruchsvolle Kletterpassagen zu meistern. In Assassin's Creed liegt der Schwerpunkt jedoch ein klein wenig anders, wodurch die einfachere Bedienung auch sehr viel Sinn ergibt. Hier wird an Hauswänden geklettert und über Dächer und Streben gesprungen und es gibt keine Fallensysteme und "konstruierten" Kletterpassagen wie in der Prince of Persia-Reihe. Auch liegt ein nicht unwesentlicher Aspekt des Gameplays darin, als Assassine blitzschnell über die Dächer in Richtung Ziel zu huschen oder vor den Wachen zu fliehen. An jeder Kante erst stehen zu bleiben, Absprünge genau zu timen und den nächsten möglichen Interaktionspunkt zu suchen, würde sehr viel Fahrt aus dem Spiel nehmen. Knöpfchen gedrückt halten und Altair springt vom Dach zur nächsten Stange, weiter zum Balkon, klettert daran hoch, springt auf den Flaggenmast und kann sich danach gerade noch an der nächsten Mauer festhalten, bevor er nach unten fällt. So etwas sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern spielt sich auch gut, da man als Spieler eh alle Hände voll zu hat, eine günstige Route zu finden und eventuelle Verfolger abzuschütteln.

Der Spieler kann jedoch stark darauf Einfluss nehmen, on er überhaupt verfolgt wird, die Bewohner der virtuellen Städte etwas gegen den Attentäter haben und wann die Soldaten eingreifen. Es kommt in Assassin's Creed nicht nur darauf an, unbemerkt zu agieren, sondern das generelle Verhalten spielt eine Rolle. Erstmals werden in einem Spiel auch Menschenmassen simuliert, die auf das Spielerverhalten reagieren. Wer einfach nur durch die Menge läuft, die Personen zu Boden wirft oder anrempelt, wird sehr viel mehr Aufmerksamkeit (und den Zorn der Menge) erregen, als Spieler, die sich mit der Menge bewegen bzw. sich mit leichten Armbewegungen einen Weg durch den Menschenstrom bahnen. Einfach vor dem nächstbesten Soldaten das Schwert zu ziehen, ist ebenfalls keine gute Idee. Schlauer ist es da schon, sich dem Feind von hinten zu nähern und unbemerkt mit dem Dolch zu zustechen. Auch die zahlreichen Wachposten auf den Dächern lassen sich mit einer schnellen Sprungattacke oder einem Messerwurf schnell und unkompliziert ausschalten. Zu lange sollte der Spieler dann allerdings nicht offen herumstehen. Leichen sorgen sowohl bei den Wachen, als auch bei den Bürgern für Aufsehen. Hier heißt es flink zu sein, entweder in der Menge unterzutauchen oder sich ein gemütliches Plätzchen auf der nächsten Bank zu suchen, bis sich der Wirbel ein wenig gelegt hat. Auch Leute auf der Straße helfen dabei, wenn man nett genug ist. So gibt es im Kampf Unterstützung von einigen Partisanen, welche eventuell herbeieilende Wachen aufhalten und Mönchsgruppen bieten die Möglichkeit, sich zwischen ihnen zu verstecken und so in bewachte Gebiete zu gelangen. Alternativ gibt es aber auch oft andere Wege, etwa über einige Klettereinlagen, um eine Straßensperre zu umgehen. Sollte es trotz der zahlreichen Möglichkeiten, sich unbemerkt zu bewegen, doch einmal zu einem Kampf kommen oder einen die Wachen als Attentäter enttarnen, bleibt neben der Auseinandersetzung auch immer noch die Möglichkeit, sich für einige Zeit zu verkriechen, damit sich die Lage wieder beruhigt. Am Wichtigsten ist es dabei, den Sichtkontakt zu den Verfolgern zu unterbrechen. Dann kann Altair in den nächsten Heuhaufen kriechen oder auf einem der Dächer verstecken. Verloren ist beim "Alarm" meist nichts, es wird lediglich kurzzeitig ein wenig schwerer und in einem neuen Anlauf klappt es meist besser. Da das Spiel zudem auch pausenlos den Fortschritt speichert, wird der Spieler auch nie große Strecken zurückgesetzt. Treffer im Kampf reduzieren die Lebenspunkte, allerdings regeneriert sich Altair schon nach kurzer Zeit wieder ganz von selbst. Die Suche nach Heilpacks oder Zwangspause zur Regeneration sind nicht vorgesehen.

Um sich in der großen Welt nicht zu verlaufen, bekommt der Spieler noch eine hilfreiche Übersichtskarte, die nicht nur in unterschiedlichen Zoomstufen betrachtet werden kann, sondern auch alle Positionen von Haupt- und Nebenmissionen sowieso optionalen Zielen anzeigt. Damit es aber nicht zu leicht wird und um Punkte überhaupt auf der Karte angezeigt zu bekommen, müssen zahlreiche in der Stadt verteilte Aussichtspunkte erklommen werden. Dadurch wird die Karte "aktualisiert" und der "Nebelschleier" in einem Gebiet gelüftet. Aber das "Adlerauge" des Spielers kann noch mehr. In der Nähe von Personen reicht ein Knopfdruck und Altair erkennt kurzzeitig welche NPCs Feinde sind und wo sich eine Zielperson in der Menge versteckt. So etwas lässt sich zwar auch ohne die Zusatzfunktion erkennen, aber die temporäre farbliche Hervorhebung ist in einigen Situationen doch recht hilfreich.

Neun Opfer in einer großen Welt

Doch bevor für Altair die eigentliche Arbeit beginnt und neun Leben ausgelöscht werden müssen, muss der Spieler erst einmal ein wenig ins Spiel eingeführt und mit den zahlreichen Aktionsmöglichkeiten des Charakters vertraut gemacht werden. Dies geschieht in Form eines verständlichen Tutorials, welches wunderbar in die Handlung eingebunden wurde. Während der Spieler lernt, an Gebäuden zu klettern, sich unauffällig durch die Welt zu bewegen und die Möglichkeiten der Assassinen zu nutzen, wird gleichzeitig eine wirklich spannende Handlung erzählt, die nicht nur den "Fall" vom Meister-Assassinen zeigt, sondern auch viele interessante Fragen aufwirft, die teils erst zum Ende hin beantwortet werden. Die Einleitung wirkt weder aufgesetzt noch auf den letzten Drücker zusammengestrickt, wie bei manch anderen Games. Ohne dem Review zu viel vorwegnehmen zu wollen, aber die ersten 60 bis 90 Minuten gehören zum Besten des ganzen Spiels. Danach schwindet der Spielspaß leider merklich. Aber der Reihe nach. Nachdem der Spieler das kleine Assassinen-ABC gelernt hat und die eigentliche Handlung als "Novize" beginnt, öffnet sich langsam die große Welt. Ähnlich wie in GTA steht nicht von Anfang an die ganze Welt offen, sondern der Spieler kann nur einen Teil bereisen. Neben dem Assassinen-Hauptquartier Masyaf, einer Bergfestung, gibt es drei große Städte: Jerusalem, Damaskus und Akkon. Zusätzlich noch ein riesiges Königreich, das die Städte miteinander verbindet. Auf dem Rücken eines Pferdes geht es dabei geschwind durch die Welt, wobei der Spieler im späteren Spielverlauf auch die Reisewege abkürzen und direkt zur nächsten Stadt "springen" kann. So sehr sich die Städte optisch unterscheiden, so sehr wiederholt sich das Gameplay in den drei großen Schauplatzen, die jeweils in drei Bereiche (Armenviertel, Mittelstand und Reichenviertel) unterteilt sind und ohne Ladepause betreten werden können. Anfangs weiß der Spieler wenig von seinem eigentlichen Ziel und auch das in jeder Stadt ansässige Assassinen-Außenbüro kann da nicht helfen. Entsprechend gilt es sich zu Beginn nicht nur ein wenig mit der Örtlichkeit vertraut zu machen, gute Fluchtwege zu finden und sich bei den Leuten beliebt zu machen (Z. B. Leute vor den Übergriffen böser Soldaten zu beschützten), sondern auch möglichst viele Informationen über das anstehende Attentatsziel zu sammeln. Dabei handelt es sich um eine Reihe an Nebenmissionen, von denen meist immer drei erledigt werden müssen, damit die eigentliche Attentatsmission verfügbar ist. Durch stehlen und belauschen sammelt Altair nützliche Hinweise, die den Auftrag mitunter vereinfachen können. Da wird im Gespräch zwischen zwei Dienern leichtsinnigerweise erwähnt, dass es einen versteckten Nebeneingang gibt oder ein Baumeister klagt, dass er vergessen hat, das Gerüst an einer Gebäudeseite abzubauen. Aber auch Hintergrundinfos, was die Leute so Schlimmes gemacht haben, damit sie umgebracht werden müssen, gibt es zu entdecken. Steht schließlich der "Stichtag" an, an dem der Zielperson das Leben genommen wird, geht es über die Dächer in Richtung Zielgebiet. Möglichst ohne viel Aufsehen gilt es sich unter die Menge zu mischen und den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Hier bekommt es der Spieler dann auch mit jeweils sehr unterschiedlichen Zielgebieten und Aufgabenkonstellationen zu tun. Nicht jedes Ziel ist immer leicht zu erreichen, einige befinden sich eine Etage höher und Wachen sind meist zahlreich vorhanden. Nicht immer ist daher der direkte Weg der beste, so dass auch mal ein Umweg angebracht ist. Bei einem Attentat bewegt sich die Zielperson zudem durch die Stadt, andere ergreifen die Flucht und es muss schnell die Verfolgung aufgenommen werden, um nicht zu scheitern.

Wie schon angesprochen, so ist das Spiel sehr fair mit dem automatischen Speichersystem und es wird beispielsweise immer ein Checkpoint kurz vor dem Attentat angelegt. Der Spieler kann also ganz ohne Bedenken auch einfach mal unterschiedliche Herangehensweisen ausprobieren aus austüfteln, wie man es selbst am liebsten handhabt. Mit dem Tod des Ziels ist ein Auftrag jedoch nicht abgeschlossen. Erst wenn alle Verfolger abgeschüttelt und der Spieler wieder sicher im Assassinen-Büro ankommt, ist er erledigt. Wer sich nur auf die nötigsten Missionen beschränkt, wird etwa zehn bis zwölf Stunden seinen Spaß haben, für alle Nebenmissionen werden etwa fünf weitere Stunden benötigt und weitere 20 Stunden, will der Spieler alle 400 Flaggen und 100 Templer in der Welt finden. Einen Anreiz Assassin's Creed erneut durchzuspielen gibt es leider nicht. Weder kann der Spieler die Attentate anders angehen noch stehen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Wer nicht alle Flaggen gesammelt oder alle Templer beseitigt hat, kann jederzeit in absolvierte Missionen zurückspringen und diese erneut spielen.

Opulenter Metzelspaß mit Stolpersteinen & Designfehlern

Wie schon angesprochen ist bei Assassin's Creed leider längst nicht alles so berauschend, wie die Ubi Soft-Pressemitteilungen, Präsentationen, Demos oder die "Featureliste" verspricht. Gerade Spieler, die meinen, mit dem Titel eine gelungene Mischung aus Splinter Cell und Prince of Persia zu bekommen, werden bitter enttäuscht. Es hapert an zahlreichen Kleinigkeiten, viele Features sind lediglich angedacht und das Gameplay ist erschreckenderweise unglaublich stumpf. Wie kommt das? Ein großes Problem des Spiel heißt: Fehlende Abwechslung. Egal ob es die eigentlichen Attentate, die Vorbereitungen in Form von "Nebenmissionen" oder die Freizeitbeschäftigungen sind. Während Grand Theft Auto in allen Teilen blendend vormacht, wie man den Spieler mit unterschiedlichsten Missionen, Missionstypen, Aufgabenstellungen und Freizeitgestaltungen unterhalten kann, haben die Entwickler bei Ubi Soft kaum was davon mitbekommen. Der Spieler kann im Prinzip machen, was er will. Das Ergebnis ist immer gleich. Warum etwa soll man sich bis zur Zielperson leise durchschleichen, Umwege über Dächer suchen, beim Informanten einen Zettel mit der Positionierung der Wachen bekommen und versuchen, das Ziel möglichst unbemerkt ausschalten, wenn es danach immer zum Kampf kommt? Warum also erst das Ziel und dann die 20+ Soldaten ausschalten, wenn man auch gleich von Anfang an die 20 Wachen angreifen kann und die Zielperson in sieben von neun Fällen auch noch zu einem hinläuft und selbst in den Kampf eingreift? Ab einem Punkt geben die Entwickler immer vor, dass Action angesagt ist und dann hat der Spieler auch keine andere Möglichkeit mehr. Es wäre ja eine nette "Entschädigung", wenn diese Eintönigkeit durch stimmige Nebenmissionen ausgeglichen würde, aber in diesem Bereich sieht es noch schlimmer aus. Im Prinzip kennt das Spiel nur vier Arten: Informant verprügeln (Kurz wild auf den "Schlagen-Knopf" hämmern und so etwas geht auch vor den Augen der Soldaten, da die nur beim Agieren mit Waffen eingreifen.), Gespräche belauschen (Auf eine Bank setzen und einen Knopf drücken) und Bestehlen (Hinter den NPC gehen und einen Knopf drücken). Lediglich an etwa drei oder vier Gelegenheiten gibt es eine etwas anspruchsvollere Aufgabe, wie Flaggen unter Zeitdruck aufsammeln oder mehrere Gegner beseitigen und dabei nicht erwischt werden. Wer diese "schwereren Aufgaben" nicht machen möchte, muss es auch nicht. An Nebenmissionen bietet das Spiel mindestens immer doppelt so viele an, wie minimal nötig sein. Die restlichen Aktionen, wie 400 Flaggen in der gesamten Spielwelt sammeln, 100 Templer in der gesamten Spielwelt ausschalten oder in über 90 Nebenmissionen einige Wachen ausschalten, die einen Zivilisten bedrohen, sind Lückenfüller, um das Spiel künstlich zu strecken. Lediglich Spieler, die ganz schlecht im Schwerkampf sind, werden sich darüber freuen, dass sich so noch einige Lebenspunkte mehr ansammeln lassen. Wer jedoch ab der 2. Mission den Kontermove beherrscht, wird in den Kämpfen keine Probleme haben. Während Garrett in Thief im Kampf nichts reißen könnte, Sam Fisher als Profi im Feuerhagel schnell schlapp macht, kämpft Altair auch gegen 100 Wachen ohne Probleme… Zumindest so lange, wie es die Daumen des Spielers mitmachen.

Bei dieser Gelegenheit kann dann auch gleich das Ende des Spiels kritisiert werden. Damit ist gar nicht mal das offene Ende gemeint, sondern die letzten 60 Minuten. Hier sind Dauerkämpfe pur angesagt. Den Actionspieler freut es vielleicht, alle anderen werden eher enttäuscht. Damit sind die Mankos aber noch nicht erledigt. Assassin's Creed hat noch einige weitere, große und kleine Ärgernisse und Schnitzer im Gameplay. Es wurde ja schon gesagt, dass die Städte durch eine "Außenwelt" verbunden sind. Die Welt ist auch durchaus stimmig, abwechslungsreich und gut gestaltet. Aber hier haben die Entwickler lediglich eine Kulisse geschafften, die nur zum kurzen Durchreiten oder Absuchen nach Secrets verwendet wird. Spielerisch wurden 50% der Spielwelt gar nicht benutzt. Leider sind auch bei vielen anderen Features, die vollmundig versprochen wurden oder in der Theorie gut klingen, am Ende nur nette Möglichkeiten. Warum etwa eine Gruppe Mönche zur Tarnung nutzen, wenn man die vier Wachen am Durchgang einfach umhauen kann? Sind die Angreifer tot, dann ist der "Alarm" auch wieder vorbei. Warum sollte man leise sein, wenn die Wachen keine Gefahr sind? Die Interaktion mit den Menschenmassen klingt gut, die Auswirkungen im Spiel sind minimal. Mal entdecken einen die Soldaten, obwohl der Spieler "unauffällig" ist und bei anderen Gelegenheiten reagiert keiner. So spannend die Flucht über Dächer auch ist, irgendwie ist es schon ein wenig komisch, wenn selbst die gut gepanzerten Feinde ähnlich wie der Held wieselflink umherlaufen und nicht minder athletisch sind. Nur auf Türme klettern können die Angreifer dann doch nicht. Aber dafür wird sofort reagiert, wenn das Pferdchen ein wenig zu schnell durch die Gegend reitet. Als wenn die Wachposten alle Radarmessgeräte haben, so nehmen diese sofort die Verfolgung auf, wenn der Spieler nicht im Schritttempo durch die Welt reitet. Abschließend gibt es noch eine Kleinigkeit an der Steuerung zu bemängeln. Insgesamt klappt die Marionettensteuerung über das Pad wunderbar. Per Trigger kann der Spieler zwischen aggressiven und nicht so aggressiven Aktionen umschalten (etwa schupsen und leicht schieben) und auch die Kletter- und Kampfpassagen gehen gut von der Hand. Schön wäre es allerdings gewesen, wenn der Messerwurf direkt auf einer Tasten liegen würde, so dass man nicht immer erst über das Digikreuz umschalten muss. In der Hektik geht so etwas dann doch recht schlecht von der Hand. Doch nach dem ganzen Nörgeln einige brauchbare Features. So ist es ist durchaus gut gemacht, dass sich der Spieler seine Wurfmesser erst über das Klauen-Minispielchen (Person verfolgen und im "Unauffällig"-Modus zugreifen) zu besorgen hat.

Viel besser sieht es bei der Präsentation aus. Hier muss man wirklich ein Lob an Ubi Soft aussprechen, die eine sehr stimmige Welt erschaffen haben. Egal, welche Stadt man besucht, die Entwickler gingen mit einer unglaublichen Detailliebe ans Werk. Die Städte sind glaubwürdig gestaltet, die Bereiche der ärmeren Schichten sind ganz klar als solche zu erkennen, gigantische Türme und Kirchturmspitzen ragen in den Himmel und es gibt unzählige Klettermöglichkeiten. Auf den Straßen und in den Gassen hat man wirklich das Gefühl, durch eine Stadt zu gehen und nicht nur eine leblose Kulisse vor sich zu haben. Wachen machen Rundgänge, Bettler lungern am Wegesrand und alle Personen reagieren auf Ereignisse, wie Kämpfe oder Rempler. Aber auch die Charaktere und NPCs sind sehr detailliert ausgefallen. Und obwohl Ubi Soft "das Königreich" leider nicht für die Missionen verwendet hat, so gibt es hier ähnlich viele Details zu sehen. Es gibt Siedlungen, Ruinen und unterschiedlichste Befestigungen zu sehen. Abgesehen von Ladezeiten zwischen Stadt / Umland gibt es auch keine Ladepausen. Das Spiel bietet einen unglaublichen Ausblick von höheren Bauten / Gebäuden und eine wirklich sehr gute Framerate auf der Xbox 360. Ruckler oder Tearing war nicht zu bemerken. Aber auch bei der Akustik gibt es Positives zu berichten. Die Städte leben nicht nur optisch, sondern auch soundtechnisch. Um einen herum sind überall Stimmen zu hören, die Leute geben lauter Kommentare ab (die sich allerdings ein wenig zu schnell wiederholen) und auch das Kampfgeschehen wird gut untermalt. Schwerter klirren, die Gegner schreien auf vor Schmerz und der Soundtrack ist ebenfalls sehr stimmig ausgefallen. Auch die Sprachausgabe und Übersetzung ist - bis auf Kleinigkeiten - sehr gut ausgefallen und weiß zu unterhalten. Wer jedoch trotzdem lieber die englischen Sprecher hören möchte, muss einfach die Systemsprache der Konsole umstellen.

Meinung

Es ist für mich wirklich ein Schock, was Ubi Soft aus dem vielversprechenden Titel gemacht hat. Optisch sieht die Welt klasse aus, ist groß und man hat wirklich das Gefühl, durch eine lebende Stadt zu streifen. Auch die Handlung ist spannend, die Steuerung geht locker von der Hand, die Einleitung ist fesselnd und die Möglichkeiten klingen grandios. Das war es dann aber auch leider mit den Pluspunkten, da das eigentliche Gameplay erschreckend banal und eintönig ausgefallen ist. Dazu Nebenmissionen, die simpler nicht sein können und Schleichaspekte, die eine überflüssige Beigabe sind und keine Auswirkung aufs Gameplay haben, so wie viele andere Features auch. Sozusagen ein Splinter Cell für Arme, in dem der Spieler einfach alles ohne Konsequenzen über den Haufen schießen kann. Es ist zwar schön, dass Ubi Soft nicht einfach nur einen weiteren Aufguss einer bekannter Serie bietet, eine tolle Kulisse erschafft hat und auch an eine Geschichte denkt, aber ansonsten ist Assassin's Creed ein Paradebeispiel dafür, wie schlechtes Gameplay einen verheißungsvollen Titel zur Mittelmäßigkeit verkommen lassen kann. Mehr als eine solide 3 ist da für die Konsolenfassung nicht drin. PCler können mit einigen neuen Nebenmissionstypen rechnen, aber die allein werden daraus leider auch nicht das Erlebnis machen können, was im Vorfeld so vollmundig angekündigt wurde.


Geschrieben am 12.03.2008, Testkonfiguration: Xbox360
 



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